Abnehmspritzen wie Wegovy und Mounjaro sind verschreibungspflichtige Medikamente gegen Adipositas, also starkes Übergewicht. Ihre Wirkstoffe Semaglutid (in Wegovy) und Tirzepatid (in Mounjaro) ahmen Hormone aus dem Darm nach, die dem Gehirn Sättigung melden: Du hast weniger Hunger, wirst schneller satt und isst weniger.1, 2 Zusammen mit dem noch nicht zugelassenen Retatrutid bilden sie eine Treppe: Semaglutid wirkt an einer Hormon-Andockstelle, Tirzepatid an zwei, Retatrutid an drei.1, 2, 3 In den großen Zulassungsstudien nahmen Erwachsene ohne Diabetes in gut einem Jahr mit Semaglutid im Mittel knapp 15 Prozent ihres Körpergewichts ab, mit der höchsten Dosis Tirzepatid knapp 21 Prozent – mit einem Scheinmedikament, Fachleute sagen Placebo, waren es 2 bis 3 Prozent.4, 5 Bezahlt haben diese Studien die Hersteller der Mittel.
Drei Dinge gehen dabei oft unter. Wer aufhört, nimmt wieder zu: In einer Studie kamen im Jahr nach dem Absetzen rund zwei Drittel des verlorenen Gewichts zurück.6 Und ein Teil der verlorenen Kilos ist Magermasse – alles außer Fett und Knochen, also auch Muskeln: mit Tirzepatid rund ein Viertel, derselbe Anteil wie beim Abnehmen mit Scheinmedikament und Beratung zu Ernährung und Bewegung.7 Krafttraining und genug Eiweiß gehören deshalb dazu.8 Und in Deutschland zahlt die gesetzliche Krankenkasse Mittel zum Abnehmen nicht.9
Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost
Zehn Fragen, kurz beantwortet
Wenn Du nur zwei Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.
Ob ein solches Mittel für Dich infrage kommt, entscheidet Dein Arzt – nach Gewicht, Begleiterkrankungen und Vorgeschichte. Such Dir die Karte, die am besten zu Dir passt – dann weißt Du, worauf Du besonders achten solltest. Passt keine, gilt für Dich der Rest der Seite.
Der BMI ist Dein Gewicht in Kilo geteilt durch Deine Körpergröße in Metern zum Quadrat. Ab 30 spricht man von Adipositas, und dafür sind Wegovy und Mounjaro zugelassen – zusätzlich zu weniger Kalorien und mehr Bewegung.1, 2 Bei 1,75 Metern liegt diese Grenze bei knapp 92 Kilo (gerechnet: 30 × 1,75 × 1,75 = 91,9). Ob Du ein Rezept bekommst, entscheidet Dein Arzt.
Dann sind die Mittel nur zugelassen, wenn mindestens eine Erkrankung dazukommt, die mit dem Gewicht zusammenhängt – etwa Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes oder eine Vorstufe davon, Atemaussetzer im Schlaf oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.1 In der großen Studie mit Tirzepatid hatten 94,5 Prozent der Teilnehmer einen BMI von 30 oder mehr;5 für Deinen Bereich sind die Daten also dünner.
Unter einem BMI von 27 sind die Mittel nicht zugelassen,1, 2 und in den großen Studien war niemand mit so wenig Übergewicht dabei.4, 5 Für ein paar Kilo bleiben Ernährung und Bewegung der Weg.
Eine Übersicht nennt höheres Alter als Grund, bei der Wahl dieser Mittel auf die Muskeln zu achten – wegen des Risikos von Muskelschwund, Fachleute sagen Sarkopenie.24 In einer Studie mit Menschen ab 65 mit Adipositas, ohne Abnehmspritze, verloren die Teilnehmer beim Abnehmen mit Krafttraining weniger Magermasse als mit reinem Ausdauertraining.30 Für Dich gehört Krafttraining fest dazu.
Laut Fachinformation, dem amtlichen Text für Ärzte, wird Frauen, die schwanger werden können, unter beiden Mitteln Verhütung empfohlen. Vor einer geplanten Schwangerschaft wird Wegovy mindestens zwei Monate vorher abgesetzt, Mounjaro mindestens einen Monat. In der Schwangerschaft werden beide nicht angewendet, in der Stillzeit Wegovy nicht.1, 2 Sprich Deinen Kinderwunsch früh bei Deinem Arzt an.
Die Wegovy-Spritze ist ab 12 Jahren zugelassen, bei Adipositas und mehr als 60 Kilo Körpergewicht; die Tablette und Mounjaro zum Abnehmen erst ab 18.1, 2 In einer Studie mit Jugendlichen sank der BMI mit Semaglutid in 68 Wochen um 16,1 Prozent, mit Scheinmedikament stieg er um 0,6 Prozent; Gallensteine bekamen 4 von 100 mit Semaglutid, mit Scheinmedikament niemand. Bezahlt hat die Studie der Hersteller.31 Ob das für Dich infrage kommt, klärst Du mit Deinen Eltern und einem Kinder- und Jugendarzt.
Abnehmspritzen wirken auf Magen, Darm, Gallenblase und Herzschlag.1, 2 Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Gelenken oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, ob ein solches Mittel für Dich infrage kommt und wie hart Du daneben trainieren darfst.
Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Das Mittel macht den Hunger leiser – was Du in dieser Zeit isst und trainierst, entscheidet mit, was am Ende bleibt.
