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die fittermacher
Trainingspause
Wissen · Stefan Trost
Trainingspause · Muskelerhalt · Detraining

Ein, zwei oder drei Wochen keinen Sport?
Du verlierst fast nichts.

Was in einer Trainingspause wirklich mit Deiner Muskulatur passiert

Du bist erkältet, Du musst beruflich weg, Du kommst diese Woche einfach nicht ins Studio — und im Kopf läuft sofort der Film: „Morgen bin ich flach."

Dieser Film ist falsch. Nicht ein bisschen ungenau, sondern grundlegend falsch. Die Muskulatur, für die Du monatelang gearbeitet hast, verschwindet nicht in sieben Tagen. Sie verschwindet nicht einmal in vierzehn. Diese Seite zeigt Dir, was stattdessen passiert, woran Du den Unterschied erkennst — und welche wenigen Dinge in einer Pause tatsächlich etwas bringen.

3
Wochen hält Deine Maximalkraft
0
Muskelverlust bei normalem Alltag in Woche 1
1
Stellschraube, die wirklich zählt

Die Trainingspause in Fragen und Antworten

Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost

Sieben Fragen, kurz beantwortet

Die ausführlichen Antworten stehen weiter unten. Wenn Du nur zwei Minuten hast, reicht dieser Kasten.

„Wie schnell verliere ich Muskeln, wenn ich nicht trainiere?"
Viel langsamer, als Du denkst. Eine Übersicht der Detraining-Forschung kommt zu dem Schluss, dass Maximalkraft bei Trainierten rund drei Wochen ohne Krafttraining gehalten werden kann. Erst danach geht es spürbar abwärts.
„Aber ich sehe doch schon nach drei Tagen flacher aus!"
Das ist kein Muskel. Das ist Glykogen — der Zuckerspeicher im Muskel — mit dem Wasser, das daran gebunden ist. Der füllt sich innerhalb weniger Trainingseinheiten wieder auf.
„Warum lese ich dann überall von Verlusten nach einer Woche?"
Weil diese Studien mit Gips arbeiten. Eine belgische Arbeitsgruppe legte Probanden zwei Wochen einen Vollgips an — da fiel der Oberschenkelquerschnitt um rund zehn Prozent. Mit einer Trainingspause im normalen Alltag hat das nichts zu tun.
„Was ist dann überhaupt gefährlich?"
Das Sofa, nicht die ausgefallene Einheit. Wer zwei Wochen unter 1500 Schritte am Tag fällt, verliert messbar Beinmuskulatur. Wer normal weiterläuft und nur das Krafttraining auslässt, nicht.
„Soll ich krank trainieren gehen, um nichts zu verlieren?"
Nein. Du gewinnst in dieser Einheit nichts, was Du nicht auch zwei Wochen später bekommst — und Du riskierst, die Erkältung zu verlängern. Es gibt keinen Muskel, der das wert wäre.
„Hilft Kreatin, damit ich in der Pause nichts verliere?"
Zum Halten nicht. Eine niederländische Arbeitsgruppe hat genau das geprüft — mit Ladephase vor der Ruhigstellung. Der Verlust war in beiden Gruppen gleich groß. Beim Zurückkommen sieht die Sache anders aus.
„Fange ich nach der Pause wieder bei null an?"
Auf keinen Fall. Trainierte Muskulatur ist vorgeprägt und reagiert beim Wiedereinstieg schneller als beim ersten Mal. Die Forschung nennt das Muskelgedächtnis.
01Die Angst

Was die Panik anrichtet

Vielleicht kennst Du die Szene: Die Nase läuft, der Husten sitzt — und Du stehst trotzdem an der Beinpresse.

