Omega-3 ist eine Familie von Fettsäuren. Die pflanzliche Grundform ALA kann Dein Körper nicht selbst bilden; die langkettigen Formen EPA und DHA baut er daraus nur in kleinen Mengen – sie kommen vor allem aus fettem Fisch und aus Algen.1, 2, 3, 4 Für EPA und DHA zusammen hält die EU-Lebensmittelbehörde EFSA 250 Milligramm am Tag für ausreichend; die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät zu Fisch ein- bis zweimal pro Woche.5, 6
Gesunde brauchen Fischöl-Präparate laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nicht, besonders wenn sie regelmäßig Fisch essen.7 Wer eine Herzerkrankung oder ein hohes Herzrisiko hat, nimmt Omega-3-Präparate nur nach ärztlicher Absprache: Bei diesen Menschen trat damit häufiger Vorhofflimmern auf, eine Herzrhythmusstörung – je mehr, desto häufiger.7, 8 Für Muskelaufbau sind sie nicht belegt, gegen Muskelkater helfen sie höchstens ein wenig.9, 10
Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost
Neun Fragen, kurz beantwortet
Wenn Du nur zwei Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.
Die Werte gelten für gesunde Erwachsene; die großen Herzstudien liefen meist mit Menschen ab 50. Finde Dich in einer der Karten wieder, dann weißt Du, was für Dich gilt.
Eine Portion fetter Fisch wie Hering, Makrele oder Lachs liefert mehr als ein Gramm EPA und DHA.2 Gesunde, die regelmäßig Fisch essen, brauchen laut BfR keine Fischöl-Präparate.7 Kapseln brauchst Du dann meist nicht.
Aus pflanzlicher ALA baut der Körper wenig EPA und DHA.3, 4 Öl aus Algen liefert DHA ohne Fisch; in einer Studie hob es den DHA-Wert im Blut so stark wie gegarter Lachs.13 Dann ist ein Präparat eine Überlegung wert – das ist meine Einschätzung.
Die Werte von EFSA und DGE gelten für alle Erwachsenen; eigene Werte für Sportler nennen sie nicht.1, 5 Gegen Muskelkater half Omega-3 in Studien, oft mit Untrainierten, ein wenig; für mehr Muskeln oder Kraft ist es bei Gesunden nicht belegt.9, 10, 19 Erst der Teller, dann vielleicht die Kapsel – das ist mein Rat.
Die DGE nennt für Schwangere und Stillende im Mittel mindestens 200 Milligramm DHA am Tag; die EFSA rechnet 100 bis 200 Milligramm DHA zu den 250 Milligramm für Erwachsene hinzu.1, 5 In der Schwangerschaft rät das bundesweite Netzwerk Gesund ins Leben zu Fisch jede Woche, vor allem zu fettem Meeresfisch, und zu einem DHA-Präparat, wenn er nicht regelmäßig auf den Tisch kommt; viel Raubfisch wie Thunfisch oder Schwertfisch meidest Du.27 In Studien kamen mit Omega-3 etwas weniger Kinder zu früh zur Welt.28 Was Du nimmst, besprichst Du mit Deinem Arzt.
Gemeint sind Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder mit Risikofaktoren dafür – in der großen Studie mit reinem EPA etwa Diabetes plus weitere Risikofaktoren.7, 8, 17 Bei ihnen trat mit Omega-3-Präparaten häufiger Vorhofflimmern auf – je mehr, desto häufiger, am meisten mit 4 Gramm am Tag.8, 11 Das BfR rät ihnen deshalb, Omega-3-Präparate nur nach ärztlicher Absprache zu nehmen, vor allem über längere Zeit – das gilt auch für Kapseln aus dem Handel.7 Ob und wie viel, klärst Du mit Deinem Arzt – etwa welche Menge, ob ein Arzneimittel infrage kommt und ob Kontrollen nötig sind.
Hohe Mengen Omega-3 – laut NIH 2 bis 15 Gramm am Tag – können die Blutungszeit verlängern; die Wirkung gerinnungshemmender Mittel wie ASS – Acetylsalicylsäure, der Wirkstoff von Aspirin – kann sich laut Verbraucherzentrale verstärken.2, 12 In einer Auswertung großer Studien, auch mit hohen Mengen, gab es insgesamt nicht gesichert mehr Blutungen als ohne Omega-3, und das Risiko hing nicht gesichert davon ab, wie viele Teilnehmer einer Studie zugleich Mittel gegen die Blutplättchen wie ASS nahmen – ein Vergleich zwischen Studien, nicht zwischen einzelnen Menschen; gefördert hat diese Auswertung allerdings eine Pharmafirma.29 Ob Du Omega-3 dazu nimmst, klärst Du mit Deinem Arzt.
Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Gelenken oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, ob und wie viel davon für Dich passt.
Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Bei Omega-3 kommt zuerst der Fisch auf den Teller – die Kapsel kommt danach.
„Für Sportler“ gilt, wenn Du regelmäßig und hart trainierst und Omega-3 für Erholung oder Muskeln erwägst. „Für alle anderen“ gilt, wenn Du an Deine Versorgung, an Herz und Gesundheit oder an eine Schwangerschaft denkst.