Die Mittel lassen sich wie eine Treppe ordnen – nach der Zahl der Hormon-Andockstellen, an denen sie wirken. Zugelassen sind die ersten beiden Stufen. Im Mittelpunkt stehen Semaglutid als Wegovy, als Spritze und als Tablette, und Tirzepatid als Mounjaro. Beide gibt es nur auf Rezept, und beide zahlst Du in der Regel selbst. Die dritte Stufe, Retatrutid, wird noch in Studien getestet.
Nach dem Essen bildet der Darm Hormone, die dem Gehirn melden: Es reicht. Eines davon heißt GLP-1. Jedes Hormon wirkt über eine eigene Andockstelle, Fachleute sagen Rezeptor: Das Hormon ist der Schlüssel, die Andockstelle das Schloss. Stufe 1: Semaglutid ist ein nachgebautes GLP-1 – wie ein nachgemachter Schlüssel, der ins selbe Schloss passt, nur viel länger wirkt; deshalb reicht eine Spritze pro Woche.1 Stufe 2: Tirzepatid passt zusätzlich ins Schloss eines zweiten Darmhormons, GIP.2, 5 Stufe 3: Retatrutid passt außerdem ins Schloss von Glucagon, einem Hormon der Bauchspeicheldrüse, das vor allem auf die Leber wirkt.3 Was bei den zugelassenen Mitteln herauskommt, beschreibt die europäische Arzneimittelbehörde so: mehr Sättigung, weniger Hunger und Heißhunger – und Du isst weniger.1 Ein Fettverbrenner ist die Spritze also nicht, eher ein Lautstärkeregler für den Hunger. Das Bild vom Lautstärkeregler ist meins; dass die Mittel über weniger Essen wirken, steht in ihrer Fachinformation.1, 2
Auf jeder Stufe steht eine Zahl aus der großen Zulassungsstudie des Mittels. Mehr Andockstellen heißen nicht automatisch mehr Wirkung: Ob Retatrutid mehr leistet als Tirzepatid, kann nur ein direkter Vergleich zeigen, und der läuft noch.18
Semaglutid
Wegovy, Spritze und Tablette · Andockstelle: GLP-1
−14,9 %
Spritze, übliche Dosis, in 68 Wochen; mit Scheinmedikament −2,4 %. Hohe Dosis 7,2 mg: −18,7 % in einer späteren Studie
zugelassenTirzepatid
Mounjaro, Spritze · Andockstellen: GLP-1 und GIP
−20,9 %
in 72 Wochen mit der höchsten Dosis, mit Scheinmedikament −3,1 %
zugelassenRetatrutid
noch in Studien, Spritze · Andockstellen: GLP-1, GIP und Glucagon
−25,0 %
in 80 Wochen mit der höchsten Dosis, mit Scheinmedikament −3,9 %
nicht zugelassengemessen Jeweils aus der großen Zulassungsstudie. Mitgezählt sind alle, die angefangen haben, auch wer abgebrochen hat – die vorsichtigere Rechnung. Die Studien liefen unterschiedlich lang, die zu Retatrutid mit 80 Wochen am längsten, und hatten verschiedene Teilnehmer; die Stufen sind also nicht direkt vergleichbar. Bezahlt hat jede Studie der Hersteller des Mittels.4, 5, 17, 35
Auf der ersten Stufe steht Semaglutid: als Wegovy-Spritze einmal pro Woche und als Wegovy-Tablette einmal täglich.1 Ozempic enthält denselben Wirkstoff wie Wegovy, ist aber nur gegen Typ-2-Diabetes zugelassen – mit höchstens 2 Milligramm pro Woche, Wegovy mit 2,4 Milligramm als üblicher Erhaltungsdosis.1, 36
Seit Februar 2026 ist die Wegovy-Spritze zusätzlich in einer höheren Dosis von 7,2 Milligramm pro Woche zugelassen – nur für Erwachsene, die zu Beginn der Behandlung einen BMI ab 30 hatten, und frühestens nach vier Wochen auf der üblichen Dosis; seit Juli 2026 gibt es dafür einen eigenen Pen.1, 37 In einer eigenen Studie mit Erwachsenen mit einem BMI ab 30 nahmen die Teilnehmer damit in 72 Wochen im Mittel 18,7 Prozent ab, mit der üblichen Dosis in derselben Studie 15,6 und mit Scheinmedikament 3,9 Prozent. Missempfindungen der Haut wie Kribbeln oder Brennen hatten mit der hohen Dosis 23 von 100, mit der üblichen 6 und mit Scheinmedikament unter 1. Bezahlt hat die Studie der Hersteller.35 Eine Packung mit vier Pens für vier Wochen kostet 383,80 Euro.13
Älter ist Liraglutid, ein Mittel derselben Gruppe, das täglich gespritzt wird: In seiner Zulassungsstudie nahmen die Teilnehmer, die zu Beginn im Mittel rund 106 Kilo wogen, in gut einem Jahr im Mittel 8,4 Kilo ab, mit Scheinmedikament 2,8 Kilo; auch diese Studie bezahlte der Hersteller.38
Tirzepatid gibt es als Mounjaro, einmal pro Woche als Spritze; in der EU heißt es auch zum Abnehmen so, anders als in den USA, wo es dafür Zepbound heißt.2 In seiner Zulassungsstudie nahmen Erwachsene ohne Diabetes mit der höchsten Dosis in 72 Wochen im Mittel 20,9 Prozent ab, mit Scheinmedikament 3,1.5 Im direkten Vergleich mit Semaglutid lag Tirzepatid vorn – mehr dazu in Kapitel 04.41
Retatrutid, oft kurz „Reta“ genannt, wirkt zusätzlich an der Andockstelle von Glucagon.3 Bei Mäusen verbrauchten die Tiere dadurch zusätzlich mehr Energie; ob das beim Menschen auch so ist, ist nicht gezeigt.42 Beim Menschen gemessen ist etwa, was mit dem Leberfett geschieht: In einer kleinen Teilstudie mit 98 Menschen mit Fettleber sank es mit den beiden höchsten Dosen in 24 Wochen um gut vier Fünftel, mit Scheinmedikament praktisch nicht – gerechnet nur mit denen, die bei der Behandlung blieben. Wer mehr abnahm, verlor im Mittel auch mehr Leberfett.43
