Der optimale Trainingstag beginnt nicht an der Hantel und endet nicht unter der Dusche. Was Du vor dem Krafttraining isst, wie Du Dich aufwärmst und wie Du in der Nacht davor geschlafen hast, bestimmt mit, was Du in der Einheit schaffst; wie nah Du in den Sätzen an Deine Grenze gehst, bestimmt mit, wie viel Muskel es Dir bringt. Kohlenhydrate vor oder während der Einheit brachten in einer Auswertung mehrerer Studien mehr Trainingsvolumen, also mehr Arbeit in derselben Einheit – gesichert bei Einheiten über 45 Minuten und wenn die letzte Mahlzeit mindestens acht Stunden zurücklag, gestützt allerdings auf jeweils nur fünf bis sechs Studien.1
Im Training gilt: nah ans Limit, aber nicht unbedingt ganz bis zum Versagen. Mit ein bis zwei Wiederholungen in Reserve – also ein, zwei sauberen Wiederholungen, bevor nichts mehr geht – wuchs der Muskel in einer Studie mit Trainierten genauso wie mit Training bis zum Muskelversagen.2 Danach zählt die Eiweißmenge über den ganzen Tag mehr als die oft genannte halbe Stunde direkt nach dem Training.3, 4 Und nachts: Erwachsene bis 60 Jahre sollten mindestens sieben Stunden schlafen.5 Nach einer Nacht mit höchstens sechs Stunden Schlaf – bis hin zu einer durchwachten – lag die körperliche Leistung in einer großen Auswertung im Mittel um 7,6 Prozent niedriger, bei der Kraft um knapp 3 Prozent.6
Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost
Neun Fragen, kurz beantwortet
Wenn Du nur zwei Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.
Der Trainingstag sieht morgens um sechs anders aus als abends um acht, mit 25 anders als mit 65. Such Dir die Karte, die am besten zu Dir passt – dann weißt Du, worauf Du besonders achten solltest. Passt keine, gilt für Dich einfach der Rest der Seite.
Nach mindestens acht Stunden ohne Essen brachten Kohlenhydrate vor oder während der Einheit in fünf kleinen Studien einer großen Auswertung mehr Trainingsvolumen, mit mittlerer Ergebnissicherheit.1 Für Dich lohnt sich etwas Leichtes mit Kohlenhydraten, das Dein Magen verträgt – je mehr harte Sätze auf dem Plan stehen, desto eher.
In einer Studie störten 400 Milligramm Koffein auf einmal den Schlaf auch dann noch, wenn sie sechs Stunden vor dem Zubettgehen genommen wurden.20 Für Dich heißt das: koffeinhaltige Trainingsbooster und größere Mengen Kaffee am Abend besser weglassen. Ob Eiweiß vor dem Schlafen zusätzlich hilft, steht in Kapitel 06.
Bei älteren Männern erreichte der Aufbau neuer Muskeleiweiße nach einer Portion Eiweiß sein Plateau erst bei rund 0,40 Gramm je Kilo Körpergewicht, bei jüngeren schon bei 0,24 – knapp nicht statistisch gesichert, der Unterschied könnte also auch Zufall sein.21 Achte bei jeder Hauptmahlzeit auf eine ordentliche Portion Eiweiß. Eine Extraportion von 40 Gramm direkt nach dem Training oder vor dem Schlafen brachte älteren, bisher untrainierten Männern in einer kleinen Studie keinen zusätzlichen Vorteil – sie aßen allerdings schon mindestens 1 Gramm Eiweiß je Kilo am Tag.22
Jeder weitere Satz pro Woche brachte in einer großen Auswertung etwas weniger dazu als der vorige,13 und unter einer Minute Pause wuchs der Muskel in einer anderen Auswertung etwas weniger.23 Mein Schluss daraus: Kürze lieber die Zahl der Sätze als die Pausen. Direkt verglichen hat das keine Studie.
Leichte und schwere Gewichte bauten ähnlich viel Muskel auf, wenn die Sätze bis zum Versagen gingen; die Kraft stieg aber mit schweren und mittleren stärker.24 Und für die Kraft half es, eine Übung öfter pro Woche zu trainieren.13 Für Dich zählen also Gewicht und Übung – nicht nur die Menge.
Nah ans Limit zu trainieren ist anstrengend, und auch die Sauna lässt den Puls steigen.17 Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Gelenken oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, wie hart Du trainieren darfst und ob die Sauna für Dich passt.
Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Die großen Hebel sind Anstrengung im Satz, Trainingsmenge und Schlaf – Timing ist der kleine.
Vor dem Training zählen drei Fragen: Reicht die Energie für die Einheit, bleibt der Magen ruhig, und wie fit bist Du heute? Für eine normale Einheit nach einem normalen Tag musst Du wenig planen.