Wofür: Muskelkater nach ungewohntem Training war in Studien etwas schwächer – wie stark, ist uneinheitlich.10, 19 In einer der Auswertungen hatten die Teilnehmer vorher kaum Krafttraining gemacht; ob es bei Sportlern genauso wirkt, ist laut den Autoren offen.10
Wann unnötig: für mehr Muskeln oder Kraft – bei Gesunden nicht belegt;9 und wenn Du regelmäßig Fisch isst.7
Menge: Eine wirksame Menge lässt sich aus den Studien zum Muskelkater nicht ableiten – die Studien einer Übersicht nutzten von unter 20 Milligramm bis über 6 Gramm am Tag.19 Nach einer Empfehlung des BfR sollen aus allen Quellen zusammen im Mittel höchstens 1,5 Gramm am Tag zusammenkommen.20
Zeitpunkt: zu einer Mahlzeit mit Fett.23 Ob es vor oder nach dem Training besser wirkt, haben die Studien auf dieser Seite nicht untersucht.
Training und Wettkampf: Bei krafttrainierten jungen Männern änderte eine hohe Menge Fischöl in einer kleinen Studie nicht, wie viel Muskeleiweiß nach Krafttraining und einer Portion Eiweiß aufgebaut wurde.30
Risiken und Wechselwirkungen: unangenehmer Geschmack, Sodbrennen, Magen-Darm-Beschwerden; mit Blutverdünnern ärztlich klären.2, 12
Wofür: wenn Du keinen Fisch isst – und in der Schwangerschaft für DHA, wenn selten fetter Meeresfisch auf den Tisch kommt.27
Wann unnötig: bei Fisch ein- bis zweimal pro Woche;7 als Herzschutz für Gesunde – dafür ist Omega-3 nicht belegt.14
Menge: 250 Milligramm EPA und DHA am Tag entsprechen dem Wert der EFSA; für Schwangere und Stillende nennt die DGE im Mittel mindestens 200 Milligramm DHA.1, 5
Zeitpunkt: zu einer Mahlzeit mit Fett.23
Risiken und Wechselwirkungen: Mit Herzleiden oder hohem Herzrisiko nur nach ärztlicher Absprache; mit Blutverdünnern ärztlich klären.7, 12
Entscheidungs-Check
Fünf Fragen, bevor Du Omega-3 kaufst
Omega-3 ist kein einzelner Stoff. Es sind drei Fettsäuren – und die beiden, um die es bei Fischöl geht, baut Dein Körper kaum selbst.
Alpha-Linolensäure, kurz ALA, steckt in Lein, Chia, Walnüssen und Rapsöl. Sie ist essenziell: Dein Körper kann sie nicht selbst bilden.1, 2 Die DGE nennt dafür einen Schätzwert von 0,5 Prozent der Nahrungsenergie, laut Verbraucherzentrale etwa 1,3 Gramm am Tag.1, 12 Eicosapentaensäure, kurz EPA, und Docosahexaensäure, kurz DHA, sind länger gebaut. Sie kommen vor allem aus fettem Fisch und aus Algen.2
In der EU dürfen Präparate mit EPA und DHA damit werben, dass sie zu einer normalen Herzfunktion beitragen, mit DHA zu einer normalen Gehirnfunktion und Sehkraft – jeweils ab einer vorgeschriebenen Mindestmenge. Werbung mit Schutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall oder Demenz ist dagegen unzulässig.12 Die erlaubten Aussagen beschreiben also, wofür der Körper diese Fettsäuren braucht, nicht einen Schutz vor Krankheiten – das ist meine Einordnung.
Aus ALA kann der Körper EPA und DHA bauen, aber nur wenig: Die US-Gesundheitsbehörde NIH nennt Umwandlungsraten von unter 15 Prozent.2 In zwei Studien mit markierter ALA – Fachleute sagen Tracer-Studien, die ALA lässt sich darin im Blut verfolgen – bildeten junge Männer EPA und eine Zwischenstufe, aber kein messbares neues DHA.3 Bei jungen Frauen wurden geschätzt 21 Prozent der ALA zu EPA und 9 Prozent zu DHA – bei EPA also mehr, als die NIH nennt; Frauen könnten das besser, vermuten die Autoren.4 Beide Studien maßen nur drei Wochen lang, die mit den Männern war sehr klein.
Zur Omega-6-Familie gehört die Linolsäure. Auch sie ist essenziell; die DGE nennt 2,5 Prozent der Nahrungsenergie.1 Wie viel davon in welchem Öl steckt, zeigt meine Seite zu Speiseölen. Oft heißt es, Omega-6 fördere Entzündungen. Eine Auswertung von 30 Studien, in denen das Los entschied, wer mehr Linolsäure aß, fand aber keine gesicherte Änderung der Entzündungswerte im Blut; nur bei einem sehr starken Anstieg der Zufuhr könnte ein Entzündungswert namens CRP steigen, deuten ihre Autoren an.32 In Beobachtungsstudien ging mehr Linolsäure sogar mit weniger Herzkrankheiten einher – ein Zusammenhang, kein Beweis.33 Oft liest man auch, Omega-6 und Omega-3 müssten in einem bestimmten Verhältnis stehen. Ein solches Verhältnis legt die EFSA ausdrücklich nicht fest.5
Der Omega-3-Index gibt an, wie viel Prozent der Fettsäuren in den Hüllen Deiner roten Blutkörperchen EPA und DHA sind; er spiegelt die Versorgung über längere Zeit.2, 24 Vorgeschlagen wurde er als Risikozeichen für Herztod: In den Studien, die seine Erfinder auswerteten, ging ein Wert ab 8 Prozent mit dem geringsten Risiko einher, ein Wert bis 4 Prozent mit dem höchsten.24 In einer Studie stieg der Index mit der Menge EPA und DHA; wie stark, hing auch vom Körpergewicht, vom Ausgangswert und vom Alter ab.34
Wie niedrig der Wert oft ist, zeigt eine Untersuchung bei 500 Angestellten eines Chemiekonzerns in Ludwigshafen: Sie aßen im Mittel rund 20 Gramm Fisch am Tag – rechnerisch etwa anderthalb Portionen pro Woche – und bekamen aus Fisch und Kapseln gut 200 Milligramm EPA und DHA am Tag, also etwas weniger als die 250 Milligramm der EFSA; ihr Index lag im Mittel bei 4,1 Prozent, fast alle unter 8. Wer in den folgenden vier Monaten Ernährungstipps bekam und mehr fetten Fisch in der Kantine fand, steigerte ihn im Mittel um 0,5 Prozentpunkte – manche hatten in der Zeit auch mit Kapseln begonnen; eine Vergleichsgruppe gab es nicht.35 Fünf der sieben Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie bei dem Konzern selbst, einer davon im Bereich Ernährung und Gesundheit – ein möglicher Interessenkonflikt.35 Für Dich heißt das: Ein Wert unter 8 Prozent ist häufig, auch bei Menschen, die Fisch essen, und er steigt nur langsam. Ob ein niedriger Wert für sich genommen schadet, zeigen solche Messungen nicht.