In der großen Zulassungsstudie bekamen 2.339 Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht mit Begleiterkrankung, ohne Diabetes, 80 Wochen lang einmal pro Woche Retatrutid oder ein Scheinmedikament. Mit der höchsten Dosis nahmen sie im Mittel 25,0 Prozent ab, mit Scheinmedikament 3,9 Prozent – gerechnet über alle Teilnehmer, auch über die, die abgebrochen haben. In zwei eigens ausgewerteten Gruppen linderte das Mittel außerdem Knieschmerzen bei Arthrose und Atemaussetzer im Schlaf.17, 44 Der Hersteller nennt in seiner Pressemitteilung 28,3 Prozent – so gerechnet, als wären alle bei der Behandlung geblieben.19 Bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes waren es in einer zweiten Studie, ebenfalls über 80 Wochen, 18,8 Prozent, mit Scheinmedikament 5,1.45 Beide Studien hat der Hersteller bezahlt; mehrere Autoren sind bei ihm angestellt. Eine Studie, die Retatrutid direkt mit Tirzepatid vergleicht, läuft noch; Ergebnisse gibt es bisher nicht.18
Die Nebenwirkungen ähneln denen der ersten beiden Stufen.45 Laut Hersteller war in der großen Studie mit der höchsten Dosis 42 von 100 Teilnehmern übel, mit Scheinmedikament 15; erbrochen haben 25 von 100, mit Scheinmedikament 5. Wie bei der hohen Wegovy-Dosis traten Missempfindungen der Haut auf, etwa Kribbeln oder Brennen – bei bis zu 12,5 von 100, mit Scheinmedikament bei unter 1, meist leicht bis mittelschwer. Harnwegsinfekte hatten bis zu 9 von 100, mit Scheinmedikament 5. Wegen Nebenwirkungen brachen mit der höchsten Dosis 11 von 100 ab, mit Scheinmedikament 5.19 In der früheren, kleineren Studie stieg der Ruhepuls umso stärker, je höher die Dosis war, am meisten um Woche 24; danach ging er wieder zurück.3 Was das Mittel auf Dauer für Herz und Gefäße bedeutet, soll eine große Herzstudie klären, deren Ergebnisse noch ausstehen.46
| Mittel | Form | Zugelassen zum Abnehmen für | Abnahme in der Zulassungsstudie | Preis je Packung |
|---|---|---|---|---|
| Wegovy-SpritzeSemaglutid | einmal pro Woche, Fertigpen | Erwachsene; Jugendliche ab 12 mit Adipositas und über 60 kg | −14,9 % in 68 Wochen, mit Scheinmedikament −2,4 % | 277,60 € für 4 Wochen in der üblichen Erhaltungsdosis |
| Wegovy-TabletteSemaglutid | einmal täglich, nüchtern | Erwachsene | −13,6 % in 64 Wochen, mit Scheinmedikament −2,2 % | 277,60 € für 30 Tage in der Erhaltungsdosis |
| MounjaroTirzepatid | einmal pro Woche, Fertigpen | Erwachsene | −20,9 % in 72 Wochen mit der höchsten Dosis, mit Scheinmedikament −3,1 % | 277,60 bis 490,01 € für 4 Wochen, je nach Erhaltungsdosis |
gemessen Zulassung nach den Angaben der europäischen Arzneimittelbehörde; „Erwachsene“ heißt jeweils: BMI ab 30, oder ab 27 mit Begleiterkrankung.1, 2 Abnahme aus den Zulassungsstudien, alle vom Hersteller bezahlt; sie liefen unterschiedlich lang und mit verschiedenen Teilnehmern, die Zeilen sind also nicht direkt vergleichbar.4, 5, 15 Preise einer deutschen Versandapotheke vom 25.10.2026 für die Erhaltungsdosen; die niedrigeren Startdosen kosten weniger, Dreierpackungen etwas weniger.13
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt Mittel zum Abnehmen nicht. Das Sozialgesetzbuch schließt Arzneimittel aus, „bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht“, und nennt ausdrücklich solche „zur Abmagerung oder zur Zügelung des Appetits, zur Regulierung des Körpergewichts“.9 Das gilt, obwohl Wegovy und Mounjaro zur Behandlung von Adipositas zugelassen sind. Die Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, der festlegt, was die gesetzlichen Kassen zahlen, nannte es im August 2026 „sicher überlegenswert“, solche Mittel unter bestimmten Bedingungen als Kassenleistung anzuerkennen; entschieden ist nichts.10 Anders ist es, wenn die Wirkstoffe gegen Typ-2-Diabetes verordnet werden: Ozempic etwa ist dafür zugelassen und erstattungsfähig.11 Private Krankenversicherungen zahlen je nach Diagnose und Tarif.12
gerechnet Von mir aus den Preisen der Versandapotheke gerechnet, ohne die günstigeren Startdosen und ohne künftige Preisänderungen. Mounjaro in der kleinsten Erhaltungsdosis kostet so viel wie die Wegovy-Spritze.13
Die großen Studien zu Abnehmspritzen sind solide gebaut: Die Teilnehmer wurden per Los verteilt, verglichen wurde mit einem Scheinmedikament, und sie liefen länger als ein Jahr. Bezahlt haben sie fast alle die Hersteller – das macht die Ergebnisse nicht falsch, ist aber ein Grund, genau hinzusehen.
