Rekomposition – auf Englisch Body Recomposition – heißt: Du verlierst Fett und baust gleichzeitig Muskeln auf. Die Waage bewegt sich dabei oft kaum, Dein Körper verändert sich trotzdem. In einer Studie mit Männern und Frauen, die schon trainierten, blieb das Gewicht in acht Wochen fast gleich, minus 0,1 Kilo. Dabei verloren sie 1,6 Kilo Fett und legten 1,5 Kilo fettfreie Masse zu – alles außer Fett, vor allem Muskeln und Wasser.1
Viele glauben, für Muskeln müsse man mehr essen, als man verbraucht. Zwingend ist das nicht. Ein Defizit bremst den Muskelaufbau zwar, die Kraft steigt trotzdem; nach der Rechnung einer großen Auswertung kam im Mittel erst ab etwa 500 Kilokalorien weniger am Tag gar keine fettfreie Masse mehr dazu.2 Damit es klappt, müssen drei Dinge zusammenpassen: ein Trainingsreiz, der den Muskel wachsen lässt, genug Eiweiß als Baustoff und ein Defizit, das klein bleibt. Auch der Schlaf redet mit. Auf dieser Seite steht, für wen Rekomposition realistisch ist, wie Du sie anlegst und woran Du sie erkennst, wenn die Waage stehen bleibt.
Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost, Personal Trainer
Acht Fragen, kurz beantwortet
Wenn Du nur zwei Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.
Ob Fett runter und Muskel rauf gleichzeitig klappt, hängt vor allem davon ab, wo Du startest. Finde Dich in einer der Karten wieder.
Du hast den größten Vorteil: Dein Muskel kennt den Reiz noch nicht. Schon Krafttraining allein brachte in großen Auswertungen im Mittel gut ein Kilo fettfreie Masse und gut ein halbes Kilo weniger Fett.3, 14 Für Dich reicht am Anfang: regelmäßig trainieren, genug Eiweiß, nicht mehr essen als nötig. Wer nach einer Pause zurückkommt, fängt nicht bei null an; mehr dazu auf meiner Seite zur Trainingspause.
Dein Vorteil: Dein Körper hat Energie auf Lager. Wer mehr Fett hat, verliert beim Abnehmen anteilig weniger fettfreie Masse.15 Ein kleines Defizit plus Krafttraining ist für Dich der direkte Weg. Ein Selbstläufer ist es trotzdem nicht: Bei älteren Frauen, die ohne Diät trainierten, veränderte sich der Körper bei denen mit dem wenigsten Fett sogar am stärksten.16 Dein Eiweiß rechnest Du nach dem Normalgewicht (Kapitel 05).
Je schlanker und trainierter Du bist, desto weniger Spielraum hast Du: Das Minus muss kleiner sein, und der Zuwachs kommt langsamer. Bei eher schlanken Kraftsportlern in der Diät ging die fettfreie Masse in den meisten Gruppen zurück. Gehalten wurde sie vor allem bei mehr Körperfett, kleinerem Defizit, neuem Trainingsprogramm oder sehr viel Eiweiß.10 Die Autoren einer Studie mit Trainierten erwarten bei schlanken Fortgeschrittenen selbst weniger Umbau und halten es dann wohl für besser, ein Ziel nach dem anderen anzugehen.8 Halte das Defizit klein, das Eiweiß hoch und die Gewichte schwer. Willst Du vor allem Muskel, bau erst mit etwas mehr Essen auf und nimm danach ab.
Gerade wenn Du abnehmen willst, gehören Gewichte dazu. Bei Älteren, die abnahmen, ging mit Krafttraining weniger fettfreie Masse verloren als mit Ausdauertraining allein.13 Und bei Frauen um die 70, die ein halbes Jahr trainierten, legten die mehr Muskel zu, die ohnehin mehr Eiweiß aßen; ob das Eiweiß der Grund war, lässt sich daraus nicht sicher sagen.7 Trainier zwei- bis dreimal pro Woche mit Gewichten – vor allem dann, wenn Du abnimmst.