In einer Auswertung von 21 Studien trainierten dieselben Menschen einmal mit und einmal ohne Kohlenhydrate. Mit Kohlenhydraten vor oder während des Krafttrainings schafften sie im Mittel mehr Trainingsvolumen – vereinfacht: mehr Arbeit in derselben Einheit. Gesichert war der Vorteil bei Einheiten über 45 Minuten und nach mindestens acht Stunden ohne Essen, also typischerweise morgens nüchtern. Je mehr Sätze bis zur Erschöpfung auf dem Plan standen, desto größer war er; die Menge der Kohlenhydrate und das Gewicht an der Hantel spielten keine erkennbare Rolle. Bei kürzeren Einheiten und nach kürzerem Fasten war kein Vorteil gesichert. Die Grundlage ist schmaler, als die Zahl 21 vermuten lässt: Das Trainingsvolumen floss nur aus 12 Studien ein, die beiden Untergruppen beruhen auf sechs und fünf Studien, und meist wurden nur die Beine trainiert. Die Autoren stufen die Ergebnissicherheit als niedrig ein, nach acht Stunden ohne Essen als mittel.1
Eine zweite Übersicht passt dazu: Wer vorher gegessen hatte und in der Einheit bis zu zehn Sätze pro Muskelgruppe trainierte, profitierte in der Regel nicht von zusätzlichen Kohlenhydraten. Von 19 Studien, die Kohlenhydrate kurz vor oder während des Trainings prüften, fanden 13 keinen Vorteil und 6 einen – vor allem gegenüber nüchternen Vergleichsgruppen und bei Einheiten mit mehr als zehn Sätzen pro Muskelgruppe. Die Ergebnisse wurden ausgezählt, nicht gemeinsam berechnet. Die Veröffentlichung bezahlte eine Stiftung, bei der drei der vier Autoren arbeiten; der Erstautor bietet laut eigener Website Coaching und eine Trainerausbildung an – ein möglicher Interessenkonflikt.7
Und wann? Ein gemeinsames Positionspapier dreier Fachgesellschaften für Ernährung und Sportmedizin zieht seine Grenze bei einer Stunde, nicht bei den 45 Minuten der Auswertung oben: Für Einheiten darüber nennt es 1 bis 4 Gramm Kohlenhydrate je Kilo Körpergewicht in den 1 bis 4 Stunden davor.27 Je näher am Training, desto kleiner und leichter sollte die Portion sein – das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
Eine gewohnte Mahlzeit mit Kohlenhydraten ist die einfachste Vorbereitung. Für Einheiten über eine Stunde nennt das Positionspapier 1 bis 4 Gramm Kohlenhydrate je Kilo Körpergewicht in diesem Zeitraum.27
Hast Du über den Tag zu wenig getrunken, ist jetzt der Moment: Ein Positionspapier zum Trinken im Sport rät, mindestens einige Stunden vorher damit anzufangen – dann kann der Körper das Wasser aufnehmen und Überschüssiges wieder ausscheiden, bevor es losgeht.28
Liegt die letzte Mahlzeit lange zurück, etwa morgens nach der Nacht, hilft ein kleiner Snack mit Kohlenhydraten.1 Je kürzer der Abstand, desto wichtiger: wenig Ballaststoffe, wenig Fett, etwas, das Du kennst.8
Wie hast Du geschlafen, wie fühlst Du Dich, tut etwas weh? Nach kurzen Nächten sank die Leistung in Studien messbar, vor allem nach einer durchwachten Nacht oder sehr frühem Aufstehen.6 An solchen Tagen plan lieber etwas weniger Gewicht oder einen Satz weniger ein – das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
Ein paar Sätze an der Übung selbst, mit steigendem Gewicht – so halte ich es; schwere Aufwärmsätze steigerten in Studien zum Oberkörper Kraft und Schnellkraft.10 Was Dehnen davor bewirkt, steht in Kapitel 04.
Wie gut jemand etwas kurz vor dem Sport verträgt, ist sehr verschieden. In einer Übersicht hingen vor allem Ballaststoffe, Fett, Eiweiß und Fruchtzucker mit Magen-Darm-Beschwerden beim Sport zusammen – die Daten stammen allerdings überwiegend aus dem Ausdauersport.8 Wie viel Ballaststoffe und Fett in gängigen Kohlenhydratquellen stecken, zeigt die Tabelle – Eiweiß und Fruchtzucker zeigt sie nicht.
| Je 100 g | Kohlenhydrate | davon Ballaststoffe | Fett |
|---|---|---|---|
| Weißer Reis, gekocht | 28,2 g | 0,4 g | 0,28 g |
| Kartoffel, gekocht | 20,1 g | 1,8 g | 0,10 g |
| Banane | 22,8 g | 2,6 g | 0,33 g |
| Haferflocken, trocken | 67,7 g | 10,1 g | 6,52 g |
| Linsen, gekocht | 20,1 g | 7,9 g | 0,38 g |
gemessen Laborwerte der US-Nährwertdatenbank, keine eigenen Messungen: weißer Langkornreis ohne Zusätze und Kartoffeln in der Schale gekocht, Haferflocken trocken gewogen.9 In dieser Datenbank zählen die Ballaststoffe zu den Kohlenhydraten; auf deutschen Packungen stehen sie getrennt.
gerechnet Von mir aus den Werten der US-Nährwertdatenbank gerechnet; eine mittelgroße Banane wiegt dort 118 Gramm.9 50 Gramm verwertbare Kohlenhydrate sind eine kleine Mahlzeit – die Menge dient hier nur dem Vergleich.
Heißt das: keine Haferflocken vor dem Training? Nicht unbedingt. In einer sehr kleinen Studie aßen Frauen 45 Minuten vor einer langen Radeinheit gesüßte Haferflocken – und hielten danach im Mittel gut 40 Minuten länger durch als nur mit Wasser, bei Fahrzeiten von rund vier Stunden.29 Das war Ausdauer bei mäßigem Tempo, kein Krafttraining. Wer Haferflocken gut verträgt, kann sie essen; wer kurz vorher einen empfindlichen Magen hat, greift eher zu etwas mit wenig Ballaststoffen und Fett, etwa Reis.
