ST
die fittermacher
Stress
Wissen · Stefan Trost
Stresshormone · Erholung · Training · Präparate

Stress: Was in Deinem Körper passiert, wann er schadet – und was wirklich hilft

Stress ist eine nützliche Alarmreaktion. Zum Problem wird er, wenn er zu oft, zu lange und ohne Erholung läuft. Im Mittel hilft ein wenig, was Du über Wochen übst – eine Kapsel ersetzt das nicht.

Stress ist die Antwort Deines Körpers auf eine Belastung, ob Termindruck, Streit, Prüfung oder eine harte Trainingseinheit. Zuerst schaltet der Sympathikus, der Teil des Nervensystems, der auf Alarm stellt: Puls und Blutdruck steigen in Sekunden. Langsamer folgt eine Kette von Hormonen bis zum Cortisol, dem Hormon, das Energie bereitstellt und Entzündungen bremst; am höchsten ist es nach 20 bis 40 Minuten.1, 2, 3 Erholung heißt: Zeiten, in denen Dein Körper wieder auf Ruhe schaltet – Schlaf, freie Abende, Tage ohne harte Einheit.

Auch Training ist Stress für den Körper – ein gewollter, der Dich stärker macht, wenn Erholung folgt.4 Wer viele belastende Ereignisse im Leben hatte, erholte sich in kleinen Studien nach hartem Krafttraining langsamer; meine Einordnung: Stress im Training und Stress im Leben zählen zusammen.5, 6 Trainierst Du in so einer Phase, mein Rat: dranbleiben, aber mit etwas weniger Umfang (Kapitel 05). Über Wochen geübt helfen etwa Bewegung und regelmäßiges langsames Atmen; ob ein paar Atemzüge auch im akuten Moment beruhigen, ist weniger sicher. Schütze Deinen Schlaf – Schlafmangel macht ängstlicher.7, 8, 9 Bist Du seit Wochen erschöpft, schläfst Du schlecht oder bist Du dauernd angespannt, lass es ärztlich abklären; wo Du Hilfe findest, steht in Kapitel 01.10, 11

20–40 Min
nach Beginn einer akuten psychischen Belastung ist Cortisol am höchsten – Auswertung vieler Laborstudien3
5 Minuten
täglich zyklisch seufzen – zweimal einatmen, lang ausatmen –, einen Monat lang: direkt danach etwas bessere Laune als nach einer kurzen Meditation – eine kleine Studie, in der das Los die Gruppen einteilte12
rund ein Viertel
höheres Risiko für Herzinfarkt oder Herztod bei Dauerstress im Job, also hohen Anforderungen bei wenig Mitsprache – ein Zusammenhang; das Rauchen anzugehen brächte laut den Autoren viel mehr13

Stress in Fragen und Antworten

Auf einen Blick · Einordnung von Personal Trainer Stefan Trost

Neun Fragen, kurz beantwortet

Wenn Du wenig Zeit hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.

„Was passiert bei Stress in meinem Körper?“
Zwei Systeme springen an, ein schnelles und ein langsames. In Sekunden steigen Puls und Blutdruck über Adrenalin und Noradrenalin; über eine Kette von Hormonen folgt Cortisol, am höchsten etwa 20 bis 40 Minuten nach Beginn.1, 3 Beides hilft Dir, eine Belastung zu meistern (Kapitel 03).
„Soll ich in einer stressigen Phase weniger trainieren?“
Erholung braucht dann länger. Wer viele belastende Ereignisse im Leben hatte, erholte sich in kleinen Studien nach hartem Krafttraining langsamer.5, 6 Wie Du den Plan am besten anpasst, dazu habe ich keine Studie gefunden. Mein Rat: Bleib bei Deinen Trainingstagen, aber nimm Umfang raus: pro Übung ein Satz – ein Durchgang am Stück – weniger, und hör jeden Satz auf, wenn noch ein, zwei saubere Wiederholungen gehen. Plan zwischen zwei harten Einheiten einen Tag mehr Pause ein (Kapitel 05).
„Wann wird Stress gefährlich?“
Wenn er zu oft, zu lange und ohne Erholung läuft. Eine Grenze, ab der Stress sicher schadet, lässt sich nicht beziffern. Fachleute beschreiben vier Muster: Belastungen kommen zu oft; der Alarm schaltet nicht ab; Du gewöhnst Dich nicht; oder die Antwort fällt zu schwach aus, und andere Stoffe schießen über.14 Schaltet bei Dir abends der Alarm nicht ab: Was Du tun kannst und wann es zum Arzt gehört, steht in Kapitel 01.
„Macht Stress dick – gibt es den ‚Cortisol-Bauch‘?“
Krankhaft viel Cortisol macht Bauchfett – sonst ist das nicht gesichert. Beim Cushing-Syndrom, einer Erkrankung mit dauerhaft zu viel Cortisol, wächst Bauchfett.14, 15 Bei allen anderen hängen Cortisol und Körperfett nur schwach zusammen.16, 17 Mein Rat: Wenn Du unter Stress mehr Süßes und Fettes isst oder Dich weniger bewegst, liegt dort der Hebel – nicht in einer Kapsel gegen Cortisol (Kapitel 03).
„Was hilft im Moment, wenn mir alles zu viel wird?“
Langsam atmen, lang ausatmen – einen Versuch ist es wert. Wer das über Wochen regelmäßig übte, hatte danach im Mittel etwas weniger Stress;8 ob es Dich auch im akuten Moment beruhigt, ist weniger klar – zwei Laborsitzungen kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.18, 19 Vor einem Auftritt hilft es etwas, Herzklopfen als Bereitschaft zu deuten: Man fühlt sich weniger gestresst und schneidet im Mittel etwas besser ab.20, 21 Hält das Gefühl über Tage an oder wird es schlimmer: Wo Du Hilfe findest, steht in Kapitel 01.
„Hilft Sport gegen Stress?“
Über Wochen im Mittel ja – beim Stressgefühl selbst ist es offen. Seelische Anspannung, Angst und gedrückte Stimmung sanken mit mittleren Effekten, aus Übersichten oft niedriger Qualität.7 Ob auch das Stressgefühl sinkt, ist unklar: Bei Frauen in der Lebensmitte und älteren Frauen fanden kleine Studien mit leichtem bis mittlerem Training keinen Effekt.22
„Was sagt der Stresswert meiner Uhr?“
Dass Dein Körper anspringt – nicht, wie Du Dich fühlst. Er wird vor allem aus Puls und HRV berechnet, der Schwankung zwischen den Herzschlägen. Zwei Studien prüften ein Garmin-Modell: Im Labor gab der Wert das eigene Stressempfinden kaum wieder, bei Pflegekräften stieg er mit der Zahl der Schritte.23, 24 Was Du mit einem hohen Wert anfängst, steht in Kapitel 05.
„Helfen Ashwagandha oder Magnesium?“
Verlässlich belegt ist es für keins von beiden. Ashwagandha senkte in kleinen Studien Cortisolwerte, den erlebten Stress aber nicht durchgehend; das Bundesinstitut für Risikobewertung rät wegen Leberschäden zur Zurückhaltung.25, 26 Bei Magnesium fand eine systematische Übersicht keine Studie, die den erlebten Stress mit einem geprüften Fragebogen maß (Kapitel 04).27
„Bin ich im Burnout?“
Das klärt ein Arzt, nicht ein Test im Netz. Burnout gilt bei der Weltgesundheitsorganisation nicht als Krankheit, sondern als Folge von Stress im Job, der nicht bewältigt wurde.28 Ernst nehmen solltest Du es trotzdem: Dahinter können eine Depression oder eine körperliche Ursache stecken.11 Wo Du Hilfe findest: Kapitel 01.
01Gilt das für Dich?