Für Dich gelten dieselben Regeln; in mehreren der Studien trainierten Frauen mit.1, 7 Junge Frauen mit Wettkampfziel legten in acht Wochen Krafttraining mit viel Eiweiß gut zwei Kilo fettfreie Masse zu und verloren gut ein Kilo Fett. Mit wenig Eiweiß kam weniger dazu, und beim Fett ließ sich keine Änderung vom Zufall unterscheiden; die Gruppe mit viel Eiweiß aß allerdings auch insgesamt mehr.6, 8 Eiweiß und Gewichte zählen für Dich genauso.
Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Gelenken oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, wie hart Du trainieren und wie viel weniger Du essen darfst.
Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Die Regel hinter allen Regeln: Der Muskel braucht einen Grund zu wachsen, Baustoff und genug Energie. Das Fett braucht nur ein kleines Minus.
Fett und Muskel sind zwei verschiedene Baustellen. Das eine ist ein Energielager, das andere ein Bauwerk aus Eiweiß.
Stell Dir einen Hausumbau vor. Im Keller steht ein Tank mit Heizöl – Dein Fett. Oben wird ein neues Zimmer gemauert – Dein Muskel. Den Auftrag zum Mauern gibt das Training. Die Steine kommen mit der Lieferung, also über Dein Essen, vor allem über das Eiweiß. Und die Energie für die Baustelle darf der Tank im Keller liefern. Deshalb kann der Tank leerer werden, während das Zimmer wächst – solange die Steine kommen und die Baustelle nicht zu knapp versorgt ist.
Der Auftrag zählt dabei am meisten. In einer großen Auswertung brachte Krafttraining allein im Mittel 1,1 Kilo fettfreie Masse, zusätzliches Eiweiß legte noch 0,3 Kilo drauf.3 Wird die Energie aber zu knapp, fährt der Körper den Bau zurück. Nach fünf Tagen mit knapper Energie lag der Aufbau neuer Muskeleiweiße in Ruhe um 27 Prozent niedriger; Krafttraining brachte ihn auf das normale Niveau zurück, Eiweiß danach hob ihn darüber.23
Das Fett liefert die Energie. Den Muskel baut das Training – mit Eiweiß als Baustoff.
Wie viel Energie das Fettdepot am Tag liefern kann, hat ein Physiker aus Versuchsdaten von unterernährten Menschen geschätzt: höchstens rund 69 Kilokalorien je Kilo Fett am Tag. Fehlt mehr, greift der Körper nach diesem Modell auf die fettfreie Masse zurück.24 Das ist ein Rechenmodell, keine Messung an Dir – aber es erklärt, warum Menschen mit mehr Fett ein Defizit leichter wegstecken.
gerechnet heißt: von mir aus dem Wert des Rechenmodells gerechnet.24 Beispielpersonen, Körperfettanteile angenommen. Diese Grenze sagt nur, ab wann der Körper fettfreie Masse abbaut. Damit Muskel dazukommt, muss das Minus viel kleiner bleiben (Kapitel 05).
Dazu passt eine Übersichtsarbeit über Versuche, in denen Menschen gezielt ab- oder zunahmen: Je mehr Fett jemand am Anfang hat, desto kleiner ist beim Abnehmen der Anteil, der aus fettfreier Masse kommt; bei schlanken Menschen ist er größer. Und je größer das Defizit, desto mehr fettfreie Masse geht verloren.15
Rekomposition wurde in Studien mehrfach gemessen. Die Tabelle zeigt, wer wie lange trainiert hat, wie gegessen wurde und was herauskam.
Gemessen wurde mit Geräten, die Fett von fettfreier Masse trennen, etwa mit einer schwachen Röntgen-Messung – Fachleute sagen DXA – oder über die Luft, die der Körper in einer Messkapsel verdrängt. Muskel allein messen diese Verfahren nicht: Fettfreie Masse ist alles außer Fett, also Muskeln, aber auch Wasser, Organe und Knochen.
