Warum sie entsteht, wie sie behandelt wird – und wie ich dreimal stärker zurückkam**
Wer lange Krafttraining macht, kennt Schulterprobleme. Und manche lernen sie schmerzhaft kennen.
Ich gehöre zu Letzteren: Drei Rupturen in neun Jahren – einmal rechts, zweimal links. Jede davon operiert durch Dr. Ansgar Ilg (OrthoCentrum Hamburg). Und ja: Ich bin jedes Mal stärker zurückgekommen.
Dieser Beitrag richtet sich an alle Kraftsportler, die wissen wollen:
- Was eine Rotatorenmanschettenruptur eigentlich ist
- Welche Symptome typisch sind
- Wann konservative Therapie reicht
- Wann eine OP sinnvoll ist
- Wie der Weg zurück ins Training realistisch aussieht
Was ist die Rotatorenmanschette überhaupt?
Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln, die unser Schultergelenk stabilisieren und Armbewegungen ermöglichen:
- Supraspinatus
- Infraspinatus
- Subscapularis
- Teres minor
Ihre Sehnen laufen durch den engen Subacromialraum zwischen Oberarmkopf und Schulterdach.
Genau dort entstehen die meisten Probleme – durch:
- Abnutzung (v. a. mit dem Alter normal)
- wiederholte Überlastung
- Engpass unter dem Schulterdach
- falsche Technik beim Training
- Sturz oder abrupte Zugbelastung
Wenn die Sehnenqualität nachlässt, kann eine Überlastung oder ein Unfall reichen, um die Sehne teilweise oder vollständig zu reißen.
Typische Symptome
Aus eigener Erfahrung und laut Fachliteratur:
- stechender Schmerz bei Hebebewegungen
- Nachtschmerz (klassisch!)
- Kraftverlust
- eingeschränkte Beweglichkeit
- Gefühl von Instabilität
- „Schnappen“ oder Reibegeräusche in der Schulter
Wenn nachts Schmerzen auftreten, ist das oft ein erstes deutliches Warnsignal.
Konservative Therapie: In vielen Fällen ausreichend
Nicht jede Ruptur muss operiert werden.
Die meisten Fälle lassen sich erfolgreich behandeln durch:
- Physiotherapie
- Training von Außenrotatoren & Scapula-Stabilität
- Beweglichkeitsarbeit
- entzündungshemmende Maßnahmen
Ziel:
Schmerz reduzieren, Bewegungsumfang verbessern, Stabilität wiederherstellen.
Viele kommen damit voll zurück ins Training – ohne OP.
Wann eine Operation sinnvoll ist
Eine OP wird vor allem empfohlen, wenn:
- der Riss groß oder vollständig ist
- die konservative Therapie nach Wochen/Monaten nicht hilft
- deutlicher Kraftverlust besteht
- der Muskel sich zurückzieht (Fetteinlagerung/Muskelatrophie, MRT-Prozess)
- der Patient sportlich sehr aktiv ist und hohe Belastungen braucht
Wichtig:
Nur eine Sehne mit guter Qualität kann sicher genäht werden.
Die OP: Minimalinvasiv, schonend – aber ernst
Der Eingriff erfolgt meist arthroskopisch (Schlüssellochtechnik):
- Kamera ins Gelenk
- Begutachtung der Ruptur
- Reinigung der Sehnenreste
- Zurückziehen der Sehne an ihren Ursprungsort
- Fixation mit 1–4 Nahtankern
- knotenlose Technik, um Reizungen zu vermeiden
Oft wird gleichzeitig der Engpass unter dem Schulterdach minimal erweitert, damit die Sehne langfristig mehr Platz hat.
Stationär: 2–3 Tage
Ambulant: je nach Fall möglich
Unmittelbare Nachbehandlung: Was in den ersten Wochen passiert
Nach einer Operation wird die Schulter 4–6 Wochen in einem Abduktionskissen ruhiggestellt, damit die Sehne sicher anwachsen kann. Trotzdem beginnt die Physiotherapie bereits am ersten Tag nach der OP. In den ersten sechs Wochen werden Bewegung und Kraft passiv und später unterstützt Schritt für Schritt gesteigert.
Die Heilung der Sehne selbst dauert deutlich länger:
Erst nach 4–6 Monaten ist die volle Funktion des Schultergelenks wiederhergestellt.
In dieser Zeit finden regelmäßige Kontrolltermine statt, bei denen der Heilungsprozess überwacht, Fragen geklärt und die nächsten Reha-Schritte angepasst werden.
Der harte Teil: Die Reha
Kein Kraftsportler hört das gern, aber Realität ist:
- 0–6 Wochen: Arm in einer Schlinge, passive Bewegungen
- 6–12 Wochen: vorsichtige Beweglichkeit, leichte Aktivierung
- 3–6 Monate: Kraftaufbau, Rotatoren stärken
- 6–12 Monate: volle Belastbarkeit, Training wie früher
Entscheidend:
Disziplin, Geduld, fehlerfreie Technik und keine ego-getriebenen Moves.
Ich selbst war jedes Mal nach einigen Monaten wieder im schweren Krafttraining – stärker als vorher.
Warum?
Weil die Übungen sauberer, kontrollierter und bewusster wurden.
Mein Fazit nach drei Rupturen
- Eine Rotatorenmanschettenruptur ist kein Karriereende.
- Die Kombination aus guter OP-Technik, sauberer Reha und stabilem Training bringt Dich zurück.
- Viele Fälle kommen ohne OP aus – Physiotherapie wirkt.
- Hör auf die Signale Deiner Schulter. Nacht- oder Hebeschmerzen sind kein Zufall.
- Prävention ist Pflicht: Außenrotatoren, Skapulastabilität, Technik.
Und:
Je besser Du nach der Verletzung trainierst, desto geringer die Rückfallquote.
Video minimalinvasive Rekonstruktion der Rotatorenmanschette