Wer Du bist – und was das für Deinen Stress heißt

Was Stress für Dich heißt, hängt davon ab, wo Du gerade stehst. Lies die Karten, die auf Dich passen. Was meine Meinung ist und nicht aus einer Studie stammt, steht hinter „Mein Rat“ oder „Meine Einordnung“. Wo ich schreibe, dass ich keine Studie gefunden habe, heißt das: Ich habe gezielt gesucht – ein Beweis, dass es keine gibt, ist das nicht.

Du stehst gerade unter Druck

Dein Körper macht Dich bereit

Termin, Prüfung, Auftritt: Herzklopfen, schneller Atem und Anspannung gehören zur schnellen Alarmreaktion und legen sich meist, wenn die Lage vorbei ist.1 Anders ist es bei Schmerz, Druck oder Enge in der Brust, die länger als fünf Minuten anhalten, in Ruhe nicht nachlassen oder so stark sind wie nie zuvor: Dann ruf sofort den Notruf 112 – und fahr nicht selbst. Gerade bei Frauen können die Zeichen unauffälliger sein, etwa Atemnot, Übelkeit oder kalter Schweiß.29, 30 Wer Herzklopfen vor einem Auftritt als Bereitschaft deutete statt als Angst, schnitt im Mittel etwas besser ab.20 Mein Rat: Ein paar Minuten langsam atmen, dann sag Dir: „Mein Körper macht mich bereit.“ Probe den Auftritt einmal durch – das gibt Dir das Gefühl zurück, die Lage im Griff zu haben.

Du bist dauernd unter Strom und schläfst schlecht

Der Alarm schaltet nicht ab

Abends liegst Du wach, der Kopf läuft weiter: Stress und Sorgen beim Zubettgehen sagten in einer Tagebuchstudie den schlechteren Schlaf der folgenden Nacht voraus, und Schlafmangel macht wiederum ängstlicher.9, 31 Kommt der Druck aus dem Job: In großen Studien hingen wenig Mitsprache – allein oder zusammen mit hohen Anforderungen – und sehr lange Arbeitszeiten mit Herz- und Gefäßerkrankungen zusammen (Kapitel 03).13, 32, 33 Mein Rat: Übe regelmäßig langsames Atmen (Kapitel 02), beweg Dich, so klein Du auch anfangen musst, und lies auf meiner Seite „Schlaf: Was zu wenig davon mit Deinem Körper macht“, was beim Ein- und Durchschlafen hilft. Schläfst Du seit Wochen schlecht oder bist Du dauernd angespannt oder erschöpft, lass es ärztlich abklären – Ursachen wie eine Schilddrüsenerkrankung oder nächtliche Atemaussetzer, Fachleute sagen Schlafapnoe, lassen sich prüfen.10, 11

Du bist seit Wochen erschöpft

Lass es abklären – und hol Dir Hilfe

Dauernde Erschöpfung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein guter Grund, Dir Hilfe zu holen. Lass es ärztlich abklären: Dahinter können unter anderem eine Schilddrüsenerkrankung, eine Depression, Schlafapnoe oder Überarbeitung stecken, selten eine Nebenniereninsuffizienz, eine nachweisbare Hormonerkrankung – nicht dasselbe wie die angebliche „Nebennierenschwäche“ durch Dauerstress (Kapitel 03).10, 11, 34 Burnout gilt bei der Weltgesundheitsorganisation nicht als Krankheit; ernst nehmen solltest Du es trotzdem, denn nach Einschätzung einer Fachgesellschaft kann es in eine Erkrankung münden.11, 28 Dein erster Schritt kann Dein Hausarzt sein oder ein Psychotherapeut.

Wenn es Dir akut sehr schlecht geht: Die TelefonSeelsorge ist kostenfrei und Tag und Nacht erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, dazu per Chat und Mail.35 Wenn Du in akuter Gefahr bist, Dir etwas anzutun, ruf den Notruf 112 an.30, 36

Du trainierst in einer stressigen Phase

Dranbleiben – mit weniger Umfang

Auch Training ist Stress für den Körper.4 Wer viele belastende Ereignisse im Leben hatte, erholte sich in kleinen Studien nach hartem Krafttraining langsamer und legte weniger zu.5, 6, 37 Mein Rat: Bleib bei Deinen Trainingstagen, aber nimm Umfang raus: pro Übung ein Satz weniger, und hör jeden Satz auf, wenn noch ein, zwei saubere Wiederholungen gehen. Plan zwischen zwei harten Einheiten einen Tag mehr Pause ein. Eine Studie, die diese Anpassung prüft, habe ich nicht gefunden; mehr in Kapitel 05.

Deine Uhr zeigt hohen Stress

Sie misst Deinen Körper, nicht Dein Gefühl

Der Stresswert wird vor allem aus Puls und HRV berechnet, der Herzfrequenzvariabilität – wie stark die Abstände zwischen den Herzschlägen schwanken. Er zeigt, dass Dein Körper anspringt, durch Druck ebenso wie durch Bewegung; Dein Stressempfinden gibt er kaum wieder.23, 24 Mein Rat: Vergleich zwei Wochen lang Tage mit und ohne Training (Kapitel 05). Mehr auf meiner Seite „Smartwatch & Fitnessarmband: Was messen sie wirklich?“.

