ST
die fittermacher
Süßstoffe
Wissen · Stefan Trost
Ernährung · Süßstoffe · Zuckeralkohole · Proteinriegel

Süßstoffe und Zuckeralkohole: Was taugt der Zuckerersatz?

Zuckerersatz ist weder Gift noch Schlankmacher: Süßstoffe sparen Zucker und sind von den Behörden gründlich geprüft, Zuckeralkohole machen ab einer gewissen Menge Bauchweh – und bei Erythrit und Xylit ist eine Frage zum Herz noch offen.

Süßstoffe wie Aspartam, Acesulfam-K, Sucralose oder Steviolglycoside – die süßen Stoffe der Steviapflanze – süßen 200- bis 600-mal so stark wie Zucker, deshalb reichen winzige Mengen.1 Zuckeralkohole wie Erythrit, Xylit, Maltit oder Sorbit – auch Zuckeraustauschstoffe genannt, in der Nährwerttabelle „mehrwertige Alkohole“ – süßen ähnlich wie Zucker oder schwächer und stecken in allen sieben Proteinriegeln, die ich mir für diese Seite angesehen habe.2, 3, 4, 5

Ich bin Personal Trainer – was hier steht, habe ich in Studien und bei Behörden nachgeschlagen. Wer Zuckergetränke durch Light-Getränke ersetzte, wog in Versuchen am Ende rund ein Kilo weniger;6 Beobachtungsstudien finden dagegen Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, ohne zu zeigen, dass Süßstoffe sie verursachen.7, 8 Beim Erythrit gingen hohe Blutwerte mit mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Todesfällen einher – die Studie zählte alle drei zusammen. Ob Erythrit aus dem Essen dahintersteckt, ist offen: Der Körper bildet ihn auch selbst, und am Blutwert lässt sich nicht ablesen, woher der Erythrit stammt.9, 10, 11 Für Xylit fand dieselbe Forschergruppe Ähnliches.12

−1,06 kg
Gewicht mit Light- statt Zuckergetränken – Auswertung von Studien, in denen das Los die Gruppen einteilte; Erwachsene mit Übergewicht und Diabetesrisiko oder Diabetes, überwiegend Frauen6
35 g
Xylit auf einmal – ab dieser Menge kam häufiger wässriger Stuhl; Erythrit blieb bis 35 g ohne Beschwerden13
2,2-fach
Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod bei Menschen, die zur Herzuntersuchung kamen: oberstes gegen unterstes Viertel der Erythrit-Blutwerte in einer europäischen Gruppe, in einer US-Gruppe 1,8-fach – ein Zusammenhang, kein Beweis9

Süßstoffe und Zuckeralkohole in Fragen und Antworten

Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost

Acht Fragen, kurz beantwortet

Wenn Du nur ein paar Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.

„Was ist der Unterschied zwischen Süßstoff und Zuckeralkohol?“
Die Süßkraft – und was im Darm passiert. Süßstoffe braucht es nur in Milligramm.1 Zuckeralkohole braucht es in Gramm; sie liefern 2,4 statt 4 Kilokalorien je Gramm, Erythrit null, und gelangen zum Teil unverdaut in den Dickdarm.4, 14
„Warum bekomme ich von zuckerfreien Proteinriegeln Blähungen?“
Wegen der Zuckeralkohole und Ballaststoffe, die im Dickdarm gären – und der Menge auf einmal. Sechs der sieben Riegel, die ich für die Marktübersicht in Kapitel 03 angesehen habe, enthalten Maltit, oft dazu gärende Ballaststoffe.5 Ab welcher Menge es rumort, schwankt stark: In Schokolade machten 30 Gramm Maltit höchstens leichte Blähungen;15 als einzelne, von Versuch zu Versuch gesteigerte Gabe hatten bis 45 Gramm fast neun von zehn jungen Frauen mit rund 50 Kilogramm Durchfall.16 Zwei Riegel liefern laut Nährwerttabelle zusammen 20 bis 30 Gramm Zuckeralkohole, das Feuchthaltemittel Glycerin eingeschlossen – gerechnet in Kapitel 04. Wie viel Du verträgst, hängt laut einer Übersichtsarbeit, also einer Auswertung vieler Studien, auch an Deinem Gewicht, am Rest der Mahlzeit und daran, ob Du nüchtern bist.17
„Ist Erythrit gesund oder schädlich?“
Bauchfreundlicher als andere Zuckeralkohole, offen fürs Herz. Erst größere Mengen führen ab; die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat daraus 2023 seine akzeptable Tagesdosis abgeleitet – eine Obergrenze, keine Empfehlung: 0,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.11, 13 Hohe Blutwerte gingen mit mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Todesfällen einher – die Studie zählte alle drei zusammen.9 Und nach 30 Gramm – laut den Forschern eine Menge, wie sie in mit Erythrit gesüßten Lebensmitteln üblich ist – reagierten bei gesunden Erwachsenen die Blutplättchen stärker, die Zellen, die Gerinnsel bilden.18 Dass Erythrit aus dem Essen schadet, zeigt das nicht: Der Körper bildet ihn auch selbst.10, 11 Für Xylit fand dieselbe Forschergruppe Ähnliches: mehr Herz-Kreislauf-Ereignisse bei hohen Blutwerten und stärker reagierende Blutplättchen.12
„Machen Süßstoffe dick?“
In den Versuchen nicht. Erwachsene mit Übergewicht, die Zuckergetränke durch Light-Getränke ersetzten, wogen am Ende rund ein Kilo weniger.6 Die WHO rät trotzdem davon ab, Süßstoffe gezielt zur Gewichtskontrolle einzusetzen, weil sie langfristig keinen Nutzen fürs Körperfett sieht.19
„Treiben Süßstoffe meinen Insulinspiegel hoch?“
Allein nicht, zusammen mit Zucker womöglich schon. Zwei Auswertungen randomisierter Studien – Fachleute nennen so Versuche, in denen das Los die Gruppen einteilt – fanden kurzfristig keinen Anstieg des Blutzuckers, eine davon auch keinen des Insulins.20, 21 In einer kleinen Studie stieg das Insulin allerdings stärker, wenn Sucralose kurz vor einem Zuckergetränk getrunken wurde.22
„Ist Aspartam krebserregend?“
„Möglicherweise“, sagt die Krebsforschungsagentur der WHO – über die Menge sagt das nichts. Die Einstufung beschreibt, wie sicher die Hinweise sind, nicht das Risiko; die Tagesdosis von 40 Milligramm pro Kilogramm blieb unverändert.23, 24 Bei 80 Kilogramm wären das 11 bis 16 Dosen Light-Getränk am Tag, gerechnet in Kapitel 03.
„Ist Stevia besser als künstliche Süßstoffe?“
Nicht nachweislich. Zugelassen sind hochreine Steviolglycoside, ein Zusatzstoff mit eigener Tagesdosis wie die anderen auch.25 In einer zweiwöchigen Studie veränderte Stevia die Darmbakterien ebenso wie künstliche Süßstoffe; den Blutzucker verschlechterten dort Saccharin und Sucralose, nicht aber Stevia und das künstliche Aspartam.26
„Womit süße ich selbst am besten – Quark, Porridge, Backen?“
Kalt ist es Geschmackssache, zum Backen nicht. Aspartam verliert beim Erhitzen seine Süße,1 Sucralose soll laut Bundesinstitut für Risikobewertung nicht über 120 Grad erhitzt werden.27 Erythrit und Xylit lassen sich verbacken – Xylit aber nie in Reichweite eines Hundes, für den er gefährlich ist.5, 28 Mehr in Kapitel 05.
01Gilt das für Dich?

Für wen Zuckerersatz eine Frage ist – und was davon Dich betrifft

Zuckerersatz begegnet Dir an mehr Stellen, als Du vielleicht denkst: im Proteinriegel, im Shake, im Light-Getränk, im Kaugummi und in der Streusüße für zu Hause. Finde Dich in einer der Karten wieder – sie sagen Dir, welches Kapitel Dich am meisten angeht.

Du isst Proteinriegel

Achte auf die Zuckeralkohole

In sechs der sieben Riegel aus der Marktübersicht in Kapitel 03 steckt Maltit, ein Zuckeralkohol, oft zusammen mit Ballaststoffen, die im Dickdarm gären.5 Ob Dein Bauch mitspielt, entscheidet vor allem die Menge auf einmal – mehr dazu in Kapitel 04.14

Du trinkst Light- oder Zero-Getränke

Gut untersucht, mit offenen Fragen

Darin stecken Süßstoffe, meist mehrere gemischt.5 Wer damit Zuckergetränke ersetzte, wog in Versuchen etwas weniger.6 Beobachtungsstudien finden zugleich Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – wie beides zusammenpasst, steht in Kapitel 06.7

Du willst abnehmen

Ersatz, kein Abnehmmittel

Süßstoff statt Zucker spart Kalorien; in einer einjährigen Studie hielten Teilnehmer damit ihr Gewicht etwas besser.29 Die WHO rät aber davon ab, Süßstoffe gezielt zur Gewichtskontrolle einzusetzen.19 Mehr als der Süßstoff zählt, was Du sonst isst. Das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.

Du süßt selbst – Quark, Porridge, Kuchen

Kapitel 05 ist Deins

Welche Süße sich zum Backen eignet und welche Du nicht stark erhitzen solltest, steht dort.27 Und wenn ein Hund im Haus lebt: Xylit gehört außer Reichweite.28

Du hast einen empfindlichen Bauch

Zuckeralkohole zuerst prüfen

Zuckeralkohole, auch Polyole genannt, sind das P in FODMAP – einer Gruppe vergärbarer Kohlenhydrate, die Menschen mit Reizdarm oft weglassen; Beschwerden machen sie bei Gesunden wie bei Reizdarm, je nach Menge.14 Erythrit verträgt der Bauch meist am besten – die Zahlen stehen in Kapitel 04.13

Medizinische Vorgeschichte

Erst die Freigabe

Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Gelenken oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, ob und wie viel davon für Dich passt.

Nicht Thema dieser Seite Wie viel Zucker gesund ist, Honig, Sirupe und Kokosblütenzucker – das alles ist Zucker, kein Süßungsmittel im Sinne des EU-Rechts –, Süßungsmittel in Medikamenten und die Ernährung bei Diabetes stehen nicht hier. Diese Seite erklärt, was Süßstoffe und Zuckeralkohole sind, wo sie stecken, wie Dein Bauch sie verträgt und was Studien zu ihrer Wirkung zeigen.
02So gehst Du damit um

So gehst Du mit Süßstoffen und Zuckeralkoholen um

Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Ob Zuckerersatz Dir nützt oder Ärger macht, entscheidet sich weniger an der Marke als an Sorte, Menge und dem, was er ersetzt.

✓Lies bei Riegeln die Zutatenliste. Hinter „Süßungsmittel“ steht in Klammern, welches drinsteckt. Steht dort Maltit, Sorbit, Xylit, Isomalt oder Lactit, ist es ein Zuckeralkohol, der im Dickdarm gären kann; Erythrit verträgt der Bauch besser.13, 14 Die Zeile „davon mehrwertige Alkohole“ in der Nährwerttabelle nennt die Menge – Pflicht ist sie aber nicht, und in vielen Tabellen fehlt sie.4, 5
✓Probier einen neuen Riegel erst allein – nicht gleich zwei auf einmal. Wie viel Dein Bauch verträgt, hängt an Sorte, Menge und Gewöhnung. Zwei Riegel auf einmal liefern bis zu 30 Gramm Zuckeralkohole; so viel Maltit machte in Schokolade höchstens leichte Blähungen. Dazu kommen Ballaststoffe, die ebenfalls gären und in diesen Studien nicht dabei waren.5, 15, 30 Das ist meine Folgerung aus Kapitel 04, keine Studienregel.
✓Verteil Zuckeralkohole über den Tag. Über den Tag verteilt vertrugen Teilnehmer einer Studie im Mittel rund 90 Gramm Maltit, bevor Durchfall oder starke Beschwerden kamen;31 auf einmal genommen, bekamen in einer anderen Studie fast neun von zehn jungen Frauen schon bis 45 Gramm Durchfall.16 Und wie passt das zu den höchstens leichten Blähungen in Schokolade? Die Studien sind nicht direkt vergleichbar – Schokolade zum Frühstück, steigende Einzelgaben bei jungen Frauen um 50 Kilogramm, über den Tag verteilte Mengen.15 Dass kleinere Mengen im Rahmen der normalen Ernährung seltener Durchfall machen, beschreibt aber auch eine Übersichtsarbeit.17
✓Zähl die Kalorien der Zuckeralkohole mit. Sie liefern 2,4 Kilokalorien je Gramm, nur Erythrit null.4 In einem Riegel mit 15 Gramm Zuckeralkoholen stecken damit 36 Kilokalorien allein aus den Zuckeralkoholen – 15 × 2,4, gerechnet.5
✓Bleib bei Erythrit unter der Tagesdosis. Sie ist eine Obergrenze, keine Empfehlung: Die EFSA hat sie 2023 auf 0,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt, bei 80 Kilogramm also 40 Gramm am Tag, gerechnet.11 Solange die Frage zum Herz offen ist – bei Xylit ebenso –, ist weniger die vorsichtigere Wahl.9, 12 Das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
✕Nimm Süßstoff nicht als Abnehmmittel. Als Ersatz für Zucker spart er Kalorien und half in Versuchen ein wenig beim Gewicht;6, 29 die WHO rät dennoch davon ab, Süßstoffe gezielt zur Gewichtskontrolle einzusetzen, weil ihre Auswertung langfristig keinen Nutzen fürs Körperfett fand.19
✕Erhitze Sucralose nicht stark. Ab etwa 120 Grad kann sie Chlor abspalten, reine, trockene Sucralose in einem ersten Laborversuch schon darunter; ob dabei bedenkliche Stoffe in nennenswerter Menge entstehen, ist vor allem für Temperaturen über 180 Grad nicht geklärt.27, 32 Zum Backen nimmst Du besser ein anderes Süßungsmittel – mehr in Kapitel 05.
✕Lass Xylit nicht in Reichweite Deines Hundes. Bei Hunden löst Xylit eine starke Insulinausschüttung aus; der Blutzucker kann binnen 10 bis 60 Minuten gefährlich abfallen. Frisst Dein Hund etwas mit Xylit, ruf sofort den Tierarzt oder einen Tiernotdienst an.28
Entscheidungs-Check · vier Fragen vor dem nächsten Riegel
  1. Steht „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ auf der Packung? Dann stecken mehr als 10 Prozent zugesetzte Zuckeralkohole darin.4
  2. Welcher Zuckeralkohol steht in der Zutatenliste? Erythrit verträgt der Bauch besser als die anderen Zuckeralkohole.11, 13
  3. Wie viel kommt heute noch dazu? Zuckerfreier Kaugummi zählt mit, ebenso Geschmackspulver – Pulver mit Aroma und Süßstoff zum Einrühren – mit Inulin, einem Ballaststoff, der im Dickdarm ebenfalls gärt.5, 33
  4. Hast Du genau diesen Riegel schon einmal allein vertragen, ohne einen zweiten dazu?
Wenn Du nur einen Absatz mitnimmst Zuckerersatz ist weder Gift noch Schlankmacher. Süßstoffe helfen Dir, Zucker zu ersetzen, und ihre Tagesdosen sind von den Behörden geprüft. Bei Zuckeralkoholen entscheidet die Menge auf einmal über Deinen Bauch, und bei Erythrit und Xylit ist die Frage zum Herz noch offen – wer viel davon nimmt, nimmt besser weniger. Das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
03Gruppen, Tagesdosis, Markt

Zwei Gruppen, ihre Tagesdosis und was in Riegel, Pulver und Getränk steckt

Auf der Packung heißen beide „Süßungsmittel“ – das EU-Recht fasst damit alle Stoffe zusammen, die Lebensmittel und Tafelsüßen süßen, also Süße zum Selberdosieren wie Tabletten oder Streusüße.5, 34 Dahinter stecken zwei sehr verschiedene Gruppen.

