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die fittermacher
Vitamin-B-Komplex
Wissen · Stefan Trost
Nahrungsergänzung · B-Vitamine · Etikett

Vitamin-B-Komplex: Brauchst Du ihn?

Meist nicht: Wer gemischt isst, bekommt die meisten B-Vitamine über das Essen. Gezielt zählen B12 bei veganer Kost, im Alter nach Blutwert, und Folsäure bei Kinderwunsch. Und wer ein Präparat kauft, liest zuerst die Zeile für Vitamin B6 – zu viel davon kann Nerven schädigen.

Ein Vitamin-B-Komplex fasst die acht B-Vitamine in einer Kapsel zusammen: Thiamin (B1), Riboflavin (B2), Niacin (B3), Pantothensäure (B5), Vitamin B6, Biotin (B7), Folat (B9) und Vitamin B12. Der Körper braucht sie unter anderem, um Energie aus der Nahrung zu gewinnen, für Nerven und Blutbildung.1 Vitaminmangelkrankheiten kommen bei gesunden Erwachsenen in Deutschland laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) äußerst selten vor.2

Knapp werden kann es vor allem bei B12 und Folat. B12 steckt von Natur aus nur in tierischen Lebensmitteln; wer vegan lebt, braucht ein Präparat, und im Alter oder mit manchen Medikamenten nimmt der Körper oft weniger davon auf.3, 4, 5 Folsäure vor einer Schwangerschaft senkt das Risiko für bestimmte Fehlbildungen beim Kind deutlich.6 Dass ein Komplex gut versorgten Menschen mehr Energie oder Leistung bringt, ist nicht belegt – und Vitamin B6 kann in hoher Menge über längere Zeit Nerven schädigen.7, 8, 9

12 mg
Vitamin B6 am Tag aus allen Quellen hält die EU-Lebensmittelbehörde EFSA für unbedenklich – 2023 von 25 Milligramm gesenkt, wegen Nervenschäden9
27 %
der 65- bis 93-Jährigen hatten in einer Studie in der Region Augsburg einen niedrigen B12-Wert im Blut5
69 %
weniger Fehlbildungen von Gehirn und Rückenmark beim Kind, wenn Frauen rund um die Empfängnis Folsäure nahmen – gesichert vor allem bei Frauen nach einer betroffenen Schwangerschaft; Auswertung von Studien, von mir in Prozent umgerechnet6

B-Vitamine und B-Komplex in Fragen und Antworten

Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost

Neun Fragen, kurz beantwortet

Wenn Du nur zwei Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.

„Brauche ich einen B-Komplex?“
Meist nicht. Für Gesunde, die sich vollwertig ernähren, hält die DGE Nahrungsergänzungsmittel für überflüssig – mit Ausnahmen wie Folsäure bei Kinderwunsch.2 Ob Du zu einer Gruppe gehörst, für die es anders aussieht, zeigt Kapitel 01.
„Ich bin oft müde – gibt mir ein B-Komplex mehr Energie?“
Nur, wenn Dir ein B-Vitamin fehlt. Für sechs B-Vitamine dürfen Hersteller damit werben, dass sie zur Verringerung von Müdigkeit beitragen; das beschreibt, wofür der Körper sie braucht.1 Fehlt eines, kann das bremsen: In einer kleinen Studie senkte ein wochenlanger Mangel an mehreren B-Vitaminen und Vitamin C die Ausdauerleistung.10 Dass ein Präparat gut versorgte Menschen leistungsfähiger macht, ist nicht belegt.7, 8, 11 Bist Du oft müde, lass die Ursache ärztlich abklären, statt auf Verdacht zu schlucken – ob Dir etwas fehlt, zeigt ein Bluttest, nicht das Gefühl. Das ist meine Einschätzung.
„Ich trainiere viel – brauche ich mehr B-Vitamine?“
Meist nicht. Wer viel trainiert und so viel isst, wie er verbraucht, bekommt meist genug Vitamine. Das gelingt laut einer Übersicht aber vielen Sportlern nicht.12 Knapp werden kann es eher, wenn Du über längere Zeit wenig isst oder ganze Lebensmittelgruppen weglässt.13
„Ich lebe vegan – was brauche ich?“
B12 als Präparat. Die DGE hält es bei veganer Ernährung für notwendig;4, 14 das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine Bundesbehörde, rät, die Versorgung regelmäßig ärztlich prüfen zu lassen.15 Auch Riboflavin (B2) zählt die DGE bei veganer Kost zu den Nährstoffen, die knapp werden können.4
„Ich bin über 60 – sollte ich B12 nehmen?“
Lass den Wert prüfen, statt zu raten. In einer Studie in der Region Augsburg hatte gut jeder Vierte zwischen 65 und 93 einen niedrigen B12-Wert.5 Im Alter löst der Magen bei manchen B12 schlechter aus der Nahrung; auch Metformin, ein Diabetesmittel, und Säureblocker – Tabletten, die die Magensäure senken, etwa Omeprazol oder Pantoprazol, oft „Magenschutz“ genannt – können die Aufnahme verringern.3, 16, 17 Und falls Du Dir davon ein fittes Gedächtnis erhoffst: Auf die geistige Leistungsfähigkeit hatten B-Vitamine bei geistig gesunden Menschen, meist über 60 und die meisten mit einer Herz- oder Gefäßerkrankung, in einer großen Auswertung wahrscheinlich kaum oder keinen Einfluss.18
„Wann brauche ich Folsäure?“
Wenn Du schwanger werden willst oder könntest. Dann rät die DGE zu 400 Mikrogramm Folsäure am Tag, ab mindestens vier Wochen vor der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Drittels.4 Wer später beginnt, dem empfiehlt ein bundesweites Netzwerk von Fachleuten 800 Mikrogramm.19
„Was ist an einem B-Komplex riskant?“
Vor allem zu viel Vitamin B6. Über längere Zeit in hoher Menge eingenommen, kann es Nerven schädigen – mit Kribbeln, Brennen oder Taubheit.9, 20 Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hält bis 12 Milligramm am Tag aus Essen und Präparaten zusammen für unbedenklich. Weil das Essen schon B6 liefert und mehrere Präparate zusammenkommen können, schlägt das BfR für ein einzelnes Präparat höchstens 0,9 Milligramm je Tagesdosis vor.9, 21
„Worauf achte ich auf dem Etikett?“
Auf drei Zeilen: B6, Folsäure, Biotin. B6 nach dem Vorschlag des BfR nicht über 0,9 Milligramm, Folsäure nicht über 200 Mikrogramm – außer bei Kinderwunsch.21, 22 Und wenn Biotin drin ist: Vor einer Blutabnahme sagst Du es Deinem Arzt oder dem Labor, weil Biotin Laborwerte verfälschen kann – ein erhöhtes Risiko sieht das BfR ab 150 Mikrogramm am Tag, auch in einem B-Komplex.23
„Reicht B12 als Tablette – oder muss es gespritzt werden?“
Nach ersten Hinweisen hebt die Tablette den Blutwert ähnlich gut. In zwei kleinen Studien hoben 1.000 Mikrogramm am Tag als Tablette den Blutwert bei einem Mangel ähnlich gut wie Spritzen; ob Beschwerden genauso zurückgehen, hat keine Studie gemessen.24 Wie ein festgestellter Mangel behandelt wird, entscheidet Dein Arzt.
01Gilt das für Dich?

Für wen ein B-Vitamin wirklich zählt

Die Zahlen zur Versorgung auf dieser Seite stammen aus Erhebungen in der Allgemeinbevölkerung, die Studien zu Präparaten aus sehr verschiedenen Gruppen – von Leistungssportlern bis zu älteren Menschen mit Herzleiden. Lies die Karten, die auf Dich passen, dann weißt Du, was für Dich gilt.

Du isst gemischt

Kein Komplex nötig

Für Gesunde, die sich vollwertig ernähren, hält die DGE Nahrungsergänzungsmittel für überflüssig; Ausnahmen sind Folsäure bei Kinderwunsch und Vitamin D.2 Beim Folat liegt die Zufuhr im Mittel zwar unter den 300 Mikrogramm, die die DGE nennt; im Blut haben die meisten aber genug – mehr dazu in Kapitel 04.25, 26 Hülsenfrüchte, grünes Gemüse und Vollkorn bringen hier mehr als eine Kapsel – das ist meine Einschätzung.

Du lebst vegan

B12 ist Pflicht

B12 steckt von Natur aus nur in tierischen Lebensmitteln.3 Die DGE hält ein B12-Präparat bei veganer Ernährung für notwendig, das BfR rät, die Versorgung regelmäßig ärztlich prüfen zu lassen.4, 14, 15 Auch Riboflavin zählt laut DGE bei veganer Kost zu den Nährstoffen, die knapp werden können; die guten Lieferanten, die sie nennt, sind alle tierisch: Milch, Milchprodukte, Fisch und Innereien.4 Nimm B12 – und lass den Wert kontrollieren.

Du bist älter

B12 im Blick behalten

Gut jeder Vierte zwischen 65 und 93 hatte in einer Studie in der Region Augsburg einen niedrigen B12-Wert.5 Ein Grund: Bei einer atrophischen Gastritis – die Magenschleimhaut bildet sich zurück – sinken Magensäure und der Stoff, den der Körper zur Aufnahme von B12 braucht.3 Sprich den B12-Wert bei Deinem Arzt an.

Du nimmst Metformin oder Säureblocker

Auf Dauer B12 prüfen

In einer Studie hatten Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzten, nach gut vier Jahren mit Metformin deutlich häufiger einen B12-Mangel als mit einem Scheinmittel, einer Tablette ohne Wirkstoff.16 Wer zwei Jahre oder länger Protonenpumpenhemmer nahm – Säureblocker wie Omeprazol oder Pantoprazol, oft „Magenschutz“ genannt –, hatte in einer großen Beobachtungsstudie häufiger einen B12-Mangel; das zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis.3, 17 Setz nichts eigenmächtig ab – sprich den B12-Wert bei Deinem Arzt an.

Du willst schwanger werden

Folsäure ab jetzt

Die DGE rät zu 400 Mikrogramm Folsäure am Tag, ab mindestens vier Wochen vor der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Drittels.4 Folsäure rund um die Empfängnis senkte in einer Auswertung von Studien Fehlbildungen von Gehirn und Rückenmark beim Kind deutlich – gesichert vor allem bei Frauen, die schon eine betroffene Schwangerschaft hatten.6 Fang früh an – wer später beginnt, dem wird mehr empfohlen.19

Du trainierst viel oder bist in einer Diät

Erst auf den Teller schauen

Wer so viel isst, wie er verbraucht, bekommt meist genug Vitamine; das gelingt laut einer Übersicht aber vielen Sportlern nicht.12 Wer aber über längere Zeit wenig isst oder ganze Lebensmittelgruppen weglässt, für den rät eine Übersicht, ein Multivitaminpräparat zu erwägen.13 Ein Leistungsplus durch einen B-Komplex ist bei gut versorgten Sportlern nicht belegt.7, 8

Medizinische Vorgeschichte

Erst die Freigabe

Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Magen, Darm oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, ob und wie viel davon für Dich passt.

Nicht Thema dieser Seite Wie ein festgestellter Mangel behandelt wird, B-Vitamine bei Kindern, Schwangerschaft und Stillzeit über die Folsäure hinaus, hoch dosierte B-Vitamine als Arzneimittel, etwa bei Nervenleiden, und Energydrinks stehen nicht hier. Diese Seite erklärt, wer einen B-Komplex oder einzelne B-Vitamine wirklich braucht – und worauf Du beim Kauf achtest.
02So machst Du es

B-Vitamine: was Du tust – und was Du lässt

Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Gezielt statt pauschal: B12 und Folsäure für die, die sie brauchen – und beim Präparat ein Blick auf die B6-Zeile.

✓Iss gemischt. Folat liefern laut DGE etwa grünes Blattgemüse, Tomaten, Hülsenfrüchte, Nüsse, Orangen, Vollkorn und Kartoffeln; B12 steckt von Natur aus nur in tierischen Lebensmitteln.3, 4
✓Dämpf Gemüse, statt es in Wasser zu kochen. In einer Messung verloren Spinat und Brokkoli beim Kochen in Wasser gut die Hälfte ihres Folats, beim Dämpfen nichts, was sich sicher messen ließ.27
✓Nimm B12 als Präparat, wenn Du vegan lebst – und lass den Wert regelmäßig ärztlich prüfen.4, 15
✓Nimm 400 Mikrogramm Folsäure, wenn Du schwanger werden willst oder könntest – ab mindestens vier Wochen vorher bis zum Ende des ersten Drittels der Schwangerschaft.4, 19
✓Sprich den B12-Wert an, wenn Du älter bist oder seit Jahren Metformin oder Säureblocker nimmst.16, 17 Die Zahlen zu niedrigen B12-Werten im Alter auf dieser Seite stammen von Menschen ab 65.5
✓Lies auf dem Etikett zuerst die B6-Zeile. Weil schon das Essen B6 liefert, schlägt das BfR für Präparate höchstens 0,9 Milligramm je Tagesdosis vor; schon 100 Prozent der Referenzmenge auf dem Etikett – oft als „NRV“ angegeben, hier 1,4 Milligramm – liegen darüber.21, 28
✓Lies auch die Folsäure-Zeile. Ohne Kinderwunsch schlägt das BfR höchstens 200 Mikrogramm je Tagesdosis vor; viel Folsäure kann einen B12-Mangel verdecken.22, 29
✕Nimm keinen Komplex „für mehr Energie“, wenn Du gut versorgt bist. Ein Leistungsplus zeigte sich bei gut versorgten Sportlern kaum.7, 8, 11
✕Nimm B6 nicht weiter, wenn es kribbelt, brennt oder taub wird. So lautet der Warnhinweis, den die australische Arzneimittelbehörde nach gemeldeten Nervenschäden für Präparate mit mehr als 10 Milligramm B6 vorschreibt: absetzen und zum Arzt.20
✕Verschweig Biotin nicht vor einer Blutabnahme. Es kann Schilddrüsen- und Herzwerte verfälschen; das BfR rät, Arzt oder Labor Bescheid zu sagen.23, 30
✕Verlass Dich nicht auf Spirulina als B12-Quelle. In der Blaualge, die als Nahrungsergänzung verkauft wird, steckt vor allem eine B12-ähnliche Form, die der Mensch nicht verwerten kann.31
Wenn Du nur einen Absatz mitnimmst Ein B-Komplex ist für die meisten überflüssig. Gezielt zählen B12 – bei veganer Kost immer, im Alter und mit bestimmten Medikamenten nach Blutwert – und Folsäure bei Kinderwunsch. Mehr Energie oder Leistung bringt ein Präparat nur, wenn Dir etwas fehlt. Und wenn Du eins nimmst, lies die B6-Zeile: Das BfR schlägt höchstens 0,9 Milligramm je Tagesdosis vor.

Zwei Profile – such Dir Deins aus

„Für Sportler“ gilt, wenn Du regelmäßig trainierst und überlegst, deshalb einen B-Komplex zu nehmen. „Für alle anderen“ gilt, wenn es Dir um Alltag, Ernährungsweise, Alter oder Kinderwunsch geht. Lebst Du vegan, gilt das B12 aus „Für alle anderen“ auch, wenn Du Sportler bist – das ist meine Einschätzung.

Für Sportler

Mehr Training, mehr Bedarf?

Wofür: um eine Lücke zu schließen – wenn Du über längere Zeit wenig isst, etwa in einer Diät, oder ganze Lebensmittelgruppen weglässt; dann rät eine Übersicht, ein Multivitaminpräparat zu erwägen.13

Wann unnötig: bei gemischter, ausreichender Kost. Ein Leistungsplus durch Vitaminpräparate zeigte sich bei gut versorgten Sportlern kaum; das Olympische Komitee rät, vor einem Präparat erst die Ernährung gründlich zu prüfen.7, 8, 11

Menge: Wenn ein Komplex, dann nach den Vorschlägen des BfR je Tagesdosis: B6 höchstens 0,9 Milligramm, Folsäure 200 Mikrogramm, B12 25 Mikrogramm; bei Niacin, das es in zwei Formen gibt, als Nicotinsäure 4, als Nicotinamid 160 Milligramm. Für Thiamin, Riboflavin, Pantothensäure und Biotin nennt das BfR keine Höchstmenge.21, 22, 32

Zeitpunkt: Einen besten Zeitpunkt für B-Vitamine nennt keine der Quellen auf dieser Seite; nimm es so, dass Du es nicht vergisst – das ist meine Einschätzung.

Training und Wettkampf: Wochenlang zu wenig B1, B2, B6 und Vitamin C senkte in einer Studie die Ausdauerleistung.10 Nicotinsäure – eine Form von Niacin – bremste in einer Studie die Fettverbrennung, mit 3 Gramm am Tag, einer Menge wie bei einem Arzneimittel; in einer anderen fiel ein Zeitfahren über zwei Stunden mit Nicotinsäure etwas langsamer aus.33, 34

Risiken und Wechselwirkungen: zu viel B6 über längere Zeit – Nervenschäden;9 Biotin verfälscht Laborwerte;23 Nicotinsäure macht ab etwa 30 bis 50 Milligramm oft eine rote, heiße Haut.35, 36

Für alle anderen

Vegan, älter, Kinderwunsch?