Du überlegst, etwas gegen Stress einzunehmen

Dünne Daten – bei Ashwagandha mit Risiko

Für die vier Präparate, die ich geprüft habe – Ashwagandha, Magnesium, L-Theanin, Rhodiola –, ist ein Nutzen gegen Stress nicht verlässlich belegt.25, 27, 38, 39 Bei Ashwagandha, auch Schlafbeere genannt, berichtet das Bundesinstitut für Risikobewertung von Leberschäden bis zum Leberversagen (Kapitel 04).26 Nimmst Du Medikamente, klär jedes Präparat vorher mit Deinem Arzt oder der Apotheke.

Du machst gerade eine Diät

Auch das Defizit stresst den Körper

In einer Studie hob eine strenge Diät über drei Wochen das Cortisol, vor allem am Abend, und schon das Kalorienzählen steigerte den empfundenen Stress (Kapitel 04).40 Mein Rat: Leg eine strenge Diät nicht in eine Phase, in der Dich ohnehin alles fordert.

Medizinische Vorgeschichte

Erst die Freigabe

Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Gelenken oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, wie hart Du trainieren darfst.

Nicht Thema dieser Seite Was Botenstoffe wie Dopamin, Serotonin und Endorphine mit Deiner Stimmung zu tun haben, steht auf meiner Seite „Glückshormone: Was Dopamin, Serotonin und Co. wirklich tun“, der Schlaf im Detail auf meiner Seite „Schlaf: Was zu wenig davon mit Deinem Körper macht“. Die Behandlung von Depression, Angststörungen oder Burnout steht hier nicht – sie gehört zu Deinem Arzt oder Psychotherapeuten. Diese Seite erklärt, was Stress im Körper macht, was dagegen hilft und wie Training in eine stressige Phase passt.
02So nutzt Du es

Stress im Alltag: was Du tust – und was Du lässt

Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Die meisten Regeln laufen auf drei Dinge hinaus: Beweg Dich regelmäßig, schütze Deinen Schlaf – und glaub keiner Kapsel und keinem Test, die Stress mit einem Griff lösen wollen. Was hilft, hilft im Mittel klein bis mittel. Ein kleiner Effekt im Mittel heißt: Bei manchen hilft es spürbar, bei anderen kaum.

✓Atme langsam und lang aus – am besten regelmäßig, nicht erst im Notfall. Wer das über Wochen übte, hatte im Mittel etwas weniger Stress; eine lange Ausatmung entspannte in einer Laborsitzung mehr als eine kurze.8, 18 Ob 4-7-8-Atmung (vier Sekunden ein, sieben halten, acht aus) oder Box-Atmung (gleich lang ein, halten, aus, halten): Eine bestimmte Zähltechnik brauchst Du nicht (Kapitel 04).
✓Deute Herzklopfen vor einem Auftritt als Bereitschaft. Wer das tat, schnitt im Mittel etwas besser ab – kleine Effekte.20, 41
✓Beweg Dich – über Wochen zählt es. Seelische Anspannung, Angst und gedrückte Stimmung sanken mit mittleren Effekten;7 ob auch das Stressgefühl sinkt, ist offen (Kapitel 04). Mein Rat, wenn Du bisher selten trainierst: Fang so klein an, dass Du es auch in einer schlechten Woche schaffst – zügiges Gehen zählt. Wie viel Bewegung genau gegen Stress hilft, ist nicht bekannt.
✓Schütze Deinen Schlaf – und wenn Du schlecht schläfst, nimm es ernst. Schlafverlust drückte in vielen Versuchen die guten Gefühle und erhöhte die Angst;9 umgekehrt sagten Stress und Sorgen beim Zubettgehen in einer Tagebuchstudie den schlechteren Schlaf der folgenden Nacht voraus.31 Was beim Ein- und Durchschlafen hilft, steht auf meiner Seite „Schlaf: Was zu wenig davon mit Deinem Körper macht“. Schläfst Du seit Wochen schlecht, lass es ärztlich abklären (Kapitel 01).
✓Hol Dir Spielraum und Menschen. Wer bei der Arbeit wenig mitentscheiden konnte, bekam in einer großen Beobachtungsstudie häufiger eine Herzerkrankung;32 wer drei oder mehr regelmäßige Kontakte hatte, zeigte weniger Abnutzung durch Stress.14 Beides sind Zusammenhänge. Mein Rat: Hol Dir Entscheidungen zurück, wo es geht – leg etwa einen Abend pro Woche fest, an dem Du nicht erreichbar bist –, und zieh Dich unter Druck nicht zurück.
✓Pass Dein Training an, statt es zu streichen. Wer viele belastende Ereignisse im Leben hatte, erholte sich nach hartem Training langsamer.5 Mein Rat: Bleib bei Deinen Trainingstagen, aber nimm Umfang raus: pro Übung ein Satz weniger, und hör jeden Satz auf, wenn noch ein, zwei saubere Wiederholungen gehen. Plan zwischen zwei harten Einheiten einen Tag mehr Pause ein (Kapitel 05).
✓Lies Leistung und Befinden über Wochen, nicht einen Uhrwert. Was Sportler selbst über Befinden und Stimmung notierten, spiegelte ihre Trainingsbelastung zuverlässiger als Messwerte.42 Mein Rat: Schreib nach jeder Einheit auf: Gewicht und Wiederholungen Deiner Hauptübung, wie Du geschlafen hast und wie Deine Stimmung ist. Sinken die Gewichte über mehrere Einheiten, nimm Umfang raus.
✓Trainier abends, wenn es Dir passt. Eine Einheit am Abend störte den Schlaf im Mittel nicht; nur sehr hartes Training, das weniger als eine Stunde vor dem Zubettgehen endete, könnte ihn stören – eine vorsichtige Einschränkung der Autoren.43 Mein Rat: Prüf es bei Dir – brauchst Du nach einer späten Einheit länger zum Einschlafen, leg sie früher oder lass den letzten schweren Satz weg.
✕Nimm Ashwagandha nicht auf Verdacht. Den erlebten Stress senkte es nicht verlässlich, und das Bundesinstitut für Risikobewertung berichtet von Leberschäden bis zum Leberversagen (Kapitel 04).25, 26
✕Spar Dir Speicheltests und Hormone auf Verdacht. Eine „Nebennierenschwäche“ ist keine anerkannte Diagnose, kein Test kann sie nachweisen, und wer Nebennierenhormone ohne Bedarf nimmt, riskiert, dass die eigenen Nebennieren die Arbeit einstellen (Kapitel 03).10, 34 Auch DHEA, ein Hormon aus der Nebennierenrinde, gehört nicht ohne Arzt in den Alltag (Kapitel 03).
✕Power Dich nicht aus, um Stress loszuwerden. Sehr harte Belastung fühlt sich für fast alle unangenehm an, und mit viel Stress im Leben erholt sich die Kraft langsamer.5, 44 Dass Auspowern gegen Stress mehr hilft als moderates Training, ist nicht belegt – über Wochen darfst Du Dich trotzdem steigern.7
✕Setz kein Medikament ab, weil Du jetzt atmest, meditierst oder trainierst. Bei Depression empfiehlt die deutsche Leitlinie, zu Bewegung zu motivieren, am besten angeleitet und in einer Gruppe. Sie rechnet mit einem kleinen bis mittleren, eher kurzfristigen Effekt – bei leichteren Beschwerden auch als einzige Behandlung, und zusätzlich, wenn jemand Medikamente nimmt oder in Psychotherapie ist.45 Was davon für Dich gilt, entscheidest Du mit Deinem Arzt.
So geht’s: langsam atmen Mein Rat: Setz Dich bequem hin. Atme etwa vier Sekunden ein und etwa sechs Sekunden aus, ein paar Minuten lang. Wird Dir schwindelig, atme normal weiter; macht Dich die Übung unruhiger, lass sie weg. Über Wochen geübt, hilft das im Mittel ein wenig; im akuten Moment ist es weniger sicher (Kapitel 04).8, 19
Wenn Du nur einen Absatz mitnimmst Gegen Stress hilft, was Du über Wochen durchhältst. Beweg Dich regelmäßig, schütze Deinen Schlaf und übe langsames Atmen – das hilft im Mittel, wenn auch nicht riesig.7, 8, 9 Mein Rat: Steck Geld und Hoffnung nicht in Kapseln oder Tests, sondern in Schlaf, Bewegung und die Frage, wo Du wieder mehr mitentscheiden kannst. Und wenn Du seit Wochen erschöpft bist, schlecht schläfst oder dauernd angespannt bist: Lass es ärztlich abklären (Kapitel 01).
03Was im Körper passiert