| Wer und wie lange | Essen | Fett | Fettfreie Masse |
|---|---|---|---|
| Junge Männer, 4 Wochen, Training an 6 Tagen5 | rund 40 % weniger Energie als nötig, 2,4 g Eiweiß je kg | −4,8 kg | +1,2 kg |
| dieselbe Studie | rund 40 % weniger, 1,2 g Eiweiß je kg | −3,5 kg | +0,1 kg |
| Trainierte, im Mittel 1,5 Jahre Erfahrung, 10 Wochen, 4 Tage8 | Vorgabe: rund 250 kcal unter dem Bedarf, 2,5 g Eiweiß je kg | −2,9 kg | +1,0 kg |
| dieselbe Studie | Vorgabe: so viel, wie verbraucht, 2,5 g Eiweiß je kg | −1,4 kgnicht gesichert | +1,0 kg |
| dieselbe Studie, ohne Betreuung | gewohntes Essen, ohne Plan | −0,2 kgunverändert | ±0,0 kgunverändert |
| Trainierte Männer und Frauen, 8 Wochen, 5 Tage1 | frei gegessen, 3,4 g Eiweiß je kg, nach eigenen Aufzeichnungen rund 370 kcal mehr am Tag als vorher | −1,6 kg | +1,5 kgGewicht −0,1 kg |
| dieselbe Studie | frei gegessen, rund 2,3 g Eiweiß je kg | −0,3 kg | +1,5 kgGewicht +1,3 kg |
| Junge Frauen mit Wettkampfziel, 8 Wochen6 | 2,5 g Eiweiß je kg | −1,1 kg | +2,1 kg |
| dieselbe Studie | 0,9 g Eiweiß je kg | –keine gesicherte Änderung | +0,6 kg |
| Leistungssportler, langsam abgenommen, gut 8 Wochen21 | 19 % weniger Energie, rund 0,7 % Gewicht pro Woche | −31 % | +2,1 % |
| dieselbe Studie, schneller, rund 5 Wochen | 30 % weniger Energie, rund 1 % Gewicht pro Woche | −21 % | −0,2 %unverändert |
| Frauen um die 70, vorher untrainiert, 24 Wochen, 3 Tage7 | gewohntes Essen, nach Eiweiß in drei Gruppen | −1,7 bis −3,7 % | +2,3 bis +5,4 %Skelettmuskel |
gemessen heißt: Mittelwerte, wie die Studien sie berichten. „Nicht gesichert“ heißt: Der Unterschied kann auch Zufall sein. Prozentwerte sind Änderungen gegenüber dem Ausgangswert. Teilnehmer, Messverfahren und Geldgeber stehen im Kapitel „Belegt“.
Der Umbau klappte in sehr verschiedenen Gruppen, von jungen Männern bis zu Frauen um die 70. Wo zwei Gruppen gleich trainierten, aber verschieden viel Eiweiß aßen, legte die Gruppe mit mehr Eiweiß mehr fettfreie Masse zu: bei den jungen Männern im großen Defizit und bei den jungen Frauen – dort aß die Gruppe mit mehr Eiweiß nach eigener Angabe allerdings auch insgesamt mehr.5, 6, 8 Bei den Frauen um die 70 ging mehr gewohntes Eiweiß mit mehr Muskel einher.7 Bei Trainierten, die schon gut 2 Gramm aßen, brachte noch mehr keine zusätzliche fettfreie Masse, aber mehr Fettverlust – obwohl sie nach eigenen Aufzeichnungen mehr aßen als vorher; solche Aufzeichnungen sind allerdings ungenau.1 Und wer langsamer abnahm, legte zu; wer schneller abnahm, nicht.21
Die Studie mit dem großen Defizit ist eine Ausnahme. Die jungen Männer trainierten an sechs Tagen pro Woche Kraft und Intervalle, bekamen ihr Essen gestellt und wurden nur vier Wochen begleitet; die Autoren nennen sie selbst einen Versuch, der zeigen sollte, dass es überhaupt geht.5 Im Alltag ist das kaum durchzuhalten. Dass es auch ohne Defizit gehen kann, deutet eine Studie an, in der Trainierte nach einem Ernährungsplan aßen: Die Gruppe, die so viel essen sollte, wie sie verbrauchte, legte genauso viel fettfreie Masse zu wie die Gruppe mit kleinem Defizit; das Fett sank weniger deutlich. Nachgemessen, was alle wirklich aßen, wurde nicht. Eine dritte Gruppe trainierte ohne Betreuung und ohne Plan und veränderte sich kaum. Statistisch gesichert war nur, dass die drei Gruppen bei der fettfreien Masse insgesamt auseinanderlagen; beim Fett und im direkten Vergleich zweier Gruppen ließ sich kein Unterschied vom Zufall trennen.8 Für Dich heißt das: ein Hinweis, mehr nicht.
