ST
die fittermacher
Omega-3
Wissen · Stefan Trost
Nahrungsergänzung · Omega-3 · Fettsäuren

Omega-3: Brauchst Du Fischöl – und wie viel?

Wer ein- bis zweimal pro Woche Fisch isst, darunter fetten, braucht meist keine Kapseln. Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herztod zusammengenommen wurden mit Omega-3 in großen Studien kaum seltener – und hochdosiert trat bei Menschen mit Herzrisiko häufiger Vorhofflimmern auf.

Omega-3 ist eine Familie von Fettsäuren. Die pflanzliche Grundform ALA kann Dein Körper nicht selbst bilden; die langkettigen Formen EPA und DHA baut er daraus nur in kleinen Mengen – sie kommen vor allem aus fettem Fisch und aus Algen.1, 2, 3, 4 Für EPA und DHA zusammen hält die EU-Lebensmittelbehörde EFSA 250 Milligramm am Tag für ausreichend; die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät zu Fisch ein- bis zweimal pro Woche.5, 6

Gesunde brauchen Fischöl-Präparate laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nicht, besonders wenn sie regelmäßig Fisch essen.7 Wer eine Herzerkrankung oder ein hohes Herzrisiko hat, nimmt Omega-3-Präparate nur nach ärztlicher Absprache: Bei diesen Menschen trat damit häufiger Vorhofflimmern auf, eine Herzrhythmusstörung – je mehr, desto häufiger.7, 8 Für Muskelaufbau sind sie nicht belegt, gegen Muskelkater helfen sie höchstens ein wenig.9, 10

250 mg
EPA und DHA am Tag hält die EU-Lebensmittelbehörde EFSA für Erwachsene für ausreichend5
1,7 g
EPA und DHA in einer Portion Hering, 85 Gramm gegart – so viel wie knapp sieben Tage lang 250 Milligramm; von mir gerechnet aus der US-Nährwertdatenbank2
+25 %
mehr Vorhofflimmern mit Omega-3-Kapseln in sieben großen Herzstudien, Teilnehmer im Mittel 65 Jahre – vor allem mit mehr als 1 Gramm am Tag11

Omega-3 in Fragen und Antworten

Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost

Neun Fragen, kurz beantwortet

Wenn Du nur zwei Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.

„Brauche ich Omega-3-Kapseln?“
Meist nicht. Gesunde, die regelmäßig Fisch essen, brauchen laut BfR keine Fischöl-Präparate; die DGE rät zu Fisch ein- bis zweimal pro Woche, und fettreicher Fisch liefert laut DGE wertvolle Omega-3-Fettsäuren – viel davon etwa Hering und Lachs.2, 6, 7 Eine Überlegung wert ist ein Präparat, wenn Du keinen Fisch isst – das ist meine Einschätzung. Für Veganer gibt es Algenöl.12, 13
„Wie viel Omega-3 brauche ich?“
Von EPA und DHA zusammen gelten 250 Milligramm am Tag als ausreichend. So sieht es die EFSA; wie viel der Körper genau braucht, ist laut Verbraucherzentrale unbekannt.5, 12 Für die pflanzliche ALA nennt die DGE 0,5 Prozent der Nahrungsenergie, laut Verbraucherzentrale etwa 1,3 Gramm am Tag – so viel steckt in etwa einem Esslöffel Rapsöl.1, 2, 12
„Geht es auch pflanzlich, etwa mit Leinöl?“
Für EPA und DHA nicht. Leinöl liefert reichlich ALA, die pflanzliche Vorstufe.2 Daraus baut der Körper aber nur wenig EPA und noch weniger DHA: Bei jungen Männern war in einer kleinen Studie gar kein neues DHA nachweisbar, bei jungen Frauen wurden geschätzt 9 Prozent der ALA zu DHA.3, 4
„Schützt Fischöl mein Herz?“
Bei Gesunden kaum. In einer großen Auswertung vieler Studien mit Erwachsenen mit und ohne Herzerkrankung wurden Todesfälle und Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt, etwa Herzinfarkt und Schlaganfall, mit Omega-3 kaum oder gar nicht seltener; für Herzinfarkte und andere Ereignisse an den Herzkranzgefäßen – den Adern, die den Herzmuskel versorgen – ist ein kleiner Nutzen möglich, aber unsicher.14 Zwei große Studien mit Menschen ohne Herzerkrankung fanden keinen gesicherten Schutz, also keinen, der sich klar vom Zufall abhebt.15, 16 Bist Du schon herzkrank, ist die Lage umstritten: Ein hochdosiertes Arzneimittel mit reinem EPA senkte in einer großen Studie schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse, eine zweite mit EPA und DHA fand keinen Nutzen – das klärst Du mit Deinem Arzt.17, 18 Was sicher sank, ist ein Blutfett, die Triglyceride.14
„Hilft Omega-3 gegen Muskelkater oder beim Muskelaufbau?“
Gegen Muskelkater vielleicht ein wenig, beim Muskelaufbau nicht. Nach ungewohntem Training war der Muskelkater mit Omega-3 in zwei Auswertungen etwas schwächer – in einer so wenig, dass Betroffene es kaum spüren.10, 19 Für mehr Muskeln oder Kraft fanden Übersichten bei Gesunden kaum Belege.9
„Wie viel darf ich nehmen?“
Halte Maß – bei Herzkranken kann viel schaden. Nach einer Empfehlung des BfR sollen aus allen Quellen zusammen im Mittel nicht mehr als 1,5 Gramm EPA und DHA am Tag zusammenkommen; die EFSA hält bis 5 Gramm aus Präparaten für Erwachsene für unbedenklich – vorausgesetzt, das Öl ist nicht oxidiert.20, 21 Mit Herzerkrankung oder hohem Herzrisiko nimmst Du Präparate nur nach ärztlicher Absprache.7
„Worauf achte ich beim Kauf?“
Auf die Zeilen „EPA“ und „DHA“ in der Nährwerttabelle. Eine typische Kapsel mit 1.000 Milligramm Fischöl enthält nur rund 300 Milligramm davon.2 Die Form Ethylester – chemisch umgebautes Fischöl – nimmt der Körper schlechter auf, in einer Studie gut ein Viertel weniger als aus natürlichem Fischöl; zu einer fettreichen Mahlzeit aber deutlich besser.22, 23
„Wann nehme ich die Kapsel?“
Zu einer Mahlzeit mit Fett. In einer kleinen Studie nahm der Körper Omega-3 aus Ethylestern zu einer fettreichen Mahlzeit dreimal so gut auf wie in einer früheren Studie derselben Forscher zu einer fettarmen.23 Ob eine bestimmte Tageszeit oder der Abstand zum Training etwas ändert, haben die Studien auf dieser Seite nicht untersucht.
„Brauche ich einen Bluttest auf Omega-3?“
Machen kannst Du ihn – nötig ist er nicht. Der Test misst den Omega-3-Index. Er zeigt, wie viel EPA und DHA in Deinen roten Blutkörperchen steckt; Werte ab 8 Prozent gingen in Beobachtungen mit dem geringsten Risiko für Herztod einher.24 Vorgeschlagen haben Index und Zielwert zwei Forscher, die mit Laboren verbunden sind, die den Test verkaufen.24, 25, 26
01Gilt das für Dich?

Für wen die Werte auf dieser Seite gelten

Die Werte gelten für gesunde Erwachsene; die großen Herzstudien liefen meist mit Menschen ab 50. Finde Dich in einer der Karten wieder, dann weißt Du, was für Dich gilt.

Du isst regelmäßig Fisch

Wahrscheinlich gut versorgt

Eine Portion fetter Fisch wie Hering, Makrele oder Lachs liefert mehr als ein Gramm EPA und DHA.2 Gesunde, die regelmäßig Fisch essen, brauchen laut BfR keine Fischöl-Präparate.7 Kapseln brauchst Du dann meist nicht.

Du isst keinen Fisch oder lebst vegan

Hier kann es knapp werden

Aus pflanzlicher ALA baut der Körper wenig EPA und DHA.3, 4 Öl aus Algen liefert DHA ohne Fisch; in einer Studie hob es den DHA-Wert im Blut so stark wie gegarter Lachs.13 Dann ist ein Präparat eine Überlegung wert – das ist meine Einschätzung.

Du trainierst hart und viel

Kein eigener Wert für Sportler

Die Werte von EFSA und DGE gelten für alle Erwachsenen; eigene Werte für Sportler nennen sie nicht.1, 5 Gegen Muskelkater half Omega-3 in Studien, oft mit Untrainierten, ein wenig; für mehr Muskeln oder Kraft ist es bei Gesunden nicht belegt.9, 10, 19 Erst der Teller, dann vielleicht die Kapsel – das ist mein Rat.

Du bist schwanger oder stillst

Mehr DHA

Die DGE nennt für Schwangere und Stillende im Mittel mindestens 200 Milligramm DHA am Tag; die EFSA rechnet 100 bis 200 Milligramm DHA zu den 250 Milligramm für Erwachsene hinzu.1, 5 In der Schwangerschaft rät das bundesweite Netzwerk Gesund ins Leben zu Fisch jede Woche, vor allem zu fettem Meeresfisch, und zu einem DHA-Präparat, wenn er nicht regelmäßig auf den Tisch kommt; viel Raubfisch wie Thunfisch oder Schwertfisch meidest Du.27 In Studien kamen mit Omega-3 etwas weniger Kinder zu früh zur Welt.28 Was Du nimmst, besprichst Du mit Deinem Arzt.

Du hast ein Herzleiden oder ein hohes Herzrisiko

Nur nach ärztlicher Absprache

Gemeint sind Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder mit Risikofaktoren dafür – in der großen Studie mit reinem EPA etwa Diabetes plus weitere Risikofaktoren.7, 8, 17 Bei ihnen trat mit Omega-3-Präparaten häufiger Vorhofflimmern auf – je mehr, desto häufiger, am meisten mit 4 Gramm am Tag.8, 11 Das BfR rät ihnen deshalb, Omega-3-Präparate nur nach ärztlicher Absprache zu nehmen, vor allem über längere Zeit – das gilt auch für Kapseln aus dem Handel.7 Ob und wie viel, klärst Du mit Deinem Arzt – etwa welche Menge, ob ein Arzneimittel infrage kommt und ob Kontrollen nötig sind.

Du nimmst Blutverdünner

Erst ärztlich klären

Hohe Mengen Omega-3 – laut NIH 2 bis 15 Gramm am Tag – können die Blutungszeit verlängern; die Wirkung gerinnungshemmender Mittel wie ASS – Acetylsalicylsäure, der Wirkstoff von Aspirin – kann sich laut Verbraucherzentrale verstärken.2, 12 In einer Auswertung großer Studien, auch mit hohen Mengen, gab es insgesamt nicht gesichert mehr Blutungen als ohne Omega-3, und das Risiko hing nicht gesichert davon ab, wie viele Teilnehmer einer Studie zugleich Mittel gegen die Blutplättchen wie ASS nahmen – ein Vergleich zwischen Studien, nicht zwischen einzelnen Menschen; gefördert hat diese Auswertung allerdings eine Pharmafirma.29 Ob Du Omega-3 dazu nimmst, klärst Du mit Deinem Arzt.

Medizinische Vorgeschichte

Erst die Freigabe

Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Gelenken oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, ob und wie viel davon für Dich passt.

Nicht Thema dieser Seite Wie Omega-3 als Arzneimittel eingesetzt wird – etwa gegen erhöhte Blutfette –, Omega-3 zur Behandlung von Krankheiten wie Depression oder Rheuma und Präparate für Kinder stehen nicht hier; Arzneimittel kommen nur vor, wo ihre Studien für alle wichtig sind. Zu den Herzstudien fasst Kapitel 06 zusammen, was sie im Mittel fanden – das ersetzt keine Behandlung. Diese Seite erklärt, wie viel Omega-3 gesunde Erwachsene brauchen, woher sie es bekommen, worauf es bei Kapseln ankommt – und was an den gängigen Versprechen dran ist.
02So nutzt Du es

Omega-3 im Alltag: was Du tust – und was Du lässt

Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Bei Omega-3 kommt zuerst der Fisch auf den Teller – die Kapsel kommt danach.

✓Iss ein- bis zweimal pro Woche Fisch, darunter fetten. Ein- bis zweimal Fisch rät die DGE, und fettreicher Fisch liefert laut DGE wertvolle Omega-3-Fettsäuren; viel EPA und DHA stecken in Hering, Makrele, Lachs und Sardinen.2, 6, 27
✓Nimm Rapsöl als Alltagsöl. Die DGE nennt es ausdrücklich;6 ein Esslöffel liefert rund 1,3 Gramm ALA – laut Verbraucherzentrale etwa so viel, wie die DGE am Tag empfiehlt.2, 12
✓Lies die Zeilen „EPA“ und „DHA“ – nicht die große Zahl auf der Vorderseite. Eine typische Kapsel mit 1.000 Milligramm Fischöl enthält rund 300 Milligramm EPA und DHA; der Rest ist anderes Fett.2 Manche Etiketten nennen nur „Omega-3 gesamt“.12
✓Nimm die Kapsel zu einer Mahlzeit mit Fett. Vor allem Ethylester nahm der Körper in einer Studie dann deutlich besser auf.23
✓Halte Maß. Nach einer Empfehlung des BfR sollen aus allen Quellen zusammen im Mittel nicht mehr als 1,5 Gramm EPA und DHA am Tag zusammenkommen.20
✕Nimm Omega-3 nicht als Herzschutz, wenn Du gesund bist. In großen Studien wurden Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herztod zusammengenommen damit kaum oder gar nicht seltener.14, 15, 16
✕Nimm Omega-3-Präparate nicht ohne Arzt, wenn Du ein Herzleiden oder ein hohes Herzrisiko hast. Bei diesen Menschen trat damit häufiger Vorhofflimmern auf, je mehr, desto häufiger; das BfR rät deshalb zu ärztlicher Absprache.7, 8
✕Erwarte keine Muskeln aus der Kapsel. Für mehr Muskelmasse oder Kraft fanden Übersichten bei Gesunden kaum Belege.9
✕Verlass Dich nicht auf Leinöl als Ersatz für Fisch. Aus seiner ALA entsteht wenig EPA und noch weniger DHA.3, 4
Wenn Du nur einen Absatz mitnimmst Iss ein- bis zweimal pro Woche Fisch, darunter fetten – dann brauchst Du meist keine Kapseln. Isst Du keinen Fisch, decken 250 Milligramm EPA und DHA am Tag aus Fischöl oder Algenöl den Wert der EFSA. Als Herzschutz ist Omega-3 bei Gesunden nicht belegt, für Muskelaufbau auch nicht; gegen Muskelkater hilft es höchstens ein wenig. Wer ein Herzleiden hat oder Blutverdünner nimmt, klärt Präparate ärztlich.

Zwei Profile – such Dir Deins aus

„Für Sportler“ gilt, wenn Du regelmäßig und hart trainierst und Omega-3 für Erholung oder Muskeln erwägst. „Für alle anderen“ gilt, wenn Du an Deine Versorgung, an Herz und Gesundheit oder an eine Schwangerschaft denkst.

Für Sportler

Hart trainieren, schneller erholen?