Der Haken: Einer der beiden Erfinder nennt 8 bis 11 Prozent als Zielbereich – bezogen auf die ursprüngliche, als Marke geschützte Messmethode; andere Labore messen abweichend.25 Beide Erfinder sind mit Laboren verbunden, die den Test verkaufen: Der eine arbeitet laut Angabe in seiner Studie für eines, der andere hält Anteile an einem.25, 26 Dass ein mit Kapseln gehobener Wert Gesunde vor Herz-Kreislauf-Ereignissen schützt, zeigten die großen Studien nicht – Kapitel 06.14, 15, 16 Zu wissen, wo Du stehst, schadet nicht; nötig ist der Test nicht – das ist meine Einschätzung.
Fetter Fisch liefert EPA und DHA, Pflanzenöle und Samen liefern ALA. Eine Portion Hering oder Lachs reicht rechnerisch für die 250 Milligramm rund einer Woche.
| Fisch und anderes | Portion | DHA | EPA |
|---|---|---|---|
| Lachs, Atlantik, Zucht, gegart | 3 Unzen, rund 85 g | 1,24 g | 0,59 g |
| Lachs, Atlantik, wild, gegart | 3 Unzen, rund 85 g | 1,22 g | 0,35 g |
| Hering, Atlantik, gegart | 3 Unzen, rund 85 g | 0,94 g | 0,77 g |
| Sardinen in Tomatensoße, abgetropft | 3 Unzen, rund 85 g | 0,74 g | 0,45 g |
| Makrele, Atlantik, gegart | 3 Unzen, rund 85 g | 0,59 g | 0,43 g |
| Forelle, wild, gegart | 3 Unzen, rund 85 g | 0,44 g | 0,40 g |
| Thunfisch, hell, Dose in Wasser | 3 Unzen, rund 85 g | 0,17 g | 0,02 g |
| Garnelen, gegart | 3 Unzen, rund 85 g | 0,12 g | 0,12 g |
| Kabeljau, Pazifik, gegart | 3 Unzen, rund 85 g | 0,10 g | 0,04 g |
| Ei, gegart | 1 Stück | 0,03 g | – |
| Hähnchenbrust, im Ofen gegart | 3 Unzen, rund 85 g | 0,02 g | 0,01 g |
| Pflanzliche Quelle | Portion | ALA |
|---|---|---|
| Leinöl | 1 Esslöffel | 7,26 g |
| Chiasamen | 1 Unze, rund 28 g | 5,06 g |
| Walnüsse | 1 Unze, rund 28 g | 2,57 g |
| Leinsamen, ganz | 1 Esslöffel | 2,35 g |
| Rapsöl | 1 Esslöffel | 1,28 g |
| Sojaöl | 1 Esslöffel | 0,92 g |
gemessen Die Werte stehen so in der US-Nährwertdatenbank, wie sie das Faktenblatt der US-Gesundheitsbehörde NIH auflistet; die Portionen sind dort in US-Maßen angegeben, die Gramm habe ich umgerechnet und gerundet (1 Unze = 28,35 Gramm; ein US-Esslöffel fasst knapp 15 Milliliter). Ein Strich heißt: keine Angabe.2 Die Werte zeigen die Größenordnung – je nach Fang, Zucht und Zubereitung weichen sie ab.
gerechnet Von mir aus den Werten der Tabelle gerechnet; die 250 Milligramm sind der Wert der EFSA.2, 5 Wie viel davon der Körper aufnimmt, ist nicht eingerechnet.
Die DGE rät zu Fisch ein- bis zweimal pro Woche; fettreicher Fisch liefert die Omega-3-Fettsäuren.6 Für Schwangere rät das Netzwerk Gesund ins Leben zu Fisch jede Woche, insbesondere einer Portion fettem Meeresfisch wie Makrele, Hering oder Sardine – und davon ab, viel Raubfisch wie Thunfisch oder Schwertfisch zu essen, weil er mehr Schadstoffe enthalten kann.27 Ob mehr Fisch auf dem Teller das Herz schützt, ist in Studien, in denen das Los über die Gruppen entscheidet, kaum geprüft; eine große Auswertung zu Omega-3 (Kapitel 06) fand dazu wenig.14 Ein- bis zweimal Fisch pro Woche erreicht laut BfR nicht die Mengen, die mit Risiken wie Vorhofflimmern in Verbindung gebracht werden.7
Leinöl liefert am meisten ALA, aber auch Rapsöl, Walnüsse und Chiasamen tragen viel bei.2 Für die DGE-Menge an ALA reicht etwa ein Esslöffel Rapsöl am Tag.2, 12 Sie ersetzt aber nicht EPA und DHA – Kapitel 03. Mehr zu Ölen und Nüssen steht auf meinen Seiten zu Speiseölen und zu Nüssen.
