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die fittermacher
Elektrolyte
Wissen · Stefan Trost
Nahrungsergänzung · Elektrolyte · Trinken

Elektrolyte beim Sport: Brauchst Du ein Pulver?

Für eine Stunde Training meist nicht: Beim Schwitzen verlierst Du vor allem Wasser und Kochsalz – Kalium, Calcium und Magnesium nur in kleinen Mengen. Salz zu ergänzen, empfehlen Fachgesellschaften vor allem bei langen oder sehr schweißtreibenden Belastungen. Bei langen Belastungen ist auch zu viel Trinken ein Risiko, nicht nur zu wenig.

Elektrolyte sind Mineralstoffe, die im Körper gelöst als elektrisch geladene Teilchen vorliegen, vor allem Natrium, Kalium, Chlorid, Calcium und Magnesium. Nerven und Muskeln brauchen sie, um zu arbeiten.1, 2 Im Schweiß stecken vor allem Natrium und Chlorid, die beiden Bausteine von Kochsalz; von Kalium, Calcium und Magnesium enthält er nur wenig.3, 4

Natrium während der Belastung zu ergänzen, empfiehlt ein Positionspapier – die gemeinsame Empfehlung – dreier Fachgesellschaften bei Belastungen über zwei Stunden, sehr starkem Schwitzen oder salzigem Schweiß.5 Bei langen Belastungen kann zu viel Trinken den Natriumwert im Blut gefährlich senken – Fachleute raten deshalb, nach Durst zu trinken.6, 7 Und im Alltag essen die meisten Erwachsenen in Deutschland mehr Salz, als die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als Orientierung nennt; ob sie genug Kalium bekommen, schätzen Fachleute verschieden ein.8, 9, 10, 11

863 mg
Natrium in einem Liter Schweiß, Mittel aus einer kleinen Studie – Magnesium dagegen nur 1,3 Milligramm4
13 %
der untersuchten Läufer hatten im Ziel eines Marathons zu wenig Natrium im Blut – das Risiko stieg vor allem bei denen, die unterwegs zugenommen, also mehr getrunken als ausgeschwitzt hatten7
10 g
Salz am Tag essen Männer in Deutschland im Median, dem mittleren Wert, Frauen 8,4 Gramm – die DGE nennt als Orientierung höchstens 6 Gramm8, 9

Elektrolyte und Trinken in Fragen und Antworten

Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost

Neun Fragen, kurz beantwortet

Wenn Du nur zwei Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.

„Brauche ich beim Training ein Elektrolytpulver?“
Meist nicht. Natrium während der Belastung zu ergänzen, empfiehlt ein Positionspapier dreier Fachgesellschaften vor allem bei Belastungen über zwei Stunden, sehr starkem Schwitzen oder salzigem Schweiß.5 Für eine normale Stunde Training reichen meist Wasser und die nächste Mahlzeit, solange Du nicht sehr stark schwitzt – das ist meine Einschätzung.
„Was verliere ich, wenn ich schwitze?“
Vor allem Wasser und Kochsalz. In einer Studie enthielt ein Liter Schweiß im Mittel 863 Milligramm Natrium, 222 Milligramm Kalium, 16 Milligramm Calcium und 1,3 Milligramm Magnesium.4 Wie salzig Schweiß ist, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden.12
„Wie viel soll ich beim Sport trinken?“
Nach Durst. Das empfiehlt eine internationale Konsenskonferenz – eine gemeinsame Einschätzung von Fachleuten.6 Bei langen Einheiten hilft die Waage: Mehr als 2 Prozent Deines Gewichts solltest Du nicht verlieren, zunehmen solltest Du nicht.7, 13
„Kann man zu viel trinken?“
Ja – bei langen Belastungen. Wer mehr trinkt, als er ausschwitzt, verdünnt sein Blut; sinkt der Natriumwert stark, kann es lebensgefährlich werden.6, 7 Beim Boston-Marathon hatte jeder achte untersuchte Läufer im Ziel zu wenig Natrium im Blut.7 Ein Sportgetränk mit Natrium schützt davor nicht.6
„Helfen Elektrolyte gegen Krämpfe?“
Beim Sport nicht belegt; aus dem Labor gibt es erste Hinweise. Sportler mit Krämpfen hatten in Studien weder gesichert mehr Flüssigkeit verloren noch gesichert weniger Natrium im Blut als andere; deutlich häufiger hatten sie schon früher Krämpfe gehabt.14, 15 Für Magnesium allein gegen Krämpfe beim Sport fehlen gute Studien.16
„Esse ich zu viel Salz?“
Wahrscheinlich ja. Mehr als drei Viertel der Männer und etwa 70 Prozent der Frauen in Deutschland liegen über den 6 Gramm, die die DGE als Orientierung nennt.8, 9 Den größten Teil liefern verarbeitete Lebensmittel, vor allem Brot, Fleisch, Wurst und Käse – nicht der Salzstreuer.9
„Bekomme ich genug Kalium?“
Ungefähr – Frauen eher etwas zu wenig; die Zahlen gehen auseinander. Die DGE nennt 4.000 Milligramm am Tag. Nach einer großen Befragung zum Essen lagen Männer und Frauen im Median – dem mittleren Wert – darunter; aus Urinproben schätzt die DGE dagegen rund 3.900 Milligramm bei Frauen und 4.300 bei Männern.10, 11, 17 Kalium steckt in Obst und Gemüse wie Aprikosen, Bananen, Karotten, Kohlrabi und Tomaten, außerdem in Nüssen.17
„Soll ich zusätzlich Kalium nehmen?“
Kaliumtabletten nur unter ärztlicher Aufsicht; Salzersatz nur nach Rücksprache mit dem Arzt, wenn Du eine Erkrankung hast – auch einen hohen Blutdruck – oder Medikamente nimmst. Kalium als Einzelpräparat rät die DGE nur unter ärztlicher Aufsicht zu nehmen, weil darüber schnell sehr hohe Mengen zusammenkommen; über ihren Wert hinaus bringen Präparate laut DGE keinen Nutzen.11, 18 Viele Salzersatzprodukte enthalten Kaliumchlorid statt eines Teils oder des ganzen Kochsalzes.1 Mit kranken Nieren oder bestimmten Blutdruckmitteln kann zusätzliches Kalium gefährlich werden.1, 10 Salzersatz senkte in einer großen Studie bei älteren Menschen mit hohem Risiko Schlaganfälle – Menschen mit schweren Nierenleiden waren dort nicht dabei.19, 20 Mit einer Nierenerkrankung oder bestimmten Medikamenten rät die US-Gesundheitsbehörde NIH, vor Salzersatz ärztlichen Rat einzuholen.1
„Woran merke ich, ob ich genug trinke?“
Am Durst, an der Urinfarbe, an der Waage. Hellgelber Urin ist der Zustand, den ein Positionspapier vor dem Sport anstrebt; die Farbe folgte in einer kleinen Studie dem Wasserhaushalt so gut wie Labormessungen.5, 21 Ein Kilo weniger nach dem Training entspricht etwa einem Liter Schweiß.5
01Gilt das für Dich?

Für wen die Werte auf dieser Seite gelten

Die Schweißmessungen stammen aus Ausdauer- und Mannschaftssport und aus dem Labor, die Werte zu Salz und Kalium aus der Allgemeinbevölkerung, die Blutdruckstudien teils von Menschen mit hohem Blutdruck. Lies die Karten, die auf Dich passen, dann weißt Du, was für Dich gilt.

Du trainierst bis etwa eine Stunde, im Studio oder draußen

Wasser reicht meist

Natrium unterwegs nennt das Positionspapier, wenn große Salzverluste entstehen – als Beispiele Belastungen über zwei Stunden, mehr als 1,2 Liter Schweiß pro Stunde oder salziger Schweiß.5 Messungen zu Krafttraining und Kursen im Studio habe ich nicht gefunden. Trink nach Durst, das Salz kommt mit der nächsten Mahlzeit – das ist meine Einschätzung.

Du läufst, radelst oder spielst lange, auch in der Hitze

Hier zählt Natrium

Ausdauersportler schwitzten in Messungen im Mittel knapp 1,3 Liter pro Stunde und verloren dabei rund 1,2 Gramm Natrium pro Stunde – von mir aus den Werten dieser Messsammlung umgerechnet.22 Bei mehr als zwei Stunden, mehr als 1,2 Litern Schweiß pro Stunde oder salzigem Schweiß rät das Positionspapier, Natrium schon unterwegs zu ergänzen.5 Dann ist ein Sportgetränk oder salziges Essen sinnvoll.

Du läufst Marathon oder länger

Nicht auf Vorrat trinken

Beim Boston-Marathon hatte jeder achte untersuchte Läufer im Ziel zu wenig Natrium im Blut; das Risiko stieg vor allem bei denen, die unterwegs zugenommen, also mehr getrunken als ausgeschwitzt hatten, oder länger als vier Stunden brauchten.7 Trink nach Durst – und wieg Dich vorher und nachher.6

Du hast einen hohen Blutdruck

Weniger Salz, mehr Kalium vom Teller

Weniger Natrium senkte den oberen Blutdruckwert in einer Auswertung vieler Studien im Mittel um gut 3 mmHg – Millimeter Quecksilbersäule, die Einheit für den Blutdruck –, bei Bluthochdruck um rund 4.23 Mehr Kalium senkte ihn nur bei Bluthochdruck, um gut 5 mmHg; in den Studien gab es dafür meist Tabletten.24 Ob Du Kalium zusätzlich nehmen darfst, klärst Du mit Deinem Arzt.

Du hast Nierenprobleme oder nimmst Blutdruckmittel

Kalium nur nach ärztlicher Absprache

Hohe Kaliummengen können laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), einer Bundesbehörde, vor allem Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, Diabetes, Herzerkrankungen und Ältere mit nachlassender Nierenfunktion gefährden.10 Wer bestimmte Blutdruckmittel nimmt, etwa ACE-Hemmer, Sartane oder kaliumsparende Entwässerungsmittel, sollte laut einer US-Empfehlung, die das BfR zitiert, keine Kaliumpräparate nehmen und auch über das Essen weniger Kalium aufnehmen als Gesunde;10 diese Mittel senken die Ausscheidung von Kalium über die Niere.1 Ob Dein Blutdruckmittel dazugehört, sagt Dir die Apotheke. Kaliumtabletten und Salzersatz klärst Du vorher mit Deinem Arzt.

Medizinische Vorgeschichte

Erst die Freigabe

Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Nieren oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, ob Elektrolytgetränke, Salzersatz oder Kalium für Dich passen.

Nicht Thema dieser Seite Magnesium steht hier nur, soweit es um Schweiß und Krämpfe geht; mehr dazu auf meiner Seite zu Magnesium. Calcium für die Knochen, Trinklösungen aus der Apotheke bei Durchfall oder Erbrechen, Infusionen und Elektrolyte bei Kindern stehen nicht hier. Diese Seite erklärt, was Erwachsene beim Sport an Salz und Wasser verlieren, wie viel sie trinken sollten – und was Salz und Kalium im Alltag ausmachen.
02So machst Du es

Elektrolyte und Trinken: was Du tust – und was Du lässt

Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Beim Sport geht es vor allem um Wasser und Kochsalz, im Alltag um weniger Salz und mehr Kalium.

✓Trink beim Sport nach Durst. Das empfiehlt die Konsenskonferenz für vor, während und direkt nach dem Sport.6
✓Wieg Dich vor und nach langen Einheiten. Ein Kilo weniger entspricht etwa einem Liter Schweiß; mehr als 2 Prozent Deines Gewichts solltest Du nicht verlieren – zunehmen aber auch nicht.5, 7, 13
✓Ergänze Natrium bei mehr als zwei Stunden, sehr starkem Schwitzen oder salzigem Schweiß. So steht es im Positionspapier dreier Fachgesellschaften.5 Ein Sportgetränk, das in der EU mit Ausdauerleistung werben darf, enthält 460 bis 1.150 Milligramm Natrium je Liter.2
✓Iss nach langen, schweißreichen Einheiten normal salzig und trink genug. Salz hilft, die Flüssigkeit im Körper zu halten. Weil Schweiß und Urin danach weiterlaufen, nennt das Positionspapier für Leistungssportler als Beispiel 1,25 bis 1,5 Liter je verlorenem Kilo, in mäßigem Tempo getrunken – das gilt nach dem Sport, nicht währenddessen.5
✓Hol Dir Kalium über Obst, Gemüse und Nüsse. Die DGE nennt etwa Aprikosen, Bananen, Karotten, Kohlrabi und Tomaten; Präparate über ihren Wert hinaus bringen laut DGE keinen Nutzen.17, 18 Ausnahme: Rät Dein Arzt wegen Nieren oder Medikamenten zu weniger Kalium, gilt das auch für den Teller.10
✓Rechne Natrium in Salz um. Steht auf einer Packung nur der Natriumgehalt, nimmst Du ihn mal 2,54 – dann hast Du den Salzgehalt.25
✕Trink nicht auf Vorrat. Wer während langer Belastungen mehr trinkt, als er ausschwitzt, riskiert einen gefährlich niedrigen Natriumwert im Blut.6, 7
✕Verlass Dich nicht auf ein Sportgetränk als Schutz davor. Auch Getränke mit Natrium sind weniger salzig als Blut; wer zu viel davon trinkt, ist nicht geschützt.6
✕Kauf kein Pulver für das Magnesium und Calcium im Schweiß. Ein Liter Schweiß enthielt in einer Studie 1,3 Milligramm Magnesium und 16 Milligramm Calcium – ein Bruchteil dessen, was Du am Tag brauchst.4, 26, 27
✕Nimm Kaliumpräparate nicht auf eigene Faust. Kalium als Einzelpräparat rät die DGE nur unter ärztlicher Aufsicht zu nehmen.11 Besonders gefährdet sind laut BfR Menschen mit Nierenproblemen, Diabetes oder Herzerkrankungen;10 bestimmte Blutdruckmittel – ACE-Hemmer, Sartane, kaliumsparende Entwässerungsmittel – senken die Ausscheidung von Kalium.1
Wenn Du nur einen Absatz mitnimmst Trink nach Durst – und bei langen Belastungen nicht mehr, als Du ausschwitzt. Ein Elektrolytgetränk lohnt sich vor allem bei Belastungen über zwei Stunden, sehr starkem Schwitzen oder salzigem Schweiß; für eine Stunde Studio reichen meist Wasser und die nächste Mahlzeit. Dass Elektrolyte gegen Krämpfe beim Sport helfen, ist nicht belegt; aus dem Labor gibt es erste Hinweise. Im Alltag gilt: weniger Salz aus Fertigprodukten, mehr Kalium aus Obst und Gemüse.