Wofür: Muskelkater nach ungewohntem Training war in Studien etwas schwächer – wie stark, ist uneinheitlich.10, 19 In einer der Auswertungen hatten die Teilnehmer vorher kaum Krafttraining gemacht; ob es bei Sportlern genauso wirkt, ist laut den Autoren offen.10

Wann unnötig: für mehr Muskeln oder Kraft – bei Gesunden nicht belegt;9 und wenn Du regelmäßig Fisch isst.7

Menge: Eine wirksame Menge lässt sich aus den Studien zum Muskelkater nicht ableiten – die Studien einer Übersicht nutzten von unter 20 Milligramm bis über 6 Gramm am Tag.19 Nach einer Empfehlung des BfR sollen aus allen Quellen zusammen im Mittel höchstens 1,5 Gramm am Tag zusammenkommen.20

Zeitpunkt: zu einer Mahlzeit mit Fett.23 Ob es vor oder nach dem Training besser wirkt, haben die Studien auf dieser Seite nicht untersucht.

Training und Wettkampf: Bei krafttrainierten jungen Männern änderte eine hohe Menge Fischöl in einer kleinen Studie nicht, wie viel Muskeleiweiß nach Krafttraining und einer Portion Eiweiß aufgebaut wurde.30

Risiken und Wechselwirkungen: unangenehmer Geschmack, Sodbrennen, Magen-Darm-Beschwerden; mit Blutverdünnern ärztlich klären.2, 12

Für alle anderen

Alltag, Fischverzicht, Schwangerschaft

Wofür: wenn Du keinen Fisch isst – und in der Schwangerschaft für DHA, wenn selten fetter Meeresfisch auf den Tisch kommt.27

Wann unnötig: bei Fisch ein- bis zweimal pro Woche;7 als Herzschutz für Gesunde – dafür ist Omega-3 nicht belegt.14

Menge: 250 Milligramm EPA und DHA am Tag entsprechen dem Wert der EFSA; für Schwangere und Stillende nennt die DGE im Mittel mindestens 200 Milligramm DHA.1, 5

Zeitpunkt: zu einer Mahlzeit mit Fett.23

Risiken und Wechselwirkungen: Mit Herzleiden oder hohem Herzrisiko nur nach ärztlicher Absprache; mit Blutverdünnern ärztlich klären.7, 12

Evidenz gemischt Gemischt heißt: Die Studienlage – Fachleute sagen Evidenz – ist uneinheitlich. Das gilt für Muskelkater: Eine Auswertung fand mit Omega-3 knapp einen Punkt weniger auf einer Skala von 0 bis 10 – weniger, als Betroffene meist spüren.10 Eine neuere Auswertung von neun Studien fand einen mittleren bis großen Effekt und am schlimmsten Tag mehr Kraft und Beweglichkeit; vier dieser Studien kamen aber aus demselben Labor.19 Und es gilt für hochdosierte Präparate bei Menschen mit hohem Herzrisiko: Reines EPA als Arzneimittel senkte schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse in einer großen Studie um ein Viertel – die Vergleichsgruppe bekam aber Kapseln mit Mineralöl als Scheinmittel, und darunter stiegen Entzündungswerte und das LDL-Cholesterin, das Cholesterinsenker senken sollen. Verschlechtert ein Scheinmittel die Werte, kann das echte Mittel besser aussehen, als es ist; ob das den Unterschied hier erklärt, ist offen.17, 31 EPA und DHA zusammen brachten gegen Maisöl als Scheinmittel keinen Nutzen.18 Meine Einordnung: Gegen Muskelkater erwarte ich von Omega-3 höchstens einen kleinen Effekt. Ob ein Arzneimittel mit reinem EPA für Dich infrage kommt, entscheidet Dein Arzt.

Entscheidungs-Check

Fünf Fragen, bevor Du Omega-3 kaufst

„Wie oft esse ich Fisch – vor allem fetten wie Hering, Makrele oder Lachs?“
Ein- bis zweimal pro Woche, darunter fetten: Du brauchst wahrscheinlich nichts zusätzlich. Nur mageren wie Kabeljau: Er liefert wenig EPA und DHA – nimm fetten dazu. Seltener: Fang beim Teller an – oder nimm ein Präparat mit EPA und DHA.2, 6, 7
„Wofür will ich es nehmen – fürs Herz, für Muskeln, gegen Muskelkater?“
Als Herzschutz für Gesunde und für Muskelaufbau ist Omega-3 nicht belegt; gegen Muskelkater hilft es höchstens ein wenig.9, 10, 14 Sinnvoll ist ein Präparat vor allem, wenn übers Essen wenig EPA und DHA kommen – das ist meine Einschätzung.
„Habe ich ein Herzleiden, Herzrhythmusstörungen oder ein hohes Herzrisiko?“
Dann nimmst Du jedes Omega-3-Präparat nur nach ärztlicher Absprache – bei diesen Menschen trat damit häufiger Vorhofflimmern auf, je mehr, desto häufiger.7, 8 Gemeint sind Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder mit Risikofaktoren dafür; ob das auf Dich zutrifft, weiß Dein Arzt.7, 8
„Nehme ich blutverdünnende Medikamente, etwa ASS?“
Dann klärst Du Omega-3 mit Deinem Arzt. Hohe Mengen können die Wirkung verstärken.2, 12
„Bin ich schwanger oder stille ich?“
Dann nennt die DGE im Mittel mindestens 200 Milligramm DHA am Tag – über fetten Meeresfisch oder, in der Schwangerschaft ohne regelmäßigen Meeresfisch, über ein Präparat; besprich es mit Deinem Arzt.1, 27
03So funktioniert Omega-3

So funktioniert Omega-3: drei Fettsäuren, eine Familie

Omega-3 ist kein einzelner Stoff. Es sind drei Fettsäuren – und die beiden, um die es bei Fischöl geht, baut Dein Körper kaum selbst.

ALA, EPA und DHA

Alpha-Linolensäure, kurz ALA, steckt in Lein, Chia, Walnüssen und Rapsöl. Sie ist essenziell: Dein Körper kann sie nicht selbst bilden.1, 2 Die DGE nennt dafür einen Schätzwert von 0,5 Prozent der Nahrungsenergie, laut Verbraucherzentrale etwa 1,3 Gramm am Tag.1, 12 Eicosapentaensäure, kurz EPA, und Docosahexaensäure, kurz DHA, sind länger gebaut. Sie kommen vor allem aus fettem Fisch und aus Algen.2

In der EU dürfen Präparate mit EPA und DHA damit werben, dass sie zu einer normalen Herzfunktion beitragen, mit DHA zu einer normalen Gehirnfunktion und Sehkraft – jeweils ab einer vorgeschriebenen Mindestmenge. Werbung mit Schutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall oder Demenz ist dagegen unzulässig.12 Die erlaubten Aussagen beschreiben also, wofür der Körper diese Fettsäuren braucht, nicht einen Schutz vor Krankheiten – das ist meine Einordnung.

Wie viel aus ALA wird

Aus ALA kann der Körper EPA und DHA bauen, aber nur wenig: Die US-Gesundheitsbehörde NIH nennt Umwandlungsraten von unter 15 Prozent.2 In zwei Studien mit markierter ALA – Fachleute sagen Tracer-Studien, die ALA lässt sich darin im Blut verfolgen – bildeten junge Männer EPA und eine Zwischenstufe, aber kein messbares neues DHA.3 Bei jungen Frauen wurden geschätzt 21 Prozent der ALA zu EPA und 9 Prozent zu DHA – bei EPA also mehr, als die NIH nennt; Frauen könnten das besser, vermuten die Autoren.4 Beide Studien maßen nur drei Wochen lang, die mit den Männern war sehr klein.

Das Bild dazu ALA ist der Rohstoff, EPA und DHA sind die Fertigteile. Dein Körper hat eine kleine Werkstatt, die Rohstoff zu Fertigteilen umbaut – aber sie arbeitet langsam und liefert wenig. Wer die Fertigteile braucht, bekommt sie fertig: aus Fisch oder Algen. Das Bild stammt von mir, nicht aus einer Studie.

Omega-6: kein Gegenspieler, den Du jagen musst

Zur Omega-6-Familie gehört die Linolsäure. Auch sie ist essenziell; die DGE nennt 2,5 Prozent der Nahrungsenergie.1 Wie viel davon in welchem Öl steckt, zeigt meine Seite zu Speiseölen. Oft heißt es, Omega-6 fördere Entzündungen. Eine Auswertung von 30 Studien, in denen das Los entschied, wer mehr Linolsäure aß, fand aber keine gesicherte Änderung der Entzündungswerte im Blut; nur bei einem sehr starken Anstieg der Zufuhr könnte ein Entzündungswert namens CRP steigen, deuten ihre Autoren an.32 In Beobachtungsstudien ging mehr Linolsäure sogar mit weniger Herzkrankheiten einher – ein Zusammenhang, kein Beweis.33 Oft liest man auch, Omega-6 und Omega-3 müssten in einem bestimmten Verhältnis stehen. Ein solches Verhältnis legt die EFSA ausdrücklich nicht fest.5

Der Omega-3-Index: ein Messwert mit Haken

Der Omega-3-Index gibt an, wie viel Prozent der Fettsäuren in den Hüllen Deiner roten Blutkörperchen EPA und DHA sind; er spiegelt die Versorgung über längere Zeit.2, 24 Vorgeschlagen wurde er als Risikozeichen für Herztod: In den Studien, die seine Erfinder auswerteten, ging ein Wert ab 8 Prozent mit dem geringsten Risiko einher, ein Wert bis 4 Prozent mit dem höchsten.24 In einer Studie stieg der Index mit der Menge EPA und DHA; wie stark, hing auch vom Körpergewicht, vom Ausgangswert und vom Alter ab.34

Wie niedrig der Wert oft ist, zeigt eine Untersuchung bei 500 Angestellten eines Chemiekonzerns in Ludwigshafen: Sie aßen im Mittel rund 20 Gramm Fisch am Tag – rechnerisch etwa anderthalb Portionen pro Woche – und bekamen aus Fisch und Kapseln gut 200 Milligramm EPA und DHA am Tag, also etwas weniger als die 250 Milligramm der EFSA; ihr Index lag im Mittel bei 4,1 Prozent, fast alle unter 8. Wer in den folgenden vier Monaten Ernährungstipps bekam und mehr fetten Fisch in der Kantine fand, steigerte ihn im Mittel um 0,5 Prozentpunkte – manche hatten in der Zeit auch mit Kapseln begonnen; eine Vergleichsgruppe gab es nicht.35 Fünf der sieben Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie bei dem Konzern selbst, einer davon im Bereich Ernährung und Gesundheit – ein möglicher Interessenkonflikt.35 Für Dich heißt das: Ein Wert unter 8 Prozent ist häufig, auch bei Menschen, die Fisch essen, und er steigt nur langsam. Ob ein niedriger Wert für sich genommen schadet, zeigen solche Messungen nicht.

Der Haken: Einer der beiden Erfinder nennt 8 bis 11 Prozent als Zielbereich – bezogen auf die ursprüngliche, als Marke geschützte Messmethode; andere Labore messen abweichend.25 Beide Erfinder sind mit Laboren verbunden, die den Test verkaufen: Der eine arbeitet laut Angabe in seiner Studie für eines, der andere hält Anteile an einem.25, 26 Dass ein mit Kapseln gehobener Wert Gesunde vor Herz-Kreislauf-Ereignissen schützt, zeigten die großen Studien nicht – Kapitel 06.14, 15, 16 Zu wissen, wo Du stehst, schadet nicht; nötig ist der Test nicht – das ist meine Einschätzung.

04Fisch, Öl und Algen

Fisch, Öl und Algen: Woher Du Omega-3 bekommst

Fetter Fisch liefert EPA und DHA, Pflanzenöle und Samen liefern ALA. Eine Portion Hering oder Lachs reicht rechnerisch für die 250 Milligramm rund einer Woche.

Fisch und anderesPortionDHAEPA
Lachs, Atlantik, Zucht, gegart3 Unzen, rund 85 g1,24 g0,59 g
Lachs, Atlantik, wild, gegart3 Unzen, rund 85 g1,22 g0,35 g
Hering, Atlantik, gegart3 Unzen, rund 85 g0,94 g0,77 g
Sardinen in Tomatensoße, abgetropft3 Unzen, rund 85 g0,74 g0,45 g
Makrele, Atlantik, gegart3 Unzen, rund 85 g0,59 g0,43 g
Forelle, wild, gegart3 Unzen, rund 85 g0,44 g0,40 g
Thunfisch, hell, Dose in Wasser3 Unzen, rund 85 g0,17 g0,02 g
Garnelen, gegart3 Unzen, rund 85 g0,12 g0,12 g
Kabeljau, Pazifik, gegart3 Unzen, rund 85 g0,10 g0,04 g
Ei, gegart1 Stück0,03 g–
Hähnchenbrust, im Ofen gegart3 Unzen, rund 85 g0,02 g0,01 g
Pflanzliche QuellePortionALA
Leinöl1 Esslöffel7,26 g
Chiasamen1 Unze, rund 28 g5,06 g
Walnüsse1 Unze, rund 28 g2,57 g
Leinsamen, ganz1 Esslöffel2,35 g
Rapsöl1 Esslöffel1,28 g
Sojaöl1 Esslöffel0,92 g

gemessen Die Werte stehen so in der US-Nährwertdatenbank, wie sie das Faktenblatt der US-Gesundheitsbehörde NIH auflistet; die Portionen sind dort in US-Maßen angegeben, die Gramm habe ich umgerechnet und gerundet (1 Unze = 28,35 Gramm; ein US-Esslöffel fasst knapp 15 Milliliter). Ein Strich heißt: keine Angabe.2 Die Werte zeigen die Größenordnung – je nach Fang, Zucht und Zubereitung weichen sie ab.

Wie weit eine Portion Fisch reicht Hering: 0,94 g DHA + 0,77 g EPA = 1,71 g · 1,71 g ÷ 0,25 g am Tag ≈ 6,8 Tage Lachs aus Zucht: 1,24 + 0,59 = 1,83 g ≈ 7,3 Tage Makrele: 0,59 + 0,43 = 1,02 g ≈ 4,1 Tage Kabeljau: 0,10 + 0,04 = 0,14 g ≈ gut ein halber Tag Eine Portion Hering oder Lachs pro Woche deckt die 250 Milligramm am Tag rechnerisch fast oder ganz, Makrele gut zur Hälfte; magerer Fisch wie Kabeljau trägt wenig bei

gerechnet Von mir aus den Werten der Tabelle gerechnet; die 250 Milligramm sind der Wert der EFSA.2, 5 Wie viel davon der Körper aufnimmt, ist nicht eingerechnet.