Im Training entscheidet sich, ob der Muskel einen Auftrag bekommt: wie nah Du in den Sätzen an Deine Grenze gehst, wie viele Sätze Du machst und wie lange Du dazwischen pausierst. Bei der Zahl der Wiederholungen hast Du mehr Spielraum, als viele denken.
In einer Übersicht über Studien zum Aufwärmen des Oberkörpers steigerte ein Aufwärmen mit hoher Last – also Sätze an der Übung, die schon spürbar schwer sind – Kraft und Schnellkraft; passives Aufwärmen, etwa durch Wärme von außen, brachte kaum etwas. Ob Aufwärmen Verletzungen verhindert, hat keine der Studien untersucht, und ob das alles für Beinübungen genauso gilt, auch nicht.10 Für mich sind deshalb ein paar Sätze an der ersten Übung der Kern, mit steigendem Gewicht. Ein paar lockere Minuten auf Rad oder Laufband zum Ankommen schaden nicht – das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
Und Dehnen? In einer großen Übersicht sank die Leistung wenige Minuten nach statischem Dehnen – also Dehnungen, die gehalten werden – im Mittel um 3,7 Prozent; mit einer Minute oder mehr je Muskel um 4,6, mit weniger als einer Minute nur um 1,1. Dynamisches Dehnen, also kontrollierte Bewegungen durch den ganzen Bewegungsumfang, verbesserte die Leistung leicht. Folgten auf das Dehnen noch Bewegungen wie Probesätze, war kein klarer Effekt mehr zu sehen. Beweglicher machte jede Form des Dehnens, meist für weniger als eine halbe Stunde. Auf Verletzungen insgesamt und auf Überlastungsverletzungen hatte statisches Dehnen keinen klaren Einfluss; die Autoren empfehlen Dehnen im Aufwärmen mit Bewegung danach trotzdem, um Muskelverletzungen vorzubeugen – worauf sich das stützt, erklärt ihre Kurzfassung nicht.25
Aufwärmen ist kein Ausdauertraining. In einer Studie machten Männer eine Ausdauereinheit, mit Intervallen oder gleichmäßig, und danach Krafttraining: Vier und acht Stunden später schafften sie an der Beinpresse insgesamt weniger Wiederholungen, nach 24 Stunden wieder so viele wie ohne Ausdauereinheit. Die Autoren sehen die Ermüdung auf die Muskeln begrenzt, die bei der Ausdauereinheit gearbeitet hatten.11 Wer an den Beinen Kraft aufbauen will, legt das Krafttraining deshalb besser vor die Ausdauereinheit oder auf einen anderen Tag – acht Stunden Abstand reichten in der Studie nicht. So lese ich die Studie.
Oft heißt es, für Muskelaufbau brauche es 8 bis 12 Wiederholungen. Feste Wiederholungsbereiche, auch für einzelne Muskeln, geben die Studien nicht her. In einer Auswertung von 28 Studien, in denen jeder Satz bis zum Versagen ging, brachten leichte Gewichte – unter 60 Prozent der Maximallast, also des Gewichts, das Du genau einmal schaffst, oder mehr als 15 Wiederholungen –, mittlere mit 9 bis 15 und schwere mit bis zu 8 Wiederholungen ähnliches Muskelwachstum. Die Kraft stieg mit schweren und mittleren Gewichten stärker. Die meisten Studien waren kurz, mit jungen, meist untrainierten Teilnehmern, und die Autoren stufen ihre Qualität überwiegend als gering ein.24 Wähl also ein Gewicht, mit dem Du sauber arbeiten und nah an Deine Grenze kommen kannst.
Wiederholungen in Reserve heißt: wie viele saubere Wiederholungen noch drin gewesen wären. In einer Reihe von Auswertungen wuchs der Muskel umso mehr, je näher die Sätze am Versagen endeten; für die Kraft spielte der Abstand kaum eine Rolle. Wie nah die Teilnehmer jeweils waren, haben die Forscher allerdings nachträglich geschätzt, und sie nennen ihre Auswertung selbst erkundend – ein erster Blick, kein Beweis.14
Bis ganz zum Versagen musst Du dafür nicht. In einer Auswertung von 15 Studien brachte Training bis zum Versagen weder gesichert mehr Kraft noch gesichert mehr Muskel als Training mit Wiederholungen in Reserve. Beim Muskel lag das Versagen im Mittel leicht vorn; gesichert war das nur bei Trainierten, gestützt auf zwei Studien.15 In einer Studie mit Trainierten wuchs der Oberschenkel mit ein bis zwei Wiederholungen in Reserve genauso wie mit Training bis zum Versagen – jedes Bein mit einer der beiden Methoden, acht Wochen lang. Die Reserve schätzten die Teilnehmer selbst ein, und drei der Autoren arbeiten laut eigener Erklärung als Coaches und Autoren in der Fitnessbranche – ein möglicher Interessenkonflikt.2 Ob ein bis zwei Wiederholungen Reserve wirklich gleich viel bringen, ist damit nicht entschieden – nah heran solltest Du in jedem Fall. Woran Du das merkst: Die Wiederholungen werden deutlich langsamer, die Technik hält aber noch. Am Anfang verschätzt man sich dabei leicht – das ist meine Erfahrung als Trainer, keine Studienregel.