Und im Kopf: „Geht schon. Wenn ich jetzt eine Woche aussetze, ist alles weg.“

Das ist der Punkt, an dem aus einer harmlosen Vorstellung ein echtes Problem wird. Denn diese Angst kostet nicht nichts. Sie kostet:

✕Erkältungen, die länger dauern. Wer angeschlagen trainiert, verschiebt die Genesung nach hinten. Aus drei Tagen werden zehn — und dann fehlen Dir wirklich zwei Wochen statt einer.
✕Verletzungen aus Ungeduld. Wer nach einer Pause sofort dort weitermacht, wo er aufgehört hat, weil er „aufholen" will, trifft auf eine Muskulatur, die zwar noch da ist — aber auf eine Ansteuerung, die ein paar Einheiten braucht.
✕Ein Verhältnis zum Training, das nicht trägt. Wer glaubt, ein einzelner ausgefallener Termin mache alles kaputt, hört irgendwann ganz auf. Weil dieser Druck auf Dauer niemand aushält.
✓Was es Dir nicht kostet: Deine Muskulatur. Die hat mit dem einen ausgefallenen Termin nichts zu tun — und das ist der Rest dieser Seite.
Warum sich diese Angst so hartnäckig hält Weil sie sich im Spiegel bestätigt. Nach drei Tagen ohne Training siehst Du tatsächlich flacher aus. Nur ist das kein Muskelverlust — es ist ein leerer Zuckerspeicher. Kapitel 03 erklärt den Unterschied. Der Spiegel lügt hier nicht, er misst nur etwas anderes als das, was Du zu sehen glaubst.
02Woche für Woche

Eine Woche. Zwei Wochen. Drei Wochen.

Jetzt wird es konkret. Alle Angaben gelten für den Fall, um den es hier geht: Du trainierst nicht, aber Du lebst normal weiter. Du gehst zur Arbeit, Du läufst durch die Stadt, Du steigst Treppen. Was passiert, wenn Du stattdessen flach liegst, steht in Kapitel 04 — das ist eine ganz andere Geschichte.

W1

Woche 1 — nichts passiert

Keine messbare Abnahme der Muskelmasse. Keine messbare Abnahme der Kraft. In einer finnischen Untersuchung wurden zwei Trainingsblöcke von je fünf Wochen durch eine zweiwöchige Pause getrennt und mit zehn Wochen durchgehendem Training verglichen — die Pausengruppe stand am Ende nicht schlechter da.

Was sich verändert: Der Glykogenspeicher im Muskel läuft etwas leer, weil Du ihn nicht mehr täglich anzapfst und wieder auffüllst. Das Wasser, das daran gebunden ist, geht mit. Du siehst flacher aus und bist es nicht.

Was Du außerdem bekommst: Sehnen, Bänder und Gelenke erholen sich. Das Nervensystem auch. Wer vorher über Wochen hart trainiert hat, geht aus Woche 1 oft stärker heraus, als er hineingegangen ist.

W2

Woche 2 — immer noch fast nichts

Kraft und Muskelmasse bleiben bei Trainierten über zwei Wochen weitgehend erhalten. Bei zwölf Kraftsportlern — eine kleine Studie ohne Vergleichsgruppe — änderten sich nach zwei Wochen ohne Krafttraining Bankdrücken, Kniebeuge und Sprung um höchstens zwei Prozent, statistisch nicht bedeutsam, also nicht sicher vom Zufall zu unterscheiden. Zwei Werte sanken aber messbar: die Kraft des Oberschenkels beim Abbremsen einer Bewegung um 12 Prozent und der Querschnitt der schnellen Muskelfasern um gut 6 Prozent.

Was sich verändert: Die Ausdauerseite reagiert schneller als die Kraftseite. Enzyme, die für die Sauerstoffverwertung zuständig sind, fallen ab. Deine Kondition lässt vor Deiner Kraft nach — deshalb fühlt sich die erste Einheit danach anstrengender an, obwohl die Gewichte noch sitzen.

Das Gefühl täuscht also in beide Richtungen: Du siehst flacher aus, obwohl der Muskel fast ganz da ist. Und Du kommst schneller außer Atem, obwohl die Kraft im Wesentlichen bleibt.

W3

Woche 3 — die Grenze, nicht der Absturz

Hier liegt die Schwelle. Eine Zusammenschau der Detraining-Literatur kommt zu dem Schluss, dass Maximalkraft bis etwa drei Wochen ohne Krafttraining gehalten werden kann und die Abbauraten erst danach ansteigen.

„Danach" heißt nicht „Absturz". Es heißt: Ab jetzt beginnt eine langsame Abwärtsbewegung, die sich über Wochen zieht — nicht über Tage. Der Muskelquerschnitt hält dabei typischerweise länger durch als die Leistung im Satz.