Zwei Profile – such Dir Deins aus

„Für Sportler“ gilt, wenn Du lange oder in der Hitze trainierst und überlegst, Elektrolyte zu trinken. „Für alle anderen“ gilt, wenn Du an Salz, Kalium und Blutdruck im Alltag denkst. Trainierst Du bis etwa eine Stunde im Studio, gilt für Dich vor allem „Für alle anderen“ – das ist meine Einschätzung.

Für Sportler

Lang, heiß, salzig?

Wofür: Natrium unterwegs bei Belastungen über zwei Stunden, bei mehr als 1,2 Litern Schweiß pro Stunde oder salzigem Schweiß; nach dem Sport hilft Salz, die Flüssigkeit zu halten.5

Wann unnötig: bei Einheiten bis etwa einer Stunde, wenn Du nicht sehr stark oder sehr salzig schwitzt – das ist meine Einschätzung – und meist gegen Krämpfe: Ein gesicherter Zusammenhang mit Flüssigkeitsverlust oder Natrium im Blut fand sich in Studien nicht.14, 15 Ein Positionspapier hält ihn für möglich, vor allem bei starken Schwitzern mit salzigem Schweiß ohne Hitzegewöhnung.5

Menge: Getränke mit den in der EU zugelassenen Angaben zur Ausdauerleistung enthalten 460 bis 1.150 Milligramm Natrium je Liter;2 wie viel Du brauchst, hängt von Deiner Schweißmenge und Deinem Schweiß ab.28

Zeitpunkt: während langer Belastungen nach Durst; danach mit dem Essen.5, 6

Training und Wettkampf: Wieg Dich vor und nach einer langen Einheit: Was fehlt, ist überwiegend Schweiß.5 Wer an Hitze gewöhnt ist, verliert weniger Salz.3

Risiken und Wechselwirkungen: Zu viel Trinken senkt den Natriumwert im Blut – ein Sportgetränk schützt davor nicht.6 Wechselwirkungen mit Medikamenten betreffen vor allem Kalium – siehe „Für alle anderen“.

Für alle anderen

Alltag, Blutdruck, Fertigprodukte

Wofür: Weniger Salz und mehr Kalium vom Teller können einen hohen Blutdruck senken.23, 24

Wann unnötig: Elektrolytpulver im Alltag – das ist meine Einschätzung; Kaliumpräparate über den Wert der DGE hinaus bringen laut DGE keinen Nutzen.18 Natrium als Zusatz in Nahrungsergänzungsmitteln empfiehlt das BfR nicht – anders als in Getränken für den Ausgleich starker Schweißverluste.29

Menge: Salz bis 6 Gramm am Tag, Kalium 4.000 Milligramm am Tag.9, 17 Für Kalium in Nahrungsergänzungsmitteln schlägt das BfR höchstens 500 Milligramm je Tagesportion vor.10

Zeitpunkt: Bei Salz und Kalium aus dem Essen zählt die Menge über den Tag, nicht die Uhrzeit.

Risiken und Wechselwirkungen: Kaliumpräparate und Salzersatz nur nach Rücksprache mit Deinem Arzt, wenn Du Nierenprobleme, Diabetes oder eine Herzerkrankung hast oder Blutdruckmittel nimmst;1, 10 bei hohem Blutdruck rate ich ebenfalls dazu – das ist meine Vorsicht. Wer ACE-Hemmer, Sartane oder kaliumsparende Entwässerungsmittel nimmt, stimmt auch das Kalium aus dem Essen mit dem Arzt ab.1, 10

Evidenz gemischt Gemischt heißt: Die Studienlage – Fachleute sagen Evidenz – ist uneinheitlich. Das gilt dafür, wie salzig Schweiß im Mittel ist: Das Positionspapier nennt rund 1 Gramm Natrium je Liter, eine große Messsammlung schätzt gut 0,8 Gramm, eine kleine Studie maß 0,86 Gramm – je nach Körperstelle und Messweg fallen die Werte verschieden aus.4, 5, 12, 28 Es gilt für natriumhaltige Getränke gegen Krämpfe: Laborversuche mit künstlich ausgelösten Krämpfen geben erste Hinweise; Beobachtungen bei Sportlern fanden keinen gesicherten Zusammenhang zwischen Krämpfen und Natrium im Blut.15, 30 Offen ist außerdem, wie weit sich die Studie zum Salzersatz übertragen lässt: In einer großen Studie in Dörfern Chinas, mit Menschen nach einem Schlaganfall oder ab 60 mit hohem Blutdruck, gab es damit weniger Schlaganfälle und Todesfälle.19 Dort ersetzte der Salzersatz das Salz in der eigenen Küche, wer meist außer Haus aß, war nicht dabei;20 in Deutschland kommt das meiste Salz nach Schätzung der DGE aus verarbeiteten Lebensmitteln wie Brot, Wurst und Käse.9 Meine Einordnung: Ein Salzersatz kann für Menschen mit hohem Blutdruck eine Überlegung wert sein – aber nur nach Rücksprache mit dem Arzt, weil Kalium nicht für jeden harmlos ist.

Entscheidungs-Check

Fünf Fragen, bevor Du Elektrolyte kaufst

„Wie lange und wie hart trainiere ich – und wie heiß ist es?“
Bis etwa eine Stunde: Wasser reicht meist, das ist meine Einschätzung. Über zwei Stunden: Natrium unterwegs ergänzen. Dazwischen kommt es auf Deine Salzverluste an: Als Beispiele dafür nennt das Positionspapier mehr als 1,2 Liter Schweiß pro Stunde oder salzigen Schweiß.5 Wie viel Du schwitzt, zeigt die Waage; ob Dein Schweiß salzig ist, lässt sich nur messen.5, 28
„Wie viel verliere ich auf der Waage?“
Wieg Dich vor und nach einer langen Einheit. Ein Kilo weniger ist etwa ein Liter Schweiß; mehr als 2 Prozent Deines Gewichts solltest Du nicht verlieren, zunehmen auch nicht.5, 7, 13
„Kaufe ich es gegen Krämpfe?“
Dafür ist es nicht gut belegt. Krämpfe hingen in Studien nicht gesichert mit Flüssigkeitsverlust oder Natrium im Blut zusammen, deutlich aber mit früheren Krämpfen.14, 15
„Habe ich Nierenprobleme, Diabetes, ein Herzleiden, einen hohen Blutdruck – oder nehme ich Blutdruckmittel?“
Dann klärst Du Kaliumpräparate und Salzersatz mit Deinem Arzt – mit Nierenproblemen, Diabetes oder Herzleiden kann zusätzliches Kalium gefährlich werden, und manche Blutdruckmittel senken die Ausscheidung von Kalium.1, 10
„Wie oft esse ich Fertigprodukte, Brot, Wurst und Käse – und wie oft Obst und Gemüse?“
Viel Verarbeitetes, wenig Frisches: Dann liegt Dein Hebel im Alltag, nicht im Pulver – weniger Salz, mehr Kalium.9, 17
03Was Elektrolyte sind

Was Elektrolyte sind – und wofür Dein Körper sie braucht

Elektrolyte klingen nach Sportgetränk, sind aber Mineralstoffe, die Du jeden Tag mit dem Essen aufnimmst. Für Nerven und Muskeln zählt vor allem, dass Kalium in den Zellen viel dichter ist als draußen.

Fünf Mineralstoffe mit Ladung

In Wasser gelöst, zerfallen manche Mineralstoffe in elektrisch geladene Teilchen. Im Körper sind das vor allem Natrium, Kalium, Chlorid, Calcium und Magnesium. Kochsalz besteht aus Natrium und Chlorid; ein Gramm Salz enthält knapp 0,4 Gramm Natrium – von mir gerechnet mit dem Umrechnungsfaktor 2,54, den die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt.25

Kalium sitzt vor allem in den Zellen: Drinnen ist es etwa 30-mal so dicht wie draußen. Dieses Gefälle hält eine Pumpe in der Zellhülle aufrecht, die Natrium-Kalium-Pumpe; Nerven, Muskeln und Nieren brauchen es, um zu arbeiten.1 Im Blut liegt Kalium normalerweise bei etwa 3,6 bis 5,0 Millimol je Liter – Millimol ist eine Mengenangabe für gelöste Teilchen.1 Bei Natrium im Blut sprechen Fachleute unter 135 Millimol je Liter von einem Mangel; wie es beim Sport dazu kommt, steht in Kapitel 04.6

Das Bild dazu Jede Zelle ist wie ein kleiner Akku. Drinnen viel Kalium, draußen vor allem Natrium – die Natrium-Kalium-Pumpe lädt ständig nach. Nerven nutzen diese Spannung, um Signale weiterzugeben, Muskeln, um sich zusammenzuziehen. Geladen wird der Akku aus dem, was Du isst; Schweiß kostet ihn vor allem Natrium, Kalium nur wenig. Das Bild stammt von mir, nicht aus einer Studie.

Was Elektrolyte im Körper tun

Welche Aufgaben ein Mineralstoff hat, steht für die EU in einer Liste der Aussagen, mit denen Hersteller werben dürfen. Danach trägt Kalium zu einer normalen Funktion von Nerven und Muskeln und zu einem normalen Blutdruck bei; Calcium unter anderem zur Muskelfunktion, zur Signalübertragung zwischen Nervenzellen und zur Arbeit der Verdauungsenzyme; Magnesium unter anderem zum Elektrolytgleichgewicht und zur Funktion von Nerven und Muskeln; Chlorid über die Magensäure zur Verdauung – diese Aussage darf aber nicht für Chlorid aus Kochsalz verwendet werden.2 Für Natrium steht dort nur ein Satz: Weniger Natrium trägt zu einem normalen Blutdruck bei.2

Wie viel Du am Tag brauchst

Die DGE nennt für Erwachsene am Tag 1.500 Milligramm Natrium, 2.300 Milligramm Chlorid und 4.000 Milligramm Kalium, jeweils als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr.17 Für Calcium empfiehlt sie 1.000 Milligramm, für Magnesium nennt sie als Schätzwert 300 Milligramm für Frauen und 350 für Männer.26, 27 Ein Schätzwert ist keine genaue Bedarfszahl, sondern eine Menge, mit der die Versorgung als angemessen gilt.17, 26 Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hält 2,0 Gramm Natrium und 3.500 Milligramm Kalium am Tag für angemessen.31, 32

Beim Sport zählt vor allem Kochsalz: Natrium und Chlorid sind die Bestandteile mit den höchsten Gehalten im Schweiß.3, 4 Im Alltag zählen Salz und Kalium: Die meisten Erwachsenen in Deutschland essen mehr Salz, als die DGE als Obergrenze nennt; ob sie genug Kalium bekommen, schätzen Fachleute verschieden ein – mehr dazu in Kapitel 06.8, 10, 11

04Schwitzen und Trinken

Was Du beim Schwitzen verlierst – und wie viel Du trinkst

Schweiß ist vor allem Wasser und Kochsalz. Was ein Elektrolytpulver sonst noch verspricht, Kalium, Magnesium, Calcium, verlierst Du beim Schwitzen nur in kleinen Mengen.

Wie viel Schweiß zusammenkommt

Meist sind es beim Sport ein halber bis zwei Liter pro Stunde, selten mehr als drei.28 In einer großen Sammlung von Messungen bei Sportlern schwitzten Ausdauersportler im Mittel knapp 1,3 Liter pro Stunde, Fußballer gut 0,9 Liter.22 Wie viel es bei Dir ist, hängt unter anderem von Belastung, Dauer, Trainingszustand und Hitze ab.5 Für Krafttraining oder Kurse im Studio habe ich keine Messungen gefunden; alle Werte stammen aus Mannschafts- und Ausdauersport oder aus dem Labor.

Ein Kilo weniger auf der Waage nach dem Training entspricht ungefähr einem Liter Schweiß.5 So kannst Du Deine eigene Menge schätzen: vorher und nachher wiegen, das Getrunkene dazurechnen.13, 22

Was im Schweiß steckt

In einer kleinen Studie gingen an Hitze gewöhnte Erwachsene sieben Stunden lang, mit Pausen, zügig auf dem Laufband; gemessen wurde, was ihr Schweiß enthielt.4 Die Tabelle zeigt die Mittelwerte je Liter, daneben die Menge, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) am Tag für angemessen hält.

MineralstoffJe Liter SchweißAm Tag laut DGE
Natrium863 mg1.500 mg
Kalium222 mg4.000 mg
Calcium16 mg1.000 mg
Magnesium1,3 mg300–350 mg

gemessen Schweiß: Mittelwerte der kleinen Studie bei 27 °C, gesammelt am oberen Rücken.4 Tageswerte: Schätzwerte der DGE für Erwachsene, bei Magnesium für Frauen und Männer, bei Calcium die Empfehlung.17, 26, 27

Was ein Liter Schweiß vom Tageswert kostet Natrium: 863 ÷ 1.500 = 58 % Kalium: 222 ÷ 4.000 = 6 % Calcium: 16 ÷ 1.000 = knapp 2 % Magnesium: 1,3 ÷ 300 = gut 0,4 % Nennenswert ist beim Schwitzen nur das Natrium – also Kochsalz

gerechnet Von mir aus den Werten der Studie und der DGE gerechnet.4, 17, 26, 27 Wer am Tag mehr Natrium aufnimmt als die 1.500 Milligramm, und das tun die meisten, hat den Verlust beim nächsten Essen schnell wieder drin – mehr dazu in Kapitel 06.

