Süßstoffe wie Aspartam, Acesulfam-K, Sucralose oder Steviolglycoside – die süßen Stoffe der Steviapflanze – süßen 200- bis 600-mal so stark wie Zucker, deshalb reichen winzige Mengen.1 Zuckeralkohole wie Erythrit, Xylit, Maltit oder Sorbit – auch Zuckeraustauschstoffe genannt, in der Nährwerttabelle „mehrwertige Alkohole“ – süßen ähnlich wie Zucker oder schwächer und stecken in allen sieben Proteinriegeln, die ich mir für diese Seite angesehen habe.2, 3, 4, 5
Ich bin Personal Trainer – was hier steht, habe ich in Studien und bei Behörden nachgeschlagen. Wer Zuckergetränke durch Light-Getränke ersetzte, wog in Versuchen am Ende rund ein Kilo weniger;6 Beobachtungsstudien finden dagegen Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, ohne zu zeigen, dass Süßstoffe sie verursachen.7, 8 Beim Erythrit gingen hohe Blutwerte mit mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Todesfällen einher – die Studie zählte alle drei zusammen. Ob Erythrit aus dem Essen dahintersteckt, ist offen: Der Körper bildet ihn auch selbst, und am Blutwert lässt sich nicht ablesen, woher der Erythrit stammt.9, 10, 11 Für Xylit fand dieselbe Forschergruppe Ähnliches.12
Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost
Acht Fragen, kurz beantwortet
Wenn Du nur ein paar Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.
Zuckerersatz begegnet Dir an mehr Stellen, als Du vielleicht denkst: im Proteinriegel, im Shake, im Light-Getränk, im Kaugummi und in der Streusüße für zu Hause. Finde Dich in einer der Karten wieder – sie sagen Dir, welches Kapitel Dich am meisten angeht.
In sechs der sieben Riegel aus der Marktübersicht in Kapitel 03 steckt Maltit, ein Zuckeralkohol, oft zusammen mit Ballaststoffen, die im Dickdarm gären.5 Ob Dein Bauch mitspielt, entscheidet vor allem die Menge auf einmal – mehr dazu in Kapitel 04.14
Darin stecken Süßstoffe, meist mehrere gemischt.5 Wer damit Zuckergetränke ersetzte, wog in Versuchen etwas weniger.6 Beobachtungsstudien finden zugleich Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – wie beides zusammenpasst, steht in Kapitel 06.7
Süßstoff statt Zucker spart Kalorien; in einer einjährigen Studie hielten Teilnehmer damit ihr Gewicht etwas besser.29 Die WHO rät aber davon ab, Süßstoffe gezielt zur Gewichtskontrolle einzusetzen.19 Mehr als der Süßstoff zählt, was Du sonst isst. Das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
Welche Süße sich zum Backen eignet und welche Du nicht stark erhitzen solltest, steht dort.27 Und wenn ein Hund im Haus lebt: Xylit gehört außer Reichweite.28
Zuckeralkohole, auch Polyole genannt, sind das P in FODMAP – einer Gruppe vergärbarer Kohlenhydrate, die Menschen mit Reizdarm oft weglassen; Beschwerden machen sie bei Gesunden wie bei Reizdarm, je nach Menge.14 Erythrit verträgt der Bauch meist am besten – die Zahlen stehen in Kapitel 04.13
Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Gelenken oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, ob und wie viel davon für Dich passt.
Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Ob Zuckerersatz Dir nützt oder Ärger macht, entscheidet sich weniger an der Marke als an Sorte, Menge und dem, was er ersetzt.
Auf der Packung heißen beide „Süßungsmittel“ – das EU-Recht fasst damit alle Stoffe zusammen, die Lebensmittel und Tafelsüßen süßen, also Süße zum Selberdosieren wie Tabletten oder Streusüße.5, 34 Dahinter stecken zwei sehr verschiedene Gruppen.
Süßstoffe süßen viel stärker als Zucker: Aspartam und Acesulfam-K rund 200-mal, Sucralose rund 600-mal, Steviolglycoside 200- bis 400-mal.1 Deshalb reichen Milligramm, und Kalorien spielen keine Rolle.2 In ihrer Empfehlung von 2023 zählt die WHO dazu künstliche wie natürliche Süßstoffe, auch Stevia.19
Zuckeralkohole – Fachleute sagen Polyole, die Nährwerttabelle „mehrwertige Alkohole“, im deutschen Sprachgebrauch heißen sie auch Zuckeraustauschstoffe – süßen ähnlich stark wie Zucker oder schwächer.2, 3 Mit Trinkalkohol haben sie trotz des Namens nichts zu tun. Sieben davon fasst das EU-Recht als eigene Gruppe zusammen: Erythrit, Xylit, Maltit, Sorbit, Isomalt, Lactit und Mannit.2 Sie werden in Gramm eingesetzt und liefern 2,4 Kilokalorien je Gramm statt 4 wie Zucker; Erythrit liefert null.4 Weil der Dünndarm die meisten nur zum Teil aufnimmt, landet ein Rest im Dickdarm – mehr dazu in Kapitel 04.14