Fisch: wie oft und welcher

Die DGE rät zu Fisch ein- bis zweimal pro Woche; fettreicher Fisch liefert die Omega-3-Fettsäuren.6 Für Schwangere rät das Netzwerk Gesund ins Leben zu Fisch jede Woche, insbesondere einer Portion fettem Meeresfisch wie Makrele, Hering oder Sardine – und davon ab, viel Raubfisch wie Thunfisch oder Schwertfisch zu essen, weil er mehr Schadstoffe enthalten kann.27 Ob mehr Fisch auf dem Teller das Herz schützt, ist in Studien, in denen das Los über die Gruppen entscheidet, kaum geprüft; eine große Auswertung zu Omega-3 (Kapitel 06) fand dazu wenig.14 Ein- bis zweimal Fisch pro Woche erreicht laut BfR nicht die Mengen, die mit Risiken wie Vorhofflimmern in Verbindung gebracht werden.7

Pflanzen: ALA ja, Fischersatz nein

Leinöl liefert am meisten ALA, aber auch Rapsöl, Walnüsse und Chiasamen tragen viel bei.2 Für die DGE-Menge an ALA reicht etwa ein Esslöffel Rapsöl am Tag.2, 12 Sie ersetzt aber nicht EPA und DHA – Kapitel 03. Mehr zu Ölen und Nüssen steht auf meinen Seiten zu Speiseölen und zu Nüssen.

Algen: Omega-3 ohne Fisch

Öl aus Mikroalgen liefert Omega-3 ganz ohne Fisch – laut Verbraucherzentrale die Wahl für Veganer.12 In einer kleinen Studie mit 600 Milligramm DHA am Tag stieg der DHA-Wert im Blut mit Algenöl-Kapseln so stark wie mit gegartem Lachs derselben Menge.13

05Präparate

Präparate: Etikett, Form, Frische und Menge

Wenn Du eine Kapsel nimmst, entscheiden vier Dinge: wie viel EPA und DHA drinsteckt, in welcher Form, wie frisch das Öl ist – und dass Du es mit der Menge nicht übertreibst.

Die Zeilen, die zählen

Die große Zahl auf der Vorderseite beschreibt meist das Öl, nicht die Omega-3-Fettsäuren. Eine typische Fischölkapsel mit 1.000 Milligramm Öl enthält laut NIH 180 Milligramm EPA und 120 Milligramm DHA.2 Manche Etiketten nennen nur „Omega-3 gesamt“, ohne ALA, EPA und DHA zu trennen; DHA muss laut Verbraucherzentrale nur angegeben sein, wenn das Produkt damit wirbt.12 Und das Etikett muss nicht stimmen: In Neuseeland enthielten nur 3 von 32 Fischöl-Präparaten mindestens so viel EPA und DHA wie angegeben, die meisten weniger als zwei Drittel.36

Was eine typische Fischölkapsel liefert 1.000 mg Öl, davon 180 mg EPA und 120 mg DHA 180 + 120 = 300 mg EPA und DHA · 300 ÷ 1.000 = 30 % des Öls Für 250 mg am Tag reicht eine solche Kapsel · für 1,5 g wären es 5 Kapseln Gut zwei Drittel einer solchen Kapsel sind anderes Fett – entscheidend sind die Zeilen „EPA“ und „DHA“

gerechnet Von mir aus den Angaben der NIH zu einer typischen Kapsel gerechnet.2 Konzentrate – Öle, in denen EPA und DHA angereichert sind – enthalten mehr; maßgeblich ist die Nährwerttabelle Deines Produkts.

Welche Form?

In Kapseln stecken EPA und DHA in verschiedenen chemischen Formen: als Triglycerid – der Form, in der sie im natürlichen Fischöl vorliegen –, als Ethylester – Fischöl, das für Konzentrate chemisch umgebaut wurde –, als daraus zurückgebautes Triglycerid oder, im Öl aus Krill, winzigen Meereskrebsen, gebunden an Phospholipide, Bausteine der Zellhüllen.2, 22 Laut NIH werden die Triglycerid-Formen etwas besser aufgenommen als Ethylester; alle Formen heben die Werte im Blut aber deutlich an.2 In einer Studie lag die Aufnahme aus Ethylestern bei 73 Prozent, aus zurückgebauten Triglyceriden bei 124 Prozent der Aufnahme aus natürlichem Fischöl.22 Ob Krillöl besser aufgenommen wird, ist uneinheitlich.2

Die Mahlzeit verschiebt das Bild: In einer kleinen Studie nahmen Männer EPA und DHA aus Ethylestern zu einer fettreichen Mahlzeit dreimal so gut auf – rund 60 statt rund 20 Prozent der eingenommenen Menge – wie in einer früheren Studie derselben Forscher zu einer fettarmen; der erstgenannte Autor arbeitete laut Angabe in der Studie bei einer Pharmafirma.23 Nimmst Du die Kapsel zum Essen, ist ein Ethylester eine vertretbare Wahl – das ist meine Einschätzung. Steht die Form nicht auf der Packung, hilft eine Nachfrage beim Hersteller – das ist mein Rat.

Frisch oder ranzig?

Omega-3-Fettsäuren werden leicht ranzig; viele Präparate enthalten deshalb Vitamin E als Schutz.12 Gemessen wird die Oxidation – das Ranzigwerden – mit Kennzahlen wie der Peroxidzahl, der Anisidinzahl und dem daraus berechneten Gesamtwert TOTOX; die Branche hat dafür freiwillige Grenzen.37 In Neuseeland lag die Hälfte aller Fischöl-Präparate über der Grenze für TOTOX, nur 8 Prozent hielten alle Grenzen ein; Preis, Haltbarkeitsdatum und Herkunft sagten wenig über die Qualität. Diese Grenzen beruhen allerdings auf dem Geschmack; welche Folgen ranziges Fischöl für die Gesundheit hat, ist laut den Autoren unklar.36 In Kanada lagen 39 Prozent über der Grenze für TOTOX; aromatisierte Produkte und Produkte für Kinder schnitten schlechter ab, wobei Zitrusaroma die Messung verfälschen kann.37 Sechs der sieben kanadischen Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie bei einer Firma, gemessen hat deren eigenes Labor, und am Ende empfehlen sie eine bestimmte Art von Präparat – ein möglicher Interessenkonflikt. Zahlen für Deutschland stehen auf dieser Seite nicht. Riecht oder schmeckt eine Kapsel deutlich ranzig, nimmst Du sie nicht – das ist mein Rat.

Wie viel ist zu viel?

Die Fachstellen ziehen die Grenze unterschiedlich. Die EFSA hält bis 5 Gramm EPA und DHA zusammen am Tag aus Präparaten für Erwachsene für unbedenklich, EPA allein bis 1,8 Gramm, DHA allein bis etwa 1 Gramm – vorausgesetzt, die Fettsäuren sind nicht oxidiert. Für die einzelnen Fettsäuren nennt sie damit, wofür ihr Daten ohne Bedenken vorlagen; dass mehr davon schadet, folgt daraus nicht – das ist meine Lesart. Bei 2 bis 6 Gramm EPA und DHA am Tag stieg das LDL-Cholesterin um etwa 3 Prozent, was laut EFSA das Herz-Kreislauf-Risiko nicht erhöhen muss. Eine feste Höchstmenge setzt sie mangels Daten nicht.21 Das BfR war in einer älteren Stellungnahme vorsichtiger: Aus allen Quellen zusammen sollen es im Mittel nicht mehr als 1,5 Gramm am Tag sein. Es sah Hinweise, dass ab etwa 0,7 Gramm das LDL-Cholesterin steigen und ab 1,5 Gramm die Blutungsneigung zunehmen könne.20 Wirbt ein Präparat mit gesundheitlichen Aussagen und liefert mindestens 2 Gramm, muss laut Verbraucherzentrale ein Hinweis darauf stehen, 5 Gramm am Tag nicht zu überschreiten.12 Verbindliche Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel gibt es nicht.12 Ein- bis zweimal Fisch pro Woche erreicht laut BfR nicht die Mengen, die mit Risiken in Verbindung gebracht werden.7

Vorhofflimmern: das Risiko hoher Mengen

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der die Vorhöfe des Herzens unregelmäßig schlagen. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA fand bei Omega-3-Arzneimitteln gegen erhöhte Blutfette ein dosisabhängig erhöhtes Risiko dafür bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Risikofaktoren, am höchsten bei 4 Gramm am Tag; das BfR rät diesen Menschen deshalb, auch Präparate aus dem Handel nur nach ärztlicher Absprache zu nehmen.7, 8 In der großen Studie mit reinem EPA waren das Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder mit Diabetes plus weiteren Risikofaktoren.17

In einer Auswertung von sieben großen Herzstudien trat Vorhofflimmern mit Omega-3 um 25 Prozent häufiger auf – mit mehr als 1 Gramm am Tag um 49 Prozent, mit bis zu 1 Gramm um 12 Prozent.11 Eine neuere Auswertung von 35 Studien fand über alle Studien 14 Prozent mehr Vorhofflimmern. Nach Herzrisiko und Menge aufgeteilt, war der Anstieg nur bei Menschen mit hohem Herzrisiko und mehr als 1,5 Gramm am Tag gesichert – absolut 0,8 Prozentpunkte, von 1.000 Menschen also etwa 8 mehr; in den übrigen Gruppen nicht, bei geringem Risiko und großer Menge allerdings auf Grundlage weniger Fälle.26 Drei der Autoren nennen Interessen: Einer ist medizinischer Leiter einer Firma, die Omega-3-Produkte verkauft; einer – einer der beiden Erfinder des Omega-3-Index – hält Anteile an einem Labor, das den Index misst; die Erstautorin erhielt eine Förderung von GOED, einer Organisation, die sich als Interessenvertretung der Omega-3-Branche beschreibt. In einer großen Studie mit älteren Gesunden ohne Herzerkrankung trat mit 840 Milligramm EPA und DHA am Tag über gut fünf Jahre nicht gesichert mehr Vorhofflimmern auf.38 Bei kleinen Mengen sind die Befunde also nicht einheitlich: In der einen Auswertung stieg das Risiko schon mit bis zu 1 Gramm leicht, in der neueren Auswertung und in dieser Studie nicht gesichert.

Blutungen, Magen, Wechselwirkungen

Omega-3 hemmt die Blutplättchen; in hohen Mengen kann es die Blutungszeit verlängern.2, 12 In einer Auswertung von elf großen Studien gab es mit Omega-3 insgesamt nicht gesichert mehr Blutungen; nur hochdosiertes reines EPA erhöhte das Risiko um die Hälfte, absolut aber nur um 0,6 Prozentpunkte – von 1.000 Menschen etwa 6 mehr.29 Bezahlt hat diese Auswertung mit einem Zuschuss dieselbe Pharmafirma, die auch die große Herzstudie mit reinem EPA bezahlt hat – ein möglicher Interessenkonflikt. Die Wirkung gerinnungshemmender Mittel wie ASS kann sich laut Verbraucherzentrale verstärken; bei Gerinnungshemmern wie Warfarin, einem Mittel zur Blutverdünnung, sollte der Arzt die Gerinnung kontrollieren, schreibt die NIH.2, 12 Häufige Nebenwirkungen sind ein unangenehmer Geschmack, Mundgeruch, Sodbrennen, Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall und Kopfschmerzen.2 In einer großen Studie mit 4 Gramm am Tag hatte jeder Vierte Magen-Darm-Beschwerden, in der Vergleichsgruppe mit Maisöl jeder Siebte.18

06Was es bringt

Was Omega-3 bringt – und was nicht

Viel versprochen, einiges gemessen: Ein Blutfett sinkt verlässlich, das Herz-Kreislauf-Risiko Gesunder kaum – und für mehr Muskeln fehlen die Belege.

Herz: bei Gesunden kaum Schutz

Die umfangreichste Auswertung, nach strengen Regeln im Cochrane-Netzwerk erstellt, fasst 86 Studien mit Erwachsenen mit und ohne Herzerkrankung zusammen, die mindestens ein Jahr liefen, meist mit Kapseln. Omega-3 senkte das Risiko zu sterben und das für Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt, etwa Herzinfarkt und Schlaganfall, kaum oder gar nicht; diesem Ergebnis vertrauen die Autoren stark. Beim Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen lag das Risiko um 8 Prozent niedriger, was die Autoren als kaum oder keinen Unterschied werten. Für Herzinfarkte und andere Ereignisse an den Herzkranzgefäßen ist ein kleiner Nutzen möglich, aber unsicher.14 In einer Studie mit älteren Gesunden in den USA brachten 840 Milligramm EPA und DHA am Tag über gut fünf Jahre nicht weniger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse als ein Scheinmittel, ein Präparat ohne Wirkstoff – Fachleute sagen Placebo; Herzinfarkte allein waren in einer Nebenauswertung seltener – einer zusätzlichen Prüfung, die weniger sicher ist als das vorab festgelegte Hauptergebnis.15 Bei Menschen mit Diabetes ohne Herzerkrankung brachte Omega-3 über gut sieben Jahre keinen Unterschied gegenüber Kapseln mit Olivenöl als Scheinmittel.16

Anders sah es mit 4 Gramm reinem EPA am Tag als Arzneimittel aus – einer anderen Größenordnung als eine typische Kapsel mit 300 Milligramm EPA und DHA –, bei Menschen mit hohem Herzrisiko und erhöhten Blutfetten, die schon Cholesterinsenker nahmen: Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse waren um ein Viertel seltener.17 Bezahlt hat die Studie eine Pharmafirma, bei der fünf der Autoren arbeiten. Das Scheinmittel war Mineralöl – und darunter stiegen Entzündungswerte und LDL-Cholesterin; ob das den Unterschied erklärt, ist offen.31 Eine große Studie mit täglich 4 Gramm eines Präparats aus EPA und DHA gegen Maisöl als Scheinmittel wurde vorzeitig beendet, weil sich kein Nutzen abzeichnete; sechs ihrer Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie bei einem Pharmakonzern.18 Für Omega-3-Kapseln als Nahrungsergänzung fasst die Verbraucherzentrale zusammen: Aktuelle Studien zeigen keinen Nutzen für Herz und Gefäße.12

Blutfette: Triglyceride sinken

Verlässlich sinkt ein Blutfett, die Triglyceride: in der großen Auswertung im Mittel um rund 15 Prozent, je mehr Omega-3, desto stärker.14 DHA senkte sie in einer Übersicht, die Studien nach festen Regeln auswertet, stärker als EPA, hob aber das LDL-Cholesterin an; die Studien darin waren klein und nutzten mehr als 2 Gramm am Tag.39 Einer der beiden Autoren berät mehrere Firmen der Ernährungs- und Pharmabranche – ein möglicher Interessenkonflikt. Gegen erhöhte Blutfette gibt es Omega-3 auch als Arzneimittel; das gehört in ärztliche Hände.8

Muskeln: kein belegter Aufbau

Im Kraftsport heißt es oft, Omega-3 helfe beim Muskelaufbau. Bei krafttrainierten jungen Männern änderte eine hohe Menge Fischöl in einer kleinen Studie nach acht Wochen nicht, wie viel Muskeleiweiß nach Krafttraining und einer Portion Molkeneiweiß aufgebaut wurde; bestimmte Signale für den Aufbau fielen sogar schwächer aus. Womöglich war die Studie zu klein, um einen kleinen Effekt zu finden, schreiben die Autoren.30 Bei Gesunden zwischen 60 und 85 wuchs das Muskelvolumen am Oberschenkel in einer kleinen Studie in sechs Monaten mit Fischöl um 3,6 Prozent stärker als mit Maisöl, die Handkraft um gut 2 Kilogramm.40 Eine Übersicht über 33 Übersichtsarbeiten kam insgesamt aber zu dem Schluss, dass die Studien Omega-3 allein nicht stützen, um bei jüngeren oder älteren Gesunden Muskelmasse, Kraft oder körperliche Funktion zu verbessern; Hinweise auf mehr Muskelmasse gab es vor allem bei Älteren.9

Muskelkater: vielleicht etwas weniger

Nach ungewohntem, bremsendem Training – Fachleute sagen exzentrisch, etwa langsames Absenken einer Last – war der Muskelkater mit Omega-3 in einer Auswertung knapp einen Punkt schwächer auf einer Skala von 0 bis 10. Das liegt unter der Schwelle von 1,4 Punkten, ab der Betroffene den Unterschied meist spüren; Kraft und Beweglichkeit waren nicht besser. Die Teilnehmer hatten vorher kaum Krafttraining gemacht; ob es bei Sportlern genauso ist, halten die Autoren für offen.10 Eine neuere Auswertung von neun Studien fand einen mittleren bis großen Effekt auf den Muskelkater, dazu am schlimmsten Tag mehr Kraft und deutlich mehr Beweglichkeit, bei breitem Vertrauensbereich. Die Autoren nennen die Belege aber vorläufig: Viele Studien hatten Schwächen, vier kamen aus demselben Labor, und in den Studien der Übersicht reichten die Mengen von unter 20 Milligramm bis über 6 Gramm; ein Autor arbeitet mit Herstellern von Krillöl und Muscheln zusammen.19

Schwangerschaft: etwas weniger Frühgeburten

In einer Cochrane-Auswertung von 70 Studien kamen mit Omega-3 in der Schwangerschaft weniger Kinder zu früh zur Welt: vor der 37. Woche 11,9 statt 13,4 Prozent, vor der 34. Woche 2,7 statt 4,6 Prozent – Belege von hoher Qualität. Dafür dauerte die Schwangerschaft etwas häufiger länger als 42 Wochen.28 Die DGE nennt für Schwangere und Stillende im Mittel mindestens 200 Milligramm DHA am Tag.1 Mehr zu Fisch in der Schwangerschaft steht in Kapitel 04.