Salziger und weniger salziger Schweiß

Wie salzig Schweiß ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch stark. In einer großen Sammlung von Messungen bei Sportlern lag der geschätzte Natriumgehalt im Mittel bei gut 0,8 Gramm je Liter, die Werte reichten aber von rund 0,4 bis gut 1,6 Gramm.12 Wer sich an Hitze gewöhnt, verliert weniger Salz: Nach etwa zehn Tagen sank der Natriumgehalt im Schweiß in Studien um 30 bis 60 Prozent.3 Ob mehr oder weniger Salz im Essen den Schweiß salziger macht, ist umstritten.3, 28 Ob Dein Schweiß salzig ist, lässt sich nur mit einer Schweißmessung sagen; ein sicheres Zeichen, an dem Du es selbst erkennst, nennen die Quellen auf dieser Seite nicht. Eine Übersicht rät, Verluste grob als niedrig, mittel oder hoch einzuordnen, statt genaue Werte festzulegen.28

Diese Messsammlungen stammen von einem Forschungsinstitut, das zum Hersteller des Sportgetränks Gatorade gehört – ein möglicher Interessenkonflikt.12, 22 Mit unabhängigen Messungen passen die Größenordnungen aber zusammen.4

Zu viel trinken kann gefährlich werden

Wer bei langen Belastungen mehr trinkt, als er ausschwitzt und ausscheidet, verdünnt sein Blut.5 Sinkt dabei der Natriumwert im Blut unter 135 Millimol je Liter, sprechen Fachleute von belastungsbedingter Hyponatriämie – Natriummangel im Blut, der durch Sport entsteht.6 Die Hauptursache ist laut einer internationalen Konsenskonferenz – einer gemeinsamen Einschätzung von Fachleuten – zu viel Flüssigkeit; nicht ersetzte Salzverluste tragen dazu bei.6 Beschwerden treten vor allem auf, wenn der Wert unter 130 sinkt; in schweren Fällen kann es lebensgefährlich werden.5, 7

Beim Boston-Marathon hatte jeder achte untersuchte Läufer im Ziel zu wenig Natrium im Blut, 0,6 Prozent einen kritisch niedrigen Wert. Das Risiko stieg vor allem mit zwei Dingen: Gewicht zugelegt statt verloren – also mehr getrunken als ausgeschwitzt – und länger als vier Stunden unterwegs.7 Ein Sportgetränk mit Natrium schützt davor nicht: Es ist immer noch weniger salzig als Blut; typisch sind laut Konsenskonferenz rund 230 bis 870 Milligramm Natrium je Liter, von mir aus Millimol umgerechnet.6 Die meisten Ausdauerveranstaltungen meldeten keinen einzigen Fall mit Beschwerden, vor allem bis zur Marathonstrecke.6 Für eine Stunde im Studio halte ich das Risiko deshalb für gering – gemessen hat das niemand.

Nach Durst trinken

Die Konsenskonferenz empfiehlt, vor, während und direkt nach dem Sport nach Durst zu trinken – das verhindere in den meisten Fällen sowohl den Natriummangel durch Verdünnung als auch einen Leistungsabfall.6 Ein Fachverband für Sportmedizin setzt einen anderen Maßstab: Beim Sport solle man nicht mehr als 2 Prozent seines Körpergewichts an Wasser verlieren, weil die Leistung sonst leiden kann, vor allem bei Hitze.5, 13 Beides passt zusammen, wenn Du bei langen Einheiten auf Deinen Durst hörst und Dein Gewicht nicht zunimmt. Verlierst Du dabei regelmäßig mehr als 2 Prozent, trink bei der nächsten langen Einheit etwas mehr – aber nie so viel, dass Du zunimmst. Das ist meine Einschätzung.

Nach dem Sport rät ein gemeinsames Positionspapier dreier Fachgesellschaften, mehr zu trinken, als verloren ging, weil Schweiß und Urin danach weiterlaufen – als Beispiel 1,25 bis 1,5 Liter je verlorenem Kilo, mit Wasser und Salz und in mäßigem Tempo. Salz aus Essen oder Getränken hilft, die Flüssigkeit im Körper zu halten.5

Einen groben Anhaltspunkt gibt die Farbe Deines Urins. In einer kleinen Studie folgte sie dem Wasserhaushalt so gut wie Labormessungen.21 Sie zeigt aber vor allem, wie konzentriert die gerade abgegebene Probe ist, weniger, wie es über den ganzen Tag aussieht.33 Hellgelb ist der Zustand, den das Positionspapier vor dem Sport anstrebt.5

05Sportgetränke und Krämpfe

Sportgetränke, Pulver und Krämpfe: was sie leisten

Ein Getränk mit Natrium und Kohlenhydraten hat bei langen Belastungen seinen Platz. Vor zu viel Trinken schützt es nicht, und dass es gegen Krämpfe hilft, ist beim Sport nicht belegt.

Sportgetränke und Pulver

Natrium während der Belastung zu ergänzen, empfiehlt das Positionspapier für drei Fälle: hohe Schweißraten von mehr als 1,2 Litern pro Stunde, salziger Schweiß oder Belastungen über zwei Stunden.5 Ein Getränk mit Elektrolyten und Kohlenhydraten kann dem Wasser dann überlegen sein – „unter bestimmten Umständen“, wie es der Fachverband formuliert.13

In der EU dürfen Getränke aus Kohlenhydraten und Elektrolyten damit werben, dass sie „zur Aufrechterhaltung der Ausdauerleistung bei längerem Ausdauertraining“ beitragen und „die Aufnahme von Wasser während der körperlichen Betätigung“ verbessern. Die Bedingungen: 460 bis 1.150 Milligramm Natrium je Liter; Kohlenhydrate mit 80 bis 350 Kilokalorien je Liter, wobei mindestens drei Viertel der Energie aus Kohlenhydraten stammen sollen, die den Blutzucker stark steigen lassen, etwa Traubenzucker oder Haushaltszucker; dazu eine bestimmte Dichte gelöster Teilchen – Fachleute sagen Osmolalität – von 200 bis 330 mOsm je Kilogramm Wasser.2 Elektrolyttabletten ohne Kohlenhydrate erfüllen diese Bedingungen nicht – so lese ich den Wortlaut der EU-Verordnung, die diese Werbeaussagen regelt. Als Zusatz in Nahrungsergänzungsmitteln empfiehlt das BfR Natrium nicht; in Getränken zum Ausgleich starker Schweißverluste hält es Natrium für sinnvoll, höchstens 1.150 Milligramm je Liter.29

Für die Wahl eines Pulvers zählt, was im angerührten Getränk steckt: für lange Belastungen Natrium und Kohlenhydrate in etwa diesen Mengen. Was Pulver darüber hinaus an Kalium, Magnesium oder Calcium enthalten, gleicht nach den Schweißwerten in Kapitel 04 keinen nennenswerten Verlust aus. Beides ist meine Einordnung.

Krämpfe: kein gesicherter Zusammenhang mit Wasser und Salz

Muskelkrämpfe beim Sport gelten oft als Zeichen für Wasser- oder Salzmangel. Die Studien stützen das nicht: Bei Ironman-Triathleten unterschieden sich die mit und ohne Krämpfe weder beim Gewichtsverlust noch bei den Salzen im Blut; Krämpfe hatten eher die Schnelleren und die, die schon früher Krämpfe hatten.14 Eine Auswertung von neun Studien mit Ausdauer- und Rugbysportlern fand ebenfalls keinen gesicherten Zusammenhang mit Flüssigkeitsverlust oder Natrium im Blut; einen deutlichen Zusammenhang gab es nur mit früheren Krämpfen.15 Die Ergebnisse der einzelnen Studien streuen aber stark, und die Autoren warnen davor, daraus zu schließen, Wasser und Salz spielten keine Rolle.15 Kalium und Magnesium im Blut lagen bei den Krampfenden nach dem Rennen sogar etwas höher, nicht niedriger.15

Manche schwören auf Gurkenwasser gegen Krämpfe. In einer Studie löste es künstlich ausgelöste Krämpfe in einem Fußmuskel schneller als Wasser – aber bevor sich im Blut etwas geändert hatte. Die Forscher vermuten einen Reflex, der im Mund- und Rachenraum ausgelöst wird.34 Gegen Krämpfe beim Sport fehlen für Magnesium allein gute Studien.16 Eine Übersicht fand Hinweise, dass Getränke mit Natrium die Neigung zu Krämpfen senken. Beide Studien dazu aus dem Sport liefen aber im Labor, an Krämpfen, die per Stromreiz ausgelöst wurden; in einer ließen sich die Krämpfe danach etwas schwerer auslösen, verhindert wurden sie bei niemandem. Die dritte betraf Menschen mit Leberzirrhose.30

06Salz und Kalium im Alltag

Salz und Kalium im Alltag: zu viel Salz, beim Kalium eher knapp

Für die meisten Erwachsenen liegt der Hebel nicht beim Sport, sondern beim Essen. Weniger Salz und mehr Kalium können einen hohen Blutdruck senken – Kalium am besten aus Obst und Gemüse.

Wie viel Salz es sein darf

Die DGE nennt als Orientierung bis zu 6 Gramm Speisesalz am Tag, etwa einen Teelöffel.9, 25 Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt weniger als 5 Gramm.35 Als angemessen gelten laut DGE 1.500 Milligramm Natrium am Tag, rund 3,8 Gramm Salz; die 6 Gramm sind die Obergrenze zur Orientierung.17, 25 Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hält 2,0 Gramm Natrium am Tag für sicher und ausreichend, das sind gut 5 Gramm Salz; Studien mit Sportlern und unter extremer Hitze hat sie dabei ausdrücklich nicht berücksichtigt.31 Ob auch zu wenig Salz schaden kann, ist umstritten: Einige Beobachtungsstudien – sie beobachten nur und zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen – deuten darauf hin; die DGE gibt methodische Kritik an diesen Studien wieder und hält die Bewertung für offen.9

Wie viel Salz die meisten essen

In einer repräsentativen Erhebung des Robert Koch-Instituts aus den Jahren 2008 bis 2011 wurde die Salzzufuhr aus Urinproben hochgerechnet. Männer aßen im Median – dem mittleren Wert – 10 Gramm Salz am Tag, Frauen 8,4 Gramm. Mehr als drei Viertel der Männer und etwa 70 Prozent der Frauen lagen über 6 Gramm, die Hälfte der Männer sogar über 10 Gramm.8 Befragungen zum Essen kommen auf etwa 3 Gramm weniger; die DGE hält sie hier für ungenau, unter anderem weil sich das Nachsalzen schlecht erfassen lässt.9

Salz und Natrium umrechnen: Salz = Natrium × 2,54 Orientierungswert der DGE: 6 g Salz ÷ 2,54 = 2,4 g Natrium Schätzwert der DGE: 1.500 mg Natrium × 2,54 = 3,8 g Salz Median der Männer: 10,0 g Salz ÷ 2,54 = 3,9 g Natrium Ein Liter Schweiß: 863 mg Natrium × 2,54 = 2,2 g Salz Nach einem Liter Schweiß: 3,9 g − 0,86 g = gut 3 g Natrium Rechnerisch bleibt auch nach einem Liter Schweiß rund doppelt so viel Natrium, wie die DGE für angemessen hält

gerechnet Von mir gerechnet mit dem Faktor der DGE und den Werten aus Erhebung, Schweißstudie und Referenzwerten.4, 8, 9, 17, 25 Der Median stammt aus Urinproben und ist selbst eine Hochrechnung; wie viel ein Mensch schwitzt und wie salzig, ist sehr verschieden.

Woher das Salz kommt

Den größten Teil liefern in Deutschland verarbeitete Lebensmittel, vor allem Brot, Fleisch, Wurst und Käse.9 Die DGE schätzt, dass etwa 75 bis 90 Prozent des Salzes aus verarbeiteten Lebensmitteln und aus Essen stammen, das außer Haus zubereitet wird, und dass das Nachsalzen zu Hause nur einen kleinen Teil ausmacht; eine eigene Quelle für die Zahl nennt sie nicht, für das Nachsalzen verweist sie auf internationale Übersichten.9 Je nach Land ist das sehr verschieden: In Studien reichte der Anteil des Salzes, das beim Kochen oder bei Tisch dazukommt, von 10 Prozent in Dänemark bis über ein Drittel in Italien.31 Eine Messung nur für Deutschland habe ich nicht gefunden. Steht auf einer Packung nur der Natriumgehalt, nimmst Du ihn mal 2,54 – dann hast Du den Salzgehalt.25

Salz und Blutdruck

In einer Auswertung vieler Studien, in denen das Los entschied, wer weniger Salz aß, sank der obere Blutdruckwert im Mittel um 3,4 mmHg – Millimeter Quecksilbersäule, die Einheit für den Blutdruck –, der untere um 1,5.23 Bei hohem Blutdruck waren es oben rund 4, ohne hohen Blutdruck knapp 1,4.23 Die meisten Studien liefen kürzer als drei Monate; ob weniger Salz auch Schlaganfälle und Herztod verhindert, ließ sich daraus nicht ablesen. In Beobachtungsstudien ging mehr Natrium mit mehr Schlaganfällen einher – ein Zusammenhang, kein Beweis.23

Kalium: genug oder zu wenig?

Die DGE hält 4.000 Milligramm Kalium am Tag für angemessen, die EFSA 3.500.17, 32 Wie viel die Menschen in Deutschland bekommen, ist nicht eindeutig. In der Nationalen Verzehrsstudie, einer großen Befragung, was Menschen in Deutschland essen, lag die Zufuhr im Median bei Männern je nach Alter zwischen knapp 3.400 und gut 3.800 Milligramm, bei Frauen zwischen gut 2.800 und gut 3.250; aus einzelnen Urinproben geschätzt, lagen die Werte laut BfR noch etwas niedriger, unterschätzen die Zufuhr aber um etwa 10 Prozent.10 Die DGE rechnet die Urinwerte derselben Erhebung mit einem Umrechnungsfaktor hoch und kommt auf rund 3.900 Milligramm bei Frauen und 4.300 bei Männern; die Urinmessung hält sie für genauer als Befragungen. Ob das Mittelwerte oder Mediane sind, sagt sie nicht.11 Frauen liegen damit eher etwas unter dem Wert der DGE, Männer je nach Rechnung darunter oder knapp darüber – das ist meine Lesart. Kaliumreich sind laut DGE zum Beispiel Aprikosen, Bananen, Karotten, Kohlrabi und Tomaten, außerdem Nüsse sowie Dinkel-, Roggen- und Buchweizenvollkornmehl.11, 17

Mehr Kalium senkte in einer Auswertung von 22 Studien den oberen Blutdruckwert bei Menschen mit hohem Blutdruck um gut 5 mmHg, bei Menschen ohne hohen Blutdruck – in drei Studien – praktisch gar nicht.24 In fast allen dieser Studien gab es Kalium als Tablette, nicht über das Essen. In Beobachtungsstudien hatten Menschen, die mehr Kalium aufnahmen, seltener einen Schlaganfall – ein Zusammenhang, kein Beweis.24 Die DGE rät, mehr kaliumreiche Lebensmittel zu essen; Präparate über den Schätzwert hinaus bringen nach ihrer Bewertung keinen Nutzen und werden nicht empfohlen; Kalium als Einzelpräparat soll man nur unter ärztlicher Aufsicht nehmen, weil darüber schnell sehr hohe Mengen zusammenkommen.11, 18