Süßstoffe süßen viel stärker als Zucker: Aspartam und Acesulfam-K rund 200-mal, Sucralose rund 600-mal, Steviolglycoside 200- bis 400-mal.1 Deshalb reichen Milligramm, und Kalorien spielen keine Rolle.2 In ihrer Empfehlung von 2023 zählt die WHO dazu künstliche wie natürliche Süßstoffe, auch Stevia.19

Zuckeralkohole – Fachleute sagen Polyole, die Nährwerttabelle „mehrwertige Alkohole“, im deutschen Sprachgebrauch heißen sie auch Zuckeraustauschstoffe – süßen ähnlich stark wie Zucker oder schwächer.2, 3 Mit Trinkalkohol haben sie trotz des Namens nichts zu tun. Sieben davon fasst das EU-Recht als eigene Gruppe zusammen: Erythrit, Xylit, Maltit, Sorbit, Isomalt, Lactit und Mannit.2 Sie werden in Gramm eingesetzt und liefern 2,4 Kilokalorien je Gramm statt 4 wie Zucker; Erythrit liefert null.4 Weil der Dünndarm die meisten nur zum Teil aufnimmt, landet ein Rest im Dickdarm – mehr dazu in Kapitel 04.14

Wie viel ist unbedenklich: die Tagesdosis

Für die Süßstoffe und für Erythrit legen die Behörden eine akzeptable Tagesdosis fest, für die übrigen Zuckeralkohole bisher nicht.11 Fachleute sagen ADI, nach dem englischen Acceptable Daily Intake. Gemeint ist eine Obergrenze, keine Empfehlung: die Menge je Kilogramm Körpergewicht, die man nach heutigem Wissen ein Leben lang täglich aufnehmen kann, ohne ein nennenswertes Gesundheitsrisiko.35 Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA bewertet gerade alle Süßungsmittel neu, die schon vor 2009 zugelassen waren.36 Für Acesulfam-K und Saccharin hat sie die Tagesdosis dabei angehoben, für Erythrit erstmals eine festgelegt.11, 37, 38

Süßungsmittel · E-NummerSüßkraft, Zucker = 1Tagesdosis je kg KörpergewichtZuletzt bewertet
Acesulfam-K · E 950rund 200115 mg2025, vorher 9 mg37
Aspartam · E 951rund 200140 mg2013, bestätigt 202639, 40
Cyclamat · E 95230 bis 40417 mg2000; Neubewertung läuft42, 43
Saccharin · E 954200 bis 70019 mg2024, vorher umgerechnet 3,8 mg38
Sucralose · E 955rund 600115 mg2026, unverändert32
Steviolglycoside · E 960200 bis 40014 mg, gerechnet als Steviol2010; beantragte Anhebung 2024 abgelehnt44
Erythrit · E 968rund 0,7110,5 g2023, erstmals mit Zahl11
Xylit, Maltit, Sorbit, Isomalt, Lactit, Mannit0,25 bis 13keine Zahl festgelegtNeubewertung läuft11, 43

aus der Quelle heißt: so übernommen, wie es in der Quelle steht. Werte aus den Gutachten der EFSA und ihres Vorgängergremiums; die Süßkraft nach Angaben der US-Lebensmittelbehörde FDA, für Erythrit nach der EFSA. Bei Steviolglycosiden ist die Tagesdosis auf Steviol umgerechnet, den gemeinsamen Kern aller Steviolglycoside, an dem verschiedene Zuckerreste hängen. Bei Saccharin bezieht sich der neue Wert auf eine andere chemische Form als der alte; umgerechnet stieg er von 3,8 auf 9 Milligramm. Weitere zugelassene Süßstoffe wie Neotam, Advantam, Thaumatin und Neohesperidin DC fehlen, weil sie in den Produkten der Marktübersicht nicht vorkamen.

Was die Tagesdosis bei 80 Kilogramm heißt · gerechnet Aspartam: 40 mg × 80 kg = 3200 mg am Tag Eine Dose Light-Getränk mit 200 bis 300 mg Aspartam, so rechnet die WHO: 3200 ÷ 300 = 10,7 · 3200 ÷ 200 = 16 → 11 bis 16 Getränkedosen Erythrit: 0,5 g × 80 kg = 40 g am Tag · bei 60 kg: 0,5 × 60 = 30 g Für die Tagesdosis von Aspartam bräuchte es mehr als zehn Getränkedosen am Tag – die von Erythrit liegt genau in dem Bereich, den die Studien zu Bauch und Blutplättchen getestet haben

gerechnet heißt: von mir aus belegten Werten gerechnet, hier aus den Tagesdosen der Behörden.11, 24 Die Dosen-Rechnung gilt ohne Aspartam aus anderen Lebensmitteln; die WHO selbst kommt für 70 Kilogramm auf mehr als 9 bis 14 Dosen. Die 30 Gramm Erythrit sind dieselbe Menge, die gesunde Erwachsene im Versuch zu den Blutplättchen tranken (Kapitel 06), und 50 Gramm auf einmal machten in einer Studie häufiger Übelkeit (Kapitel 04).13, 18

Was auf der Packung stehen muss

Vier Hinweise schreibt das EU-Recht vor, einer ist freiwillig. Wer sie kennt, erkennt Zuckerersatz schon vorn auf der Packung – und weiß, wann sich der Blick in die Zutatenliste lohnt.

Hinweis auf der PackungWann er dort steht
„mit Süßungsmittel(n)“Pflicht neben dem Namen des Lebensmittels, sobald ein zugelassenes Süßungsmittel enthalten ist4
„mit Zucker(n) und Süßungsmittel(n)“Pflicht, wenn zusätzlich Zucker zugesetzt ist4
„enthält eine Phenylalaninquelle“Pflicht bei Aspartam – wichtig für Menschen mit Phenylketonurie, einer angeborenen Stoffwechselstörung, bei der der Körper den Eiweißbaustein Phenylalanin nicht abbauen kann; für sie gilt auch die Tagesdosis von Aspartam nicht4, 39
„kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“Pflicht bei mehr als 10 Prozent zugesetzter Zuckeralkohole4
„zuckerfrei“freiwillig; erlaubt bei höchstens 0,5 g Zucker je 100 g oder 100 ml – Zuckeralkohole zählen dabei nicht als Zucker4, 45

Wortlaut nach den EU-Verordnungen 1169/2011 und 1924/2006. Die Zeile „davon mehrwertige Alkohole“ in der Nährwerttabelle ist freiwillig. Rechtlich zählt dazu jeder Alkohol mit mehr als zwei Hydroxylgruppen, einer bestimmten chemischen Bauart – also auch Glycerin, das in vielen Riegeln als Feuchthaltemittel steckt.4

Marktübersicht: was in Riegel, Pulver und Getränk steckt

Süßstoffe ersetzen Zucker vor allem in Getränken: Weltweit stieg die Menge an Süßstoffen, die mit Getränken verkauft wurde, zwischen 2007 und 2019 pro Kopf um gut ein Drittel; in Ländern mit hohem Einkommen sank im selben Zeitraum der Zucker aus Getränken um gut ein Fünftel.46 Die beiden Tabellen zeigen verbreitete Produkte und die Angaben, die Hersteller oder Händler dazu machen. Sie sind keine Empfehlung und kein Test – und keine Zählung des ganzen Markts, sondern eine Auswahl.5

ProteinriegelSüßungsmittel laut ZutatenlisteZuckeralkohole je RiegelWeitere gärende ZutatenHinweis „abführend“
ESN Designer Bar · 45 gMaltit, Sucralose; je nach Sorte auch Erythrit, Isomalt, Steviolglycoside10–14 gPolydextrose; je nach Sorte Inulin, Oligofruktoseja
Grenade Protein Bar · 60 gMaltit, Sucralose; dazu Glycerin15 gPolydextroseja
PowerBar 52% Protein+ · 50 gMaltit (in der Kuvertüre), Sucralose; dazu Glycerin11 gkeine genanntja
Barebells Protein Bar · 55 gMaltit, Sucralose; dazu Glycerinnicht angegebenPolydextrosenicht gefunden
foodspring Protein Bar Extra Chocolate · 45 gMaltit, Sucralosenicht angegebenPolydextrose, lösliche Maisfasernnicht gefunden
Myprotein Layered Protein Bar · 60 gMaltit; dazu Glycerin, etwas Zucker in einzelnen Schichtennicht angegebenZichorienwurzelfaser, Oligofruktosenicht gefunden
Quest Protein Bar · 60 g, US-FassungErythrit, Stevia, Sucralose; dazu Glycerin6 gPolydextrosenicht gefunden

Hersteller- und Händlerangaben Abgelesen im Oktober 2026 auf den Seiten der Hersteller; die Zutatenlisten einzelner Sorten von ESN und die Angaben zu foodspring auf der Seite eines großen Händlers, weil die Herstellerseiten sie nicht zeigten. Gramm Zuckeralkohole so, wie die Nährwerttabelle sie unter „davon mehrwertige Alkohole“ nennt; Glycerin zählt dort mit.4 „Nicht angegeben“ heißt: Die Tabelle hat diese Zeile nicht – Pflicht ist sie nicht. „Nicht gefunden“ heißt: auf der Seite des Herstellers oder Händlers nicht gefunden; ob der Hinweis auf der Packung steht, habe ich nicht geprüft. Quest in der Fassung der US-Herstellerseite – als einziger Riegel der Übersicht mit Erythrit vorn in der Zutatenliste; die europäische Fassung ist anders zusammengesetzt. Polydextrose, Inulin und Oligofruktose sind Ballaststoffe, die im Dickdarm gären – mehr in Kapitel 04.33, 47 Keine eigenen Messungen; Rezepturen ändern sich, und Sorten unterscheiden sich.5

ProduktSüßungsmittel laut ZutatenlisteBesonderheit
Coca-Cola Zero SugarCyclamat, Acesulfam-K, Aspartam, Steviolglycoside„Enthält eine Phenylalaninquelle“
Red Bull SugarfreeSucralose, Acesulfam-Kkeine Zutatenliste auf der Herstellerseite, nur Abschnitte zu den Zutaten
ESN Designer Whey VanillaAcesulfam-K, Sucralose; im älteren Zutaten-Dokument des Herstellers zusätzlich Cyclamat und SaccharinAngaben von Hersteller und Händler widersprechen sich
More Nutrition Chunky Flavour, GeschmackspulverSucralose, SteviolglycosideInulin als erste Zutat
ESN Flavn Tasty, GeschmackspulverSucralose, SteviolglycosideInulin als erste Zutat
Extra Peppermint, KaugummiSorbit, Xylit, Aspartam, Mannit, Acesulfam-K62 g Zuckeralkohole je 100 g; Hinweis „abführend“ und Phenylalanin-Hinweis
Natreen Classic, TablettenCyclamat, Saccharin, SucraloseTafelsüße
Canderel TablettenAspartam, Acesulfam-KMilchzucker als erste Zutat; Phenylalanin-Hinweis
Xucker LightErythrit„30 % weniger süß als Zucker“
Birkengold XylitXylitSüßkraft „1:1“ wie Zucker; Hinweis „abführend“ und Warnung für Hunde

Hersteller- und Händlerangaben Abgelesen im Oktober 2026; für ESN Whey, More, Flavn Tasty, Canderel und Xucker auf den Seiten großer Händler, für Extra auf der britischen Markenseite, weil die deutschen Herstellerseiten die Zutaten nicht zeigten. Keine eigenen Messungen und keine Empfehlung.5

Was auffällt: In sechs der sieben Riegel ist Maltit der Zuckeralkohol, fast immer zusammen mit Sucralose und oft mit Polydextrose, einem Ballaststoff, der ebenfalls im Dickdarm gärt.47 Erythrit steht nur im Riegel in der US-Fassung an vorderer Stelle. In Getränken, Pulvern und Tafelsüßen stecken dagegen Süßstoffe, meist zwei bis vier gemischt – das ist meine Zählung aus diesen beiden Tabellen, keine Marktstatistik.5

Künstlich oder natürlich – gibt es eine Rangliste? Eine Rangliste vom schlechtesten bis zum besten Süßungsmittel geben die Studien nicht her. Ob ein Süßungsmittel künstlich oder natürlich klingt, sagt nichts darüber, wie gut es untersucht ist: Für Acesulfam-K, Saccharin und Sucralose hat die EFSA gerade erst umfangreiche Neubewertungen abgeschlossen,32, 37, 38 bei Erythrit, der in kleinen Mengen auch in Obst und Gemüse vorkommt, ist die Frage zum Herz offen.9, 11 Für Deinen Alltag zählt mehr, wie viel Du davon nimmst, wie Dein Bauch reagiert und was der Zuckerersatz ersetzt. Das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
04Zuckeralkohole und Bauch

Zuckeralkohole und Dein Bauch: ab welcher Menge es rumort

Ob Dir ein zuckerfreier Riegel auf den Bauch schlägt, entscheidet vor allem eines: wie viel Zuckeralkohol auf einmal in Dir landet – und welcher.

Zuckeralkohole nimmt der Dünndarm nur zum Teil auf. Was übrig bleibt, wandert weiter in den Dickdarm. Dort zieht es Wasser an, und die Darmbakterien vergären es zu Gasen. Das Ergebnis kennst Du: Blähbauch, Grummeln, im schlimmsten Fall Durchfall. Je mehr auf einmal, desto stärker – und mehrere Zuckeralkohole zusammen werden schlechter aufgenommen als einer allein.14 Deshalb muss auf der Packung stehen „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“, sobald ein Lebensmittel mehr als 10 Prozent zugesetzte Zuckeralkohole enthält.4

Eine Ausnahme ist Erythrit. Er wird größtenteils schon im Dünndarm ins Blut aufgenommen und unverändert mit dem Urin ausgeschieden; im Dickdarm kommt wenig an.11 Deshalb verträgst Du von Erythrit mehr als von anderen Zuckeralkoholen – im direkten Vergleich deutlich mehr als von Xylit.11, 13 Auch Erythrit führt ab, aber erst bei größeren Mengen: Die EFSA hat seine Tagesdosis 2023 aus der Menge abgeleitet, bis zu der in Studien am Menschen kein Durchfall auftrat – die Zahl steht in Kapitel 03.11

Was in Studien passierte

Die Tabelle zeigt, was gesunde Erwachsene nach einer bestimmten Menge berichteten. Meist wurde jede Menge einmal gegeben; nur in einer Studie aßen die Teilnehmer über mehrere Tage.

Zuckeralkohol · MengeWie gegessenWas passierte
Erythrit · 20 und 35 gin Wasser, auf einmalkeine vermehrten Beschwerden13
Erythrit · 50 gin Wasser, auf einmalhäufiger Übelkeit und Bauchgrummeln, nicht häufiger wässriger Stuhl13
Xylit · 35 gin Wasser, auf einmalhäufiger wässriger Stuhl13
Xylit · 50 gin Wasser, auf einmalÜbelkeit, Blähbauch, Grummeln, Krämpfe, wässriger Stuhl13
Maltit · 30 gin Schokoladehöchstens leichte Blähungen15, 30
Maltit · 40 gin Schokoladeleichte Blähungen, Grummeln, Krämpfe – kein Abführen15, 30
Maltit · 10 bis 45 gauf einmal, von Versuch zu Versuch um 5 g gesteigertDurchfall bei 29 von 34 jungen Frauen, die im Mittel rund 50 kg wogen16
Isomalt · 30 gin Schokoladeleichte Beschwerden, auch weicherer Stuhl15
Lactit · 30 gin Schokoladedeutlich mehr Beschwerden aller Art, teils stark15
Maltit · über den Tag verteiltTagesmenge schrittweise gesteigert, auch neun Tage am StückDurchfall oder starke Beschwerden im Mittel erst ab rund 90 g am Tag31

aus der Quelle Werte aus den Studien, keine eigenen Rechnungen. Untersucht wurden kleine Gruppen gesunder, meist junger Erwachsener. Bei einer Studie zahlte eine Firma teilweise mit, und Hersteller stellten die Zuckeralkohole; was ich zu Geldgebern und Interessenkonflikten prüfen konnte, steht in „Belegt“.16

Warum die Zahlen so weit auseinanderliegen

In Schokolade gegessen, machten 40 Gramm Maltit nur leichte Blähungen und Grummeln.15, 30 Junge Frauen, die im Mittel rund 50 Kilogramm wogen, bekamen Maltit als einzelne Gabe, von Versuch zu Versuch gesteigert: Bis 45 Gramm hatten fast neun von zehn Durchfall.16 Über den Tag verteilt lag die Grenze in einer kleinen Studie im Mittel bei rund 90 Gramm am Tag.31 Und in Getränken löst Xylit schon bei kleineren Mengen Durchfall aus als in fester Nahrung; auch Körpergewicht, der Rest der Mahlzeit und ob man nüchtern ist, spielen laut einer Übersichtsarbeit mit.17 Es zählt also nicht nur, wie viel Du isst, sondern auch wie: auf einmal oder verteilt, getrunken oder gegessen. Das ist meine Lesart der Studien – direkt vergleichbar sind sie nicht.

Ein Stück weit gewöhnt sich der Darm: Bei regelmäßigem Verzehr von Xylit wird er verträglicher, beschreibt eine Übersichtsarbeit, also eine Auswertung vieler Studien.17 Bei Maltit fand eine kleine Studie nach neun Tagen keine solche Gewöhnung.31

Zwei Riegel auf einmal · gerechnet ESN und Grenade aus der Marktübersicht in Kapitel 03: 10 bis 15 g „mehrwertige Alkohole“ je Riegel laut Nährwerttabelle, Glycerin eingeschlossen – PowerBar nicht mitgerechnet, siehe unten; drei weitere Riegel nennen keinen Wert Zwei Riegel: 2 × 10 = 20 g bis 2 × 15 = 30 g Dazu Ballaststoffe wie Polydextrose – beim Riegel mit 15 g Zuckeralkoholen 5,6 g Ballaststoffe je Riegel, also 2 × 5,6 = 11,2 g Zum Vergleich aus der Tabelle oben: 30 g Maltit in Schokolade – höchstens leichte Blähungen; 40 g – leichte Beschwerden Zwei Riegel auf einmal liegen höchstens am unteren Rand dessen, was die Studien getestet haben – dazu kommen gärende Ballaststoffe, die in diesen Studien nicht dabei waren

gerechnet Von mir aus den Angaben der Hersteller gerechnet.5 Die Zeile „davon mehrwertige Alkohole“ zählt auch Glycerin mit, das viele Riegel als Feuchthaltemittel enthalten;4 die Studien in der Tabelle prüften dagegen jeweils einen einzelnen Zuckeralkohol. Den PowerBar-Riegel habe ich nicht mitgerechnet: Bei ihm steckt Maltit nur im Schokoladenüberzug, und seine 11 g sind vermutlich größtenteils Glycerin – meine Einschätzung. Wie viel der Ballaststoffe Polydextrose ist, nennen die Hersteller nicht. Ob es bei Dir rumort, hängt außerdem davon ab, was Du am selben Tag sonst isst – zuckerfreier Kaugummi oder Geschmackspulver mit Inulin eingeschlossen.