07Faktencheck

Was Du über Omega-3 hören wirst – und was davon stimmt

Rund um Omega-3 und Fischöl kursieren viele Aussagen – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmt eine, drei stimmen halb, sechs stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht. Wie sicher die Studienlage jeweils ist, steht in Kapitel 09.

✓„Wer ein- bis zweimal pro Woche Fisch isst, braucht keine Omega-3-Kapseln.“ Stimmt – für Gesunde. Laut BfR brauchen Gesunde keine Fischöl-Präparate, besonders wenn sie regelmäßig Fisch essen.7 Für die 250 Milligramm der EFSA sollte fetter Fisch dabei sein: Eine Portion Hering oder Lachs reicht rechnerisch für rund eine Woche, eine Portion Kabeljau nur für gut einen halben Tag.2, 5
✕„Omega-3-Kapseln schützen vor Herzinfarkt.“ Stimmt so nicht – gesichert ist das nicht. In einer großen Auswertung wurden Todesfälle und Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt, etwa Herzinfarkte und Schlaganfälle, mit Omega-3 kaum oder gar nicht seltener; für Herzinfarkte und andere Ereignisse an den Herzkranzgefäßen ist ein kleiner Nutzen möglich, aber unsicher.14 Zwei große Studien mit Menschen ohne Herzerkrankung fanden keinen gesicherten Schutz – in einer davon waren Herzinfarkte nur in einer Nebenauswertung seltener.15, 16 Ob hochdosiertes Omega-3 als Arzneimittel Menschen mit hohem Herzrisiko hilft, ist umstritten.17, 18, 31
✕„Leinöl ist so gut wie Fischöl.“ Stimmt so nicht. Leinöl liefert ALA, aber daraus baut der Körper wenig EPA und noch weniger DHA – bei jungen Männern war in einer Studie gar kein neues DHA messbar.2, 3, 4
✕„Omega-6 fördert Entzündungen.“ Stimmt so nicht. In einer Auswertung von 30 Studien, in denen das Los entschied, änderte mehr Linolsäure die Entzündungswerte im Blut nicht gesichert;32 in Beobachtungsstudien ging sie sogar mit weniger Herzkrankheiten einher.33 Ein festes Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 legt die EFSA nicht fest.5
~„Omega-3 hilft gegen Muskelkater.“ Stimmt halb. In einer Auswertung war der Muskelkater mit Omega-3 knapp einen Punkt auf einer Skala von 0 bis 10 schwächer – weniger, als Betroffene meist spüren;10 eine neuere fand einen mittleren bis großen Effekt, stützt sich aber auf Studien mit Schwächen.19
✕„Omega-3 baut Muskeln auf.“ Stimmt so nicht. Eine Übersicht über 33 Übersichtsarbeiten fand kaum Belege für mehr Muskelmasse oder Kraft bei Gesunden;9 bei krafttrainierten jungen Männern änderte Fischöl in einer kleinen Studie den Aufbau von Muskeleiweiß nach Krafttraining nicht.30 Bei Älteren gibt es erste Hinweise aus einer kleinen Studie.40
✕„Auf der Packung steht 1.000 Milligramm – also bekomme ich 1.000 Milligramm Omega-3.“ Stimmt so nicht. Eine typische Kapsel mit 1.000 Milligramm Fischöl enthält 180 Milligramm EPA und 120 Milligramm DHA – zusammen 300.2
✕„Bei Omega-3 gilt: viel hilft viel.“ Stimmt so nicht. In großen Herzstudien stieg das Risiko für Vorhofflimmern mit mehr als 1 Gramm am Tag stärker als mit weniger;11 die EMA fand es bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Risikofaktoren am höchsten bei 4 Gramm am Tag.8 Nach einer Empfehlung des BfR sollen aus allen Quellen im Mittel nicht mehr als 1,5 Gramm am Tag zusammenkommen.20 Mit der Menge sinken nur die Triglyceride stärker – ein Blutwert, kein Schutz vor Herzinfarkten.14
~„Fischöl macht das Blut dünn.“ Stimmt halb. Omega-3 hemmt die Blutplättchen und kann in hohen Mengen die Blutungszeit verlängern;2 in einer Auswertung von elf großen Studien, gefördert von einer Pharmafirma, gab es insgesamt aber nicht gesichert mehr Blutungen, nur mit hochdosiertem reinem EPA etwas mehr.29 Mit Blutverdünnern wie ASS klärst Du es trotzdem ärztlich.12
~„Viele Fischöl-Kapseln sind ranzig.“ Stimmt halb. In Neuseeland lag die Hälfte der Präparate beim Gesamtwert für das Ranzigwerden über der empfohlenen Grenze, in Kanada 39 Prozent.36, 37 Diese Grenzen beruhen auf dem Geschmack; was ranziges Öl für die Gesundheit bedeutet, ist unklar.36 Zahlen für Deutschland stehen auf dieser Seite nicht.
Kurz gesagt Fünf der sechs Aussagen, die so nicht stimmen, trauen Omega-3 zu viel zu: als Herzschutz, als Muskelbaustein, aus Leinöl, in großer Menge und bei der Zahl auf der Packung; die sechste macht Omega-6 schlechter, als es ist.
08Grenzen

Was Omega-3 nicht kann – und was die Studien offenlassen

Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie nicht zeigen.

✕Kein gesicherter Herzschutz für Gesunde. Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herztod zusammengenommen wurden mit Kapseln kaum oder gar nicht seltener.14, 15, 16
✕Kein belegter Muskelaufbau. Für mehr Muskelmasse oder Kraft bei Gesunden fanden Übersichten kaum Belege; bei Älteren gibt es erste Hinweise.9, 40
✕Kein Fischersatz aus Leinöl. Aus pflanzlicher ALA entsteht wenig EPA und noch weniger DHA.3, 4
✕Studien mit Grenzen. Die großen Herzstudien liefen mit Menschen im Mittel um die 65, oft mit erhöhtem Risiko; die Studien zu Muskeln und Muskelkater waren klein; die Tests auf Ranzigkeit stammen aus Neuseeland und Kanada.11, 19, 36, 37, 40
✕Keine Behandlung. Diese Seite erklärt Omega-3 – sie stellt keine Diagnose und ersetzt keine Therapie.
Blutfett sinkt

Heißt nicht: ein geschütztes Herz

Omega-3 senkte die Triglyceride verlässlich. Daraus könnte man schließen, es senke auch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herztod. In den Studien geschah das kaum – trotz niedrigerer Blutfette wurden diese Ereignisse zusammengenommen und Todesfälle kaum seltener.14

Omega-3-Index

Ein hoher Wert ist kein Schutzbrief

In den Studien, die seine Erfinder auswerteten, ging ein hoher Index mit weniger Herztod einher. Daraus könnte man schließen, wer seinen Index mit Kapseln hebt, schütze sein Herz. Das zeigten die großen Studien mit Kapseln bei Gesunden nicht – ein Zusammenhang ist kein Beweis.14, 24

Medizinische Vorgeschichte

Im Mittel, nicht im Einzelfall

Die Studien auf dieser Seite zeigen, was im Mittel für eine Gruppe gilt. Mit einer Vorerkrankung zählt Dein eigener Fall – den klärst Du mit Deinem Arzt.

09Wie sicher

Wie sicher ist das alles?

Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.

So lesen sich die Stufen: gut belegt – große Auswertungen oder Studien, alle in dieselbe Richtung · belegt – mehrere kleinere Studien oder Bewertungen von Fachgremien, gleiche Richtung · erste Hinweise – eine Studie, wenige Fälle, nur indirekt gemessen oder ein Ergebnis, dem die Autoren selbst wenig vertrauen · uneinheitlich – Studien widersprechen sich · nicht belegt – Studien fanden keinen Effekt, oder es gibt keine passenden Studien. Die Zeichen im Faktencheck sagen, ob eine Aussage stimmt; die Stufen hier, wie sicher das ist.

AussageEinordnung
Fisch ein- bis zweimal pro Woche reicht Gesunden, Kapseln sind dann unnötigbelegt – Empfehlungen und Bewertungen von DGE, BfR und EFSA; die Nährwerte stammen aus der US-Datenbank
Kapseln senken das Risiko zu sterben und das für Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt kaum oder gar nichtgut belegt – eine große Auswertung mit Erwachsenen mit und ohne Herzerkrankung, der die Autoren hier stark vertrauen, und zwei große Studien mit Menschen ohne Herzerkrankung in dieselbe Richtung
Ein kleiner Nutzen für die Herzkranzgefäße, auch bei Herzinfarktenerste Hinweise – in der großen Auswertung möglich, die Autoren vertrauen diesem Ergebnis aber nur wenig; in einer großen Studie waren Herzinfarkte nur in einer Nebenauswertung seltener
Hochdosiertes Omega-3 als Arzneimittel hilft Menschen mit hohem Herzrisikouneinheitlich – eine große Studie mit reinem EPA mit Nutzen, aber mit Mineralöl als Vergleich, unter dem Entzündungswerte stiegen; eine zweite mit EPA und DHA gegen Maisöl ohne Nutzen
Omega-3 senkt die Triglyceridegut belegt – große Auswertung, hohe Sicherheit, je mehr, desto stärker
Hohe Mengen machen bei Menschen mit Herzrisiko Vorhofflimmern häufigerbelegt – zwei Auswertungen vieler Studien und die Bewertung der EMA; bei älteren Gesunden mit 840 Milligramm am Tag kein gesicherter Anstieg
Omega-3 erhöht das Blutungsrisiko insgesamt nichtbelegt – eine Auswertung von elf großen Studien, gefördert von einer Pharmafirma, und die Bewertung der EFSA bis 5 Gramm am Tag; hochdosiertes reines EPA erhöhte es leicht
Aus pflanzlicher ALA entsteht wenig EPA und noch weniger DHAbelegt – zwei Studien mit markierter ALA, eine davon sehr klein; die NIH nennt ebenfalls geringe Umwandlungsraten
Omega-3 schwächt Muskelkater abuneinheitlich – zwei Auswertungen: eine fand einen kaum spürbaren, eine einen mittleren bis großen Effekt; viele Studien mit Schwächen
Omega-3 baut bei jüngeren Gesunden Muskeln aufnicht belegt – eine Übersicht über 33 Übersichtsarbeiten fand kaum Belege; bei krafttrainierten jungen Männern keine Wirkung auf den Aufbau von Muskeleiweiß, in einer kleinen, womöglich zu kleinen Studie
Omega-3 stärkt bei Älteren die Muskelnerste Hinweise – eine kleine Studie mit mehr Muskelvolumen und Kraft; Hinweise aus Übersichten vor allem bei Älteren, insgesamt aber nicht gestützt
Omega-3 in der Schwangerschaft senkt die Zahl der Frühgeburtengut belegt – Cochrane-Auswertung von 70 Studien, Belege von hoher Qualität
Mehr Linolsäure erhöht die Entzündungswerte nichtbelegt – eine Auswertung von 30 Studien, in denen das Los entschied; bei sehr starkem Anstieg vielleicht ein Entzündungswert
Eine typische Kapsel mit 1.000 Milligramm Fischöl enthält rund 300 Milligramm EPA und DHAbelegt – Angabe der NIH; in Neuseeland enthielten viele Präparate weniger als auf dem Etikett
Ethylester werden schlechter aufgenommen, zum fettreichen Essen bessererste Hinweise – kleine Studien, eine davon aus einer Firma; die NIH sieht nur etwas bessere Aufnahme anderer Formen
Viele Präparate sind zu stark oxidierterste Hinweise – zwei Markttests aus Neuseeland und Kanada, einer davon von einer Firma; die Grenzen beruhen auf dem Geschmack, die Folgen für die Gesundheit sind unklar; keine Zahlen für Deutschland
Algenöl liefert DHA so gut wie Fischerste Hinweise – eine kleine Studie über zwei Wochen

Sechs Zahlen zum Mitnehmen

Das Kurze · Fazit in Zahlen

Jede Zahl mit Quelle und Haken

Die sechs Zahlen stammen aus Auswertungen, die viele Studien zusammenrechnen, aus Angaben einer Behörde der EU und der US-Gesundheitsbehörde NIH und aus der US-Nährwertdatenbank, Stand Oktober 2026; wo ich eine davon selbst gerechnet habe, steht es dabei. Zu jeder steht, was herauskam und wo der Haken liegt.

250 mg
EPA und DHA am Tag – für Erwachsene
ausreichend laut EFSA

Fetter Fisch ein- bis zweimal pro Woche liefert das: erst der Teller, dann vielleicht die Kapsel.

Haken

Ein Wert für eine angemessene Zufuhr, keine genaue Bedarfszahl: Wie viel der Körper genau braucht, ist laut Verbraucherzentrale unbekannt.

Quelle: EU-Lebensmittelbehörde EFSA 2010 · Referenzwerte für Fette5, 12
1,7 g
EPA und DHA in einer Portion Hering,
85 Gramm gegart

So viel wie knapp sieben Tage lang 250 Milligramm: eine Portion Hering liefert so viel wie fünf bis sechs typische Kapseln.