Und von hier aus geht es wieder zurück zu Woche 1 — denn was Du in drei Wochen nicht verloren hast, musst Du auch nicht zurückerobern. Wie schnell der Wiedereinstieg geht, steht in Kapitel 07.

Was diese Zahlen nicht sagen Sie gelten für Trainierte mit normalem Alltag. Wer gerade erst angefangen hat, verliert die frühen Zugewinne etwas schneller — allerdings waren die ersten Wochen ohnehin überwiegend Nervensystem und nicht Muskelmasse, und genau das kommt beim Wiedereinstieg am schnellsten zurück. Und: Wer in der Pause flach liegt statt herumzulaufen, steht in einem anderen Szenario. Dazu Kapitel 04.
03Der Spiegel

Was wirklich schrumpft — und was nur so aussieht

Das ist der Teil, der die meisten überrascht: Der Effekt, den Du nach ein paar Tagen im Spiegel siehst, hat mit Muskelgewebe nichts zu tun.

Was zuerst geht

Glykogen und Wasser

Dein Muskel speichert Zucker in Form von Glykogen. An jedes Gramm davon bindet sich ein Mehrfaches an Wasser. Trainierst Du nicht, entleert sich der Speicher teilweise — und das Wasser geht mit.

Das kostet Umfang und Fülle, aber keine einzige Muskelfaser. Nach wenigen Einheiten mit normaler Ernährung ist beides zurück.

Was als zweites geht

Die Ansteuerung

Ein großer Teil Deiner Kraft ist Nervensache: wie viele Fasern Dein Gehirn gleichzeitig abruft, wie sauber die Bewegung läuft. Diese Verschaltung wird unschärfer, wenn Du sie nicht nutzt.

Deshalb fühlt sich die erste Einheit danach wacklig an — der Muskel kann noch, die Steuerung ist nur eingerostet. Das sind ein bis zwei Einheiten, keine Wochen.

Was zuletzt geht

Die Muskelfaser selbst

Das kontraktile Gewebe — die Fasern, die tatsächlich Kraft erzeugen — ist der trägste Teil des Systems. Es wurde über Monate aufgebaut und wird nicht in Tagen abgebaut.

Genau hier ist in den ersten zwei bis drei Wochen am wenigsten los. Was Du siehst und fühlst, sind die beiden schnelleren Ebenen darüber.

Der Satz, den ich mir dafür angewöhnt habe Du verlierst zuerst die Verpackung, dann die Bedienungsanleitung — und erst viel später den Inhalt. Verpackung und Anleitung sind in ein bis zwei Wochen wieder da. Der Inhalt war nie weg.
04Der Unterschied

Die Verwechslung, auf der das ganze Missverständnis beruht

Es gibt sehr wohl Forschung, die dramatische Zahlen liefert. Nur untersucht sie etwas anderes, als Du gerade erlebst. Drei Szenarien werden ständig in einen Topf geworfen — und sie unterscheiden sich fundamental.

SzenarioWas passiertWas gemessen wurde
Vollgips
Immobilisation
Das Bein wird komplett ruhiggestellt. Kein Stehen, kein Gehen, keine Belastung — null Reiz, rund um die Uhr. Nach zwei Wochen Vollgips fiel der Oberschenkelquerschnitt um rund zehn Prozent, die Maximalleistung um ein Viertel.
Sofa
Schrittreduktion
Du läufst noch, aber kaum. Unter 1500 Schritte am Tag — das ist Wohnung, Kühlschrank, Bett. Nach zwei Wochen unter 1500 Schritten verloren junge Gesunde rund 2,8 Prozent Beinmagermasse. Bei über 70-Jährigen waren es 3,9 Prozent.
Trainingspause
normaler Alltag
Du gehst nicht ins Studio, lebst aber normal: Arbeit, Wege, Treppen, Einkauf. Das ist der Fall, den die meisten meinen. Kraft und Muskelmasse bleiben bei Trainierten über zwei Wochen erhalten, Maximalkraft bis etwa drei Wochen.