Öl aus Mikroalgen liefert Omega-3 ganz ohne Fisch – laut Verbraucherzentrale die Wahl für Veganer.12 In einer kleinen Studie mit 600 Milligramm DHA am Tag stieg der DHA-Wert im Blut mit Algenöl-Kapseln so stark wie mit gegartem Lachs derselben Menge.13
Wenn Du eine Kapsel nimmst, entscheiden vier Dinge: wie viel EPA und DHA drinsteckt, in welcher Form, wie frisch das Öl ist – und dass Du es mit der Menge nicht übertreibst.
Die große Zahl auf der Vorderseite beschreibt meist das Öl, nicht die Omega-3-Fettsäuren. Eine typische Fischölkapsel mit 1.000 Milligramm Öl enthält laut NIH 180 Milligramm EPA und 120 Milligramm DHA.2 Manche Etiketten nennen nur „Omega-3 gesamt“, ohne ALA, EPA und DHA zu trennen; DHA muss laut Verbraucherzentrale nur angegeben sein, wenn das Produkt damit wirbt.12 Und das Etikett muss nicht stimmen: In Neuseeland enthielten nur 3 von 32 Fischöl-Präparaten mindestens so viel EPA und DHA wie angegeben, die meisten weniger als zwei Drittel.36
gerechnet Von mir aus den Angaben der NIH zu einer typischen Kapsel gerechnet.2 Konzentrate – Öle, in denen EPA und DHA angereichert sind – enthalten mehr; maßgeblich ist die Nährwerttabelle Deines Produkts.
In Kapseln stecken EPA und DHA in verschiedenen chemischen Formen: als Triglycerid – der Form, in der sie im natürlichen Fischöl vorliegen –, als Ethylester – Fischöl, das für Konzentrate chemisch umgebaut wurde –, als daraus zurückgebautes Triglycerid oder, im Öl aus Krill, winzigen Meereskrebsen, gebunden an Phospholipide, Bausteine der Zellhüllen.2, 22 Laut NIH werden die Triglycerid-Formen etwas besser aufgenommen als Ethylester; alle Formen heben die Werte im Blut aber deutlich an.2 In einer Studie lag die Aufnahme aus Ethylestern bei 73 Prozent, aus zurückgebauten Triglyceriden bei 124 Prozent der Aufnahme aus natürlichem Fischöl.22 Ob Krillöl besser aufgenommen wird, ist uneinheitlich.2
Die Mahlzeit verschiebt das Bild: In einer kleinen Studie nahmen Männer EPA und DHA aus Ethylestern zu einer fettreichen Mahlzeit dreimal so gut auf – rund 60 statt rund 20 Prozent der eingenommenen Menge – wie in einer früheren Studie derselben Forscher zu einer fettarmen; der erstgenannte Autor arbeitete laut Angabe in der Studie bei einer Pharmafirma.23 Nimmst Du die Kapsel zum Essen, ist ein Ethylester eine vertretbare Wahl – das ist meine Einschätzung. Steht die Form nicht auf der Packung, hilft eine Nachfrage beim Hersteller – das ist mein Rat.
Omega-3-Fettsäuren werden leicht ranzig; viele Präparate enthalten deshalb Vitamin E als Schutz.12 Gemessen wird die Oxidation – das Ranzigwerden – mit Kennzahlen wie der Peroxidzahl, der Anisidinzahl und dem daraus berechneten Gesamtwert TOTOX; die Branche hat dafür freiwillige Grenzen.37 In Neuseeland lag die Hälfte aller Fischöl-Präparate über der Grenze für TOTOX, nur 8 Prozent hielten alle Grenzen ein; Preis, Haltbarkeitsdatum und Herkunft sagten wenig über die Qualität. Diese Grenzen beruhen allerdings auf dem Geschmack; welche Folgen ranziges Fischöl für die Gesundheit hat, ist laut den Autoren unklar.36 In Kanada lagen 39 Prozent über der Grenze für TOTOX; aromatisierte Produkte und Produkte für Kinder schnitten schlechter ab, wobei Zitrusaroma die Messung verfälschen kann.37 Sechs der sieben kanadischen Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie bei einer Firma, gemessen hat deren eigenes Labor, und am Ende empfehlen sie eine bestimmte Art von Präparat – ein möglicher Interessenkonflikt. Zahlen für Deutschland stehen auf dieser Seite nicht. Riecht oder schmeckt eine Kapsel deutlich ranzig, nimmst Du sie nicht – das ist mein Rat.