Für die Süßstoffe und für Erythrit legen die Behörden eine akzeptable Tagesdosis fest, für die übrigen Zuckeralkohole bisher nicht.11 Fachleute sagen ADI, nach dem englischen Acceptable Daily Intake. Gemeint ist eine Obergrenze, keine Empfehlung: die Menge je Kilogramm Körpergewicht, die man nach heutigem Wissen ein Leben lang täglich aufnehmen kann, ohne ein nennenswertes Gesundheitsrisiko.35 Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA bewertet gerade alle Süßungsmittel neu, die schon vor 2009 zugelassen waren.36 Für Acesulfam-K und Saccharin hat sie die Tagesdosis dabei angehoben, für Erythrit erstmals eine festgelegt.11, 37, 38
| Süßungsmittel · E-Nummer | Süßkraft, Zucker = 1 | Tagesdosis je kg Körpergewicht | Zuletzt bewertet |
|---|---|---|---|
| Acesulfam-K · E 950 | rund 2001 | 15 mg | 2025, vorher 9 mg37 |
| Aspartam · E 951 | rund 2001 | 40 mg | 2013, bestätigt 202639, 40 |
| Cyclamat · E 952 | 30 bis 4041 | 7 mg | 2000; Neubewertung läuft42, 43 |
| Saccharin · E 954 | 200 bis 7001 | 9 mg | 2024, vorher umgerechnet 3,8 mg38 |
| Sucralose · E 955 | rund 6001 | 15 mg | 2026, unverändert32 |
| Steviolglycoside · E 960 | 200 bis 4001 | 4 mg, gerechnet als Steviol | 2010; beantragte Anhebung 2024 abgelehnt44 |
| Erythrit · E 968 | rund 0,711 | 0,5 g | 2023, erstmals mit Zahl11 |
| Xylit, Maltit, Sorbit, Isomalt, Lactit, Mannit | 0,25 bis 13 | keine Zahl festgelegt | Neubewertung läuft11, 43 |
aus der Quelle heißt: so übernommen, wie es in der Quelle steht. Werte aus den Gutachten der EFSA und ihres Vorgängergremiums; die Süßkraft nach Angaben der US-Lebensmittelbehörde FDA, für Erythrit nach der EFSA. Bei Steviolglycosiden ist die Tagesdosis auf Steviol umgerechnet, den gemeinsamen Kern aller Steviolglycoside, an dem verschiedene Zuckerreste hängen. Bei Saccharin bezieht sich der neue Wert auf eine andere chemische Form als der alte; umgerechnet stieg er von 3,8 auf 9 Milligramm. Weitere zugelassene Süßstoffe wie Neotam, Advantam, Thaumatin und Neohesperidin DC fehlen, weil sie in den Produkten der Marktübersicht nicht vorkamen.
gerechnet heißt: von mir aus belegten Werten gerechnet, hier aus den Tagesdosen der Behörden.11, 24 Die Dosen-Rechnung gilt ohne Aspartam aus anderen Lebensmitteln; die WHO selbst kommt für 70 Kilogramm auf mehr als 9 bis 14 Dosen. Die 30 Gramm Erythrit sind dieselbe Menge, die gesunde Erwachsene im Versuch zu den Blutplättchen tranken (Kapitel 06), und 50 Gramm auf einmal machten in einer Studie häufiger Übelkeit (Kapitel 04).13, 18
Vier Hinweise schreibt das EU-Recht vor, einer ist freiwillig. Wer sie kennt, erkennt Zuckerersatz schon vorn auf der Packung – und weiß, wann sich der Blick in die Zutatenliste lohnt.
| Hinweis auf der Packung | Wann er dort steht |
|---|---|
| „mit Süßungsmittel(n)“ | Pflicht neben dem Namen des Lebensmittels, sobald ein zugelassenes Süßungsmittel enthalten ist4 |
| „mit Zucker(n) und Süßungsmittel(n)“ | Pflicht, wenn zusätzlich Zucker zugesetzt ist4 |
| „enthält eine Phenylalaninquelle“ | Pflicht bei Aspartam – wichtig für Menschen mit Phenylketonurie, einer angeborenen Stoffwechselstörung, bei der der Körper den Eiweißbaustein Phenylalanin nicht abbauen kann; für sie gilt auch die Tagesdosis von Aspartam nicht4, 39 |
| „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ | Pflicht bei mehr als 10 Prozent zugesetzter Zuckeralkohole4 |
| „zuckerfrei“ | freiwillig; erlaubt bei höchstens 0,5 g Zucker je 100 g oder 100 ml – Zuckeralkohole zählen dabei nicht als Zucker4, 45 |
Wortlaut nach den EU-Verordnungen 1169/2011 und 1924/2006. Die Zeile „davon mehrwertige Alkohole“ in der Nährwerttabelle ist freiwillig. Rechtlich zählt dazu jeder Alkohol mit mehr als zwei Hydroxylgruppen, einer bestimmten chemischen Bauart – also auch Glycerin, das in vielen Riegeln als Feuchthaltemittel steckt.4
Süßstoffe ersetzen Zucker vor allem in Getränken: Weltweit stieg die Menge an Süßstoffen, die mit Getränken verkauft wurde, zwischen 2007 und 2019 pro Kopf um gut ein Drittel; in Ländern mit hohem Einkommen sank im selben Zeitraum der Zucker aus Getränken um gut ein Fünftel.46 Die beiden Tabellen zeigen verbreitete Produkte und die Angaben, die Hersteller oder Händler dazu machen. Sie sind keine Empfehlung und kein Test – und keine Zählung des ganzen Markts, sondern eine Auswahl.5
| Proteinriegel | Süßungsmittel laut Zutatenliste | Zuckeralkohole je Riegel | Weitere gärende Zutaten | Hinweis „abführend“ |
|---|---|---|---|---|
| ESN Designer Bar · 45 g | Maltit, Sucralose; je nach Sorte auch Erythrit, Isomalt, Steviolglycoside | 10–14 g | Polydextrose; je nach Sorte Inulin, Oligofruktose | ja |
| Grenade Protein Bar · 60 g | Maltit, Sucralose; dazu Glycerin | 15 g | Polydextrose | ja |
| PowerBar 52% Protein+ · 50 g | Maltit (in der Kuvertüre), Sucralose; dazu Glycerin | 11 g | keine genannt | ja |
| Barebells Protein Bar · 55 g | Maltit, Sucralose; dazu Glycerin | nicht angegeben | Polydextrose | nicht gefunden |