Haken

US-Werte, je nach Fisch sehr verschieden – eine Portion Kabeljau liefert nur 0,14 Gramm; wie viel davon der Körper aufnimmt, ist nicht eingerechnet.

Quelle: US-Nährwertdatenbank im Faktenblatt der US-Gesundheitsbehörde NIH · von mir gerechnet: 0,94 g DHA + 0,77 g EPA2
300 mg
EPA und DHA in einer typischen
Kapsel mit 1.000 mg Fischöl

Die große Zahl auf der Vorderseite ist das Öl: Lies die Zeilen „EPA“ und „DHA“.

Haken

„Typisch“ heißt nicht „Deine“: Konzentrate enthalten mehr – und in Neuseeland enthielten nur 3 von 32 Präparaten so viel, wie das Etikett angab.

Quelle: US-Gesundheitsbehörde NIH, Faktenblatt Omega-3 · Summe von mir gerechnet aus 180 mg EPA + 120 mg DHA; Albert und Kollegen 2015 · 32 Präparate2, 36
−15 %
Triglyceride, ein Blutfett,
mit mehr Omega-3, im Mittel

Das Blutfett sinkt, Herz-Kreislauf-Ereignisse und Todesfälle kaum: für Gesunde kein gesicherter Herzschutz aus der Kapsel.

Haken

Für die Herzkranzgefäße ist ein kleiner Nutzen möglich, aber unsicher; die Studien liefen meist mit Kapseln, über das Essen von Fisch sagen sie wenig.

Quelle: Abdelhamid und Kollegen 2020 (Cochrane) · 86 Studien mit 162.796 Teilnehmern14
+25 %
Vorhofflimmern mit Omega-3-Kapseln
in sieben großen Herzstudien

Mehr ist nicht besser: mit Herzleiden nur nach ärztlicher Absprache.

Haken

Vor allem mit mehr als 1 Gramm am Tag; in einer neueren Auswertung – drei ihrer Autoren haben Verbindungen zu Firmen oder Verbänden rund um Omega-3 – war der Anstieg nur bei hohem Herzrisiko und mehr als 1,5 Gramm gesichert, absolut 0,8 Prozentpunkte, von 1.000 Menschen etwa 8 mehr. Bei älteren Gesunden mit 840 Milligramm am Tag kein gesicherter Anstieg.

Quelle: Gencer und Kollegen 2021 · 7 Studien mit 81.210 Teilnehmern, im Mittel 65 Jahre11, 26, 38
−0,93
Punkte Muskelkater auf einer Skala
von 0 bis 10, mit Omega-3

Weniger, als Betroffene meist spüren: gegen Muskelkater höchstens ein kleiner Effekt.

Haken

Belege von niedriger Qualität, Teilnehmer meist untrainiert; eine neuere Auswertung fand einen mittleren bis großen Effekt, vier ihrer neun Studien kamen aber aus demselben Labor.

Quelle: Lv und Kollegen 2020 · Auswertung von 9 der 12 Studien einer Übersicht10, 19

Jede dieser sechs Zahlen ist an der Quelle selbst geprüft, Stand 27.10.2026 – Studien an ihrer Kurzfassung, dem Überblick am Anfang jeder Studie, in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, und, wo frei zugänglich, an der vollständigen Arbeit; die Angaben von EFSA und NIH an ihren eigenen Dokumenten. Die ausführlichen Angaben, mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, soweit ich sie prüfen konnte, folgen im Kapitel „Belegt“.

Der eine Satz, wenn Du Dir nur einen merkst Ein- bis zweimal pro Woche Fisch, darunter fetten, erreicht meist den Wert der EFSA – Kapseln sind dann meist überflüssig, als Herzschutz für Gesunde und für Muskelaufbau nicht belegt und in hoher Menge für Herzkranke nicht ohne Risiko.
10Belegt

Worauf sich diese Seite stützt

Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Teilnehmer, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Studien habe ich über PubMed geprüft, Angaben von Behörden, Fachgesellschaft und Verbraucherzentrale an ihren eigenen Dokumenten. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.

40 Quellen · hier aufklappenzuklappenGeldgeber und Interessenkonflikte

Ein paar Begriffe, die in den Belegen vorkommen: Eine Auswertung – Fachleute sagen Meta-Analyse – rechnet die Ergebnisse vieler Studien zusammen; eine Übersichtsarbeit fasst den Stand der Forschung zusammen, eine systematische Übersicht sucht und bewertet die Studien dabei nach festen Regeln. Cochrane ist ein internationales Netzwerk, das systematische Übersichten nach strengen Regeln erstellt. Ausgelost – Fachleute sagen randomisiert – heißt: Das Los entscheidet, wer das Mittel bekommt und wer in die Vergleichsgruppe kommt. Ein Scheinmittel – Fachleute sagen Placebo – sieht aus wie das echte Mittel, enthält es aber nicht. Verblindet heißt: Die Teilnehmer wissen nicht, wer das echte Mittel bekommt – einfach verblindet; doppelt verblindet: auch die Untersucher nicht. Gesichert heißt: so deutlich, dass Zufall als Erklärung unwahrscheinlich ist. Zwei Zahlen mit „bis“ in Klammern, etwa (0,80 bis 1,06), sind der Vertrauensbereich, in dem der wahre Wert vermutlich liegt; schließt er bei Verhältnissen wie dem relativen Risiko die 1 ein, bei Unterschieden wie Punkten, Prozent oder standardisierten Effekten die 0, gilt ein Unterschied als nicht gesichert. Der Median ist der mittlere Wert, wenn man alle Werte der Größe nach ordnet. Das Verzerrungsrisiko gibt an, wie stark Mängel im Aufbau einer Studie ihr Ergebnis verfälschen können. Relatives Risiko, Hazard Ratio, Odds Ratio und Ratenverhältnis vergleichen das Risiko mit dem Mittel und ohne: 1 heißt kein Unterschied, 0,75 ein Viertel weniger, 1,25 ein Viertel mehr. Prozentpunkte sind der Abstand zwischen zwei Prozentwerten: von 2 auf 2,8 Prozent sind 0,8 Prozentpunkte. Ein standardisierter Effekt macht verschiedene Messskalen vergleichbar; 0,2 gilt als klein, 0,5 als mittel, 0,8 als groß. Die Hauptzielgröße legt eine Studie vorher fest; eine Nebenauswertung prüft weitere Fragen und ist weniger sicher. Triglyceride sind Fette im Blut, die bei Blutuntersuchungen gemessen werden; LDL- und HDL-Cholesterin sind zwei Formen, in denen Cholesterin im Blut transportiert wird. CRP, Interleukine und TNF sind Entzündungswerte im Blut, CK ist ein Muskelenzym, das nach Muskelschäden steigt. Peroxidzahl und Anisidinzahl messen frühe und späte Abbaustoffe beim Ranzigwerden, TOTOX rechnet beide zusammen. Ethylester sind chemisch umgebaute Fettsäuren für Konzentrate, Triglyceride die natürliche Form im Fischöl, Phospholipide Fettbausteine der Zellhüllen.