Ballaststoffe obendrauf

Auch sie gären

Viele Riegel enthalten zusätzlich Ballaststoffe wie Polydextrose oder Inulin aus der Zichorienwurzel. Auch sie landen im Dickdarm; Polydextrose wird dort langsam vergoren, mit mäßig viel Gas, so eine Übersicht von Mitarbeitern des Konzerns DuPont.47 In einer Studie wurden 10 Gramm Inulin gut vertragen, 10 Gramm Oligofruktose, die aus kürzeren Ketten besteht, machten dagegen deutlich mehr Beschwerden. Ein Mitautor arbeitete beim Lebensmittelkonzern Cargill.33

Empfindlicher Darm

Das P in FODMAP

Das P in FODMAP steht für Polyole, also Zuckeralkohole – FODMAP ist eine Gruppe vergärbarer Kohlenhydrate, die Menschen mit Reizdarm oft weglassen. Ob Menschen mit Reizdarm Zuckeralkohole schlechter aufnehmen, ist widersprüchlich; Beschwerden machen sie bei Gesunden wie bei Reizdarm, je nach Menge.14 In mäßigen Mengen förderten Zuckeralkohole bei Gesunden dagegen Bifidobakterien, die als günstig für den Darm gelten.14

05Einzeln und selbst süßen

Die Süßungsmittel einzeln – und womit Du selbst süßt

Jedes Süßungsmittel hat seine Eigenheiten: wie stark es süßt, ob es Hitze verträgt und welche Frage offen ist. Die Karten sind nach Gruppen sortiert, nicht nach Güte.

Aspartam · E 951

Bekannt aus Light-Getränken

Rund 200-mal so süß wie Zucker; beim Erhitzen verliert es seine Süße und taugt deshalb kaum zum Backen.1 Es ist eine Phenylalaninquelle, darum der Pflichthinweis.4 Die Tagesdosis von 40 Milligramm pro Kilogramm hat die EFSA 2026 bestätigt, als sie ein Salz aus Aspartam und Acesulfam-K bewertete – drei Jahre nach der Einstufung durch die Krebsforschungsagentur der WHO, mehr in Kapitel 06.23, 40

Acesulfam-K · E 950

Fast immer im Team

Rund 200-mal so süß wie Zucker und hitzestabil, er bleibt also auch beim Backen süß.1 In der Marktübersicht steckt er fast immer zusammen mit anderen Süßstoffen.5 2025 hat die EFSA seine Tagesdosis von 9 auf 15 Milligramm pro Kilogramm angehoben.37

Sucralose · E 955

Süß, aber nicht heiß

Rund 600-mal so süß wie Zucker; nach Angaben der US-Behörde bleibt sie beim Backen süß.1 Das Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR, rät dennoch, sie nicht über 120 Grad zu erhitzen oder erst danach zuzugeben, weil sich chlorhaltige, gesundheitsschädliche Stoffe bilden können.27 Ihre Tagesdosis von 15 Milligramm pro Kilogramm hat die EFSA 2026 bestätigt.32

Saccharin und Cyclamat · E 954, E 952

Die Klassiker der Tafelsüße

Saccharin süßt 200- bis 700-mal, Cyclamat 30- bis 40-mal so stark wie Zucker.1, 41 Für Saccharin hob die EFSA die Tagesdosis 2024 an,38 Cyclamat bewertet sie gerade neu.43 In den USA ist Cyclamat seit 1969 nicht erlaubt, in der EU zugelassen. Einen Grund nennt die US-Vorschrift nicht; die EU-Tagesdosis von 7 Milligramm beruht auf Schäden an den Hoden von Ratten durch das Abbauprodukt Cyclohexylamin.41, 42

Steviolglycoside, „Stevia“ · E 960

Aus der Pflanze, aber gereinigt

Die süßen Stoffe aus den Blättern der Steviapflanze, 200- bis 400-mal so süß wie Zucker.1 Als Zusatzstoff bewertet hat die EFSA nicht das grüne Blatt, sondern hochreine Süßstoffe aus der Pflanze – zu mindestens 95 Prozent ihre süßen Hauptbestandteile;25 im Handel teils auch mit Hilfe von Enzymen hergestellt.5 Eine Anhebung der Tagesdosis von 4 Milligramm pro Kilogramm lehnte die EFSA 2024 ab.44

Erythrit · E 968

Bauchfreundlich, Herzfrage offen

Rund 70 Prozent der Süße von Zucker, null Kilokalorien;4, 11 der Körper nimmt ihn größtenteils auf und scheidet ihn unverändert aus.11 Der Bauch verträgt ihn besser als andere Zuckeralkohole, beim Herz ist die Frage offen – Kapitel 04 und 06.9, 13

Xylit · E 967

So süß wie Zucker

Süßt laut Hersteller wie Zucker und lässt sich eins zu eins tauschen;5 er liefert 2,4 Kilokalorien je Gramm.4 Ab 35 Gramm auf einmal in Flüssigkeit kam in einer Studie häufiger wässriger Stuhl.13 Für Hunde ist Xylit gefährlich.28 Und wie beim Erythrit ist beim Herz eine Frage offen – Kapitel 06.12

Maltit, Sorbit, Isomalt · E 965, E 420, E 953

Die Zuckeralkohole der Industrie

Sie stecken in Schokolade, Riegeln und Kaugummi; in sechs der sieben Riegel der Marktübersicht ist Maltit der Zuckeralkohol.5 Maltit lässt den Blutzucker stärker steigen als die meisten anderen Zuckeralkohole.48 Eine Neubewertung dieser Zuckeralkohole hat die EFSA begonnen; eine Zahl für die Tagesdosis gibt es bisher nicht.43

Aus den USA · Allulose und Mönchsfrucht

In der EU ungeklärt

Allulose ist ein Zucker, den der Körper anders verwertet als Haushaltszucker; Mönchsfrucht ist eine Pflanze aus Südchina, deren Extrakt 100- bis 250-mal so süß ist wie Zucker. In den USA hat die Lebensmittelbehörde FDA die Unterlagen der Hersteller zu beiden geprüft und keine Einwände erhoben.1 Für Allulose konnte die EFSA 2025 die Sicherheit nicht feststellen, weil der Antragsteller angeforderte Daten nicht lieferte.49 Für einen Extrakt aus Mönchsfrucht reichten ihr 2019 die Daten nicht für ein Urteil.50 Eine Zulassung als Süßungsmittel in der EU habe ich für keinen der beiden gefunden.

Selbst süßen: was sich wofür eignet

Für zu Hause bietet der Handel vor allem drei Wege: Geschmackspulver mit Süßstoffen, Tafelsüße als Tabletten oder flüssig und Erythrit oder Xylit als Streusüße.5 Für Quark, Joghurt, Porridge und Shakes, die Du nicht erhitzt, eignet sich jeder davon; beim Backen trennt sich das Feld.

SüßungsmittelSüßkraft, Zucker = 1Beim ErhitzenWorauf achten
Erythritrund 0,711hitzestabil laut der EU-Beschreibung des Zusatzstoffs;11 kann beim Backen auskristallisieren – Herstellerangabe5null Kilokalorien;4 ab 50 g auf einmal häufiger Übelkeit und Grummeln13
Xylit1 – Herstellerangabe5zum Backen geeignet – Herstellerangabe52,4 Kilokalorien je Gramm;4 ab 35 g auf einmal in Flüssigkeit wässriger Stuhl; gefährlich für Hunde13, 28
Sucraloserund 6001bleibt süß, soll aber nicht über 120 °C erhitzt werden1, 27steckt in vielen Geschmackspulvern5
Aspartamrund 2001verliert seine Süße1Phenylalaninquelle4
Acesulfam-Krund 2001bleibt süß1meist mit anderen Süßstoffen gemischt5
Steviolglycoside200 bis 4001in den geprüften Quellen keine Angabein Geschmackspulvern oft zusammen mit Sucralose5

aus der Quelle Angaben von Behörden; „Herstellerangabe“ heißt: abgelesen auf der Seite eines Herstellers im Oktober 2026, nicht unabhängig geprüft.

Meine Einschätzung fürs Meal Prep Für alles, was kalt bleibt, ist die Wahl Geschmackssache – Tropfen, Pulver oder Tafelsüße. Zum Backen eignen sich Erythrit oder Xylit besser als Sucralose – beide in Maßen, solange die Frage zum Herz offen ist, und Xylit nur, wenn kein Hund an die Reste kommt. Und Zuckeralkohole zählst Du beim Bauch mit, auch wenn sie aus dem eigenen Kuchen kommen. Das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
06Was die Studien zeigen

Gewicht, Blutzucker, Darmflora, Herz, Krebs: was die Studien zeigen

Bei Süßungsmitteln stoßen zwei Arten von Studien aufeinander. In Versuchen, in denen das Los entscheidet, wer Süßstoff und wer Zucker bekommt, zeigen sich meist kleine Vorteile. Beobachtungsstudien über viele Jahre finden dagegen immer wieder Zusammenhänge mit Krankheiten. Fachleute nennen die Versuche mit Losentscheid randomisiert. Warum beide Befunde nebeneinander stehen können, erklärt der Kasten am Ende dieses Kapitels.

Gewicht

Erwachsene mit Übergewicht und einem Diabetesrisiko oder Diabetes, überwiegend Frauen, die Zuckergetränke durch Light-Getränke ersetzten, wogen in einer Auswertung randomisierter Studien am Ende rund ein Kilo weniger, genau 1,06 Kilogramm. In den drei Studien, die Wasser statt Zuckergetränk prüften, änderte sich das Gewicht dagegen praktisch nicht – es waren andere Studien, direkt vergleichbar sind die Zahlen nicht.6 In einer einjährigen Studie nahmen Erwachsene mit Übergewicht zuerst zwei Monate mit einer Diät ab. Wer danach Zuckerhaltiges durch Produkte mit Süßungsmitteln ersetzte, hielt nach einem Jahr 1,6 Kilogramm mehr von seinem Gewichtsverlust als die Vergleichsgruppe, die bei Zucker blieb; bei Blutfetten, Blutdruck, Blutzucker und anderen Herz-Kreislauf-Werten fanden die Forscher keinen gesicherten Unterschied. Allerdings stiegen vier von zehn Teilnehmern vorzeitig aus, und bei denen, die bis zum Ende dabeiblieben, war der Unterschied ähnlich groß, aber statistisch nicht gesichert.29

Die Weltgesundheitsorganisation WHO kam 2023 in einer eigenen Auswertung zu einem anderen Schluss: Sie rät davon ab, Süßstoffe einzusetzen, um das Gewicht zu kontrollieren oder nichtübertragbaren Krankheiten wie Diabetes vorzubeugen. Ihre Auswertung fand langfristig keinen Nutzen fürs Körperfett, dafür in Beobachtungsstudien Hinweise auf ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tod. Die Empfehlung ist ausdrücklich nur bedingt – laut WHO heißt das: Bevor ein Land daraus Regeln macht, kann es nötig sein, sie dort gründlich zu diskutieren. Sie gilt nicht für Menschen, die schon Diabetes haben, und nicht für Zuckeralkohole.19

Blutzucker und Insulin

Süßstoffe allein heben den Blutzucker kurzfristig nicht – das ergab eine Auswertung randomisierter Studien mit Messungen nach einzelnen Gaben.20 Auch beim Insulin, dem Hormon, das Zucker aus dem Blut in die Zellen bringt, fand eine zweite Auswertung keinen Anstieg; ihr Erstautor arbeitete beim Lebensmittelkonzern Unilever – ein möglicher Interessenkonflikt.21 In einer kleinen Studie mit Menschen mit starkem Übergewicht, die sonst keine Süßstoffe nahmen, stieg das Insulin allerdings um rund ein Fünftel stärker, wenn sie zehn Minuten vor einem Zuckergetränk Sucralose getrunken hatten.22

Bei den Zuckeralkoholen kommt es auf die Sorte an. Erythrit hob Blutzucker und Insulin in einer Studie gar nicht, Xylit nur wenig.51 Maltit, der in vielen Riegeln steckt, hat einen glykämischen Index von 35 – ein Maß dafür, wie stark der Blutzucker steigt. Zum Vergleich: Haushaltszucker liegt bei 65, Traubenzucker bei 100.48 Zuckerfrei heißt also nicht automatisch, dass der Blutzucker unten bleibt.

Darmflora

In einer Studie veränderten zwei Wochen Saccharin, Sucralose, Aspartam oder Stevia die Darmbakterien gesunder Erwachsener – in Mengen unterhalb der akzeptablen Tagesdosis. Bei Saccharin und Sucralose stieg der Blutzucker nach einem Zuckertest – einem Getränk mit Traubenzucker, nach dem der Blutzucker gemessen wird – stärker als vorher, und zwar von Mensch zu Mensch sehr verschieden.26 In der einjährigen Studie aus dem Abschnitt „Gewicht“ verschob sich die Darmflora dagegen in eine Richtung, die die Forscher als günstig werten.29 Oft heißt es, Süßstoffe zerstörten die Darmflora – das zeigt keine der beiden Studien. Dass sie sie verändern, schon.

Herz und Kreislauf: Erythrit und Xylit

Bei Menschen, die zur Herzuntersuchung in eine Klinik kamen, gingen hohe Erythrit-Werte im Blut mit mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Todesfällen in den folgenden drei Jahren einher; die Studie zählte alle drei zusammen. Im obersten Viertel der Werte lag das Risiko in einer amerikanischen Gruppe 1,8-mal, in einer europäischen 2,2-mal so hoch wie im untersten.9 Im Labor machte Erythrit die Blutplättchen – die Zellen, die Gerinnsel bilden – reaktionsfreudiger. Als gesunde Erwachsene 30 Gramm Erythrit tranken, lag der Wert im Blut danach über 1000-fach höher und blieb über zwei Tage erhöht. Die Forscher vergleichen die Menge mit einer Dose eines künstlich gesüßten Getränks oder einem knappen halben Liter Keto-Eis, also kohlenhydratarmem Eis; in den Getränken der Marktübersicht steckt allerdings kein Erythrit.9 In einem zweiten Versuch reagierten nach 30 Gramm Erythrit bei jedem Einzelnen die Blutplättchen stärker, nach derselben Menge Traubenzucker nicht.18 Für Xylit fand dieselbe Forschergruppe ein ähnliches Muster, bisher in einer Arbeit: mehr Herz-Kreislauf-Ereignisse bei hohen Blutwerten und stärker reagierende Blutplättchen nach einem Getränk mit Xylit.12 Unter den Geldgebern ist kein Hersteller von Süßungsmitteln; der Leiter der Forschergruppe ist aber Miterfinder von Patenten seiner Klinik zu Herz-Kreislauf-Diagnostik und kann daraus Lizenzzahlungen erhalten – ein möglicher Interessenkonflikt.9

Daraus könnte man schließen, dass Erythrit Herzinfarkte auslöst. Das zeigen diese Studien nicht. Die Blutwerte wurden einmal gemessen, ohne zu erfassen, was die Menschen gegessen hatten. Und Erythrit bildet der Körper auch selbst aus Traubenzucker; bei jungen Erwachsenen mit höherem Langzeitblutzucker oder zunehmendem Bauchfett lagen die Werte im Blut um ein Vielfaches höher.10 In einer Diätstudie mit Erwachsenen mit Übergewicht ging ein stärkerer Rückgang des Erythrit-Werts mit einem stärkeren Rückgang des geschätzten Herz-Kreislauf-Risikos einher.52 Die EFSA hält hohe Erythrit-Werte im Blut für ein mögliches Zeichen von Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes; ob der Zusammenhang überhaupt mit Erythrit aus dem Essen zu tun hat, sei höchst unsicher, eine Ursache nicht gezeigt. Den Versuch, in dem 30 Gramm die Blutwerte Gesunder tagelang erhöhten, und die Laborversuche zu den Blutplättchen kannte sie; aus den Laborversuchen lasse sich nicht vorhersagen, was im Menschen passiert.11 Der Versuch, in dem 30 Gramm die Blutplättchen Gesunder reaktionsfreudiger machten, erschien erst nach ihrer Bewertung.18 Zwei Auswertungen, die Erbanlagen für höhere Erythrit-Werte als natürliches Experiment nutzen – Fachleute sagen Mendelsche Randomisierung –, fanden ebenfalls Zusammenhänge mit Herzerkrankungen und Schlaganfall. Sie erfassen aber den Erythrit, den der Körper selbst bildet, nicht den aus dem Essen.53, 54 Eine Studie, die Menschen über Jahre mit und ohne Erythrit im Essen vergleicht, gibt es nicht.

Für künstliche Süßstoffe insgesamt fand eine große französische Beobachtungsstudie: Mit jeder Verzehnfachung der Süßstoffmenge lag das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 9 Prozent höher. Aspartam hing vor allem mit Durchblutungsstörungen im Gehirn wie Schlaganfällen zusammen, Acesulfam-K und Sucralose mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße.7 In absoluten Zahlen erkrankten unter den Menschen mit höherem Süßstoffkonsum pro Jahr rund 3,5 von 1000, unter denen ohne Süßstoff rund 3,1 – gerechnet aus den Angaben der Studie.