Wofür: B12 bei veganer Kost; B12 nach ärztlichem Blutwert im Alter oder bei langer Einnahme von Metformin oder Säureblockern; Folsäure bei Kinderwunsch.4, 5, 16, 17

Wann unnötig: bei gemischter Kost ohne diese Besonderheiten – laut DGE sind Nahrungsergänzungsmittel dann überflüssig.2 Und falls Du Dir Schutz für Gedächtnis oder Herz erhoffst: Auf die geistige Leistungsfähigkeit im Alter und auf Herzinfarkte hatten B-Vitamine in großen Auswertungen kaum oder keinen Einfluss; nur Schlaganfälle waren etwas seltener – mehr dazu in Kapitel 05.18, 37

Menge: Folsäure 400 Mikrogramm am Tag bei Kinderwunsch, 800 bei spätem Beginn.4, 19 Für B12 in Nahrungsergänzungsmitteln schlägt das BfR höchstens 25 Mikrogramm je Tagesdosis vor; wie viel Du bei veganer Kost brauchst, klärst Du mit Deinem Arzt anhand des Blutwerts.15 Einen festgestellten Mangel behandelt der Arzt mit viel mehr, in Studien etwa mit 1.000 Mikrogramm am Tag – aus Tabletten nimmt der Körper davon nur einen kleinen Teil auf, mehr dazu in Kapitel 06.3, 24

Zeitpunkt: Folsäure ab mindestens vier Wochen vor einer möglichen Schwangerschaft.4 Für B12 zählt, dass Du es regelmäßig nimmst; ein Mangel entsteht oft erst nach Jahren.15

Risiken und Wechselwirkungen: Ein B12-Mangel kann Blutarmut und Nervenschäden machen; viel Folsäure – beobachtet vor allem bei 5.000 Mikrogramm am Tag – kann die Blutarmut bessern, während der Nervenschaden fortschreitet.29 Metformin und Säureblocker können die B12-Aufnahme senken.3, 16, 17 Zu viel B6 schädigt Nerven.9

Evidenz gemischt Gemischt heißt: Die Studienlage – Fachleute sagen Evidenz – ist uneinheitlich. Das gilt für Nori, die Algenblätter vom Sushi: Im Labor fand sich darin echtes B12, und in einer kleinen Studie mit Vegetariern verbesserten 5 Gramm Nori am Tag die B12-Blutwerte nach vier Wochen – einen Mangel beseitigten sie aber nicht ganz.31, 38 Die DGE zählt B12 aus Nori dennoch zu den Formen, die der Mensch nicht verwerten kann.4 Und es gilt für die Frage, ob B-Vitamine gegen Stress helfen: In einer Auswertung von Studien mit mindestens drei B-Vitaminen sank der empfundene Stress etwas, Angst und gedrückte Stimmung nicht gesichert. Fast alle Studien prüften Multivitamine, in keiner der Studien mit Blutwerten hatten die Teilnehmer im Mittel einen Mangel, und die Auswertung bezahlte zum Teil ein Pharmakonzern; drei der fünf Autoren bekamen Geld aus der Nahrungsergänzungsindustrie – ein möglicher Interessenkonflikt.39 Meine Einordnung: Wer vegan lebt, verlässt sich beim B12 auf ein Präparat, nicht auf Nori. Und gegen Stress ist ein B-Komplex nichts, worauf ich setzen würde.

Entscheidungs-Check

Fünf Fragen, bevor Du einen B-Komplex kaufst

„Esse ich vegan oder fast ohne tierische Lebensmittel?“
Ja: B12 als Präparat, den Wert ärztlich prüfen lassen.4, 15 Ein ganzer Komplex ist dafür nicht nötig – das ist meine Einschätzung.
„Will ich schwanger werden – oder könnte ich es werden?“
Ja: 400 Mikrogramm Folsäure am Tag, ab mindestens vier Wochen vorher.4
„Bin ich älter, oder nehme ich seit Jahren Metformin oder Säureblocker wie Omeprazol oder Pantoprazol?“
Ja: Sprich den B12-Wert bei Deinem Arzt an, statt auf Verdacht zu schlucken.5, 16, 17
„Esse ich seit Wochen sehr wenig oder lasse ganze Lebensmittelgruppen weg?“
Ja: Dann schau zuerst auf den Teller; ein Multivitaminpräparat kann eine Lücke schließen.13
„Was steht in der B6- und der Folsäure-Zeile – und ist Biotin drin?“
Mehr als 0,9 Milligramm B6 je Tagesdosis: nach dem Vorschlag des BfR zu viel.21 Mehr als 200 Mikrogramm Folsäure ohne Kinderwunsch: ebenfalls über dem Vorschlag.22 Biotin: vor jeder Blutabnahme ansagen, erst recht ab 150 Mikrogramm.23 Lautet die Antwort auf die ersten vier Fragen „nein“, brauchst Du kein B-Vitamin-Präparat; bei einem „Ja“ auf eine der ersten drei Fragen meist nur das eine Vitamin, keinen ganzen Komplex – das ist meine Einschätzung.
03Was B-Vitamine sind

Acht Vitamine unter einem Namen – was B-Vitamine sind

Die acht B-Vitamine lösen sich in Wasser und helfen dem Stoffwechsel bei der Arbeit. Sonst unterscheiden sie sich stark: in der Menge, die Du brauchst, darin, wo sie stecken, und darin, wie leicht sie knapp werden.

Helfer, keine Energielieferanten

B-Vitamine sind wasserlöslich.40, 41 Was sie im Körper tun, steht für die EU in einer Liste der Aussagen, mit denen Hersteller werben dürfen: Fast alle tragen zu einem normalen Energiestoffwechsel bei – also dazu, Energie aus Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß zu gewinnen –, die meisten auch zur Funktion des Nervensystems. B6 und B12 tragen zur Bildung roter Blutkörperchen bei, Folat zur Blutbildung und zur Zellteilung, Biotin zum Erhalt normaler Haare und Haut.1 Energie selbst liefern sie nicht: Die steckt in Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß.

Das Bild dazu B-Vitamine sind der Zündschlüssel, nicht das Benzin. Ohne Schlüssel springt der Motor nicht an – aber ein zweiter Schlüssel am Bund lässt ihn nicht schneller laufen. Wer genug B-Vitamine hat, gewinnt mit mehr davon nicht mehr Energie aus dem Essen. Das Bild stammt von mir, nicht aus einer Studie.

Wie viel Du brauchst – und was auf dem Etikett steht

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt für jedes B-Vitamin einen Wert für Erwachsene. Auf Packungen steht dagegen die Referenzmenge der EU, oft als „NRV“ oder „% der Referenzmenge“ – eine Bezugsgröße für die Kennzeichnung, keine Empfehlung für Dich.4, 28 Die Tabelle stellt beides nebeneinander.

VitaminAm Tag laut DGEReferenzmenge auf dem Etikett
Thiamin (B1)1,0–1,3 mg1,1 mg
Riboflavin (B2)1,0–1,4 mg1,4 mg
Niacin (B3)11–16 mg*16 mg
Pantothensäure (B5)5 mg6 mg
Vitamin B61,4–1,6 mg1,4 mg
Biotin (B7)40 µg50 µg
Folat, Folsäure (B9)300 µg**200 µg
Vitamin B124,0 µg2,5 µg

gemessen DGE: Werte für Erwachsene, Spanne je nach Alter und Geschlecht; für Pantothensäure, Biotin und B12 Schätzwerte – Mengen, mit denen die Versorgung als angemessen gilt, wenn der genaue Bedarf nicht bekannt ist.4 Referenzmenge: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII.28 * Niacin-Äquivalente: Der Körper bildet Niacin auch aus dem Eiweißbaustein Tryptophan; 60 Milligramm Tryptophan zählen wie 1 Milligramm Niacin.4 ** Folat-Äquivalente: 1 Mikrogramm Folat aus dem Essen zählt so viel wie 0,5 Mikrogramm synthetische Folsäure.4

Zwei Dinge fallen auf. Bei B12 liegt die Referenzmenge auf dem Etikett unter dem Wert der DGE: „100 Prozent“ heißt dort also nicht, dass Du den Wert der DGE erreichst. Und Folat ist nicht gleich Folsäure: Folat steckt natürlich im Essen, Folsäure ist die synthetisch hergestellte Form, wie sie etwa in Präparaten steckt. Nach der Umrechnung der DGE zählen 200 Mikrogramm Folsäure – 100 Prozent der Referenzmenge – so viel wie 400 Mikrogramm Folat aus dem Essen, von mir umgerechnet.4, 28

Wo die B-Vitamine stecken

Folat liefern laut DGE vor allem grünes Blattgemüse wie Spinat und Salate, Tomaten, Hülsenfrüchte, Nüsse, Orangen, Sprossen, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Leber und Eier.4 Riboflavin steckt vor allem in Milch und Milchprodukten, Fisch und Innereien.4 Reich an B6 sind laut US-Gesundheitsbehörde NIH Fisch, Leber, Kartoffeln und anderes stärkereiches Gemüse sowie Obst außer Zitrusfrüchten.41 B12 steckt von Natur aus nur in tierischen Lebensmitteln;3 Sauerkraut, bestimmte Algen oder Shiitake-Pilze können laut BfR Spuren enthalten, alle anderen üblichen pflanzlichen Lebensmittel enthalten keines.15 Pantothensäure steckt in fast allen Lebensmitteln.42

„Vitamin B17“ ist kein Vitamin Unter dem irreführenden Namen „Vitamin B17“ wird Amygdalin verkauft, ein Stoff, der im Körper Blausäure freisetzen kann; angeboten wird es auch als Mittel gegen Krebs.43, 44 Eine systematische Übersicht fand überhaupt keine ausgeloste Studie – also eine, in der das Los entscheidet, wer das Mittel bekommt –, die prüft, ob es gegen Krebs hilft; die Autoren warnen vor einem erheblichen Risiko schwerer Blausäurevergiftungen.44 Blausäure steckt auch in bitteren Aprikosenkernen. Das BfR rät Erwachsenen, höchstens zwei davon am Tag zu essen oder ganz darauf zu verzichten; Kinder sollen sie gar nicht essen.45 Finger weg.
04Wer zu wenig hat

Wer wirklich zu wenig hat: Folat, B12 – und wer sonst aufpassen sollte

In Deutschland sind die meisten B-Vitamine über das Essen gedeckt. Knapp wird es vor allem beim Folat – und beim B12 nicht nur für Menschen, die vegan leben.

Was die Zahlen zur Versorgung zeigen

Die jüngsten bundesweiten Zahlen dazu, was Menschen in Deutschland essen, stammen aus der Nationalen Verzehrsstudie II von 2005 und 2006; eine neue Erhebung des Max Rubner-Instituts, des Bundesforschungsinstituts für Ernährung und Lebensmittel, läuft seit April 2026.46 Die DGE hat daraus berechnet, wie viel Vitamine die Menschen mit dem Essen aufnehmen, und kommt zu dem Schluss: Deutschland ist kein Vitaminmangelland – mit Ausnahmen wie Folat in allen Altersgruppen.2, 25 Die Tabelle zeigt den Median, den mittleren Wert, für Folat und B12 bei Jüngeren und Älteren.

GruppeFolat am TagB12 am Tag
Frauen, 19 bis 24257 µg3,7 µg
Männer, 19 bis 24298 µg6,3 µg
Frauen, 65 bis 79238 µg4,0 µg
Männer, 65 bis 79261 µg5,5 µg
Wert der DGE heute300 µg4,0 µg

gemessen Median der Zufuhr mit dem Essen, ohne Präparate, Nationale Verzehrsstudie II, ausgewertet von der DGE; Folat in Folat-Äquivalenten.25 Werte der DGE für Erwachsene; die DGE hat sie seit der Erhebung geändert, etwa für Folat von 400 auf 300 und für B12 von 3,0 auf 4,0 Mikrogramm.4, 25

Wie nah der Median am Wert der DGE liegt Folat, Frauen 19 bis 24: 257 ÷ 300 = 86 % Folat, Männer 19 bis 24: 298 ÷ 300 = 99 % Folat, Frauen 65 bis 79: 238 ÷ 300 = 79 % Folat, Männer 65 bis 79: 261 ÷ 300 = 87 % B12, Frauen 19 bis 24: 3,7 ÷ 4,0 = rund 93 % B12, Frauen 65 bis 79: 4,0 ÷ 4,0 = 100 % Folat liegt im Median überall unter dem Wert der DGE, B12 bei jungen Frauen knapp darunter

gerechnet Von mir aus den Werten der Erhebung und der DGE gerechnet.4, 25 Thiamin, Riboflavin, Niacin und B6 lagen in allen vier Gruppen über den heutigen Werten der DGE, ebenfalls von mir nachgerechnet.

Ein Median unter dem Wert heißt nicht, dass die Hälfte einen Mangel hat: Wer die Empfehlung nicht erreicht, ist laut DGE nicht zwangsläufig unterversorgt; der Vergleich überschätzt, wie viele zu wenig bekommen.25 Die Zahlen sind zudem gut zwanzig Jahre alt. Eine andere Auswertung derselben Erhebung nennt für Folat noch niedrigere Werte; woher der Unterschied kommt, ließ sich nicht klären.26

Im Blut sieht es beim Folat besser aus: In einer bundesweiten Untersuchung hatten rund 86 Prozent der Erwachsenen einen ausreichenden Folatwert. Jüngere lagen häufiger darunter als Ältere.26 Für Frauen, die schwanger werden könnten, gilt aber ein strengerer Maßstab der Weltgesundheitsorganisation WHO – den verfehlten nach dieser Untersuchung 95 Prozent.26 Für sie gibt es eine eigene Empfehlung.

Folsäure bei Kinderwunsch

Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, sollen laut DGE zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung 400 Mikrogramm Folsäure am Tag nehmen, ab mindestens vier Wochen vor der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Drittels.4 Ein bundesweites Netzwerk von Fachleuten empfiehlt seit 2026 800 Mikrogramm, wenn eine Frau später beginnt; nach seinen Angaben nehmen nur rund 40 Prozent der Schwangeren Folsäure rechtzeitig und in der richtigen Menge.19

Der Grund: In einer Auswertung von fünf Studien gab es mit Folsäure rund um die Empfängnis deutlich weniger Neuralrohrdefekte – Fehlbildungen, bei denen sich die Anlage von Gehirn und Rückenmark nicht richtig schließt. Es waren rund 69 Prozent weniger, von mir aus dem Ergebnis umgerechnet; die Vertrauenswürdigkeit stuften die Autoren als hoch ein.6 Nur eine der Studien war aber so angelegt, dass Verzerrungen unwahrscheinlich sind. Vier der fünf liefen mit Frauen, die schon eine betroffene Schwangerschaft hinter sich hatten; ob Folsäure ein erstes Auftreten verhindert, prüfte nur eine – unter Folsäure trat dort kein einziger Fall auf, der Unterschied war aber nicht gesichert.6

B12, wenn Du vegan lebst

B12 steckt von Natur aus nur in tierischen Lebensmitteln.3 Die DGE hält ein B12-Präparat bei veganer Ernährung deshalb für notwendig und sieht eine vegane Ernährung für gesunde Erwachsene nur unter dieser und weiteren Voraussetzungen als Möglichkeit, sich gesund zu ernähren.4, 14 Ein Mangel zeigt sich oft erst nach Jahren: Der Körper speichert laut BfR rund 2 bis 5 Milligramm, nach etwa ein bis vier Jahren ohne B12 ist der Speicher in der Leber zur Hälfte leer, Beschwerden treten erst auf, wenn nur noch 5 bis 10 Prozent übrig sind.15 Wer sich gut fühlt, ist also nicht sicher versorgt – deshalb rät das BfR, die Versorgung regelmäßig ärztlich prüfen zu lassen.15

In einer kleinen Studie des BfR waren Veganer und Mischköstler bei B12 ähnlich gut versorgt; fast alle Veganer hatten in den Wochen davor Präparate genommen, was die Autoren als möglichen Grund nennen.47 Spirulina, eine Blaualge, die als Nahrungsergänzung verkauft wird, eignet sich nicht als Quelle: Darin steckt vor allem eine B12-ähnliche Form, die der Mensch nicht verwerten kann.31 Zu Nori steht mehr im Kasten „Evidenz gemischt“ in Kapitel 02. Auch Riboflavin zählt die DGE bei veganer Kost zu den Nährstoffen, die knapp werden können; Milch und Milchprodukte, eine der guten Quellen, fallen dabei weg.4

B12 im Alter und mit Medikamenten

In einer Studie in der Region Augsburg hatte gut jeder Vierte zwischen 65 und 93 einen niedrigen B12-Wert im Blut; wer keine B12-haltigen Präparate nahm, hatte häufiger einen niedrigen Wert.5 Wie häufig ein Mangel im Alter ist, hängt stark davon ab, wo man die Grenze zieht: Die NIH nennt für ältere Menschen, die zu Hause leben, je nach Definition etwa 3 bis 43 Prozent.3 Ein häufiger Grund ist die atrophische Gastritis, bei der sich die Magenschleimhaut zurückbildet; dann fehlen Magensäure und der Stoff, den der Körper zur Aufnahme von B12 braucht. Die NIH nennt sie bei 8 bis 9 Prozent der Menschen ab 65, die Autoren der Augsburger Studie zitieren rund 30 Prozent – die Zahlen widersprechen sich, woran das liegt, sagen die Quellen nicht.3, 5 Neben dem gesamten B12 im Blut gibt es einen empfindlicheren Wert, die Methylmalonsäure – ein Stoffwechselprodukt, das bei B12-Mangel steigt, im Alter und bei schwachen Nieren aber auch aus anderen Gründen. Welcher Wert für Dich passt, entscheidet Dein Arzt.3

Auch Medikamente zählen. In einer Studie, in der das Los entschied, sank der B12-Wert bei Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzten, unter Metformin um knapp ein Fünftel; nach gut vier Jahren hatten 9,9 Prozent einen Mangel, mit Scheinmittel 2,7 Prozent.16 Wer zwei Jahre oder länger Protonenpumpenhemmer nahm, hatte in einer großen Beobachtungsstudie häufiger einen B12-Mangel. Das sind Säureblocker, die die Magensäure senken, oft „Magenschutz“ genannt; die NIH nennt als Beispiele Omeprazol und Lansoprazol. Mit sogenannten H2-Blockern, einer anderen Gruppe von Säureblockern, war der Zusammenhang schwächer – und beides zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis.3, 17 Bei Menschen in Pflegeheimen ist laut DGE die Zufuhr einiger B-Vitamine kritisch.2

Thiamin und Alkohol – und die übrigen B-Vitamine

Ein Thiaminmangel tritt in Deutschland laut DGE meist nur infolge von Krankheiten auf, etwa bei chronischem Alkoholmissbrauch.4 Alkohol senkt die Aufnahme von Thiamin im Darm und seine Speicher in der Leber; bei chronischem Alkoholmissbrauch entwickeln laut NIH bis zu 80 Prozent einen Thiaminmangel.40 Bei den übrigen B-Vitaminen ist ein Mangel laut DGE selten: Ein B6-Mangel geht meist mit einem Mangel an anderen B-Vitaminen einher, ein Biotinmangel folgt aus sehr einseitiger Ernährung, ein Niacinmangel meist aus Krankheiten, und ein Mangel an Pantothensäure ist bei gemischter Kost bislang nicht beobachtet worden.4

05Energie, Training, Kopf

Energie, Training, Kopf: was ein B-Komplex bringt – und was nicht

Durch die Studien zu Training, Stimmung und Gedächtnis zieht sich ein Muster: Ein Mangel kostet etwas – ein Plus über die volle Versorgung hinaus bringt kaum etwas.