So liest Du die Angaben zu den Geldgebern PubMed, die Studiendatenbank der US-Nationalbibliothek für Medizin, ordnet Studien nach ihren Geldgebern ein: Stellen der US-Regierung – und „außerhalb der US-Regierung“ für alles andere. „Außerhalb der US-Regierung“ heißt also: Das Geld kam von Hochschulen, Stiftungen, anderen Staaten oder Firmen – wer genau, steht nur in der vollständigen Arbeit. Steht bei einer Studie kein Geldgeber, „nicht geprüft“ oder „nicht prüfbar“, habe ich die Finanzierung nicht selbst gelesen.
1Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Referenzwerte Fett, essenzielle Fettsäuren. Stand der Ableitung 2000. dge.de Erwachsene: Fett 30 % der Energie (bei hohem Energiebedarf durch viel Bewegung gegebenenfalls mehr), Schwangere ab dem 4. Monat und Stillende 30–35 %; Linolsäure (Omega-6) 2,5 % und Alpha-Linolensäure (Omega-3) 0,5 % der Energie, als Schätzwert – für Erwachsene, Schwangere und Stillende gleich; dazu: „Schwangere und Stillende sollten im Durchschnitt mindestens 200 mg Docosahexaensäure/Tag zuführen.“ Eigene Werte für EPA und DHA, für Sportler oder für ein Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 nennt die Seite nicht. Hinweis: Referenzwerte einer Fachgesellschaft, keine eigene Studie; die Ableitung stammt aus dem Jahr 2000, für die Tabelle der essenziellen Fettsäuren nennt die Seite kein eigenes Datum.
2National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Omega-3 Fatty Acids – Fact Sheet for Health Professionals. ods.od.nih.gov Faktenblatt der US-Gesundheitsbehörde NIH. Tabelle 2 nach der US-Nährwertdatenbank, Gramm je Portion: Leinöl 1 Esslöffel ALA 7,26 · Chiasamen 1 Unze ALA 5,06 · Walnüsse 1 Unze ALA 2,57 · Leinsamen ganz 1 Esslöffel ALA 2,35 · Lachs Atlantik aus Zucht, gegart, 3 Unzen DHA 1,24, EPA 0,59 · Lachs Atlantik wild, gegart, DHA 1,22, EPA 0,35 · Hering Atlantik, gegart, DHA 0,94, EPA 0,77 · Rapsöl 1 Esslöffel ALA 1,28 · Sardinen in Tomatensoße, abgetropft, DHA 0,74, EPA 0,45 · Makrele Atlantik, gegart, DHA 0,59, EPA 0,43 · Sojaöl 1 Esslöffel ALA 0,92 · Forelle wild, gegart, DHA 0,44, EPA 0,40 · Thunfisch hell, Dose in Wasser, DHA 0,17, EPA 0,02 · Garnelen, gegart, DHA 0,12, EPA 0,12 · Kabeljau Pazifik, gegart, DHA 0,10, EPA 0,04 · Ei, gegart, 1 Stück DHA 0,03 · Hähnchenbrust, gegart, DHA 0,02, EPA 0,01. Die Umwandlung von ALA zu EPA und DHA ist sehr begrenzt, „with reported rates of less than 15%“. Eine typische Fischölkapsel liefert rund 1.000 mg Fischöl mit 180 mg EPA und 120 mg DHA. Formen: natürliche Triglyceride; Ethylester, bei denen Glycerin durch Ethanol ersetzt ist; daraus zurückgebaute Triglyceride; im Krillöl vor allem Phospholipide. Zurückgebaute und natürliche Triglyceride sowie freie Fettsäuren werden etwas besser aufgenommen als Ethylester, alle Formen heben EPA und DHA im Blut aber deutlich; ob Krillöl besser aufgenommen wird, ist uneinheitlich. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hält bis 5 g EPA und DHA am Tag aus Nahrungsergänzung für sicher; Etiketten sollen nicht mehr als 2 g am Tag empfehlen. 2 bis 15 g am Tag können die Blutungszeit verlängern, weil die Blutplättchen weniger verklumpen; bei Warfarin, einem Gerinnungshemmer, änderten 3 bis 6 g Fischöl die Gerinnung meist nicht deutlich, der Gerinnungswert sollte trotzdem kontrolliert werden. Häufige, meist milde Nebenwirkungen: unangenehmer Geschmack, Mundgeruch, Sodbrennen, Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall, Kopfschmerz, Schweißgeruch. Der Omega-3-Index gibt EPA und DHA in den Hüllen der roten Blutkörperchen an und dient als Ersatzmaß für die Gehalte im Gewebe. In zwei großen Studien erhöhten 4 g am Tag über Jahre das Risiko für Vorhofflimmern bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder hohem Risiko leicht. Hinweis: Faktenblatt einer Behörde, keine eigene Studie; ein Aktualisierungsdatum zeigt die Seite nicht, gelesen im Oktober 2026. US-Maße: 3 Unzen = 85 g, 1 Unze = 28,35 g, ein US-Esslöffel fasst knapp 15 ml.
3Burdge GC, Jones AE, Wootton SA (2002). Eicosapentaenoic and docosapentaenoic acids are the principal products of alpha-linolenic acid metabolism in young men. British Journal of Nutrition 88(4):355–363. DOI 10.1079/BJN2002662 · PMID 12323085 Sechs junge Männer erhielten mit Kohlenstoff-13 markierte ALA zu einer gemischten Mahlzeit; die Markierung ließ sich im Blut bis zu 21 Tage verfolgen. Rund 33 % wurden binnen 24 Stunden als Energie verbrannt und ausgeatmet; gebildet wurden EPA und DPA, eine Zwischenstufe auf dem Weg zu DHA. Eine Anreicherung von DHA war in keinem Teil der Blutfette nachweisbar. Schluss der Autoren: Die Fähigkeit erwachsener Männer, ALA zu DHA umzubauen, ist sehr gering oder fehlt; DHA aus der Nahrung könnte für sie entscheidend sein. Einschränkung: sechs Teilnehmer, Messung über drei Wochen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
4Burdge GC, Wootton SA (2002). Conversion of alpha-linolenic acid to eicosapentaenoic, docosapentaenoic and docosahexaenoic acids in young women. British Journal of Nutrition 88(4):411–420. DOI 10.1079/BJN2002689 · PMID 12323090 Junge Frauen erhielten 700 mg markierte ALA, Messung über 21 Tage. Geschätzte Umwandlung: EPA 21 %, DPA 6 %, DHA 9 %; rund 22 % wurden binnen 24 Stunden als Energie verbrannt und ausgeatmet. Im Vergleich mit früheren Studien vermuten die Autoren, dass Frauen mehr umbauen können als Männer – womöglich wichtig für den DHA-Bedarf von Kind und Mutter in Schwangerschaft und Stillzeit. Einschränkung: geschätzte Raten; die Teilnehmerzahl habe ich nicht geprüft (nur Kurzfassung). Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
5EU-Lebensmittelbehörde EFSA (2010). Scientific Opinion on Dietary Reference Values for fats. EFSA Journal 8(3):1461. efsa.europa.eu Gutachten zu den Referenzwerten für Fette. Für Erwachsene eine angemessene Zufuhr von 250 mg EPA plus DHA am Tag; für Schwangere und Stillende zusätzlich 100 bis 200 mg fertige DHA; für ALA 0,5 % und für Linolsäure 4 % der Energie (die DGE nennt für Linolsäure 2,5 %). Für das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 legt das Gremium ausdrücklich keine Werte fest. Hinweis: Bewertung einer Behörde, gelesen an der Zusammenfassung. „Angemessene Zufuhr“ heißt: ein Wert, der für die Versorgung reicht, keine genaue Bedarfszahl; laut einer späteren Mitteilung der EFSA gilt er für die allgemeine Herz-Kreislauf-Gesundheit (Beleg 21).
6Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2024). Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen. dge.de „Essen Sie ein- bis zweimal Fisch pro Woche, am besten aus nachhaltigen Quellen.“ Fettreicher Fisch liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Bei Ölen: „Bevorzugen Sie beispielsweise Rapsöl und daraus hergestellte Margarine.“ Empfehlenswert sind außerdem Walnuss-, Lein-, Soja- und Olivenöl; pflanzliche Öle sind reich an lebensnotwendigen Fettsäuren und Vitamin E. Hinweis: Empfehlungen einer Fachgesellschaft von 2024; die Webseite selbst zeigt kein Datum und nennt keine Portionsgrößen.
7Bundesinstitut für Risikobewertung (2023). Präparate mit Omega-3-Fettsäuren können bei Herzpatienten das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen. Mitteilung Nr. 57/2023 vom 16.11.2023. bfr.bund.de Nach einer Auswertung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA kann die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren bei Menschen mit bestehender oder drohender Herzerkrankung das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen, abhängig von der Dosis und am höchsten bei 4 g am Tag. Für Gesunde hält das BfR Fischöl-Konzentrate aus Nahrungsergänzungsmitteln nicht für nötig, besonders bei regelmäßigem Fischverzehr. Menschen mit Herzerkrankung oder entsprechenden Risikofaktoren sollen solche Präparate nur nach Absprache mit einem Arzt nehmen, vor allem über längere Zeit. Ein- bis zweimal Fisch pro Woche wirkt gesundheitsfördernd, etwa auf den Fettstoffwechsel, und erreicht die Mengen nicht, die mit den Risiken in Verbindung gebracht werden. Hinweis: Bewertung einer Behörde, keine eigene Studie; die zugrunde liegenden Studien nennt die Mitteilung nicht einzeln.
8Europäische Arzneimittelagentur EMA (2023). Meeting highlights from the Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC), 25–28 September 2023. ema.europa.eu Bei Arzneimitteln mit Omega-3-Säureethylestern, die gegen erhöhte Triglyceride eingesetzt werden, wenn Ernährung und Lebensstil allein nicht reichen, fand der Ausschuss für Arzneimittelsicherheit in Studien gegen Placebo ein dosisabhängig erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Risikofaktoren, am höchsten bei 4 g am Tag. Vorhofflimmern kommt als häufige Nebenwirkung in die Produktinformation; tritt es auf, soll die Behandlung dauerhaft beendet werden. Hinweis: Bewertung einer Behörde zu Arzneimitteln, nicht zu Nahrungsergänzungsmitteln; gelesen an der Mitteilung vom 29.09.2023.
9Nunes EA, D'Souza AC, Steen JP, Phillips SM (2025). Lack of evidence for Omega-3 fatty acid supplementation in enhancing lean mass, muscle strength, and physical function in healthy adults and clinical populations: An overview of reviews. Clinical Nutrition ESPEN 67:155–165. DOI 10.1016/j.clnesp.2025.03.012 · PMID 40089061 Übersicht über 33 systematische Übersichtsarbeiten zu Omega-3 allein, ihre Qualität bewertet mit einem anerkannten Prüfwerkzeug. Bei Menschen ohne Krebs fanden 4 von 16 Übersichten Hinweise auf mehr fettfreie Masse, 3 davon bei Älteren; für Kraft fand 1 von 14 ausreichende Belege und 3 weitere Hinweise; für die körperliche Funktion 1 von 15 und 3 Hinweise. Bei Krebskranken fand 1 von 13 ausreichende Belege für mehr Muskelmasse. Schluss der Autoren: Die Analyse stützt Omega-3 allein nicht, um bei jüngeren und älteren Gesunden Muskelmasse aufzubauen oder zu erhalten oder Kraft und Funktion zu verbessern. Einschränkung: Übersicht über Übersichten, deren Studien sich überschneiden. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
10Lv ZT, Zhang JM, Zhu WT (2020). Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acid Supplementation for Reducing Muscle Soreness after Eccentric Exercise: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. BioMed Research International 2020:8062017. DOI 10.1155/2020/8062017 · PMID 32382573 · PMC7195643 Systematische Übersicht mit Auswertung: 12 ausgeloste Studien mit 145 Teilnehmern mit Omega-3 und 156 in den Vergleichsgruppen. Muskelkater zwei Tage nach exzentrischem Training, ausgewertet in 9 der Studien: −0,93 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10 (−1,44 bis −0,42) – unter der Schwelle von 1,4 Punkten, ab der ein Unterschied als klinisch bedeutsam gilt. Kraft bei gleichbleibender Muskellänge und Beweglichkeit wurden nicht besser. Schluss der Autoren: Belege von niedriger Qualität, dass Omega-3 den Muskelkater nicht in klinisch bedeutsamer Weise verringert. Einschränkung: kleine Studien mit 14 bis 41 Teilnehmern, meist junge Erwachsene, die vorher kaum Krafttraining gemacht hatten – für Sportler und Ältere ist es laut den Autoren offen; niedrige Qualität der Belege. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
11Gencer B, Djousse L, Al-Ramady OT, Cook NR, Manson JE, Albert CM (2021). Effect of Long-Term Marine ω-3 Fatty Acids Supplementation on the Risk of Atrial Fibrillation in Randomized Controlled Trials of Cardiovascular Outcomes: A Systematic Review and Meta-Analysis. Circulation 144(25):1981–1990. DOI 10.1161/CIRCULATIONAHA.121.055654 · PMID 34612056 · PMC9109217 Systematische Übersicht mit Auswertung: 7 ausgeloste Herz-Kreislauf-Studien mit mindestens 500 Teilnehmern und mindestens einem Jahr, zusammen 81.210 Menschen, im Mittel 65 Jahre, 39 % Frauen, im Mittel 4,9 Jahre beobachtet. Vorhofflimmern trat mit Omega-3 häufiger auf: Hazard Ratio 1,25 (1,07 bis 1,46); in Studien mit mehr als 1 g am Tag 1,49 (1,04 bis 2,15), mit bis zu 1 g 1,12 (1,03 bis 1,22); je Gramm mehr 1,11. Einschränkung: Vorhofflimmern war in den Studien meist nicht die Hauptzielgröße; Studien zu bestehendem Vorhofflimmern oder zu Operationen ausgeschlossen. Geldgeber laut PubMed die US-Gesundheitsbehörde NIH; Interessenkonflikte nicht geprüft.
12Verbraucherzentrale (2026). Sind Omega-3-Fettsäure-Kapseln eine sinnvolle Nahrungsergänzung? (Stand 24.03.2026). verbraucherzentrale.de Die DGE empfiehlt etwa 1,3 g ALA am Tag, etwa einen Esslöffel Rapsöl; wie viel EPA und DHA der Körper braucht, ist unbekannt. Ein- bis zweimal pro Woche Fisch, bevorzugt fettreicher Seefisch; Veganer können auf Algenöle aus Mikroalgen zurückgreifen. Aktuelle Studien zeigen keinen Nutzen für Herz und Blutgefäße; bei Herzkranken oder Menschen mit Risikofaktoren können hohe Mengen das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen, je höher die Dosis, desto größer. Hohe Mengen können die Blutungszeit verlängern und die Wirkung gerinnungshemmender Mittel wie ASS verstärken. Produkte enthalten oft Vitamin E gegen das Ranzigwerden. Die Kennzeichnung nennt den Gehalt an Omega-3 je Tagesdosis oft nur gesamt, nicht getrennt nach ALA, EPA und DHA; DHA muss nur angegeben sein, wenn das Produkt damit wirbt. Erlaubte Werbeaussagen, jeweils ab einer vorgeschriebenen Mindestmenge: normaler Cholesterin- und Triglyceridspiegel, normaler Blutdruck, normale Gehirnfunktion, Sehkraft und Herzfunktion; unzulässig ist Werbung mit Schutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall, Depressionen, Demenz oder Krebs. Liefert ein Produkt mit gesundheitsbezogenen Aussagen ab 2 g EPA und DHA am Tag, muss ein Hinweis stehen, 5 g am Tag nicht zu überschreiten. „Verbindliche Höchstmengen für solche Produkte gibt es bisher leider nicht.“ Hinweis: Verbraucherinformation, keine eigene Studie; die Werte von DGE, BfR und EFSA gibt sie wieder (Belege 1, 20, 21).
13Arterburn LM, Oken HA, Bailey Hall E, Hamersley J, Kuratko CN, Hoffman JP (2008). Algal-oil capsules and cooked salmon: nutritionally equivalent sources of docosahexaenoic acid. Journal of the American Dietetic Association 108(7):1204–1209. DOI 10.1016/j.jada.2008.04.020 · PMID 18589030 32 gesunde Männer und Frauen von 20 bis 65 Jahren, zufällig zugeteilt, offen, zwei Wochen lang 600 mg DHA am Tag aus Algenöl-Kapseln oder aus gegartem Lachs mit gemessenem Gehalt. DHA stieg in beiden Gruppen ähnlich: in den Phospholipiden des Blutplasmas um rund 80 %, in den roten Blutkörperchen um rund 25 %; beide Quellen waren gleichwertig und gut verträglich. Einschränkung: klein, kurz, nicht verblindet; gemessen wurden Blutwerte, keine Wirkung. Die Erstautorin gibt als Anschrift eine Pharmafirma an; Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