Krebs

Die Krebsforschungsagentur der WHO, kurz IARC, stufte Aspartam 2023 als „möglicherweise krebserregend“ ein, gestützt auf begrenzte Hinweise beim Menschen für eine Form von Leberkrebs. Ihre Stufen sagen, wie sicher die Hinweise auf eine Krebsgefahr sind – nicht, wie hoch das Risiko bei einer bestimmten Menge ist. Ein zweites Gremium von WHO und Welternährungsorganisation, kurz JECFA, sah im selben Jahr keinen Grund, die Tagesdosis von 40 Milligramm pro Kilogramm zu ändern;23, 24 die EFSA bestätigte denselben Wert 2026, als sie ein Salz aus Aspartam und Acesulfam-K bewertete.40

In der großen französischen Beobachtungsstudie hatten Menschen mit höherem Konsum künstlicher Süßstoffe ein um 13 Prozent höheres Krebsrisiko als Menschen ohne; für Aspartam allein waren es 15 Prozent.8 Für ein Zwischenprodukt aus der Herstellung von Sucralose zeigten Zellversuche Schäden am Erbgut, und das Zwischenprodukt fand sich in Sucralose aus dem Handel als Verunreinigung.55 Die EFSA hält diese Zellversuche für wenig aussagekräftig: Ein bakterieller Test auf Veränderungen des Erbguts fiel negativ aus, und Anlass zur Sorge wegen Erbgutschäden sah sie bei ihrer Neubewertung weder für Sucralose noch für verwandte Verunreinigungen.32 Am Menschen untersucht ist das nicht.

Gedächtnis

In einer brasilianischen Beobachtungsstudie über acht Jahre ließen Wortflüssigkeit – wie schnell einem passende Wörter einfallen – und Denkleistung bei Menschen unter 60, die am meisten Süßungsmittel aßen, schneller nach – auch bei Erythrit, Xylit und Sorbit. Bei über 60-Jährigen fand sich kein Zusammenhang.56 Auch das ist ein Zusammenhang, kein Beweis.

Warum Beobachtungsstudien hier so schwer zu lesen sind Wer schon mit Gewicht oder Blutzucker kämpft, greift eher zu Light-Produkten. In der französischen Studie machte unter den Menschen mit höherem Süßstoffkonsum knapp ein Drittel in den ersten zwei Jahren eine Diät, unter denen ohne Süßstoff gut jeder Zehnte.8 Die Forscher rechnen solche Unterschiede heraus, so gut es geht – ganz gelingt das nie. Die randomisierten Versuche wiegen deshalb schwerer, auch wenn sie kürzer laufen und keine Herzinfarkte zählen. Das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
07Faktencheck

Was Du über Süßstoffe und Zuckeralkohole hören wirst – und was davon stimmt

Rund um Zuckerersatz kursieren viele Aussagen – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmt eine, vier stimmen halb, fünf stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht.

✓„Zuckerfreie Proteinriegel können Blähungen und Durchfall machen.“ Stimmt. Alle sieben Riegel der Marktübersicht enthalten Zuckeralkohole, sechs davon Maltit;5 sie gelangen zum Teil unverdaut in den Dickdarm und gären dort.14 Deshalb muss ab einem Gehalt von mehr als 10 Prozent zugesetzter Zuckeralkohole ein Hinweis auf die Packung.4 Wie stark es rumort, hängt an Menge und Sorte.13
✕„Zuckerfrei heißt kalorienfrei.“ Stimmt so nicht. „Zuckerfrei“ darf auf der Packung stehen, wenn höchstens 0,5 Gramm Zucker in 100 Gramm stecken.45 Zuckeralkohole zählen nicht als Zucker und liefern trotzdem 2,4 Kilokalorien je Gramm, nur Erythrit null.4 Die ESN Designer Bar aus der Marktübersicht liefert laut Hersteller je nach Sorte 178 bis 191 Kilokalorien.5
✕„Süßstoffe machen dick, weil sie Heißhunger auslösen.“ Stimmt so nicht. Wer in Versuchen Zuckergetränke durch Light-Getränke ersetzte, nahm leicht ab,6 und in einer einjährigen Studie hielten Teilnehmer mit Süßungsmitteln ihr Gewicht etwas besser als mit Zucker.29 Einen Heißhunger, der das wieder auffrisst, zeigen diese Versuche nicht.
✕„Süßstoffe treiben den Insulinspiegel hoch – genau wie Zucker.“ Stimmt so nicht. Allein hoben Süßstoffe kurzfristig weder den Blutzucker – das zeigen zwei Auswertungen randomisierter Studien – noch das Insulin, das hat eine davon geprüft.20, 21 In einer kleinen Studie stieg das Insulin allerdings stärker, wenn Sucralose kurz vor einem Zuckergetränk getrunken wurde.22
~„Süßstoffe zerstören die Darmflora.“ Stimmt halb: Eine Wirkung gibt es – dass Süßstoffe die Darmflora verändern, zeigen Versuche, in denen das Los entschied; dass sie sie zerstören, zeigt keiner. In einer Studie veränderten vier Süßstoffe in zwei Wochen die Darmbakterien, und bei zweien stieg danach der Blutzucker stärker an;26 in einer einjährigen Studie verschob sich die Darmflora dagegen in eine Richtung, die die Forscher als günstig werten.29
~„Aspartam ist krebserregend.“ Stimmt halb. Die Krebsforschungsagentur der WHO stuft Aspartam als „möglicherweise krebserregend“ ein, gestützt auf begrenzte Hinweise.23 Das sagt, wie sicher die Hinweise sind, nicht wie groß das Risiko bei einer bestimmten Menge ist; die Tagesdosis von 40 Milligramm pro Kilogramm blieb unverändert.24, 40
✕„Erythrit verursacht Herzinfarkte.“ Stimmt so nicht – eine Wirkung ist hier nicht gezeigt, vom Tisch ist die Frage aber nicht. Hohe Erythrit-Werte im Blut gingen mit mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Todesfällen einher, alle drei zusammen gezählt, und 30 Gramm machten die Blutplättchen gesunder Erwachsener reaktionsfreudiger.9, 18 Dass Erythrit aus dem Essen Herzinfarkte auslöst, zeigt keine Studie; belegt ist ein Zusammenhang, keine Ursache – und der Körper bildet Erythrit auch selbst.10, 11
✕„Stevia ist natürlich und deshalb gesünder als künstliche Süßstoffe.“ Stimmt so nicht. Zugelassen sind hochreine Steviolglycoside, ein Zusatzstoff mit E-Nummer und eigener Tagesdosis wie die anderen Süßstoffe auch;25, 44 im Handel teils mit Hilfe von Enzymen hergestellt.5 In der Studie zur Darmflora veränderte auch Stevia die Darmbakterien; den Blutzucker verschlechterten dort Saccharin und Sucralose, nicht aber Stevia – und auch nicht das künstliche Aspartam.26 Und ausgerechnet Erythrit, den der Körper sogar selbst bildet, und Xylit sind die Süßungsmittel mit der offensten Frage auf dieser Seite.10, 12 Natürlich heißt nicht besser untersucht.
~„Xylit ist gut für die Zähne.“ Stimmt halb. In der EU darf mit der Aussage geworben werden, dass Lebensmittel mit Xylit statt Zucker helfen, die Mineralisierung der Zähne zu erhalten – dieselbe Aussage ist aber auch für andere Zuckeralkohole und für Süßstoffe zugelassen.57 Der Vorteil kommt also vor allem daher, dass der Zucker wegfällt.
~„Sucralose darf man nicht erhitzen.“ Stimmt halb. Beim Erhitzen auf etwa 120 bis 250 Grad kann Sucralose Chlor abspalten, und daraus können bedenkliche Verbindungen entstehen. In Backversuchen unter üblichen Bedingungen entstand davon kaum etwas; ab 180 Grad bleibt nach Einschätzung der EFSA aber eine Unsicherheit – auch für Backen, Braten und Rösten zu Hause.32 Vorsicht ja, Verbot nein: Das BfR rät, Sucralose nicht über 120 Grad zu erhitzen oder erst danach zuzugeben.27
Kurz gesagt Die meisten dieser Aussagen machen aus einem Befund mit Bedingungen – einer Menge, einer Temperatur, einer Einstufung, einem Zusammenhang – eine Regel ohne Bedingungen.
08Grenzen

Was Zuckerersatz nicht kann – und was diese Seite nicht leisten kann

Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie nicht zeigen.

✕Kein Schlankmacher. Wer Zucker durch Süßstoff ersetzt, spart Kalorien; in Versuchen machte das rund ein bis zwei Kilo aus.6, 29 Die WHO sieht langfristig keinen Nutzen fürs Körperfett und rät davon ab, Süßstoffe zur Gewichtskontrolle einzusetzen.19
✕Kein Freibrief für jede Menge. Für die Süßstoffe und für Erythrit gibt es eine Tagesdosis, und Zuckeralkohole führen ab einer gewissen Menge ab.11, 13 Bei Erythrit können Menschen mit hohem Verzehr nach Schätzung der EFSA über der Tagesdosis liegen, am deutlichsten Kinder – auch wenn die Behörde ihre Schätzung selbst für eher zu hoch hält.11
✕Kurze Versuche, lange Fragen. Die randomisierten Studien auf dieser Seite liefen von einem einzigen Testtag bis zu einem Jahr. Zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs und Gedächtnis gibt es nur Beobachtungsstudien, und die zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.7, 29, 56
✕Kleine Gruppen junger, gesunder Menschen. Die Studien zur Verträglichkeit von Zuckeralkoholen liefen meist mit jungen Erwachsenen, oft Studenten, der Versuch zu den Blutplättchen mit 20 gesunden Erwachsenen, davon 10 mit Erythrit.13, 15, 18 Wie das auf Ältere oder Kranke übertragbar ist, sagen sie nicht.
✕Hersteller forschen mit. Bei mehreren Studien stellten Hersteller die Prüfsubstanz, zahlten mit oder beschäftigten einen Mitautor; eine Auswertung zum Blutzucker schrieb ein Mitarbeiter von Unilever.16, 21, 33 Wo ich Geldgeber und Interessenkonflikte prüfen konnte, steht es in „Belegt“.
✕Keine Behandlung. Diese Seite erklärt Süßstoffe und Zuckeralkohole – sie stellt keine Diagnose und ersetzt keine Therapie.
Marktübersicht

Eine Auswahl, kein Abbild

Die Tabellen in Kapitel 03 zeigen verbreitete Produkte, keine repräsentative Stichprobe. Rezepturen ändern sich, und Händlerangaben weichen teils von denen der Hersteller ab.5

Mischungen

Kaum untersucht

In Riegeln, Getränken und Kaugummi stecken meist mehrere Süßungsmittel zusammen.5 Die Studien prüften dagegen fast immer einen Stoff allein – wie Mischungen wirken, lässt sich daraus nur ableiten. Das ist meine Einschätzung.

Medizinische Vorgeschichte

An Gesunden getestet

Der Versuch, in dem 30 Gramm Erythrit die Blutplättchen reaktionsfreudiger machten, lief mit gesunden Erwachsenen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, Bluthochdruck oder Diabetes. Was dieselbe Menge bei einer bestehenden Erkrankung bewirkt, hat er nicht untersucht.18 Ob und wie viel Erythrit dann für Dich passt, klärst Du mit Deinem Arzt.

09Wie sicher

Wie sicher ist das alles?

Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.

So lesen sich die Stufen: gut belegt – viele Studien oder eine Bewertung von Behörden, gleiche Richtung · belegt – mehrere kleinere Studien oder eine größere · erste Hinweise – wenige Studien oder überwiegend eine Forschergruppe · uneinheitlich – Studien oder Fachgremien widersprechen sich · nicht belegt – keine Studie gefunden, die es zeigt.

AussageEinordnung
Zuckeralkohole machen ab einer gewissen Menge Blähungen und Durchfall, Erythrit am wenigstengut belegt – viele kleine Studien, gleiche Richtung; Grundlage der Warnpflicht und der Tagesdosis für Erythrit
Süßstoffe allein heben den Blutzucker kurzfristig nichtgut belegt – zwei Auswertungen randomisierter Studien mit Messungen nach einzelnen Gaben
Süßstoffe allein heben das Insulin kurzfristig nichtbelegt – eine Auswertung randomisierter Studien; ihr Erstautor arbeitete in der Lebensmittelindustrie
Süßstoff statt Zucker hilft über Wochen bis ein Jahr ein wenig beim Gewichtbelegt – randomisierte Studien, kleine Effekte; ob das länger hält, ist offen – die WHO sieht langfristig keinen Nutzen fürs Körperfett
Süßstoffe verändern die Darmfloraerste Hinweise – wenige Studien, mit unterschiedlicher Richtung der Veränderung
Hohe Erythrit-Werte im Blut gehen mit mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Todesfällen einher, alle drei zusammen gezähltbelegt – zwei Gruppen von Menschen, die zur Herzuntersuchung kamen, in den USA und in Europa; als Zusammenhang, nicht als Ursache
Erythrit macht die Blutplättchen reaktionsfreudigererste Hinweise – Laborversuche und eine kleine Studie an 20 Gesunden, davon 10 mit Erythrit, alle aus einer Forschergruppe
Hohe Xylit-Werte im Blut gehen mit mehr Herz-Kreislauf-Ereignissen einhererste Hinweise – eine Arbeit derselben Forschergruppe; als Zusammenhang, nicht als Ursache
Erythrit aus dem Essen verursacht Herzinfarktenicht belegt – keine Studie, die Menschen mit und ohne Erythrit im Essen über Jahre vergleicht
Künstliche Süßstoffe erhöhen das Krebsrisikouneinheitlich – Zusammenhang in einer großen Beobachtungsstudie; die Krebsforschungsagentur der WHO sieht für Aspartam begrenzte Hinweise, die Gremien für die Tagesdosis keinen Grund zur Änderung
Starkes Erhitzen von Sucralose ist unbedenklichuneinheitlich – in üblichen Backversuchen kaum bedenkliche Stoffe, über 180 Grad offene Fragen
Süßungsmittel beschleunigen den Abbau von Gedächtnis und Denkleistungerste Hinweise – eine Beobachtungsstudie, Zusammenhang nur bei unter 60-Jährigen
Natürliche Süßungsmittel sind gesünder als künstlichenicht belegt – keine Studie gefunden, die das zeigt

Sechs Zahlen zum Mitnehmen

Das Kurze · Fazit in Zahlen

Jede Zahl mit Quelle und Haken

Die sechs Zahlen stammen aus Studien, einer Auswertung mehrerer Studien und den Bewertungen von Behörden und Fachgremien, Stand Oktober 2026. Zu jeder steht, wer untersucht wurde, was herauskam und wo der Haken liegt.

−1,06 kg
Gewicht mit Light- statt
Zuckergetränken

Erwachsene mit Übergewicht wogen am Ende der Versuche rund ein Kilo weniger: Als Ersatz für Zucker helfen Süßstoffe ein wenig.

Haken

Versuche über Wochen bis Monate, überwiegend mit Frauen, die ein Diabetesrisiko oder Diabetes hatten. Die WHO sieht langfristig keinen Nutzen fürs Körperfett. Firmen bezahlten einen Teil der Studien; Geldgeber und Interessenkonflikte der Auswertung selbst ließen sich nicht prüfen.

Quelle: McGlynn und Kollegen 2022 · Auswertung von 17 Studien, für diesen Vergleich 12 Studien mit 601 Erwachsenen6
1,6 kg
mehr vom Gewichtsverlust
gehalten, nach einem Jahr

Wer nach einer Diät Zuckerhaltiges durch Produkte mit Süßungsmitteln ersetzte, nahm weniger wieder zu: Beim Halten des Gewichts hilft der Tausch ein Stück.

Haken

Vier von zehn stiegen vorzeitig aus; bei denen, die bis zum Ende dabeiblieben, war der Unterschied statistisch nicht gesichert. Geldgeber und Interessenkonflikte ließen sich nicht prüfen.

Quelle: SWEET-Studie, Pang und Kollegen 2025 · 341 Erwachsene mit Übergewicht29
35 g
Xylit auf einmal – ab hier
häufiger wässriger Stuhl

Erythrit blieb bis 35 Gramm ohne Beschwerden, bei 50 Gramm kamen Übelkeit und Grummeln: Die Sorte entscheidet mit, wie viel Dein Bauch verträgt.

Haken

Junge, gesunde Studenten, die Zuckeralkohole in Wasser tranken; in Schokolade oder über den Tag verteilt lagen die Grenzen anders. Auf der Verlagsseite steht ohne Erklärung das Entwicklungszentrum der Firma Cerestar, die selbst Erythrit verkaufte – ob als Geldgeber, ist unklar.

Quelle: Storey und Kollegen 2007 · 64 junge Erwachsene13
0,5 g
Erythrit je Kilogramm am Tag –
die Tagesdosis seit 2023

Bei 80 Kilogramm sind das 40 Gramm am Tag, gerechnet in Kapitel 03: Auch der bauchfreundlichste Zuckeralkohol hat eine Obergrenze.