In der großen Zulassungsstudie bekamen Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas, ohne Diabetes, 68 Wochen lang einmal pro Woche Semaglutid oder ein Scheinmedikament; beide Gruppen erhielten dazu eine Beratung zu Ernährung und Bewegung. Mit Semaglutid nahmen sie im Mittel 14,9 Prozent ab, mit Scheinmedikament 2,4 Prozent – rund 15 gegenüber knapp 3 Kilo. Die Hälfte schaffte 15 Prozent oder mehr. Übelkeit und Durchfall waren meist vorübergehend und leicht bis mittelschwer; wegen Magen-Darm-Beschwerden brachen trotzdem 4,5 von 100 die Behandlung ab, mit Scheinmedikament knapp 1 von 100. Bezahlt hat die Studie der Hersteller, drei der Autoren arbeiten bei ihm.4
In der Zulassungsstudie zu Tirzepatid nahmen Erwachsene ohne Diabetes in 72 Wochen je nach Dosis im Mittel 15,0, 19,5 oder 20,9 Prozent ab, mit Scheinmedikament 3,1 Prozent. Zu Beginn wogen sie im Mittel knapp 105 Kilo. Die Magen-Darm-Beschwerden traten vor allem auf, während die Dosis gesteigert wurde; wegen Nebenwirkungen brachen je nach Dosis 4 bis 7 von 100 ab, mit Scheinmedikament knapp 3. Auch diese Studie hat der Hersteller bezahlt, fünf der Autoren arbeiten bei ihm.5
Im direkten Vergleich lag Tirzepatid vorn: In einer Studie nahmen Erwachsene mit Adipositas ohne Diabetes in 72 Wochen mit Tirzepatid im Mittel 20,2 Prozent ab, mit Semaglutid 13,7 Prozent, jeweils in der höchsten Dosis, die sie vertrugen. Teilnehmer und Ärzte wussten dabei, wer welches Mittel bekam; bezahlt hat der Hersteller von Tirzepatid, sieben der elf Autoren arbeiten bei ihm.41 Die höhere Wegovy-Dosis von 7,2 Milligramm war bei diesem Vergleich nicht dabei.
Mit der Wegovy-Tablette nahmen Erwachsene in 64 Wochen im Mittel 13,6 Prozent ab, mit Scheinmedikament 2,2 Prozent. Magen-Darm-Beschwerden hatten 74 von 100, mit Scheinmedikament 42; bezahlt hat der Hersteller, drei der Autoren arbeiten bei ihm.15 Das liegt nah an der Spritze – direkt verglichen wurden beide aber nicht.
In einer großen Studie bekamen Menschen ab 45 Jahren mit Übergewicht und einer bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung, aber ohne Diabetes, Semaglutid oder ein Scheinmedikament. Nach gut drei Jahren hatten mit Semaglutid 6,5 von 100 einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten oder waren an einer Herz-Kreislauf-Ursache gestorben, mit Scheinmedikament 8,0 von 100 – zusammengezählt ein Fünftel weniger. Wegen Nebenwirkungen brachen allerdings 16,6 von 100 die Behandlung ab, mit Scheinmedikament 8,2. Bezahlt hat der Hersteller, sieben der Autoren arbeiten bei ihm.49 Für Menschen ohne Herzerkrankung zeigt diese Studie nichts. Eigens zum Schutz des Herzens zugelassen ist Wegovy nicht; die Ergebnisse der Studie stehen aber in seiner Fachinformation.1
gerechnet Von mir aus den Werten der Studie gerechnet, ohne die Feinheiten ihrer statistischen Auswertung.49
Die meisten, die eine Abnehmspritze nehmen, merken sie an Magen oder Darm. Ernste Nebenwirkungen sind deutlich seltener – kennen solltest Du sie trotzdem.
| Nebenwirkung | Mit dem Mittel | Mit Scheinmedikament |
|---|---|---|
| ÜbelkeitSemaglutid-Spritze | 43,9 % | 16,1 % |
| ÜbelkeitTirzepatid, je nach Dosis | 24,6–33,3 % | 9,5 % |
| DurchfallSemaglutid-Spritze | 29,7 % | 15,9 % |
| DurchfallTirzepatid, je nach Dosis | 18,7–23,0 % | 7,3 % |
| ErbrechenSemaglutid-Spritze | 24,5 % | 6,3 % |
| VerstopfungSemaglutid-Spritze | 24,2 % | 11,1 % |
| Abbruch wegen Magen-Darm-BeschwerdenTirzepatid, je nach Dosis | 1,9–4,4 % | 0,5 % |
| GallensteineSemaglutid-Spritze | 1,6 % | 1,1 % |
| Erkrankung der GallenblaseTirzepatid | 2,0 % | 1,6 % |
| HaarausfallSemaglutid-Spritze | 2,5 % | 1,0 % |
| Entzündung der BauchspeicheldrüseSemaglutid-Spritze | 0,2 % | unter 0,1 % |
gemessen Anteil der Teilnehmer mit der Nebenwirkung in den Zulassungsstudien, laut Fachinformation der beiden Mittel; Semaglutid aus den Studien zur Spritze, Tirzepatid aus den Studien zum Gewicht mit den drei Erhaltungsdosen.1, 2 Die Zahlen stammen aus verschiedenen Studien; zwischen den beiden Mitteln lassen sie sich nicht direkt vergleichen.
Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung sind die typischen Nebenwirkungen beider Mittel.1, 2 In den Studien waren sie meist leicht bis mittelschwer, gingen mit der Zeit zurück und traten vor allem in der Phase auf, in der die Dosis gesteigert wurde.4, 5 In den Zulassungsstudien zur Spritze zusammengenommen brachen mit Semaglutid 4,3 von 100 die Behandlung wegen Magen-Darm-Beschwerden ab.1 Wer viel erbricht oder Durchfall hat, verliert Flüssigkeit – das kann in seltenen Fällen die Nieren verschlechtern.1
Mit Semaglutid bekamen in den Studien 1,6 von 100 Teilnehmern Gallensteine, mit Scheinmedikament 1,1; eine Gallenblasenentzündung 0,6 gegenüber 0,3 von 100. Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse trat bei 2 von 1.000 auf, mit Scheinmedikament bei weniger als 1 von 1.000. Besteht der Verdacht darauf – typisch sind starke, anhaltende Bauchschmerzen –, wird das Mittel abgesetzt.1
Der Ruhepuls lag mit beiden Mitteln im Mittel um etwa 3 Schläge pro Minute höher als zu Beginn.1, 2 Haarausfall meldeten mit Semaglutid 2,5 von 100, mit Scheinmedikament 1,0.1 Mit der hohen Wegovy-Dosis von 7,2 Milligramm hatten in ihrer Studie 23 von 100 Missempfindungen der Haut wie Kribbeln oder Brennen, mit der üblichen Dosis 6, mit Scheinmedikament unter 1.35 Zu Retatrutid, das noch geprüft wird, stehen die Nebenwirkungen in Kapitel 03.
Die europäische Arzneimittelbehörde stuft eine bestimmte Schädigung des Sehnervs – Fachleute sagen NAION, ein plötzlicher Sehverlust durch eine Durchblutungsstörung am Sehnerv – als sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid ein: bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten. Wer plötzlich schlechter sieht, holt sich sofort ärztlichen Rat; bestätigt sich die Diagnose, wird das Mittel abgesetzt.22
Weil die Mittel die Magenentleerung verlangsamen, kann bei einer Narkose oder tiefen Sedierung noch Mageninhalt im Magen sein, der in die Lunge gelangen kann. Die Fachinformation verlangt, das vor solchen Eingriffen zu bedenken.1, 2 Sag es also vorher.
Wer stark abnimmt, verliert nicht nur Fett. Wie viel Muskel dabei mitgeht und wie viel Gewicht später zurückkommt, hast Du zum Teil selbst in der Hand.
In einer Teilstudie der großen Zulassungsstudie zu Tirzepatid wurde die Körperzusammensetzung mit einer schwachen Röntgenmessung bestimmt, die Fett, Knochen und den Rest getrennt erfasst. Dieser Rest heißt Magermasse: Muskeln, Organe und Wasser. Mit Tirzepatid nahmen die Teilnehmer in 72 Wochen 21,3 Prozent ab, mit Scheinmedikament 5,3 Prozent. In beiden Gruppen war rund ein Viertel des verlorenen Gewichts Magermasse und drei Viertel Fett – 26 gegenüber 25 Prozent; das Mittel verschob das Verhältnis also nicht. Weil sie viel mehr abnahmen, verloren die Teilnehmer mit Tirzepatid absolut aber gut viermal so viel Magermasse: 5,6 Kilo, dazu 15,9 Kilo Fett. Ein festes Krafttraining gehörte nicht zum Programm. Untersucht wurde nur ein kleiner Teil der Teilnehmer, die Anteile wurden nachträglich ausgewertet, und bezahlt hat der Hersteller, der auch an Auswertung und Text beteiligt war.7
Eine Auswertung von 20 Studien kam für Tirzepatid auf denselben Anteil: rund ein Viertel des verlorenen Gewichts war Magermasse, wie bei Ernährungs- und Bewegungsprogrammen ohne Medikament. Mit Semaglutid war es gut ein Drittel – nach den Zahlen der Auswertung mehr als bei den Programmen, auch wenn die Autoren die Anteile insgesamt vergleichbar nennen. Am kleinsten war der Anteil bei Programmen mit Krafttraining, allerdings ohne Medikament: rund ein Sechstel. Wer diese Auswertung bezahlt hat, habe ich nicht geprüft.23
Magermasse ist allerdings nicht dasselbe wie Muskel: Dazu zählen auch Organe und Wasser. Nach einer Übersicht scheinen die Muskeln unter diesen Mitteln etwa so zu schrumpfen, wie es bei diesem Gewichtsverlust und diesem Alter zu erwarten ist, und ihre Qualität verbessert sich eher, weil weniger Fett in ihnen steckt. Höheres Alter und schwere Erkrankungen nennt sie als Gründe, bei der Wahl dieser Mittel auf Muskelschwund zu achten. Eine Mitautorin arbeitet bei einer Firma, die Fett- und Muskelwerte aus Kernspin-Aufnahmen bestimmt – auf solche Messungen stützt sich die Aussage zur Muskelqualität, ein möglicher Interessenkonflikt.24 Ob die Kraft leidet, ist offen: In kürzeren Studien blieb die Griffkraft trotz Verlust an Magermasse erhalten; bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes gibt es Berichte über nachlassende Kraft bei längerer Behandlung.50
In einer Studie nahmen Erwachsene mit Adipositas zuerst mit einer sehr kalorienarmen Diät in acht Wochen rund 13 Kilo ab. Danach bekamen sie ein Jahr lang Liraglutid, ein älteres Mittel derselben Gruppe, ein Trainingsprogramm, beides oder ein Scheinmedikament. Mit beidem zusammen lagen sie nach einem Jahr 9,5 Kilo besser als die Gruppe mit Scheinmedikament, und ihr Körperfettanteil sank etwa doppelt so stark wie mit nur einem von beiden. Gegenüber Liraglutid allein betrug der Vorsprung beim Gewicht 2,7 Kilo – ein Unterschied, der auch Zufall sein kann. Mitbezahlt hat die Studie unter anderem eine Stiftung, die über ihre Holding die Stimmenmehrheit am Hersteller von Liraglutid hält – ein möglicher Interessenkonflikt.25