Was auf der Packung stehen darf

Für Riboflavin, Niacin, Pantothensäure, B6, Folat und B12 darf in der EU auf der Packung stehen, dass sie „zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung“ beitragen; für fast alle B-Vitamine, dass sie zu einem normalen Energiestoffwechsel beitragen.1 Verwenden darf ein Hersteller diese Sätze schon, wenn sein Produkt nach EU-Recht als „Quelle“ des Vitamins gilt, also eine festgelegte Mindestmenge enthält.1 Die Sätze beschreiben, wofür der Körper das Vitamin braucht. Dass mehr davon gut versorgte Menschen wacher oder leistungsfähiger macht, versprechen sie nicht – das ist meine Lesart des Wortlauts.

Training: Ein Mangel kann bremsen, ein Präparat bringt kaum etwas

In einer Studie aßen gesunde Männer acht Wochen lang höchstens ein Drittel der empfohlenen Menge an B1, B2, B6 und Vitamin C. Ihre maximale Sauerstoffaufnahme – das Maß für die Ausdauerleistungsfähigkeit – sank dabei um knapp 10 Prozent.10 Ein Mangel kann also Leistung kosten – ein erster Hinweis aus einer kleinen Studie.

Umgekehrt zeigte sich bei gut versorgten Sportlern kaum ein Plus: In einer Studie bekamen Athleten eines Leistungszentrums sieben bis acht Monate lang Vitamine und Mineralstoffe oder ein Scheinmittel; ihr Essen deckte die Empfehlungen schon, und die Präparate brachten kaum einen Unterschied.8 In einer anderen Studie änderte ein hoch dosiertes Multivitamin über drei Monate bei aktiven Männern nichts an der Leistung.11 Das Internationale Olympische Komitee rät in seiner Konsenserklärung, einer gemeinsamen Einschätzung von Fachleuten, erst die Ernährung gründlich zu prüfen, bevor man sich für ein Präparat entscheidet.7

Eine Studie fand mit einem B-Komplex ein Plus: Junge Erwachsene, die nicht trainierten, liefen nach vier Wochen länger bis zur Erschöpfung. Ob sie vorher gut versorgt waren, wurde nicht gemessen; das Präparat enthielt außerdem Taurin und Vitamin E und mit 50 Milligramm B6 gut das Vierfache dessen, was die EU-Lebensmittelbehörde EFSA am Tag für unbedenklich hält; und der Hersteller half bei der Verblindung, also dabei, dass niemand wusste, wer Präparat und wer Scheinmittel bekam – ein möglicher Interessenkonflikt.48 Ob Sport den Bedarf erhöht, ist offen: Eine Übersicht hält das für Riboflavin und B6 für möglich; für Folat und B12 seien die Daten dünn.13 Wer so viel isst, wie er verbraucht, bekommt meist genug Vitamine; ein breiter Mangel ist bei Sportlern deshalb selten. Das gelingt laut einer anderen Übersicht aber vielen nicht – vor allem in Sportarten, in denen Gewicht oder Figur zählen, und bei Frauen.12

Eine Form von Niacin kann sogar bremsen: Nicotinsäure senkte in einer Studie mit 3 Gramm am Tag die Fettverbrennung beim Laufen,33 und in einer anderen fiel ein Zeitfahren über rund zwei Stunden damit etwa drei Minuten langsamer aus; über eine und anderthalb Stunden gab es keinen Unterschied.34 Ob die kleinen Mengen in einem B-Komplex so wirken, hat keine Studie geprüft, die ich gefunden habe.

Stimmung und Stress

In einer Auswertung von Studien, in denen Erwachsene mindestens vier Wochen lang Präparate mit mindestens drei B-Vitaminen nahmen, sank der empfundene Stress etwas; gedrückte Stimmung und Angst änderten sich nicht gesichert.39 Gemessen wurde mit Fragebögen, fast alle Studien prüften Multivitamine, die Mengen lagen meist mindestens beim Doppelten der Empfehlungen, und in den Studien, die Blutwerte maßen, hatten die Teilnehmer im Mittel keinen Mangel.39 Die Auswertung bezahlte zum Teil ein Pharmakonzern; drei der fünf Autoren erhielten Geld aus der Nahrungsergänzungsindustrie – ein möglicher Interessenkonflikt.39 Die Autoren selbst halten weitere, strengere Studien für nötig, bevor man B-Vitamine dafür empfehlen kann.39

Gedächtnis und Herz im Alter

Oft heißt es, B-Vitamine hielten im Alter geistig fit und schützten das Herz. Eine systematische Übersicht von Cochrane, einem Netzwerk für Übersichten nach strengen Regeln, wertete Studien aus, in denen geistig gesunde Menschen ab 40 Folsäure, B12, B6 oder eine Mischung davon nahmen – die meisten waren über 60 und hatten schon eine Erkrankung von Herz oder Gefäßen. Auf die geistige Leistungsfähigkeit hatten die Präparate bis zu fünf Jahre lang wahrscheinlich kaum oder keinen Einfluss.18

Folsäure, B6 und B12 senken Homocystein, einen Stoff im Blut, der als möglicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt. In einer Auswertung von 15 Studien, in denen das Los entschied, gab es damit aber nicht weniger Herzinfarkte und Todesfälle; Schlaganfälle waren etwas seltener, 4,3 gegenüber 5,1 Prozent.37

Gelber Urin heißt nicht: Es wirkt Riboflavin kann den Urin verfärben.49 Nach einem Präparat steigt die Menge im Urin stark an: Eine Studie fasst frühere Messungen so zusammen, dass sie nach 20 bis 60 Milligramm 10- bis 20-mal so hoch liegt wie ohne Präparat und der größte Teil in den ersten 24 Stunden ausgeschieden wird; in ihren eigenen Messungen lag der Wert nach 25 oder 50 Milligramm meist bis zu 24 Stunden lang über einem Wert, den rund 95 von 100 Proben ohne Präparat nicht erreichten.50 Die Farbe zeigt, was der Körper wieder ausscheidet – nicht, dass das Präparat wirkt. Das ist meine Einordnung.
06Wo es kippt

Wo es kippt – und wie Du das Etikett liest

Wasserlöslich heißt nicht harmlos. Zu viel B6 kann Nerven schädigen, Biotin verfälscht Laborwerte, und viel Folsäure kann einen B12-Mangel verdecken.

Vitamin B6: zu viel schädigt Nerven

Über längere Zeit in hoher Menge genommen, kann Vitamin B6 die Nerven schädigen, die Empfindungen weiterleiten – mit Kribbeln, Brennen oder Taubheit, in schweren Fällen mit Unsicherheit beim Gehen.9, 20, 41 Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat deshalb 2023 die Obergrenze für Erwachsene von 25 auf 12 Milligramm am Tag gesenkt – gemeint ist alles zusammen, aus Essen und Präparaten. Beschwerden können nach ihrer Bewertung schon bei 50 Milligramm am Tag und darunter auftreten, von Mensch zu Mensch sehr verschieden.9 Die Grenze stützt sich vor allem auf eine Studie aus einer einzigen Praxis, auf Meldungen von Betroffenen und auf einen Tierversuch; eine Menge, die sicher schadet oder sicher unschädlich ist, ließ sich beim Menschen nicht bestimmen.9 In den USA gilt noch eine Obergrenze von 100 Milligramm.41

In Australien lagen bis August 2022 rund zwei Drittel der ausreichend dokumentierten Meldungen bei 50 Milligramm am Tag oder weniger.51 Seit 2023 brauchen Präparate mit mehr als 10 Milligramm dort einen Warnhinweis, und mehr als 100 Milligramm am Tag sind für Erwachsene nicht mehr erlaubt; ab Juni 2027 gibt es Präparate mit mehr als 50 Milligramm nur noch nach Beratung durch den Apotheker, mit mehr als 200 Milligramm weiter nur auf Rezept.20, 52 Meldungen zeigen, dass etwas passiert, aber nicht, wie oft.20 Hört man rechtzeitig auf, gehen die Beschwerden laut NIH meist zurück.41

Das BfR schlägt deshalb für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 0,9 Milligramm B6 je Tagesdosis vor; 2021 waren es noch 3,5 Milligramm.21, 32 Der Wert ist so niedrig, weil der Spielraum zwischen dem, was viele schon mit dem Essen aufnehmen, und der Obergrenze klein ist und mehrere Produkte zusammenkommen können.21

Wie das BfR auf 0,9 Milligramm kommt Obergrenze der EFSA für 15- bis 17-Jährige: 10,7 mg minus Zufuhr der 5 Prozent, die am meisten B6 essen: 10,7 − 7,1 = 3,6 mg halbiert für Präparate und angereicherte Lebensmittel: 3,6 ÷ 2 = 1,8 mg halbiert, falls jemand zwei Präparate nimmt: 1,8 ÷ 2 = 0,9 mg Höchstens 0,9 Milligramm B6 je Tagesdosis, für alle ab 15 Jahren

gerechnet Rechenweg des BfR, von mir nachgerechnet.21 Das BfR rechnet mit der Grenze für 15- bis 17-Jährige; der Vorschlag gilt für alle ab 15 Jahren.

Auf dem Markt liegen viele Präparate darüber. Laut den Etiketten von Präparaten mit B6, die zwischen 2017 und 2022 in der EU auf den Markt kamen, enthielt die Hälfte zwischen 1 und 2 Milligramm je Portion; gut 1 Prozent enthielt mehr als 20 Milligramm.9 Wie viel B6 typische B-Komplexe enthalten, hat keine Behörde eigens erhoben, die ich gefunden habe.

Damit Du die Zahlen auseinanderhältst: Die 12 Milligramm der EFSA gelten für alles zusammen, was Du am Tag aufnimmst; Beschwerden sind schon bei 50 Milligramm am Tag und darunter beschrieben; die 0,9 Milligramm des BfR sind ein Vorschlag für ein einzelnes Präparat, mit Puffer für das Essen und für mehrere Produkte. Über die Grenze der EFSA kommen in der EU laut EFSA kaum Menschen – außer wer regelmäßig hoch dosierte Präparate nimmt.9, 21 Meine Einordnung: Ein Präparat mit 1 bis 2 Milligramm liegt weit unter der Grenze der EFSA, aber über dem Vorschlag des BfR. Wenn Du überhaupt eins brauchst, nimm eins, das darunter bleibt.

Biotin: verfälschte Laborwerte

Viele Labortests arbeiten mit Biotin als Hilfsstoff. Nimmt jemand viel Biotin ein, kann das die Ergebnisse verfälschen – je nach Test zu hoch oder zu niedrig.23, 30 In einer kleinen Studie nahmen gesunde Erwachsene eine Woche lang 10 Milligramm Biotin am Tag, eine Menge, die in frei verkäuflichen Präparaten üblich ist; danach waren 9 von 23 Tests, die mit Biotin arbeiten, gestört.30 Bei Schilddrüsenwerten kann das eine Überfunktion vortäuschen,23 beim Troponin, dem Bluttest bei Verdacht auf Herzinfarkt, einen Infarkt verdecken: Laut NIH meldete die US-Arzneimittelbehörde FDA einen Todesfall nach einem falsch niedrigen Troponinwert.53, 54 Das BfR rät, vor Laboruntersuchungen den Arzt oder das Labor über die Einnahme zu informieren. Laut BfR traten solche Fehler meist bei 150 Mikrogramm am Tag oder mehr auf; ab dieser Menge sieht es ein erhöhtes Risiko, auch wenn das Biotin in einem B-Komplex steckt. Wie lange Du vorher pausieren solltest, sagen weder BfR noch NIH – sag es deshalb immer.23, 53 Eine Höchstmenge für Biotin schlägt das BfR nicht vor.32

Folsäure kann einen B12-Mangel verdecken

Ein B12-Mangel kann sich im Blutbild als Blutarmut zeigen. Viel Folsäure kann diese Blutarmut bessern, während der Nervenschaden durch den B12-Mangel weiter fortschreitet – und Nervenschäden, die lange bestehen, bleiben trotz Behandlung oft.29, 55 Beobachtet wurde das vor allem bei 5.000 Mikrogramm am Tag; für Mengen zwischen 1.000 und 5.000 fehlen Daten. Die EFSA hält deshalb höchstens 1.000 Mikrogramm Folsäure am Tag für unbedenklich. Für Methylfolat, eine andere Form, gilt dieselbe Grenze, zusammengerechnet mit Folsäure – weil Daten fehlen.29 Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 200 Mikrogramm je Tagesdosis vor – außer für Frauen mit Kinderwunsch und im ersten Drittel der Schwangerschaft, für die die 400 Mikrogramm gelten.22 Ob Folsäure, die der Körper nicht umgewandelt hat und die im Blut auftaucht, schadet, ist laut EFSA und BfR ungeklärt.22, 29

Methylfolat statt Folsäure?

Auf manchen Packungen steht statt Folsäure Methylfolat, eine andere Form von Folat.19, 29 Im Netz heißt es oft, wer eine bestimmte Genvariante trägt, könne Folsäure schlecht verwerten und brauche Methylfolat. In einer Studie mit jungen Frauen stieg der Folatwert in den roten Blutkörperchen damit stärker als mit gleich viel Folsäure,56 in einer anderen stieg der Folatwert im Blut nach einer einzelnen Gabe auch bei Frauen mit einer verbreiteten Variante des Gens MTHFR stärker.57 Bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten gab es mit Methylfolat statt Folsäure nicht gesichert weniger Fehlgeburten, gleich mit welcher Genvariante.58 Für Menschen, die die Variante von beiden Eltern geerbt haben, wird laut EFSA ein um bis zu 20 Prozent höherer Folatbedarf diskutiert.29 Das Netzwerk von Fachleuten empfiehlt bei Kinderwunsch 400 Mikrogramm Folsäure oder gleichwertige Mengen anderer zugelassener Folate, ohne nach Genvarianten zu unterscheiden.19 In der Auswertung zu Fehlbildungen beim Kind bekamen die Frauen Folsäure.6 Meine Einordnung: Beides geht – Folsäure ist die Form mit den Studien gegen Fehlbildungen.

Niacin: rote Haut und, in hohen Mengen, die Leber

Niacin gibt es in zwei Formen. Nicotinsäure erweitert die Gefäße: Ab etwa 30 bis 50 Milligramm wird die Haut oft rot und heiß, Fachleute sagen Flush.35, 36 Nicotinamid tut das nicht.35 In Mengen, wie sie als Arzneimittel gegen hohe Blutfette eingesetzt wurden, kann Nicotinsäure die Leber schädigen, vor allem in Präparaten, die den Wirkstoff langsam freisetzen: In einer Studie mit steigenden Mengen bis 3.000 Milligramm am Tag bekam gut die Hälfte mit dieser Form Leberschäden, mit der schnell freisetzenden niemand.59 Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 4 Milligramm Nicotinsäure oder 160 Milligramm Nicotinamid je Tagesdosis vor.32

B12 in hohen Mengen

Für B12 gibt es keine festgelegte Obergrenze, weil Schäden durch zu viel kaum bekannt sind.3 Aus Präparaten nimmt der Körper davon ohnehin nur einen kleinen Teil auf: laut NIH etwa 2 Prozent bei 500 Mikrogramm und 1,3 Prozent bei 1.000 Mikrogramm.3 Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel trotzdem höchstens 25 Mikrogramm je Tagesdosis vor – abgeleitet aus 100 Mikrogramm am Tag aus Präparaten, mit denen laut Verzehrdaten aus den USA keine Schäden bekannt sind, aufgeteilt auf Präparate und angereicherte Lebensmittel und halbiert, falls jemand mehrere Präparate nimmt.15 Hohe Mengen wie 1.000 Mikrogramm setzt der Arzt bei einem festgestellten Mangel ein.24

Das Etikett gegenlesen

Die Tabelle zeigt neben der Referenzmenge, auf die sich die Prozentangaben auf der Packung beziehen, die Höchstmengen, die das BfR für Nahrungsergänzungsmittel vorschlägt. Das sind Vorschläge, keine gesetzlichen Grenzen.21, 22, 28, 32

VitaminReferenz­mengeBfR: höchstens je Tagesdosis
Thiamin (B1)1,1 mgkeine Grenze
Riboflavin (B2)1,4 mgkeine Grenze
Niacin (B3)16 mgNicotin­säure 4 mg, Nicotin­amid 160 mg
Pantothen­säure (B5)6 mgkeine Grenze
Vitamin B61,4 mg0,9 mg
Biotin (B7)50 µgkeine Grenze, Hinweis zu Labor­tests
Folsäure (B9)200 µg200 µg, bei Kinderwunsch 400 µg
Vitamin B122,5 µg25 µg

gemessen Referenzmenge nach Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII.28 Höchstmengenvorschläge des BfR für Personen ab 15 Jahren, Stand 2021, für B6 und Folsäure 2024.21, 22, 32

Drei Fragen an die Packung 1. Wie viel B6 je Tagesdosis? Mehr als 0,9 Milligramm liegt über dem Vorschlag des BfR – auch „100 Prozent“ der Referenzmenge.21, 28 2. Wie viel Folsäure? Ohne Kinderwunsch nicht mehr als 200 Mikrogramm.22 3. Ist Biotin drin? Dann sag es vor jeder Blutabnahme, erst recht ab 150 Mikrogramm.23 Und eine vierte, an Dich selbst: Gehörst Du zu einer der Gruppen aus Kapitel 01? Wenn nicht, brauchst Du die Packung wahrscheinlich gar nicht – das ist meine Einschätzung.
07Faktencheck

Was Du über B-Vitamine hören wirst – und was davon stimmt

Rund um B-Vitamine kursieren viele Aussagen – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmen zwei, zwei stimmen halb, sechs stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht. Wie sicher die Studienlage jeweils ist, steht in Kapitel 09.