Kalium ist nicht für jeden harmlos Der Körper regelt Kalium im Blut streng; zu viel davon wird vor allem dann zum Problem, wenn diese Regelung gestört ist.10 Besonders gefährdet sind laut BfR Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, mit Diabetes oder Herzerkrankungen und ältere Menschen, deren Nieren nachlassen.10 Blutdruckmittel wie ACE-Hemmer und Sartane senken die Ausscheidung von Kalium, kaliumsparende Entwässerungsmittel ebenso.1 Nach einer US-Empfehlung, die das BfR zitiert, sollen Menschen mit diesen Mitteln keine Kaliumpräparate nehmen und auch über das Essen weniger Kalium aufnehmen als Gesunde.10 Kaliumpräparate und Salzersatz klärst Du mit Deinem Arzt, wenn eines davon auf Dich zutrifft – und bei hohem Blutdruck, das ist meine Vorsicht. Ob Dein Blutdruckmittel dazugehört, sagt Dir die Apotheke. Für Nahrungsergänzungsmittel schlägt das BfR höchstens 500 Milligramm Kalium je Tagesportion vor.10

Salzersatz mit Kalium

Viele Salzersatzprodukte enthalten Kaliumchlorid statt eines Teils oder des ganzen Kochsalzes; je Teelöffel stecken darin, je nach Produkt, etwa 440 bis 2.800 Milligramm Kalium.1 In einer großen Studie im ländlichen China wurden 600 Dörfer ausgelost: In den einen bekamen die Teilnehmer für ihren Haushalt kostenlos einen Salzersatz aus drei Vierteln Kochsalz und einem Viertel Kaliumchlorid, in den anderen blieb es beim normalen Salz.19, 20 Teilgenommen haben Menschen nach einem Schlaganfall oder ab 60 Jahren mit hohem Blutdruck. Über knapp fünf Jahre gab es mit dem Salzersatz 14 Prozent weniger Schlaganfälle und 12 Prozent weniger Todesfälle; schwere Zwischenfälle durch zu viel Kalium im Blut waren nicht gesichert häufiger.19

Zwei Dinge schränken das ein. Menschen mit schwerem Nierenleiden, mit kaliumsparenden Entwässerungsmitteln oder Kaliumpräparaten waren gar nicht dabei, ebenso, wer meist außer Haus aß.20 Und dort ersetzte der Salzersatz das Salz in der eigenen Küche – in Deutschland kommt das meiste Salz aus verarbeiteten Lebensmitteln.9, 20 Wer Speisesalz verwendet, dem schlägt die WHO vor, es durch Salzersatz mit Kalium zu ersetzen;35 die US-Gesundheitsbehörde NIH rät Menschen mit Nierenerkrankung oder bestimmten Medikamenten, vorher ärztlichen Rat einzuholen.1 Meine Einordnung: Für Menschen mit hohem Blutdruck kann Salzersatz eine Überlegung wert sein – nach Rücksprache mit dem Arzt, weil Kalium nicht für jeden harmlos ist. Der größere Hebel liegt bei Brot, Wurst, Käse und Fertigessen.

07Faktencheck

Was Du über Elektrolyte und Trinken hören wirst – und was davon stimmt

Rund ums Trinken und um Elektrolyte kursieren viele Aussagen – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmt eine, vier stimmen halb, fünf stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht. Wie sicher die Studienlage jeweils ist, steht in Kapitel 09.

✕„Trink, bevor Du Durst hast – mit Durst ist es schon zu spät.“ Stimmt so nicht – für die meisten. Eine internationale Konsenskonferenz rät, nach Durst zu trinken; das verhindert in den meisten Fällen sowohl den Natriummangel durch zu viel Wasser als auch einen Leistungsabfall.6 Durst ist laut einem Positionspapier meist ein guter Anzeiger; Ältere spüren ihn womöglich schwächer und brauchen womöglich Ermunterung, ab welchem Alter, sagt das Papier nicht. Für Leistungssportler setzen Positionspapiere auf geplantes Trinken, damit beim Sport nicht mehr als 2 Prozent des Gewichts verloren gehen – aber auch dort nicht mehr, als man ausschwitzt.5, 13
✕„Beim Schwitzen verlierst Du viel Magnesium – dafür brauchst Du ein Pulver.“ Stimmt so nicht. Ein Liter Schweiß enthielt in einer Studie 1,3 Milligramm Magnesium – gut 0,4 Prozent dessen, was die DGE Frauen am Tag nennt.4, 26 Auch Calcium verlierst Du dabei kaum; nennenswert ist nur Kochsalz, also Natrium und Chlorid.3, 4
✕„Krämpfe kommen von zu wenig Wasser oder Salz.“ Stimmt so nicht – als allgemeine Erklärung. Sportler mit Krämpfen hatten in Studien weder gesichert mehr Gewicht verloren noch gesichert weniger Natrium im Blut; den deutlichsten Zusammenhang gab es mit früheren Krämpfen.14, 15 Ein Positionspapier nennt Muskelermüdung als typische Ursache und hält einen Zusammenhang mit Wasser- und Salzverlust für möglich, vor allem bei starken Schwitzern mit salzigem Schweiß ohne Hitzegewöhnung.5
✕„Mit einem Sportgetränk statt Wasser kannst Du gar nicht zu viel trinken.“ Stimmt so nicht. Auch Sportgetränke sind weniger salzig als Blut; wer zu viel davon trinkt, kann trotzdem zu wenig Natrium im Blut bekommen.6 Beim Boston-Marathon hing das Risiko nicht davon ab, welche Getränke die Läufer tranken, sondern vor allem davon, ob sie unterwegs zugenommen hatten und länger als vier Stunden liefen.7
✓„Die meisten essen zu viel Salz.“ Stimmt. Mehr als drei Viertel der Männer und etwa 70 Prozent der Frauen in Deutschland liegen über den 6 Gramm am Tag, die die DGE als Orientierung nennt.8, 9 Das meiste davon steckt in verarbeiteten Lebensmitteln, nicht im Salzstreuer.9
~„Gurkenwasser hilft gegen Krämpfe.“ Stimmt halb. In einer Studie endeten künstlich ausgelöste Krämpfe in einem Fußmuskel mit Gurkenwasser schneller als mit Wasser – noch bevor sich im Blut etwas geändert hatte; die Forscher vermuten einen Reflex aus dem Mund- und Rachenraum.34 Ob es spontane Krämpfe beim Sport verhindert, zeigt das nicht.
~„An der Urinfarbe siehst Du, ob Du genug trinkst.“ Stimmt halb. Die Farbe folgte in einer kleinen Studie dem Wasserhaushalt so gut wie Labormessungen;21 sie zeigt aber vor allem den Augenblick, über den ganzen Tag sagt sie nur mäßig viel.33
~„Kalium senkt den Blutdruck.“ Stimmt halb. Bei Menschen mit hohem Blutdruck sank der obere Wert mit mehr Kalium um gut 5 mmHg, bei normalem Blutdruck praktisch nicht – und in den Studien gab es Kalium meist als Tablette.24
~„Elektrolytgetränke steigern die Leistung.“ Stimmt halb. In der EU dürfen Getränke mit Kohlenhydraten und Natrium damit werben, dass sie zur Aufrechterhaltung der Ausdauerleistung bei längerem Ausdauertraining beitragen;2 ein Fachverband sieht solche Getränke „unter bestimmten Umständen“ im Vorteil gegenüber Wasser.13 Für kurze Einheiten und für Elektrolyte ohne Kohlenhydrate gilt das nach diesen Quellen nicht – das ist meine Einordnung.
✕„Mineralstoffe kann man nicht überdosieren – was zu viel ist, geht mit dem Urin raus.“ Für Kalium stimmt das so nicht. Bei gesunden Nieren regelt der Körper Kalium streng;10 über Einzelpräparate können laut DGE aber schnell sehr hohe Mengen zusammenkommen.11 Für Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, Diabetes oder Herzerkrankungen und für Ältere mit nachlassenden Nieren kann zusätzliches Kalium gefährlich werden;10 bestimmte Blutdruckmittel senken die Ausscheidung von Kalium.1
Kurz gesagt Vier der fünf Aussagen, die so nicht stimmen, trauen Trinken und Elektrolyten zu viel zu: Trinken vor dem Durst, ein Pulver gegen Magnesiumverlust, Salz gegen Krämpfe, das Sportgetränk als Schutz. Die fünfte unterschätzt, dass Kalium nicht für jeden harmlos ist.
08Grenzen

Was Elektrolyte nicht können – und was die Studien offenlassen

Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie nicht zeigen.

✕Kein belegter Schutz vor Krämpfen. Krämpfe hingen in Studien nicht gesichert mit Flüssigkeitsverlust oder Natrium im Blut zusammen; dass Elektrolyte ihnen beim Sport vorbeugen, zeigen die Studien auf dieser Seite nicht – es gibt nur erste Hinweise aus dem Labor.14, 15, 30
✕Kein Schutz gegen zu viel Trinken. Auch ein Sportgetränk verhindert den Natriummangel im Blut nicht, wenn Du mehr trinkst, als Du ausschwitzt.6
✕Keine Messungen aus dem Studio. Die Schweißdaten stammen aus Ausdauer- und Mannschaftssport und aus dem Labor, die großen Messsammlungen von einem Institut eines Sportgetränkeherstellers.12, 22
✕Studien mit Grenzen. Die Mineralstoffe im Schweiß maß eine kleine Studie; die Kaliumstudien liefen meist kurz und mit Tabletten; die große Studie zum Salzersatz lief in Dörfern Chinas mit Menschen mit hohem Risiko.4, 19, 24
✕Keine Behandlung. Diese Seite erklärt Elektrolyte – sie stellt keine Diagnose und ersetzt keine Therapie.
Natrium im Blut zu niedrig

Heißt meist: zu viel getrunken

Daraus könnte man schließen, Salz beuge dem vor. Die Hauptursache ist aber zu viel Flüssigkeit; nicht ersetzte Salzverluste über den Schweiß tragen dazu bei,6 stärker vor allem bei sehr langen Belastungen.3

Kalium senkt den Blutdruck

Heißt nicht: Tabletten für alle

Daraus könnte man schließen, jeder solle Kalium nehmen. Gesenkt wurde der Blutdruck nur bei Menschen mit hohem Blutdruck – und für Menschen mit Nierenproblemen oder bestimmten Blutdruckmitteln kann zusätzliches Kalium gefährlich sein.10, 24

Medizinische Vorgeschichte

Im Mittel, nicht im Einzelfall

Die Studien auf dieser Seite zeigen, was im Mittel für eine Gruppe gilt. Mit einer Vorerkrankung zählt Dein eigener Fall – den klärst Du mit Deinem Arzt.

09Wie sicher

Wie sicher ist das alles?

Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.

So lesen sich die Stufen: gut belegt – große Auswertungen oder Studien, alle in dieselbe Richtung · belegt – mehrere kleinere Studien oder Bewertungen von Fachgremien, gleiche Richtung · erste Hinweise – eine Studie, wenige Fälle, nur indirekt gemessen oder ein Ergebnis, dem die Autoren selbst wenig vertrauen · uneinheitlich – Studien widersprechen sich · nicht belegt – Studien fanden keinen Effekt, oder es gibt keine passenden Studien. Die Zeichen im Faktencheck sagen, ob eine Aussage stimmt; die Stufen hier, wie sicher das ist.

AussageEinordnung
Im Schweiß steckt vor allem Natrium, kaum Kalium, Calcium oder Magnesiumbelegt – eine kleine Messstudie; eine Übersicht hält einen Mangel an Calcium, Eisen und anderen Mineralstoffen durch Schwitzen für wenig wahrscheinlich; große Messsammlungen zeigen beim Natrium dieselbe Größenordnung
Wie salzig Schweiß ist, ist von Mensch zu Mensch sehr verschiedenbelegt – große Messsammlungen, allerdings alle von einem Institut des Sportgetränkeherstellers Gatorade; die EU-Lebensmittelbehörde nennt eine noch größere Spanne
Zu viel Trinken ist die Hauptursache für Natriummangel im Blut beim Sportbelegt – internationale Konsenskonferenz und ein Positionspapier; eine Beobachtungsstudie beim Boston-Marathon
Nach Durst trinken beugt dem meist vorbelegt – Empfehlung der Konsenskonferenz, gestützt vor allem auf Beobachtungsstudien
Mehr als 2 Prozent Gewichtsverlust durch Schwitzen kann die Leistung mindern, vor allem bei Hitzebelegt – zwei Positionspapiere von Fachgesellschaften
Natrium ergänzen lohnt sich bei langen oder sehr schweißreichen Belastungenbelegt – Empfehlung eines Positionspapiers dreier Fachgesellschaften; wie viel, hängt vom Einzelnen ab
Krämpfe hängen nicht mit Flüssigkeitsverlust oder Natrium im Blut zusammenuneinheitlich – eine Auswertung von neun Studien fand keinen gesicherten Zusammenhang, die Einzelstudien streuen aber stark, viele haben Schwächen; die Autoren warnen davor, daraus zu schließen, Wasser und Salz spielten keine Rolle
Getränke mit Natrium beugen Krämpfen vorerste Hinweise – zwei Laborversuche mit künstlich ausgelösten Krämpfen; ob sie spontane Krämpfe beim Sport verhindern, hat keine Studie geprüft
Gurkenwasser verkürzt Krämpfeerste Hinweise – eine kleine Laborstudie mit künstlich ausgelösten Krämpfen
Die Urinfarbe zeigt den Wasserhaushalterste Hinweise – zwei kleine Studien; für den Augenblick gut, für den ganzen Tag mäßig
Die meisten Erwachsenen in Deutschland essen mehr als 6 Gramm Salz am Taggut belegt – repräsentative Erhebung mit Urinproben; Befragungen zum Essen kommen auf etwa 3 Gramm weniger, sind laut DGE hier aber ungenau
Weniger Salz senkt den Blutdruckgut belegt – große Auswertung von Studien, in denen das Los entschied; bei normalem Blutdruck nur wenig
Mehr Kalium senkt einen hohen Blutdruckbelegt – Auswertung von 22 Studien, meist mit Tabletten; bei normalem Blutdruck in drei Studien kein gesicherter Effekt
Die meisten Erwachsenen in Deutschland bekommen weniger Kalium, als die DGE für angemessen hältuneinheitlich – nach einer Befragung zum Essen und nach den Urinwerten beim BfR ja; die DGE rechnet die Urinwerte hoch und kommt bei Frauen knapp darunter, bei Männern darüber
Salzersatz mit Kalium senkt Schlaganfällebelegt – eine sehr große Studie, in der das Los entschied, und der Vorschlag der WHO; die Studie lief mit älteren Menschen mit hohem Risiko im ländlichen China; ob es sich auf Deutschland übertragen lässt, ist offen
Zusätzliches Kalium gefährdet Menschen mit Nierenproblemen und bestimmten Blutdruckmittelnbelegt – Bewertung des BfR und Angaben der US-Gesundheitsbehörde NIH
Pulver mit Kalium, Magnesium und Calcium gleichen beim Sport einen nennenswerten Verlust ausnicht belegt – die gemessenen Verluste sind klein; eine Studie, die das zeigt, habe ich nicht gefunden

Sechs Zahlen zum Mitnehmen

Das Kurze · Fazit in Zahlen

Jede Zahl mit Quelle und Haken

Die sechs Zahlen stammen aus Studien, einem Positionspapier, einer Verordnung der EU und von einer Fachgesellschaft, Stand Oktober 2026. Zu jeder steht, was herauskam und wo der Haken liegt.