| foodspring Protein Bar Extra Chocolate · 45 g | Maltit, Sucralose | nicht angegeben | Polydextrose, lösliche Maisfasern | nicht gefunden |
| Myprotein Layered Protein Bar · 60 g | Maltit; dazu Glycerin, etwas Zucker in einzelnen Schichten | nicht angegeben | Zichorienwurzelfaser, Oligofruktose | nicht gefunden |
| Quest Protein Bar · 60 g, US-Fassung | Erythrit, Stevia, Sucralose; dazu Glycerin | 6 g | Polydextrose | nicht gefunden |
Hersteller- und Händlerangaben Abgelesen im Oktober 2026 auf den Seiten der Hersteller; die Zutatenlisten einzelner Sorten von ESN und die Angaben zu foodspring auf der Seite eines großen Händlers, weil die Herstellerseiten sie nicht zeigten. Gramm Zuckeralkohole so, wie die Nährwerttabelle sie unter „davon mehrwertige Alkohole“ nennt; Glycerin zählt dort mit.4 „Nicht angegeben“ heißt: Die Tabelle hat diese Zeile nicht – Pflicht ist sie nicht. „Nicht gefunden“ heißt: auf der Seite des Herstellers oder Händlers nicht gefunden; ob der Hinweis auf der Packung steht, habe ich nicht geprüft. Quest in der Fassung der US-Herstellerseite – als einziger Riegel der Übersicht mit Erythrit vorn in der Zutatenliste; die europäische Fassung ist anders zusammengesetzt. Polydextrose, Inulin und Oligofruktose sind Ballaststoffe, die im Dickdarm gären – mehr in Kapitel 04.33, 47 Keine eigenen Messungen; Rezepturen ändern sich, und Sorten unterscheiden sich.5
| Produkt | Süßungsmittel laut Zutatenliste | Besonderheit |
|---|---|---|
| Coca-Cola Zero Sugar | Cyclamat, Acesulfam-K, Aspartam, Steviolglycoside | „Enthält eine Phenylalaninquelle“ |
| Red Bull Sugarfree | Sucralose, Acesulfam-K | keine Zutatenliste auf der Herstellerseite, nur Abschnitte zu den Zutaten |
| ESN Designer Whey Vanilla | Acesulfam-K, Sucralose; im älteren Zutaten-Dokument des Herstellers zusätzlich Cyclamat und Saccharin | Angaben von Hersteller und Händler widersprechen sich |
| More Nutrition Chunky Flavour, Geschmackspulver | Sucralose, Steviolglycoside | Inulin als erste Zutat |
| ESN Flavn Tasty, Geschmackspulver | Sucralose, Steviolglycoside | Inulin als erste Zutat |
| Extra Peppermint, Kaugummi | Sorbit, Xylit, Aspartam, Mannit, Acesulfam-K | 62 g Zuckeralkohole je 100 g; Hinweis „abführend“ und Phenylalanin-Hinweis |
| Natreen Classic, Tabletten | Cyclamat, Saccharin, Sucralose | Tafelsüße |
| Canderel Tabletten | Aspartam, Acesulfam-K | Milchzucker als erste Zutat; Phenylalanin-Hinweis |
| Xucker Light | Erythrit | „30 % weniger süß als Zucker“ |
| Birkengold Xylit | Xylit | Süßkraft „1:1“ wie Zucker; Hinweis „abführend“ und Warnung für Hunde |
Hersteller- und Händlerangaben Abgelesen im Oktober 2026; für ESN Whey, More, Flavn Tasty, Canderel und Xucker auf den Seiten großer Händler, für Extra auf der britischen Markenseite, weil die deutschen Herstellerseiten die Zutaten nicht zeigten. Keine eigenen Messungen und keine Empfehlung.5
Was auffällt: In sechs der sieben Riegel ist Maltit der Zuckeralkohol, fast immer zusammen mit Sucralose und oft mit Polydextrose, einem Ballaststoff, der ebenfalls im Dickdarm gärt.47 Erythrit steht nur im Riegel in der US-Fassung an vorderer Stelle. In Getränken, Pulvern und Tafelsüßen stecken dagegen Süßstoffe, meist zwei bis vier gemischt – das ist meine Zählung aus diesen beiden Tabellen, keine Marktstatistik.5
Ob Dir ein zuckerfreier Riegel auf den Bauch schlägt, entscheidet vor allem eines: wie viel Zuckeralkohol auf einmal in Dir landet – und welcher.
Zuckeralkohole nimmt der Dünndarm nur zum Teil auf. Was übrig bleibt, wandert weiter in den Dickdarm. Dort zieht es Wasser an, und die Darmbakterien vergären es zu Gasen. Das Ergebnis kennst Du: Blähbauch, Grummeln, im schlimmsten Fall Durchfall. Je mehr auf einmal, desto stärker – und mehrere Zuckeralkohole zusammen werden schlechter aufgenommen als einer allein.14 Deshalb muss auf der Packung stehen „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“, sobald ein Lebensmittel mehr als 10 Prozent zugesetzte Zuckeralkohole enthält.4
Eine Ausnahme ist Erythrit. Er wird größtenteils schon im Dünndarm ins Blut aufgenommen und unverändert mit dem Urin ausgeschieden; im Dickdarm kommt wenig an.11 Deshalb verträgst Du von Erythrit mehr als von anderen Zuckeralkoholen – im direkten Vergleich deutlich mehr als von Xylit.11, 13 Auch Erythrit führt ab, aber erst bei größeren Mengen: Die EFSA hat seine Tagesdosis 2023 aus der Menge abgeleitet, bis zu der in Studien am Menschen kein Durchfall auftrat – die Zahl steht in Kapitel 03.11
Die Tabelle zeigt, was gesunde Erwachsene nach einer bestimmten Menge berichteten. Meist wurde jede Menge einmal gegeben; nur in einer Studie aßen die Teilnehmer über mehrere Tage.