~„B-Vitamine geben Dir Energie.“ Stimmt halb. Der Körper braucht sie, um Energie aus Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß zu gewinnen, und ein Mangel kostete in einer Studie Ausdauerleistung.1, 10 Energie liefern sie aber nicht selbst, und gut versorgten Sportlern und aktiven Männern brachten Präparate in Studien kaum ein Plus.8, 11
✕„B-Vitamine sind wasserlöslich – was zu viel ist, pinkelst Du einfach aus.“ Stimmt so nicht. Zu viel B6 kann über längere Zeit Nerven schädigen; die EFSA hat ihre Obergrenze deshalb auf 12 Milligramm am Tag gesenkt.9 Nicotinsäure, eine Form von Niacin, kann in hohen Mengen die Leber schädigen.59
✓„Wer vegan lebt, braucht ein B12-Präparat.“ Stimmt. B12 steckt von Natur aus nur in tierischen Lebensmitteln; die DGE hält ein Präparat bei veganer Ernährung für notwendig.3, 4
✕„Spirulina und andere Algen liefern genug B12.“ Stimmt so nicht. In Spirulina steckt vor allem eine B12-ähnliche Form, die der Mensch nicht verwerten kann.31 Bei Nori sind die Befunde uneinheitlich: Eine kleine Studie fand bessere Blutwerte, einen Mangel beseitigte Nori aber nicht ganz.4, 38
✕„Ein B-Komplex macht Dich im Training leistungsfähiger.“ Stimmt so nicht – wenn Du gut versorgt bist. Bei gut versorgten Sportlern brachten Vitaminpräparate in Studien kaum einen Unterschied.8, 11 Die einzige Studie mit einem Plus, die ich gefunden habe, lief mit jungen Erwachsenen, die nicht trainierten, ohne Messung ihrer Versorgung und mit einem Präparat mit Zusatzstoffen.48
✕„B12 wirkt nur als Spritze.“ Stimmt so nicht – nach ersten Hinweisen. In zwei kleinen Studien hoben 1.000 Mikrogramm am Tag als Tablette den Blutwert bei einem Mangel ähnlich gut wie Spritzen; Beschwerden maß keine der Studien.24 Welche Form bei einem festgestellten Mangel passt, klärst Du mit Deinem Arzt.
✕„Biotin lässt Haare und Nägel kräftiger wachsen.“ Stimmt so nicht – für Gesunde. In einer Übersicht hatten alle, bei denen sich Haare oder Nägel mit Biotin besserten, eine Grunderkrankung oder einen Mangel; für Gesunde fehlen Belege.60 Erlaubt ist in der EU die Werbeaussage, dass Biotin zum Erhalt normaler Haare beiträgt – nicht, dass mehr davon sie kräftiger macht.1
~„Folsäure kann nicht schaden.“ Stimmt halb. Die 400 Mikrogramm bei Kinderwunsch liegen deutlich unter der Obergrenze der EFSA von 1.000 Mikrogramm.4, 29 Viel Folsäure kann aber einen B12-Mangel verdecken, während die Nerven Schaden nehmen.29
✓„Wer schwanger werden will, sollte schon vorher Folsäure nehmen.“ Stimmt. Die DGE rät zu 400 Mikrogramm am Tag, ab mindestens vier Wochen vor der Schwangerschaft; in einer Auswertung von Studien gab es damit deutlich weniger Fehlbildungen von Gehirn und Rückenmark.4, 6
✕„B-Vitamine halten im Alter geistig fit.“ Stimmt so nicht – für Gesunde. In einer großen Auswertung hatten Folsäure, B6 und B12 bis zu fünf Jahre lang kaum oder keinen Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit.18 Ein echter B12-Mangel kann aber die Nerven schädigen – deshalb lohnt im Alter der Blick auf den Wert.5, 29
Kurz gesagt Vier der sechs Aussagen, die so nicht stimmen, trauen B-Vitaminen oder Algen mehr zu, als belegt ist: Leistung, kräftigere Haare, ein fitter Kopf im Alter, genug B12 aus Algen. Die anderen beiden unterschätzen etwas: dass zu viel B6 schaden kann – und dass B12 auch als Tablette wirkt.
08Grenzen

Was ein B-Komplex nicht kann – und was die Studien offenlassen

Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie nicht zeigen.

✕Kein Leistungsplus bei guter Versorgung. Bei gut versorgten Sportlern brachten Vitaminpräparate in Studien kaum einen Unterschied.7, 8, 11
✕Kein Schutz für Gedächtnis und Herz. Auf die geistige Leistungsfähigkeit Gesunder und auf Herzinfarkte hatten B-Vitamine in großen Auswertungen kaum oder keinen Einfluss; Schlaganfälle waren etwas seltener.18, 37
✕Kein Ersatz für den Blutwert. Ob Dir B12 fehlt, zeigt der Blutwert, nicht Dein Gefühl: Beschwerden kommen laut BfR erst, wenn der Speicher fast leer ist.15
✕Studien mit Grenzen. Die bundesweiten Zahlen zur Zufuhr sind gut zwanzig Jahre alt, und ein Median unter dem Wert der DGE ist kein Mangel.25, 46 Die Augsburger Blutwerte stammen aus einer Region.5 Die Obergrenze für B6 stützt sich vor allem auf eine Studie aus einer einzigen Praxis und auf Meldungen.9 Die Metformin-Studie lief mit Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzten; zu Säureblockern gibt es vor allem Beobachtungsstudien.16, 17 Viele Präparatstudien waren klein oder prüften Multivitamine statt eines B-Komplexes.8, 39
✕Keine Behandlung. Diese Seite erklärt Vitamin-B-Präparate – sie stellt keine Diagnose und ersetzt keine Therapie.
Folat liegt unter dem Wert der DGE

Heißt nicht: ein Komplex für alle

Daraus könnte man schließen, alle sollten Folsäure oder einen Komplex nehmen. Im Blut hatten aber rund 86 Prozent der Erwachsenen ausreichende Folatwerte; zusätzliche Folsäure empfiehlt die DGE gezielt bei Kinderwunsch.4, 26

B12 im Alter oft niedrig

Heißt nicht: auf Verdacht schlucken

Daraus könnte man schließen, jeder Ältere solle B12 nehmen. Wie häufig ein Mangel ist, hängt aber stark davon ab, wo man die Grenze zieht – je nach Definition etwa 3 bis 43 Prozent der älteren Menschen, die zu Hause leben.3 Ob Dir etwas fehlt, zeigt der Blutwert.

Medizinische Vorgeschichte

Im Mittel, nicht im Einzelfall

Die Studien auf dieser Seite zeigen, was im Mittel für eine Gruppe gilt. Mit einer Vorerkrankung zählt Dein eigener Fall – den klärst Du mit Deinem Arzt.

09Wie sicher

Wie sicher ist das alles?

Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.

So lesen sich die Stufen: gut belegt – große Auswertungen oder übereinstimmende Bewertungen, alle in dieselbe Richtung; belegt – gute Studien oder Bewertungen, aber mit Grenzen; erste Hinweise – wenige oder kleine Studien; uneinheitlich – Studien oder Fachleute widersprechen sich; nicht belegt – Studien fanden keinen Nutzen, oder es gibt keine.

AussageEinordnung
Die meisten B-Vitamine sind in Deutschland über das Essen gedecktbelegt – bundesweite Erhebung von 2005 und 2006, ausgewertet von der DGE; neuere Zahlen fehlen noch
Folat liegt im Median unter dem Wert der DGEbelegt – dieselbe Erhebung, von mir gegen die heutigen Werte nachgerechnet; im Blut haben die meisten Erwachsenen ausreichende Werte
Wer vegan lebt, braucht B12 als Präparatgut belegt – DGE und BfR halten ein Präparat für nötig, die US-Gesundheitsbehörde NIH nennt angereicherte Lebensmittel oder Präparate; B12 steckt von Natur aus nur in tierischen Lebensmitteln
Im Alter ist ein niedriger B12-Wert häufigbelegt – eine regionale Studie mit Blutwerten und Angaben der NIH; wie häufig, hängt stark von der Grenze ab
Metformin senkt den B12-Wertbelegt – eine Studie, in der das Los entschied, bei Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzten
Lange Einnahme von Säureblockern geht mit B12-Mangel einherbelegt – eine große Beobachtungsstudie, also ein Zusammenhang; die NIH beschreibt, wie die Mittel die Aufnahme stören
Folsäure vor der Schwangerschaft senkt Neuralrohrdefektegut belegt – systematische Übersicht von fünf Studien, Vertrauenswürdigkeit hoch; nur eine Studie mit geringem Verzerrungsrisiko
Zu viel B6 schädigt Nervengut belegt – Fallberichte, eine Studie aus einer Praxis, Meldungen aus mehreren Ländern und übereinstimmende Bewertung von EFSA, NIH, BfR und der australischen Behörde; ab welcher Menge, ist unsicher
Biotin verfälscht Labortestsbelegt – eine kleine Studie, Laborversuche, Warnungen der US-Arzneimittelbehörde FDA und des BfR
Viel Folsäure kann einen B12-Mangel verdeckenbelegt – ältere Fallberichte, Bewertung der EFSA; für Mengen zwischen 1.000 und 5.000 Mikrogramm fehlen Daten
Ein Mangel an B-Vitaminen senkt die Leistungerste Hinweise – eine kleine Studie, in der zugleich Vitamin C fehlte
Ein B-Komplex verbessert die Leistung gut versorgter Sportlernicht belegt – Studien mit Multivitaminen bei Sportlern und aktiven Männern ohne nennenswerten Effekt; die einzige positive Studie mit Menschen, die nicht trainierten, und einem Präparat mit Zusatzstoffen
B-Vitamine senken Stressuneinheitlich – eine Auswertung mit kleinem Effekt, aber nicht jede Studie fand einen Nutzen; meist Multivitamine, zum Teil von einem Pharmakonzern bezahlt
B-Vitamine halten Gesunde im Alter geistig fitnicht belegt – systematische Übersicht: kaum oder kein Einfluss bis zu fünf Jahre lang
B-Vitamine senken Herzinfarktenicht belegt – Auswertung von 15 Studien, in denen das Los entschied; Schlaganfälle etwas seltener
B12 als Tablette hebt den Blutwert bei Mangel wie die Spritzeerste Hinweise – zwei kleine Studien mit 1.000 Mikrogramm am Tag, nur Blutwerte, Vertrauenswürdigkeit niedrig
Methylfolat hebt den Folatwert im Blut stärker als Folsäurebelegt – drei ausgeloste Studien, gemessen nur im Blut
Methylfolat schützt besser als Folsäurenicht belegt – bei wiederholten Fehlgeburten kein gesicherter Vorteil; die Studien gegen Fehlbildungen liefen mit Folsäure
Nori liefert verwertbares B12uneinheitlich – Laboranalysen und eine kleine Studie dafür, die DGE zählt es nicht als verwertbar
Biotin stärkt Haare und Nägel Gesundernicht belegt – Übersicht: Besserung nur bei Grunderkrankungen oder Mangel

Sechs Zahlen zum Mitnehmen

Das Kurze · Fazit in Zahlen

Jede Zahl mit Quelle und Haken

Die sechs Zahlen stammen aus Gutachten und Meldedaten von Behörden, einer Studie und zwei systematischen Übersichten, Stand Oktober 2026; wo ich eine davon selbst gerechnet habe, steht es dabei. Zu jeder steht, was herauskam und wo der Haken liegt.

12 mg
Vitamin B6 am Tag aus allen Quellen –
Obergrenze der EFSA für Erwachsene

2023 von 25 Milligramm gesenkt, wegen Nervenschäden: Wasserlöslich heißt nicht harmlos.

Haken

Gestützt vor allem auf eine Studie aus einer einzigen Praxis, auf Meldungen und einen Tierversuch; in den USA gelten noch 100 Milligramm.

Quelle: EFSA 2023 · Gutachten zur Obergrenze; Dalton und Dalton 1987 · 172 Frauen aus einer Praxis9, 41
0,9 mg
Vitamin B6 je Tagesdosis eines Präparats –
höchstens, nach Vorschlag des BfR

Schon 100 Prozent der Referenzmenge auf dem Etikett liegen darüber: Lies zuerst die B6-Zeile.

Haken

Ein Vorschlag, keine gesetzliche Grenze; er rechnet ein, dass jemand zwei Präparate nimmt.

Quelle: BfR 2024 · Stellungnahme 008/202421, 28
21 von 32
Meldungen über Nervenschäden in Australien
bei 50 Milligramm B6 am Tag oder weniger

Auch 50 Milligramm am Tag und weniger können schaden.

Haken

Meldungen zeigen, dass etwas passiert, aber nicht, wie oft; die eingenommenen Mengen hat niemand nachgemessen.

Quelle: australische Arzneimittelbehörde TGA 2022 · Meldungen bis August 202220, 51
27 %
der 65- bis 93-Jährigen
mit niedrigem B12-Wert im Blut

Wer keine B12-haltigen Präparate nahm, hatte häufiger niedrige Werte: Im Alter lohnt der Blick auf den Wert.

Haken

Eine Region; gemessen nur das gesamte B12 im Blut, die Grenze für „niedrig“ ist nicht einheitlich, und nur gut die Hälfte der Eingeladenen nahm teil.

Quelle: Conzade und Kollegen 2017 · 1.079 Ältere, Region Augsburg5
69 %
weniger Neuralrohrdefekte mit Folsäure
rund um die Empfängnis

Folsäure ab mindestens vier Wochen vor der Schwangerschaft.

Haken

Nur eine der fünf Studien war so angelegt, dass Verzerrungen unwahrscheinlich sind; vier liefen mit Frauen, die schon eine betroffene Schwangerschaft hatten – ein erstes Auftreten prüfte nur eine, ohne gesicherten Unterschied.

Quelle: De-Regil und Kollegen 2015 · Cochrane, 5 Studien, 6.708 Geburten; relatives Risiko 0,31, Prozentwert von mir gerechnet6
1.000 µg
B12 am Tag als Tablette hoben den Blutwert
bei einem Mangel ähnlich wie Spritzen

Die Spritze ist nicht der einzige Weg – wie ein Mangel behandelt wird, entscheidet der Arzt.

Haken

Zwei kleine Studien mit 1.000 µg, Vertrauenswürdigkeit niedrig; gemessen nur Blutwerte, keine Beschwerden.

Quelle: Wang und Kollegen 2018 · Cochrane, 3 Studien mit 153 Teilnehmern, 2 davon mit 1.000 µg24

Jede dieser sechs Zahlen ist an der Quelle selbst geprüft, Stand 27.10.2026 – Studien an ihrer Kurzfassung, dem Überblick am Anfang jeder Studie, in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, und, wo frei zugänglich, an der vollständigen Arbeit; die Angaben von EFSA, BfR und der australischen Arzneimittelbehörde TGA an ihren eigenen Dokumenten. Die ausführlichen Angaben, mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, soweit ich sie prüfen konnte, folgen im Kapitel „Belegt“.

Der eine Satz, wenn Du Dir nur einen merkst Nimm keinen B-Komplex auf Verdacht: B12 bei veganer Kost und nach Blutwert im Alter, Folsäure bei Kinderwunsch – und wenn doch ein Präparat, dann eins mit wenig B6.
10Belegt

Worauf sich diese Seite stützt

Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Teilnehmer, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Studien habe ich über PubMed geprüft, Angaben von Behörden, Fachgesellschaften und der EU an ihren eigenen Dokumenten. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.