863 mg
Natrium in einem Liter Schweiß,
Mittel aus einer kleinen Studie

Magnesium 1,3 Milligramm, Calcium 16: Beim Schwitzen zählt vor allem Kochsalz.

Haken

Wenige Personen, Schweiß vom Rücken; wie salzig Schweiß ist, schwankt stark – in großen Messsammlungen eines Getränkeherstellers von rund 0,4 bis gut 1,6 Gramm je Liter.

Quelle: Montain und Kollegen 2007 · 7 Personen, 27 °C; Baker und Kollegen 2016 · 506 Sportler, von mir umgerechnet4, 12
13 %
der untersuchten Marathonläufer
im Ziel mit zu wenig Natrium im Blut

Das Risiko stieg vor allem mit Gewichtszunahme unterwegs – also mehr getrunken als ausgeschwitzt – und mit mehr als vier Stunden Laufzeit: nach Durst trinken, nicht auf Vorrat.

Haken

Ein Marathon im Jahr 2002; Natrium vor dem Start nicht gemessen, getrunkene Mengen selbst berichtet, nur rund zwei Drittel gaben im Ziel Blut ab.

Quelle: Almond und Kollegen 2005 · 488 Läufer beim Boston-Marathon7
1,25–1,5 l
trinken je Kilo, das Du beim Sport
verloren hast – nach dem Sport, verteilt

Wiegen vorher und nachher zeigt die Menge: ein Kilo weniger ist etwa ein Liter Schweiß.

Haken

Ein Beispielwert aus einem Positionspapier für Leistungssportler; mehr als verloren, weil Schweiß und Urin danach weiterlaufen. Nach einer normalen Einheit reichen Durst und die nächste Mahlzeit – das ist meine Einschätzung.

Quelle: Thomas und Kollegen 2016 · Positionspapier dreier Fachgesellschaften5
460–1.150 mg
Natrium je Liter in Sportgetränken,
die in der EU mit Ausdauer werben dürfen

Für lange, schweißreiche Belastungen: Natrium und Kohlenhydrate, nicht Magnesium aus der Tüte.

Haken

Die Spanne sagt, was ein Getränk für die Werbeaussage enthalten muss – nicht, wie viel Du brauchst; das hängt von Schweißmenge und Salzgehalt Deines Schweißes ab.

Quelle: Verordnung (EU) Nr. 432/2012, Anhang · 20 bis 50 Millimol je Liter; Baker 20172, 28
10 g
Salz am Tag essen Männer in Deutschland
im Median, Frauen 8,4 Gramm

Die DGE nennt höchstens 6 Gramm: Im Alltag ist weniger Salz der Hebel, nicht mehr.

Haken

Aus Urinproben hochgerechnet, erhoben 2008 bis 2011; Verzehrstudien kommen auf etwa 3 Gramm weniger.

Quelle: Johner und Kollegen 2015 · Erhebung des Robert Koch-Instituts; DGE 20168, 9
4.000 mg
Kalium am Tag – für Erwachsene
angemessen laut DGE

Frauen liegen eher etwas darunter, Männer je nach Erhebung darunter oder knapp darüber: mehr Obst, Gemüse und Nüsse, keine Tabletten.

Haken

Ein Schätzwert, die EFSA nennt 3.500 Milligramm; die Zahlen zur Zufuhr hängen vom Rechenweg ab – Befragung und Urinwerte beim BfR liegen darunter, die von der DGE hochgerechneten Urinwerte bei Männern darüber. Mit Nierenproblemen, Diabetes, Herzleiden oder bestimmten Blutdruckmitteln kann zusätzliches Kalium gefährlich werden.

Quelle: DGE, Referenzwerte und Fragen zu Kalium 2016; BfR 2021; EFSA 201610, 11, 17, 32

Jede dieser sechs Zahlen ist an der Quelle selbst geprüft, Stand 27.10.2026 – Studien an ihrer Kurzfassung, dem Überblick am Anfang jeder Studie, in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, und, wo frei zugänglich, an der vollständigen Arbeit; das Positionspapier an der Fassung einer der drei Fachgesellschaften; DGE, BfR, EFSA und die Verordnung an ihren eigenen Dokumenten. Die ausführlichen Angaben, mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, soweit ich sie prüfen konnte, folgen im Kapitel „Belegt“.

Der eine Satz, wenn Du Dir nur einen merkst Trink beim Sport nach Durst und nicht auf Vorrat, ergänze Salz vor allem bei langen oder sehr schweißreichen Belastungen – und im Alltag bringen weniger Salz aus verarbeiteten Lebensmitteln und mehr Kalium aus Obst und Gemüse mehr als jedes Pulver.
10Belegt

Worauf sich diese Seite stützt

Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Teilnehmer, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Studien habe ich über PubMed geprüft, Angaben von Behörden, Fachgesellschaften und der EU an ihren eigenen Dokumenten. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.

35 Quellen · hier aufklappenzuklappenGeldgeber und Interessenkonflikte

Ein paar Begriffe, die in den Belegen vorkommen: Eine Auswertung – Fachleute sagen Meta-Analyse – rechnet die Ergebnisse vieler Studien zusammen; eine Übersichtsarbeit fasst den Stand der Forschung zusammen, eine systematische Übersicht sucht und bewertet die Studien dabei nach festen Regeln. Cochrane ist ein internationales Netzwerk, das systematische Übersichten nach strengen Regeln erstellt. Ein Positionspapier ist die gemeinsame Empfehlung einer oder mehrerer Fachgesellschaften, eine Konsenskonferenz die gemeinsame Einschätzung einer Gruppe von Fachleuten. Ausgelost – Fachleute sagen randomisiert – heißt: Das Los entscheidet, wer das Mittel bekommt und wer in die Vergleichsgruppe kommt. Eine Beobachtungsstudie greift nicht ein, sondern beobachtet nur; sie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen. Gesichert heißt: so deutlich, dass Zufall als Erklärung unwahrscheinlich ist. Zwei Zahlen mit „bis“ in Klammern, etwa (0,77 bis 0,96), sind der Vertrauensbereich, in dem der wahre Wert vermutlich liegt; schließt er bei Verhältnissen wie dem relativen Risiko die 1 ein, bei Unterschieden wie mmHg oder standardisierten Werten die 0, gilt ein Unterschied als nicht gesichert. Der Median ist der mittlere Wert, wenn man alle Werte der Größe nach ordnet. Das Verzerrungsrisiko gibt an, wie stark Mängel im Aufbau einer Studie ihr Ergebnis verfälschen können. Relatives Risiko, Odds Ratio und Ratenverhältnis vergleichen das Risiko mit und ohne etwas: 1 heißt kein Unterschied, 0,75 ein Viertel weniger, 1,25 ein Viertel mehr. Ein standardisierter Unterschied macht verschiedene Messskalen vergleichbar; 0,2 gilt als klein, 0,5 als mittel, 0,8 als groß. Personenjahre zählen, wie viele Menschen wie viele Jahre beobachtet wurden. mmHg, Millimeter Quecksilbersäule, ist die Einheit für den Blutdruck. Millimol je Liter ist eine Mengenangabe für gelöste Teilchen: Ein Millimol Natrium wiegt 23 Milligramm, ein Millimol Kalium 39 Milligramm. Hyponatriämie heißt zu wenig Natrium im Blut. Ein Schätzwert der DGE steht für eine angemessene Zufuhr, wenn der genaue Bedarf nicht bekannt ist; eine Empfehlung beruht auf einem bekannten Bedarf. Spontanurin ist eine einzelne Urinprobe, 24-Stunden-Urin alles, was an einem Tag gesammelt wird. Die Fläche unter der Kurve gibt an, wie gut ein Test zwischen zwei Gruppen trennt: 0,5 ist Zufall, 1 fehlerfrei.