Was bei Stress im Körper passiert – und wann es schadet

„Stress“ ist ein Alltagswort für vieles: Druck, Ärger, Angst, Hetze. Für den Körper ist es zuerst eine Antwort auf eine Belastung – schnell, nützlich und darauf angelegt, wieder abzuschalten.

Zwei Systeme, zwei Geschwindigkeiten

Das schnelle System läuft über Nerven: Der Sympathikus, der Teil des Nervensystems, der auf Leistung schaltet, lässt die Nebennieren Adrenalin und Noradrenalin ins Blut ausschütten. Puls und Blutdruck steigen innerhalb von Sekunden; ist die Belastung vorbei, bremst der Gegenspieler, der Parasympathikus, die Erregung rasch wieder herunter.1 Das langsame System ist eine Kette von Hormonen, die Hormonachse – Fachleute sagen HPA-Achse: Das Gehirn gibt ein Signal an die Hirnanhangdrüse, die gibt es an die Nebennierenrinde weiter, und die bildet Cortisol. Weil jede Stufe Zeit braucht, ist Cortisol erst Dutzende Minuten nach Beginn einer Belastung am höchsten, in Laborversuchen mit psychischer Belastung nach etwa 20 bis 40 Minuten.1, 3 Beide Systeme arbeiten zusammen, und beide springen auch beim Training an.1, 46

Cortisol ist kein Schadstoff. Es stellt Energie bereit, bremst Entzündungen – deshalb wirken künstliche Verwandte wie Cortison als Medikament – und wirkt auf Kreislauf, Abwehr und Gehirn.2, 14 Schädlich wird erst ein Muster über lange Zeit (weiter unten).

Wann Cortisol am stärksten steigt

Eine große Auswertung von Laborstudien mit akuter psychischer Belastung – Fachleute sagen Meta-Analyse – zeigt: Am stärksten stieg Cortisol bei Aufgaben, die die Teilnehmer nicht im Griff hatten und bei denen sie zugleich bewertet wurden, etwa bei einer Rede vor einem prüfenden Gremium. Aufgaben ohne diese beiden Zutaten ließen Cortisol kaum steigen.3 Der Haken: Verglichen wurde vorher mit nachher, im Labor.

Im Labor steigt Cortisol also vor allem bei fehlender Kontrolle und Bewertung. Im Arbeitsalltag zählen Anforderungen und Spielraum zusammen: Dauerstress im Job heißt in den großen Studien hohe Anforderungen bei wenig Mitsprache, und sehr lange Arbeitszeiten gingen für sich schon mit mehr Schlaganfällen einher.13, 33 Meine Einordnung: Spielraum ist ein wichtiger Hebel – die Menge der Arbeit ist es auch.

Eustress und Distress

Oft heißt es, es gebe guten Stress, den Eustress, und schlechten, den Distress. Die Begriffe beschreiben, wie Du eine Belastung erlebst, nicht zwei getrennte Körperreaktionen: Auch Angenehmes, etwa eine neue Belohnung, kann vergleichbare Stressreaktionen auslösen, und Fachleute halten die Begriffe für so unscharf, dass sie vorschlagen, nur noch von Stress zu sprechen.1, 47 Meine Einordnung: Hilfreicher als die Frage „guter oder schlechter Stress?“ ist die Frage, ob nach der Belastung Erholung folgt.

Cortisol über den Tag

Cortisol folgt einem Tagesrhythmus. Nach der Leitlinie einer großen Fachgesellschaft für Hormonmedizin, der Endocrine Society, ist Cortisol spät abends niedrig und um Mitternacht im Schlaf am niedrigsten; ab etwa 3 bis 4 Uhr steigt es, am höchsten ist es zwischen 7 und 9 Uhr, danach fällt es über den Tag.15 Dazu kommt die Aufwachreaktion: In den ersten 30 bis 45 Minuten nach dem Aufwachen steigt Cortisol deutlich an.48 Ein einzelner Cortisolwert sagt deshalb wenig – es kommt darauf an, wann er gemessen wurde.15

Macht Stress dick – gibt es den „Cortisol-Bauch“?