Lies die mittlere Zeile noch einmal. Nicht das fehlende Krafttraining war dort der Treiber, sondern das fehlende Gehen. In der Untersuchung bei den Älteren sank zusätzlich die Fähigkeit, auf eine Mahlzeit mit Muskelaufbau zu reagieren, um gut ein Viertel — und die Insulinempfindlichkeit nach dem Essen deutlich stärker.

Daraus folgt die vielleicht wichtigste praktische Aussage dieser ganzen Seite:

Die eine Stellschraube Wenn Du in einer Trainingspause nur eine einzige Sache richtig machst, dann ist es: weiter gehen. Nicht trainieren — gehen. Schritte sammeln, Treppen nehmen, zu Fuß zum Termin. Das ist der Hebel, der zwischen „nichts passiert" und „es passiert etwas" entscheidet. Und das geht an jedem Ort, zu jeder Zeit, ohne Ausrüstung.

Eine Einschränkung, die dazugehört: Die Schrittreduktions-Untersuchung bei den Älteren hatte zehn Teilnehmer. Das ist eine kleine Gruppe. Die Richtung deckt sich allerdings mit den Befunden bei jungen Gesunden, und der Mechanismus dahinter ist gut beschrieben.

05Protein

Warum mehr Eiweiß nicht die Lösung ist, die Du erwartest

Die naheliegende Reaktion lautet: Wenn ich nicht trainieren kann, schraube ich eben das Eiweiß hoch. Das klingt logisch — und greift am Problem vorbei.

Der Verlust bei Bewegungsmangel entsteht nämlich nicht dadurch, dass mehr abgebaut wird. Er entsteht dadurch, dass weniger aufgebaut wird. Genauer: Deine Muskulatur reagiert auf dieselbe Portion Eiweiß schwächer als sonst. Die Fachwelt nennt das anabole Resistenz — man könnte es Taubheit gegenüber dem Reiz nennen.

Bei den Älteren mit stark reduzierter Schrittzahl fiel die Muskelaufbaurate nach einer Mahlzeit um gut ein Viertel. Nicht die Nüchternrate — die nach dem Essen. Genau die Antwort auf das Eiweiß war stumpfer geworden.

Wenn aber die Antwort das Problem ist und nicht der Nachschub, dann löst mehr Nachschub wenig. Eine Zusammenschau der Studien zu Eiweiß- und Aminosäurengabe bei Ruhigstellung kommt entsprechend zu dem Ergebnis, dass sich aus der sehr unterschiedlichen Studienlage kein klarer Nutzen ableiten lässt.

Was das heißt

Eiweiß bleibt wichtig — als Grundlage

Deine gewohnte Eiweißmenge beizubehalten ist richtig und sinnvoll. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt etwas aufgebaut werden kann.

Was nicht funktioniert, ist das Hochfahren als Ersatz für Belastung. Du kannst einen fehlenden Reiz nicht essen.

Was stattdessen wirkt

Ein bisschen Last schlägt viel Eiweiß

Die Taubheit gegenüber dem Reiz lässt sich mit Belastung zurückdrehen — und zwar mit erstaunlich wenig. In der Forschung zur Schrittreduktion zeigte sich, dass auch niedrige Lasten, gelegentlich ausgeführt, die Ansprechbarkeit wiederherstellen.

Das Volumen, um Muskulatur zu halten, ist ein Bruchteil dessen, was Du zum Aufbauen brauchst. Ein paar Sätze pro Woche, mit was auch immer gerade da ist.

Für die Reisewoche heißt das konkret Eiweiß wie immer. Schritte sammeln. Und wenn sich im Hotelzimmer oder im Park zwei-, dreimal ein paar Sätze einbauen lassen — Liegestütze, Kniebeugen, was der Raum hergibt —, hast Du mehr getan, als jede Eiweißerhöhung leisten könnte. Perfektion ist hier ausdrücklich nicht das Ziel.
06Die Mittel

Kreatin, Omega-3 und der Rest — was belegt ist

Jetzt zu dem Teil, bei dem im Netz am meisten versprochen wird. Ich gehe das der Reihe nach durch — und sage auch, wo nichts ist.

Kreatin · Teil 1

Zum Halten: bringt nichts

Das ist sauber untersucht. Eine niederländische Arbeitsgruppe gab dreißig gesunden jungen Männern fünf Tage lang Kreatin in Ladedosis, bevor ein Bein für sieben Tage in den Vollgips kam.