Mehr Sätze pro Woche brachten in Auswertungen vieler Studien mehr Muskelwachstum. In einer älteren Auswertung ging jeder zusätzliche Wochensatz mit 0,37 Prozentpunkten mehr Zuwachs einher – zum Beispiel 5,37 statt 5 Prozent. Teilten die Forscher die Gruppen in unter fünf, fünf bis neun sowie zehn und mehr Sätze pro Muskel und Woche ein, zeigte sich nur ein Trend, kein statistisch gesicherter Unterschied.12 Eine neuere Auswertung von 67 Studien bestätigt die Richtung und zeigt die Form: Jeder weitere Satz bringt etwas weniger dazu als der vorige, bei der Kraft noch deutlicher als beim Muskel. Wie oft pro Woche ein Muskel trainiert wurde, machte fürs Wachstum womöglich kaum einen Unterschied; die Kraft stieg mit häufigerem Training. Auch diese Autoren nennen sich in einer frühen, noch nicht begutachteten Fassung ihrer Arbeit Coaches und Autoren in der Fitnessbranche – ein möglicher Interessenkonflikt.13
gerechnet Von mir gerechnet; die zehn Wochensätze sind ein Rechenbeispiel aus der älteren Auswertung, keine Schwelle.12, 13
In einer Auswertung von neun Studien wuchs der Muskel mit Pausen von über einer Minute etwas stärker als mit kürzeren. Über anderthalb Minuten hinaus war kein weiterer Unterschied erkennbar. Die Unterschiede waren klein, die Ergebnisse streuten stark, und ob bis zum Versagen trainiert wurde, änderte daran nichts. Ein Mitautor saß früher im Beirat eines Herstellers von Fitnessgeräten.23 Für den Muskelaufbau heißt das: mindestens eine Minute, gern anderthalb. Für schwere Grundübungen wie die Kniebeuge, bei denen es um Kraft geht, steht mehr auf meiner Seite zur Satzpause.
Oft gilt Muskelkater als Zeichen, dass das Training gewirkt hat. In einer Studie trainierten zwei Gruppen acht Wochen lang gleich viel auf einem Spezialrad, bei dem die Beine gegen die Pedale bremsen. Eine Gruppe stieg langsam ein und hatte kaum Muskelkater; die andere startete mit einer harten Einheit, ihr Blutwert für Muskelschäden lag mehr als fünfmal so hoch. Muskelquerschnitt und Kraft nahmen in beiden Gruppen gleich zu, die Kraft um 25 und 26 Prozent. Die Gruppen waren klein, und zwei der Autoren halten ein Patent auf das Trainingsgerät der Studie – ein möglicher Interessenkonflikt.30 In einer anderen kleinen Studie war der Aufbau neuer Muskeleiweiße in der ersten Trainingswoche am höchsten, als auch die Schäden im Muskel am größten waren – mit dem späteren Wachstum hing er da nicht zusammen, in Woche drei und zehn dagegen eng. Die Forscher deuten das so: In den ersten Trainingswochen fließt viel in die Reparatur.31
Nach dem Training geht es um Erholung – aber weniger um die Minuten direkt danach, als oft behauptet wird. Was über den Tag auf dem Teller landet, zählt mehr als die Uhrzeit.
Ein lockeres Auslaufen nach dem Training – Fachleute sagen Cool-down – ist beliebt, oft mit dem Gedanken, es baue Laktat ab und beuge Muskelkater vor. Eine Übersicht kommt zu einem nüchternen Ergebnis: Für die Leistung am selben oder nächsten Tag brachte es meist nichts, Verletzungen beugte es nicht vor, und Muskelkater verringerte es in den meisten Studien nicht. Herz und Atmung kann es schneller zur Ruhe bringen, und das Laktat, ein Stoffwechselprodukt der Belastung, verschwand damit schneller aus dem Blut – nicht unbedingt aus dem Muskel. Das Wiederauffüllen der Kohlenhydratspeicher im Muskel kann es sogar stören; die Anpassung ans Training bremste es nach ersten Daten aber nicht.32 Wenn es Dir guttut, lauf locker aus – Pflicht ist es nicht.