Haken

Abgeleitet aus der Grenze für Durchfall, nicht aus Daten zum Herz; der Versuch, in dem 30 Gramm die Blutplättchen Gesunder reaktionsfreudiger machten, kam erst danach.

Quelle: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit 2023 · Neubewertung von Erythrit11
2,2-fach
Risiko bei den höchsten
Erythrit-Blutwerten

Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod in drei Jahren, oberstes gegen unterstes Viertel, in einer europäischen Gruppe: Ein Warnsignal, kein Beweis.

Haken

Menschen, die zur Herzuntersuchung kamen; der Blutwert wurde einmal gemessen, das Essen nicht erfasst, und der Körper bildet Erythrit auch selbst. Der Leiter der Forschergruppe ist Miterfinder von Patenten seiner Klinik zu Herz-Kreislauf-Diagnostik.

Quelle: Witkowski und Kollegen 2023 · 833 Menschen in der europäischen Gruppe9
40 mg
Aspartam je Kilogramm am Tag –
die Tagesdosis

Die Einstufung als „möglicherweise krebserregend“ änderte daran nichts: Die Menge macht das Risiko, nicht die Einstufung.

Haken

Die Krebsforschungsagentur der WHO sieht begrenzte Hinweise auf Leberkrebs. Für Menschen mit Phenylketonurie gilt die Tagesdosis nicht.

Quelle: JECFA 2023 und EFSA 2026 · Bewertungen von Fachgremien24, 40

Jede Zahl ist an ihrer Quelle selbst geprüft, Stand Oktober 2026 – die Studien an ihrer Kurzfassung in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, einige auch am Volltext, die Bewertungen der Behörden an ihrem Wortlaut. Die vollständigen Angaben, mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, folgen im Kapitel „Belegt“.

Der eine Satz, wenn Du Dir nur einen merkst Süßstoffe sind ein brauchbarer Ersatz für Zucker, aber kein Abnehmmittel – bei Zuckeralkoholen entscheidet die Menge über Deinen Bauch, und Erythrit wie Xylit nimmst Du in Maßen, solange die Frage zum Herz offen ist.
10Belegt

Worauf sich diese Seite stützt

Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Untersuchte, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Studien habe ich über PubMed geprüft, die Bewertungen von EFSA, BfR, WHO und FDA an ihrem Wortlaut, die Rechtsvorschriften an den EU-Verordnungen und die Produktangaben auf den Seiten der Hersteller und Händler. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei. Ein „95-%-Konfidenzintervall“ zeigt, wie genau ein Ergebnis ist: Je enger der Bereich, desto genauer. Schließt er bei einem Risiko die 1 nicht ein, gilt der Unterschied als statistisch gesichert, ebenso bei einem P-Wert unter 0,05. „Doppelblind“ heißt: Weder Teilnehmer noch Forscher wussten, wer was bekam; „im Crossover-Verfahren“: Jeder probierte alle Varianten nacheinander.