So liest Du die Angaben zu den Geldgebern PubMed, die Studiendatenbank der US-Nationalbibliothek für Medizin, ordnet Studien nach ihren Geldgebern ein: Stellen der US-Regierung – und „außerhalb der US-Regierung“ für alles andere. „Außerhalb der US-Regierung“ heißt also: Das Geld kam von Hochschulen, Stiftungen, anderen Staaten oder Firmen – wer genau, steht nur in der vollständigen Arbeit. Steht bei einer Studie kein Geldgeber, „nicht geprüft“ oder „nicht prüfbar“, habe ich die Finanzierung nicht selbst gelesen.
1National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Potassium – Fact Sheet for Health Professionals. Aktualisiert am 02.06.2022. ods.od.nih.gov Faktenblatt der US-Gesundheitsbehörde NIH. In den Zellen ist Kalium etwa 30-mal so dicht wie außerhalb; das Gefälle hält die Natrium-Kalium-Pumpe aufrecht, es ist nötig für die Weiterleitung von Nervenreizen, für Muskelkontraktion und Nierenfunktion. Im Blutserum liegt Kalium normalerweise bei etwa 3,6 bis 5,0 mmol/l. ACE-Hemmer und Sartane – Mittel gegen hohen Blutdruck und Herzschwäche – senken die Ausscheidung von Kalium über den Urin und können so zu viel Kalium im Blut verursachen, Hyperkaliämie genannt; kaliumsparende Entwässerungsmittel wie Amilorid und Spironolacton ebenso. Viele Salzersatzprodukte enthalten Kaliumchlorid anstelle eines Teils oder des ganzen Kochsalzes, je nach Produkt etwa 440 bis 2.800 mg Kalium je Teelöffel; Menschen mit Nierenerkrankung oder bestimmten Medikamenten sollen wegen des Risikos einer Hyperkaliämie vorher ärztlichen Rat einholen. Hinweis: Faktenblatt einer Behörde, keine eigene Studie; gelesen im Oktober 2026, nur in Auszügen. US-Teelöffel: knapp 5 ml.
2Europäische Kommission (2012). Verordnung (EU) Nr. 432/2012 vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, Anhang. legislation.gov.uk · eur-lex.europa.eu Liste der Aussagen, mit denen Lebensmittel in der EU werben dürfen. Kohlenhydrat-Elektrolyt-Lösungen dürfen damit werben, dass sie „zur Aufrechterhaltung der Ausdauerleistung bei längerem Ausdauertraining“ beitragen und „die Aufnahme von Wasser während der körperlichen Betätigung“ verbessern – wenn sie 80 bis 350 kcal je Liter aus Kohlenhydraten liefern, mindestens 75 % der Energie aus Kohlenhydraten mit hoher Blutzuckerwirkung wie Glukose, Glukosepolymeren und Saccharose stammen, sie 20 bis 50 mmol Natrium je Liter enthalten (460 bis 1.150 mg) und ihre Osmolalität, ein Maß für die Dichte gelöster Teilchen, zwischen 200 und 330 mOsm je kg Wasser liegt. Kalium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems und der Muskeln und zu einem normalen Blutdruck bei; Calcium unter anderem zu normaler Muskelfunktion, Signalübertragung zwischen Nervenzellen und Funktion der Verdauungsenzyme; Magnesium unter anderem zum Elektrolytgleichgewicht und zur normalen Funktion von Nerven und Muskeln; Chlorid durch die Bildung von Salzsäure im Magen zur Verdauung – nicht zu verwenden für Chlorid aus Kochsalz. Für Natrium steht nur: Weniger Natrium trägt zu einem normalen Blutdruck bei. Hinweis: Rechtstext, keine Studie. Gelesen am deutschen Wortlaut auf EUR-Lex (Fassung vom 16. Mai 2012) und an der englischen Fassung; ob die Liste seither für diese Einträge geändert wurde, habe ich nicht geprüft.
3Baker LB (2019). Physiology of sweat gland function: The roles of sweating and sweat composition in human health. Temperature 6(3):211–259. DOI 10.1080/23328940.2019.1632145 · PMID 31608304 · PMC6773238 Übersichtsarbeit zur Schweißdrüse. Natrium und Chlorid sind die Bestandteile mit den höchsten Gehalten im Schweiß; ein Mangel durch Schwitzen scheint bei Spurenelementen wie Calcium und Eisen, Vitaminen und anderen Bestandteilen wenig wahrscheinlich, viele Messmethoden überschätzen Calcium und Eisen im Schweiß bis um das Zwei- bis Dreifache. Nach etwa 10 Tagen Hitzegewöhnung sinken Natrium und Chlorid im Schweiß um rund 30 bis 60 %. Ob die Natriumzufuhr den Schweiß verändert, ist uneinheitlich: Die meisten Studien fanden nach Tagen bis Wochen veränderter Zufuhr Änderungen, eine zitierte Auswertung über die Studien hinweg keinen Zusammenhang. Hauptursache der Hyponatriämie ist zu viel Trinken; große Salzverluste über den Schweiß können sie bei langen Belastungen, etwa über 4 Stunden, verstärken. Wer sehr salzig schwitzt – in Fallberichten Natrium über 80 und Chlorid über 70 mmol/l, am Unterarm gemessen –, hat bei langem, starkem Schwitzen ein höheres Risiko für Salzmangel. Hinweis: Übersicht ohne festes Suchverfahren. Die Autorin arbeitet laut Angabe in der Studie am Gatorade Sports Science Institute von PepsiCo – ein möglicher Interessenkonflikt; eine Erklärung dazu habe ich nicht gelesen.
4Montain SJ, Cheuvront SN, Lukaski HC (2007). Sweat mineral-element responses during 7 h of exercise-heat stress. International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism 17(6):574–582. DOI 10.1123/ijsnem.17.6.574 · PMID 18156662 7 an Hitze gewöhnte Erwachsene (6 Männer, 1 Frau) gingen fünfmal 60 Minuten auf dem Laufband, 1,56 m/s – gut 5,6 km/h – bei 2 % Steigung, mit 20 Minuten Pause dazwischen, bei 27 °C und bei 35 °C; Schweiß aus einem Sammelbeutel am oberen Rücken. Bei 27 °C im Mittel je Milliliter: Natrium 863 µg, Kalium 222 µg, Calcium 16 µg, Magnesium 1.265 ng – je Liter also 863 mg, 222 mg, 16 mg und rund 1,3 mg (von mir umgerechnet). Die Werte blieben über 7 Stunden etwa gleich; die Schweißrate änderte die Zusammensetzung der Spurenelemente nicht. Einschränkung: 7 Personen, Schweiß von einer Körperstelle gesammelt, was Natriumwerte erhöhen kann (Beleg 28). Der Erstautor arbeitet am Umweltmedizin-Institut der US-Armee; PubMed ordnet die Förderung trotzdem als außerhalb der US-Regierung ein – über den Arbeitgeber sagt diese Einordnung nichts. Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
5Thomas DT, Erdman KA, Burke LM (2016). American College of Sports Medicine Joint Position Statement. Nutrition and Athletic Performance. Medicine & Science in Sports & Exercise 48(3):543–568. DOI 10.1249/MSS.0000000000000852 · PMID 26891166 Gemeinsames Positionspapier des American College of Sports Medicine, der Academy of Nutrition and Dietetics und der Dietitians of Canada, zeitgleich auch im Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics (PMID 26920240). Ein Flüssigkeitsdefizit von mehr als 2 % des Körpergewichts kann Denkleistung und Ausdauer mindern, vor allem bei Hitze. Vor dem Sport, in den 2 bis 4 Stunden davor, 5 bis 10 ml je kg trinken, Ziel ist hellgelber Urin. Während des Sports so viel trinken, dass das Defizit unter 2 % des Körpergewichts bleibt. Schweißraten von 0,3 bis 2,4 l je Stunde; 1 kg Gewichtsverlust entspricht etwa 1 l Schweiß. Mehr zu trinken, als über Schweiß und Urin verloren geht, ist die Hauptursache der Hyponatriämie (Natrium im Blut unter 135 mmol/l); Beschwerden vor allem unter 130 mmol/l. Durst ist meist ein guter Anzeiger; Ältere spüren ihn womöglich schwächer und brauchen womöglich Ermunterung. Natrium während der Belastung bei großen Verlusten: bei Schweißraten über 1,2 l je Stunde, salzigem Schweiß oder Belastungen über 2 Stunden. Mittleres Schweiß-Natrium „approximates 50 mmol/L (~1 g/L)“ – höher als in den großen Messsammlungen (Beleg 12). Krämpfe entstehen meist durch Muskelermüdung, können aber mit Flüssigkeitsmangel und gestörtem Salzhaushalt zusammenhängen; starke Schwitzer mit salzigem Schweiß, die nicht an Hitze gewöhnt sind, sind womöglich stärker gefährdet. Nach dem Sport mehr trinken als verloren, weil Schweiß und Urinausscheidung weiterlaufen, zum Beispiel 1,25 bis 1,5 l je verlorenem kg, mit Wasser und Natrium in mäßigem Tempo; Natrium aus Essen oder Getränken hilft, die Flüssigkeit zu halten. Hinweis: Positionspapier, keine eigene Studie; Zielgruppe Leistungssportler. Gelesen an der überarbeiteten Fassung der Dietitians of Canada (Dezember 2016), nur in Auszügen; Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
6Hew-Butler T, Rosner MH, Fowkes-Godek S et al. (2015). Statement of the Third International Exercise-Associated Hyponatremia Consensus Development Conference, Carlsbad, California, 2015. Clinical Journal of Sport Medicine 25(4):303–320. DOI 10.1097/JSM.0000000000000221 · PMID 26102445 · zeitgleich British Journal of Sports Medicine 49(22):1432–1446, DOI 10.1136/bjsports-2015-095004 · PMID 26227507 Gemeinsame Einschätzung internationaler Fachleute (16 als Autoren genannt). Belastungsbedingte Hyponatriämie: Natrium im Blut unter 135 mmol/l während oder bis 24 Stunden nach Belastung. Hauptursache ist, mehr Flüssigkeit zu trinken, als der Körper los wird – Wasser, Sportgetränke oder andere Getränke, die weniger salzig sind als Blut –, wahrscheinlich zusammen mit einem Hormon, das die Wasserausscheidung bremst; nicht ersetzte Salzverluste tragen bei, unabhängig von der Strecke. Fast alle Betroffenen mit Beschwerden hatten während der Belastung zugenommen oder ihr Gewicht gehalten; Risikofaktoren sind Gewichtszunahme, mehr als 4 Stunden Belastung, sehr niedriger oder hoher Body-Mass-Index, womöglich auch Schmerzmittel wie Ibuprofen. Empfehlung: nach Durst trinken – „drinking to thirst will, in most cases, prevent both dilutional EAH and performance decrements“. Sportgetränke enthalten typischerweise 10 bis 38 mmol Natrium je Liter, rund 230 bis 870 mg (von mir umgerechnet), und verhindern die Hyponatriämie nicht, wenn zu viel getrunken wird. Beim Marathon hatten 0 bis 12–13 % der Läufer im Ziel einen niedrigen Wert ohne Beschwerden; die meisten Ausdauerveranstaltungen, vor allem bis zur Marathonstrecke, meldeten keinen Fall mit Beschwerden. Hinweis: Konsens von Fachleuten, gestützt vor allem auf Beobachtungsstudien und Fallberichte; gelesen an der BJSM-Fassung, einige Sätze nur in Auszügen. Geldgeber: Hotel, Essen und Reisen der Teilnehmer – außer zwei, die selbst zahlten – sowie die offene Konferenz bezahlte CrossFit, Inc.; Vertreter der Firma nahmen an den geschlossenen Beratungen nicht teil. Mitautor Ronald Maughan erhielt laut Erklärung Forschungsgeld und Beraterhonorare aus der Lebensmittel- und Getränkeindustrie und leitet den wissenschaftlichen Beirat des European Hydration Institute – ein möglicher Interessenkonflikt; die Erklärungen der übrigen Autoren habe ich nicht gelesen.
7Almond CS, Shin AY, Fortescue EB et al. (2005). Hyponatremia among runners in the Boston Marathon. New England Journal of Medicine 352(15):1550–1556. DOI 10.1056/NEJMoa043901 · PMID 15829535 Boston-Marathon 2002: 766 Läufer gewonnen, 488 lieferten im Ziel eine verwertbare Blutprobe. 13 % (62 von 488) hatten 135 mmol/l Natrium oder weniger, 0,6 % kritische 120 mmol/l oder weniger; Frauen 22 %, Männer 8 %. 35 % hatten unterwegs zugenommen (0,1 bis 4,1 kg). Zusammen ausgewertet hingen drei Dinge gesichert mit der Hyponatriämie zusammen: Gewichtszunahme (Odds Ratio 4,2; 2,2 bis 8,2), eine Zeit über 4 Stunden gegenüber unter 3:30 Stunden (7,4; 2,9 bis 23,1) und ein sehr niedriger oder hoher Body-Mass-Index; Geschlecht, Art der Getränke und entzündungshemmende Schmerzmittel nicht. Einschränkung: Natrium vor dem Start nicht gemessen, Trinkmengen selbst berichtet, rund zwei Drittel nachverfolgt; Grenzwert 135 mmol/l oder weniger statt unter 135. Geldgeber laut Arbeit die US-Gesundheitsbehörde NIH, der Burnes Family Fund und der Kobren Fund; Verbindungen zu Getränkeherstellern habe ich nicht gefunden.
8Johner SA, Thamm M, Schmitz R, Remer T (2015). Current daily salt intake in Germany: biomarker-based analysis of the representative DEGS study. European Journal of Nutrition 54(7):1109–1115. DOI 10.1007/s00394-014-0787-8 · PMID 25341396 Repräsentative Erhebung des Robert Koch-Instituts 2008 bis 2011, Erwachsene von 18 bis 79 Jahren; die tägliche Salzzufuhr wurde aus 6.962 Messungen von Natrium und Kreatinin, einem Abbaustoff der Muskeln, in Spontanurin hochgerechnet. Median Männer 10,0 g, Frauen 8,4 g am Tag. Mehr als 75 % der Männer und etwa 70 % der Frauen lagen über 6 g; 50 % der Männer und mehr als 35 % der Frauen über 10 g. Hauptquelle sind verarbeitete Lebensmittel. Einschränkung: Spontanurin statt Sammelurin über 24 Stunden, Querschnitt. Geldgeber laut Arbeit das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft; Interessenkonflikte laut Arbeit keine.
9Strohm D, Boeing H, Leschik-Bonnet E et al. für die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2016). Speisesalzzufuhr in Deutschland, gesundheitliche Folgen und resultierende Handlungsempfehlung. Wissenschaftliche Stellungnahme der DGE. Ernährungs Umschau 63(3). dge.de Die DGE bestätigt den Orientierungswert von bis zu 6 g Speisesalz am Tag; 1 g Salz besteht aus je 17 mmol Natrium und Chlorid. Nach der Erhebung DEGS1 lag die Zufuhr im Median bei Männern bei 10,0 g (mittlere Hälfte 6,7 bis 14,5 g), bei Frauen bei 8,4 g (5,3 bis 12,5 g); die Nationale Verzehrsstudie II kommt auf rund 3 g weniger; Verzehrerhebungen liefern laut DGE nur ungenaue Ergebnisse, unter anderem weil das Zu- und Nachsalzen schlecht erfasst wird. Den größten Beitrag leisten nach der Nationalen Verzehrsstudie II verarbeitete Lebensmittel der Gruppen Brot, Fleisch, Wurst und Käse. Salz wird vor allem über verarbeitete Lebensmittel und außer Haus zubereitete Speisen aufgenommen, „ca. 75–90 %“; der Anteil des Zusalzens zu Hause ist gering. Zu Beobachtungsstudien, nach denen auch eine niedrige Natriumzufuhr ein Risiko sein könnte, gibt die DGE methodische Kritik wieder; die Bewertung hält sie für offen. Hinweis: Stellungnahme einer Fachgesellschaft, keine eigene Studie. Für die „ca. 75–90 %“ nennt die Stellungnahme keine eigene Quelle; für den geringen Anteil des Zusalzens verweist sie auf internationale Übersichten, nicht auf eine Messung in Deutschland. Sport und Schwitzen behandelt die Stellungnahme nicht. Gelesen am Sonderdruck; die Seitenzahlen in der Zeitschrift habe ich nicht geprüft.