| Zuckeralkohol · Menge | Wie gegessen | Was passierte |
|---|---|---|
| Erythrit · 20 und 35 g | in Wasser, auf einmal | keine vermehrten Beschwerden13 |
| Erythrit · 50 g | in Wasser, auf einmal | häufiger Übelkeit und Bauchgrummeln, nicht häufiger wässriger Stuhl13 |
| Xylit · 35 g | in Wasser, auf einmal | häufiger wässriger Stuhl13 |
| Xylit · 50 g | in Wasser, auf einmal | Übelkeit, Blähbauch, Grummeln, Krämpfe, wässriger Stuhl13 |
| Maltit · 30 g | in Schokolade | höchstens leichte Blähungen15, 30 |
| Maltit · 40 g | in Schokolade | leichte Blähungen, Grummeln, Krämpfe – kein Abführen15, 30 |
| Maltit · 10 bis 45 g | auf einmal, von Versuch zu Versuch um 5 g gesteigert | Durchfall bei 29 von 34 jungen Frauen, die im Mittel rund 50 kg wogen16 |
| Isomalt · 30 g | in Schokolade | leichte Beschwerden, auch weicherer Stuhl15 |
| Lactit · 30 g | in Schokolade | deutlich mehr Beschwerden aller Art, teils stark15 |
| Maltit · über den Tag verteilt | Tagesmenge schrittweise gesteigert, auch neun Tage am Stück | Durchfall oder starke Beschwerden im Mittel erst ab rund 90 g am Tag31 |
aus der Quelle Werte aus den Studien, keine eigenen Rechnungen. Untersucht wurden kleine Gruppen gesunder, meist junger Erwachsener. Bei einer Studie zahlte eine Firma teilweise mit, und Hersteller stellten die Zuckeralkohole; was ich zu Geldgebern und Interessenkonflikten prüfen konnte, steht in „Belegt“.16
In Schokolade gegessen, machten 40 Gramm Maltit nur leichte Blähungen und Grummeln.15, 30 Junge Frauen, die im Mittel rund 50 Kilogramm wogen, bekamen Maltit als einzelne Gabe, von Versuch zu Versuch gesteigert: Bis 45 Gramm hatten fast neun von zehn Durchfall.16 Über den Tag verteilt lag die Grenze in einer kleinen Studie im Mittel bei rund 90 Gramm am Tag.31 Und in Getränken löst Xylit schon bei kleineren Mengen Durchfall aus als in fester Nahrung; auch Körpergewicht, der Rest der Mahlzeit und ob man nüchtern ist, spielen laut einer Übersichtsarbeit mit.17 Es zählt also nicht nur, wie viel Du isst, sondern auch wie: auf einmal oder verteilt, getrunken oder gegessen. Das ist meine Lesart der Studien – direkt vergleichbar sind sie nicht.
Ein Stück weit gewöhnt sich der Darm: Bei regelmäßigem Verzehr von Xylit wird er verträglicher, beschreibt eine Übersichtsarbeit, also eine Auswertung vieler Studien.17 Bei Maltit fand eine kleine Studie nach neun Tagen keine solche Gewöhnung.31
gerechnet Von mir aus den Angaben der Hersteller gerechnet.5 Die Zeile „davon mehrwertige Alkohole“ zählt auch Glycerin mit, das viele Riegel als Feuchthaltemittel enthalten;4 die Studien in der Tabelle prüften dagegen jeweils einen einzelnen Zuckeralkohol. Den PowerBar-Riegel habe ich nicht mitgerechnet: Bei ihm steckt Maltit nur im Schokoladenüberzug, und seine 11 g sind vermutlich größtenteils Glycerin – meine Einschätzung. Wie viel der Ballaststoffe Polydextrose ist, nennen die Hersteller nicht. Ob es bei Dir rumort, hängt außerdem davon ab, was Du am selben Tag sonst isst – zuckerfreier Kaugummi oder Geschmackspulver mit Inulin eingeschlossen.
Viele Riegel enthalten zusätzlich Ballaststoffe wie Polydextrose oder Inulin aus der Zichorienwurzel. Auch sie landen im Dickdarm; Polydextrose wird dort langsam vergoren, mit mäßig viel Gas, so eine Übersicht von Mitarbeitern des Konzerns DuPont.47 In einer Studie wurden 10 Gramm Inulin gut vertragen, 10 Gramm Oligofruktose, die aus kürzeren Ketten besteht, machten dagegen deutlich mehr Beschwerden. Ein Mitautor arbeitete beim Lebensmittelkonzern Cargill.33
Das P in FODMAP steht für Polyole, also Zuckeralkohole – FODMAP ist eine Gruppe vergärbarer Kohlenhydrate, die Menschen mit Reizdarm oft weglassen. Ob Menschen mit Reizdarm Zuckeralkohole schlechter aufnehmen, ist widersprüchlich; Beschwerden machen sie bei Gesunden wie bei Reizdarm, je nach Menge.14 In mäßigen Mengen förderten Zuckeralkohole bei Gesunden dagegen Bifidobakterien, die als günstig für den Darm gelten.14
Jedes Süßungsmittel hat seine Eigenheiten: wie stark es süßt, ob es Hitze verträgt und welche Frage offen ist. Die Karten sind nach Gruppen sortiert, nicht nach Güte.