14Abdelhamid AS, Brown TJ, Brainard JS et al. (2020). Omega-3 fatty acids for the primary and secondary prevention of cardiovascular disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 3:CD003177. DOI 10.1002/14651858.CD003177.pub5 · PMID 32114706 · PMC7049091 Systematische Übersicht mit Auswertung im Cochrane-Netzwerk: 86 ausgeloste Studien mit 162.796 Erwachsenen, Dauer 12 bis 88 Monate, Suche bis Februar 2019; meist Kapseln mit EPA und DHA von 0,5 bis über 5 g am Tag, teils angereicherte Lebensmittel oder Ernährungsrat. EPA und DHA: Gesamtsterblichkeit relatives Risiko 0,97 (0,93 bis 1,01; hohe Sicherheit), Herz-Kreislauf-Tod 0,92 (0,86 bis 0,99; mittlere Sicherheit), Herz-Kreislauf-Ereignisse 0,96 (0,92 bis 1,01; hohe Sicherheit), Schlaganfall 1,02, Herzrhythmusstörungen 0,99 (niedrige Sicherheit); Tod durch Erkrankung der Herzkranzgefäße 0,90 (0,81 bis 1,00) und Ereignisse an den Herzkranzgefäßen 0,91 (0,85 bis 0,97), jeweils niedrige Sicherheit. Die Triglyceride sanken dosisabhängig um rund 15 % (hohe Sicherheit); die übrigen Wirkungen unterschieden sich insgesamt nicht nach Dauer der Studien oder Menge. Zu den Wirkungen von Fischessen gab es wenig Belege. ALA: kaum Einfluss auf die Sterblichkeit, vielleicht etwas weniger Herz-Kreislauf-Ereignisse und Rhythmusstörungen. Einschränkung: nur 28 der 86 Studien mit insgesamt geringem Verzerrungsrisiko, meist aus Ländern mit hohem Einkommen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
15Manson JE, Cook NR, Lee IM et al. (2019). Marine n-3 Fatty Acids and Prevention of Cardiovascular Disease and Cancer. New England Journal of Medicine 380(1):23–32. DOI 10.1056/NEJMoa1811403 · PMID 30415637 · PMC6392053 Die VITAL-Studie: 25.871 Männer ab 50 und Frauen ab 55 Jahren in den USA, zufällig zugeteilt, 1 g Omega-3 am Tag, davon 460 mg EPA und 380 mg DHA (Beleg 38), oder Placebo, im Median 5,3 Jahre. Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Tod) 386 gegen 419 (Hazard Ratio 0,92; 0,80 bis 1,06), Krebs 1,03 (0,93 bis 1,13); Tod jeder Ursache 1,02. In einer Nebenauswertung waren Herzinfarkte insgesamt seltener (0,72; 0,59 bis 0,90). Keine zusätzlichen Blutungen oder anderen schweren Nebenwirkungen. Einschränkung: Gesunde ab 50, eine Dosis; der Herzinfarkt-Befund ist eine Nebenauswertung. Geldgeber laut Arbeit die US-Gesundheitsbehörde NIH und andere; Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
16ASCEND Study Collaborative Group: Bowman L, Mafham M, Wallendszus K et al. (2018). Effects of n-3 Fatty Acid Supplements in Diabetes Mellitus. New England Journal of Medicine 379(16):1540–1550. DOI 10.1056/NEJMoa1804989 · PMID 30146932 Die ASCEND-Studie: 15.480 Menschen mit Diabetes ohne Erkrankung durch Gefäßverkalkung, zufällig zugeteilt, täglich eine 1-g-Kapsel mit Omega-3 oder mit Olivenöl, im Mittel 7,4 Jahre, Einnahmetreue 76 %. Schwere Gefäßereignisse 8,9 gegen 9,2 % (Ratenverhältnis 0,97; 0,87 bis 1,08); Tod jeder Ursache 9,7 gegen 10,2 %; keine Unterschiede bei schweren Nebenwirkungen. Geldgeber laut Arbeit die British Heart Foundation und andere; Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
17Bhatt DL, Steg PG, Miller M et al. (2019). Cardiovascular Risk Reduction with Icosapent Ethyl for Hypertriglyceridemia. New England Journal of Medicine 380(1):11–22. DOI 10.1056/NEJMoa1812792 · PMID 30415628 Die REDUCE-IT-Studie: 8.179 Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes plus weiteren Risikofaktoren, die Statine – Cholesterinsenker – nahmen und erhöhte Triglyceride hatten; zufällig zugeteilt, zweimal täglich 2 g Icosapent-Ethyl, ein hochgereinigter EPA-Ethylester, oder Placebo, im Median 4,9 Jahre. Hauptzielgröße 17,2 gegen 22,0 % (Hazard Ratio 0,75; 0,68 bis 0,83); Herz-Kreislauf-Tod 4,3 gegen 5,2 %. Häufiger Klinikaufenthalte wegen Vorhofflimmern oder Vorhofflattern, einer verwandten Rhythmusstörung (3,1 gegen 2,1 %); schwere Blutungen 2,7 gegen 2,1 % (nicht gesichert). Das Placebo war Mineralöl (Beleg 31). Geldgeber laut Arbeit Amarin Pharma; fünf Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie dort – ein möglicher Interessenkonflikt.
18Nicholls SJ, Lincoff AM, Garcia M et al. (2020). Effect of High-Dose Omega-3 Fatty Acids vs Corn Oil on Major Adverse Cardiovascular Events in Patients at High Cardiovascular Risk: The STRENGTH Randomized Clinical Trial. JAMA 324(22):2268–2280. DOI 10.1001/jama.2020.22258 · PMID 33190147 · PMC7667577 Die STRENGTH-Studie: 13.078 Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko, erhöhten Triglyceriden und niedrigem HDL-Cholesterin, die Statine nahmen, im Mittel 62,5 Jahre, 35 % Frauen, 70 % mit Diabetes; zufällig zugeteilt, 4 g am Tag eines Präparats mit EPA und DHA als freie Fettsäuren oder Maisöl, in 22 Ländern. Vorzeitig beendet, weil eine Zwischenauswertung kaum Aussicht auf Nutzen zeigte: Hauptzielgröße 12,0 gegen 12,2 % (Hazard Ratio 0,99; 0,90 bis 1,09). Magen-Darm-Beschwerden 24,7 gegen 14,7 %. Sechs der 22 Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie bei AstraZeneca; Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
19Yaghoobi E, Pashaei F, Allsopp GL et al. (2026). Effects of LC-3 PUFA Supplementation on Muscle Pain, Function, and Damage Markers in Healthy Young to Middle-Aged Adults Following Acute or Chronic Exercise: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Nutrients 18(9):1447. DOI 10.3390/nu18091447 · PMID 42124047 · PMC13165459 Suche bis Januar 2025: 43 Studien in der Übersicht, 9 placebokontrollierte Studien mit exzentrischem Training in der Auswertung. Muskelkater standardisiert −0,75 (−1,14 bis −0,36), Muskelenzym CK −0,40, Schwellung −0,45; am Tiefpunkt Kraft +0,45 (0,07 bis 0,83) und Beweglichkeit +0,93. Gesamturteil der Autoren: uneinheitlich, mit deutlichen methodischen Schwächen; die Belege stützen Omega-3 zur Erholung nur vorläufig. In den Studien der Übersicht reichten die Mengen von 18,8 bis 6.400 mg EPA und DHA am Tag; eine wirksame Menge ließ sich nicht ableiten. Vier der neun ausgewerteten Studien stammen aus demselben Labor. Einschränkung: viele Studien mit mittlerem bis hohem Verzerrungsrisiko. Geldgeber laut Arbeit nur Stipendien. Ein Autor lässt den Omega-3-Index gegen Bezahlung im Labor OmegaQuant messen, hat Projekte mit Produkt und Placebo vom Krillöl-Hersteller AkerBiomarine und wird von einem Muschelerzeuger und einer Förderstelle der Fischerei unterstützt – mögliche Interessenkonflikte.
20Bundesinstitut für Risikobewertung (2009). Für die Anreicherung von Lebensmitteln mit Omega-3-Fettsäuren empfiehlt das BfR die Festsetzung von Höchstmengen. Stellungnahme Nr. 030/2009 vom 26.05.2009. bfr.bund.de Die vorgeschlagenen Höchstmengen sollen gewährleisten, dass im Mittel nicht mehr als 1,5 g langkettige Omega-3-Fettsäuren am Tag aus allen Quellen aufgenommen werden. Begründet wird das unter anderem mit Hinweisen auf eine erhöhte Blutungsneigung ab 1,5 g DHA und EPA am Tag, einem Anstieg des LDL-Cholesterins ab 0,7 g am Tag und einer beeinträchtigten Immunabwehr bei Älteren. Nahrungsergänzungsmittel empfahlen damals 150 bis 1.800 mg EPA und DHA am Tag; die mittlere Aufnahme in Deutschland lag zwischen 127 mg bei jungen Frauen und 295 mg bei älteren Männern. Hinweis: Stellungnahme einer Behörde aus dem Jahr 2009, keine eigene Studie; die EFSA kam 2012 zu einer großzügigeren Einschätzung (Beleg 21).
21EU-Lebensmittelbehörde EFSA (2012). Scientific Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of eicosapentaenoic acid (EPA), docosahexaenoic acid (DHA) and docosapentaenoic acid (DPA). EFSA Journal 10(7):2815; dazu die Pressemitteilung vom 27.07.2012. efsa.europa.eu · Pressemitteilung Die Daten reichen nicht, um eine verbindliche Höchstmenge festzulegen. Bis 5 g EPA und DHA zusammen am Tag aus Nahrungsergänzung geben bei Erwachsenen keinen Anlass zu Sicherheitsbedenken, EPA allein bis 1,8 g, DHA allein bis etwa 1 g. Auf Dauer stiegen bis 5 g weder Blutungen noch Störungen von Blutzucker, Immunabwehr oder Fettoxidation – vorausgesetzt, die Fettsäuren sind nicht oxidiert. Bei 2 bis 6 g EPA und DHA am Tag stieg das LDL-Cholesterin um etwa 3 %, was laut Gremium das Herz-Kreislauf-Risiko nicht erhöhen muss; EPA allein bis 4 g änderte es nicht gesichert. Erwachsene in der EU nehmen mit dem Essen im Mittel bis zu 400 bis 500 mg langkettige Omega-3-Fettsäuren am Tag auf – EPA, DHA und die Zwischenstufe DPA –, die mit der höchsten Zufuhr bis 2.700 mg; für Deutschland nannte das BfR 2009 127 bis 295 mg (Beleg 20); 250 mg am Tag gelten als angemessene Zufuhr für die allgemeine Herz-Kreislauf-Gesundheit. Hinweis: Bewertung einer Behörde, gelesen an Zusammenfassung und Pressemitteilung.
22Dyerberg J, Madsen P, Møller JM, Aardestrup I, Schmidt EB (2010). Bioavailability of marine n-3 fatty acid formulations. Prostaglandins, Leukotrienes and Essential Fatty Acids 83(3):137–141. DOI 10.1016/j.plefa.2010.06.007 · PMID 20638827 72 Freiwillige erhielten zwei Wochen lang rund 3,3 g EPA plus DHA am Tag: aus drei Konzentraten – Ethylester, freie Fettsäuren, zurückgebaute Triglyceride – doppelt verblindet gegen ein Placebo-Öl, dazu einfach verblindet aus Fischöl und aus Lebertran. Gemessen wurde der Anstieg von EPA und DHA in den Blutfetten. Verglichen mit natürlichem Fischöl lag die Aufnahme aus zurückgebauten Triglyceriden bei 124 %, aus Ethylestern bei 73 %, aus freien Fettsäuren bei 91 % (kein gesicherter Unterschied). Einschränkung: zwei Wochen, gemessen wurden Blutwerte, keine Wirkung. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
23Lawson LD, Hughes BG (1988). Absorption of eicosapentaenoic acid and docosahexaenoic acid from fish oil triacylglycerols or fish oil ethyl esters co-ingested with a high-fat meal. Biochemical and Biophysical Research Communications 156(2):960–963. DOI 10.1016/s0006-291x(88)80937-9 · PMID 2847723 Männliche Freiwillige nahmen Fischöl als Triglyceride oder als Ethylester zu einer fettreichen Mahlzeit mit 44 g Fett; verglichen wurde mit früheren Werten derselben Autoren zu einer fettarmen Mahlzeit mit 8 g Fett. Aus Ethylestern stieg die Aufnahme von EPA und DHA aufs Dreifache, auf rund 60 %; aus Triglyceriden die von EPA von 69 auf 90 %, die von DHA nicht gesichert. In der früheren Arbeit mit acht Männern und fettarmer Mahlzeit wurden Ethylester nur zu rund einem Fünftel so gut aufgenommen wie freie Fettsäuren (PMID 3358766). Einschränkung: wenige Männer, Einzeldosen; die Teilnehmerzahl der Arbeit mit fettreicher Mahlzeit habe ich nicht geprüft. Der Erstautor arbeitete laut Angabe in der Studie bei einer Pharmafirma; Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
24Harris WS, von Schacky C (2004). The Omega-3 Index: a new risk factor for death from coronary heart disease? Preventive Medicine 39(1):212–220. DOI 10.1016/j.ypmed.2004.02.030 · PMID 15208005 Die Autoren schlagen vor, den Anteil von EPA plus DHA in den roten Blutkörperchen – den Omega-3-Index – als neuen Risikofaktor für Herztod zu nutzen, und werten dafür eigene Versuche und veröffentlichte Studien aus. Ein Index ab 8 % ging mit dem größten Schutz einher, einer bis 4 % mit dem geringsten. Einschränkung: Vorschlag auf Grundlage von Zusammenhängen, keine Studie, die den Index gezielt veränderte und dabei Herzereignisse zählte. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung. William Harris hält laut einer Erklärung von 2026 Anteile an OmegaQuant Analytics, einem Labor, das den Index für Forscher, Ärzte und Verbraucher misst (Beleg 26); 2015 gab er es als Anschrift an (PMID 26247967). Zum Mitautor siehe Beleg 25 – ein möglicher Interessenkonflikt.
25von Schacky C (2020). Omega-3 index in 2018/19. Proceedings of the Nutrition Society, online veröffentlicht am 11.05.2020. DOI 10.1017/S0029665120006989 · PMID 32389149 Der Autor gibt als Anschrift das Labor Omegametrix in Martinsried und die Präventive Kardiologie der Universität München an. Schon kleine Unterschiede der Messmethoden führen zu großen Unterschieden im Ergebnis; trotzdem werden Ergebnisse vieler Labore auf den Zielbereich von 8 bis 11 % bezogen, der für die ursprüngliche Methode (HS-Omega-3 Index®) festgelegt wurde – das werfe ethische Fragen auf und verlange eine Standardisierung. Kein Mensch hat einen Index unter 2 %; wie gut EPA und DHA aufgenommen werden, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Der Autor hält 8 bis 11 % auch in der Schwangerschaft für das Ziel. Laut seiner Website bietet Omegametrix den Test Privatleuten an – mit Blut aus der Fingerkuppe, zu Hause entnommen – und Fachleuten (omegametrix.eu, gelesen im Oktober 2026). Einschränkung: Übersichtsarbeit eines einzelnen Autors, keine eigene Studie. Der Autor arbeitet laut Angabe in der Studie für ein Labor, das den Test verkauft – ein möglicher Interessenkonflikt; eine Erklärung dazu habe ich nicht gelesen.
26Abuknesha NR, O'Keefe JH, Qian F et al. (2026). Effects of Omega-3 Fatty Acid Treatment on Risk for Atrial Fibrillation: An Updated Meta-Analysis of 35 Trials including 114 592 Individuals. Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology 19(8):e014785. DOI 10.1161/CIRCEP.125.014785 · PMID 42517224 · PMC13489779 Auswertung von 35 ausgelosten Studien – 37 Datensätze, 114.592 Teilnehmer, im Mittel 66 Jahre, 61 % Männer, veröffentlichte und unveröffentlichte Daten – mit mindestens 500 mg EPA und DHA am Tag über mindestens 12 Monate und Teilnehmern ab 50 Jahren, möglichst ohne bekanntes Vorhofflimmern zu Beginn. Über alle Studien stieg das Risiko für Vorhofflimmern gesichert um 14 %. Nach Herzrisiko und Menge aufgeteilt, war der Anstieg nur bei hohem Herz-Kreislauf-Risiko und mehr als 1,5 g am Tag gesichert: Odds Ratio 1,43 (1,14 bis 1,79), absolut 0,8 Prozentpunkte (0,4 bis 1,1). Bei hohem Risiko und kleiner Menge 1,07, bei geringem Risiko 1,06 mit kleiner und 1,03 mit großer Menge – nicht gesichert; die letzte Gruppe beruht laut den Autoren auf wenigen Fällen und ist vorläufig. Die Autoren halten bis 1,5 g am Tag, womöglich bis 2,4 g, mit Blick auf Vorhofflimmern für unbedenklich. Interessen laut Erklärung der Autoren: Die Erstautorin erhielt 2023 eine Förderung von GOED für ihre Mitarbeit an Forschung mit einer Datenbank zu Omega-3-Studien – GOED beschreibt sich als Interessenvertretung der Omega-3-Branche; James O’Keefe ist medizinischer Leiter von CardioTabs, einer Firma, die Omega-3-Produkte verkauft; William Harris, der den Omega-3-Index mit vorgeschlagen hat (Beleg 24), hält Anteile an OmegaQuant Analytics, einem Labor, das den Index misst. Die übrigen Autoren erklären keine Interessenkonflikte, darunter ein Mitautor, der laut Angabe in der Studie beim Pharmakonzern GlaxoSmithKline arbeitet. Vier Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie am Fatty Acid Research Institute in Sioux Falls. Einen Geldgeber nennt der abgerufene Volltext nicht – nicht geprüft.
27Koletzko B, Cremer M, Flothkötter M et al. (2018). Diet and Lifestyle Before and During Pregnancy – Practical Recommendations of the Germany-wide Healthy Start – Young Family Network. Geburtshilfe und Frauenheilkunde 78(12):1262–1282. DOI 10.1055/a-0713-1058 · PMID 30655650 · PMC6294644 Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben, deutsche Fassung: Durch wöchentlichen Verzehr von Fisch, „insbesondere einer Portion fettreichem Meeresfisch (z. B. Makrele, Hering, Sardine)“, lässt sich die für Schwangere zusätzlich empfohlene Menge von mindestens 200 mg DHA am Tag erreichen. Ein hoher Verzehr von Raubfischen wie Thunfisch oder Schwertfisch soll wegen erhöhter Schadstoffgehalte vorbeugend gemieden werden. „Schwangeren ohne regelmäßigen Verzehr von fettreichem Meeresfisch wird empfohlen, DHA zu supplementieren.“ Hinweis: Empfehlungen eines Netzwerks von Fachleuten, keine eigene Studie. Laut Arbeit keine Interessenkonflikte nach den Richtlinien des US-amerikanischen Institute of Medicine; der Erstautor hat überwiegend in öffentlich geförderten Projekten mit Nahrungsmittel- und Pharmafirmen zusammengearbeitet.