Oft heißt es, Stress mache über Cortisol einen dicken Bauch, den „Cortisol-Bauch“. Belegt ist das für die krankhafte Form: Beim Cushing-Syndrom bildet der Körper dauerhaft zu viel Cortisol, und Bauchfett gehört zu den Folgen.14, 15 Bei Übergewicht ist Cortisol im Blut dagegen meist normal oder leicht erniedrigt.15 Bei Menschen ohne diese Erkrankung hängen Cortisol und sein Abbauprodukt Cortison im Haar, ein Maß über Monate, nur schwach mit Körpergewicht und Bauchumfang zusammen – gemessen zu einem Zeitpunkt, also ohne Richtung.16 In einer Studie über sechs Monate nahmen Menschen mit höherem Morgencortisol etwas mehr zu, mit kleinen Effekten.17 Meine Einordnung: Wahrscheinlicher führt der Weg im Alltag über das Verhalten. Akuter Stress dämpft eher den Appetit, Dauerstress steigert die Lust auf energiereiches, fettes Essen,17 und Stress macht oft inaktiver.49 Mein Rat: Wenn Du unter Stress mehr Süßes und Fettes isst oder Dich weniger bewegst, liegt dort der Hebel – nicht in einer Kapsel gegen Cortisol.

Speicheltests und „Nebennierenschwäche“

Oft heißt es, Dauerstress erschöpfe die Nebennieren, und ein Speicheltest könne das zeigen. Eine systematische Übersicht fand ein fast durchgehend widersprüchliches Bild und keinen Beleg, dass es diese Erkrankung gibt; sie nennt die „Nebennierenschwäche“ einen Mythos.34 Die Endocrine Society schreibt: Kein Test kann sie nachweisen, und wer Nebennierenhormone ohne Bedarf nimmt, riskiert, dass die eigenen Nebennieren die Arbeit einstellen – bis hin zu einer lebensbedrohlichen Krise.10 Speichel spiegelt das freie Cortisol im Blut zuverlässig, die Hormonachse dahinter aber nur indirekt,50, 51 und Cortisol im Haar hing nicht durchgehend mit dem erlebten Stress zusammen.52 Meine Einordnung: Kein Speichel-, Blut- oder Haartest zeigt Dir Deinen Stresspegel – Cortisoltests gehören zum Arzt, wenn er eine echte Erkrankung der Nebennieren vermutet.34 Die gibt es: Bei der seltenen Nebenniereninsuffizienz bilden die Nebennieren nachweisbar zu wenig Hormon. Mit der angeblichen „Nebennierenschwäche“ durch Dauerstress hat sie nichts zu tun.10

DHEA: ein Messwert, kein Mittel

Aus der Nebennierenrinde kommt auch DHEA, ein Hormon, das teils gegen Cortisol wirkt. Das Verhältnis von Cortisol zu DHEA ist eine Forschungsfrage mit großen Wissenslücken, kein fertiger Messwert für Dauerstress.53 Als Präparat ist DHEA in Deutschland ab 10 Milligramm am Tag ein Arzneimittel, als Wirkstoff Prasteron verschreibungspflichtig, als Lebensmittel nicht zugelassen und im Sport verboten; auch von kleineren Mengen raten die Fachleute der Behörden ab.54, 55, 56 Meine Einordnung: DHEA ist ein Messwert der Forschung, kein Mittel gegen Stress – eine Wirkung gegen Stress belegt keine Quelle dieser Seite.

Oxytocin: Nähe suchen unter Stress?

Die schnelle Alarmreaktion heißt oft „Kampf oder Flucht“: Der Körper macht sich bereit, sich zu wehren oder davonzulaufen. Eine Theorie schlägt vor, dass vor allem Frauen im Verhalten eher anders antworten: Sie kümmern sich und wenden sich anderen zu, mit dem Hormon Oxytocin im Kern.57 Nach einer Rede vor Publikum stieg Oxytocin im Blut im Mittel um rund die Hälfte – wie verlässlich es sich dort messen lässt, ist allerdings umstritten.58 In Laborversuchen teilten gestresste Männer und Frauen mehr und verhielten sich vertrauenswürdiger;59, 60 in einem anderen Versuch machte Stress allein weniger hilfsbereit.61 Eine gut begründete Idee – mit uneinheitlichen Befunden.

Wann Stress schadet: vier Muster

Die Stressreaktion kostet etwas. Fachleute nennen das allostatische Last: die Abnutzung, die entsteht, wenn sich der Körper immer wieder an Belastung anpassen muss. Nach einem bekannten Modell entsteht sie in vier Mustern.14, 62

MusterWas passiert – im BildWas das Modell dazu nennt
Zu oftEin Termin jagt den nächsten; jede Reaktion für sich ist normalViele Belastungen kurz hinter­einander, jede trifft den Körper erneut
Kein AbschaltenDie Belastung ist vorbei, doch abends im Bett bleibt der Körper auf AlarmDie Stress­antwort wird zu spät abgeschaltet
Keine GewöhnungDieselbe Lage kostet Dich jedes Mal wieder vollen EinsatzWer wenig Selbstwert hatte, gewöhnte sich an eine wiederholte Rede nicht, andere schon
Zu schwachWie eine Bremse, die zu schwach greift: Ein System antwortet zu wenig, ein anderes schießt überZu wenig Cortisol – dafür steigen Entzündungs­stoffe, die Cortisol sonst bremst

Meine Einordnung: Das Modell ist ein Erklärungsrahmen, gestützt auf Einzelbefunde; eine Studie, die es als Ganzes misst, habe ich nicht gefunden – die Studien setzen ihren Wert aus ganz verschiedenen Größen zusammen.63

Dauerstress und Gesundheit: was große Studien zeigen

Die besten Daten stammen aus großen Beobachtungsstudien, in denen Erwerbstätige über Jahre begleitet wurden. Wer unter Dauerstress im Job stand – hohe Anforderungen bei wenig Mitsprache –, hatte ein um rund ein Viertel höheres Risiko für Herzinfarkt oder Herztod. Selbst wenn der Arbeitsstress die Ursache wäre, ließen sich nach der Rechnung der Autoren nur gut 3 von 100 Fällen auf ihn zurückführen; bekannte Risikofaktoren wie das Rauchen anzugehen brächte viel mehr.13 Wer 55 Stunden und mehr pro Woche arbeitete, hatte ein um rund ein Drittel höheres Schlaganfallrisiko als bei 35 bis 40 Stunden; bei 41 bis 48 Stunden war der Unterschied nicht gesichert, darüber stieg das Risiko mit der Stundenzahl.33 Mein Rat: Für Dich heißt das: Spielraum, Pausen und Arbeitszeit sind Hebel, die Du nutzen kannst. Rauchen, Bauchfett und Bewegungsmangel wiegen nach dem Vergleich der Autoren aber deutlich schwerer13 – lass Deine Risikofaktoren, auch den Blutdruck, beim Hausarzt prüfen.