Das Ergebnis: Der Oberschenkelquerschnitt fiel in beiden Gruppen praktisch identisch. Die Kraft ebenfalls. Auch bei denen, deren Kreatinspeicher im Muskel nachweislich deutlich gestiegen war, zeigte sich kein Erhalt.

Kreatin · Teil 2

Zum Zurückkommen: bringt etwas

Dieselbe Substanz, anderes Ergebnis — sobald wieder trainiert wird. Eine belgische Gruppe stellte Probanden zwei Wochen ruhig und schickte sie dann in ein zehnwöchiges Wiederaufbau-Programm.

Während der Ruhigstellung: kein Unterschied. Während des Wiederaufbaus erholten sich Querschnitt und Leistung in der Kreatin-Gruppe schneller.

Die Auflösung des scheinbaren Widerspruchs Zwei saubere Humanstudien, gegensätzliches Ergebnis — und beide haben recht. Der Unterschied ist das Training. Kreatin ist ein Verstärker, kein Konservierungsmittel. Ohne Reiz hat es nichts zu verstärken. Wer Kreatin nimmt, nimmt es also sinnvollerweise durchgehend weiter — nicht, um die Pause zu überbrücken, sondern um beim Wiedereinstieg davon zu profitieren.
Omega-3

Hinweise, aber dünne Datenlage

Hier gibt es tatsächlich etwas. Bei jungen Frauen, die vier Wochen vor und während zweier Wochen Ruhigstellung eine hohe Dosis Fischöl nahmen, blieben Funktion und Gehalt der Mitochondrien — der Kraftwerke der Muskelzelle — erhalten, während sie in der Vergleichsgruppe abfielen.

Der Haken: neun gegen elf Teilnehmerinnen, nur Frauen, und eine Dosis von fünf Gramm EPA und DHA zusammen. Das ist ein Vielfaches dessen, was in üblichen Kapseln steckt. Und der Vorlauf betrug vier Wochen — für eine spontane Reisewoche ist das nicht umsetzbar.

Der Rest

Wo ich ehrlich nichts anzubieten habe

Für Vitamin D, Magnesium, Zink und die übrigen Kandidaten gibt es keine belastbaren Daten zum Muskelerhalt in einer kurzen Trainingspause. Ein nachgewiesener Mangel gehört behoben — das ist aber eine andere Frage als die hier gestellte.

Das ist keine Ablehnung, sondern eine Leerstelle. Wer Dir für diese Woche ein Präparat verkauft, das Deine Muskulatur rettet, verkauft Dir etwas, das niemand untersucht hat.

Die unbequeme Gesamtbilanz Von allen Mitteln, die in diesem Zusammenhang beworben werden, hat kein einziges einen belegten Effekt auf den Muskelerhalt während einer kurzen Pause. Was belegt ist, betrifft das Zurückkommen und die Mitochondrien. Das ist nicht nichts — es ist nur etwas anderes als das, was versprochen wird. Die wirksamen Maßnahmen in dieser Woche kosten kein Geld: gehen, normal essen, gelegentlich ein paar Sätze.
07Zurückkommen

Dein Muskel erinnert sich

Selbst wenn Du länger weg warst, als auf dieser Seite behandelt wird — Du fängst nicht bei null an. Und das ist keine Motivationsfloskel, sondern ein beschriebenes Phänomen mit einem Namen: Muskelgedächtnis.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschreibt zwei Ebenen, auf denen das funktioniert. Die eine ist zellulär, die andere epigenetisch — vereinfacht gesagt: Die Steuerungsmarkierungen auf Deiner Erbsubstanz, die bestimmen, welche Gene wie stark abgelesen werden, verändern sich durch Training. Und ein Teil dieser Markierungen bleibt bestehen, auch wenn Du aufhörst.

Eine britische Arbeitsgruppe hat das durchgespielt: sieben Wochen Krafttraining, dann sieben Wochen komplette Trainingspause, dann wieder sieben Wochen Training — mit Muskelproben an jedem Übergang. Die Muskulatur reagierte beim zweiten Mal anders als beim ersten. Sie war vorgeprägt.