Ohne Krafttraining geht beim Abnehmen mehr fettfreie Masse verloren. Bei Älteren mit starkem Übergewicht – Fachleute sagen Adipositas –, die in einem halben Jahr rund 9 Prozent abnahmen, waren es mit Ausdauertraining allein 5 Prozent der fettfreien Masse, mit Krafttraining 2 Prozent, mit beidem 3 Prozent.13 Umgekehrt senkte Krafttraining allein, verglichen mit gar keinem Training, das Fett in einer großen Auswertung nur wenig: um gut ein halbes Kilo.14
Drei Stellschrauben entscheiden, ob der Muskel mitwächst, während das Fett geht. Beim Defizit und beim Eiweiß ist mehr nicht automatisch besser.
Ein Kaloriendefizit heißt: Du isst weniger, als Du verbrauchst. Eine Auswertung von Studien, in denen das Los die Gruppen bestimmte, verglich Krafttraining mit und ohne Defizit. Mit Defizit legte die fettfreie Masse weniger zu, die Kraft stieg aber ähnlich. Rechnerisch lag die Grenze, ab der im Mittel keine fettfreie Masse mehr dazukam, bei etwa 500 Kilokalorien am Tag.2 Kraft ist also ein gutes Zeichen, dass das Training wirkt – aber kein Beweis für mehr Muskel. Bei Leistungssportlern hing es am Tempo: Mit rund 0,7 Prozent Gewichtsverlust pro Woche legte die fettfreie Masse zu, mit rund 1 Prozent nicht.21
gerechnet Beispielperson, Verbrauch angenommen. Deinen eigenen Verbrauch schätzt Du mit meinem Kalorienrechner. Die 200 bis 300 Kilokalorien Minus und das halbe Prozent pro Woche sind meine Faustregeln: bewusst unter den Grenzen aus den Studien, weil jede Schätzung des Verbrauchs danebenliegen kann. Die Waage taugt hier nur als Bremse – sie zeigt, ob Du zu schnell abnimmst; ob der Umbau läuft, zeigen Umfang und Kraft. Ob Du dafür Kalorien zählst oder nur etwas kleinere Portionen nimmst, ist zweitrangig.
In einer großen Auswertung brachte mehr Eiweiß beim Muskelaufbau bis rund 1,6 Gramm je Kilo am Tag mehr, darüber kaum noch. Dieser Knick – die Stelle, ab der die Kurve abflacht – war statistisch nicht gesichert, kann also auch Zufall sein, und ausgewertet wurden nur Studien ohne Defizit; wer sichergehen will, nimmt nach Ansicht der Autoren bis 2,2 Gramm.3 Im Defizit braucht der Muskel eher mehr: Eine Übersicht zu Kraftsportlern in der Diät, die eher schlank waren – Männer bis 23, Frauen bis 35 Prozent Körperfett –, kam auf 2,3 bis 3,1 Gramm je Kilo fettfreier Masse.10 In der Studie mit großem Defizit brachten 2,4 statt 1,2 Gramm je Kilo deutlich mehr fettfreie Masse.5 Mehr zur Verteilung über den Tag steht auf meiner Seite zu Protein.
gerechnet Beispielpersonen, Körperfettanteil angenommen – eine grobe Schätzung reicht; Werte aus der großen Auswertung und der Übersicht zu Kraftsportlern.3, 10 Bei Übergewicht mit dem Normalgewicht zu rechnen, Größe zum Quadrat mal 25, ist meine Einschätzung; mehr dazu auf meiner Seite zu Protein.
In einem kleinen Versuch machten Übergewichtige zweimal zwei Wochen Diät, einmal mit 8,5 und einmal mit 5,5 Stunden Zeit im Bett. Auf der Waage nahmen sie beide Male fast gleich viel ab, rund drei Kilo. Mit kurzem Schlaf waren davon aber nur 0,6 statt 1,4 Kilo Fett, dafür 2,4 statt 1,5 Kilo fettfreie Masse; dazu hatten sie mehr Hunger.4 Eine kleine, kurze Studie ohne Krafttraining. Sie zeigt trotzdem, worum es hier geht: Wer zu wenig schläft, verliert in der Diät weniger Fett und mehr fettfreie Masse.