Auch mit Depression hing Dauerstress im Job zusammen: Wer ihn hatte, erkrankte häufiger. Ob der Job die Ursache ist, bleibt offen – rechneten die Forscher Beschwerden heraus, die schon zu Beginn bestanden, war der Zusammenhang nicht mehr gesichert.64 In Versuchen mit Erkältungsviren wurden gestresstere Freiwillige häufiger krank; ins Gewicht fielen nur Belastungen ab einem Monat, etwa Arbeitslosigkeit oder anhaltende Konflikte.65, 66 Der Haken bei allem: Der Stress wurde erfragt und nicht zugeteilt – das sind Zusammenhänge, keine Beweise.

04Was gegen Stress hilft

Was gegen Stress hilft – und was nicht

Keine Methode schaltet Stress ab. Was wirkt, wirkt im Mittel klein bis mittel – und am meisten bringt, was Du über Wochen durchhältst.

Langsam atmen

Meine Einordnung: Atmen ist der Hebel, den Du am schnellsten ausprobieren kannst. Langsames Atmen erhöht in vielen Studien die HRV, also die Schwankung zwischen den Herzschlägen, die zeigt, wie stark der Parasympathikus, der beruhigende Gegenspieler, mitregelt.67 Eine lange Ausatmung entspannte in einer kleinen Laborstudie stärker als eine kurze; die HRV stieg dabei aber nur bei langsamem Atmen.18 Eine Meta-Analyse ausgeloster Studien fand: Wer Atemübungen über Wochen übte, hatte danach etwas weniger empfundenen Stress – gesichert bei langsamem Atmen und bei Menschen ohne Erkrankung, wobei sich die Untergruppen nicht gesichert unterschieden. Die Qualität der Studien war mäßig.8

Bekannt geworden ist eine kleine ausgeloste Studie: Einen Monat lang übten die Teilnehmer täglich fünf Minuten. Wer „zyklisch seufzte“ – zweimal einatmen, bis die Lunge ganz voll ist, dann langsam ausatmen –, dem stieg die gute Laune direkt nach der Übung etwas stärker als nach einer fünfminütigen Meditation, umso mehr, je länger er dabei war. Bei Angst und schlechter Stimmung gab es keinen Unterschied; die allgemeine Ängstlichkeit sowie Puls und HRV in der Nacht änderten sich in keiner Gruppe, und jeder Zehnte berichtete von unangenehmen Erfahrungen.12 Die Haken: Die Studie war nicht vorab angemeldet, also ohne vorher veröffentlichten Auswertungsplan, die Gruppen waren klein, die meisten Teilnehmer Studenten, und fünf Minuten Meditation sind kürzer als üblich. Dazu kommt ein möglicher Interessenkonflikt: Ein Hersteller von Fitnessarmbändern stellte die Armbänder, die Puls und HRV nach einem nicht offengelegten Verfahren berechneten, und der leitende Autor wurde sein Berater, während die Zeitschrift die Arbeit begutachtete; an Planung und Auswertung war die Firma laut den Autoren nicht beteiligt.12

Oft werden Box-Atmung oder die 4-7-8-Atmung als Sofortmittel empfohlen. In einer Laborsitzung änderte keine Atemform die Stimmung oder den Blutdruck nennenswert – auch nicht sechs Atemzüge pro Minute mit langer Ausatmung; die hoben nur die HRV stärker, und dabei atmeten die Teilnehmer im Mittel leicht zu viel.19 Eine bestimmte Zählweise brauchst Du also nicht. Wie die Übung geht, steht in Kapitel 02.

Umdeuten: Herzklopfen als Bereitschaft

Die meisten Menschen glauben, vor einem Auftritt helfe es am besten, sich zu beruhigen. In Versuchen mit Karaoke und Rede schnitten aber die besser ab, die sich sagten „Ich bin aufgeregt“.41 Eine Meta-Analyse ausgeloster Studien fand einen kleinen Vorteil für die Leistung, vor Publikum tendenziell etwas größer als bei schriftlichen Aufgaben – gesichert ist dieser Unterschied nicht; nach einer Korrektur für vermutlich nicht veröffentlichte Studien fiel der Vorteil noch kleiner aus, blieb aber erkennbar.20 Eine andere Auswertung fand: Das Umdeuten senkt die empfundene Stressreaktion, die körperliche nicht.21 Ob es Cortisol senkt, ist nicht gesichert: Wer Stress ohnehin eher als nützlich sah, schüttete im Labor im Mittel nicht weniger Cortisol aus – gemessen, nicht ausgelost;68 in einem Feldversuch vor Klausuren lag Cortisol nach dem Umdeuten niedriger, und die Noten waren besser.69 Umdeuten hilft ein wenig – vor allem im Kopf, weniger im Blut.

Achtsamkeit und Meditation

Achtsamkeitskurse sind Gruppenkurse, in denen man übt, die Aufmerksamkeit bewusst und ohne Bewertung auf den Moment zu lenken. Bei gesunden Freiwilligen senkten sie die seelische Anspannung im Vergleich zu keinem Kurs klein bis mittel; gegen andere aktive Angebote, etwa Bewegung oder Entspannung, zeigten sie keinen Vorteil.70, 71 Bei Menschen mit einer Erkrankung waren die Belege für weniger Stress schwach, ohne Vorteil gegenüber Medikamenten, Bewegung oder Verhaltenstherapie.72 Und Meditation ist nicht frei von Nebenwirkungen: Manche berichteten von Angst oder gedrückter Stimmung; die meisten Studien haben gar nicht erfasst, ob so etwas vorkam.70, 73 Meine Einordnung: Wenn Dir Meditation guttut, bleib dabei. Wenn nicht, ist Bewegung nach den Daten keine schlechtere Wahl.