Was Du beim Training an Flüssigkeit verloren hast, ersetzt Du danach. Wie viel das ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch stark; abschätzen kannst Du es, indem Du Dich vor und nach dem Training wiegst.28
Die Idee eines engen Zeitfensters nach dem Training hält sich hartnäckig. In einer Auswertung von 23 Studien zum Muskelwachstum sah es zunächst so aus, als helfe Eiweiß rund ums Training; bei der Kraft zeigte sich schon da kein Unterschied. Wurden weitere Einflüsse berücksichtigt, darunter die gesamte Eiweißmenge, blieb auch beim Muskel kein Unterschied. Den stärksten Einfluss hatte die Gesamtmenge. Allerdings bekamen nur in drei der Studien beide Gruppen gleich viel Eiweiß; feste Schlüsse halten die Autoren deshalb für schwierig. Mitbezahlt hat diese Auswertung ein Hersteller von Eiweißpulver – ein möglicher Interessenkonflikt.3
Wie viel? In einer Auswertung von 49 Studien steigerte zusätzliches Eiweiß beim Krafttraining die Kraft und die fettfreie Masse, also vor allem Muskeln, Knochen und Wasser; oberhalb von rund 1,6 Gramm je Kilo Körpergewicht am Tag kam im Mittel kaum noch etwas dazu. Statistisch gesichert war dieser Knick nicht; wer auf Nummer sicher gehen will, dem raten die Autoren zu bis zu 2,2 Gramm. Der leitende Autor erhielt Geld aus der Milchwirtschaft, die auch ausgewertete Studien unterstützt hat – ein möglicher Interessenkonflikt.4
Verteilt auf den Tag empfiehlt eine Übersicht rund 0,4 Gramm Eiweiß je Kilo Körpergewicht pro Mahlzeit, auf mindestens vier Mahlzeiten; einer der Autoren sitzt im wissenschaftlichen Beirat eines Eiweißpulver-Herstellers.26 Ältere brauchen pro Mahlzeit womöglich mehr als Jüngere: Bei älteren Männern erreichte der Aufbau neuer Muskeleiweiße sein Plateau erst bei rund 0,40 Gramm je Kilo, bei jüngeren schon bei 0,24 – knapp nicht statistisch gesichert.21
gerechnet Von mir aus den Werten der Studien gerechnet, für ein Beispielgewicht von 80 Kilo.4, 26
Eilig wird das Auffüllen der Kohlenhydratspeicher erst, wenn die nächste fordernde Einheit in weniger als acht Stunden ansteht. Für diesen Fall nennt das Positionspapier aus Kapitel 03 1 bis 1,2 Gramm je Kilo Körpergewicht pro Stunde in den ersten vier Stunden.27 Wer erst am nächsten Tag wieder trainiert, füllt die Speicher mit seinen normalen Mahlzeiten – das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
Oft heißt es, Fett nach dem Training bremse die Regeneration. Belegt ist das nicht. In einer Studie aßen trainierte Ausdauersportler nach einer harten Einheit 24 Stunden lang reichlich Kohlenhydrate, einmal mit viel zusätzlichem Fett und Eiweiß: In diesen 24 Stunden lagerten die Muskeln gleich viele Kohlenhydrate ein.33 Und in einer Studie mit Krafttrainierten regten ganze Eier, also mit dem fetthaltigen Eigelb, nach dem Training den Aufbau neuer Muskeleiweiße stärker an als Eiklar mit gleich viel Eiweiß.34 Beide Studien sind klein; der Erstautor der Eier-Studie wurde laut seinem Labor von der Eierwirtschaft gefördert – ein möglicher Interessenkonflikt.
Zur Sauna nach dem Krafttraining habe ich nur wenige kleine Studien gefunden, alle mit Infrarotkabinen bei höchstens rund 50 Grad – deutlich weniger heiß als eine klassische finnische Sauna. In einer Studie mit Basketballspielern fiel nach einem Kraft- und Sprungtraining mit anschließend 20 Minuten Infrarotkabine die Sprunghöhe 14 Stunden später etwas weniger ab als nach passiver Erholung; Sprint und Beinkraft unterschieden sich nicht. Der selbst eingeschätzte Muskelkater war geringer und stieg auch weniger an, lag im Sauna-Durchgang allerdings schon vor dem Training niedriger; die Spieler fühlten sich besser erholt. Schlaf und Herzwerte in der Nacht unterschieden sich nicht. Eine Scheinbehandlung zum Vergleich gab es nicht; die Autoren halten Erwartungseffekte bei den Selbstauskünften für möglich.17 Über sechs Wochen mit dreimal zehn Minuten Infrarotkabine pro Woche nach dem Training wuchs der Muskel bei Sportlerinnen genauso wie ohne Kabine.16 In einer weiteren Studie machte eine Infrarotsauna nach einer Krafteinheit bei den Messungen kurz danach keinen Unterschied.35 Alle drei Studien hat derselbe Saunahersteller mitbezahlt – ein möglicher Interessenkonflikt. Für den Muskelaufbau ist die Infrarotkabine danach also eher egal – wenn sie Dir guttut, spricht nach diesen Studien nichts dagegen. Eine Studie zur klassischen heißen Sauna direkt nach dem Krafttraining habe ich nicht gefunden.
Was das Training anstößt, läuft in den Stunden und Tagen danach weiter. Der wichtigste Baustein der Nacht ist kein Präparat, sondern der Schlaf selbst.