Ausdauertraining verbraucht Energie und macht das Defizit leichter. Als Zugabe zum Krafttraining bremste es den Muskel in einer großen Auswertung nicht; ob die Teilnehmer dabei weniger aßen, sagt sie nicht. Nur die Schnellkraft, etwa beim Springen, wuchs etwas weniger, vor allem wenn beides in derselben Einheit lief.12 Als Ersatz fürs Krafttraining taugt es nicht (Kapitel 04).
Mit Nierenerkrankungen, Diabetes oder Medikamenten, die Hunger, Blutzucker oder Gewicht beeinflussen, können Eiweißmenge und Defizit für Dich anders aussehen als auf dieser Seite. Kläre beides mit Deinem Arzt, bevor Du umstellst.
Bei Rekomposition ist die Waage das schlechteste Messgerät. Sie zeigt die Summe aus weniger Fett und mehr Muskel – und die kann null ergeben.
In der Studie mit Trainierten, die viel Eiweiß aßen, stand diese Gruppe am Ende fast genauso schwer da wie am Anfang. Die Vergleichsgruppe, die beim gewohnten Eiweiß bleiben sollte, nahm sogar 1,3 Kilo zu – und verlor trotzdem ein wenig Fett.1 Wer nur auf die Waage schaut, hält einen gelungenen Umbau leicht für Stillstand.
Achte auf drei Zeichen: den Bauchumfang, morgens nüchtern an derselben Stelle gemessen; Fotos alle vier Wochen im selben Licht und in derselben Haltung; und die Gewichte im Training, am besten aufgeschrieben. Steigt die Kraft, wirkt das Training – auch im Defizit stieg sie in den Studien ähnlich wie ohne.2 In den ersten Wochen wirst Du aber vor allem stärker, weil Dein Körper die Bewegung lernt; der Muskel kommt danach dazu. Mehr dazu auf meiner Seite zum Muskelwachstum.
Waagen und Handgeräte mit Körperfettanzeige schicken schwachen Strom durch den Körper und schätzen daraus Fett und fettfreie Masse – das heißt Bioimpedanz. Geprüft wurden bisher vor allem Laborgeräte. Bei älteren Frauen, die ein halbes Jahr trainierten, traf ein solches Gerät den Zuwachs an fettfreier Masse im Mittel der Gruppe. Bei der einzelnen Frau wichen die Werte aber deutlich von der genaueren Röntgen-Messung ab: bei 95 von 100 Frauen um bis zu rund 4 bis 5 Kilo nach oben oder unten, bei einzelnen noch mehr – obwohl morgens und nüchtern gemessen wurde. Ein Teil davon kann an Messschwankungen beider Verfahren liegen.11 Bei jungen Männern lag ein Gerät im Einzelfall typischerweise um rund 1,5 Kilo daneben; die Autoren hielten es trotzdem für brauchbar, um Veränderungen zu verfolgen.25 So viel kam in vielen Studien auf dieser Seite insgesamt dazu. Mein Rat: Nimm die Körperfettanzeige höchstens als groben Trend über Monate, immer unter denselben Bedingungen – und verlass Dich auf Umfang, Fotos und Kraft. Eine Badezimmerwaage, die nur über die Füße misst, halte ich eher für ungenauer – geprüft hat das keine dieser Studien.
Über Fettabbau und Muskelaufbau zur gleichen Zeit kursieren viele Aussagen – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmt eine, vier stimmen halb, fünf stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht.
Zu einer ehrlichen Seite gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie nicht zeigen.
Die Studien auf dieser Seite zeigen, was im Mittel für eine Gruppe gilt. Mit einer Vorerkrankung zählt Dein eigener Fall – den klärst Du mit Deinem Arzt.
Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.
So lesen sich die Stufen: belegt – mehrere Studien in dieselbe Richtung oder eine große Auswertung vieler Studien · erste Hinweise – eine oder wenige kleine Studien, auch zusammengefasst, oder ein Rechenmodell · uneinheitlich – Studien widersprechen sich.