60 Quellen · hier aufklappenzuklappenGeldgeber und Interessenkonflikte

Ein paar Begriffe, die in den Belegen vorkommen: Eine Auswertung – Fachleute sagen Meta-Analyse – rechnet die Ergebnisse vieler Studien zusammen; eine Übersichtsarbeit fasst den Stand der Forschung zusammen, eine systematische Übersicht sucht und bewertet die Studien dabei nach festen Regeln. Cochrane ist ein internationales Netzwerk, das systematische Übersichten nach strengen Regeln erstellt. Ausgelost – Fachleute sagen randomisiert – heißt: Das Los entscheidet, wer das Mittel bekommt und wer in die Vergleichsgruppe kommt; ein Scheinmittel, auch Placebo genannt, sieht aus wie das Präparat, enthält aber keinen Wirkstoff. Bei einer Überkreuz-Studie bekommt jeder Teilnehmer nacheinander beides. Verblindet heißt: Die Teilnehmer wissen nicht, ob sie das Präparat oder das Scheinmittel bekommen; doppelt verblindet: auch die Forscher nicht. Eine Beobachtungsstudie greift nicht ein, sondern beobachtet nur; sie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen. Eine Fall-Kontroll-Studie vergleicht Menschen mit einer Erkrankung mit Menschen ohne. Gesichert heißt: so deutlich, dass Zufall als Erklärung unwahrscheinlich ist. Zwei Zahlen mit „bis“ in Klammern, etwa (0,17 bis 0,58), sind der Vertrauensbereich, in dem der wahre Wert vermutlich liegt; schließt er bei Verhältnissen wie dem relativen Risiko die 1 ein, bei Unterschieden die 0, gilt ein Unterschied als nicht gesichert. Relatives Risiko und Odds Ratio vergleichen das Risiko mit und ohne etwas: 1 heißt kein Unterschied, 0,31 gut zwei Drittel weniger, 1,65 rund zwei Drittel mehr. Ein standardisierter Unterschied macht verschiedene Fragebögen vergleichbar; 0,2 gilt als klein, 0,5 als mittel, 0,8 als groß. Das Verzerrungsrisiko gibt an, wie stark Mängel im Aufbau einer Studie ihr Ergebnis verfälschen können. Der Median ist der mittlere Wert, wenn man alle Werte der Größe nach ordnet. Die Obergrenze, Fachleute sagen tolerierbare Höchstmenge, ist die Menge aus allen Quellen, die eine Behörde auf Dauer für unbedenklich hält. Ein Schätzwert der DGE steht für eine angemessene Zufuhr, wenn der genaue Bedarf nicht bekannt ist; eine Empfehlung beruht auf einem bekannten Bedarf. Mikrogramm (µg) ist ein Tausendstel Milligramm; pmol/l, ng/ml und nmol/l sind Einheiten für Blutwerte.