Bewegung

Über Wochen senkt Bewegung im Mittel seelische Anspannung, Angst und gedrückte Stimmung, mit mittleren Effekten – im Durchschnitt spürbar, aber nicht bei jedem; das zeigt eine Übersicht über fast hundert Übersichtsarbeiten, von denen die meisten eine kritisch niedrige Qualität hatten.7 „Seelische Anspannung“ meint dort die allgemeine seelische Beanspruchung, englisch distress – nicht dasselbe wie das Gefühl, gestresst zu sein, das eigene Fragebögen abfragen. Schon nach einer einzelnen Einheit waren Menschen im Mittel weniger ängstlich – gemessen bis eine halbe Stunde danach, verglichen mit vorher, ohne Gruppe, die nicht trainierte.74 Beim empfundenen Stress sind die Auswertungen uneinheitlich: Bei Frauen in der Lebensmitte und älteren Frauen zeigte sich in kleinen Studien nach mindestens sechs Wochen leichtem bis mittlerem Training kein Effekt, bei Studenten einer, der von Studie zu Studie stark schwankte und mit Ausdauertraining am deutlichsten war.22, 75 Ob Krafttraining das Stressgefühl genauso senkt, zeigen diese Auswertungen nicht.

Umgekehrt macht Stress inaktiver: In drei von vier Langzeitstudien sagte mehr Stress weniger Bewegung voraus; wer schon regelmäßig trainierte, bewegte sich unter Stress dagegen eher mehr.49 Bei Depression empfiehlt die deutsche Behandlungsleitlinie ausdrücklich, Erkrankte, bei denen nichts gegen Belastung spricht, zu Sport und zu angeleitetem Training zu motivieren. Sie rechnet mit einem kleinen bis mittleren, eher kurzfristigen Effekt – bei leichteren Beschwerden auch als einzige Behandlung, und zusätzlich zu Medikament oder Psychotherapie.45 Bewegung hilft im Mittel – ein Wundermittel ist sie nicht.

Schlaf

Schlaf und Stress hängen in beide Richtungen zusammen. Stress und Sorgen beim Zubettgehen sagten in einer Tagebuchstudie über sechs Wochen den schlechteren Schlaf der folgenden Nacht voraus – ein Zusammenhang.31 Umgekehrt drückte jede Form von Schlafverlust in vielen Versuchen die guten Gefühle und erhöhte die Angst.9 Oft heißt es, Schlafmangel treibe das Cortisol hoch. Nach einer kurzen Nacht lag es bei jungen Männern am nächsten Abend höher;76 eine Meta-Analyse zu akutem Schlafentzug fand insgesamt aber keinen gesicherten Unterschied.77 Mein Rat: Wenn es eng wird, spar zuletzt am Schlaf. Was beim Ein- und Durchschlafen hilft, steht auf meiner Seite „Schlaf: Was zu wenig davon mit Deinem Körper macht“; wie viel Schlaf für Trainierende empfohlen ist, auf „Der optimale Trainingstag: Was vorher, im Training und danach zählt“.

Spielraum und Menschen

Wer bei der Arbeit wenig mitentscheiden konnte, bekam in einer großen Beobachtungsstudie mit Londoner Beamten häufiger eine Herzerkrankung.32 Maßnahmen, die Beschäftigten mehr Mitsprache gaben, zeigten in einer Übersicht einige Hinweise auf weniger Angst und gedrückte Stimmung – ausgeloste Studien gab es nicht, und wo die Mitsprache mit Entlassungen einherging, ging es den Beschäftigten schlechter.78 Wer drei oder mehr regelmäßige soziale Kontakte hatte, zeigte weniger Abnutzung durch Stress.14 Das sind Zusammenhänge: Dass mehr Spielraum und Kontakte Deinen Stress senken, dafür gibt es nur erste Hinweise. Mein Rat: Versuch es trotzdem, wie in Kapitel 02 beschrieben.

Diät: noch ein Auslöser von Stress

In einer ausgelosten Studie mit Frauen, die ohnehin abnehmen wollten, hob eine Diät mit 1.200 Kilokalorien am Tag über drei Wochen das Cortisol, vor allem am Abend – ob als Stresszeichen oder einfach, um Energie bereitzustellen, lassen die Autoren offen; schon das Kalorienzählen allein steigerte den empfundenen Stress.40 Mein Rat: Verschieb eine strenge Diät, wenn Dich das Leben gerade ohnehin fordert; eine Studie zu dieser Kombination habe ich nicht gefunden.

Präparate

Ashwagandha, auch Schlafbeere genannt, wird als Mittel gegen Stress verkauft. Eine Auswertung fand im Fragebogen weniger Stress, allerdings mit geringer Sicherheit; eine andere fand niedrigere Cortisolwerte im Blut, aber keinen Effekt auf den erlebten Stress.25, 79 Die Studien sind klein, die niedrigeren Werte könnten auch am Tagesrhythmus liegen,80 und eine Studie bezahlte der Hersteller des Extrakts.81 Ob es beim Schlafen hilft, wofür es auch verkauft wird, prüft diese Seite nicht. Dazu das Risiko: Fallserien beschreiben Leberschäden mit Gelbsucht nach 2 bis 12 Wochen Einnahme, Todesfälle bei Menschen mit vorbestehender Lebererkrankung und eine Lebertransplantation; wie häufig das vorkommt, ist unbekannt – es gibt nur Fallberichte, und die meisten Betroffenen erholten sich nach dem Absetzen.82, 83, 84 Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält die versprochenen Wirkungen für nicht belegt, rät Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Lebererkrankung ab, allen anderen zur Zurückhaltung, und warnt vor Wechselwirkungen mit Medikamenten.26 Mein Rat: Ich würde es nicht nehmen – der Nutzen ist unsicher, das Risiko beschrieben. Nimmst Du es schon und wird Deine Haut oder das Weiße im Auge gelb, juckt es stark oder ist Dir dauernd übel, setz es ab und geh zum Arzt.82