Die Fachstellen ziehen die Grenze unterschiedlich. Die EFSA hält bis 5 Gramm EPA und DHA zusammen am Tag aus Präparaten für Erwachsene für unbedenklich, EPA allein bis 1,8 Gramm, DHA allein bis etwa 1 Gramm – vorausgesetzt, die Fettsäuren sind nicht oxidiert. Für die einzelnen Fettsäuren nennt sie damit, wofür ihr Daten ohne Bedenken vorlagen; dass mehr davon schadet, folgt daraus nicht – das ist meine Lesart. Bei 2 bis 6 Gramm EPA und DHA am Tag stieg das LDL-Cholesterin um etwa 3 Prozent, was laut EFSA das Herz-Kreislauf-Risiko nicht erhöhen muss. Eine feste Höchstmenge setzt sie mangels Daten nicht.21 Das BfR war in einer älteren Stellungnahme vorsichtiger: Aus allen Quellen zusammen sollen es im Mittel nicht mehr als 1,5 Gramm am Tag sein. Es sah Hinweise, dass ab etwa 0,7 Gramm das LDL-Cholesterin steigen und ab 1,5 Gramm die Blutungsneigung zunehmen könne.20 Wirbt ein Präparat mit gesundheitlichen Aussagen und liefert mindestens 2 Gramm, muss laut Verbraucherzentrale ein Hinweis darauf stehen, 5 Gramm am Tag nicht zu überschreiten.12 Verbindliche Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel gibt es nicht.12 Ein- bis zweimal Fisch pro Woche erreicht laut BfR nicht die Mengen, die mit Risiken in Verbindung gebracht werden.7
Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der die Vorhöfe des Herzens unregelmäßig schlagen. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA fand bei Omega-3-Arzneimitteln gegen erhöhte Blutfette ein dosisabhängig erhöhtes Risiko dafür bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Risikofaktoren, am höchsten bei 4 Gramm am Tag; das BfR rät diesen Menschen deshalb, auch Präparate aus dem Handel nur nach ärztlicher Absprache zu nehmen.7, 8 In der großen Studie mit reinem EPA waren das Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder mit Diabetes plus weiteren Risikofaktoren.17
In einer Auswertung von sieben großen Herzstudien trat Vorhofflimmern mit Omega-3 um 25 Prozent häufiger auf – mit mehr als 1 Gramm am Tag um 49 Prozent, mit bis zu 1 Gramm um 12 Prozent.11 Eine neuere Auswertung von 35 Studien fand über alle Studien 14 Prozent mehr Vorhofflimmern. Nach Herzrisiko und Menge aufgeteilt, war der Anstieg nur bei Menschen mit hohem Herzrisiko und mehr als 1,5 Gramm am Tag gesichert – absolut 0,8 Prozentpunkte, von 1.000 Menschen also etwa 8 mehr; in den übrigen Gruppen nicht, bei geringem Risiko und großer Menge allerdings auf Grundlage weniger Fälle.26 Drei der Autoren nennen Interessen: Einer ist medizinischer Leiter einer Firma, die Omega-3-Produkte verkauft; einer – einer der beiden Erfinder des Omega-3-Index – hält Anteile an einem Labor, das den Index misst; die Erstautorin erhielt eine Förderung von GOED, einer Organisation, die sich als Interessenvertretung der Omega-3-Branche beschreibt. In einer großen Studie mit älteren Gesunden ohne Herzerkrankung trat mit 840 Milligramm EPA und DHA am Tag über gut fünf Jahre nicht gesichert mehr Vorhofflimmern auf.38 Bei kleinen Mengen sind die Befunde also nicht einheitlich: In der einen Auswertung stieg das Risiko schon mit bis zu 1 Gramm leicht, in der neueren Auswertung und in dieser Studie nicht gesichert.
Omega-3 hemmt die Blutplättchen; in hohen Mengen kann es die Blutungszeit verlängern.2, 12 In einer Auswertung von elf großen Studien gab es mit Omega-3 insgesamt nicht gesichert mehr Blutungen; nur hochdosiertes reines EPA erhöhte das Risiko um die Hälfte, absolut aber nur um 0,6 Prozentpunkte – von 1.000 Menschen etwa 6 mehr.29 Bezahlt hat diese Auswertung mit einem Zuschuss dieselbe Pharmafirma, die auch die große Herzstudie mit reinem EPA bezahlt hat – ein möglicher Interessenkonflikt. Die Wirkung gerinnungshemmender Mittel wie ASS kann sich laut Verbraucherzentrale verstärken; bei Gerinnungshemmern wie Warfarin, einem Mittel zur Blutverdünnung, sollte der Arzt die Gerinnung kontrollieren, schreibt die NIH.2, 12 Häufige Nebenwirkungen sind ein unangenehmer Geschmack, Mundgeruch, Sodbrennen, Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall und Kopfschmerzen.2 In einer großen Studie mit 4 Gramm am Tag hatte jeder Vierte Magen-Darm-Beschwerden, in der Vergleichsgruppe mit Maisöl jeder Siebte.18
Viel versprochen, einiges gemessen: Ein Blutfett sinkt verlässlich, das Herz-Kreislauf-Risiko Gesunder kaum – und für mehr Muskeln fehlen die Belege.