10Bundesinstitut für Risikobewertung (2021). Höchstmengenvorschläge für Kalium in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. Teil der Stellungnahme Nr. 009/2021 vom 15.03.2021. bfr.bund.de · DOI 10.17590/20210315-143130 Vorschlag: höchstens 500 mg Kalium je Tagesportion eines Nahrungsergänzungsmittels. Hergeleitet aus einem Orientierungswert von 3.000 mg am Tag für die zusätzliche Aufnahme, für 15- bis 17-Jährige umgerechnet etwa 2.600 mg; davon sind 600 mg für technische Zwecke in Lebensmitteln „reserviert“, die übrigen 2.000 mg je zur Hälfte auf Nahrungsergänzung und andere Lebensmittel verteilt; für Nahrungsergänzung wegen der Unsicherheit noch einmal halbiert. Kalium wird im Körper streng geregelt; zu viel davon im Blut droht vor allem, wenn diese Regelung gestört ist. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen mit bereits zu viel Kalium im Blut, mit eingeschränkter Nierenfunktion, Insulinmangel oder Diabetes, Herzerkrankungen und ältere Menschen mit nachlassender Nierenfunktion. Nach einer US-Empfehlung von 2004, die das BfR zitiert, sollen Menschen, die ACE-Hemmer, Sartane oder kaliumsparende Entwässerungsmittel nehmen, keine Kaliumpräparate nehmen und weniger Kalium über die Nahrung aufnehmen als für Gesunde empfohlen. Manche Präparate können Magen und Darm reizen. Zufuhr in Deutschland, Median: nach der Nationalen Verzehrsstudie II Männer 3.374 bis 3.807 mg, Frauen 2.825 bis 3.254 mg am Tag, je nach Alter; aus Spontanurin geschätzt Männer 2.801 bis 3.528 mg, Frauen 2.228 bis 3.286 mg – Werte, die die Zufuhr um etwa 10 % unterschätzen. Hinweis: Bewertung einer Behörde, keine eigene Studie. Die Werte der Verzehrstudie habe ich nur hier gelesen, nicht im Bericht der Studie selbst.
11Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2016). Ausgewählte Fragen und Antworten zu Kalium. Dezember 2016. dge.de In der Erhebung DEGS1 des Robert Koch-Instituts wurde die Kaliumausscheidung im Urin bestimmt und, mit einem Umrechnungsfaktor korrigiert, die Zufuhr geschätzt: Frauen von 18 bis 79 Jahren ca. 3.900 mg am Tag, Männer ca. 4.300 mg. Die Messung über den Urin liefere genauere Ergebnisse als Verzehrerhebungen, die auf Selbstauskünften beruhen. Reich an Kalium sind unter anderem einige Mehlsorten (Dinkel-, Roggen-, Buchweizenvollkornmehl). Der Zusammenhang mit einem geringeren Schlaganfallrisiko ist bei 3.500 bis 4.700 mg am Tag am stärksten. Kaliumhaltige Mono-Präparate sollen nur unter ärztlicher Aufsicht genommen werden, weil darüber in kurzer Zeit sehr hohe Mengen zugeführt werden können. Hinweis: Information einer Fachgesellschaft, keine eigene Studie. Ob die Zufuhrwerte Mittelwerte oder Mediane sind, sagt das Papier nicht; das BfR nennt aus Spontanurin derselben Erhebung niedrigere Werte (Beleg 10).
12Baker LB, Barnes KA, Anderson ML, Passe DH, Stofan JR (2016). Normative data for regional sweat sodium concentration and whole-body sweating rate in athletes. Journal of Sports Sciences 34(4):358–368. DOI 10.1080/02640414.2015.1055291 · PMID 26070030 Rückblickende Auswertung von Messungen bei 506 Sportlern (367 Erwachsene, 139 Jugendliche; 404 Männer, 102 Frauen) aus Football, Baseball, Basketball, Fußball, Tennis und Ausdauersport, bei 15 bis 50 °C. Natrium im Schweiß am Unterarm 43,6 mmol/l (12,6 bis 104,8), für den ganzen Körper geschätzt 35,9 mmol/l (18,2 bis 70,8) – rund 825 mg je Liter, Spanne rund 420 bis 1.630 mg (von mir umgerechnet). Schweißrate 1,21 l je Stunde (0,26 bis 5,73). Einschränkung: Der Wert für den ganzen Körper ist aus dem Unterarm hochgerechnet, nicht gemessen; rückblickend. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung. Vier der fünf Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie am Gatorade Sports Science Institute, das zum Hersteller PepsiCo gehört (Beleg 28) – ein möglicher Interessenkonflikt; eine Erklärung dazu habe ich nicht gelesen.
13American College of Sports Medicine; Sawka MN, Burke LM, Eichner ER, Maughan RJ, Montain SJ, Stachenfeld NS (2007). American College of Sports Medicine position stand. Exercise and fluid replacement. Medicine & Science in Sports & Exercise 39(2):377–390. DOI 10.1249/mss.0b013e31802ca597 · PMID 17277604 Positionspapier eines Fachverbands für Sportmedizin. Ziel des Trinkens beim Sport: einen Wasserverlust von mehr als 2 % des Körpergewichts und starke Verschiebungen der Elektrolyte vermeiden, damit die Leistung nicht leidet. Weil Schweißrate und Salzgehalt von Mensch zu Mensch sehr verschieden sind, werden eigene Trinkpläne empfohlen; die Schweißrate lässt sich durch Wiegen vor und nach dem Sport schätzen. Getränke mit Elektrolyten und Kohlenhydraten können „unter bestimmten Umständen“ Vorteile gegenüber Wasser bringen. Nach dem Sport sollen Flüssigkeits- und Elektrolytverluste ausgeglichen werden. Hinweis: Positionspapier von 2007, vor dem Konsens zum Trinken nach Durst (Beleg 6); gelesen nur an der Kurzfassung, die vollständige Fassung war nicht abrufbar. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft; Mitautor Ronald Maughan nannte 2015 Geld aus der Getränkeindustrie (Beleg 6).
14Schwellnus MP, Drew N, Collins M (2011). Increased running speed and previous cramps rather than dehydration or serum sodium changes predict exercise-associated muscle cramping: a prospective cohort study in 210 Ironman triathletes. British Journal of Sports Medicine 45(8):650–656. DOI 10.1136/bjsm.2010.078535 · PMID 21148567 210 Ironman-Triathleten, beobachtet von vor bis nach dem Rennen: Fragebogen, Blut und Gewicht vor und nach dem Rennen; 43 mit Krampf, 166 ohne – zusammen 209, die Abweichung erklärt die Kurzfassung nicht. Kein gesicherter Unterschied bei den Salzen im Blut und bei der Gewichtsänderung. Als einzige unabhängige Risikofaktoren blieben eine schnellere Zeit, vor allem auf dem Rad, und Krämpfe in den letzten zehn Rennen. Einschränkung: Krämpfe selbst berichtet, Blut nicht im Moment des Krampfs; „kein Zusammenhang gefunden“ ist nicht dasselbe wie „Ursache widerlegt“. Geldgeber laut Arbeit unter anderem Discovery Health, eine südafrikanische Krankenversicherung, der South African Medical Research Council und die Universität Kapstadt; Interessenkonflikte laut Arbeit keine.
15Costa LDS, Correa VAF, de Oliveira VF, Jahn AJS, Aliano GB, Nunes GS (2026). Risk Factors for Exercise-Associated Muscle Cramps: A Systematic Review With Meta-Analysis. Muscle & Nerve 74(5):1375–1386. DOI 10.1002/mus.70389 · PMID 42693659 · PMC13644889 Systematische Übersicht mit Auswertung, vorab angemeldet, Suche bis 01.04.2026: 9 Studien, die Sportler über die Zeit beobachteten, mit 11.274 Teilnehmern, 3.085 davon mit Krampf – Triathleten, Langstreckenläufer, Rugbyspieler, meist Männer zwischen 18 und 45. Frühere Krämpfe hingen deutlich mit neuen zusammen (Odds Ratio 4,49; 2,78 bis 7,23). Kalium nach dem Rennen lag bei Krampfenden etwas höher (standardisierter Unterschied 0,22; 0,18 bis 0,26), Magnesium ebenfalls (0,59; 0,07 bis 1,11; wenige Daten). Natrium im Blut (−0,30; −0,67 bis 0,07), Gewichtsänderung und Zielzeit hingen nicht gesichert damit zusammen. Die Arbeit untersuchte Risikofaktoren, nicht Vorbeugung; die Autoren warnen, die Befunde nicht so zu lesen, als spielten Elektrolyte oder Wasserhaushalt keine Rolle, und verweisen darauf, dass andere Arbeiten keinen beständigen Nutzen von Elektrolytgaben zeigen. Bei Natrium und Gewichtsänderung streuten die Einzelstudien stark. Einschränkung: 5 der 9 Studien mit hohem Verzerrungsrisiko, Störfaktoren kaum berücksichtigt, viele Einzelauswertungen mit nur zwei Studien. Geldgeber laut Arbeit keine; Interessenkonflikte laut Arbeit keine.
16Garrison SR, Korownyk CS, Kolber MR, Allan GM, Musini VM, Sekhon RK, Dugré N (2020). Magnesium for skeletal muscle cramps. Cochrane Database of Systematic Reviews 9:CD009402. DOI 10.1002/14651858.CD009402.pub3 · PMID 32956536 · PMC8094171 Systematische Übersicht mit Auswertung im Cochrane-Netzwerk, nur ausgeloste Studien, Suche bis 9.9.2019: 11 Studien mit 735 Teilnehmern. Bei Krämpfen ohne erkennbare Ursache – meist Ältere (im Mittel 61,6 bis 69,3 Jahre) mit vermutlich nächtlichen Wadenkrämpfen – kein gesicherter Unterschied zum Scheinmittel: 0,18 Krämpfe pro Woche weniger (−0,84 bis 0,49; 5 Studien), der Anteil mit mindestens 25 % weniger Krämpfen gleich (relatives Risiko 1,04); Vertrauen in diese Belege moderat bis hoch. Schwangerschaft (5 Studien, alle mit hohem Verzerrungsrisiko): widersprüchlich, nicht zusammenrechenbar. Keine solche Studie zu Krämpfen beim Sport oder bei Krankheiten wie der Nervenkrankheit ALS, außer einer kleinen Studie bei Leberzirrhose ohne klares Ergebnis. Nebenwirkungen meist Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall: bei 11 % (Scheinmittel 10 %) bis 37 % (14 %) der Teilnehmer; schwere Nebenwirkungen nicht häufiger als mit Scheinmittel. Laut der Laienzusammenfassung bezahlte in zwei der eingeschlossenen Studien ein Hersteller von Magnesiumtabletten. Einschränkung: kleine Studien, zur Schwangerschaft mit hohem Verzerrungsrisiko. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Erklärungen der Autoren zu Interessenkonflikten nicht geprüft (nur Kurzfassung abrufbar).
17Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Natrium, Chlorid, Kalium. Stand der Ableitung 2016, veröffentlicht im Januar 2017. dge.de Natrium · Chlorid · Kalium · Mitteilung 01/2017 Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr bei Erwachsenen: Natrium 1.500 mg, Chlorid 2.300 mg, Kalium 4.000 mg am Tag, Stillende 4.400 mg Kalium; die Werte gelten seit 2017 „nicht mehr für eine minimale, sondern für eine angemessene Zufuhr“. Viel Natrium enthalten verarbeitete Lebensmittel wie Brot, Käse, Wurstwaren und Fischkonserven. Reich an Kalium sind zum Beispiel Aprikosen, Bananen, Karotten, Kohlrabi und Tomaten, außerdem Nüsse und Mehle wie Dinkel- und Roggenmehl (in den Fragen und Antworten auch Buchweizenvollkornmehl, Beleg 11). Kaliummangel kann durch Erbrechen, Abführmittel, harntreibende Medikamente und anhaltenden Durchfall entstehen. Eine kaliumreiche Ernährung kann bei Bluthochdruck den Blutdruck senken. Hinweis: Referenzwerte einer Fachgesellschaft, keine eigene Studie. Die tatsächliche Zufuhr in Deutschland nennen die Seiten nicht (dazu Belege 8 und 10).
18Strohm D, Ellinger S, Leschik-Bonnet E, Maretzke F, Heseker H (2017). Revised Reference Values for Potassium Intake. Annals of Nutrition and Metabolism 71(1–2):118–124. DOI 10.1159/000479705 · PMID 28803230 · PMC5639605 Herleitung der Referenzwerte für Kalium der Fachgesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Schätzwert für Erwachsene, 4.000 mg am Tag, beruht auf der Kaliumausscheidung im 24-Stunden-Urin und auf der Vorbeugung von Bluthochdruck und Schlaganfall. „The consumption of potassium-rich foods should be generally increased. Supplemental intake beyond the estimated values has no health benefit and is therefore not recommended.“ Hinweis: Herleitung von Referenzwerten, keine eigene Studie; gelesen an der Kurzfassung. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
19Neal B, Wu Y, Feng X et al. (2021). Effect of Salt Substitution on Cardiovascular Events and Death. New England Journal of Medicine 385(12):1067–1077. DOI 10.1056/NEJMoa2105675 · PMID 34459569 · ClinicalTrials.gov NCT02092090 Offene Studie, ausgelost nach Dörfern: 600 Dörfer im ländlichen China, 20.995 Teilnehmer nach einem Schlaganfall oder ab 60 Jahren mit hohem Blutdruck, im Mittel 65,4 Jahre, 49,5 % Frauen, 72,6 % mit Schlaganfall, 88,4 % mit hohem Blutdruck. Salzersatz aus 75 % Kochsalz und 25 % Kaliumchlorid oder normales Salz, im Mittel 4,74 Jahre beobachtet. Schlaganfälle 29,14 gegen 33,65 je 1.000 Personenjahre (Ratenverhältnis 0,86; 0,77 bis 0,96), schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse 0,87 (0,80 bis 0,94), Todesfälle 0,88 (0,82 bis 0,95). Schwere Zwischenfälle durch zu viel Kalium im Blut 3,35 gegen 3,30 je 1.000 Personenjahre (1,04; 0,80 bis 1,37) – nicht gesichert häufiger. Einschränkung: nicht verblindet; Menschen mit hohem Risiko, die zu Hause kochen; Ausschlüsse siehe Beleg 20. Geldgeber laut Arbeit der National Health and Medical Research Council, Australien; Interessenkonflikte und Hersteller des Salzersatzes nicht geprüft.
20Li KC, Tian M, Neal B et al. (2021). Protocol for the economic evaluation of the China Salt Substitute and Stroke Study (SSaSS). BMJ Open 11(7):e045929. DOI 10.1136/bmjopen-2020-045929 · PMID 34285006 · PMC8292808 Protokoll derselben Studiengruppe zur Wirtschaftlichkeit der Salzersatz-Studie (Beleg 19). Nicht teilnehmen durfte, wer selbst oder in der Familie kaliumsparende Entwässerungsmittel oder Kaliumpräparate nahm oder ein schweres Nierenleiden hatte, wer andere Bedenken gegen Salzersatz hatte, wer meist außer Haus aß und wer voraussichtlich keine sechs Monate mehr lebte. Eingeschlossen wurden Menschen nach einem Schlaganfall oder ab 60 Jahren mit nicht ausreichend eingestelltem Blutdruck. In den Dörfern mit Salzersatz bekam die ganze Familie ihn kostenlos, als Ersatz für alles Salz zu Hause. Hinweis: Studienprotokoll, keine Ergebnisse. Die Ausschlüsse habe ich hier gelesen, nicht in der Hauptarbeit selbst. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
21Armstrong LE, Soto JA, Hacker FT, Casa DJ, Kavouras SA, Maresh CM (1998). Urinary indices during dehydration, exercise, and rehydration. International Journal of Sport Nutrition 8(4):345–355. DOI 10.1123/ijsn.8.4.345 · PMID 9841955 9 hochtrainierte Männer über 42 Stunden: Entwässerung um 3,7 % des Körpergewichts, Radfahren bis zur Erschöpfung (insgesamt 5,2 %), danach 21 Stunden Trinken zum Auffüllen. Die Urinfarbe folgte den Änderungen des Körperwassers so gut wie oder besser als Konzentration und Dichte des Urins, Urinmenge und Blutwerte; die Autoren halten Farbe, Konzentration und Dichte des Urins für gültige Anzeiger. Einschränkung: 9 Männer, ein extremes Protokoll. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