Ein Jahr nach dem Ende der Behandlung wurden die Teilnehmer noch einmal untersucht. Das Training war betreutes Radfahren auf dem Standrad mit anschließendem Zirkeltraining, dazu eigenes Training nach Wahl. Nach Liraglutid allein kamen in diesem Jahr 6,0 Kilo mehr zurück als nach dem Trainingsprogramm allein, und die, die beides kombiniert hatten, lagen am Ende 5,1 Kilo unter denen mit Liraglutid allein. Nach den strengen Vorgaben der Studie für viele gleichzeitige Vergleiche sind diese Unterschiede allerdings nicht gesichert – sie können auch Zufall sein. Zur Nachuntersuchung kam nur gut die Hälfte, und wer kam, hatte zuvor besser abgenommen. Bezahlt haben eine dänische Stiftung und erneut die Stiftung mit Stimmenmehrheit am Hersteller; mehrere Autoren haben Verbindungen zum Hersteller.34
Und wie viel Eiweiß? Vier US-Fachgesellschaften für Lebensstilmedizin, Ernährung und Adipositas gehen in ihrer gemeinsamen Empfehlung für Menschen unter Abnehmspritzen vom allgemeinen Richtwert von 0,8 Gramm je Kilo Körpergewicht aus; beim Abnehmen seien auch höhere Ziele von 1,2 bis 1,6 Gramm je Kilo vorgeschlagen worden. Bei starkem Übergewicht könne das tatsächliche Körpergewicht den Bedarf aber deutlich überschätzen. Genauer seien 1,5 Gramm je Kilo fettfreier Masse, also allem außer Fett – dafür muss man sie aber messen. Als einfacheres, leichter durchzuhaltendes Ziel nennen sie 80 bis 120 Gramm Eiweiß am Tag. Dazu raten sie zu Krafttraining mindestens dreimal pro Woche und mindestens 150 Minuten Ausdauertraining pro Woche. Mehrere Autoren sitzen in Beiräten der Hersteller oder halten Vorträge für sie – ein möglicher Interessenkonflikt.8 Mehr zum Eiweißbedarf steht auf meiner Seite zu Protein.
gerechnet Von mir aus den Werten der Empfehlung gerechnet, für zwei Beispielgewichte.8
Was passiert, wenn man aufhört, haben zwei Studien direkt geprüft: Alle Teilnehmer nahmen zuerst das Mittel, dann bekam ein Teil per Los ein Scheinmedikament; gezählt sind hier jeweils die, die per Los verteilt wurden. Mit Semaglutid hatten sie in 20 Wochen 10,6 Prozent abgenommen; im folgenden knappen Jahr nahmen die, die weiterspritzten, noch 7,9 Prozent ab – die mit Scheinmedikament 6,9 Prozent wieder zu.51 Mit Tirzepatid in der höchsten Dosis, die sie vertrugen, hatten sie in 36 Wochen 20,9 Prozent abgenommen; im folgenden Jahr nahmen die mit Scheinmedikament 14,0 Prozent wieder zu und lagen am Ende noch 9,9 Prozent unter ihrem Ausgangsgewicht. Wer weiterspritzte, nahm noch 5,5 Prozent ab.26 In beiden Studien arbeiten mehrere Autoren beim jeweiligen Hersteller – ein Interessenkonflikt; wer sie bezahlt hat, habe ich nicht geprüft.
In der Verlängerung der großen Semaglutid-Studie wurde ein Teil der Teilnehmer nach dem Absetzen ein Jahr lang weiter beobachtet – nur solche, die die Behandlung bis zum Ende durchgezogen hatten. Sie hatten im Mittel 17,3 Prozent abgenommen, mehr als alle Teilnehmer zusammen; ein Jahr später waren rund zwei Drittel davon zurück, unterm Strich lagen sie noch 5,6 Prozent unter dem Ausgangsgewicht. Fast die Hälfte lag noch mindestens 5 Prozent darunter. Der Blutdruck war wieder beim Ausgangswert, einige Blutwerte wie der Langzeitzucker HbA1c blieben etwas besser. Allerdings endete mit dem Mittel auch die Beratung zu Ernährung und Bewegung, die Auswertung war nicht als Hauptfrage geplant, und drei der Autoren arbeiten beim Hersteller.6
Eine große Auswertung von 37 Studien zeigt dasselbe Muster: Nach dem Absetzen von Abnehmmitteln kam das Gewicht im Mittel mit 0,4 Kilo pro Monat zurück, nach Semaglutid und Tirzepatid mit 0,8 Kilo pro Monat – im ersten Jahr knapp 10 Kilo. Rechnerisch wären die Teilnehmer nach rund anderthalb Jahren wieder beim Ausgangsgewicht; nach Ernährungs- und Bewegungsprogrammen ging die Zunahme langsamer – ein indirekter Vergleich mit einer früheren Auswertung. Für Semaglutid und Tirzepatid stützt sich das allerdings auf nur acht Studien mit höchstens einem Jahr Beobachtung, der Rest ist hochgerechnet, und nur wenige der Studien hatten ein geringes Risiko für Verzerrungen. Bezahlt haben die Auswertung vor allem öffentliche britische Forschungsgelder; drei der Autoren erhalten Forschungsgeld der Stiftung mit Stimmenmehrheit am Hersteller von Semaglutid – ein möglicher Interessenkonflikt.33
Rund um Abnehmspritzen kursieren viele feste Sätze – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen elf Aussagen stimmt eine, fünf stimmen halb, fünf stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht.
Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Mittel können, und was sie und ihre Studien offenlassen.
Naheliegend ist der Schluss: Wenn Semaglutid Herzkranke schützt, schützt es auch Gesunde. Gezeigt ist das nicht – die Studie lief nur mit Menschen, die schon eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten.49 Für alle anderen ist der Herzschutz eine offene Frage, kein Versprechen.
Die großen Studien zu Semaglutid, Tirzepatid, Retatrutid und den neuen Tabletten hat jeweils der Hersteller bezahlt;3, 4, 5, 15, 17, 35, 40, 41, 43, 44, 45, 49 die Studie zu Training und Liraglutid unter anderem eine Stiftung mit Stimmenmehrheit am Hersteller.25 Öffentlich bezahlt sind auf dieser Seite vor allem die Studie mit älteren Menschen und die große Auswertung zum Absetzen.30, 33 Bei mehreren Quellen konnte ich Geldgeber oder Interessenkonflikte nicht prüfen; das steht jeweils im Kapitel „Belegt“. Das macht keine Ergebnisse falsch – es ist aber ein Grund, sie nicht allein stehen zu lassen.
Die Studien auf dieser Seite zeigen, was im Mittel für eine Gruppe gilt. Mit einer Vorerkrankung zählt Dein eigener Fall – den klärst Du mit Deinem Arzt.
Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.
So lesen sich die Stufen: gut belegt – mehrere große Studien mit Vergleichsgruppe, gleiche Richtung · belegt – eine große Studie mit Vergleichsgruppe oder mehrere kleinere · erste Hinweise – wenige oder kleine Studien, Teilauswertungen · uneinheitlich – Studien kommen zu verschiedenen Ergebnissen · nicht belegt – nicht untersucht · Behördenangabe und Empfehlung – Angabe einer Behörde oder Rat von Fachgesellschaften, keine eigene Studie.
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Semaglutid und Tirzepatid senken das Gewicht deutlich stärker als ein Scheinmedikament | gut belegt – mehrere große Zulassungsstudien, alle vom Hersteller bezahlt |
| Tirzepatid senkt das Gewicht stärker als Semaglutid | belegt – eine große direkte Vergleichsstudie, offen, vom Hersteller von Tirzepatid bezahlt |
| Retatrutid senkt das Gewicht deutlich stärker als ein Scheinmedikament | gut belegt – zwei große Zulassungsstudien über 80 Wochen und eine frühere Studie, alle vom Hersteller bezahlt; zugelassen ist es noch nicht |
| Retatrutid wirkt stärker als Tirzepatid | nicht belegt – der direkte Vergleich läuft noch; Zahlen aus verschiedenen Studien ersetzen ihn nicht |
| Retatrutid ist auch über Jahre unbedenklich | nicht belegt – die längsten Studien liefen 80 Wochen; eine große Herzstudie läuft noch |
| Die Wegovy-Tablette wirkt ähnlich wie die Spritze | erste Hinweise – eigene Zulassungsstudie, kein direkter Vergleich |
| Nach dem Absetzen kommt ein Großteil des Gewichts zurück | gut belegt – zwei Absetzstudien und eine große Auswertung; die Zeit bis zum Ausgangsgewicht ist hochgerechnet |
| Mit Tirzepatid ist rund ein Viertel des verlorenen Gewichts Magermasse – derselbe Anteil wie beim Abnehmen ohne Medikament | erste Hinweise – nachträglich ausgewertete Teilstudie mit Röntgenmessung und eine Auswertung von 20 Studien; mit Semaglutid gut ein Drittel |
| Die Kraft bleibt trotz Verlust an Magermasse erhalten | uneinheitlich – in kürzeren Studien ja, bei Älteren mit Typ-2-Diabetes Berichte über nachlassende Kraft |
| Krafttraining schützt unter Abnehmspritzen die Magermasse | erste Hinweise – belegt für das Abnehmen ohne Medikament; mit den neuen Mitteln kaum untersucht |
| Training während der Behandlung hilft, das Gewicht nach dem Absetzen zu halten | erste Hinweise – eine Studie mit einem älteren Mittel, nach Korrektur für viele Vergleiche nicht gesichert, nur gut die Hälfte nachuntersucht |
| Semaglutid senkt bei Herzkranken mit Übergewicht schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse – Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-Tod zusammengezählt | belegt – eine große Studie über gut drei Jahre, vom Hersteller bezahlt |
| Semaglutid schützt auch das Herz von Menschen ohne Herzerkrankung | nicht belegt – in der Herzstudie nicht untersucht |
| Eine Schädigung des Sehnervs ist eine sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid | Behördenangabe – Bewertung der europäischen Arzneimittelbehörde |
| Gefälschte Abnehmspritzen sind im Umlauf | Behördenangabe – Warnungen der europäischen Arzneimittelbehörde und der Weltgesundheitsorganisation |
| 80 bis 120 Gramm Eiweiß am Tag unter Abnehmspritzen | Empfehlung – von vier US-Fachgesellschaften, keine eigene Studie |
| Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche | Empfehlung – der Weltgesundheitsorganisation für alle Erwachsenen |
Das Kurze · Fazit in Zahlen
Jede Zahl mit Quelle und Haken
Die sechs Zahlen stammen aus Studien, einer Auswertung vieler Studien und der Preisliste einer Versandapotheke, Stand Oktober 2026. Zu jeder steht, wer untersucht wurde, was herauskam und wo der Haken liegt.