Die umfangreichste Auswertung, nach strengen Regeln im Cochrane-Netzwerk erstellt, fasst 86 Studien mit Erwachsenen mit und ohne Herzerkrankung zusammen, die mindestens ein Jahr liefen, meist mit Kapseln. Omega-3 senkte das Risiko zu sterben und das für Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt, etwa Herzinfarkt und Schlaganfall, kaum oder gar nicht; diesem Ergebnis vertrauen die Autoren stark. Beim Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen lag das Risiko um 8 Prozent niedriger, was die Autoren als kaum oder keinen Unterschied werten. Für Herzinfarkte und andere Ereignisse an den Herzkranzgefäßen ist ein kleiner Nutzen möglich, aber unsicher.14 In einer Studie mit älteren Gesunden in den USA brachten 840 Milligramm EPA und DHA am Tag über gut fünf Jahre nicht weniger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse als ein Scheinmittel, ein Präparat ohne Wirkstoff – Fachleute sagen Placebo; Herzinfarkte allein waren in einer Nebenauswertung seltener – einer zusätzlichen Prüfung, die weniger sicher ist als das vorab festgelegte Hauptergebnis.15 Bei Menschen mit Diabetes ohne Herzerkrankung brachte Omega-3 über gut sieben Jahre keinen Unterschied gegenüber Kapseln mit Olivenöl als Scheinmittel.16
Anders sah es mit 4 Gramm reinem EPA am Tag als Arzneimittel aus – einer anderen Größenordnung als eine typische Kapsel mit 300 Milligramm EPA und DHA –, bei Menschen mit hohem Herzrisiko und erhöhten Blutfetten, die schon Cholesterinsenker nahmen: Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse waren um ein Viertel seltener.17 Bezahlt hat die Studie eine Pharmafirma, bei der fünf der Autoren arbeiten. Das Scheinmittel war Mineralöl – und darunter stiegen Entzündungswerte und LDL-Cholesterin; ob das den Unterschied erklärt, ist offen.31 Eine große Studie mit täglich 4 Gramm eines Präparats aus EPA und DHA gegen Maisöl als Scheinmittel wurde vorzeitig beendet, weil sich kein Nutzen abzeichnete; sechs ihrer Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie bei einem Pharmakonzern.18 Für Omega-3-Kapseln als Nahrungsergänzung fasst die Verbraucherzentrale zusammen: Aktuelle Studien zeigen keinen Nutzen für Herz und Gefäße.12
Verlässlich sinkt ein Blutfett, die Triglyceride: in der großen Auswertung im Mittel um rund 15 Prozent, je mehr Omega-3, desto stärker.14 DHA senkte sie in einer Übersicht, die Studien nach festen Regeln auswertet, stärker als EPA, hob aber das LDL-Cholesterin an; die Studien darin waren klein und nutzten mehr als 2 Gramm am Tag.39 Einer der beiden Autoren berät mehrere Firmen der Ernährungs- und Pharmabranche – ein möglicher Interessenkonflikt. Gegen erhöhte Blutfette gibt es Omega-3 auch als Arzneimittel; das gehört in ärztliche Hände.8
Im Kraftsport heißt es oft, Omega-3 helfe beim Muskelaufbau. Bei krafttrainierten jungen Männern änderte eine hohe Menge Fischöl in einer kleinen Studie nach acht Wochen nicht, wie viel Muskeleiweiß nach Krafttraining und einer Portion Molkeneiweiß aufgebaut wurde; bestimmte Signale für den Aufbau fielen sogar schwächer aus. Womöglich war die Studie zu klein, um einen kleinen Effekt zu finden, schreiben die Autoren.30 Bei Gesunden zwischen 60 und 85 wuchs das Muskelvolumen am Oberschenkel in einer kleinen Studie in sechs Monaten mit Fischöl um 3,6 Prozent stärker als mit Maisöl, die Handkraft um gut 2 Kilogramm.40 Eine Übersicht über 33 Übersichtsarbeiten kam insgesamt aber zu dem Schluss, dass die Studien Omega-3 allein nicht stützen, um bei jüngeren oder älteren Gesunden Muskelmasse, Kraft oder körperliche Funktion zu verbessern; Hinweise auf mehr Muskelmasse gab es vor allem bei Älteren.9
Nach ungewohntem, bremsendem Training – Fachleute sagen exzentrisch, etwa langsames Absenken einer Last – war der Muskelkater mit Omega-3 in einer Auswertung knapp einen Punkt schwächer auf einer Skala von 0 bis 10. Das liegt unter der Schwelle von 1,4 Punkten, ab der Betroffene den Unterschied meist spüren; Kraft und Beweglichkeit waren nicht besser. Die Teilnehmer hatten vorher kaum Krafttraining gemacht; ob es bei Sportlern genauso ist, halten die Autoren für offen.10 Eine neuere Auswertung von neun Studien fand einen mittleren bis großen Effekt auf den Muskelkater, dazu am schlimmsten Tag mehr Kraft und deutlich mehr Beweglichkeit, bei breitem Vertrauensbereich. Die Autoren nennen die Belege aber vorläufig: Viele Studien hatten Schwächen, vier kamen aus demselben Labor, und in den Studien der Übersicht reichten die Mengen von unter 20 Milligramm bis über 6 Gramm; ein Autor arbeitet mit Herstellern von Krillöl und Muscheln zusammen.19
In einer Cochrane-Auswertung von 70 Studien kamen mit Omega-3 in der Schwangerschaft weniger Kinder zu früh zur Welt: vor der 37. Woche 11,9 statt 13,4 Prozent, vor der 34. Woche 2,7 statt 4,6 Prozent – Belege von hoher Qualität. Dafür dauerte die Schwangerschaft etwas häufiger länger als 42 Wochen.28 Die DGE nennt für Schwangere und Stillende im Mittel mindestens 200 Milligramm DHA am Tag.1 Mehr zu Fisch in der Schwangerschaft steht in Kapitel 04.
Rund um Omega-3 und Fischöl kursieren viele Aussagen – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmt eine, drei stimmen halb, sechs stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht. Wie sicher die Studienlage jeweils ist, steht in Kapitel 09.
Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie nicht zeigen.
Omega-3 senkte die Triglyceride verlässlich. Daraus könnte man schließen, es senke auch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herztod. In den Studien geschah das kaum – trotz niedrigerer Blutfette wurden diese Ereignisse zusammengenommen und Todesfälle kaum seltener.14
In den Studien, die seine Erfinder auswerteten, ging ein hoher Index mit weniger Herztod einher. Daraus könnte man schließen, wer seinen Index mit Kapseln hebt, schütze sein Herz. Das zeigten die großen Studien mit Kapseln bei Gesunden nicht – ein Zusammenhang ist kein Beweis.14, 24
Die Studien auf dieser Seite zeigen, was im Mittel für eine Gruppe gilt. Mit einer Vorerkrankung zählt Dein eigener Fall – den klärst Du mit Deinem Arzt.
Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.
So lesen sich die Stufen: gut belegt – große Auswertungen oder Studien, alle in dieselbe Richtung · belegt – mehrere kleinere Studien oder Bewertungen von Fachgremien, gleiche Richtung · erste Hinweise – eine Studie, wenige Fälle, nur indirekt gemessen oder ein Ergebnis, dem die Autoren selbst wenig vertrauen · uneinheitlich – Studien widersprechen sich · nicht belegt – Studien fanden keinen Effekt, oder es gibt keine passenden Studien. Die Zeichen im Faktencheck sagen, ob eine Aussage stimmt; die Stufen hier, wie sicher das ist.
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Fisch ein- bis zweimal pro Woche reicht Gesunden, Kapseln sind dann unnötig | belegt – Empfehlungen und Bewertungen von DGE, BfR und EFSA; die Nährwerte stammen aus der US-Datenbank |
| Kapseln senken das Risiko zu sterben und das für Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt kaum oder gar nicht | gut belegt – eine große Auswertung mit Erwachsenen mit und ohne Herzerkrankung, der die Autoren hier stark vertrauen, und zwei große Studien mit Menschen ohne Herzerkrankung in dieselbe Richtung |
| Ein kleiner Nutzen für die Herzkranzgefäße, auch bei Herzinfarkten | erste Hinweise – in der großen Auswertung möglich, die Autoren vertrauen diesem Ergebnis aber nur wenig; in einer großen Studie waren Herzinfarkte nur in einer Nebenauswertung seltener |
| Hochdosiertes Omega-3 als Arzneimittel hilft Menschen mit hohem Herzrisiko | uneinheitlich – eine große Studie mit reinem EPA mit Nutzen, aber mit Mineralöl als Vergleich, unter dem Entzündungswerte stiegen; eine zweite mit EPA und DHA gegen Maisöl ohne Nutzen |
| Omega-3 senkt die Triglyceride | gut belegt – große Auswertung, hohe Sicherheit, je mehr, desto stärker |
| Hohe Mengen machen bei Menschen mit Herzrisiko Vorhofflimmern häufiger | belegt – zwei Auswertungen vieler Studien und die Bewertung der EMA; bei älteren Gesunden mit 840 Milligramm am Tag kein gesicherter Anstieg |
| Omega-3 erhöht das Blutungsrisiko insgesamt nicht | belegt – eine Auswertung von elf großen Studien, gefördert von einer Pharmafirma, und die Bewertung der EFSA bis 5 Gramm am Tag; hochdosiertes reines EPA erhöhte es leicht |
| Aus pflanzlicher ALA entsteht wenig EPA und noch weniger DHA | belegt – zwei Studien mit markierter ALA, eine davon sehr klein; die NIH nennt ebenfalls geringe Umwandlungsraten |
| Omega-3 schwächt Muskelkater ab | uneinheitlich – zwei Auswertungen: eine fand einen kaum spürbaren, eine einen mittleren bis großen Effekt; viele Studien mit Schwächen |
| Omega-3 baut bei jüngeren Gesunden Muskeln auf | nicht belegt – eine Übersicht über 33 Übersichtsarbeiten fand kaum Belege; bei krafttrainierten jungen Männern keine Wirkung auf den Aufbau von Muskeleiweiß, in einer kleinen, womöglich zu kleinen Studie |
| Omega-3 stärkt bei Älteren die Muskeln | erste Hinweise – eine kleine Studie mit mehr Muskelvolumen und Kraft; Hinweise aus Übersichten vor allem bei Älteren, insgesamt aber nicht gestützt |
| Omega-3 in der Schwangerschaft senkt die Zahl der Frühgeburten | gut belegt – Cochrane-Auswertung von 70 Studien, Belege von hoher Qualität |
| Mehr Linolsäure erhöht die Entzündungswerte nicht | belegt – eine Auswertung von 30 Studien, in denen das Los entschied; bei sehr starkem Anstieg vielleicht ein Entzündungswert |
| Eine typische Kapsel mit 1.000 Milligramm Fischöl enthält rund 300 Milligramm EPA und DHA | belegt – Angabe der NIH; in Neuseeland enthielten viele Präparate weniger als auf dem Etikett |
| Ethylester werden schlechter aufgenommen, zum fettreichen Essen besser | erste Hinweise – kleine Studien, eine davon aus einer Firma; die NIH sieht nur etwas bessere Aufnahme anderer Formen |
| Viele Präparate sind zu stark oxidiert | erste Hinweise – zwei Markttests aus Neuseeland und Kanada, einer davon von einer Firma; die Grenzen beruhen auf dem Geschmack, die Folgen für die Gesundheit sind unklar; keine Zahlen für Deutschland |
| Algenöl liefert DHA so gut wie Fisch | erste Hinweise – eine kleine Studie über zwei Wochen |
Das Kurze · Fazit in Zahlen
Jede Zahl mit Quelle und Haken
Die sechs Zahlen stammen aus Auswertungen, die viele Studien zusammenrechnen, aus Angaben einer Behörde der EU und der US-Gesundheitsbehörde NIH und aus der US-Nährwertdatenbank, Stand Oktober 2026; wo ich eine davon selbst gerechnet habe, steht es dabei. Zu jeder steht, was herauskam und wo der Haken liegt.
Fetter Fisch ein- bis zweimal pro Woche liefert das: erst der Teller, dann vielleicht die Kapsel.