So liest Du die Angaben zu den Geldgebern PubMed, die Studiendatenbank der US-Nationalbibliothek für Medizin, ordnet Studien nach ihren Geldgebern ein: Stellen der US-Regierung – und „außerhalb der US-Regierung“ für alles andere. „Außerhalb der US-Regierung“ heißt also: Das Geld kam von Hochschulen, Stiftungen, anderen Staaten oder Firmen – wer genau, steht nur in der vollständigen Arbeit. Steht bei einer Studie kein Geldgeber, „nicht geprüft“ oder „nicht prüfbar“, habe ich die Finanzierung nicht selbst gelesen.
1Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, Anhang. Anhang, Fassung auf legislation.gov.uk Zugelassene Angaben, wörtlich in der englischen Fassung: „contributes to the reduction of tiredness and fatigue“ für Riboflavin, Niacin, Pantothensäure, Vitamin B6, Folat und Vitamin B12, nicht für Thiamin und Biotin; „contributes to normal energy-yielding metabolism“ für Thiamin, Riboflavin, Niacin, Pantothensäure, B6, Biotin und B12, nicht für Folat; Angaben zum Nervensystem für Thiamin, Riboflavin, Niacin, B6, Biotin und B12; „normal red blood cell formation“ für B6 und B12, „normal blood formation“ und „cell division“ für Folat; „maintenance of normal hair“ und „skin“ für Biotin. Bedingung bei jedem Vitamin: Die Angabe ist nur für Lebensmittel erlaubt, die mindestens eine Quelle des Vitamins im Sinne des Anhangs der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 sind. Hinweis: Rechtstext, keine Studie. Gelesen an der englischen Fassung auf legislation.gov.uk, Seite geändert am 08.10.2024; die deutsche Fassung auf EUR-Lex habe ich nicht gelesen. Dass die Angaben nichts über einen Nutzen bei voller Versorgung sagen, ist meine Lesart des Wortlauts. Die Gutachten der EFSA hinter den Angaben habe ich nicht gelesen.
2Bechthold A, Albrecht V, Leschik-Bonnet E, Heseker H (2012). Beurteilung der Vitaminversorgung in Deutschland. Teil 2: Kritische Vitamine und Vitaminzufuhr in besonderen Lebenssituationen. Ernährungs Umschau 59(7):396–401. dge.de, PDF · DOI 10.4455/eu.2012.969 laut PDF Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Folat und Vitamin D gelten in allen Altersgruppen als kritisch; „Bei Pflegeheimbewohnern ist darüber hinaus die Zufuhr von einigen B-Vitaminen kritisch“. Vegane Ernährung wird als einseitige Ernährungsform genannt. Nahrungsergänzungsmittel sind für Gesunde mit vollwertiger Ernährung überflüssig; Ausnahmen sind unter anderem 400 µg Folsäure bei Kinderwunsch und Vitamin D. Auf ihrer Übersichtsseite fasst die DGE zusammen: „Deutschland ist kein Vitaminmangelland. Vitaminmangelkrankheiten kommen bei gesunden Erwachsenen in Deutschland äußerst selten vor.“ Hinweis: Stellungnahme einer Fachgesellschaft, gestützt auf Daten von 2005 und 2006. Die DOI habe ich nicht über PubMed geprüft.
3National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Vitamin B12 – Fact Sheet for Health Professionals. Aktualisiert am 02.07.2025. ods.od.nih.gov Faktenblatt der US-Gesundheitsbehörde NIH. Natürliche Quellen für B12 sind tierische Lebensmittel; „Plant foods do not naturally contain vitamin B12.“ Der Körper speichert etwa 1 bis 5 mg, Beschwerden eines Mangels können Jahre brauchen. Eine atrophische Gastritis betrifft etwa 2 % der Allgemeinbevölkerung, aber 8 bis 9 % der Erwachsenen ab 65; sie senkt Magensäure und Intrinsic Factor, den Stoff, den der Körper zur Aufnahme von B12 braucht. Ein Mangel betrifft je nach Definition etwa 3 bis 43 % der älteren Menschen, die zu Hause leben. Metformin kann die Aufnahme von B12 senken und den Blutwert deutlich verringern; Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker können die Aufnahme von B12 aus dem Essen stören, weil sie die Magensäure senken. Aus Präparaten werden bei 500 µg etwa 2 %, bei 1.000 µg 1,3 % aufgenommen. Eine Obergrenze gibt es wegen des geringen Risikos einer Vergiftung nicht. Hinweis: Faktenblatt einer Behörde, keine eigene Studie; die Werte stammen aus den dort zitierten Arbeiten, die ich nicht einzeln geprüft habe. Gelesen in Auszügen.
4Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Thiamin, Riboflavin, Niacin, Pantothensäure, Vitamin B6, Biotin, Folat, Vitamin B12. 3. Auflage, seit September 2025; Stand der Ableitung 2015 (Thiamin, Riboflavin, Niacin, Folat), 2018 (B12), 2019 (B6), 2020 (Biotin), 2021 (Pantothensäure). dge.de Folat · Vitamin B12 · Riboflavin · Vitamin B6 · Thiamin · Niacin · Pantothensäure · Biotin Werte für Erwachsene am Tag: Thiamin 1,0 bis 1,3 mg, Riboflavin 1,0 bis 1,4 mg, Niacin 11 bis 16 mg Niacin-Äquivalente (1 mg = 60 mg Tryptophan), B6 1,4 (Frauen) und 1,6 mg (Männer), Folat 300 µg Folat-Äquivalente (1 µg Folat-Äquivalent = 1 µg Nahrungsfolat = 0,5 µg synthetische Folsäure), alles Empfehlungen; Schätzwerte für Pantothensäure 5 mg, Biotin 40 µg und Vitamin B12 4,0 µg. Frauen mit Kinderwunsch sollen „zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung 400 μg synthetische Folsäure/Tag“ nehmen, ab mindestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft und während des ersten Drittels. Gute Folatlieferanten: grünes Blattgemüse wie Spinat und Salate, Tomaten, Hülsenfrüchte, Nüsse, Orangen, Sprossen, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Leber und Eier. Gute Riboflavinlieferanten: Innereien, Fisch, Milch und Milchprodukte; „Auch bei veganer Ernährung zählt Riboflavin zu den potenziell kritischen Nährstoffen.“ Für Menschen, die sich vegan oder mit sehr wenig tierischen Lebensmitteln ernähren, ist ein B12-Präparat notwendig; Nori, Sauerkraut und Shiitake enthalten B12-Verbindungen, die für den Menschen nicht verfügbar sind. Thiaminmangel tritt in Deutschland meist nur infolge von Krankheiten auf, etwa bei chronischem Alkoholmissbrauch; ein Niacinmangel ist selten und meist krankheitsbedingt; ein B6-Mangel ist selten und geht meist mit einem Mangel an anderen B-Vitaminen einher; ein Biotinmangel ist selten und Folge sehr einseitiger Ernährung; ein Pantothensäuremangel ist bei Mischkost bislang nicht beobachtet worden. Hinweis: Referenzwerte einer Fachgesellschaft, keine eigene Studie. Die Seiten tragen kein eigenes Datum; Stand der Ableitung laut Seiten. Gelesen in Auszügen; die Sätze zu Niacin sind sinngemäß wiedergegeben.
5Conzade R, Koenig W, Heier M, Schneider A, Grill E, Peters A, Thorand B (2017). Prevalence and Predictors of Subclinical Micronutrient Deficiency in German Older Adults: Results from the Population-Based KORA-Age Study. Nutrients 9(12):1276. DOI 10.3390/nu9121276 · PMID 29168737 · PMC5748727 Querschnittsstudie mit 1.079 Menschen von 65 bis 93 Jahren (537 Männer, 542 Frauen) in der Region Augsburg, Blutabnahme 2009. 27,3 % hatten ein niedriges B12 im Blut (unter 221 pmol/l; Männer 28,5 %, Frauen 26,0 %), 8,7 % ein niedriges Folat. Wer B12-haltige Präparate nicht oder unregelmäßig nahm, hatte eine deutlich höhere Chance auf einen niedrigen Wert (Odds Ratio 4,7; 2,5 bis 10,2); regelmäßig nahmen sie 8,9 % der Männer und 12,2 % der Frauen. In der Diskussion zitieren die Autoren, die atrophische Gastritis betreffe rund 30 % der Älteren – eine Angabe aus der Literatur, nicht in der Studie gemessen. Einschränkung: eine Region, Teilnahme 53,8 %, nur gesamtes B12 im Blut ohne genauere Marker, Querschnitt. Die Angabe zur Gastritis widerspricht der NIH (8 bis 9 %, Beleg 3). Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
6De-Regil LM, Peña-Rosas JP, Fernández-Gaxiola AC, Rayco-Solon P (2015). Effects and safety of periconceptional oral folate supplementation for preventing birth defects. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015(12):CD007950. DOI 10.1002/14651858.CD007950.pub3 · PMID 26662928 · PMC8783750 Systematische Übersicht mit Auswertung, Suche bis August 2015: 5 Studien mit 7.391 Frauen, davon 2.033 mit einer früheren Schwangerschaft mit Neuralrohrdefekt. Folsäure täglich, allein oder mit anderen Vitaminen und Mineralstoffen, senkte Neuralrohrdefekte: relatives Risiko 0,31 (0,17 bis 0,58), 5 Studien, 6.708 Geburten, Vertrauenswürdigkeit hoch – rund 69 % weniger, von mir umgerechnet. Erstes Auftreten, eine Studie: 0,07 (0,00 bis 1,32); erneutes Auftreten, vier Studien: 0,34 (0,18 bis 0,64). Ab 400 µg spielte die Menge keine erkennbare Rolle; die Studien gaben 360 µg bis 4 mg. Kein klarer Effekt auf Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, Herzfehler oder Fehlgeburten. Einschränkung: Nur eine Studie hatte ein geringes Verzerrungsrisiko, Auslosung und Verdeckung waren oft unklar. Geldgeber laut PubMed: US-Gesundheitsbehörde NIH und außerhalb der US-Regierung; eine Autorin arbeitete bei der Micronutrient Initiative, einer Organisation gegen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen, die übrigen bei der WHO. Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
7Maughan RJ, Burke LM, Dvorak J, Larson-Meyer DE, Peeling P, Phillips SM, Rawson ES, Walsh NP, Garthe I, Geyer H, Meeusen R, van Loon LJC, Shirreffs SM, Spriet LL, Stuart M, Vernec A, Currell K, Ali VM, Budgett RG, Ljungqvist A, Mountjoy M, Pitsiladis YP, Soligard T, Erdener U, Engebretsen L (2018). IOC consensus statement: dietary supplements and the high-performance athlete. British Journal of Sports Medicine 52(7):439–455. DOI 10.1136/bjsports-2018-099027 · PMID 29540367 · PMC5867441 Konsenserklärung von Fachleuten des Internationalen Olympischen Komitees zu Nahrungsergänzungsmitteln bei Spitzensportlern, zeitgleich in einer zweiten Zeitschrift erschienen (PMID 29589768). Nur wenige Mittel – darunter Koffein, Kreatin, bestimmte Puffer und Nitrat – haben gute Belege für eine Leistungssteigerung; B-Vitamine gehören nicht dazu. Folsäure für Frauen, die schwanger werden könnten, und B12 bei veganer Kost können angebracht sein – das gelte aber nicht speziell für Sportler. „A complete nutritional assessment should be undertaken before decisions regarding supplement use are made.“ (Kurzfassung). Einschränkung: Einschätzung von Fachleuten, keine systematische Bewertung; Zielgruppe Spitzensport. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
8Telford RD, Catchpole EA, Deakin V, Hahn AG, Plank AW (1992). The effect of 7 to 8 months of vitamin/mineral supplementation on athletic performance. International Journal of Sport Nutrition 2(2):135–153. DOI 10.1123/ijsn.2.2.135 · PMID 1299489 82 Athleten des Australian Institute of Sport aus Basketball, Turnen, Rudern und Schwimmen, doppelt verblindet, in vergleichbare Untergruppen eingeteilt; sieben bis acht Monate Vitamine und Mineralstoffe oder Scheinmittel. Das Essen allein deckte die empfohlene Zufuhr. „In general, however, this study provided little evidence of any effect of supplementation to athletic performance for athletes consuming the dietary RDIs.“ – kaum Hinweise auf eine Wirkung bei Athleten, die die empfohlenen Mengen schon über das Essen bekamen. Ausnahme: Basketballspielerinnen sprangen höher. In einer Begleitarbeit (PMID 1299488) stiegen die Blutwerte von B1, B6, B12 und Folat – das Präparat kam also an. Einschränkung: Multivitamin statt reinem B-Komplex; ob ausgelost wurde, sagt die Kurzfassung nicht. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
9EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA); Turck D, Bohn T, Castenmiller J, de Henauw S, Hirsch-Ernst KI, Knutsen HK, Maciuk A, Mangelsdorf I, McArdle HJ, Pelaez C, Pentieva K, Siani A, Thies F, Tsabouri S, Vinceti M, Fairweather-Tait S, Vrolijk M, Fabiani L, Titz A, Naska A (2023). Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin B6. EFSA Journal 21(5):e08006. DOI 10.2903/j.efsa.2023.8006 · PMID 37207271 · PMC10189633 Gutachten der EU-Lebensmittelbehörde. Obergrenze für Erwachsene, auch Schwangere und Stillende: 12 mg am Tag, aus allen Quellen und für alle Formen von B6; vorher 25 mg, festgelegt im Jahr 2000. Herleitung: Referenzpunkt 50 mg am Tag aus einer Fall-Kontroll-Studie (Dalton und Dalton 1987: 172 Frauen mit erhöhtem B6-Spiegel aus einer Praxis für prämenstruelle Beschwerden, PMID 3630649), gestützt durch Fallberichte und Meldedaten, geteilt durch 4 – Faktor 2, weil kleinere Mengen später schaden, und 2 für die dünne Datenlage – ergibt 12,5 mg; aus einer Studie an Hunden ergeben sich 11,7 mg; der Mittelwert, abgerundet, 12 mg. Für 15- bis 17-Jährige 10,7 mg. „the available data indicate that symptoms may occur at daily vitamin B6 intakes of 50 mg and below with a large interindividual variability.“ Eine Menge ohne Schaden und eine niedrigste schädliche Menge ließen sich aus Daten vom Menschen nicht bestimmen. Etiketten von 2.145 Präparaten mit B6 auf dem EU-Markt (2017 bis 2022, Produktdatenbank): 0,02 bis 90 mg je Portion, Median 1,4 mg, die Hälfte zwischen 1,01 und 2,0 mg, 1,4 % über 20 mg. Die Bevölkerung überschreitet die Grenze laut EFSA kaum, außer bei regelmäßiger Einnahme hoch dosierter Präparate. Einschränkung: Die Fall-Kontroll-Studie stammt aus einer einzigen Praxis, die Beschwerden wurden erfragt; Meldedaten ohne gesicherte Diagnose; Produktdaten nach Etikett, nicht nachgemessen. Gutachten im Auftrag der EU-Kommission; die Erklärungen der Fachleute veröffentlicht die EFSA gesondert, ich habe sie nicht geprüft.
10van der Beek EJ, van Dokkum W, Schrijver J, Wedel M, Gaillard AW, Wesstra A, van de Weerd H, Hermus RJ (1988). Thiamin, riboflavin, and vitamins B-6 and C: impact of combined restricted intake on functional performance in man. American Journal of Clinical Nutrition 48(6):1451–1462. DOI 10.1093/ajcn/48.6.1451 · PMID 3202095 Doppelt verblindete Studie mit 23 gesunden Männern: 12 aßen acht Wochen lang höchstens 32,5 % der niederländischen Empfehlung für Thiamin, Riboflavin, B6 und Vitamin C, die übrigen Vitamine in doppelter Menge; 11 Vergleichspersonen bekamen alle Vitamine in doppelter Menge. Die maximale Sauerstoffaufnahme sank um 9,8 %, die Schwelle, ab der sich Milchsäure im Blut anhäuft, um 19,6 %. Gesundheit, körperliche Aktivität und geistige Leistung litten nicht. Einschränkung: kleine Studie, vier Vitamine zugleich verringert, darunter Vitamin C. Durchgeführt an einem niederländischen Forschungsinstitut (TNO); Geldgeber laut PubMed nicht angegeben, Interessenkonflikte nicht geprüft.
11Singh A, Moses FM, Deuster PA (1992). Chronic multivitamin-mineral supplementation does not enhance physical performance. Medicine & Science in Sports & Exercise 24(6):726–732. PMID 1602947 Ausgeloste, doppelt verblindete Studie mit Scheinmittel: 22 körperlich aktive Männer, 90 Tage ein hoch dosiertes Präparat aus Vitaminen und Mineralstoffen. „Thus, supplementation did not affect physical performance in well-nourished men who maintained their physical activity.“ Einschränkung: Multivitamin statt B-Komplex, kleine Gruppe. Gefördert von der US-Regierung (PubMed), die Autoren arbeiteten an einer Hochschule des US-Militärs; Interessenkonflikte nicht geprüft.
12Peeling P, Sim M, McKay AKA (2023). Considerations for the Consumption of Vitamin and Mineral Supplements in Athlete Populations. Sports Medicine 53(Suppl 1):15–24. DOI 10.1007/s40279-023-01875-4 · PMID 37358750 · PMC10721676 Übersichtsarbeit: „broad vitamin and mineral deficiencies are uncommon in athletes, since overall energy intake generally increases to meet the energy requirement of the training demand“, direkt danach: „it is not always the case that energy intake increases commensurate with training load“; laut Kurzfassung essen viele Sportler, besonders Sportlerinnen, zu wenig („many athletes are poor at servicing their energy replenishment needs, especially female athletes“). Für B12 sind Grenzwerte bei Sportlern nicht klar festgelegt. Einschränkung: Übersicht, keine systematische Bewertung. Wer das Beiheft der Zeitschrift finanziert hat, in dem die Arbeit erschien, und Interessenkonflikte nicht geprüft.
13Woolf K, Manore MM (2006). B-vitamins and exercise: does exercise alter requirements? International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism 16(5):453–484. DOI 10.1123/ijsnem.16.5.453 · PMID 17240780 Übersichtsarbeit: „Current research suggests that exercise may increase the requirements for riboflavin and vitamin B-6, while data for folate and vitamin B-12 are limited. Athletes who have poor diets, especially those restricting energy intakes or eliminating food groups from the diet, should consider supplementing with a multivitamin/mineral supplement.“ Einschränkung: erzählende Übersicht, Stand 2006. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
14Klug A, Barbaresko J, Alexy U, Kühn T, Kroke A, Lotze-Campen H, Nöthlings U, Richter M, Schader C, Schlesinger S, Virmani K, Conrad J, Watzl B; Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2024). Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung. Ernährungs Umschau 71(7):60–84. dge.de Position der DGE: Für die gesunde erwachsene Allgemeinbevölkerung kann neben anderen Ernährungsweisen auch eine vegane Ernährung gesundheitsfördernd sein – „unter der Voraussetzung der Einnahme eines Vitamin-B12-Präparats“ und bei bedarfsdeckender Zufuhr der potenziell kritischen Nährstoffe, gegebenenfalls auch durch weitere Präparate. Für Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und Ältere spricht die DGE weder eine Empfehlung dafür noch dagegen aus. Hinweis: Position einer Fachgesellschaft. Gelesen an der Übersichtsseite in Auszügen, nicht am vollständigen Text; DOI nicht geprüft.
15Bundesinstitut für Risikobewertung. Vitamin B12: Bei pflanzenbasierter Ernährung besonders auf eine angemessene Versorgung achten. Fragen und Antworten, 18.10.2023. Dazu: Höchstmengenvorschläge für Vitamin B12 in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (2021). bfr.bund.de · Höchstmengen B12, PDF „Ein Vitamin-B12-Mangel tritt oft erst nach jahrelanger Mangelaufnahme auf“, weil der Körper rund 2 bis 5 mg speichern kann; nach etwa ein bis vier Jahren ohne B12 ist der Speicher in der Leber zur Hälfte entleert, erste Beschwerden zeigen sich erst, wenn er auf 5 bis 10 % gesunken ist. Sauerkraut, bestimmte Meeresalgen oder Shiitake können Spuren enthalten, alle anderen herkömmlichen pflanzlichen Lebensmittel kein B12. In der gesunden Allgemeinbevölkerung ist die Versorgung gesichert; Risikogruppen sind ältere Menschen und Menschen mit bestimmten Magen- oder Darmerkrankungen. Wer sich vegan ernährt, soll sich über Präparate versorgen und das regelmäßig ärztlich überprüfen lassen. Für Nahrungsergänzungsmittel schlägt das BfR höchstens 25 µg B12 je Tagesdosis vor (ab 15 Jahren); hergeleitet aus 100 µg am Tag über Präparate, „auf Basis von Verzehrdaten aus den USA“ geschätzt, ohne bekannte unerwünschte Wirkungen, je zur Hälfte für Präparate und angereicherte Lebensmittel, geteilt durch einen Unsicherheitsfaktor von 2 wegen möglicher Mehrfachaufnahme aus verschiedenen Präparaten (gerechnet: 100 ÷ 2 ÷ 2 = 25). Hinweis: Angaben einer Bundesbehörde, keine eigene Studie. Gelesen in Auszügen.
16de Jager J, Kooy A, Lehert P, Wulffelé MG, van der Kolk J, Bets D, Verburg J, Donker AJM, Stehouwer CDA (2010). Long term treatment with metformin in patients with type 2 diabetes and risk of vitamin B-12 deficiency: randomised placebo controlled trial. BMJ 340:c2181. DOI 10.1136/bmj.c2181 · PMID 20488910 · PMC2874129 Ausgeloste, doppelt verblindete Studie mit Scheinmittel: 390 Menschen mit Typ-2-Diabetes, die Insulin spritzten, 30 bis 80 Jahre, drei Kliniken in den Niederlanden; dreimal täglich 850 mg Metformin oder Scheinmittel, 4,3 Jahre. B12 im Blut sank im Mittel um 19 % (14 bis 24 %); ein Mangel (unter 150 pmol/l) war am Ende in der Metformin-Gruppe um 7,2 Prozentpunkte häufiger – 9,9 gegen 2,7 %; auf 13,8 Behandelte kam in 4,3 Jahren ein zusätzlicher Mangel. Die Senkung blieb und nahm über die Zeit zu. Einschränkung: nur gesamtes B12 im Blut, besondere Gruppe (mit Insulin). Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