Zwei US-Fachgesellschaften für Schlafmedizin und Schlafforschung empfehlen Erwachsenen von 18 bis 60 Jahren, regelmäßig mindestens sieben Stunden pro Nacht zu schlafen; über Ältere trifft die Empfehlung keine Aussage. Regelmäßig weniger hängt mit Gewichtszunahme, Diabetes, Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Depression zusammen, dazu mit schlechterer Leistung, mehr Fehlern und mehr Unfällen. Mehr als neun Stunden können für junge Erwachsene, nach Schlafmangel oder bei Krankheit angemessen sein. Die Empfehlung beruht auf einem Abstimmungsverfahren von Fachleuten, nicht auf einer einzelnen Studie, und mehrere der beteiligten Fachleute hatten Verbindungen zur Industrie.5
Was das fürs Training heißt, zeigt eine große Auswertung: Nach höchstens sechs Stunden Schlaf in 24 Stunden lag die körperliche Leistung im Mittel um 7,6 Prozent niedriger. Das ist der Schnitt über alle Testarten, von Schnellkraft über Ausdauer bis zur Geschicklichkeit. Bei der Kraft waren es knapp 3 Prozent, gesichert nur nach einer durchwachten Nacht und nur bei Beinübungen; die Kraft im Oberkörper blieb unbeeinflusst. Insgesamt zeigte sich der Rückgang verlässlich nach durchwachten Nächten und wenn früher als gewohnt aufgestanden wurde; dann sank die Leistung umso stärker, je länger die Teilnehmer vor dem Test wach waren, um rund 0,4 Prozent pro Stunde. Wer nur später einschlief und normal aufstand, schnitt nicht gesichert schlechter ab. Vormittags fiel der Verlust deutlich kleiner aus als ab der Mittagszeit; über Abendtraining sagt die Auswertung wenig, denn nur 8 von 227 Messungen lagen nach 18 Uhr. Fast neun von zehn Teilnehmern waren Männer, und die Studien streuten sehr stark. Wenn eine kurze Nacht nicht zu vermeiden ist, raten die Autoren, eher morgens zu trainieren.6
In einer Studie nahmen Erwachsene 400 Milligramm Koffein auf einmal, null, drei oder sechs Stunden vor dem Schlafengehen. Alle drei Zeitpunkte störten den Schlaf messbar stärker als ein Scheinpräparat – auch sechs Stunden vorher. Die Autoren raten deshalb, mindestens sechs Stunden vor dem Schlafen auf größere Mengen Koffein zu verzichten. Geprüft wurde nur diese eine Menge, mit einer kleinen Gruppe.20 Wer um 23 Uhr schläft, nimmt größere Mengen Koffein also spätestens um 17 Uhr (gerechnet: 23 minus 6) – nach dieser Studie besser früher.
Eiweiß vor dem Schlafen gilt manchen als Extra-Schub für den Muskel über Nacht. In einer Studie bekamen junge Männer nach abendlichem Krafttraining 30 Minuten vor dem Schlafen 40 Gramm Kasein, ein langsam verdauliches Milcheiweiß: Es wurde über Nacht verdaut und aufgenommen, und der Aufbau neuer Muskeleiweiße lag rund 22 Prozent höher als ohne – genau an der Grenze zur statistischen Sicherheit.36 Über zwölf Wochen wuchsen Kraft und Oberschenkelmuskel mit einem Eiweißgetränk jeden Abend stärker als mit einem Scheinpräparat ohne Kalorien; die Vergleichsgruppe bekam damit aber insgesamt weniger Eiweiß, und ein Hersteller von Lebensmittelzutaten hat die Studie mitbezahlt.37 Bei älteren Männern, die schon mindestens 1 Gramm Eiweiß je Kilo am Tag aßen, brachten 40 Gramm vor dem Schlafen oder nach dem Training gegenüber keinem Zusatz keinen Vorteil; die Gruppen waren klein, und mitbezahlt hat diese Studie unter anderem ein Eiweißpulver-Hersteller.22 Eiweiß am Abend kann helfen, die Tagesmenge zu erreichen – ein eigener Trick ist es nach diesen Studien nicht.
Magnesium gilt als Schlafhelfer. Belegt ist wenig: In einer Auswertung von drei kleinen Studien mit älteren Menschen mit Schlafstörungen schliefen sie mit Magnesium im Mittel rund 17 Minuten schneller ein als mit einem Scheinpräparat – diese Zahl stammt aus zwei der drei Studien. Die gesamte Schlafzeit stieg um 16 Minuten, statistisch nicht gesichert. Die Studien gaben 320 bis 729 Milligramm am Tag, und die Autoren stufen die Ergebnissicherheit als niedrig bis sehr niedrig ein.18 Für Nahrungsergänzungen empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung höchstens 250 Milligramm Magnesium am Tag – weniger, als in diesen Studien gegeben wurde –, zusätzlich zur normalen Ernährung und verteilt auf mindestens zwei Einnahmen; bei mehr kann es zu leichtem Durchfall kommen.19 Ob Magnesium abends besser wirkt als morgens, hat keine dieser Quellen untersucht.
Für Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl wird oft eine bestimmte Uhrzeit empfohlen, etwa abends. Wichtiger ist nach den Daten die Mahlzeit. In einer Laborstudie nahm der Körper die Omega-3-Fettsäure EPA aus Fischöl in seiner natürlichen Form, als Triglycerid, mit einer fettreichen Mahlzeit zu 90 statt 69 Prozent auf; bei der zweiten wichtigen Fettsäure, DHA, war der Unterschied nicht gesichert. Aus Ethylestern, einer chemisch umgewandelten Form, wurden beide mit der fettreichen Mahlzeit etwa dreimal so gut aufgenommen. Verglichen wurde allerdings mit früheren Messungen derselben Forscher mit einer fettarmen Mahlzeit, nicht im selben Versuch.38 Die Studie stammt aus den 1980er-Jahren, und der Erstautor arbeitete für ein Pharmaunternehmen. Mein Rat: Wenn Du Omega-3 nimmst, dann zur fettreichsten Mahlzeit des Tages – ob morgens, mittags oder abends. Wie viel sinnvoll ist, steht auf meiner Seite zu Omega-3.
Rund um Essen, Training, Erholung und Schlaf kursieren viele feste Regeln – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmen zwei, vier stimmen halb, vier stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht.
Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie offenlassen.