57 Quellen · hier aufklappenzuklappenGeldgeber und Interessenkonflikte
So liest Du die Angaben zu den Geldgebern PubMed, die Studiendatenbank der US-Nationalbibliothek für Medizin, ordnet Studien nach ihren Geldgebern ein: Stellen der US-Regierung – und „außerhalb der US-Regierung“ für alles andere. „Außerhalb der US-Regierung“ heißt also: Das Geld kam von Hochschulen, Stiftungen, anderen Staaten oder Firmen – wer genau, steht nur in der vollständigen Arbeit. Steht bei einer Studie kein Geldgeber, „nicht geprüft“ oder „nicht prüfbar“, habe ich die Finanzierung nicht selbst gelesen.
Warum bei diesem Thema oft ein Interessenkonflikt dabeisteht Süßungsmittel sind ein Markt, und ein Teil der Forschung entsteht mit Firmen. Bei mehreren Studien auf dieser Seite stellten Hersteller die Prüfsubstanz, zahlten mit oder beschäftigten einen Mitautor; eine Auswertung zu Blutzucker und Insulin schrieb ein Mitarbeiter von Unilever. Interessen gibt es auch auf der anderen Seite: Der Leiter der Forschergruppe hinter den Erythrit-Befunden ist Miterfinder von Patenten seiner Klinik zu Herz-Kreislauf-Diagnostik und berät Firmen. Das macht keinen dieser Befunde falsch – oft sind es die besten verfügbaren Daten. Aber wer an der Antwort ein Interesse hat, gehört dazugesagt. Deshalb steht es bei jeder Quelle, bei der ich es prüfen konnte; bei vielen ließ sich die Erklärung bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufen.
1US-Lebensmittelbehörde FDA (2025). Aspartame and Other Sweeteners in Food. Informationsseite, Stand 27. Februar 2025. fda.gov · Aspartame and Other Sweeteners in Food, geprüft im Oktober 2026 Süßkraft im Vergleich zu Haushaltszucker: Aspartam und Acesulfam-K etwa 200-fach, Sucralose etwa 600-fach, Saccharin 200- bis 700-fach, Steviolglycoside 200- bis 400-fach, Extrakt aus Mönchsfrucht 100- bis 250-fach. Aspartam ist laut FDA nicht hitzestabil und verliert beim Erhitzen seine Süße, deshalb wird es kaum in Backwaren verwendet; Acesulfam-K und Sucralose bleiben auch bei hohen Temperaturen beim Backen süß. Steviolglycoside sind natürliche Bestandteile der Blätter der südamerikanischen Pflanze Stevia rebaudiana, gemeinhin Stevia genannt. Mönchsfrucht, auch Luo Han Guo, ist eine Pflanze aus Südchina. Gegen die Einstufung von Mönchsfrucht-Extrakt und von D-Allulose – einem Zucker, den der Körper anders verwertet als herkömmliche Zucker – als allgemein sicher, die Hersteller gemeldet hatten, hat die FDA unter den gemeldeten Bedingungen keine Einwände erhoben. Einschränkung: Angaben einer US-Behörde. Dass Sucralose beim Backen süß bleibt, sagt nichts über Abbauprodukte beim Erhitzen – dazu die Belege 27 und 32.
2Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR (2025). Süßungsmittel in Lebensmitteln – Ausgewählte Fragen und Antworten. Fragen und Antworten vom 15. Juli 2025. bfr.bund.de · Süßungsmittel in Lebensmitteln, PDF, geprüft im Oktober 2026 Die Begriffe „Zuckeraustauschstoffe“ und „Süßstoffe“ sind in der EU-Verordnung 1333/2008 nicht definiert; sie fasst die sieben Zuckeralkohole Sorbit, Mannit, Isomalt, Maltit, Lactit, Xylit und Erythrit als „Gruppe IV: Polyole“ zusammen. Acht der zugelassenen Süßungsmittel sind laut BfR Zuckeraustauschstoffe – Sorbit (E 420), Mannit (E 421), Isomalt (E 953), Polyglycitolsirup (E 964), Maltit (E 965), Lactit (E 966), Xylit (E 967) und Erythrit (E 968) –, also „zuckerähnliche Substanzen mit meist geringerer Süßkraft und weniger Brennwert“ als Zucker, „die kaum bzw. keine Karies verursachen“. Süßstoffe sind dagegen sehr verschiedene chemische Stoffe, „die keinen oder nur einen unbedeutenden Brennwert haben und wesentlich süßer schmecken als Zucker“. Einschränkung: allgemeiner Informationstext der Behörde, kein wissenschaftliches Gutachten.
3US-Lebensmittelbehörde FDA (2017). High-Intensity Sweeteners. Informationsseite, Stand 19. Dezember 2017. fda.gov · High-Intensity Sweeteners, geprüft im Oktober 2026 Zuckeralkohole süßen laut FDA zwischen 25 und 100 Prozent so stark wie Zucker. Einschränkung: Angabe einer US-Behörde, Stand 2017.
4Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel. Amtsblatt der EU L 304 vom 22.11.2011; konsolidierte Fassung vom 1. Januar 2018. EUR-Lex · CELEX 02011R1169-20180101 Anhang I Nr. 7 bis 9: Kohlenhydrate schließen mehrwertige Alkohole ein; Zucker sind Einfach- und Zweifachzucker ohne mehrwertige Alkohole; mehrwertige Alkohole sind „Alkohole, die mehr als zwei Hydroxylgruppen enthalten“. Art. 30 Abs. 2: Die Angabe mehrwertiger Alkohole in der Nährwerttabelle ist freiwillig. Anhang III Nr. 2: Pflichthinweise „mit Süßungsmittel(n)“ neben dem Namen des Lebensmittels, „mit Zucker(n) und Süßungsmittel(n)“, „enthält eine Phenylalaninquelle“ beziehungsweise „enthält Aspartam (eine Phenylalaninquelle)“ und „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ bei mehr als 10 Prozent zugesetzten mehrwertigen Alkoholen. Anhang XIV: mehrwertige Alkohole 10 Kilojoule oder 2,4 Kilokalorien je Gramm, Erythrit null. Einschränkung: Die deutschen Anhänge ließen sich bei der Prüfung im Oktober 2026 auf EUR-Lex nicht vollständig abrufen. Ihren Wortlaut habe ich auf einer nicht amtlichen Spiegelseite gelesen und mit der amtlichen englischen Fassung, mit Art. 23 der Verordnung 1333/2008 und mit der Richtlinie 2008/100/EG abgeglichen.
5Produktangaben der Hersteller und Händler, abgelesen auf deren Internetseiten im Oktober 2026. ESN Designer Bar · ESN Nährwerte aller Sorten · ESN Designer Bar, Händler · ESN Designer Bar Dark Cookie, Händler · Grenade · PowerBar 52% Protein+ · Barebells · foodspring, Händler · Myprotein · Quest, US-Seite · Coca-Cola Zero Sugar · Red Bull Sugarfree · ESN Designer Whey, Zutaten-Dokument · ESN Designer Whey, Händler · More Chunky Flavour, Händler · ESN Flavn Tasty, Händler · Extra Peppermint, britische Markenseite · Natreen Classic · Canderel, Händler · Xucker Light, Händler · Birkengold Xylit Süßungsmittel laut Zutatenliste, Zuckeralkohole je Riegel laut Nährwerttabelle („davon mehrwertige Alkohole“), Hinweise zu abführender Wirkung, Süßkraft und Backen, so wie Hersteller oder Händler sie angeben. Zuckeralkohole je Riegel: ESN Designer Bar 10 bis 14 g je nach Sorte (45-g-Riegel, 178 bis 191 kcal), Grenade 15 g (60 g, dazu 5,6 g Ballaststoffe), PowerBar 52% Protein+ 11 g (50 g), Quest laut US-Etikett 6 g (60 g). Grenade und Quest führen Glycerin in der Zutatenliste. Coca-Cola Zero Sugar: „enzymatisch hergestellte Steviolglycoside“. Xucker: „30 % weniger süß als Zucker“. Birkengold: Xylit „Süßkraft zu Zucker: 1:1“ und „ideal zum kalorienarmen Backen“; Erythrit „kann beim Backen und Marmelade kochen kristallisieren“; Warnung, dass Hunde Xylit nicht fressen dürfen. Einschränkung: Hersteller- und Händlerangaben, keine eigenen Messungen – und Angaben in eigener Sache. Widersprüche: Für ESN Designer Whey nennen ein älteres Zutaten-Dokument des Herstellers und ein Händler verschiedene Süßstoffe; für die ESN-Sorte Cinnamon Cereal nennt der Hersteller 13 g Zuckeralkohole je Riegel, ein Händler umgerechnet rund 6 g; US- und EU-Etikett von Quest unterscheiden sich bei Zuckeralkoholen, Ballaststoffen und Süßstoffen; beim PowerBar-Riegel steckt Maltit nur in der Kuvertüre, die 18 Prozent des Riegels ausmacht – die übrigen „mehrwertigen Alkohole“ stammen vermutlich aus dem Glycerin, das ist meine Einschätzung. Rezepturen ändern sich; die Werte gelten für den Stand der Prüfung.
6McGlynn ND, Khan TA, Wang L et al. (2022). Association of Low- and No-Calorie Sweetened Beverages as a Replacement for Sugar-Sweetened Beverages With Body Weight and Cardiometabolic Risk: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Network Open 5(3):e222092. DOI 10.1001/jamanetworkopen.2022.2092 · PMID 35285920 · PMC9907347 Systematische Übersicht mit Netzwerk-Meta-Analyse, also statistischer Zusammenfassung, von 17 randomisierten Studien mit mindestens zwei Wochen Dauer und 1733 Erwachsenen mit Übergewicht, die ein Diabetesrisiko oder Diabetes hatten (im Mittel 33 Jahre, 77 Prozent Frauen). Light- statt Zuckergetränke (12 Studien, 601 Teilnehmer): Körpergewicht −1,06 kg (95-%-Konfidenzintervall −1,71 bis −0,41), dazu niedrigerer Body-Mass-Index, Körperfettanteil und Leberfett. Wasser statt Zuckergetränk (3 Studien, 429 Teilnehmer): beim Körpergewicht praktisch kein Unterschied (−0,01 kg, 95-%-Konfidenzintervall −0,95 bis 0,98), bei den meisten anderen Werten nicht gesichert in dieselbe Richtung wie die Light-Getränke. In Auftrag gegeben hat die Auswertung laut Volltext die Arbeitsgruppe Diabetes und Ernährung der Europäischen Diabetes-Gesellschaft. Sicherheit der Evidenz für das Gewicht mäßig beziehungsweise gering. Einschränkung: überwiegend Frauen, Studien über Wochen bis Monate. Beim direkten Vergleich Light-Getränk gegen Wasser (9 Studien, 974 Teilnehmer) widersprechen sich Kurzfassung (kein Unterschied beim Gewicht) und Ergebnisteil (−1,07 kg). Von den 17 Studien bezahlten laut Volltext Firmen 4 allein und 5 zusammen mit öffentlichen Geldgebern. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft; die Erklärungen standen bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht im abrufbaren Text der Verlagsseite. Interessenkonflikte nicht geprüft.
7Debras C, Chazelas E, Sellem L et al. (2022). Artificial sweeteners and risk of cardiovascular diseases: results from the prospective NutriNet-Santé cohort. BMJ 378:e071204. DOI 10.1136/bmj-2022-071204 · PMID 36638072 · PMC9449855 Beobachtungsstudie mit 103.388 Erwachsenen aus Frankreich (im Mittel 42 Jahre, 80 Prozent Frauen), Essen über wiederholte 24-Stunden-Protokolle samt Markennamen erfasst. Künstliche Süßstoffe insgesamt gingen mit mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher: 1,09-fach je Zehnfachem der Aufnahme (95-%-Konfidenzintervall 1,01–1,18; 1502 Erkrankungen). Erkrankungen pro 100.000 Personenjahre – ein Personenjahr ist ein Mensch, ein Jahr lang beobachtet –: 346 bei höherem Konsum, 314 ohne Süßstoff. Aspartam ging vor allem mit Durchblutungsstörungen im Gehirn einher (1,17-fach), Acesulfam-K (1,40-fach) und Sucralose (1,31-fach) mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Einschränkung: Beobachtungsstudie; ein Zusammenhang ist keine Ursache, und Störfaktoren lassen sich nie ganz herausrechnen. Teilnehmer meldeten sich freiwillig über das Internet an. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – laut den Verlagsangaben in den Metadaten unter anderem das französische Krebsinstitut INCa und der Europäische Forschungsrat; die Erklärung selbst habe ich nicht gelesen. Interessenkonflikte nicht geprüft.
8Debras C, Chazelas E, Srour B et al. (2022). Artificial sweeteners and cancer risk: Results from the NutriNet-Santé population-based cohort study. PLoS Medicine 19(3):e1003950. DOI 10.1371/journal.pmed.1003950 · PMID 35324894 · PMC8946744 Beobachtungsstudie mit 102.865 Erwachsenen aus Frankreich, im Median 7,8 Jahre beobachtet. Menschen mit höherem Konsum künstlicher Süßstoffe hatten gegenüber Menschen ohne ein 1,13-fach höheres Krebsrisiko (95-%-Konfidenzintervall 1,03–1,25; 3358 Krebsfälle); für Aspartam 1,15-fach, für Acesulfam-K 1,13-fach. Laut Volltext machten in den ersten zwei Jahren 32,6 Prozent der Menschen mit höherem Konsum eine Diät zum Abnehmen, aber nur 11,9 Prozent der Menschen ohne Süßstoff. Einschränkung: Beobachtungsstudie; die Autoren nennen selbst mögliche Auswahlverzerrung, verbleibende Störfaktoren und umgekehrte Ursache – also dass Menschen mit Risiken eher zu Süßstoff greifen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, laut Volltext öffentliche Einrichtungen in Frankreich, der Europäische Forschungsrat und das französische Krebsinstitut; die Forscher waren laut Erklärung unabhängig von den Geldgebern. Interessenkonflikte laut Volltext: Ein Mitautor ist Mitgründer von Open Food Facts, einer gemeinnützigen, offenen Datenbank für Lebensmittel.
9Witkowski M, Nemet I, Alamri H et al. (2023). The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nature Medicine 29(3):710–718. DOI 10.1038/s41591-023-02223-9 · PMID 36849732 · PMC10334259 Beobachtungsstudie mit Menschen, die zu einer Herzuntersuchung kamen: In einer ersten Gruppe (1157 Personen) fiel Erythrit unter vielen Blutwerten auf; in einer US-amerikanischen (2149) und einer europäischen Gruppe (833) gingen hohe Erythrit-Werte im Nüchternblut mit mehr schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen in drei Jahren einher – Tod, nicht tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall: oberstes gegen unterstes Viertel 1,80-fach (95-%-Konfidenzintervall 1,18–2,77) beziehungsweise 2,21-fach (1,20–4,07), bereinigt um andere Risikofaktoren. Im Labor steigerte Erythrit die Reaktionsbereitschaft der Blutplättchen, bei Mäusen die Gerinnselbildung. In einer Pilotstudie mit acht Gesunden lag der Erythrit-Wert nach einem Getränk mit 30 g Erythrit stundenlang rund 1000-fach höher und blieb bei allen mehr als zwei Tage erhöht; die Autoren vergleichen die Menge mit einer Dose eines künstlich gesüßten Getränks oder einem knappen halben Liter Keto-Eis, also kohlenhydratarmem Eis. Erythrit kommt laut den Autoren in kleinen Mengen natürlich in Obst und Gemüse vor; Fertigprodukten wird er in rund 1000-fach höheren Mengen zugesetzt. Am Volltext gelesen. Einschränkung: Zusammenhang, keine Ursache; laut den Autoren selbst können nicht erfasste Störfaktoren wie die Ernährung mitspielen. Der Blutwert wurde einmal gemessen; körpereigenes und gegessenes Erythrit lassen sich nicht unterscheiden. Geldgeber laut PubMed: Stellen der US-Regierung (National Institutes of Health) und Geldgeber außerhalb der US-Regierung. Laut Volltext Forschungsmittel der US-Gesundheitsinstitute, der Leducq-Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft; die europäische Teilstudie finanzierte teilweise Sanofi-Aventis Deutschland; die Geldgeber hatten laut Erklärung keinen Einfluss. Interessenkonflikte laut Volltext: Der Leiter der Forschergruppe, Hazen, ist Miterfinder von Patenten der Cleveland Clinic zu Herz-Kreislauf-Diagnostik und -Therapie, kann Lizenzzahlungen erhalten, unter anderem von Cleveland HeartLab, Procter & Gamble und Zehna Therapeutics, berät Zehna Therapeutics und erhielt Forschungsmittel von Procter & Gamble, Zehna und Roche Diagnostics; ein Mitautor berät mehrere Medizinfirmen, laut Erklärung ohne Bezug zu dieser Arbeit. Ein Hersteller von Süßungsmitteln wird nicht genannt.
10Hootman KC, Trezzi JP, Kraemer L et al. (2017). Erythritol is a pentose-phosphate pathway metabolite and associated with adiposity gain in young adults. Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 114(21):E4233–E4240. DOI 10.1073/pnas.1620079114 · PMID 28484010 · PMC5448202 Neun Monate beobachtet wurden 264 Studienanfänger. Wer am Bauch zunahm, hatte zu Beginn rund 15-fach höhere Erythrit-Werte im Blut als jemand mit stabilem Bauchumfang; bei höherem Langzeitblutzucker waren sie rund 21-fach höher. Versuche mit markierten Stoffen zeigten, dass der Körper Erythrit selbst aus Traubenzucker bildet. Einschränkung: Messungen an gemischten Blutproben mehrerer Teilnehmer; ein Zusammenhang, keine Ursache. Geldgeber laut PubMed: Stellen der US-Regierung (National Institutes of Health) und Geldgeber außerhalb der US-Regierung. Einzelheiten laut den Verlagsangaben in den Metadaten: unter anderem das US-Institut für Diabetes, Verdauungs- und Nierenkrankheiten. Interessenkonflikte nicht geprüft.
11EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Aromen (FAF), Younes M et al. (2023). Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive. EFSA Journal 21(12):e8430. DOI 10.2903/j.efsa.2023.8430 · PMID 38125972 · PMC10731997 Neubewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit: Erythrit wird abhängig von der Menge rasch aufgenommen und zu 78 bis 92 Prozent unverändert mit dem Urin ausgeschieden. Tagesdosis 0,5 g je kg Körpergewicht, abgeleitet aus der unteren Grenze der Mengen ohne Durchfall in Studien am Menschen – erstmals eine Tagesdosis, die auf einer sofortigen Wirkung wie Durchfall beruht. Das frühere Gremium hatte schon festgehalten, dass Erythrit erst bei höheren Mengen abführt als andere Zuckeralkohole, und wie für die übrigen Zuckeralkohole keine Zahl festgelegt. Menschen mit hohem Verzehr können über der Tagesdosis liegen, am deutlichsten Kinder; die Behörde hält ihre Schätzungen selbst für eher zu hoch. Die Warnpflicht „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ bleibt. Zu den Herz-Kreislauf-Befunden: Hohe Erythrit-Werte im Nüchternblut könnten ein Zeichen von Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes und zunehmendem Bauchfett sein; ob der Zusammenhang mit Erythrit aus dem Essen zu tun hat, sei höchst unsicher, ein ursächlicher Zusammenhang nicht gezeigt. Erythrit hat rund 70 Prozent der Süßkraft von Zucker; die EU-Spezifikation beschreibt es als hitzestabil. Am Volltext gelesen. Einschränkung: Bewertung einer Behörde. Den Versuch von 2023, in dem 30 g Erythrit die Blutwerte von acht Gesunden tagelang erhöhten, und die Laborversuche zu Blutplättchen hat sie besprochen; aus den Laborversuchen lasse sich nicht vorhersagen, was im Menschen passiert. Den 2024 veröffentlichten Versuch zur Funktion der Blutplättchen nach 30 g (Beleg 18; zu Xylit Beleg 12) konnte sie noch nicht berücksichtigen. Ein Hersteller von Erythrit, Cargill, hatte beantragt, Erythrit von der Warnpflicht zu befreien; die EFSA sah dafür in den vorgelegten Daten keine Grundlage.
12Witkowski M, Nemet I, Li XS et al. (2024). Xylitol is prothrombotic and associated with cardiovascular risk. European Heart Journal 45(27):2439–2452. DOI 10.1093/eurheartj/ehae244 · PMID 38842092 · PMC11492277 In einer Gruppe von 2149 Menschen, die zur Herzuntersuchung kamen, gingen hohe Xylit-Werte im Blut mit mehr schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen in drei Jahren einher (oberstes gegen unterstes Drittel 1,57-fach, 95-%-Konfidenzintervall 1,12–2,21). Im Labor und bei Tieren steigerte Xylit die Reaktionsbereitschaft der Blutplättchen und die Gerinnselbildung; bei zehn Gesunden tat das auch ein mit Xylit gesüßtes Getränk. Einschränkung: Zusammenhang, keine Ursache; kleine Versuchsgruppe; dieselbe Forschergruppe wie Beleg 9. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft; laut den Verlagsangaben in den Metadaten unter anderem US-Gesundheitsinstitute, die Leducq-Stiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Interessenkonflikte nicht geprüft; zur früheren Arbeit derselben Gruppe siehe Beleg 9.
13Storey D, Lee A, Bornet F, Brouns F (2007). Gastrointestinal tolerance of erythritol and xylitol ingested in a liquid. European Journal of Clinical Nutrition 61(3):349–354. DOI 10.1038/sj.ejcn.1602532 · PMID 16988647 Randomisierte, doppelblinde Studie mit 70 Studenten der Universität Salford (18–24 Jahre), 64 beendeten sie. Sie tranken zu Hause ohne Aufsicht an einzelnen Testtagen 45 g Haushaltszucker oder 20, 35 und 50 g Erythrit oder Xylit in Wasser, jeweils auf einmal. Gegenüber Zucker: 50 g Xylit – häufiger Übelkeit, Blähbauch, Darmgeräusche, Krämpfe, wässriger Stuhl und mehr Stuhlgänge; 35 g Xylit – häufiger Stuhlgänge mit wässrigem Stuhl; 50 g Erythrit – nur häufiger Übelkeit und Darmgeräusche; 20 und 35 g Erythrit – keine vermehrten Beschwerden. Bei jeder Menge machte Xylit mehr wässrigen Stuhl als Erythrit. Einschränkung: junge, gesunde Studenten, Getränk statt Lebensmittel, Beschwerden per Selbstauskunft, einmalige Mengen. Online 2006 erschienen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft. Auf der Verlagsseite steht direkt nach der Kurzfassung, ohne Beschriftung, „Cerestar R&D Center, Vilvoorde, Belgium“ – das Entwicklungszentrum der Firma Cerestar; ob als Geldgeber oder als Adresse eines Autors, sagt die Seite nicht. Cerestar war laut Fachpresse ein Stärkekonzern, der Erythrit unter eigenem Namen verkaufte und später zu Cargill kam. Eine Erklärung zu Interessenkonflikten habe ich dort nicht gefunden.