Ein Wert für eine angemessene Zufuhr, keine genaue Bedarfszahl: Wie viel der Körper genau braucht, ist laut Verbraucherzentrale unbekannt.
So viel wie knapp sieben Tage lang 250 Milligramm: eine Portion Hering liefert so viel wie fünf bis sechs typische Kapseln.
US-Werte, je nach Fisch sehr verschieden – eine Portion Kabeljau liefert nur 0,14 Gramm; wie viel davon der Körper aufnimmt, ist nicht eingerechnet.
Die große Zahl auf der Vorderseite ist das Öl: Lies die Zeilen „EPA“ und „DHA“.
„Typisch“ heißt nicht „Deine“: Konzentrate enthalten mehr – und in Neuseeland enthielten nur 3 von 32 Präparaten so viel, wie das Etikett angab.
Das Blutfett sinkt, Herz-Kreislauf-Ereignisse und Todesfälle kaum: für Gesunde kein gesicherter Herzschutz aus der Kapsel.
Für die Herzkranzgefäße ist ein kleiner Nutzen möglich, aber unsicher; die Studien liefen meist mit Kapseln, über das Essen von Fisch sagen sie wenig.
Mehr ist nicht besser: mit Herzleiden nur nach ärztlicher Absprache.
Vor allem mit mehr als 1 Gramm am Tag; in einer neueren Auswertung – drei ihrer Autoren haben Verbindungen zu Firmen oder Verbänden rund um Omega-3 – war der Anstieg nur bei hohem Herzrisiko und mehr als 1,5 Gramm gesichert, absolut 0,8 Prozentpunkte, von 1.000 Menschen etwa 8 mehr. Bei älteren Gesunden mit 840 Milligramm am Tag kein gesicherter Anstieg.
Weniger, als Betroffene meist spüren: gegen Muskelkater höchstens ein kleiner Effekt.
Belege von niedriger Qualität, Teilnehmer meist untrainiert; eine neuere Auswertung fand einen mittleren bis großen Effekt, vier ihrer neun Studien kamen aber aus demselben Labor.
Jede dieser sechs Zahlen ist an der Quelle selbst geprüft, Stand 27.10.2026 – Studien an ihrer Kurzfassung, dem Überblick am Anfang jeder Studie, in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, und, wo frei zugänglich, an der vollständigen Arbeit; die Angaben von EFSA und NIH an ihren eigenen Dokumenten. Die ausführlichen Angaben, mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, soweit ich sie prüfen konnte, folgen im Kapitel „Belegt“.
Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Teilnehmer, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Studien habe ich über PubMed geprüft, Angaben von Behörden, Fachgesellschaft und Verbraucherzentrale an ihren eigenen Dokumenten. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.
Ein paar Begriffe, die in den Belegen vorkommen: Eine Auswertung – Fachleute sagen Meta-Analyse – rechnet die Ergebnisse vieler Studien zusammen; eine Übersichtsarbeit fasst den Stand der Forschung zusammen, eine systematische Übersicht sucht und bewertet die Studien dabei nach festen Regeln. Cochrane ist ein internationales Netzwerk, das systematische Übersichten nach strengen Regeln erstellt. Ausgelost – Fachleute sagen randomisiert – heißt: Das Los entscheidet, wer das Mittel bekommt und wer in die Vergleichsgruppe kommt. Ein Scheinmittel – Fachleute sagen Placebo – sieht aus wie das echte Mittel, enthält es aber nicht. Verblindet heißt: Die Teilnehmer wissen nicht, wer das echte Mittel bekommt – einfach verblindet; doppelt verblindet: auch die Untersucher nicht. Gesichert heißt: so deutlich, dass Zufall als Erklärung unwahrscheinlich ist. Zwei Zahlen mit „bis“ in Klammern, etwa (0,80 bis 1,06), sind der Vertrauensbereich, in dem der wahre Wert vermutlich liegt; schließt er bei Verhältnissen wie dem relativen Risiko die 1 ein, bei Unterschieden wie Punkten, Prozent oder standardisierten Effekten die 0, gilt ein Unterschied als nicht gesichert. Der Median ist der mittlere Wert, wenn man alle Werte der Größe nach ordnet. Das Verzerrungsrisiko gibt an, wie stark Mängel im Aufbau einer Studie ihr Ergebnis verfälschen können. Relatives Risiko, Hazard Ratio, Odds Ratio und Ratenverhältnis vergleichen das Risiko mit dem Mittel und ohne: 1 heißt kein Unterschied, 0,75 ein Viertel weniger, 1,25 ein Viertel mehr. Prozentpunkte sind der Abstand zwischen zwei Prozentwerten: von 2 auf 2,8 Prozent sind 0,8 Prozentpunkte. Ein standardisierter Effekt macht verschiedene Messskalen vergleichbar; 0,2 gilt als klein, 0,5 als mittel, 0,8 als groß. Die Hauptzielgröße legt eine Studie vorher fest; eine Nebenauswertung prüft weitere Fragen und ist weniger sicher. Triglyceride sind Fette im Blut, die bei Blutuntersuchungen gemessen werden; LDL- und HDL-Cholesterin sind zwei Formen, in denen Cholesterin im Blut transportiert wird. CRP, Interleukine und TNF sind Entzündungswerte im Blut, CK ist ein Muskelenzym, das nach Muskelschäden steigt. Peroxidzahl und Anisidinzahl messen frühe und späte Abbaustoffe beim Ranzigwerden, TOTOX rechnet beide zusammen. Ethylester sind chemisch umgebaute Fettsäuren für Konzentrate, Triglyceride die natürliche Form im Fischöl, Phospholipide Fettbausteine der Zellhüllen.