17Lam JR, Schneider JL, Zhao W, Corley DA (2013). Proton pump inhibitor and histamine 2 receptor antagonist use and vitamin B12 deficiency. JAMA 310(22):2435–2442. DOI 10.1001/jama.2013.280490 · PMID 24327038 Fall-Kontroll-Studie einer US-Krankenversicherung in Nordkalifornien: 25.956 Menschen mit neu festgestelltem B12-Mangel (1997 bis 2011) gegen 184.199 ohne. Zwei Jahre oder länger Protonenpumpenhemmer: Odds Ratio 1,65 (1,58 bis 1,73); H2-Blocker: 1,25 (1,17 bis 1,34); mehr als 1,5 Tabletten am Tag: 1,95 (1,77 bis 2,15). Einschränkung: Beobachtungsstudie – ein Zusammenhang, kein Beweis; Diagnosen aus Routinedaten. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
18Rutjes AW, Denton DA, Di Nisio M, Chong LY, Abraham RP, Al-Assaf AS, Anderson JL, Malik MA, Vernooij RW, Martínez G, Tabet N, McCleery J (2018). Vitamin and mineral supplementation for maintaining cognitive function in cognitively healthy people in mid and late life. Cochrane Database of Systematic Reviews 12(12):CD011906. DOI 10.1002/14651858.CD011906.pub2 · PMID 30556597 · PMC6353240 Systematische Übersicht mit Auswertung: Studien mit geistig gesunden Menschen ab 40, die mindestens drei Monate Vitamine oder Mineralstoffe nahmen. Zu B-Vitaminen 14 Studien mit 27.882 Teilnehmern, Folsäure, B12, B6 oder eine Mischung gegen Scheinmittel; die meisten Teilnehmer über 60 und mit einer Erkrankung von Herz oder Hirngefäßen. „giving B vitamin supplements to cognitively healthy adults, mainly in their 60s and 70s, probably has little or no effect on global cognitive function at any time point up to 5 years (SMD values from -0.03 to 0.06)“, nach 5 bis 10 Jahren womöglich ebenfalls nicht (−0,01). Einschränkung: Viele Studien waren nicht für das Gedächtnis angelegt und maßen es nur kurz; kaum Daten zu Demenz; nur zwei Studien mit einem Durchschnittsalter unter 60. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
19Alaze-Hagemann F, Reiss K, Abou-Dakn M, Abu-Omar K, Alexy U, Beyer K, Breidenassel C, Brettschneider AK, Cremer M, Ensenauer R, Fast M, Ferrari N, Flothkötter M, Hellmers C, Joisten C, Koletzko B, Rademacher C, Schiffner U, Somm I, Speck M, Thyen U, Weißenborn A, Wöckel A, Zietlow AL, Rybak C (2026). Nutrition, Physical Activity and Other Health Aspects Before and During Pregnancy – Recommendations by the Nationwide „Healthy Start Network“ (Netzwerk Gesund ins Leben) 2026. Geburtshilfe und Frauenheilkunde 86(6):e60–e97. DOI 10.1055/a-2827-5905 · PMID 42502751 · PMC13400138 · gesund-ins-leben.de Empfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben, angesiedelt beim Bundeszentrum für Ernährung, ersetzen die Fassung von 2018. Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, sollen mindestens vier Wochen vor der Empfängnis beginnen, „400 µg folic acid/day or equivalent amounts of other authorised folates“ zu nehmen, und das im ersten Drittel der Schwangerschaft beibehalten; neu: „this higher dose of 800 µg per day is recommended for women who have not started folic acid supplementation at least 4 weeks before conception.“ Nur rund 40 % der Schwangeren nehmen Folsäure rechtzeitig und in der richtigen Menge. Nach dem Netzwerk entspricht 1 µg Folat-Äquivalent 0,6 µg synthetischer Folsäure – die DGE rechnet mit 0,5 µg (Beleg 4). Genvarianten wie MTHFR erwähnen die Empfehlungen nicht. Hinweis: Empfehlung einer Gruppe von Fachleuten auf Grundlage von Übersichten und Leitlinien. Den Abschnitt zu Interessenkonflikten habe ich nicht gelesen; Geldgeber nicht geprüft.
20Therapeutic Goods Administration (Australien) (2021). Final Decisions: Proposed low-negligible risk changes to the Permissible Ingredients Determination 2021–22, Version 1.0, Dezember 2021. tga.gov.au, PDF Entscheidung der australischen Arzneimittelbehörde, gültig ab März 2022 mit Übergangsfrist bis März 2023: Warnhinweis für Produkte mit mehr als 10 mg Vitamin B6 (vorher ab 50 mg); Wortlaut: „Stop taking this medication if you experience tingling, burning or numbness … and see your healthcare practitioner as soon as possible.“ Höchstmenge für Erwachsene ab 19 Jahren von 200 auf 100 mg am Tag gesenkt (vorgeschlagen waren 50 mg). Bis November 2021 hatten von 27 ausreichend dokumentierten Meldungen 16 (59 %) eine Tagesmenge von 50 mg oder weniger. Die Behörde schreibt selbst: „Spontaneous adverse event reporting cannot be relied on to estimate the frequency of adverse events.“ Hinweis: Entscheidung einer Behörde, keine Studie. Gelesen in Auszügen.
21Bundesinstitut für Risikobewertung (2024). Aktualisierung (2024): Höchstmengenvorschläge für Vitamin B6 in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. Stellungnahme 008/2024 vom 22.02.2024. DOI 10.17590/20240222-141910-0 · bfr.bund.de, PDF Vorschlag für Nahrungsergänzungsmittel: „0,9 Milligramm (mg) Vitamin B6 pro Tagesverzehrempfehlung eines NEM-Produkts für Personen ab 15 Jahren“; 2021 waren es 3,5 mg. Herleitung: Obergrenze der EFSA für 15- bis 17-Jährige 10,7 mg minus 7,1 mg (Zufuhr der 5 % mit der höchsten Aufnahme aus dem Essen) = 3,6 mg; je zur Hälfte für Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel = 1,8 mg; geteilt durch 2, weil mehrere Produkte zusammenkommen können = 0,9 mg. Grundlage der Obergrenze sind Nervenschäden. Hinweis: Vorschlag einer Bundesbehörde, keine gesetzliche Höchstmenge; EU-weit gibt es für Vitamine in Nahrungsergänzungsmitteln bisher keine.
22Bundesinstitut für Risikobewertung (2024). Aktualisierung (2024): Höchstmengenvorschläge für Folsäure in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. Stellungnahme 009/2024 vom 22.02.2024. DOI 10.17590/20240222-142128-0 · bfr.bund.de, PDF Vorschlag für Nahrungsergänzungsmittel unverändert 200 µg Folsäure je Tagesverzehrempfehlung; für Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere im ersten Drittel bleibt die Empfehlung von 400 µg am Tag. Grundlage ist die Obergrenze von 1.000 µg, hergeleitet aus der Möglichkeit, einen B12-Mangel ab 5 mg Folsäure am Tag zu verdecken, mit dem Faktor 5. Bei Methylfolat werden die Mengen mit den Umrechnungsfaktoren der EFSA angepasst. Nachteilige Wirkungen von nicht umgewandelter Folsäure im Blut sind „nach wie vor nicht schlüssig“. Hinweis: Vorschlag einer Bundesbehörde, keine gesetzliche Höchstmenge. Gelesen in Auszügen.
23Bundesinstitut für Risikobewertung. Biotin: Supplemente können Laboruntersuchungen verfälschen. Fragen und Antworten, 21.05.2026. Dazu: Biotin in Nahrungsergänzungsmitteln kann Labortestergebnisse beeinflussen. Mitteilung 044/2019 vom 14.11.2019. bfr.bund.de, Fragen und Antworten 2026 · Mitteilung 2019 Biotin kann Laborwerte verfälschen, betroffen sind unter anderem Herz-, Tumor- und Infektionsmarker, Hormone und HIV-Tests, als Beispiel Troponin (2019). Bei Schilddrüsenuntersuchungen kann es zu falsch erhöhten Werten der Hormone T3 und T4 und falsch niedrigen Werten des steuernden Hormons TSH kommen – und damit zur Fehldeutung einer Schilddrüsenüberfunktion (2026). 2019 hieß es noch, ab welcher Menge, sei unklar; 2026: „in den meisten Fällen aber bei oraler Biotinzufuhr ab 150 µg pro Tag“, ein erhöhtes Risiko hätten Personen ab 150 µg am Tag, auch in einem Kombipräparat wie einem B-Komplex. Eine Höchstmenge für Präparate hält das BfR nicht für nötig. Das BfR empfiehlt einen Hinweis auf Biotinprodukten, dass man vor Labortests Arzt oder Laborpersonal über die Einnahme informieren soll. Eine Zeitspanne, wie lange man vorher pausieren soll, nennen beide Dokumente nicht. Hinweis: Angaben einer Bundesbehörde, keine eigene Studie. Gelesen in Auszügen.
24Wang H, Li L, Qin LL, Song Y, Vidal-Alaball J, Liu TH (2018). Oral vitamin B12 versus intramuscular vitamin B12 for vitamin B12 deficiency. Cochrane Database of Systematic Reviews 3(3):CD004655. DOI 10.1002/14651858.CD004655.pub3 · PMID 29543316 · PMC6494183 Systematische Übersicht, Suche bis Juli 2017: 3 ausgeloste Studien mit 153 Menschen mit B12-Mangel, 74 mit Tabletten, 79 mit Spritzen in den Muskel, drei bis vier Monate, Alter im Mittel 38,6 bis 72 Jahre. „In two trials employing 1000 μg/day oral vitamin B12, there was no clinically relevant difference in vitamin B12 levels when compared with IM vitamin B12.“ Mit 2.000 µg am Tag lag der Blutwert mit Tabletten höher. Die Tablette war in einer Studie günstiger. Beschwerden, Lebensqualität und Zufriedenheit maß keine Studie. Einschränkung: wenige, kleine Studien, Vertrauenswürdigkeit niedrig, nur eine Studie mit geringem oder unklarem Verzerrungsrisiko in allen Bereichen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
25Bechthold A, Albrecht V, Leschik-Bonnet E, Heseker H (2012). Beurteilung der Vitaminversorgung in Deutschland. Teil 1: Daten zur Vitaminzufuhr. Ernährungs Umschau 59(6):324–336. dge.de, PDF · DOI 10.4455/eu.2012.974 laut PDF Auswertung der Nationalen Verzehrsstudie II durch die DGE: Median der Zufuhr mit dem Essen, ohne Präparate. 19 bis unter 25 Jahre (je 510 Männer und Frauen): Folat 298 (Männer) und 257 µg Folat-Äquivalente (Frauen), B12 6,3 und 3,7 µg, Thiamin 1,8 und 1,3 mg, Riboflavin 2,1 und 1,6 mg, Niacin 39,9 und 25,4 mg Niacin-Äquivalente, B6 2,6 und 1,8 mg. 65 bis unter 80 Jahre (1.469 Männer, 1.562 Frauen): Folat 261 und 238 µg, B12 5,5 und 4,0 µg, Thiamin 1,3 und 1,1 mg, Riboflavin 1,6 und 1,4 mg, Niacin 31,5 und 24,7 mg, B6 2,0 und 1,7 mg. „Personen, die die empfohlende Zufuhr nicht erreichen, sind jedoch umgekehrt nicht zwangsläufig unterversorgt.“ Der Vergleich „überschätzt den Anteil von Personen mit unzureichender Versorgung.“ Die Stellungnahme vergleicht mit den damaligen Referenzwerten, etwa 400 µg Folat und 3,0 µg B12; die Prozentwerte auf dieser Seite habe ich gegen die heutigen Werte neu gerechnet. Einschränkung: Daten von 2005 und 2006, nur Mediane, Nährstoffdatenbank und Zubereitungsverluste unsicher. Die DOI habe ich nicht über PubMed geprüft.
26Mensink GBM, Weißenborn A, Richter A (2016). Folate status in Germany. Journal of Health Monitoring 1(2):24–28. DOI 10.17886/RKI-GBE-2016-040.2 · PMID 36654830 · PMC9838576 Bundesweite Untersuchung des Robert Koch-Instituts (2008 bis 2011): Folat im Blutserum bei 7.045 Erwachsenen von 18 bis 79 Jahren. Rund 86 % hatten ausreichende Werte (ab 4,4 ng/ml; Frauen 88 %, Männer 84 %); zu niedrig bei 18- bis 29-Jährigen etwa 17 % der Frauen und 21 % der Männer, bei 70- bis 79-Jährigen 11 und 9 %; unter 3 ng/ml 3,3 %. Gemessen am Wert der WHO für Folat in roten Blutkörperchen hätten 95 % der Frauen im gebärfähigen Alter keinen ausreichenden Wert, um Neuralrohrdefekten vorzubeugen. Für die Nationale Verzehrsstudie II nennt der Bericht für 14- bis 80-Jährige eine Zufuhr im Median von 184 µg (Frauen) und 207 µg (Männer) am Tag. Einschränkung: Folat im Serum zeigt den kurzfristigen Stand; der WHO-Wert gilt für Bevölkerungen, nicht für den Einzelnen. Die Zufuhrwerte liegen niedriger als in der Auswertung der DGE (Beleg 25); woher der Unterschied kommt, ließ sich nicht klären. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
27McKillop DJ, Pentieva K, Daly D, McPartlin JM, Hughes J, Strain JJ, Scott JM, McNulty H (2002). The effect of different cooking methods on folate retention in various foods that are amongst the major contributors to folate intake in the UK diet. British Journal of Nutrition 88(6):681–688. DOI 10.1079/BJN2002733 · PMID 12493090 Laborstudie: übliche Zubereitung, ermittelt bei 100 Käufern, Folat roh gegen gegart gemessen. Kochen in Wasser für die übliche Zeit: Spinat behielt 49 % (191,8 gegen 94,4 µg je 100 g), Brokkoli 44 % (177,1 gegen 77,0 µg); Dämpfen: kein gesicherter Verlust. Kartoffeln, eine Stunde gekocht, und gegrilltes Rindfleisch: kein gesicherter Verlust. Einschränkung: wenige Lebensmittel aus Großbritannien; eine andere Laborstudie fand je nach Lebensmittel und Zubereitung, dass 14 bis 99 % des Folats erhalten blieben (Bassett und Sammán 2010, PMID 21612148). Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
28Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel, Anhang XIII Teil A Nr. 1 – Referenzmengen für Vitamine. Auszug der irischen Lebensmittelbehörde, PDF · EUR-Lex Referenzmengen, auf die sich Prozentangaben auf Packungen beziehen: Thiamin 1,1 mg, Riboflavin 1,4 mg, Niacin 16 mg, Pantothensäure 6 mg, Vitamin B6 1,4 mg, Biotin 50 µg, Folsäure 200 µg, Vitamin B12 2,5 µg. Hinweis: Rechtstext. Den Anhang auf EUR-Lex konnte ich nicht vollständig abrufen; die Werte habe ich am Auszug der irischen Lebensmittelbehörde gelesen und an der Vorgänger-Richtlinie 2008/100/EG gegengeprüft, sie stimmen überein.
29EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA); Turck D, Bohn T, Castenmiller J, de Henauw S, Hirsch-Ernst KI, Knutsen HK, Maciuk A, Mangelsdorf I, McArdle HJ, Pentieva K, Siani A, Thies F, Tsabouri S, Vinceti M, Crous-Bou M, Molloy A, Ciccolallo L, de Sesmaisons Lecarré A, Fabiani L, Horvath Z, Karavasiloglou N, Naska A (2023). Scientific opinion on the tolerable upper intake level for folate. EFSA Journal 21(11):e08353. DOI 10.2903/j.efsa.2023.8353 · PMID 37965303 · PMC10641704 Gutachten der EU-Lebensmittelbehörde. Entscheidend ist, dass Folsäure bei B12-Mangel die Blutarmut bessern kann, während die Nervenbeschwerden fortschreiten; die Obergrenze von 1.000 µg am Tag für Erwachsene, auch Schwangere und Stillende, bleibt und gilt für Folsäure und zwei Salze von Methylfolat zusammen. Das Verdecken trat bei 5.000 µg am Tag häufig auf; für 1.000 bis 5.000 µg fehlen Daten. „patients with severe/prolonged neurological symptoms tend to have persistent symptoms despite treatment.“ Für Menschen mit doppelter MTHFR-Variante wurde ein um bis zu 20 % höherer Folatbedarf vorgeschlagen. Ob nicht umgewandelte Folsäure im Blut schadet, ist ungeklärt; für Gedächtnis, Darm- und Prostatakrebs reichen die Belege nicht für einen ursächlichen Zusammenhang. Einschränkung: Grundlage sind alte Fallberichte; neue Daten zur Dosis gab es nicht. Erklärungen der Fachleute nicht geprüft.
30Li D, Radulescu A, Shrestha RT, Root M, Karger AB, Killeen AA, Hodges JS, Fan SL, Ferguson A, Garg U, Sokoll LJ, Burmeister LA (2017). Association of Biotin Ingestion With Performance of Hormone and Nonhormone Assays in Healthy Adults. JAMA 318(12):1150–1160. DOI 10.1001/jama.2017.13705 · PMID 28973622 · PMC5818818 6 gesunde Erwachsene (2 Frauen, 4 Männer, 31 bis 45 Jahre) nahmen 7 Tage lang 10 mg Biotin am Tag, „a dose common in over-the-counter supplements for healthy adults“; jeder war seine eigene Vergleichsperson, nicht ausgelost. 37 Labortests auf 4 Geräten, darunter Schilddrüsenwerte, Parathormon, NT-proBNP, Vitamin D, PSA und Ferritin. „interference was found in 9 of the 23 (39%) biotinylated assays compared with none of the 14 nonbiotinylated assays“; je nach Testart fielen die Werte falsch hoch oder falsch niedrig aus. Einschränkung: 6 Personen, von den Autoren als vorläufig bezeichnet; Troponin nicht getestet. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
31Watanabe F, Yabuta Y, Bito T, Teng F (2014). Vitamin B12-containing plant food sources for vegetarians. Nutrients 6(5):1861–1873. DOI 10.3390/nu6051861 · PMID 24803097 · PMC4042564 Übersichtsarbeit mit Labor- und Tierdaten. Präparate aus essbaren Blaualgen wie Spirulina enthielten oft große Mengen Pseudovitamin B12, „which is biologically inactive in humans. Therefore, edible cyanobacteria and their products are not suitable for use as sources of Vitamin B12 for vegetarians.“ Getrocknete grüne Algenblätter enthielten etwa 63,6, getrocknete purpurne (Nori) 32,3 µg B12 je 100 g Trockengewicht; die Autoren halten Nori für „the most suitable Vitamin B12 source presently available for vegetarians“ (Kurzfassung); Chlorella zwischen null und mehreren hundert µg. Einschränkung: Übersicht einer Arbeitsgruppe, die Nori seit Jahren als Quelle untersucht; zur Aufnahme beim Menschen kaum kontrollierte Studien. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
32Bundesinstitut für Risikobewertung (2021). Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln. Stellungnahme 009/2021 vom 15.03.2021. Dazu: Höchstmengenvorschläge für Niacin in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. DOI 10.17590/20210315-143130 · Niacin, PDF Vorschläge je Tagesverzehrempfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels für Personen ab 15 Jahren: keine Höchstmengen für Thiamin, Riboflavin, Pantothensäure und Biotin (bei Biotin ein Hinweis, vor Labortests Arzt oder Labor zu informieren); Niacin als Nicotinamid 160 mg, als Nicotinsäure 4,0 mg; B6 damals 3,5 mg (2024 gesenkt, Beleg 21); Folsäure 200 µg; B12 25 µg. Für Biotin, Niacin und Pantothensäure seien die Zufuhrdaten recht unsicher. Hinweis: Vorschläge einer Bundesbehörde, keine gesetzlichen Höchstmengen. Gelesen in Auszügen; eine Übersicht des BfR von 2024 (Stellungnahme 006/2024) ändert für die übrigen B-Vitamine nichts.
33Heath EM, Wilcox AR, Quinn CM (1993). Effects of nicotinic acid on respiratory exchange ratio and substrate levels during exercise. Medicine & Science in Sports & Exercise 25(9):1018–1023. PMID 8231769 8 erfahrene Läufer (Männer) nahmen drei Wochen lang 3 g Nicotinsäure am Tag, je 1 g eine Stunde vor vier Läufen von 30 Minuten bei etwa 60 % ihrer Ausdauerkapazität. „The RER, FFA, and glycerol data demonstrate a persistent inhibition of fat utilization during submaximal exercise due to NA treatment.“ Die Leistung wurde nicht gemessen. Einschränkung: 8 Personen, Arzneimittelmenge, kein Vergleich mit Scheinmittel. Geldgeber laut PubMed nicht angegeben, Interessenkonflikte nicht geprüft.
34Torrens SL, Areta JL, Parr EB, Hawley JA (2016). Carbohydrate dependence during prolonged simulated cycling time trials. European Journal of Applied Physiology 116(4):781–790. DOI 10.1007/s00421-016-3333-y · PMID 26850449 Ausgeloste, einfach verblindete Überkreuz-Studie: 8 trainierte Radfahrer und Triathleten (Männer), Zeitfahren von etwa 60, 90 und 120 Minuten nach Nicotinsäure oder Scheinmittel; die Fettsäuren im Blut wurden damit unterdrückt. Kein Unterschied über 60 und 90 Minuten; über 120 Minuten mit Nicotinsäure langsamer, 123,1 gegen 120,1 Minuten. Einschränkung: 8 Personen; die Menge Nicotinsäure nennt die Kurzfassung nicht, ich habe sie nicht geprüft. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
35National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Niacin – Fact Sheet for Health Professionals. Aktualisiert am 18.11.2022. ods.od.nih.gov „Thirty to 50 mg or more nicotinic acid typically causes flushing“; die US-Obergrenze von 35 mg am Tag beruht auf diesem Flush. Nicotinamid löst keinen Flush aus und hat weniger Nebenwirkungen als Nicotinsäure. Hohe Mengen Nicotinsäure über Monate oder Jahre können die Leber schädigen, eher mit Präparaten, die den Wirkstoff langsam freisetzen. Hinweis: Faktenblatt einer Behörde; die zitierten Studien zur Schwelle habe ich nicht selbst geprüft.
36Bundesinstitut für Risikobewertung (2012). Die Einnahme von Nicotinsäure in überhöhter Dosierung kann die Gesundheit schädigen. Stellungnahme 018/2012 vom 06.02.2012. bfr.bund.de, PDF „Nicotinsäure kann in Dosen über 30 mg gefäßerweiternde Wirkungen auslösen.“ Bei Präparaten mit verzögerter Freisetzung wurden schon unter Tagesmengen von 1.000 bis 2.000 mg Leberschäden beobachtet, schwere bei 3.000 bis 9.000 mg. Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU legte 2002 eine Obergrenze von 10 mg Nicotinsäure am Tag fest. Hinweis: Stellungnahme einer Bundesbehörde, gelesen in Auszügen; die dort genannten Fallberichte habe ich nicht im Original geprüft.
37Martí-Carvajal AJ, Solà I, Lathyris D, Dayer M (2017). Homocysteine-lowering interventions for preventing cardiovascular events. Cochrane Database of Systematic Reviews 8(8):CD006612. DOI 10.1002/14651858.CD006612.pub5 · PMID 28816346 · PMC6483699 Systematische Übersicht mit Auswertung: 15 ausgeloste Studien mit 71.422 Teilnehmern mit und ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, B6, Folsäure oder B12 allein oder kombiniert, 1 bis 7,3 Jahre. Gegenüber Scheinmittel kein Unterschied bei Herzinfarkt (7,1 gegen 6,0 %; relatives Risiko 1,02; 0,95 bis 1,10), Tod jeder Ursache (11,7 gegen 12,3 %; 1,01; 0,96 bis 1,06) und schweren Nebenwirkungen; Schlaganfall etwas seltener (4,3 gegen 5,1 %; 0,90; 0,82 bis 0,99), jeweils Vertrauenswürdigkeit hoch. Einschränkung: Studien mit sehr verschiedenen Gruppen und Mengen; Menschen mit Nierenversagen ausgeschlossen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