14Lenhart A, Chey WD (2017). A Systematic Review of the Effects of Polyols on Gastrointestinal Health and Irritable Bowel Syndrome. Advances in Nutrition 8(4):587–596. DOI 10.3945/an.117.015560 · PMID 28710145 · PMC5508768 Systematische Übersicht von 79 Arbeiten zu Zuckeralkoholen bei Gesunden und bei Menschen mit Reizdarm. Zuckeralkohole werden je nach Menge unvollständig aufgenommen, zusammen gegessen noch schlechter. Bei Reizdarm sind die Ergebnisse zur Aufnahme widersprüchlich; Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und abführende Wirkung treten bei Gesunden wie bei Reizdarm je nach Menge auf. In mäßigen Mengen verschoben Zuckeralkohole die Darmflora bei Gesunden hin zu mehr Bifidobakterien. Einschränkung: Übersichtsarbeit über sehr unterschiedliche, meist kleine Studien. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft; die Verlagsseite war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar. Interessenkonflikte nicht geprüft.
15Koutsou GA, Storey DM, Lee A et al. (1996). Dose-related gastrointestinal response to the ingestion of either isomalt, lactitol or maltitol in milk chocolate. European Journal of Clinical Nutrition 50(1):17–21. PMID 8617186, ohne DOI Randomisierte, doppelblinde Studie im Crossover-Verfahren, also jeder in allen Varianten: 59 gesunde Studenten (18–24 Jahre) aßen zum Frühstück 100 g Milchschokolade mit 40 g Zucker, Isomalt, Lactit oder Maltit oder mit 10 g Zucker plus 30 g des Zuckeralkohols. Lactit (30 und 40 g) steigerte alle Beschwerden, teils stark; Isomalt 40 g alle Beschwerden einschließlich leichter abführender Wirkung, 30 g nur leichte; Maltit 40 g nur leichte Blähungen, Darmgeräusche und Krämpfe, 30 g höchstens leichte Blähungen – ohne abführende Wirkung. Einschränkung: junge, gesunde Studenten, eine Mahlzeit, Beschwerden per Selbstauskunft. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft; die Arbeit hat keine DOI und keinen Volltext im Netz. Interessenkonflikte nicht geprüft.
16Nakamura S, Hongo R, Moji K, Oku T (2007). Suppressive effect of partially hydrolyzed guar gum on transitory diarrhea induced by ingestion of maltitol and lactitol in healthy humans. European Journal of Clinical Nutrition 61(9):1086–1093. DOI 10.1038/sj.ejcn.1602623 · PMID 17251924 34 gesunde junge Frauen (im Mittel 21 Jahre, 49,5 kg) erhielten Maltit oder Lactit in Schritten von 5 g von 10 bis 45 g, bis vorübergehender Durchfall auftrat. Bis 45 g Maltit bekamen 29 von 34 Durchfall (85 Prozent), mit Lactit alle. Ein Ballaststoff aus Guarkernmehl schwächte den Durchfall ab. Einschränkung: nur junge, leichte Frauen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten laut Danksagung auf der Verlagsseite: unterstützt von der Universität Siebold in Nagasaki, mit staatlichen japanischen Forschungsmitteln und teilweise von der Firma Taiyo Kagaku, die auch das Guarkernmehl lieferte; Maltit und Lactit stellten die Hersteller Towa Chemical Industry und Nikken Chemical bereit. Eine Erklärung zu Interessenkonflikten habe ich nicht gefunden.
17Mäkinen KK (2016). Gastrointestinal Disturbances Associated with the Consumption of Sugar Alcohols with Special Consideration of Xylitol: Scientific Review and Instructions for Dentists and Other Health-Care Professionals. International Journal of Dentistry 2016:5967907. DOI 10.1155/2016/5967907 · PMID 27840639 · PMC5093271 Übersichtsarbeit zu Magen-Darm-Beschwerden durch Zuckeralkohole: In Langzeit-Fütterungsversuchen gewöhnten sich die Teilnehmer an steigende Mengen Xylit; in Getränken löst Xylit schon bei kleineren Mengen Durchfall aus als in fester Nahrung. Am Volltext gelesen. Einschränkung: Übersicht eines einzelnen Autors, viele der zitierten Studien sind alt. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft. Der Autor erklärt keine Interessenkonflikte.
18Witkowski M, Wilcox J, Province V et al. (2024). Ingestion of the Non-Nutritive Sweetener Erythritol, but Not Glucose, Enhances Platelet Reactivity and Thrombosis Potential in Healthy Volunteers – Brief Report. Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology 44(9):2136–2141. DOI 10.1161/ATVBAHA.124.321019 · PMID 39114916 · PMC11338701 Studie mit gesunden Freiwilligen – Nichtrauchern ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, Bluthochdruck oder Diabetes –, je zehn tranken 30 g Erythrit oder 30 g Traubenzucker, laut den Autoren eine in mit Erythrit gesüßten Lebensmitteln übliche Menge. Nach Erythrit lag sein Wert im Blut über 1000-fach höher, und die Blutplättchen reagierten bei allen Teilnehmern, allen Reizstoffen und Dosen stärker; nach Traubenzucker nicht. Die Autoren sehen darin Anlass, die Einstufung von Erythrit als sicher zu überdenken. Einschränkung: kleine Gruppen, einmalige Menge, Laborwerte statt Erkrankungen; dieselbe Forschergruppe wie Beleg 9. Geldgeber laut PubMed: Stellen der US-Regierung (National Institutes of Health). Interessenkonflikte nicht geprüft; die Verlagsseite war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar. Zur früheren Arbeit derselben Gruppe siehe Beleg 9.
19Weltgesundheitsorganisation WHO (2023). Use of non-sugar sweeteners: WHO guideline. Genf, 15. Mai 2023. who.int · Leitlinie · who.int · Pressemitteilung vom 15.05.2023, geprüft im Oktober 2026 Die WHO rät davon ab, Süßungsmittel ohne Zucker zur Gewichtskontrolle oder zur Vorbeugung nichtübertragbarer Krankheiten einzusetzen; die Empfehlung ist ausdrücklich bedingt; laut WHO heißt das, dass politische Entscheidungen auf ihrer Grundlage im jeweiligen Land unter Umständen gründlich diskutiert werden müssen. Ihre systematische Übersicht fand keinen langfristigen Nutzen für das Körperfett bei Erwachsenen oder Kindern, dafür mögliche unerwünschte Wirkungen bei langfristiger Verwendung wie ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tod bei Erwachsenen. Die Empfehlung gilt für alle außer Menschen mit bestehendem Diabetes. Gemeint sind künstliche und natürliche Süßstoffe einschließlich Stevia; Zucker mit wenig Kalorien und Zuckeralkohole zählen nicht dazu. Einschränkung: Die Risiken stammen überwiegend aus Beobachtungsstudien. Den Wortlaut der Empfehlung habe ich in der Pressemitteilung geprüft; die Leitlinie selbst war auf der WHO-Seite bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar, gelesen habe ich sie über den Publikationsserver einer Hochschule.
20Nichol AD, Holle MJ, An R (2018). Glycemic impact of non-nutritive sweeteners: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. European Journal of Clinical Nutrition 72(6):796–804. DOI 10.1038/s41430-018-0170-6 · PMID 29760482 Systematische Übersicht mit Meta-Analyse von 29 randomisierten Studien mit 741 Teilnehmern zu Aspartam, Saccharin, Steviosiden und Sucralose. Gegenüber dem Ausgangswert hoben Süßstoffe den Blutzucker nicht, er sank im Verlauf leicht. Die Wirkung unterschied sich nicht nach Süßstoff, teils aber nach Alter, Körpergewicht und Diabetes. Einschränkung: Kurzzeitmessungen nach einzelnen Gaben; über langfristige Folgen sagt die Arbeit nichts. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft. Die Autoren erklären laut Verlagsseite keine Interessenkonflikte.
21Greyling A, Appleton KM, Raben A, Mela DJ (2020). Acute glycemic and insulinemic effects of low-energy sweeteners: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. The American Journal of Clinical Nutrition 112(4):1002–1014. DOI 10.1093/ajcn/nqaa167 · PMID 32672338 Systematische Übersicht mit Meta-Analyse von 26 Arbeiten (34 Vergleiche zum Blutzucker, 29 zum Insulin). Süßstoffe allein oder mit einer nährstoffhaltigen Vorspeise veränderten Blutzucker und Insulin nach dem Essen nicht: im Mittel −0,02 mmol/l beziehungsweise −2,39 pmol/l, beides nicht gesichert. Bei Typ-2-Diabetes stieg der Blutzucker etwas weniger (−0,3 mmol/l). Einschränkung: nur kurzfristige Wirkungen. Laut PubMed arbeitete der Erstautor beim Unilever Foods Innovation Centre, einem Forschungszentrum des Lebensmittelkonzerns Unilever – ein möglicher Interessenkonflikt. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft; in den Verlagsangaben der Metadaten ist Unilever als Geldgeber eingetragen, die Erklärung selbst habe ich nicht gelesen. Interessenkonflikte nicht geprüft.
22Pepino MY, Tiemann CD, Patterson BW, Wice BM, Klein S (2013). Sucralose affects glycemic and hormonal responses to an oral glucose load. Diabetes Care 36(9):2530–2535. DOI 10.2337/dc12-2221 · PMID 23633524 · PMC3747933 Randomisierte Studie im Crossover-Verfahren mit 17 Menschen mit starkem Übergewicht (Body-Mass-Index im Mittel 42), die sonst keine Süßstoffe nahmen und deren Insulin normal wirkte. Zehn Minuten vor einem Zuckertest tranken sie Sucralose oder Wasser. Mit Sucralose stieg der Blutzucker in der Spitze stärker, die Insulinmenge im Verlauf um 20 ± 8 Prozent mehr, und die Insulinempfindlichkeit sank um 23 ± 20 Prozent. Einschränkung: nur 17 Teilnehmer, einmaliger Test, Sucralose zusammen mit Zucker. Geldgeber laut PubMed: Stellen der US-Regierung (National Institutes of Health). Laut Verlagsseite Mittel der US-Gesundheitsinstitute; die Sucralose stellte der Hersteller Tate & Lyle bereit. Die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.
23Riboli E, Beland FA, Lachenmeier DW et al. (2023). Carcinogenicity of aspartame, methyleugenol, and isoeugenol. The Lancet Oncology 24(8):848–850. DOI 10.1016/S1470-2045(23)00341-8 · PMID 37454664 Kurzbericht der Arbeitsgruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO zu Band 134 ihrer Monografien. Laut der zugehörigen Mitteilung der WHO stufte die IARC Aspartam als „möglicherweise krebserregend für den Menschen“ (Gruppe 2B) ein, gestützt auf begrenzte Hinweise beim Menschen für Leberzellkrebs sowie begrenzte Hinweise aus Tierversuchen und zum Wirkmechanismus. Einschränkung: PubMed enthält keine Kurzfassung; den Inhalt habe ich über die Mitteilung der WHO (Beleg 24) geprüft. Die Einstufungen der IARC beschreiben, wie sicher die Hinweise auf eine Krebsgefahr sind, nicht das Risiko bei einer bestimmten Menge. Die Arbeitsgruppe veröffentlicht Erklärungen zu Interessen gesondert; die habe ich nicht geprüft.
24Weltgesundheitsorganisation WHO (2023). Aspartame hazard and risk assessment results released. Mitteilung von IARC und JECFA, 14. Juli 2023. who.int · Mitteilung vom 14.07.2023, geprüft im Oktober 2026 Der gemeinsame Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe von WHO und Welternährungsorganisation (JECFA) sah keinen ausreichenden Grund, die Tagesdosis von 0 bis 40 mg je kg Körpergewicht für Aspartam zu ändern. Beispiel der WHO: Bei 200 oder 300 mg Aspartam je Dose eines Light-Getränks müsste ein Erwachsener mit 70 kg mehr als 9 bis 14 Dosen am Tag trinken, um die Tagesdosis zu überschreiten, ohne Aspartam aus anderen Quellen. Die Einstufungen der IARC spiegeln laut Mitteilung die Stärke der Hinweise wider, nicht das Risiko bei einer bestimmten Aufnahme. Einschränkung: Mitteilung der WHO, nicht das vollständige Gutachten.
25EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Nährstoffquellen (ANS) (2010). Scientific Opinion on the safety of steviol glycosides for the proposed uses as a food additive. EFSA Journal, Gutachten 1537. DOI 10.2903/j.efsa.2010.1537 · efsa.europa.eu Bewertet wurden Gemische von Steviolglycosiden, die zu mindestens 95 Prozent aus Steviosid und/oder Rebaudiosid A bestehen, den süßen Hauptbestandteilen. Tagesdosis 4 mg je kg Körpergewicht, gerechnet als Steviol, abgeleitet aus einer zweijährigen Studie an Ratten: die Menge ohne schädliche Wirkung, geteilt durch einen Sicherheitsfaktor von 100. Einschränkung: Band und Heft des Gutachtens habe ich nicht bestätigt; gelesen habe ich die Zusammenfassung auf der EFSA-Seite.
26Suez J, Cohen Y, Valdés-Mas R et al. (2022). Personalized microbiome-driven effects of non-nutritive sweeteners on human glucose tolerance. Cell 185(18):3307–3328.e19. DOI 10.1016/j.cell.2022.07.016 · PMID 35987213 Randomisierte Studie mit 120 gesunden Erwachsenen: zwei Wochen lang Tütchen mit Saccharin, Sucralose, Aspartam oder Stevia in Mengen unterhalb der Tagesdosis, zum Vergleich Traubenzucker als Trägerstoff oder nichts. Jeder Süßstoff veränderte Darm- und Mundflora sowie Stoffwechselprodukte im Blut; Saccharin und Sucralose verschlechterten die Blutzuckerantwort in Zuckertests. Mäuse ohne eigene Darmflora, denen Darmbakterien der Teilnehmer übertragen wurden, reagierten ähnlich wie ihre menschlichen Spender – die Wirkung hing von der Person und ihren Darmbakterien ab. Einschränkung: zwei Wochen, die klinische Bedeutung ist laut den Autoren offen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft; die Verlagsseite war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar. Interessenkonflikte nicht geprüft.
27Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2026). Sucralose – Beim Erhitzen über 120 °C können sich gesundheitsschädliche Stoffe bilden. Mitteilung Nr. 015/2026 vom 26. Februar 2026; dazu Stellungnahme Nr. 012/2019 vom 9. April 2019. bfr.bund.de · Mitteilung 015/2026 · bfr.bund.de · Stellungnahme 012/2019, geprüft im Oktober 2026 Wird Sucralose über längere Zeit heißer als 120 °C, zersetzt sie sich zunehmend und spaltet Chlor ab; dabei können chlorierte organische Verbindungen entstehen, etwa Dioxine und Chlorpropanole. Temperaturen von 120 bis 150 °C werden in der Industrie und beim Kochen und Backen zu Hause erreicht. Das BfR empfiehlt, sucralosehaltige Lebensmittel nicht über 120 °C zu erhitzen, also nicht auf Temperaturen wie beim Backen, Frittieren und Braten, oder Sucralose erst nach dem Erhitzen zuzugeben. Einschränkung: Das BfR nennt selbst noch zu schließende Datenlücken; zu Mengen, die beim üblichen Backen entstehen, siehe Beleg 32.
28US-Lebensmittelbehörde FDA (2025). Paws Off Xylitol; It's Dangerous for Dogs. Verbraucherinformation, Stand 17. Dezember 2025. fda.gov · Paws Off Xylitol, geprüft im Oktober 2026 Bei Hunden kann Xylit eine starke Insulinausschüttung auslösen; der Blutzucker kann innerhalb von 10 bis 60 Minuten stark abfallen. Hat ein Hund Xylit gefressen, sofort Tierarzt, Notfallklinik oder Giftnotruf für Tiere anrufen. Beim Menschen regt Xylit die Insulinausschüttung nicht an. Einschränkung: Verbraucherinformation einer US-Behörde, keine Studie.
29Pang MD, Kjølbæk L, Bastings JJAJ et al. (2025). Effect of sweeteners and sweetness enhancers on weight management and gut microbiota composition in individuals with overweight or obesity: the SWEET study. Nature Metabolism 7(10):2083–2098. DOI 10.1038/s42255-025-01381-z · PMID 41057614 · PMC12552123 Randomisierte Studie an mehreren Zentren in Europa mit 341 Erwachsenen und 38 Kindern mit Übergewicht. Die Erwachsenen nahmen zwei Monate mit einer Diät mindestens 5 Prozent ab und aßen danach zehn Monate gesund mit weniger als 10 Prozent der Energie aus Zucker – eine Gruppe ersetzte Zuckerhaltiges durch Produkte mit Süßungsmitteln, die andere nicht. Nach einem Jahr hielt die Süßungsmittel-Gruppe 1,6 ± 0,7 kg mehr von ihrem Gewichtsverlust (P = 0,029); die Darmflora verschob sich hin zu Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren und Methan bilden. Bei Herz-Kreislauf- und Stoffwechselwerten und bei den Kindern fanden sich keine gesicherten Unterschiede. Am Volltext gelesen. Einschränkung: 60 Prozent der Erwachsenen beendeten die Studie; bei ihnen war der Unterschied ähnlich (1,7 kg), aber nicht statistisch gesichert (P = 0,08). Die Teilnehmer wussten, in welcher Gruppe sie waren. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft; die Verlagsseite war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar. Interessenkonflikte nicht geprüft.
30Storey DM, Koutsou GA, Lee A et al. (1998). Tolerance and breath hydrogen excretion following ingestion of maltitol incorporated at two levels into milk chocolate consumed by healthy young adults with and without fasting. The Journal of Nutrition 128(3):587–592. DOI 10.1093/jn/128.3.587 · PMID 9482768 Doppelblinde Studie im Crossover-Verfahren mit 20 gesunden Freiwilligen (18–24 Jahre): 100 g Schokolade mit 40 g Zucker, 10 g Zucker plus 30 g Maltit oder 40 g Maltit, nüchtern und nicht nüchtern. 30 g Maltit machten keine gesichert stärkeren Beschwerden als Zucker; 40 g mehr leichte Darmgeräusche und Blähungen, aber keine mittelschweren oder schweren Beschwerden und keine stärker abführende Wirkung. Der Wasserstoff in der Atemluft – ein Zeichen für Gärung im Dickdarm – stieg mit der Maltitmenge. Einschränkung: 20 junge Gesunde, eine Mahlzeit. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft; die Verlagsseite war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar. Interessenkonflikte nicht geprüft.
31Ruskoné-Fourmestraux A, Attar A, Chassard D et al. (2003). A digestive tolerance study of maltitol after occasional and regular consumption in healthy humans. European Journal of Clinical Nutrition 57(1):26–30. DOI 10.1038/sj.ejcn.1601516 · PMID 12548293 Randomisierte, doppelblinde Studie im Crossover-Verfahren mit 12 Gesunden: Maltit oder Haushaltszucker über den Tag verteilt, gelegentlich (einmal pro Woche) oder regelmäßig (je neun Tage am Stück), die Tagesmenge stieg, bis Durchfall oder starke Beschwerden auftraten. Diese Schwelle lag bei gelegentlichem Verzehr im Mittel bei 92 g Maltit und 106 g Zucker, bei regelmäßigem bei 93 g Maltit und 113 g Zucker. Durchfall trat mit Maltit häufiger auf; eine Gewöhnung der Darmflora nach neun Tagen zeigte sich nicht. Einschränkung: nur 12 Teilnehmer. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft; die Verlagsseite zeigt dazu nichts. Interessenkonflikte nicht geprüft.
32EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Aromen (FAF) (2026). Re-evaluation of sucralose (E 955) as a food additive and evaluation of a new application on extension of use of sucralose (E 955) in fine bakery wares. EFSA Journal 24(2):e9854. DOI 10.2903/j.efsa.2026.9854 · PMID 41710869 · PMC12911467 Neubewertung: Die Tagesdosis von 15 mg je kg Körpergewicht bleibt; bei den zugelassenen Verwendungen wird sie nicht überschritten. Keine Sorge wegen Erbgutschäden durch Sucralose; dasselbe gilt laut Gremium für verwandte Verunreinigungen und Abbauprodukte. Sucralose-6-acetat, ein Zwischenprodukt der Herstellung, zeigte in einem Zelltest ein Muster für Chromosomenbrüche, das die Behörde als wenig aussagekräftig einstuft; ein Bakterientest auf Erbgutveränderungen war negativ. Erhitzen: Das BfR hatte 2019 festgehalten, dass Sucralose bei etwa 120 bis 250 °C Chlor abspalten kann; in Backversuchen unter üblichen Bedingungen entstanden kaum Chlorpropanole oder Dioxine, eine Studie von 2024 deutet aber darauf hin, dass beim Backen über 180 °C Bestandteile des Lebensmittels chloriert werden können. Dieselbe Studie erhitzte reine, trockene Sucralose: Schon nach einer Stunde bei 90 °C bräunte sie stark, und nach Einschätzung des Autors entstand Salzsäure; die EFSA nennt die Versuche erkundend. Für Backen, Braten und Rösten zu Hause lässt sich ein Risiko nicht ausschließen; über die beantragte Ausweitung auf feine Backwaren konnte das Gremium nicht entscheiden. Am Volltext gelesen. Einschränkung: Bewertung einer Behörde. Laut Gutachten lief bei Annahme im Dezember 2025 bei der Zeitschrift eine Beschwerde gegen eine der bewerteten Arbeiten zu Sucralose-6-acetat (Beleg 55); die Behörde bezog deren Daten trotzdem ein, hielt sie aber nicht für entscheidend.