Rund 200-mal so süß wie Zucker; beim Erhitzen verliert es seine Süße und taugt deshalb kaum zum Backen.1 Es ist eine Phenylalaninquelle, darum der Pflichthinweis.4 Die Tagesdosis von 40 Milligramm pro Kilogramm hat die EFSA 2026 bestätigt, als sie ein Salz aus Aspartam und Acesulfam-K bewertete – drei Jahre nach der Einstufung durch die Krebsforschungsagentur der WHO, mehr in Kapitel 06.23, 40
Rund 200-mal so süß wie Zucker und hitzestabil, er bleibt also auch beim Backen süß.1 In der Marktübersicht steckt er fast immer zusammen mit anderen Süßstoffen.5 2025 hat die EFSA seine Tagesdosis von 9 auf 15 Milligramm pro Kilogramm angehoben.37
Rund 600-mal so süß wie Zucker; nach Angaben der US-Behörde bleibt sie beim Backen süß.1 Das Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR, rät dennoch, sie nicht über 120 Grad zu erhitzen oder erst danach zuzugeben, weil sich chlorhaltige, gesundheitsschädliche Stoffe bilden können.27 Ihre Tagesdosis von 15 Milligramm pro Kilogramm hat die EFSA 2026 bestätigt.32
Saccharin süßt 200- bis 700-mal, Cyclamat 30- bis 40-mal so stark wie Zucker.1, 41 Für Saccharin hob die EFSA die Tagesdosis 2024 an,38 Cyclamat bewertet sie gerade neu.43 In den USA ist Cyclamat seit 1969 nicht erlaubt, in der EU zugelassen. Einen Grund nennt die US-Vorschrift nicht; die EU-Tagesdosis von 7 Milligramm beruht auf Schäden an den Hoden von Ratten durch das Abbauprodukt Cyclohexylamin.41, 42
Die süßen Stoffe aus den Blättern der Steviapflanze, 200- bis 400-mal so süß wie Zucker.1 Als Zusatzstoff bewertet hat die EFSA nicht das grüne Blatt, sondern hochreine Süßstoffe aus der Pflanze – zu mindestens 95 Prozent ihre süßen Hauptbestandteile;25 im Handel teils auch mit Hilfe von Enzymen hergestellt.5 Eine Anhebung der Tagesdosis von 4 Milligramm pro Kilogramm lehnte die EFSA 2024 ab.44
Rund 70 Prozent der Süße von Zucker, null Kilokalorien;4, 11 der Körper nimmt ihn größtenteils auf und scheidet ihn unverändert aus.11 Der Bauch verträgt ihn besser als andere Zuckeralkohole, beim Herz ist die Frage offen – Kapitel 04 und 06.9, 13
Süßt laut Hersteller wie Zucker und lässt sich eins zu eins tauschen;5 er liefert 2,4 Kilokalorien je Gramm.4 Ab 35 Gramm auf einmal in Flüssigkeit kam in einer Studie häufiger wässriger Stuhl.13 Für Hunde ist Xylit gefährlich.28 Und wie beim Erythrit ist beim Herz eine Frage offen – Kapitel 06.12
Sie stecken in Schokolade, Riegeln und Kaugummi; in sechs der sieben Riegel der Marktübersicht ist Maltit der Zuckeralkohol.5 Maltit lässt den Blutzucker stärker steigen als die meisten anderen Zuckeralkohole.48 Eine Neubewertung dieser Zuckeralkohole hat die EFSA begonnen; eine Zahl für die Tagesdosis gibt es bisher nicht.43
Allulose ist ein Zucker, den der Körper anders verwertet als Haushaltszucker; Mönchsfrucht ist eine Pflanze aus Südchina, deren Extrakt 100- bis 250-mal so süß ist wie Zucker. In den USA hat die Lebensmittelbehörde FDA die Unterlagen der Hersteller zu beiden geprüft und keine Einwände erhoben.1 Für Allulose konnte die EFSA 2025 die Sicherheit nicht feststellen, weil der Antragsteller angeforderte Daten nicht lieferte.49 Für einen Extrakt aus Mönchsfrucht reichten ihr 2019 die Daten nicht für ein Urteil.50 Eine Zulassung als Süßungsmittel in der EU habe ich für keinen der beiden gefunden.
Für zu Hause bietet der Handel vor allem drei Wege: Geschmackspulver mit Süßstoffen, Tafelsüße als Tabletten oder flüssig und Erythrit oder Xylit als Streusüße.5 Für Quark, Joghurt, Porridge und Shakes, die Du nicht erhitzt, eignet sich jeder davon; beim Backen trennt sich das Feld.
| Süßungsmittel | Süßkraft, Zucker = 1 | Beim Erhitzen | Worauf achten |
|---|---|---|---|
| Erythrit | rund 0,711 | hitzestabil laut der EU-Beschreibung des Zusatzstoffs;11 kann beim Backen auskristallisieren – Herstellerangabe5 | null Kilokalorien;4 ab 50 g auf einmal häufiger Übelkeit und Grummeln13 |
| Xylit | 1 – Herstellerangabe5 | zum Backen geeignet – Herstellerangabe5 | 2,4 Kilokalorien je Gramm;4 ab 35 g auf einmal in Flüssigkeit wässriger Stuhl; gefährlich für Hunde13, 28 |
| Sucralose | rund 6001 | bleibt süß, soll aber nicht über 120 °C erhitzt werden1, 27 | steckt in vielen Geschmackspulvern5 |
| Aspartam | rund 2001 | verliert seine Süße1 | Phenylalaninquelle4 |
| Acesulfam-K | rund 2001 | bleibt süß1 | meist mit anderen Süßstoffen gemischt5 |
| Steviolglycoside | 200 bis 4001 | in den geprüften Quellen keine Angabe | in Geschmackspulvern oft zusammen mit Sucralose5 |
aus der Quelle Angaben von Behörden; „Herstellerangabe“ heißt: abgelesen auf der Seite eines Herstellers im Oktober 2026, nicht unabhängig geprüft.
Bei Süßungsmitteln stoßen zwei Arten von Studien aufeinander. In Versuchen, in denen das Los entscheidet, wer Süßstoff und wer Zucker bekommt, zeigen sich meist kleine Vorteile. Beobachtungsstudien über viele Jahre finden dagegen immer wieder Zusammenhänge mit Krankheiten. Fachleute nennen die Versuche mit Losentscheid randomisiert. Warum beide Befunde nebeneinander stehen können, erklärt der Kasten am Ende dieses Kapitels.