Was das praktisch bedeutet Die Zeit, die Du brauchst, um nach einer Pause wieder auf Stand zu sein, ist deutlich kürzer als die Zeit, die Du gebraucht hast, um dorthin zu kommen. Bei ein bis drei Wochen geht es ohnehin um ein paar Einheiten, in denen vor allem Kondition und Ansteuerung wieder in Gang kommen. Viel aufzuholen gibt es nicht, weil kaum etwas verloren ging.
✓Steig mit etwa achtzig Prozent wieder ein. Nicht weil der Muskel das bräuchte, sondern weil Sehnen, Bänder und Ansteuerung ein, zwei Einheiten Vorlauf vertragen. Nach zwei Einheiten bist Du wieder da, wo Du aufgehört hast.
✓Rechne mit mehr Muskelkater als erwartet. Der kommt von der ungewohnten Belastung, nicht von verlorener Substanz. Er ist kein Beweis dafür, dass Du zurückgefallen bist.
✕Kein Aufholprogramm. Zusätzliche Einheiten, um die ausgefallenen „nachzuholen", bringen nichts ein und erhöhen nur das Verletzungsrisiko. Es gibt nichts nachzuholen.
✕Keine Strafkalorien. Die Ernährung in der Pause zusammenzustreichen, weil Du „ja nichts tust", entzieht Deiner Muskulatur genau in der Phase die Grundlage, in der sie ohnehin schwächer auf Eiweiß reagiert.

Vier Zahlen zum Mitnehmen

Das Kurze · Fazit in Zahlen

Jede Zahl mit Quelle und Haken

Die vier Zahlen stammen aus Studien, Stand Oktober 2026. Zu jeder steht, wer untersucht wurde, was herauskam und wo der Haken liegt. Die vollständigen Quellenangaben stehen im Abschnitt darunter.

3 Wochen
So lange hält
Deine Maximalkraft

Eine Zusammenschau der Detraining-Forschung: Bei Trainierten lässt sich Maximalkraft bis etwa drei Wochen ohne Krafttraining halten, erst danach steigen die Abbauraten.

Haken

Eine Einschätzung aus 27 Studien mit Profis aus Rugby und American Football – für Freizeitsportler nicht untersucht, und keine einzelne kontrollierte Studie mit dieser Fragestellung.

McMaster und Kollegen 2013 · Übersichtsarbeit
−10 %
Oberschenkel nach
2 Wochen Vollgips

22 junge Gesunde, Bein komplett ruhiggestellt: Der Querschnitt fiel um rund zehn Prozent, die Maximalleistung um etwa ein Viertel. Das ist die oft zitierte Schreckzahl.

Haken

Vollgips, nicht Trainingspause. Kein Stehen, kein Gehen. Mit Deiner Reisewoche hat das nichts zu tun.

Belgische Arbeitsgruppe · 2001
−2,8 %
Beinmagermasse bei
unter 1500 Schritten

Zwei Wochen stark reduzierte Schrittzahl bei jungen Gesunden. Bei über 70-Jährigen waren es 3,9 Prozent — plus deutlich schlechtere Insulinempfindlichkeit nach dem Essen.

Haken

Hier fehlte das Gehen, nicht das Krafttraining. Die Gruppe der Älteren umfasste zehn Personen — kleine Fallzahl.

Schrittreduktions-Studien
0
Was Kreatin beim
Halten bewirkt

30 junge Männer, Ladephase vor sieben Tagen Vollgips: Querschnitt und Kraft fielen in beiden Gruppen gleich stark. Auch bei nachweislich gefüllten Speichern kein Erhalt.

Haken

Gilt nur fürs Halten. Beim Wiederaufbau mit Training zeigte eine andere Studie sehr wohl einen Vorteil.

Niederländische Arbeitsgruppe · 2017

Jede Zahl auf dieser Seite ist an der Originalarbeit geprüft, nicht aus Sekundärquellen übernommen. Die vollständigen Angaben mit Fundstelle stehen direkt im Anschluss. Wo eine Einschränkung gilt, steht sie oben in derselben Zelle — nicht im Kleingedruckten.