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Fett verlieren und fettfreie Masse aufbauen geht gleichzeitig | belegt – mehrere Studien in sehr verschiedenen Gruppen, aber meist klein und kurz |
| Ein großes Defizit bremst den Zuwachs an fettfreier Masse | belegt – Auswertung vieler Studien; die Grenze von rund 500 kcal ist ein rechnerischer Schätzwert |
| Zusätzliches Eiweiß hilft beim Muskelaufbau | belegt – große Auswertung von 49 Studien |
| Über rund 1,6 Gramm je Kilo bringt mehr Eiweiß kaum noch etwas | erste Hinweise – aus derselben Auswertung, aber nur Studien ohne Defizit, und der Knick ist statistisch nicht gesichert |
| Im Defizit hilft mehr Eiweiß | erste Hinweise – eine Übersicht aus sechs kleinen Studien und eine Studie über vier Wochen |
| Langsames Abnehmen schützt die fettfreie Masse | erste Hinweise – eine Studie mit 24 Leistungssportlern |
| Zu wenig Schlaf kostet in der Diät fettfreie Masse statt Fett | erste Hinweise – eine Studie mit zehn Menschen über zwei Wochen, ohne Krafttraining |
| Rekomposition klappt auch ohne Defizit | erste Hinweise – wenige kleine Studien; das Essen war vorgegeben, aber nicht nachgemessen, oder nur selbst protokolliert |
| Das Fettdepot liefert höchstens rund 69 kcal je Kilo am Tag | erste Hinweise – ein Rechenmodell aus Daten von Unterernährten, nicht direkt gemessen |
| Krafttraining allein senkt das Fett ein wenig | belegt – Auswertung von 54 Studien mittlerer Qualität |
| Ausdauer zusätzlich bremst den Muskel nicht | belegt – Auswertung von 43 Studien, 15 davon zum Muskelwachstum; zur Ernährung sagt sie nichts |
| Strommessungen treffen kleine Veränderungen beim Einzelnen ungenau | belegt – mehrere Vergleiche von Laborgeräten mit genaueren Verfahren; für Badezimmerwaagen meine Übertragung |
| Mit mehr Fett am Anfang gelingt der Umbau leichter | uneinheitlich – beim Abnehmen spricht eine ältere Übersicht dafür, bei älteren Frauen ohne Diät spricht eine Studie dagegen |
Das Kurze · Fazit in Zahlen
Jede Zahl mit Quelle und Haken
Die sechs Zahlen stammen aus Studien und Auswertungen von Studien, Stand Oktober 2026. Zu jeder steht, wer untersucht wurde, was herauskam und wo der Haken liegt.
Die Kraft stieg auch mit Defizit, die fettfreie Masse kaum: Bleib deutlich darunter – ich rate zu 200 bis 300 kcal.
Ein rechnerischer Schätzwert aus vielen Studien, kein fester Grenzwert für Dich.
Bis dahin brachte mehr Eiweiß mehr: Das ist Dein Richtwert, im Defizit eher mehr.
Nur Studien ohne Defizit; der Knick war statistisch nicht gesichert; der leitende Autor bekam Geld von der US-Milchwirtschaft.
Ältere nahmen gleich viel ab, mit Gewichten verloren sie weniger fettfreie Masse: Beim Abnehmen gehören Gewichte dazu.
Ältere mit Adipositas, ein halbes Jahr; auch mit Krafttraining ging etwas fettfreie Masse verloren.
Mit rund 0,7 % Gewichtsverlust pro Woche kam fettfreie Masse dazu, mit rund 1 % nicht: Langsamer abnehmen schützt den Muskel.
Leistungssportler mit viel Training; die langsame Gruppe nahm über längere Zeit ab.
Die Waage blieb fast stehen, dabei kamen 1,5 kg fettfreie Masse dazu: Achte auf mehr als Dein Gewicht.
Trainierte, frei gegessen und selbst protokolliert; ein Hersteller spendete Eiweißpulver.
Gleich viel abgenommen, aber weniger Fett und mehr fettfreie Masse: Plane den Schlaf mit ein.
Zehn Übergewichtige, zwei Wochen, ohne Krafttraining.
Jede Zahl ist an der Studie selbst geprüft, Stand 29.10.2026 – meist an ihrer Kurzfassung in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, bei einigen Arbeiten auch an der vollständigen Fassung. Die vollständigen Angaben, mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, folgen im Kapitel „Belegt“.
Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Studie, Teilnehmer, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. DOI, PMID und PMC sind Kennnummern, unter denen Du jede Studie im Netz findest. Geprüft habe ich alle über PubMed, eine Arbeit, die dort nicht steht, über eine Sportliteratur-Datenbank. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.