38Huang QN, Watanabe F, Koseki K, He RE, Lee HL, Chiu THT (2024). Effect of roasted purple laver (nori) on vitamin B12 nutritional status of vegetarians: a dose-response trial. European Journal of Nutrition 63(8):3269–3279. DOI 10.1007/s00394-024-03505-9 · PMID 39352476 · PMC11519184 Offene, ausgeloste Studie in Taiwan: 30 Vegetarier (21 Frauen, 20 bis 50 Jahre, 6 vegan), vier Wochen kein Nori, 5 g oder 8 g gerösteter Nori am Tag (gemessen 38,6 µg B12 je 100 g). 5 g verbesserten gegenüber der Kontrolle das B12 im Blut um 59 pmol/l (25 bis 93), das aktive B12 und das Homocystein; ein weiterer Marker für einen Mangel änderte sich nicht gesichert, 8 g brachten nicht mehr. Laut Diskussion beseitigten 5 g Nori einen Mangel nicht vollständig; Spirulina und Wakame enthalten vor allem unwirksame Formen. Einschränkung: klein, nicht verblindet, vier Wochen; der B12-Gehalt verschiedener Packungen derselben Marke schwankte zwischen 23,1 und 52,8 µg je 100 g. Gefördert vom Wissenschaftsrat Taiwans; laut Arbeit keine Interessenkonflikte. Der Mitautor Watanabe untersucht Nori seit Jahren als B12-Quelle.
39Young LM, Pipingas A, White DJ, Gauci S, Scholey A (2019). A Systematic Review and Meta-Analysis of B Vitamin Supplementation on Depressive Symptoms, Anxiety, and Stress: Effects on Healthy and 'At-Risk' Individuals. Nutrients 11(9):2232. DOI 10.3390/nu11092232 · PMID 31527485 · PMC6770181 Systematische Übersicht mit Auswertung: 18 Artikel aus 16 ausgelosten Studien mit 2.015 gesunden oder gefährdeten Erwachsenen, Präparate mit mindestens drei B-Vitaminen, mindestens vier Wochen; 14 Studien mit Multivitaminen, 2 nur mit B-Vitaminen. Stress: standardisierter Unterschied 0,23 (0,02 bis 0,45), 958 Teilnehmer; gedrückte Stimmung 0,15 (−0,01 bis 0,32), nicht gesichert; Angst 0,03 (−0,13 bis 0,20). Die meisten Präparate enthielten mindestens das Doppelte der empfohlenen Mengen, manche das 10- bis 300-Fache; keine der Studien mit Blutwerten fand im Mittel einen Mangel zu Beginn. Die Autoren halten strengere Studien für nötig, bevor man B-Vitamine dafür empfehlen kann. Einschränkung: verschiedene Fragebögen und Präparate, andere Inhaltsstoffe der Multivitamine können mitgewirkt haben. Geldgeber laut Verlagsseite: „Bayer Healthcare partially funded this work.“ Interessenkonflikte: Drei der fünf Autoren erhielten Forschungsgeld, Honorare und Kongressunterstützung aus der Nahrungsergänzungsindustrie.
40National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Thiamin – Fact Sheet for Health Professionals. Aktualisiert am 09.02.2023. ods.od.nih.gov „Thiamin (or thiamine) is one of the water-soluble B vitamins.“ Alkohol „reduces gastrointestinal absorption of thiamin, thiamin stores in the liver, and thiamin phosphorylation“; „Up to 80% of people with chronic alcoholism develop thiamin deficiency“. In Industrieländern ist chronischer Alkoholmissbrauch offenbar die häufigste Ursache eines Thiaminmangels. Hinweis: Faktenblatt einer Behörde; die Angaben stützen sich dort auf Lehrbuchkapitel und einen Leserbrief, die ich nicht geprüft habe.
41National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Vitamin B6 – Fact Sheet for Health Professionals. Aktualisiert am 16.06.2023. ods.od.nih.gov „Vitamin B6 is a water-soluble vitamin that is naturally present in many foods“. Reiche Quellen sind Fisch, Rinderleber und andere Innereien, Kartoffeln und anderes stärkereiches Gemüse sowie Obst außer Zitrusfrüchten. 1 bis 6 g B6 am Tag über 12 bis 40 Monate können schwere, fortschreitende Nervenschäden mit Gangunsicherheit auslösen; die Beschwerden hören meist auf, wenn man die Präparate absetzt, sobald sie auftreten. Obergrenze in den USA für Erwachsene: 100 mg am Tag. Hinweis: Faktenblatt einer Behörde; die US-Obergrenze stammt aus dem Jahr 1998 und ist deutlich höher als die der EFSA von 2023 (Beleg 9).
42National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Pantothenic Acid – Fact Sheet for Health Professionals. Aktualisiert am 01.05.2026. ods.od.nih.gov „Because some pantothenic acid is present in almost all foods, deficiency is rare except in people with severe malnutrition“. Bekannt ist ein Mangel nur bei Menschen, die eine nahezu pantothensäurefreie Kost oder einen Gegenspieler des Vitamins bekamen. Eine Obergrenze gibt es nicht, weil keine Vergiftungen bekannt sind; sehr hohe Mengen wie 10 g am Tag können leichten Durchfall machen. Hinweis: Faktenblatt einer Behörde, gelesen in Auszügen.
43Shively RM, Harding SA, Hoffman RS, Hill AD, Astua AJ, Manini AF (2019). Rebound metabolic acidosis following intentional amygdalin supplement overdose. Clinical Toxicology 58(4):290–293. DOI 10.1080/15563650.2019.1640369 · PMID 31322009 Fallbericht: „Amygdalin, marketed misleadingly as supplement "Vitamin B17," is a cyanogenic glycoside“ – ein Stoff, der Blausäure freisetzen kann. Eine 33-Jährige nahm absichtlich 20 g ein und musste beatmet werden. Einschränkung: Einzelfall; Erscheinungsjahr laut PubMed 2019, das Heft kann später erschienen sein. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
44Milazzo S, Horneber M (2015). Laetrile treatment for cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015(4):CD005476. DOI 10.1002/14651858.CD005476.pub4 · PMID 25918920 · PMC6513327 Systematische Übersicht zu Laetril und Amygdalin gegen Krebs: „we did not identify any studies that met our inclusion criteria.“ „There is a considerable risk of serious adverse effects from cyanide poisoning after laetrile or amygdalin, especially after oral ingestion. The risk-benefit balance of laetrile or amygdalin as a treatment for cancer is therefore unambiguously negative.“ Eine Nachsuche im Juni 2018 fand keine neuen Studien. Hinweis: Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
45Bundesinstitut für Risikobewertung (2015). Zwei bittere Aprikosenkerne pro Tag sind für Erwachsene das Limit – Kinder sollten darauf verzichten. Aktualisierte Stellungnahme 009/2015 vom 07.04.2015. bfr.bund.de, PDF Erwachsene sollen „nicht mehr als zwei bittere Aprikosenkerne pro Tag … verzehren oder völlig auf den Verzehr … verzichten“; „Kinder sollten diese Kerne gar nicht zu sich nehmen.“ Bittere Kerne enthalten bis zu 4 mg Blausäure je Gramm. Für eine Wirkung gegen Krebs gibt es keine wissenschaftlichen Nachweise. Hinweis: Die EFSA hat 2016 eine strengere Grenze für Blausäure festgelegt (20 statt 75 µg je kg Körpergewicht, laut EFSA 2019, PMID 32626287); ob das BfR seine Empfehlung danach angepasst hat, habe ich nicht geprüft.
46Max Rubner-Institut (2008). Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht Teil 2. Karlsruhe. Dazu: Pressemitteilung des Max Rubner-Instituts zur Studie NEMO, 07.04.2026. mri.bund.de, PDF · Pressemitteilung NEMO Bundesweite Erhebung von November 2005 bis November 2006 mit 15.371 Befragungen zur Ernährung der letzten vier Wochen (14 bis 80 Jahre). Bei den meisten Vitaminen entspricht die Zufuhr den Referenzwerten, Ausnahmen sind Vitamin D und Folsäure – gemessen an den damaligen Werten, für Folat 400 µg; die DGE nennt heute 300 µg. Seit April 2026 läuft die neue Studie NEMO mit über 3.000 Menschen und Blutwerten, unter anderem zu Folsäure und B12; Ergebnisse liegen noch nicht vor. Hinweis: Das Kapitel zu Vitaminen und die Tabellen konnte ich nicht abrufen; die Aufschlüsselung nach Alter habe ich deshalb nicht geprüft.
47Weikert C, Trefflich I, Menzel J, Obeid R, Longree A, Dierkes J, Meyer K, Herter-Aeberli I, Mai K, Stangl GI, Müller SM, Schwerdtle T, Lampen A, Abraham K (2020). Vitamin and Mineral Status in a Vegan Diet. Deutsches Ärzteblatt International 117(35–36):575–582. DOI 10.3238/arztebl.2020.0575 · PMID 33161940 · PMC7779846 Querschnittsstudie des BfR in Berlin: 36 Veganer und 36 Mischköstler, je 18 Männer und Frauen, 30 bis 60 Jahre. „Nearly all the vegans and one-third of the persons on a mixed diet had consumed supplements in the previous 4 weeks.“ „There were no intergroup differences in the biomarkers of vitamin B12“; „This may be due to the high rate of supplementation.“ Einschränkung: kleine Stichprobe, Querschnitt. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
48Lee MC, Hsu YJ, Shen SY, Ho CS, Huang CC (2023). A functional evaluation of anti-fatigue and exercise performance improvement following vitamin B complex supplementation in healthy humans, a randomized double-blind trial. International Journal of Medical Sciences 20(10):1272–1281. DOI 10.7150/ijms.86738 · PMID 37786445 · PMC10542023 Ausgeloste, doppelt verblindete Überkreuz-Studie, je 28 Tage: 32 junge Erwachsene, die nicht trainierten (16 Männer, 16 Frauen, 20 bis 30 Jahre). Präparat je Tablette: B1 33,6 mg, B2 10 mg, B6 50 mg, B12 750 µg, Vitamin E 16,8 mg, Inositol 20 mg, Calcium 18,9 mg, Taurin 20 mg. Laufzeit bis zur Erschöpfung bei 85 % der maximalen Sauerstoffaufnahme: 15,82 gegen 12,56 Minuten mit Scheinmittel. Einschränkung: B-Vitamin-Status nicht gemessen („there was no extra blood to analyze the concentrations of various B vitamins“); Zusatzstoffe; 50 mg B6 sind gut das Vierfache der EFSA-Obergrenze; die Gruppen wurden wie getrennte Gruppen verglichen, obwohl jeder beides bekam. Das Präparat stellte der Hersteller, und er half bei der Verblindung – ein möglicher Interessenkonflikt; Erklärungen zu Geldgebern und Interessenkonflikten habe ich nicht gelesen.
49National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Riboflavin – Fact Sheet for Health Professionals. Aktualisiert am 11.05.2022. ods.od.nih.gov Bei 400 mg am Tag gegen Migräne sind Nebenwirkungen gering, „side effects (such as discolored urine) are minimal“. Schäden durch hohe Mengen aus Essen oder Präparaten sind nicht bekannt; eine Obergrenze gibt es nicht. Hinweis: Faktenblatt einer Behörde; die zitierte Leitlinie habe ich nicht im Original gelesen.
50Herron AJ, Mariani JJ, Pavlicova M, Parrinello CM, Bold KW, Levin FR, Nunes EV, Sullivan MA, Raby WN, Bisaga A (2012). Assessment of riboflavin as a tracer substance: comparison of a qualitative to a quantitative method of riboflavin measurement. Drug and Alcohol Dependence 128(1–2):77–82. DOI 10.1016/j.drugalcdep.2012.08.007 · PMID 22921475 · PMC3556739 24 Freiwillige, einzelne Gaben von 0, 25 und 50 mg Riboflavin, 20 davon auch 100 mg. Die beiden folgenden Zahlen zitiert die Arbeit in ihrer Einleitung aus früheren Studien: „more than 91% of the total excretion of riboflavin taking place during the first 24 hours“; „urine riboflavin levels are 10–20 times higher following the ingestion of supplementary riboflavin at the 20–60 mg dose“. Eigene Messung: Nach 25 und 50 mg lagen von 2 bis 24 Stunden mehr als 80 Prozent der Proben über 900 ng/ml – einem Wert, den rund 95 Prozent der Proben ohne Präparat nicht erreichten. Riboflavin leuchtet im Urin unter UV-Licht. Einschränkung: Die Studie misst Riboflavin als Markierungsstoff, nicht die Farbe bei Tageslicht. Gefördert von der US-Gesundheitsbehörde NIH; Interessenkonflikte nicht geprüft.
51Therapeutic Goods Administration (Australien) (2022). Medicines Safety Update: Peripheral neuropathy with supplementary vitamin B6 (pyridoxine). Meldedaten bis 05.08.2022. tga.gov.au Bis zum 05.08.2022 lagen 32 Meldungen mit genug Angaben, um einen Zusammenhang für möglich zu halten, über Schäden an Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark vor, Fachleute sagen periphere Neuropathie; „21 (66%) involved daily doses of 50 mg of vitamin B6 or less.“ Produkte mit mehr als 10 mg B6 am Tag brauchen einen Warnhinweis; mehr als 100 mg am Tag sind für Erwachsene nicht erlaubt. Hinweis: Meldungen von Betroffenen und Fachleuten, keine Studie; die eingenommenen Mengen wurden nicht nachgemessen. Die Seite trägt kein eigenes Datum.
52Therapeutic Goods Administration (Australien) (2025). Notice of final decision to amend the current Poisons Standard – pyridoxine, pyridoxal, pyridoxamine (vitamin B6), 25.11.2025. tga.gov.au, PDF Ab dem 01.06.2027 bleiben Produkte bis 50 mg B6 je empfohlener Tagesdosis frei verkäuflich, über 50 bis 200 mg gibt es nur noch durch den Apotheker, über 200 mg weiter nur auf Rezept. Bis Ende Oktober 2025 lagen der Behörde 250 Meldungen über Nervenschäden vor, 208 davon seit 2023; nach Mengen aufgeschlüsselt sind sie nicht. Hinweis: Entscheidung einer Behörde, keine Studie. Gelesen in Auszügen.
53National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Biotin – Fact Sheet for Health Professionals. Aktualisiert am 10.01.2022. ods.od.nih.gov Die US-Arzneimittelbehörde FDA berichtete, dass ein Mensch mit hoher Biotinzufuhr nach einem falsch niedrigen Troponinwert starb. Mehrere Fallberichte beschreiben eine vorgetäuschte Schilddrüsenüberfunktion bei 10 bis 300 mg am Tag. Ärzte sollen nach Biotin fragen und es als mögliche Fehlerquelle bedenken. Hinweis: Faktenblatt einer Behörde. Die Sicherheitsmitteilungen der FDA von 2017 und 2019 selbst konnte ich nicht abrufen, als ich die Quellen im Oktober 2026 geprüft habe.
54Frame IJ, Joshi PH, Mwangi C, Gunsolus I, De Lemos JA, Das SR, Sarode R, Balani J, Apple FS, Muthukumar A (2019). Susceptibility of Cardiac Troponin Assays to Biotin Interference. American Journal of Clinical Pathology 151(5):486–493. DOI 10.1093/ajcp/aqy172 · PMID 30715102 Blut von gesunden Freiwilligen nach 10 mg Biotin am Tag und Laborversuche mit drei Troponintests: Einer der drei Tests wurde deutlich gestört, die beiden anderen nicht; die Störschwellen lagen bei 31, 315 und über 2.000 ng/ml. Das „may lead to delayed or missed diagnosis of myocardial injury“. Einschränkung: nur drei Tests; die Zahl der Freiwilligen nennt die Kurzfassung nicht. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
55National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Folate – Fact Sheet for Health Professionals. Aktualisiert am 04.10.2018. ods.od.nih.gov „Large amounts of folate can correct the megaloblastic anemia, but not the neurological damage“ – die Blutarmut bei B12-Mangel, nicht den Nervenschaden. Die US-Obergrenze von 1.000 µg am Tag ab 19 Jahren gilt für synthetische Formen wie Folsäure und Methylfolat. Ob nicht umgewandelte Folsäure im Blut eine Wirkung hat, ist nicht bekannt. Zur MTHFR-Variante sei die Forschung zum Nutzen von Folatpräparaten nicht eindeutig. Hinweis: Faktenblatt einer Behörde, Stand 2018; eine neuere Fassung habe ich nicht gesucht.
56Lamers Y, Prinz-Langenohl R, Brämswig S, Pietrzik K (2006). Red blood cell folate concentrations increase more after supplementation with [6S]-5-methyltetrahydrofolate than with folic acid in women of childbearing age. American Journal of Clinical Nutrition 84(1):156–161. DOI 10.1093/ajcn/84.1.156 · PMID 16825690 Ausgeloste, doppelt verblindete Studie mit Scheinmittel: 144 gesunde Frauen von 19 bis 33 Jahren, 24 Wochen 400 µg Folsäure, 416 µg Methylfolat (gleich viele Moleküle), 208 µg Methylfolat oder Scheinmittel. Das Folat in den roten Blutkörperchen stieg mit 416 µg Methylfolat stärker als mit 400 µg Folsäure oder 208 µg Methylfolat; nach 24 Wochen war in keiner Gruppe ein Plateau erreicht. Einschränkung: nur Blutwerte, keine Fehlbildungen gemessen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung; ob ein Hersteller von Methylfolat beteiligt war, habe ich nicht geprüft. Interessenkonflikte nicht geprüft.
57Prinz-Langenohl R, Brämswig S, Tobolski O, Smulders YM, Smith DEC, Finglas PM, Pietrzik K (2009). [6S]-5-methyltetrahydrofolate increases plasma folate more effectively than folic acid in women with the homozygous or wild-type 677C→T polymorphism of methylenetetrahydrofolate reductase. British Journal of Pharmacology 158(8):2014–2021. DOI 10.1111/j.1476-5381.2009.00492.x · PMID 19917061 · PMC2807663 Ausgeloste Überkreuz-Studie: 24 gesunde Frauen, 16 mit doppelter MTHFR-Variante, 8 ohne; je eine Gabe 400 µg Folsäure und 416 µg Methylfolat, Messung über 8 Stunden. Methylfolat hob das Folat im Blut bei beiden Genvarianten stärker; „Unmetabolized FA in plasma occurs regularly following FA supplementation, but rarely with [6S]-5-MTHF.“ Einschränkung: einzelne Gabe, 24 Personen, nur Blutwerte. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
58Hekmatdoost A, Vahid F, Yari Z, Sadeghi M, Eini-Zinab H, Lakpour N, Arefi S (2015). Methyltetrahydrofolate vs Folic Acid Supplementation in Idiopathic Recurrent Miscarriage with Respect to Methylenetetrahydrofolate Reductase C677T and A1298C Polymorphisms: A Randomized Controlled Trial. PLoS One 10(12):e0143569. DOI 10.1371/journal.pone.0143569 · PMID 26630680 · PMC4668025 Ausgeloste, doppelt verblindete Studie in Teheran ohne Scheinmittel-Gruppe: 220 Frauen von 20 bis 45 Jahren mit drei oder mehr ungeklärten Fehlgeburten, je 1 mg Methylfolat oder Folsäure ab mindestens 8 Wochen vor der Empfängnis bis zur 20. Woche. Das Folat im Blut stieg mit Methylfolat stärker; „There was no significant difference in abortion rate between two groups“, auch nicht nach MTHFR-Varianten. 135 Frauen wurden schwanger; laufende Schwangerschaft am Ende 27 von 66 mit Folsäure, 36 von 69 mit Methylfolat. Einschränkung: Die Fallzahl war auf Blutwerte berechnet, nicht auf Fehlgeburten; viele fielen aus; die Arbeit widerspricht sich an einzelnen Stellen. Präparate von einem US-Hersteller gekauft. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
59McKenney JM, Proctor JD, Harris S, Chinchili VM (1994). A comparison of the efficacy and toxic effects of sustained- vs immediate-release niacin in hypercholesterolemic patients. JAMA 271(9):672–677. PMID 8309029 Ausgeloste, doppelt verblindete Studie: 46 Erwachsene mit hohem LDL-Cholesterin, je 23 mit schnell oder langsam freisetzender Nicotinsäure, steigend 500, 1.000, 1.500, 2.000 und 3.000 mg am Tag, je 6 Wochen. „None of the patients taking IR niacin developed hepatotoxic effects, while 12 (52%) of the 23 patients taking SR niacin did.“ 18 der 23 mit der langsam freisetzenden Form brachen vor 3.000 mg ab. Einschränkung: Arzneimittelmengen im Grammbereich, kleine Gruppen. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
60Patel DP, Swink SM, Castelo-Soccio L (2017). A Review of the Use of Biotin for Hair Loss. Skin Appendage Disorders 3(3):166–169. DOI 10.1159/000462981 · PMID 28879195 · PMC5582478 Übersicht über Fallberichte und ausgeloste Studien in PubMed: 18 berichtete Fälle, in denen Biotin bei Haaren oder Nägeln eingesetzt wurde. „In all cases, patients receiving biotin supplementation had an underlying pathology for poor hair or nail growth.“ Die Autoren sehen „lack of sufficient evidence for supplementation in healthy individuals.“ Einschränkung: Suche nur in PubMed, nur Fallberichte gefunden. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
Was auf dieser Seite fehlt – und warum Wie ein festgestellter Mangel behandelt wird, B-Vitamine bei Kindern, in Schwangerschaft und Stillzeit über die Folsäure hinaus, Arzneimittel mit hoch dosierten B-Vitaminen und Energydrinks behandelt diese Seite nicht. Wie viel B-Vitamine einzelne Lebensmittel enthalten, steht hier nicht in Zahlen, weil ich die Nährwertdatenbanken dazu nicht selbst einsehen konnte; die Lebensmittel nenne ich nach DGE und NIH. Wie viel B6 typische B-Komplexe enthalten, hat keine Stelle eigens erhoben, die ich gefunden habe. Neuere bundesweite Zahlen zur Versorgung gibt es erst, wenn die Studie NEMO ausgewertet ist. Ob ein bestimmtes Präparat enthält, was auf der Packung steht, kann ich nicht sagen. Geldgeber und Interessenkonflikte stehen meist nur in der vollständigen Arbeit; wo ich sie nicht selbst gelesen habe – meist, weil nur die Kurzfassung frei zugänglich war –, steht „nicht geprüft“. Lieber eine ehrliche Lücke als eine Angabe, für die niemand geradesteht.
Zum Schluss, in eigener Sache Ich bin Personal Trainer, kein Arzt. Ich behandle nichts – ich trainiere um Beschwerden herum und Schritt für Schritt in mehr Belastbarkeit hinein. Wo ärztliche Freigabe nötig ist, fange ich ohne sie nicht an. Diese Seite erklärt, was Studien zeigen, und ersetzt keine ärztliche Beratung.