22Barnes KA, Anderson ML, Stofan JR et al. (2019). Normative data for sweating rate, sweat sodium concentration, and sweat sodium loss in athletes: An update and analysis by sport. Journal of Sports Sciences 37(20):2356–2366. DOI 10.1080/02640414.2019.1633159 · PMID 31230518 Messungen bei 1.303 Sportlern aus den Jahren 2000 bis 2017, Natrium mit Saugpflastern gemessen und auf den ganzen Körper umgerechnet, die Schweißrate aus der Gewichtsänderung, berichtigt um Essen, Trinken und Toilettengänge. Schweiß je Stunde: American Football 1,51 l, Ausdauersport 1,28 l, Basketball 0,95 l, Fußball 0,94 l, Baseball 0,83 l. Natriumverlust je Stunde: Ausdauersport 51,7 mmol, rund 1,2 g; Fußball 34,6 mmol, rund 0,8 g (von mir umgerechnet). Einschränkung: rückblickend, Feldtests unter verschiedenen Bedingungen, vor allem Mannschafts- und Ausdauersportler aus den USA; keine Gruppe für Krafttraining. Alle neun Autoren arbeiten laut ihrer Anschrift in PubMed am Gatorade Sports Science Institute, die Daten stammen aus dessen eigenen Tests – ein möglicher Interessenkonflikt. Geldgeber und Erklärungen nicht geprüft, die vollständige Arbeit war nicht abrufbar.
23Aburto NJ, Ziolkovska A, Hooper L, Elliott P, Cappuccio FP, Meerpohl JJ (2013). Effect of lower sodium intake on health: systematic review and meta-analyses. BMJ 346:f1326. DOI 10.1136/bmj.f1326 · PMID 23558163 · PMC4816261 Systematische Übersicht mit Auswertungen, erstellt für eine Leitlinie der WHO. Ausgeloste Studien von mindestens 4 Wochen mit mindestens 40 mmol Unterschied beim Natrium, gemessen im 24-Stunden-Urin; zum Blutdruck bei Erwachsenen 5.508 Teilnehmer, die meisten Studien kürzer als 3 Monate. Weniger Natrium senkte den oberen Blutdruckwert um 3,39 mmHg (2,46 bis 4,31) und den unteren um 1,54 mmHg (0,98 bis 2,11); bei hohem Blutdruck oben um 4,06 (2,96 bis 5,15), ohne hohen Blutdruck um 1,38 (0,02 bis 2,74). Keine gesicherten Nachteile für Blutfette, Stresshormone oder Nierenfunktion. Für Sterblichkeit und Krankheiten gab es zu wenige ausgeloste Studien; in Beobachtungsstudien ging mehr Natrium mit mehr Schlaganfällen einher (relatives Risiko 1,24; 1,08 bis 1,43). Einschränkung: meist kurze Studien; zu Schlaganfällen nur Beobachtung, kein Beweis. Die Erstautorin arbeitete laut Angabe in der Studie bei der WHO; Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
24Aburto NJ, Hanson S, Gutierrez H, Hooper L, Elliott P, Cappuccio FP (2013). Effect of increased potassium intake on cardiovascular risk factors and disease: systematic review and meta-analyses. BMJ 346:f1378. DOI 10.1136/bmj.f1378 · PMID 23558164 · PMC4816263 Systematische Übersicht mit Auswertungen, erstellt für eine Leitlinie der WHO: 22 ausgeloste Studien mit 1.606 Teilnehmern, 4 Wochen bis 12 Monate, in fast allen gab es Kaliumpräparate (laut Arbeit 20 mit Präparaten, 1 mit Beratung und Tablette, 2 nur mit Beratung – zusammen 23 bei 22 genannten). Mehr Kalium senkte den oberen Blutdruckwert um 3,49 mmHg (1,82 bis 5,15) und den unteren um 1,96; bei hohem Blutdruck (16 Studien) oben um 5,32 (3,43 bis 7,20), ohne hohen Blutdruck (3 Studien) um 0,09 (−0,77 bis 0,95; nicht gesichert). In Beobachtungsstudien mit 127.038 Teilnehmern ging mehr Kalium mit weniger Schlaganfällen einher (relatives Risiko 0,76; 0,66 bis 0,89), nicht gesichert mit weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt. Menschen, deren Nieren Kalium schlecht ausscheiden, können durch mehr Kalium zu viel davon im Blut bekommen; sie waren nicht eingeschlossen. Einschränkung: kleine Studien, eine Verzerrung zugunsten kleiner Studien ist laut den Autoren möglich. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
25Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2016). Ausgewählte Fragen und Antworten zu Speisesalz. Stand März 2016. dge.de Steht auf einer Packung der Natriumgehalt, ergibt Natrium mal 2,54 den Salzgehalt. Der Orientierungswert von bis zu 6 g Speisesalz am Tag entspricht etwa einem Teelöffel. Den größten Beitrag zur Salzzufuhr leisten verarbeitete Lebensmittel der Gruppen Brot, Fleisch, Wurst und Käse. Hinweis: Information einer Fachgesellschaft, gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Den Faktor habe ich nachgerechnet: Molmasse Kochsalz 58,44 g ÷ Natrium 22,99 g = 2,54.
26Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2022). Ausgewählte Fragen und Antworten zu Magnesium (Januar 2022). dge.de Die Referenzwerte gelten als Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr, weil es kaum belastbare Studiendaten zum durchschnittlichen Bedarf und keinen geeigneten Laborwert für den Magnesiumstatus gibt: Männer ab 19 Jahren 350 mg, Frauen 300 mg am Tag. Beim Sport sind die Verluste über den Schweiß relativ gering. In einer systematischen Übersicht keine gesicherten Effekte auf nächtliche Muskelkrämpfe bei Älteren. Hinweis: Information einer Fachgesellschaft, keine eigene Studie; Stand Januar 2022. Mehr dazu auf meiner Seite zu Magnesium.
27Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Calcium. Stand der Ableitung 2013. dge.de Empfohlene Zufuhr für Erwachsene aller Altersgruppen: 1.000 mg Calcium am Tag – als Empfehlung, nicht als Schätzwert. Hinweis: Referenzwert einer Fachgesellschaft, keine eigene Studie.
28Baker LB (2017). Sweating Rate and Sweat Sodium Concentration in Athletes: A Review of Methodology and Intra/Interindividual Variability. Sports Medicine 47(Suppl 1):111–128. DOI 10.1007/s40279-017-0691-5 · PMID 28332116 · PMC5371639 Übersichtsarbeit einer Autorin. Schweißraten liegen meist bei etwa 0,5 bis 2,0 l je Stunde, über 3 l sind selten (etwa 2 % der Sportler). Natrium im Schweiß des ganzen Körpers etwa 10 bis 70 mmol/l; an Unterarm, Schulterblatt, Brust und Stirn liegen die Werte 25 bis 100 % höher. Von Tag zu Tag schwanken Schweißrate und Natrium um etwa 5 und 15 %. 8 bis 14 Tage mit viel (8 bis 9 g) oder wenig (1 bis 2 g) Natrium am Tag erhöhen oder senken das Natrium im Schweiß; Hitzegewöhnung senkt es. Empfehlung: Verluste grob als niedrig, mittel oder hoch einordnen, statt genaue Werte festzulegen. Hinweis: Übersicht ohne festes Suchverfahren. Das Heft bezahlte laut Arbeit das Gatorade Sports Science Institute; die Autorin ist dort angestellt, „a division of PepsiCo, Inc.“ – ein möglicher Interessenkonflikt. Der Herausgeber des Hefts erhielt Honorare des Instituts für ein Fachtreffen.
29Bundesinstitut für Risikobewertung (2021). Höchstmengenvorschläge für Natrium in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. bfr.bund.de Das BfR empfiehlt, Natrium nicht zu Ernährungszwecken in Nahrungsergänzungsmitteln zu verwenden. In Kohlenhydrat-Elektrolyt-Lösungen hält es Natrium zum Ausgleich nennenswerter Verluste für sinnvoll, etwa nach starkem Schwitzen bei intensiver Belastung; vorgeschlagen sind höchstens 1.150 mg und mindestens 460 mg je Liter. Natriumzufuhr in Deutschland nach der Nationalen Verzehrsstudie II, Median: Männer 2.940 bis 3.415 mg, Frauen 2.220 bis 2.460 mg am Tag. Hinweis: Bewertung einer Behörde, keine eigene Studie; das Dokument trägt kein eigenes Datum, die Zugriffsdaten darin stammen vom März 2021. Ob es zur Stellungnahme Nr. 009/2021 gehört, habe ich nicht geprüft.
30Patil S, Falkowski A, Venkataiah VS, Bhandi S, Licari FW, Patil AG (2026). The Role of Electrolytes in Muscle Pain Syndromes: A Systematic Review and Meta-Analysis With Implications for Temporomandibular Disorder. International Dental Journal 76(3):109488. DOI 10.1016/j.identj.2026.109488 · PMID 41812583 · PMC12994056 Systematische Übersicht mit Auswertung, Suche Januar 1995 bis August 2025: 13 Studien zu Elektrolyten – Salzen wie Natrium, Kalium und Magnesium – gegen Krämpfe oder Muskelschmerzen, davon 10 ausgeloste zu Magnesium. Getränke mit Salzen prüften drei Studien: zwei im Labor an Krämpfen, die per Stromreiz ausgelöst wurden – ein Getränk mit 840 mg Natrium, 320 mg Kalium und 5 mg Magnesium bei 9 jungen Erwachsenen, die zu Krämpfen neigten (Earp und Kollegen 2019, PMID 31350753, DOI 10.1002/mus.26650; Krämpfe ließen sich etwas schwerer auslösen, verhindert wurden sie bei niemandem), und eine Trinklösung beim Sport in der Hitze –, dazu Gurkenwasser bei Leberzirrhose. Fazit der Kurzfassung: Lösungen mit Natrium senkten die Krampfneigung bei Sport und Leberzirrhose, für Calcium und Kalium fehlten stützende Belege. Nächtliche oder anhaltende Wadenkrämpfe Erwachsener (4 Studien, rund 400 Teilnehmer): kein gesicherter Effekt von Magnesium. Eine Studie zu Magnesium allein gegen Krämpfe beim Sport enthält die Arbeit nicht. Einschränkung: Die Arbeit zielt auf Beschwerden der Kaumuskulatur und erschien in einer zahnmedizinischen Zeitschrift; das Verzerrungsrisiko der Studien schätzen die Autoren als gering bis mittel ein. Sie gibt mindestens eine eingeschlossene Studie anders wieder als diese selbst. Laut Arbeit keine Förderung; Interessenkonflikte nicht geprüft.
31EU-Lebensmittelbehörde EFSA, Gremium für Ernährung (2019). Dietary reference values for sodium. EFSA Journal 17(9):e05778. DOI 10.2903/j.efsa.2019.5778 · PMID 32626425 · PMC7009309 Für einen Durchschnittsbedarf reichen die Daten nicht. 2,0 g Natrium am Tag gelten für Erwachsene, auch Schwangere und Stillende, als sicher und ausreichend: Bei dieser Menge ist das Herz-Kreislauf-Risiko verringert, und die meisten halten ihren Natriumhaushalt im Gleichgewicht. Natrium im Schweiß schwankt stark, berichtet sind 10 bis 180 mmol/l (0,23 bis 4,20 g je Liter; nachgerechnet sind 180 mmol rund 4,1 g); bei mäßiger Temperatur und Belastung sind die Verluste klein, bei Sport und Hitze deutlich höher, Hitzegewöhnung senkt sie. Studien mit besonderer Belastung, etwa bei Sportlern und Soldaten, und unter extremen Bedingungen hat das Gremium bei der Bewertung ausgeschlossen. In Europa liefern vor allem Brot, Fleisch und Fleischwaren, Käse und Milchprodukte Natrium; der Anteil des Salzes, das beim Kochen oder bei Tisch dazukommt, reicht in Studien von 10 % in Dänemark bis über ein Drittel in Italien, mit großer Unsicherheit. Hinweis: Bewertung einer Behörde, gelesen an Kurzfassung und vollständigem Text. Erklärungen der Gremiumsmitglieder zu Interessenkonflikten habe ich nicht gelesen.
32EU-Lebensmittelbehörde EFSA, Gremium für Ernährung (2016). Dietary reference values for potassium. EFSA Journal 14(10):4592. efsa.europa.eu 3.500 mg Kalium am Tag gelten für Erwachsene als angemessene Zufuhr, abgeleitet aus den Zusammenhängen zwischen Kalium, Blutdruck und Schlaganfall; unter 3.500 mg am Tag ging die Zufuhr mit einem höheren Schlaganfallrisiko einher. Hinweis: Bewertung einer Behörde, gelesen an der Zusammenfassung auf der Seite der EFSA; eine DOI zeigt die Seite nicht an.
33Freire R, Schott KD, Butterick B et al. (2025). A 3D color model reports urine color similarly to a printed color chart with similar accuracy to determine a low vs. high urine concentration. Performance Nutrition 1(1):8. DOI 10.1186/s44410-025-00009-3 · PMID 40980203 · PMC12447702 61 Waldbrand-Feuerwehrleute und 22 Freizeitsportler meldeten sich (an anderer Stelle nennt die Arbeit 85 Teilnehmer); ausgewertet 73 (12 % Frauen, um 27 Jahre), die zwei Tage lang ihren Urin sammelten. Ob die Urinkonzentration niedrig oder hoch war, erkannte eine gedruckte Farbtafel für die jeweilige Einzelprobe gut (Fläche unter der Kurve morgens 0,84, nachmittags 0,91), für den ganzen Tag dagegen schwach bis mäßig (morgens 0,62, nachmittags 0,78). Einschränkung: wenige Frauen, überwiegend Feuerwehrleute. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
34Miller KC, Mack GW, Knight KL, Hopkins JT, Draper DO, Fields PJ, Hunter I (2010). Reflex inhibition of electrically induced muscle cramps in hypohydrated humans. Medicine & Science in Sports & Exercise 42(5):953–961. DOI 10.1249/MSS.0b013e3181c0647e · PMID 19997012 Junge Männer, vorher um etwa 3 % ihres Gewichts entwässert; an zwei Tagen wurde per Stromreiz ein Krampf im kurzen Großzehenbeuger ausgelöst, danach tranken sie 1 ml je kg Gurkenwasser oder Wasser. Mit Gurkenwasser dauerte der Krampf 84,6 statt 133,7 Sekunden, rund 49 Sekunden kürzer; die Blutwerte hatten sich 5 Minuten danach kaum verändert. Die Autoren vermuten einen Reflex, der im Mund- und Rachenraum ausgelöst wird. Einschränkung: künstlich ausgelöster Krampf eines kleinen Fußmuskels, nicht ein Krampf beim Sport; nur Männer; den Geschmack konnte man nicht verbergen; die Teilnehmerzahl habe ich nicht geprüft (nur Kurzfassung). Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
35Weltgesundheitsorganisation WHO (2026). Sodium reduction. Faktenblatt vom 11.05.2026. who.int Die WHO empfiehlt Erwachsenen weniger als 2.000 mg Natrium am Tag, entsprechend weniger als 5 g Salz, knapp einen Teelöffel. 2021 lag die weltweite mittlere Zufuhr bei 4.278 mg Natrium, rund 11 g Salz. Wer Speisesalz verwendet, dem schlägt die WHO vor, es durch natriumärmeren Salzersatz mit Kalium zu ersetzen. Hinweis: Faktenblatt einer Behörde, keine eigene Studie. Für wen Salzersatz nicht geeignet ist, nennt das Faktenblatt nicht; die Leitlinie der WHO zum Salzersatz von 2025 habe ich nicht gelesen.
Was auf dieser Seite fehlt – und warum Trinklösungen aus der Apotheke bei Durchfall oder Erbrechen, Infusionen, Elektrolyte bei Kindern, in Schwangerschaft und Stillzeit und bei Erkrankungen von Nieren, Herz oder Hormonsystem behandelt diese Seite nicht; Magnesium steht ausführlich auf meiner Seite zu Magnesium, Calcium für die Knochen gar nicht. Messungen zum Schweiß bei Krafttraining und Kursen im Studio habe ich nicht gefunden – alle Werte stammen aus Ausdauer- und Mannschaftssport oder aus dem Labor, die großen Messsammlungen von einem Institut eines Sportgetränkeherstellers. Wie viel Kalium einzelne Lebensmittel enthalten, steht hier nicht, weil ich die Nährwertdatenbanken dazu nicht selbst einsehen konnte. Die Leitlinien der WHO zu Natrium, Kalium und Salzersatz habe ich nicht im Wortlaut gelesen, nur ihr Faktenblatt. Ob ein bestimmtes Pulver oder Getränk enthält, was auf der Packung steht, kann ich nicht sagen. Geldgeber und Interessenkonflikte stehen meist nur in der vollständigen Arbeit; wo ich sie nicht selbst gelesen habe – meist, weil nur die Kurzfassung frei zugänglich war –, steht „nicht geprüft“. Lieber eine ehrliche Lücke als eine Angabe, für die niemand geradesteht.
Zum Schluss, in eigener Sache Ich bin Personal Trainer, kein Arzt. Ich behandle nichts – ich trainiere um Beschwerden herum und Schritt für Schritt in mehr Belastbarkeit hinein. Wo ärztliche Freigabe nötig ist, fange ich ohne sie nicht an. Diese Seite erklärt, was Studien zeigen, und ersetzt keine ärztliche Beratung.