Der eine Satz, wenn Du Dir nur einen merkst Nicht das ausgefallene Training kostet Dich Muskulatur, sondern das Liegenbleiben. Geh weiter Deine Schritte, iss wie immer, und komm in ein, zwei oder drei Wochen entspannt zurück. Dein Körper hat Dich in dieser Zeit nicht vergessen.
08Quellen

Worauf sich das stützt

Alle Arbeiten wurden über PubMed geprüft. Wo eine Einschränkung besteht — kleine Fallzahl, besondere Gruppe, Übertragbarkeit —, steht sie direkt darunter.

Hespel P et al. (2001). Oral creatine supplementation facilitates the rehabilitation of disuse atrophy and alters the expression of muscle myogenic factors in humans. The Journal of Physiology 536:625–633. DOI 10.1111/j.1469-7793.2001.0625c.xd · PMID 11600695 Grundlage für die Zahl „minus zehn Prozent nach zwei Wochen Vollgips" und für den Kreatin-Vorteil beim Wiederaufbau. 22 junge Gesunde, zwei Wochen Gips, anschließend zehn Wochen Trainingsprogramm. Einschränkung: 22 Teilnehmer. Die Ruhigstellung per Vollgips ist nicht mit einer Trainingspause im Alltag vergleichbar.
Backx EMP et al. (2017). Creatine Loading Does Not Preserve Muscle Mass or Strength During Leg Immobilization in Healthy, Young Males: A Randomized Controlled Trial. Sports Medicine 47:1661–1671. DOI 10.1007/s40279-016-0670-2 · PMID 28054322 Grundlage für „Kreatin hält nicht". 30 Männer, fünf Tage Ladephase, sieben Tage Vollgips. Querschnittsverlust in beiden Gruppen gleich, auch bei denen mit nachweislich gestiegenem Muskelkreatin. Einschränkung: Ruhigstellung per Gips. Für eine Trainingspause mit normalem Alltag liegen keine vergleichbaren Daten vor.
Breen L et al. (2013). Two weeks of reduced activity decreases leg lean mass and induces „anabolic resistance" of myofibrillar protein synthesis in healthy elderly. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 98:2604–2612. DOI 10.1210/jc.2013-1502 · PMID 23589526 Grundlage für die Schrittreduktions-Zahlen bei Älteren und für die anabole Resistenz. Schrittzahl um rund 76 Prozent auf etwa 1400 pro Tag reduziert, 14 Tage. Beinmagermasse minus 3,9 Prozent, Muskelaufbaurate nach der Mahlzeit minus rund 26 Prozent. Einschränkung: zehn Teilnehmer, Durchschnittsalter 72 Jahre. Auf jüngere Trainierte nicht direkt übertragbar.
Miotto PM, McGlory C et al. (2019). Supplementation with dietary ω-3 mitigates immobilization-induced reductions in skeletal muscle mitochondrial respiration in young women. The FASEB Journal 33:8232–8240. DOI 10.1096/fj.201900095R · PMID 30970218 Grundlage für den Omega-3-Abschnitt. Vier Wochen Vorlauf mit 3 g EPA und 2 g DHA, dann zwei Wochen einseitige Ruhigstellung. Mitochondrienfunktion und -gehalt blieben erhalten. Einschränkung: neun gegen elf Teilnehmerinnen, ausschließlich Frauen, Durchschnittsalter 22. Die Dosis liegt weit über üblichen Kapselmengen, der Vorlauf betrug vier Wochen.
Sharples AP, Turner DC (2023). Skeletal muscle memory. American Journal of Physiology — Cell Physiology 324:C1274–C1294. DOI 10.1152/ajpcell.00099.2023 · PMID 37154489 Übersichtsarbeit zum Muskelgedächtnis. Beschreibt die zelluläre und die epigenetische Ebene sowie deren mögliches Zusammenspiel. Einschränkung: Übersichtsarbeit, keine eigene Messung. Die Reichweite des Effekts beim Menschen ist Gegenstand laufender Forschung.
Seaborne RA et al. (2018). Methylome of human skeletal muscle after acute & chronic resistance exercise training, detraining & retraining. Scientific Data 5:180213. DOI 10.1038/sdata.2018.213 · PMID 30375987 Der Versuchsaufbau hinter dem Muskelgedächtnis: sieben Wochen Krafttraining, sieben Wochen vollständige Pause, sieben Wochen erneutes Training, mit Muskelproben an jedem Übergang. Einschränkung: als Datensatz-Veröffentlichung angelegt. Die untersuchte Gruppe war klein.