33Bonnema AL, Kolberg LW, Thomas W, Slavin JL (2010). Gastrointestinal tolerance of chicory inulin products. Journal of the American Dietetic Association 110(6):865–868. DOI 10.1016/j.jada.2010.03.025 · PMID 20497775 Randomisierte, doppelblinde Studie im Crossover-Verfahren mit 26 gesunden Männern und Frauen (18–60 Jahre): 5 und 10 g Inulin oder Oligofruktose aus der Zichorie zum Frühstück. Beide steigerten Beschwerden leicht, am häufigsten Blähungen; 10 g Oligofruktose deutlich. Bis 10 g Inulin und bis 5 g Oligofruktose wurden gut vertragen. Einschränkung: 26 Gesunde, einzelne Mahlzeiten. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft; in den Verlagsangaben der Metadaten ist der Lebensmittelkonzern Cargill eingetragen. Ein Mitautor arbeitete laut Verlagsseite als leitender Manager bei Cargill – ein möglicher Interessenkonflikt. Die Erklärungen selbst lagen hinter einer Bezahlschranke.
34Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über Lebensmittelzusatzstoffe. Amtsblatt der EU L 354 vom 31.12.2008. EUR-Lex · CELEX 32008R1333 Anhang I Nr. 1: „Süßungsmittel“ sind Stoffe, die zum Süßen von Lebensmitteln und in Tafelsüßen verwendet werden. Art. 23 Abs. 3: Tafelsüßen mit mehrwertigen Alkoholen tragen den Hinweis „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“, solche mit Aspartam „Enthält eine Phenylalaninquelle“. Einschränkung: gelesen in der Fassung von 2008; spätere Änderungen der Anhänge habe ich nicht geprüft.
35Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Glossar: Acceptable daily intake (ADI). efsa.europa.eu · Glossar, geprüft im Oktober 2026 Die akzeptable Tagesdosis ist eine Schätzung der Menge eines Stoffes in Lebensmitteln oder Trinkwasser, die täglich ein Leben lang aufgenommen werden kann, ohne ein nennenswertes Gesundheitsrisiko darzustellen. Einschränkung: Begriffsbestimmung, keine Bewertung.
36Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Themenseite Sweeteners, zuletzt überprüft am 17. Februar 2026. efsa.europa.eu · Sweeteners, geprüft im Oktober 2026 Die EFSA bewertet die Sicherheit aller Süßungsmittel neu, die schon vor dem 20. Januar 2009 in Lebensmitteln zugelassen waren. Einschränkung: Übersichtsseite; der Stand einzelner Bewertungen ist dort teils veraltet, siehe Beleg 43.
37EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Aromen (FAF) (2025). Re-evaluation of acesulfame K (E 950) as food additive. EFSA Journal 23(4):e9317. DOI 10.2903/j.efsa.2025.9317 · PMID 40309404 · PMC12041894 Neue Tagesdosis 15 mg je kg Körpergewicht, abgeleitet aus der höchsten Dosis ohne schädliche Wirkung in einer Langzeitstudie an Ratten; sie ersetzt den früheren Wert von 9 mg. Die höchsten Schätzungen der Aufnahme lagen in allen Altersgruppen im Allgemeinen darunter. Bei einem pH-Wert unter 3 und steigender Temperatur wird ein Teil abgebaut; für eine mögliche Verunreinigung empfiehlt die Behörde einen Grenzwert. Einschränkung: Bewertung einer Behörde; gelesen habe ich die Kurzfassung in PubMed.
38EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Aromen (FAF) (2024). Re-evaluation of saccharin and its sodium, potassium and calcium salts (E 954) as food additives. EFSA Journal 22(11):e9044. DOI 10.2903/j.efsa.2024.9044 · PMID 39553702 · PMC11565076 Neue Tagesdosis 9 mg je kg Körpergewicht, gerechnet als freies Saccharin; sie ersetzt den früheren Wert von 5 mg, gerechnet als Natriumsaccharin, was 3,8 mg freiem Saccharin entspricht. Die Aufnahme lag auch bei den 5 Prozent mit dem höchsten Verzehr darunter. Bewertet wurde nur eines von zwei Herstellungsverfahren; für Verunreinigungen aus dem anderen sah die Behörde einen Verdacht auf Erbgutschäden. Einschränkung: Bewertung einer Behörde; gelesen habe ich die Kurzfassung in PubMed.
39EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Nährstoffquellen (ANS) (2013). Scientific Opinion on the re-evaluation of aspartame (E 951) as a food additive. EFSA Journal 11(12):3496. DOI 10.2903/j.efsa.2013.3496 · efsa.europa.eu Tagesdosis 40 mg je kg Körpergewicht; sie gilt nicht für Menschen mit Phenylketonurie, die Phenylalanin nicht abbauen können. Einschränkung: gelesen habe ich die Zusammenfassung auf der EFSA-Seite.
40Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) (2026). Re-evaluation of salt of aspartame-acesulfame (E 962) as a food additive. Angenommen am 1. Juli 2026, veröffentlicht am 10. September 2026. DOI 10.2903/j.efsa.2026.10259 · efsa.europa.eu · Mitteilung · Kurzfassung in einfacher Sprache, geprüft im Oktober 2026 Bei der Bewertung des Salzes aus Aspartam und Acesulfam hat die EFSA Giftigkeit und Aufnahme von Aspartam mit Literatur bis Juni 2025 neu geprüft: Die Tagesdosis von 40 mg je kg Körpergewicht gilt weiter, laut Kurzfassung ohne ursächlichen Zusammenhang mit Krebs oder Herz-Kreislauf-, Leber-, Nieren- und Nervenwirkungen. Die Aufnahme liegt in allen Altersgruppen unter den Tagesdosen der Bestandteile. Einschränkung: Gelesen habe ich Mitteilung und Kurzfassung, nicht das vollständige Gutachten; wie die Einstufung der IARC in die Schlussfolgerung einging, beschreibt die Kurzfassung nicht.
41US-Bundesvorschriften, 21 CFR 189.135: Cyclamate and its derivatives. ecfr.gov · 21 CFR 189.135, geprüft im Oktober 2026 Cyclamat süßt 30- bis 40-mal so stark wie Haushaltszucker. Lebensmittel mit zugesetztem oder nachweisbarem Cyclamat gelten in den USA als verfälscht; Grundlage ist eine Anordnung im US-Bundesregister vom 21. Oktober 1969. Einschränkung: Rechtsvorschrift; einen Grund für das Verbot nennt sie nicht.
42Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss der EU (SCF) (2000). Revised opinion on cyclamic acid and its sodium and calcium salts. Gutachten vom März 2000. food.ec.europa.eu · Gutachten als PDF, geprüft im Oktober 2026 Tagesdosis 0 bis 7 mg je kg Körpergewicht, gerechnet als Cyclamsäure, abgeleitet aus Schäden an den Hoden von Ratten durch das Abbauprodukt Cyclohexylamin. Einschränkung: Bewertung aus dem Jahr 2000; die EFSA bewertet Cyclamat derzeit neu (Beleg 43).
43Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) (2026). Update on the re-evaluation of sweeteners. Sitzungsunterlage vom 1. und 2. Juli 2026. efsa.europa.eu · Sitzungsunterlage als PDF, geprüft im Oktober 2026 Stand der Neubewertungen: Cyclamat soll bis Juni 2027 abgeschlossen sein; für Sorbit, Mannit, Isomalt, Maltit, Lactit und Xylit entsteht 2026 ein eigenes Prüfprotokoll, Daten konnten bis Ende Juni 2026 eingereicht werden. Einschränkung: Arbeitsunterlage einer Sitzung, keine abschließende Bewertung; Zeitpläne können sich ändern.
44EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Aromen (FAF) (2024). Scientific opinion on the extension of the authorisation of use of the food additive steviol glycosides (E 960a-d) and the modification of the acceptable daily intake (ADI) for steviol. EFSA Journal 22(11):e9045. DOI 10.2903/j.efsa.2024.9045 · PMID 39502654 · PMC11533382 Beantragt war, die Tagesdosis von 4 auf 6 oder 16 mg je kg Körpergewicht (gerechnet als Steviol) anzuheben und die Verwendung auszuweiten. Die EFSA sah keine ausreichende Begründung für eine höhere Tagesdosis; mit der beantragten Ausweitung läge die Aufnahme bei den 5 Prozent der Kleinkinder mit dem höchsten Verzehr noch weiter über der Tagesdosis. Einschränkung: Bewertung einer Behörde zu einem Antrag; gelesen habe ich die Kurzfassung in PubMed.
45Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel. Amtsblatt der EU L 404 vom 30.12.2006. EUR-Lex · CELEX 32006R1924 Anhang: „zuckerfrei“ ist nur zulässig, wenn das Produkt nicht mehr als 0,5 g Zucker pro 100 g beziehungsweise 100 ml enthält; „zuckerarm“ bei höchstens 5 g je 100 g in festen und 2,5 g je 100 ml in flüssigen Lebensmitteln. Einschränkung: gelesen in der Ursprungsfassung; spätere Änderungen des Anhangs habe ich nicht geprüft.
46Russell C, Baker P, Grimes C, Lindberg R, Lawrence MA (2023). Global trends in added sugars and non-nutritive sweetener use in the packaged food supply: drivers and implications for public health. Public Health Nutrition 26(5):952–964. DOI 10.1017/S1368980022001598 · PMID 35899782 · PMC10346066 Auswertung von Verkaufsdaten des Marktforschers Euromonitor von 2007 bis 2019: Die pro Kopf mit Getränken verkaufte Menge an Süßstoffen stieg weltweit um 36 Prozent; Zucker aus Getränken sank in Ländern mit hohem Einkommen um 22 Prozent und stieg in Ländern mit mittlerem Einkommen. Zucker aus verpackten Lebensmitteln stieg weltweit um 9 Prozent. Einschränkung: Verkaufsdaten, keine Verzehrmessung; online 2022 erschienen. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft. Interessenkonflikte nicht geprüft.
47Röytiö H, Ouwehand AC (2014). The fermentation of polydextrose in the large intestine and its beneficial effects. Beneficial Microbes 5(3):305–313. DOI 10.3920/BM2013.0065 · PMID 24736314 Kurze Übersichtsarbeit: Polydextrose, ein stark verzweigtes Glukose-Polymer, wird im oberen Verdauungstrakt nicht verdaut und im Dickdarm von den Darmbakterien teilweise vergoren – langsam, mit mäßigen Mengen an kurzkettigen Fettsäuren und Gas. Einschränkung: kurze Übersicht; gelesen habe ich die Kurzfassung in PubMed. Beide Autoren arbeiteten laut PubMed bei der Ernährungssparte des Chemiekonzerns DuPont – ein möglicher Interessenkonflikt. Geldgeber und Erklärungen nicht geprüft.
48Livesey G (2003). Health potential of polyols as sugar replacers, with emphasis on low glycaemic properties. Nutrition Research Reviews 16(2):163–191. DOI 10.1079/NRR200371 · PMID 19087388 Übersichtsarbeit mit Auswertung von Studien zu Blutzucker und Insulin: glykämischer Index von Erythrit 0, Mannit 0, Lactit 6, Sorbit 9, Isomalt 9, Xylit 13, Maltit 35 und Polyglycitol 39 – gegenüber 65 für Haushaltszucker und 100 für Traubenzucker. Einschränkung: Übersicht eines einzelnen Autors; laut PubMed arbeitete er für ein eigenes Beratungsunternehmen. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft; im abrufbaren Text steht keine Erklärung. Interessenkonflikte nicht geprüft. Als Datenquellen nennt der Autor unter anderem unveröffentlichte Ergebnisse der Firma Cerestar, die Erythrit verkaufte, und Daten der Palatinit GmbH, einer Tochter des Zuckerkonzerns Südzucker, die Isomalt herstellt.
49EFSA-Gremium für Ernährung, neuartige Lebensmittel und Lebensmittelallergene (NDA) (2025). Safety of D-allulose as a novel food pursuant to Regulation (EU) 2015/2283. EFSA Journal 23(6):e9468. DOI 10.2903/j.efsa.2025.9468 · PMID 40487234 · PMC12138449 Die EFSA forderte zu Identität, Herstellung, Verwendung, Erbgutschäden und Studien am Menschen Daten nach; der Antragsteller antwortete trotz mehrfacher Nachfrage nicht. Ergebnis: Die Sicherheit von Allulose als neuartiges Lebensmittel kann nicht festgestellt werden. Einschränkung: Das Urteil beruht auf fehlenden Daten, nicht auf einem nachgewiesenen Schaden. Eine Zulassung in der EU habe ich nicht gefunden; die Unionsliste selbst habe ich nicht geprüft.
50EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Aromen (FAF) (2019). Safety of use of Monk fruit extract as a food additive in different food categories. EFSA Journal 17(12):e05921. DOI 10.2903/j.efsa.2019.5921 · PMID 32626208 Die Datenlage zur Giftigkeit des Extrakts aus Mönchsfrucht reichte nicht aus, um über seine Sicherheit als Zusatzstoff zu entscheiden. Einschränkung: gelesen habe ich die Kurzfassung in PubMed; eine Zulassung als Süßungsmittel in der EU habe ich nicht gefunden.
51Wölnerhanssen BK, Cajacob L, Keller N et al. (2016). Gut hormone secretion, gastric emptying, and glycemic responses to erythritol and xylitol in lean and obese subjects. American Journal of Physiology – Endocrinology and Metabolism 310(11):E1053–E1061. DOI 10.1152/ajpendo.00037.2016 · PMID 27117004 Randomisierte Studie mit zehn schlanken und zehn übergewichtigen Freiwilligen: 75 g Traubenzucker, 50 g Xylit, 75 g Erythrit in 300 ml Wasser oder nur Wasser, über eine Magensonde gegeben. Erythrit veränderte Blutzucker und Insulin nicht, Xylit nur wenig; beide setzten Sättigungshormone aus dem Darm frei und verlangsamten die Magenentleerung. Einschränkung: 20 Teilnehmer, Gabe über eine Sonde statt Essen, einmaliger Test. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft; die Verlagsseite war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar. Interessenkonflikte nicht geprüft.
52Heianza Y, Rood JC, Champagne CM et al. (2026). Declines in plasma erythritol and improvements in cardiovascular disease risk and atherogenic lipid profiles: a 2-year randomized weight-loss dietary intervention trial. The American Journal of Clinical Nutrition 124(5):101528. DOI 10.1016/j.ajcnut.2026.101528 · PMID 42759771 Beobachtende Auswertung einer zweijährigen Diätstudie mit Erwachsenen mit Übergewicht (Messungen zu Beginn bei rund 800, Veränderungen bei rund 665). Höhere Ausgangswerte von Erythrit und anderen Zuckeralkoholen im Blut gingen mit einem höheren geschätzten Zehn-Jahres-Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher; ein stärkerer Rückgang des Erythrit-Werts in den ersten sechs Monaten mit einem stärkeren Rückgang dieses Risikos und günstigeren Blutfetten. Einschränkung: beobachtende Auswertung innerhalb einer Studie, das Risiko ist geschätzt, nicht gezählt. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft; laut den Verlagsangaben in den Metadaten US-Gesundheitsinstitute und die American Diabetes Association. Interessenkonflikte nicht geprüft.
53Sun Y, Sun D, Wu J, Peng Z, Jin J (2025). Role of erythritol in coronary heart disease, ischemic stroke, and venous thromboembolism: A Mendelian randomization analysis. Medicine 104(43):e45187. DOI 10.1097/MD.0000000000045187 · PMID 41137360 · PMC12558269 Mendelsche Randomisierung, also eine Auswertung, die Genvarianten als natürliches Experiment nutzt: 60 Genvarianten, die mit höheren Erythrit-Werten im Blut zusammenhängen (aus Daten von 8167 Europäern), und Erkrankungsdaten aus Finnland. Genetisch höhere Erythrit-Werte gingen mit mehr Erkrankungen der Herzkranzgefäße (1,08-fach) und Schlaganfällen durch Gefäßverschluss (1,16-fach) einher. Einschränkung: Die Genvarianten bestimmen den Erythrit, den der Körper selbst bildet, nicht den aus dem Essen. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – laut Volltext keine Finanzierung; die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.
54Zhong A, Yu F, Xia C et al. (2026). Risk of Erythritol-Associated Ischemic Stroke: Integrated Genetic, Transcriptomic, and Machine Learning Evidence. International Journal of Molecular Sciences 27(17):7811. DOI 10.3390/ijms27177811 · PMID 42737708 · PMC13566553 Mendelsche Randomisierung und weitere Auswertungen: Genetisch höhere Erythrit-Werte gingen mit mehr Schlaganfällen durch Gefäßverschluss einher (1,25-fach, 95-%-Konfidenzintervall 1,10–1,41). Die Autoren schreiben selbst, dass das nicht als direkter Beleg gelten darf, dass Erythrit aus dem Essen Schlaganfälle verursacht. Einschränkung: wie Beleg 53; die weiteren Auswertungen nennen die Autoren erkundend. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – laut Volltext die Nationale Stiftung für Naturwissenschaften Chinas; die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.
55Schiffman SS, Scholl EH, Furey TS, Nagle HT (2023). Toxicological and pharmacokinetic properties of sucralose-6-acetate and its parent sucralose: in vitro screening assays. Journal of Toxicology and Environmental Health, Part B 26(6):307–341. DOI 10.1080/10937404.2023.2213903 · PMID 37246822 Laborstudie: Sucralose-6-acetat, ein Zwischenprodukt und eine Verunreinigung bei der Herstellung von Sucralose, fand sich in Sucralose aus dem Handel zu bis zu 0,67 Prozent. In zwei Zelltests schädigte es das Erbgut (Chromosomenbrüche); an Darmgewebe im Labor aktivierte es Gene für Entzündung und oxidativen Stress, und Sucralose wie Sucralose-6-acetat schwächten die Darmbarriere. Einschränkung: Zell- und Gewebeversuche, keine Studie am Menschen. Die EFSA hält die Zelltests für wenig aussagekräftig; laut EFSA lief bei der Zeitschrift eine Beschwerde gegen die Arbeit; öffentlich unternommen hatte die Zeitschrift bis Dezember 2025 nichts (Beleg 32). Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, laut den Verlagsangaben in den Metadaten eine Stiftung der North Carolina State University; ein Mitautor arbeitet laut denselben Angaben bei der Firma Sciome. Interessenkonflikte nicht geprüft.
56Gonçalves NG, Martinez-Steele E, Lotufo PA et al. (2025). Association Between Consumption of Low- and No-Calorie Artificial Sweeteners and Cognitive Decline: An 8-Year Prospective Study. Neurology 105(7):e214023. DOI 10.1212/WNL.0000000000214023 · PMID 40902134 Beobachtungsstudie mit 12.772 Angestellten des öffentlichen Dienstes in Brasilien (im Mittel 52 Jahre), Verzehr per Fragebogen, Denktests über acht Jahre. Unter 60-Jährige im höchsten Drittel des Verzehrs bauten bei Wortflüssigkeit und gesamter Denkleistung schneller ab; bei über 60-Jährigen kein Zusammenhang. Einzeln gingen Aspartam, Saccharin, Acesulfam-K, Erythrit, Sorbit und Xylit mit schnellerem Abbau einher. Einschränkung: Beobachtungsstudie mit Selbstauskunft; die Autoren nennen Auswahlverzerrung durch Ausscheiden und verbleibende Störfaktoren. Geldgeber in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft; die Verlagsseite war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar. Interessenkonflikte nicht geprüft.
57Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. Amtsblatt der EU L 136 vom 25.05.2012. EUR-Lex · CELEX 32012R0432 Für Lebensmittel, in denen Zucker durch Süßstoffe, Xylit, Sorbit, Mannit, Maltit, Lactit, Isomalt, Erythrit, Sucralose oder Polydextrose ersetzt ist, sind zwei Angaben zugelassen: Sie tragen statt Zucker zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei, und sie lassen den Blutzucker nach dem Verzehr weniger steigen als zuckerhaltige Lebensmittel. Eine eigene Angabe nur für Xylit gibt es nicht. Einschränkung: Gelesen habe ich die amtliche englische Fassung; der deutsche Wortlaut war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht vollständig abrufbar.
Was auf dieser Seite fehlt – und warum Eine Studie, die Menschen über Jahre mit und ohne Erythrit im Essen vergleicht, gibt es nicht; die Frage zum Herz bleibt deshalb offen. Langzeitversuche mit Süßstoffen zu Herzinfarkt, Krebs oder Gedächtnis fehlen ebenso, dort gibt es nur Beobachtungsstudien. Fast alle Versuche prüften ein Süßungsmittel allein, im Handel stecken meist mehrere zusammen; Kinder, Ältere und Menschen mit Darmerkrankungen sind kaum untersucht. Bei mehreren Arbeiten habe ich Geldgeber und Interessenkonflikte nicht selbst gelesen; dort steht „nicht geprüft“. Die Marktübersicht gibt Hersteller- und Händlerangaben wieder, keine Messungen. Lieber eine ehrliche Lücke als eine Angabe, für die niemand geradesteht.
Zum Schluss, in eigener Sache Ich bin Personal Trainer, kein Arzt. Ich behandle nichts – ich trainiere um Beschwerden herum und Schritt für Schritt in mehr Belastbarkeit hinein. Wo ärztliche Freigabe nötig ist, fange ich ohne sie nicht an. Diese Seite erklärt, was Studien zeigen, und ersetzt keine ärztliche Beratung.