Erwachsene mit Übergewicht und einem Diabetesrisiko oder Diabetes, überwiegend Frauen, die Zuckergetränke durch Light-Getränke ersetzten, wogen in einer Auswertung randomisierter Studien am Ende rund ein Kilo weniger, genau 1,06 Kilogramm. In den drei Studien, die Wasser statt Zuckergetränk prüften, änderte sich das Gewicht dagegen praktisch nicht – es waren andere Studien, direkt vergleichbar sind die Zahlen nicht.6 In einer einjährigen Studie nahmen Erwachsene mit Übergewicht zuerst zwei Monate mit einer Diät ab. Wer danach Zuckerhaltiges durch Produkte mit Süßungsmitteln ersetzte, hielt nach einem Jahr 1,6 Kilogramm mehr von seinem Gewichtsverlust als die Vergleichsgruppe, die bei Zucker blieb; bei Blutfetten, Blutdruck, Blutzucker und anderen Herz-Kreislauf-Werten fanden die Forscher keinen gesicherten Unterschied. Allerdings stiegen vier von zehn Teilnehmern vorzeitig aus, und bei denen, die bis zum Ende dabeiblieben, war der Unterschied ähnlich groß, aber statistisch nicht gesichert.29
Die Weltgesundheitsorganisation WHO kam 2023 in einer eigenen Auswertung zu einem anderen Schluss: Sie rät davon ab, Süßstoffe einzusetzen, um das Gewicht zu kontrollieren oder nichtübertragbaren Krankheiten wie Diabetes vorzubeugen. Ihre Auswertung fand langfristig keinen Nutzen fürs Körperfett, dafür in Beobachtungsstudien Hinweise auf ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tod. Die Empfehlung ist ausdrücklich nur bedingt – laut WHO heißt das: Bevor ein Land daraus Regeln macht, kann es nötig sein, sie dort gründlich zu diskutieren. Sie gilt nicht für Menschen, die schon Diabetes haben, und nicht für Zuckeralkohole.19
Süßstoffe allein heben den Blutzucker kurzfristig nicht – das ergab eine Auswertung randomisierter Studien mit Messungen nach einzelnen Gaben.20 Auch beim Insulin, dem Hormon, das Zucker aus dem Blut in die Zellen bringt, fand eine zweite Auswertung keinen Anstieg; ihr Erstautor arbeitete beim Lebensmittelkonzern Unilever – ein möglicher Interessenkonflikt.21 In einer kleinen Studie mit Menschen mit starkem Übergewicht, die sonst keine Süßstoffe nahmen, stieg das Insulin allerdings um rund ein Fünftel stärker, wenn sie zehn Minuten vor einem Zuckergetränk Sucralose getrunken hatten.22
Bei den Zuckeralkoholen kommt es auf die Sorte an. Erythrit hob Blutzucker und Insulin in einer Studie gar nicht, Xylit nur wenig.51 Maltit, der in vielen Riegeln steckt, hat einen glykämischen Index von 35 – ein Maß dafür, wie stark der Blutzucker steigt. Zum Vergleich: Haushaltszucker liegt bei 65, Traubenzucker bei 100.48 Zuckerfrei heißt also nicht automatisch, dass der Blutzucker unten bleibt.
In einer Studie veränderten zwei Wochen Saccharin, Sucralose, Aspartam oder Stevia die Darmbakterien gesunder Erwachsener – in Mengen unterhalb der akzeptablen Tagesdosis. Bei Saccharin und Sucralose stieg der Blutzucker nach einem Zuckertest – einem Getränk mit Traubenzucker, nach dem der Blutzucker gemessen wird – stärker als vorher, und zwar von Mensch zu Mensch sehr verschieden.26 In der einjährigen Studie aus dem Abschnitt „Gewicht“ verschob sich die Darmflora dagegen in eine Richtung, die die Forscher als günstig werten.29 Oft heißt es, Süßstoffe zerstörten die Darmflora – das zeigt keine der beiden Studien. Dass sie sie verändern, schon.
Bei Menschen, die zur Herzuntersuchung in eine Klinik kamen, gingen hohe Erythrit-Werte im Blut mit mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Todesfällen in den folgenden drei Jahren einher; die Studie zählte alle drei zusammen. Im obersten Viertel der Werte lag das Risiko in einer amerikanischen Gruppe 1,8-mal, in einer europäischen 2,2-mal so hoch wie im untersten.9 Im Labor machte Erythrit die Blutplättchen – die Zellen, die Gerinnsel bilden – reaktionsfreudiger. Als gesunde Erwachsene 30 Gramm Erythrit tranken, lag der Wert im Blut danach über 1000-fach höher und blieb über zwei Tage erhöht. Die Forscher vergleichen die Menge mit einer Dose eines künstlich gesüßten Getränks oder einem knappen halben Liter Keto-Eis, also kohlenhydratarmem Eis; in den Getränken der Marktübersicht steckt allerdings kein Erythrit.9 In einem zweiten Versuch reagierten nach 30 Gramm Erythrit bei jedem Einzelnen die Blutplättchen stärker, nach derselben Menge Traubenzucker nicht.18 Für Xylit fand dieselbe Forschergruppe ein ähnliches Muster, bisher in einer Arbeit: mehr Herz-Kreislauf-Ereignisse bei hohen Blutwerten und stärker reagierende Blutplättchen nach einem Getränk mit Xylit.12 Unter den Geldgebern ist kein Hersteller von Süßungsmitteln; der Leiter der Forschergruppe ist aber Miterfinder von Patenten seiner Klinik zu Herz-Kreislauf-Diagnostik und kann daraus Lizenzzahlungen erhalten – ein möglicher Interessenkonflikt.9
Daraus könnte man schließen, dass Erythrit Herzinfarkte auslöst. Das zeigen diese Studien nicht. Die Blutwerte wurden einmal gemessen, ohne zu erfassen, was die Menschen gegessen hatten. Und Erythrit bildet der Körper auch selbst aus Traubenzucker; bei jungen Erwachsenen mit höherem Langzeitblutzucker oder zunehmendem Bauchfett lagen die Werte im Blut um ein Vielfaches höher.10 In einer Diätstudie mit Erwachsenen mit Übergewicht ging ein stärkerer Rückgang des Erythrit-Werts mit einem stärkeren Rückgang des geschätzten Herz-Kreislauf-Risikos einher.52 Die EFSA hält hohe Erythrit-Werte im Blut für ein mögliches Zeichen von Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes; ob der Zusammenhang überhaupt mit Erythrit aus dem Essen zu tun hat, sei höchst unsicher, eine Ursache nicht gezeigt. Den Versuch, in dem 30 Gramm die Blutwerte Gesunder tagelang erhöhten, und die Laborversuche zu den Blutplättchen kannte sie; aus den Laborversuchen lasse sich nicht vorhersagen, was im Menschen passiert.11 Der Versuch, in dem 30 Gramm die Blutplättchen Gesunder reaktionsfreudiger machten, erschien erst nach ihrer Bewertung.18 Zwei Auswertungen, die Erbanlagen für höhere Erythrit-Werte als natürliches Experiment nutzen – Fachleute sagen Mendelsche Randomisierung –, fanden ebenfalls Zusammenhänge mit Herzerkrankungen und Schlaganfall. Sie erfassen aber den Erythrit, den der Körper selbst bildet, nicht den aus dem Essen.53, 54 Eine Studie, die Menschen über Jahre mit und ohne Erythrit im Essen vergleicht, gibt es nicht.