McMaster DT, Gill N, Cronin J, McGuigan M (2013). The development, retention and decay rates of strength and power in elite rugby union, rugby league and American football: a systematic review. Sports Medicine 43(5):367–384. DOI 10.1007/s40279-013-0031-3 · PMID 23529287 Grundlage für die drei Wochen: Auswertung von 27 Studien mit 1.015 Profis aus Rugby und American Football. Schluss der Autoren: Kraft lässt sich bis zu drei Wochen ohne Training halten, danach nehmen die Abbauraten zu. Über Pausen von im Mittel gut sieben Wochen sank die Kraft um 14,5 Prozent. Einschränkung: Profisportler, keine Freizeitsportler; geprüft an der Kurzfassung in PubMed. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
Hortobágyi T, Houmard JA, Stevenson JR et al. (1993). The effects of detraining on power athletes. Medicine & Science in Sports & Exercise 25(8):929–935. PMID 8371654 Grundlage für Woche 2: zwölf Kraftsportler, 14 Tage ohne Krafttraining. Keine statistisch bedeutsamen Änderungen bei Bankdrücken (−1,7 %), Kniebeuge (−0,9 %) und Sprung (+1,2 %). Gesunken sind die exzentrische Kraft beim Kniestrecken, also beim Abbremsen (−12 %, bei jedem Teilnehmer), und die Fläche der schnellen Muskelfasern (Typ II, −6,4 %). Einschränkung: zwölf Personen, keine Vergleichsgruppe; geprüft an der Kurzfassung in PubMed. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
Halonen EJ et al. (2024). Does Taking a Break Matter — Adaptations in Muscle Strength and Size Between Continuous and Periodic Resistance Training. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports. DOI 10.1111/sms.14739 Grundlage für Woche 1 und 2: Zwei Trainingsblöcke von je fünf Wochen mit zweiwöchiger Pause dazwischen, verglichen mit zehn Wochen am Stück. Kurze Pausen unter vier Wochen beeinträchtigten die Anpassungen nicht.
Übersichtsarbeit zur Schrittreduktion (2019). The Impact of Step Reduction on Muscle Health in Aging: Protein and Exercise as Countermeasures. Frontiers in Nutrition 6:75. DOI 10.3389/fnut.2019.00075 Grundlage für die 2,8 Prozent bei jungen Gesunden, für die Senkung der Muskelaufbaurate um 13 bis 26 Prozent und für den Befund, dass auch niedrige Lasten die Ansprechbarkeit wiederherstellen.
Metaanalyse zu Eiweiß bei Ruhigstellung. The effect of protein or amino acid provision on immobilization-induced muscle atrophy in healthy adults: A systematic review and meta-analysis. PMC11140175 Grundlage für die Aussage, dass sich aus der Studienlage zu zusätzlichem Eiweiß bei Ruhigstellung kein klarer Nutzen ableiten lässt. Einschränkung: Die eingeschlossenen Studien unterscheiden sich stark in Dauer, Dosis und Modell. Genau diese Heterogenität ist der Grund, warum keine klare Aussage möglich ist.
Was auf dieser Seite fehlt — und warum Zu Vitamin D, Magnesium, Zink und ähnlichen Präparaten habe ich keine Studien gefunden, die den Muskelerhalt in einer kurzen Trainingspause untersuchen. Deshalb steht dazu nichts Konkretes auf dieser Seite. Lieber eine ehrliche Lücke als eine Angabe, für die niemand geradesteht.
Zum Schluss, in eigener Sache Ich bin Personal Trainer, kein Arzt. Ich behandle nichts — ich trainiere um Beschwerden herum und Schritt für Schritt in mehr Belastbarkeit hinein. Wo ärztliche Freigabe nötig ist, fange ich ohne sie nicht an. Diese Seite erklärt, was Studien zeigen, und ersetzt keine ärztliche Beratung — erst recht nicht, wenn Deine Pause einen medizinischen Grund hat.