28Middleton P, Gomersall JC, Gould JF, Shepherd E, Olsen SF, Makrides M (2018). Omega-3 fatty acid addition during pregnancy. Cochrane Database of Systematic Reviews 11:CD003402. DOI 10.1002/14651858.CD003402.pub3 · PMID 30480773 · PMC6516961 Systematische Übersicht mit Auswertung im Cochrane-Netzwerk: 70 ausgeloste Studien mit 19.927 Frauen. Mit Omega-3 als Präparat oder Lebensmittel gab es weniger Frühgeburten vor der 37. Woche (11,9 statt 13,4 %; relatives Risiko 0,89; 0,81 bis 0,97; hohe Qualität) und vor der 34. Woche (2,7 statt 4,6 %; 0,58; hohe Qualität), etwas seltener ein niedriges Geburtsgewicht, dafür häufiger eine Schwangerschaft über 42 Wochen (2,6 statt 1,6 %; mittlere Qualität). Bei Entwicklung, Intelligenz und Sehen der Kinder zeigten sich kaum Unterschiede. Einschränkung: Fast die Hälfte der Studien lief mit Frauen mit erhöhtem Risiko; in einigen brachen viele ab. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
29Javaid M, Kadhim K, Bawamia B, Cartlidge T, Farag M, Alkhalil M (2024). Bleeding Risk in Patients Receiving Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acids: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. Journal of the American Heart Association 13(10):e032390. DOI 10.1161/JAHA.123.032390 · PMID 38742535 · PMC11179820 Systematische Übersicht mit Auswertung: 11 ausgeloste Studien mit 120.643 Teilnehmern, Suche bis Mai 2023. Blutungen insgesamt nicht häufiger als in den Vergleichsgruppen (Ratenverhältnis 1,09; 0,91 bis 1,31), ebenso Hirnblutungen und Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Mit hochdosiertem reinem EPA stieg das relative Blutungsrisiko um 50 %, absolut um 0,6 Prozentpunkte; das Risiko hing von der EPA-Dosis ab, nicht gesichert vom Anteil der Teilnehmer je Studie, die Mittel gegen die Blutplättchen nahmen. Einschränkung: Auswertung auf Ebene der Studien; eingeschlossen waren Studien mit mindestens 1.000 Teilnehmern mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder hohem Risiko, darunter auch Studien mit 4 g am Tag. Geldgeber laut Arbeit ein Zuschuss von Amarin, dem Geldgeber der REDUCE-IT-Studie (Beleg 17) – ein möglicher Interessenkonflikt; Interessenkonflikte der Autoren laut Arbeit keine.
30McGlory C, Wardle SL, Macnaughton LS et al. (2016). Fish oil supplementation suppresses resistance exercise and feeding-induced increases in anabolic signaling without affecting myofibrillar protein synthesis in young men. Physiological Reports 4(6):e12715. DOI 10.14814/phy2.12715 · PMID 27009278 · PMC4814892 20 krafttrainierte junge Männer, zufällig zugeteilt, acht Wochen lang 5 g am Tag Fischöl-Kapseln mit 3.500 mg EPA und 900 mg DHA oder Kokosöl; 19 wurden ausgewertet. Danach einseitiges Krafttraining und 30 g Molkeneiweiß. Der Aufbau von Muskeleiweiß stieg nach Eiweiß sowie nach Training plus Eiweiß in beiden Gruppen gleich; mit Fischöl fielen bestimmte Signale für den Aufbau schwächer aus. Einschränkung: klein; die Autoren halten es für möglich, dass die Studie zu klein war, um einen Effekt zu erkennen; Messung über drei Stunden, nur junge Männer. Laut Arbeit keine Interessenkonflikte; Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
31Ridker PM, Rifai N, MacFadyen J et al. (2022). Effects of Randomized Treatment With Icosapent Ethyl and a Mineral Oil Comparator on Interleukin-1β, Interleukin-6, C-Reactive Protein, Oxidized Low-Density Lipoprotein Cholesterol, Homocysteine, Lipoprotein(a), and Lipoprotein-Associated Phospholipase A2: A REDUCE-IT Biomarker Substudy. Circulation 146(5):372–379. DOI 10.1161/CIRCULATIONAHA.122.059410 · PMID 35762321 Auswertung von Blutwerten aus REDUCE-IT; das Vergleichsmittel war Mineralöl in Arzneimittelqualität. In der Mineralöl-Gruppe stiegen Marker für Entzündung und Gefäßverkalkung nach 12 Monaten, etwa Interleukin-1β um 28,9 %, CRP um 21,9 % und Interleukin-6 um 16,2 %, das LDL-Cholesterin um 10,9 %; mit Icosapent-Ethyl änderten sie sich kaum (LDL −1,2 %). Was das für die Deutung der Hauptergebnisse bedeutet, ist laut den Autoren unklar. Einschränkung: Teilgruppe mit Blutproben. Ein Autor arbeitet laut Angabe in der Studie bei Amarin Pharma; Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
32Su H, Liu R, Chang M, Huang J, Wang X (2017). Dietary linoleic acid intake and blood inflammatory markers: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Food & Function 8(9):3091–3103. DOI 10.1039/c7fo00433h · PMID 28752873 Systematische Übersicht mit Auswertung: 30 ausgeloste Studien mit 1.377 Erwachsenen. Mehr Linolsäure änderte die Entzündungswerte TNF und Interleukin-6 sowie weitere Botenstoffe des Fettgewebes und der Abwehr nicht gesichert, ebenso CRP (16 Studien; standardisiert 0,09; −0,05 bis 0,24), Fibrinogen, ein Gerinnungseiweiß, und weitere Marker. Untergruppen deuten an, dass CRP bei einem sehr starken Anstieg der Linolsäure steigen könnte. Einschränkung: für manche Marker wenige Studien. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
33Farvid MS, Ding M, Pan A et al. (2014). Dietary linoleic acid and risk of coronary heart disease: a systematic review and meta-analysis of prospective cohort studies. Circulation 130(18):1568–1578. DOI 10.1161/CIRCULATIONAHA.114.010236 · PMID 25161045 · PMC4334131 Auswertung von 13 Beobachtungsstudien mit 310.602 Menschen und 12.479 Ereignissen an den Herzkranzgefäßen. Höchste gegen niedrigste Linolsäure-Zufuhr: 15 % weniger Ereignisse (relatives Risiko 0,85; 0,78 bis 0,92) und 21 % weniger Todesfälle (0,79; 0,71 bis 0,89). 5 % der Energie aus Linolsäure statt aus gesättigtem Fett: 9 % weniger Ereignisse. Einschränkung: Beobachtung – ein Zusammenhang, kein Beweis. Geldgeber laut PubMed die US-Gesundheitsbehörde NIH; Interessenkonflikte nicht geprüft.
34Flock MR, Skulas-Ray AC, Harris WS, Etherton TD, Fleming JA, Kris-Etherton PM (2013). Determinants of erythrocyte omega-3 fatty acid content in response to fish oil supplementation: a dose-response randomized controlled trial. Journal of the American Heart Association 2(6):e000513. DOI 10.1161/JAHA.113.000513 · PMID 24252845 · PMC3886744 115 gesunde Männer und Frauen, zufällig zugeteilt, doppelt verblindet, rund fünf Monate lang 0, 300, 600, 900 oder 1.800 mg EPA plus DHA am Tag. Der Omega-3-Index stieg mit der Menge; die Menge erklärte 68 % der Unterschiede, die Menge je Kilogramm Körpergewicht 70 %, zusammen mit Ausgangswert, Alter, Geschlecht und körperlicher Aktivität 78 %. Einschränkung: gemessen wurde der Index, keine Wirkung. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung und Stellen der US-Regierung; Mitautor William Harris hält Anteile an einem Labor, das den Index misst (Beleg 26); Interessenkonflikte nicht geprüft.
35Rein D, Claus M, Frosch W, März W, Lorkowski S, Webendoerfer S, Schreiner T (2020). Changes in Erythrocyte Omega-3 Fatty Acids in German Employees upon Dietary Advice by Corporate Health. Nutrients 12(11):3267. DOI 10.3390/nu12113267 · PMID 33113826 · PMC7693012 500 Beschäftigte am Standort Ludwigshafen (26,6 % Frauen, 21 bis 64 Jahre, Median 47) bei der betriebsärztlichen Untersuchung. Omega-3-Index im Mittel 4,1 % mit einer Streuung von 1,1 Prozentpunkten, bei 99,6 % unter 8 %, höher bei Frauen, Normalgewichtigen, Führungskräften und Nichtrauchern. Sie aßen im Mittel 20,4 g Fisch am Tag – gerechnet mit der Portion der Studie von 90 g: 20,4 × 7 ÷ 90 ≈ 1,6 Portionen pro Woche – und bekamen mit Fisch und Kapseln im Mittel rund 220 mg EPA und DHA am Tag. Wer unter 8 % lag, bekam Ernährungstipps, die Kantine bot mehr fetten Fisch an; die drei Fünftel mit Nachuntersuchung nach vier Monaten nahmen rund 0,1 g mehr EPA und DHA am Tag auf – vor allem aus Fisch, zum Teil aus Kapseln, mit denen 42 von ihnen in der Zeit begonnen hatten –, ihr Index stieg um 0,5 Prozentpunkte. Einschränkung: keine Vergleichsgruppe, nur drei Fünftel nachuntersucht, laut den Autoren eher die Gesundheitsbewussten. Fünf der sieben Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie bei BASF, einer im Bereich Ernährung und Gesundheit; Erklärungen zu Geldgebern und Interessenkonflikten habe ich nicht gelesen.
36Albert BB, Derraik JGB, Cameron-Smith D et al. (2015). Fish oil supplements in New Zealand are highly oxidised and do not meet label content of n-3 PUFA. Scientific Reports 5:7928. DOI 10.1038/srep07928 · PMID 25604397 · PMC4300506 Alle in Neuseeland verkauften Fischöl-Kapseln untersucht: 36 Präparate, bei 32 davon auch der Gehalt. Nur 3 der 32 enthielten mindestens so viel EPA und DHA wie angegeben, 69 % weniger als zwei Drittel. Über den empfohlenen Grenzen lagen 83 % bei der Peroxidzahl, 25 % bei der Anisidinzahl und 50 % beim Gesamtwert TOTOX; nur 8 % hielten alle ein. Diese Grenzen beruhen laut den Autoren auf dem Geschmack, weil Daten für Grenzen nach gesundheitlichen Folgen fehlen; welche Folgen oxidiertes Fischöl hat, ist unklar. Haltbarkeitsdatum, Preis, Herkunftsland und ob es ein Präparat nur nach naturheilkundlicher Beratung gab, sagten wenig über die Qualität; teurere Marken gaben den Gehalt allerdings etwas genauer an. Einschränkung: ein Markt, eine Momentaufnahme, je Produkt eine Packung aus einem Geschäft. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten und Interessenkonflikte nicht geprüft.
37Jackowski SA, Alvi AZ, Mirajkar A et al. (2015). Oxidation levels of North American over-the-counter n-3 (omega-3) supplements and the influence of supplement formulation and delivery form on evaluating oxidative safety. Journal of Nutritional Science 4:e30. DOI 10.1017/jns.2015.21 · PMID 26688721 · PMC4678768 171 frei verkäufliche Omega-3-Präparate von 49 Marken aus Apotheken und Supermärkten in Ontario, gekauft 2014. Freiwillige Grenzen der Branche: Peroxidzahl höchstens 5, Anisidinzahl 20, TOTOX 26. Über der Grenze lagen 17 % bei der Peroxidzahl, 41 % bei der Anisidinzahl und 39 % beim TOTOX; die Hälfte überschritt mindestens eine, weitere 18 % lagen bei noch über einem Jahr Haltbarkeit nahe dran. Aromatisierte Kapseln, Öle aus der Flasche und Produkte für Kinder hatten höhere Werte; Zitrusaroma kann die Anisidinzahl künstlich erhöhen. 89 % enthielten ein Mittel gegen Oxidation. Einschränkung: Bei rund einem Fünftel ließen sich die Werte nicht bestimmen, vor allem bei Krillöl. Sechs der sieben Autoren arbeiten laut Angabe in der Studie bei der Firma Pivotal Therapeutics, gemessen hat Pivotal Analytics; am Ende empfehlen die Autoren unaromatisierte, hochkonzentrierte Fischöl-Kapseln – ein möglicher Interessenkonflikt. Geldgeber nicht geprüft.
38Albert CM, Cook NR, Pester J et al. (2021). Effect of Marine Omega-3 Fatty Acid and Vitamin D Supplementation on Incident Atrial Fibrillation: A Randomized Clinical Trial. JAMA 325(11):1061–1073. DOI 10.1001/jama.2021.1489 · PMID 33724323 · PMC7967086 Teilstudie von VITAL: 25.119 Männer ab 50 und Frauen ab 55 Jahren ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, Krebs oder Vorhofflimmern, im Mittel 66,7 Jahre, 50,8 % Frauen; zufällig zugeteilt, 460 mg EPA und 380 mg DHA am Tag oder Placebo, im Aufbau der Studie zusätzlich Vitamin D oder Placebo; im Median 5,3 Jahre. Vorhofflimmern 3,7 gegen 3,4 % (Hazard Ratio 1,09; 0,96 bis 1,24) – kein gesicherter Unterschied. Einschränkung: eine Dosis, Ältere. Geldgeber laut PubMed die US-Gesundheitsbehörde NIH; Interessenkonflikte nicht geprüft.
39Innes JK, Calder PC (2018). The Differential Effects of Eicosapentaenoic Acid and Docosahexaenoic Acid on Cardiometabolic Risk Factors: A Systematic Review. International Journal of Molecular Sciences 19(2):532. DOI 10.3390/ijms19020532 · PMID 29425187 · PMC5855754 Systematische Übersicht ohne Zusammenrechnen, Suche bis Mai 2017: 18 Artikel aus 6 Studien mit 527 Teilnehmern, die reines EPA oder reines DHA (mindestens 90 %) in Mengen über 2 g am Tag gaben. Beide senkten die Triglyceride, DHA stärker; DHA hob das HDL- und das LDL-Cholesterin sowie die Größe der LDL-Teilchen; beide hemmten die Blutplättchen; DHA verbesserte die Gefäßfunktion und senkte Herzfrequenz und Blutdruck stärker als EPA; bei Entzündung und Blutzucker uneinheitlich. Einschränkung: wenige, kleine Studien mit hohen Mengen; die Autoren fordern größere Studien. Laut Arbeit keine eigene Förderung. Philip Calder ist laut Erklärung Berater von Pronova BioPharma (Teil von BASF), DSM, Smartfish, Merck, Danone/Nutricia, FrieslandCampina und Fresenius-Kabi – ein möglicher Interessenkonflikt.
40Smith GI, Julliand S, Reeds DN, Sinacore DR, Klein S, Mittendorfer B (2015). Fish oil–derived n–3 PUFA therapy increases muscle mass and function in healthy older adults. American Journal of Clinical Nutrition 102(1):115–122. DOI 10.3945/ajcn.114.105833 · PMID 25994567 · PMC4480667 60 gesunde Männer und Frauen von 60 bis 85 Jahren, zufällig zugeteilt, sechs Monate Fischöl (40) oder Maisöl (20); 44 beendeten die Studie. Gegenüber Maisöl nahmen das Muskelvolumen am Oberschenkel um 3,6 % (0,2 bis 7,0), die Handkraft um 2,3 kg und die Maximalkraft um 4,0 % stärker zu; die Leistung an einem Kraftmessgerät nicht gesichert (5,6 %). Die Autoren sehen darin einen Ansatz gegen den altersbedingten Muskelabbau. Einschränkung: klein, ein Viertel brach ab; die tägliche Menge Fischöl habe ich nicht geprüft (nur Kurzfassung). Geldgeber laut PubMed die US-Gesundheitsbehörde NIH; Lieferant der Kapseln und Interessenkonflikte nicht geprüft.
Was auf dieser Seite fehlt – und warum Omega-3 als Arzneimittel und zur Behandlung von Krankheiten – etwa erhöhter Blutfette, von Depression oder Rheuma – behandelt diese Seite nur, wo die Studien für alle wichtig sind; Präparate für Kinder gar nicht. Lebertran steht hier nicht; mehr dazu auf meiner Seite zu Vitamin D. Welches Produkt im Handel hält, was das Etikett verspricht, kann ich nicht sagen; Produkttests aus Deutschland habe ich nicht ausgewertet. Ob EPA oder DHA für einzelne Zwecke wichtiger ist, haben nur wenige kleine Studien verglichen; ein bestimmtes Verhältnis von EPA zu DHA empfehle ich deshalb nicht. Schadstoffe in Fisch und Fischöl, etwa Quecksilber, habe ich nicht im Einzelnen geprüft. Geldgeber und Interessenkonflikte stehen meist nur in der vollständigen Arbeit; wo ich sie nicht selbst gelesen habe – meist, weil nur die Kurzfassung frei zugänglich war –, steht „nicht geprüft“. Lieber eine ehrliche Lücke als eine Angabe, für die niemand geradesteht.
Zum Schluss, in eigener Sache Ich bin Personal Trainer, kein Arzt. Ich behandle nichts – ich trainiere um Beschwerden herum und Schritt für Schritt in mehr Belastbarkeit hinein. Wo ärztliche Freigabe nötig ist, fange ich ohne sie nicht an. Diese Seite erklärt, was Studien zeigen, und ersetzt keine ärztliche Beratung.