Für künstliche Süßstoffe insgesamt fand eine große französische Beobachtungsstudie: Mit jeder Verzehnfachung der Süßstoffmenge lag das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 9 Prozent höher. Aspartam hing vor allem mit Durchblutungsstörungen im Gehirn wie Schlaganfällen zusammen, Acesulfam-K und Sucralose mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße.7 In absoluten Zahlen erkrankten unter den Menschen mit höherem Süßstoffkonsum pro Jahr rund 3,5 von 1000, unter denen ohne Süßstoff rund 3,1 – gerechnet aus den Angaben der Studie.
Die Krebsforschungsagentur der WHO, kurz IARC, stufte Aspartam 2023 als „möglicherweise krebserregend“ ein, gestützt auf begrenzte Hinweise beim Menschen für eine Form von Leberkrebs. Ihre Stufen sagen, wie sicher die Hinweise auf eine Krebsgefahr sind – nicht, wie hoch das Risiko bei einer bestimmten Menge ist. Ein zweites Gremium von WHO und Welternährungsorganisation, kurz JECFA, sah im selben Jahr keinen Grund, die Tagesdosis von 40 Milligramm pro Kilogramm zu ändern;23, 24 die EFSA bestätigte denselben Wert 2026, als sie ein Salz aus Aspartam und Acesulfam-K bewertete.40
In der großen französischen Beobachtungsstudie hatten Menschen mit höherem Konsum künstlicher Süßstoffe ein um 13 Prozent höheres Krebsrisiko als Menschen ohne; für Aspartam allein waren es 15 Prozent.8 Für ein Zwischenprodukt aus der Herstellung von Sucralose zeigten Zellversuche Schäden am Erbgut, und das Zwischenprodukt fand sich in Sucralose aus dem Handel als Verunreinigung.55 Die EFSA hält diese Zellversuche für wenig aussagekräftig: Ein bakterieller Test auf Veränderungen des Erbguts fiel negativ aus, und Anlass zur Sorge wegen Erbgutschäden sah sie bei ihrer Neubewertung weder für Sucralose noch für verwandte Verunreinigungen.32 Am Menschen untersucht ist das nicht.
In einer brasilianischen Beobachtungsstudie über acht Jahre ließen Wortflüssigkeit – wie schnell einem passende Wörter einfallen – und Denkleistung bei Menschen unter 60, die am meisten Süßungsmittel aßen, schneller nach – auch bei Erythrit, Xylit und Sorbit. Bei über 60-Jährigen fand sich kein Zusammenhang.56 Auch das ist ein Zusammenhang, kein Beweis.
Rund um Zuckerersatz kursieren viele Aussagen – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmt eine, vier stimmen halb, fünf stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht.
Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie nicht zeigen.
Die Tabellen in Kapitel 03 zeigen verbreitete Produkte, keine repräsentative Stichprobe. Rezepturen ändern sich, und Händlerangaben weichen teils von denen der Hersteller ab.5
In Riegeln, Getränken und Kaugummi stecken meist mehrere Süßungsmittel zusammen.5 Die Studien prüften dagegen fast immer einen Stoff allein – wie Mischungen wirken, lässt sich daraus nur ableiten. Das ist meine Einschätzung.
Der Versuch, in dem 30 Gramm Erythrit die Blutplättchen reaktionsfreudiger machten, lief mit gesunden Erwachsenen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, Bluthochdruck oder Diabetes. Was dieselbe Menge bei einer bestehenden Erkrankung bewirkt, hat er nicht untersucht.18 Ob und wie viel Erythrit dann für Dich passt, klärst Du mit Deinem Arzt.
Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.
So lesen sich die Stufen: gut belegt – viele Studien oder eine Bewertung von Behörden, gleiche Richtung · belegt – mehrere kleinere Studien oder eine größere · erste Hinweise – wenige Studien oder überwiegend eine Forschergruppe · uneinheitlich – Studien oder Fachgremien widersprechen sich · nicht belegt – keine Studie gefunden, die es zeigt.