Mit Scheinmedikament −2,4 Prozent, beide Gruppen mit Beratung zu Ernährung und Bewegung: Die Wegovy-Spritze hilft stark beim Abnehmen.
Erwachsene ohne Diabetes; die Hälfte schaffte 15 Prozent oder mehr, die übrigen weniger. Bezahlt vom Hersteller, drei Autoren bei ihm angestellt.
Mit Scheinmedikament −3,1 Prozent: Mounjaro wirkt noch stärker – im direkten Vergleich 20,2 gegenüber 13,7 Prozent.
Höchste Dosis; mit den niedrigeren 15,0 und 19,5 Prozent. Beide Studien bezahlt vom Hersteller von Tirzepatid, der Vergleich offen und ohne die höhere Wegovy-Dosis.
Von 17,3 Prozent Abnahme blieben unterm Strich 5,6: Das Gewicht hält meist nur, solange das Mittel wirkt.
Nicht als Hauptfrage geplante Auswertung von Teilnehmern, die die Behandlung durchgezogen hatten; auch die Beratung endete mit dem Absetzen. Fast die Hälfte lag ein Jahr später noch mindestens 5 Prozent unter dem Ausgangsgewicht. Eine große Auswertung zeigt dasselbe Muster, rechnet die Zeit bis zum Ausgangsgewicht aber hoch.
Mit Scheinmedikament 25 Prozent: Wer stark abnimmt, verliert auch Magermasse – mit oder ohne Spritze.
Magermasse ist nicht nur Muskel. Nachträglich ausgewertete Teilstudie mit einem kleinen Teil der Teilnehmer, ohne Krafttraining im Programm; bezahlt vom Hersteller, der an Auswertung und Text beteiligt war. Mit Semaglutid lag der Anteil in einer Auswertung vieler Studien bei gut einem Drittel.
Bei Herzkranken mit Übergewicht in gut drei Jahren: ein Fünftel weniger – 1,5 von 100 Behandelten (gerechnet).
Nur Menschen ab 45 mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung und ohne Diabetes; doppelt so viele brachen wegen Nebenwirkungen ab. Bezahlt vom Hersteller.
Mounjaro kostet je nach Erhaltungsdosis 277,60 bis 490,01 Euro: Zum Abnehmen zahlt die gesetzliche Kasse nicht – Du zahlst selbst, solange Du das Mittel nimmst.
Preis einer Versandapotheke am 25.10.2026; Startdosen und Dreierpackungen sind günstiger, Preise können sich ändern. Private Versicherungen zahlen je nach Diagnose und Tarif.
Jede Zahl ist an der Studie, der Behördenseite oder der Preisliste geprüft, Stand 25.10.2026 – meist an der Kurzfassung in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, bei sieben Arbeiten an der vollständigen Fassung. Welche das sind, und die vollständigen Angaben mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, stehen im Kapitel „Belegt“.
Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Studie oder Quelle, Teilnehmer, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Alle Studien habe ich über PubMed geprüft, die Zulassungsangaben an den Seiten der europäischen Arzneimittelbehörde. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.
Zu den Begriffen in den Belegen: Placebo heißt Scheinmedikament. Das Hazard Ratio, kurz HR, vergleicht das Risiko zweier Gruppen über die Zeit – 0,80 heißt rund 20 Prozent weniger Ereignisse. Die Odds Ratio vergleicht die Chancen zweier Gruppen – 7,2 heißt grob: eine gut siebenmal so hohe Chance. Der 95-Prozent-Bereich gibt die Spanne an, in der der wahre Wert mit großer Wahrscheinlichkeit liegt. Der p-Wert sagt, wie leicht sich ein Unterschied durch Zufall erklären ließe; liegt er über 0,05, gilt der Unterschied meist als nicht gesichert. Prozentpunkte sind der Abstand zwischen zwei Prozentwerten. In einer offenen Studie wissen Teilnehmer und Ärzte, wer welches Mittel bekommt. In einer Einlaufphase bekommen alle das Mittel, bevor per Los verteilt wird. Die Behandlungsstrategie-Auswertung zählt alle Teilnehmer mit, auch die, die das Mittel abgesetzt haben. DXA ist eine schwache Röntgenmessung, die Fett, Knochen und den Rest getrennt erfasst; diesen Rest – Muskeln, Organe, Wasser – nennt diese Seite Magermasse. Fettfreie Masse heißt alles außer Fett, also mit den Knochen. Erkundend oder nachträglich ausgewertet heißt: nicht von vornherein als Hauptfrage geplant. Phase 2 und Phase 3 sind Stufen der Prüfung vor einer Zulassung, Phase 3 ist die letzte große; Phase 3b heißt eine weitere große Studie neben den ersten Zulassungsstudien. Die Fachinformation ist der amtliche Text für Ärzte, EPAR der öffentliche Bewertungsbericht der europäischen Arzneimittelbehörde EMA, CHMP ihr Ausschuss für Humanarzneimittel. PMID ist die Nummer einer Arbeit in PubMed, PMC die ihres frei zugänglichen Volltexts, DOI ihre dauerhafte Internetadresse; die PZN ist die Pharmazentralnummer einer Arzneimittelpackung. An Tabellen und Rechenkästen heißt gemessen: Die Zahl steht so in der Quelle; gerechnet: Ich habe sie aus solchen Zahlen ausgerechnet, der Rechenweg steht dabei.