Alle drei Sauna-Studien hat ein Saunahersteller mitbezahlt.16, 17, 35 Eine Auswertung zum Eiweiß-Zeitpunkt und eine Studie zu Eiweiß vor dem Schlafen haben Eiweißpulver-Hersteller mitbezahlt, eine weitere ein Hersteller von Lebensmittelzutaten; der leitende Autor der großen Eiweiß-Auswertung erhielt Geld aus der Milchwirtschaft.3, 4, 22, 37 Zwei Autoren einer Muskelkater-Studie halten ein Patent auf das Trainingsgerät.30 Bei 25 Quellen dieser Seite ließen sich Geldgeber oder Interessenkonflikte nicht vollständig prüfen; das steht jeweils im Kapitel „Belegt“. Das macht keine Ergebnisse falsch – es ist aber ein Grund, sie nicht allein stehen zu lassen.
Die drei Studien dieser Seite zur Sauna nach dem Training arbeiteten mit Infrarotkabinen, eine zum Vergleich auch mit einer herkömmlichen Sauna, die aber ebenfalls nur auf höchstens rund 50 Grad geheizt war.16, 17, 35 Für die heiße finnische Sauna nach dem Krafttraining habe ich keine solche Studie gefunden.
Die Studien auf dieser Seite zeigen, was im Mittel für eine Gruppe gilt. Mit einer Vorerkrankung zählt Dein eigener Fall – den klärst Du mit Deinem Arzt.
Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.
So lesen sich die Stufen: belegt – mehrere Studien oder eine große Auswertung, gleiche Richtung · erste Hinweise – eine oder wenige kleine Studien · uneinheitlich – Studien kommen zu verschiedenen Ergebnissen · Empfehlung – Rat einer Fachbehörde oder von Fachgesellschaften, keine eigene Studie.
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Kohlenhydrate vorher oder währenddessen bringen nach mindestens acht Stunden ohne Essen mehr Trainingsvolumen | belegt – fünf Studien einer Auswertung, mittlere Ergebnissicherheit; meist Beintraining |
| Kohlenhydrate vorher oder währenddessen bringen bei Einheiten über 45 Minuten mehr Trainingsvolumen | erste Hinweise – sechs Studien einer Auswertung, niedrige Ergebnissicherheit |
| Nach einer Mahlzeit brauchen Einheiten mit bis zu zehn Sätzen pro Muskelgruppe keine zusätzlichen Kohlenhydrate | belegt – Übersicht: in 13 von 19 Kurzzeitstudien kein Vorteil, nur ausgezählt, nicht zusammengerechnet; dazu passend die Auswertung oben |
| Ballaststoffe und Fett kurz vorher können den Magen belasten | erste Hinweise – Übersicht vor allem aus dem Ausdauersport; Menschen reagieren sehr verschieden |
| Aufwärmen mit schweren Sätzen steigert Kraft und Schnellkraft | belegt – Übersicht, nur Studien zum Oberkörper |
| Lang gehaltenes statisches Dehnen direkt vorher kostet etwas Leistung | belegt – große Übersicht; mit Bewegung danach kein klarer Effekt |
| Leichte und schwere Gewichte bauen ähnlich viel Muskel auf, wenn die Sätze bis zum Versagen gehen | belegt – meist kurze Studien mit jungen Untrainierten, Qualität überwiegend gering; die Kraft steigt mit schweren stärker |
| Bis zum Versagen ist für Kraft und Muskel nicht nötig | belegt – Auswertung von 15 Studien; bei Trainierten lag das Versagen beim Muskel leicht vorn |
| Ein bis zwei Wiederholungen in Reserve bringen so viel Muskel wie Training bis zum Versagen | uneinheitlich – eine Studie mit 18 Trainierten dafür, Auswertungen sehen das Versagen leicht vorn; die Reserve war geschätzt |
| Mehr Wochensätze bringen mehr Wachstum, mit abnehmendem Ertrag | belegt – große Auswertungen |
| Pausen über einer Minute bringen etwas mehr Wachstum | erste Hinweise – neun Studien, kleiner Effekt, starke Streuung |
| Muskelkater ist kein Maß für Wachstum | erste Hinweise – zwei kleine Studien |
| Die Eiweißmenge über den Tag zählt mehr als der Zeitpunkt | belegt – Auswertungen vieler Studien; zum Zeitpunkt nur drei Studien mit gleicher Eiweißmenge, mitbezahlt von einem Eiweißpulver-Hersteller |
| Fett nach dem Training bremst die Erholung nicht | erste Hinweise – zwei kleine Studien, eine davon mit Ausdauersportlern |
| Sauna nach dem Training bremst den Muskelaufbau nicht | erste Hinweise – eine kleine Studie mit Infrarotkabine |
| Erwachsene bis 60 Jahre sollten mindestens sieben Stunden schlafen | Empfehlung – zweier Fachgesellschaften, aus einem Abstimmungsverfahren |
| Kurze Nächte senken die körperliche Leistung | belegt – große Auswertung, meist Männer; bei der Kraft kleiner und gesichert nur nach durchwachter Nacht |
| Größere Mengen Koffein stören den Schlaf noch sechs Stunden später | erste Hinweise – eine kleine Studie mit 400 Milligramm auf einmal |
| Eiweiß vor dem Schlafen bringt zusätzlich Muskel | uneinheitlich – bei jungen Männern ja, aber mit mehr Eiweiß insgesamt; bei älteren nicht |
| Magnesium verbessert den Schlaf | erste Hinweise – kleine Studien mit Älteren mit Schlafstörungen, Ergebnissicherheit niedrig bis sehr niedrig; mehr als 250 Milligramm am Tag |
| Omega-3 wird mit einer fettreichen Mahlzeit besser aufgenommen | erste Hinweise – eine Laborstudie aus den 1980er-Jahren, verglichen mit früheren Messungen |
| Höchstens 250 Milligramm Magnesium am Tag als Nahrungsergänzung | Empfehlung – einer Fachbehörde |
Das Kurze · Fazit in Zahlen
Jede Zahl mit Quelle und Haken
Die sechs Zahlen stammen aus Übersichtsarbeiten, einer Studie und einer Empfehlung zweier Fachgesellschaften, Stand Oktober 2026. Zu jeder steht, was herauskam und wo der Haken liegt.