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Zuckeralkohole machen ab einer gewissen Menge Blähungen und Durchfall, Erythrit am wenigsten | gut belegt – viele kleine Studien, gleiche Richtung; Grundlage der Warnpflicht und der Tagesdosis für Erythrit |
| Süßstoffe allein heben den Blutzucker kurzfristig nicht | gut belegt – zwei Auswertungen randomisierter Studien mit Messungen nach einzelnen Gaben |
| Süßstoffe allein heben das Insulin kurzfristig nicht | belegt – eine Auswertung randomisierter Studien; ihr Erstautor arbeitete in der Lebensmittelindustrie |
| Süßstoff statt Zucker hilft über Wochen bis ein Jahr ein wenig beim Gewicht | belegt – randomisierte Studien, kleine Effekte; ob das länger hält, ist offen – die WHO sieht langfristig keinen Nutzen fürs Körperfett |
| Süßstoffe verändern die Darmflora | erste Hinweise – wenige Studien, mit unterschiedlicher Richtung der Veränderung |
| Hohe Erythrit-Werte im Blut gehen mit mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Todesfällen einher, alle drei zusammen gezählt | belegt – zwei Gruppen von Menschen, die zur Herzuntersuchung kamen, in den USA und in Europa; als Zusammenhang, nicht als Ursache |
| Erythrit macht die Blutplättchen reaktionsfreudiger | erste Hinweise – Laborversuche und eine kleine Studie an 20 Gesunden, davon 10 mit Erythrit, alle aus einer Forschergruppe |
| Hohe Xylit-Werte im Blut gehen mit mehr Herz-Kreislauf-Ereignissen einher | erste Hinweise – eine Arbeit derselben Forschergruppe; als Zusammenhang, nicht als Ursache |
| Erythrit aus dem Essen verursacht Herzinfarkte | nicht belegt – keine Studie, die Menschen mit und ohne Erythrit im Essen über Jahre vergleicht |
| Künstliche Süßstoffe erhöhen das Krebsrisiko | uneinheitlich – Zusammenhang in einer großen Beobachtungsstudie; die Krebsforschungsagentur der WHO sieht für Aspartam begrenzte Hinweise, die Gremien für die Tagesdosis keinen Grund zur Änderung |
| Starkes Erhitzen von Sucralose ist unbedenklich | uneinheitlich – in üblichen Backversuchen kaum bedenkliche Stoffe, über 180 Grad offene Fragen |
| Süßungsmittel beschleunigen den Abbau von Gedächtnis und Denkleistung | erste Hinweise – eine Beobachtungsstudie, Zusammenhang nur bei unter 60-Jährigen |
| Natürliche Süßungsmittel sind gesünder als künstliche | nicht belegt – keine Studie gefunden, die das zeigt |
Das Kurze · Fazit in Zahlen
Jede Zahl mit Quelle und Haken
Die sechs Zahlen stammen aus Studien, einer Auswertung mehrerer Studien und den Bewertungen von Behörden und Fachgremien, Stand Oktober 2026. Zu jeder steht, wer untersucht wurde, was herauskam und wo der Haken liegt.
Erwachsene mit Übergewicht wogen am Ende der Versuche rund ein Kilo weniger: Als Ersatz für Zucker helfen Süßstoffe ein wenig.
Versuche über Wochen bis Monate, überwiegend mit Frauen, die ein Diabetesrisiko oder Diabetes hatten. Die WHO sieht langfristig keinen Nutzen fürs Körperfett. Firmen bezahlten einen Teil der Studien; Geldgeber und Interessenkonflikte der Auswertung selbst ließen sich nicht prüfen.
Wer nach einer Diät Zuckerhaltiges durch Produkte mit Süßungsmitteln ersetzte, nahm weniger wieder zu: Beim Halten des Gewichts hilft der Tausch ein Stück.
Vier von zehn stiegen vorzeitig aus; bei denen, die bis zum Ende dabeiblieben, war der Unterschied statistisch nicht gesichert. Geldgeber und Interessenkonflikte ließen sich nicht prüfen.
Erythrit blieb bis 35 Gramm ohne Beschwerden, bei 50 Gramm kamen Übelkeit und Grummeln: Die Sorte entscheidet mit, wie viel Dein Bauch verträgt.
Junge, gesunde Studenten, die Zuckeralkohole in Wasser tranken; in Schokolade oder über den Tag verteilt lagen die Grenzen anders. Auf der Verlagsseite steht ohne Erklärung das Entwicklungszentrum der Firma Cerestar, die selbst Erythrit verkaufte – ob als Geldgeber, ist unklar.
Bei 80 Kilogramm sind das 40 Gramm am Tag, gerechnet in Kapitel 03: Auch der bauchfreundlichste Zuckeralkohol hat eine Obergrenze.
Abgeleitet aus der Grenze für Durchfall, nicht aus Daten zum Herz; der Versuch, in dem 30 Gramm die Blutplättchen Gesunder reaktionsfreudiger machten, kam erst danach.
Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod in drei Jahren, oberstes gegen unterstes Viertel, in einer europäischen Gruppe: Ein Warnsignal, kein Beweis.
Menschen, die zur Herzuntersuchung kamen; der Blutwert wurde einmal gemessen, das Essen nicht erfasst, und der Körper bildet Erythrit auch selbst. Der Leiter der Forschergruppe ist Miterfinder von Patenten seiner Klinik zu Herz-Kreislauf-Diagnostik.
Die Einstufung als „möglicherweise krebserregend“ änderte daran nichts: Die Menge macht das Risiko, nicht die Einstufung.
Die Krebsforschungsagentur der WHO sieht begrenzte Hinweise auf Leberkrebs. Für Menschen mit Phenylketonurie gilt die Tagesdosis nicht.
Jede Zahl ist an ihrer Quelle selbst geprüft, Stand Oktober 2026 – die Studien an ihrer Kurzfassung in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, einige auch am Volltext, die Bewertungen der Behörden an ihrem Wortlaut. Die vollständigen Angaben, mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, folgen im Kapitel „Belegt“.
Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Untersuchte, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Studien habe ich über PubMed geprüft, die Bewertungen von EFSA, BfR, WHO und FDA an ihrem Wortlaut, die Rechtsvorschriften an den EU-Verordnungen und die Produktangaben auf den Seiten der Hersteller und Händler. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei. Ein „95-%-Konfidenzintervall“ zeigt, wie genau ein Ergebnis ist: Je enger der Bereich, desto genauer. Schließt er bei einem Risiko die 1 nicht ein, gilt der Unterschied als statistisch gesichert, ebenso bei einem P-Wert unter 0,05. „Doppelblind“ heißt: Weder Teilnehmer noch Forscher wussten, wer was bekam; „im Crossover-Verfahren“: Jeder probierte alle Varianten nacheinander.