Kohlenhydrate vor oder während des Krafttrainings brachten mehr Trainingsvolumen, gesichert bei langen Einheiten und nach acht Stunden ohne Essen.
Das Trainingsvolumen stammt aus 12 der 21 Studien, die Teilauswertungen für lange Einheiten und nüchternes Training aus nur sechs und fünf, meist mit reinem Beintraining; Ergebnissicherheit niedrig, nach acht Stunden ohne Essen mittel. Nach einer Mahlzeit und bei bis zu zehn Sätzen pro Muskelgruppe in einer Einheit brachten zusätzliche Kohlenhydrate in einer weiteren Übersicht meist nichts.
Mit einer Minute oder mehr je Muskel, gemessen wenige Minuten danach. Mein Schluss: lieber an der Übung aufwärmen als lange dehnen.
Mit weniger als einer Minute nur 1,1 Prozent; folgte noch Bewegung, war kein klarer Effekt mehr zu sehen. Direkt mit dem Aufwärmen an der Übung verglichen hat das keine der Studien.
Der Oberschenkel wuchs damit in einer Studie genauso wie mit Training bis zum Versagen: Nah ans Limit reichte.
Eine Studie mit Trainierten über acht Wochen, nur Oberschenkel; die Reserve schätzten sie selbst. Auswertungen mehrerer Studien sehen das Versagen beim Muskel leicht vorn, meist ohne gesicherten Unterschied.
Darüber kam im Mittel kaum noch fettfreie Masse dazu: Die Tagesmenge zählt mehr als die halbe Stunde nach dem Training.
Der Knick war statistisch nicht gesichert; wer auf Nummer sicher gehen will, dem raten die Autoren zu bis zu 2,2 Gramm. Der leitende Autor erhielt Geld aus der Milchwirtschaft.
Empfehlung für Erwachsene bis 60 Jahre: Regelmäßig weniger hängt mit schlechterer Gesundheit und Leistung zusammen.
Ein Abstimmungsverfahren von Fachleuten, keine einzelne Studie; über Ältere trifft es keine Aussage. Mehrere der beteiligten Fachleute hatten Verbindungen zur Industrie.
Bei der Kraft waren es knapp 3 Prozent: Eine kurze Nacht kostet Leistung, vor allem ab der Mittagszeit.
Bei der Kraft gesichert nur nach einer durchwachten Nacht und nur an den Beinen. Kurzfristiger Schlafmangel, kein dauerhafter; fast neun von zehn Teilnehmern waren Männer, und die Ergebnisse der Studien streuten stark.
Jede Zahl ist an der Studie, der Datenbank oder der Seite der Fachstelle geprüft, Stand 25.10.2026 – meist an der Kurzfassung in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, bei 13 Studien an der vollständigen Arbeit. Welche das sind, und die vollständigen Angaben mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, stehen im Kapitel „Belegt“.
Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Studie oder Quelle, Teilnehmer, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Alle Studien habe ich über PubMed geprüft. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.
Zu den Zahlen in den Belegen: Eine standardisierte Mittelwertdifferenz, kurz SMD, oder eine Effektstärke beschreibt, wie groß ein Unterschied im Verhältnis zur Streuung ist – um 0,2 gilt als klein, um 0,5 als mittel, ab 0,8 als groß. Der 95-Prozent-Bereich hinter einem Wert gibt die Spanne an, in der der wahre Wert mit großer Wahrscheinlichkeit liegt. P unter 0,05 gilt als statistisch gesichert, also kaum Zufall. Hinter ± steht die Streuung um den Mittelwert. Prozentpunkte sind der Abstand zwischen zwei Prozentwerten.
Weitere Begriffe: Eine Meta-Regression prüft über viele Studien hinweg, wie ein Ergebnis mit einer Größe zusammenhängt, etwa mit der Zahl der Sätze. Ein Studienarm ist eine Gruppe innerhalb einer Studie. Die maximale Sauerstoffaufnahme ist ein Maß für die Ausdauerleistung. Das Verzerrungsrisiko beschreibt, wie leicht die Bauweise einer Studie ihr Ergebnis verfälschen kann. Die Herzratenvariabilität ist die Schwankung des Abstands zwischen zwei Herzschlägen, ein Anzeiger für Erholung. Schweres Wasser enthält eine markierte Form von Wasserstoff, mit der sich der Aufbau von Muskeleiweiß messen lässt. Ein vorab registriertes Protokoll legt vor Beginn fest, was ausgewertet wird. „Bei langen Muskellängen“ heißt: gemessen in weit gestreckter Stellung.