Für Magnesium fand eine systematische Übersicht keine Studie, die den erlebten Stress mit einem geprüften Fragebogen maß. Bei Menschen mit leichter Angst gaben die Studien mit positivem Ergebnis Magnesium immer zusammen mit anderen Stoffen, etwa B-Vitaminen oder Pflanzenextrakten. Die Qualität war meist schlecht, und drei Studien stammten unveröffentlicht von einem Arzneimittelhersteller.27 Eine spätere Studie mit gestressten Erwachsenen und niedrigem Magnesiumspiegel maß den Stress mit einem geprüften Fragebogen: Er sank mit Magnesium, ob mit oder ohne Vitamin B6, um gut 40 Prozent. Eine Gruppe mit Scheinmittel ohne Wirkstoff gab es nicht, offen bleibt also, wie viel davon am Magnesium lag; drei der Autoren arbeiteten bei einem Arzneimittelhersteller.85 Ob Du Magnesium brauchst, steht auf meiner Seite „Magnesium: Brauchst Du es – und welches?“. L-Theanin, ein Stoff aus grünem Tee, senkte akuten Stress in einer Meta-Analyse nur wenig, vor allem in verzerrungsanfälligen Studien; bei Angst war die Wirkung uneinheitlich.38 Zu Rhodiola, der Rosenwurz, fand eine Übersicht gegen Erschöpfung widersprüchliche Ergebnisse aus Studien mit hohem Verzerrungsrisiko; in einer Fallserie war sie neben Ashwagandha mögliche Mitursache eines Leberschadens.39, 82 Für die vier Präparate, die ich geprüft habe – Ashwagandha, Magnesium, L-Theanin, Rhodiola –, ist ein Nutzen gegen Stress nicht verlässlich belegt. Mein Rat: Nimmst Du Medikamente, klär jedes Präparat vorher mit Deinem Arzt oder der Apotheke – und setz kein Medikament auf eigene Faust ab.

Wenn Du seit Wochen erschöpft oder angespannt bist Dauernde Erschöpfung, keine Freude mehr – das ist kein Trainingsproblem und keine Schwäche, sondern ein guter Grund, Dir Hilfe zu holen. Wenn Du seit Wochen erschöpft bist, schlecht schläfst oder dauernd angespannt bist, lass es ärztlich abklären. Burnout beschreibt die Weltgesundheitsorganisation als Folge von Stress im Job, der nicht bewältigt wurde – als Krankheit gilt es dort nicht.28 Eine deutsche Fachgesellschaft für Psychiatrie sieht darin einen Risikozustand für spätere Erkrankungen und hält eine gründliche ärztliche Untersuchung für nötig.11 Dein erster Schritt kann Dein Hausarzt sein oder ein Psychotherapeut. Bewegung kann Dir dabei helfen; wie viel und in welcher Form, besprich mit Deinem Arzt.

Wenn Du sofort jemanden zum Reden brauchst: Die TelefonSeelsorge ist kostenfrei und Tag und Nacht erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, dazu per Chat und Mail.35 Wenn Du in akuter Gefahr bist, Dir etwas anzutun, ruf den Notruf 112 an.30, 36
05Training und Stress

Training und Stress: wann der gewollte Reiz zu viel wird

Training ist Stress, den Du Dir freiwillig holst. Entscheidend ist, dass Erholung folgt – unter Druck im Leben braucht sie oft länger.

Training: ein gewollter Auslöser von Stress

Erfolgreiches Training braucht Überlastung, muss aber die Kombination aus zu viel Belastung und zu wenig Erholung vermeiden – so steht es im gemeinsamen Konsens zweier großer Fachgesellschaften für Sportwissenschaft und Sportmedizin.4 In einer kleinen Studie mit Männern stieg Cortisol nach einer halben Stunde Ausdauerbelastung bei mittlerer Intensität um rund 40 Prozent, bei hoher um gut 80; bei lockerer stieg es nicht, und ein Teil des Anstiegs ging auf eingedicktes Blut zurück.46 Ein Grund zur Sorge ist dieser Anstieg nach den Daten nicht (Faktencheck, Kapitel 06).

Kurzfristige Überlastung und Übertraining

Wird die Last zu hoch, unterscheiden Fachleute drei Stufen. Die erste ist eine gewollte kurzfristige Überlastung, im Fachjargon Overreaching: Die Leistung sinkt für Tage bis wenige Wochen und steigt nach der Erholung über das alte Niveau. Bei der zweiten dauert die Überlastung zu lang: Die Leistung bleibt Wochen bis Monate unten; nach ausreichender Erholung kommt man meist wieder heran, nicht immer ganz auf den alten Stand. Beim Übertrainingssyndrom dauert der Leistungsabfall meist mehrere Monate, manchmal länger, mit Müdigkeit und Stimmungstiefs.4, 86 Scharfe Grenzen lassen sich nicht ziehen, und ob es ein Übertrainingssyndrom ist, hängt am Verlauf und daran, dass andere Ursachen ausgeschlossen sind – etwa Infekte, ein Kaloriendefizit, Eisen- oder Magnesiummangel.4, 86 Eine systematische Übersicht fand keine einzige Studie, die den Weg in ein Übertrainingssyndrom mit objektiven Leistungsdaten sauber belegt.87 Meine Einordnung: Ob es ein Übertrainingssyndrom war, zeigt sich oft erst im Rückblick – an der Dauer.

Keine sicheren Marker

Einen Messwert, der Übertraining sicher anzeigt, gibt es nach dem Konsens nicht: Mehrere sind im Gebrauch, keiner erfüllt alle Kriterien.4 Hormonwerte in Ruhe sagen es nicht voraus, und auch für Hormontests unter Belastung halten die Autoren einer Übersicht es für zu früh – fast alle Studien liefen mit Ausdauersportlern; das Verhältnis von Testosteron zu Cortisol, ein gängiger Marker, war dort nur in der Hälfte der Studien verändert.86 Im Krafttraining kann es täuschen: Als kraftgeübte junge Männer zwei Wochen lang täglich mit ihrem Maximalgewicht trainierten, fiel ihr Maximum an der Kniebeugemaschine um gut 12 Kilo, während das Hormonverhältnis sogar besser aussah – eine kleine Studie mit ungewöhnlichem Programm.88, 89 Verlässlicher zeigten bei Sportlern ihre eigenen Notizen zu Befinden und Stimmung die Trainingsbelastung.42 Wie Du das für Dich aufschreibst, steht in Kapitel 02.

HRV und Pulserholung: wenn gute Werte täuschen

Viele Uhren zeigen die HRV als Erholungswert. Oft heißt es: hohe HRV, gut erholt. Bei Ausdauersportlern stieg die HRV im Wochenmittel aber gerade bei gewollter kurzfristiger Überlastung, und bei Spitzensportlern gingen sowohl Anstiege als auch Abfälle mit schlechter Anpassung einher.90, 91, 92 Einzelne Messungen zeigten die Veränderung nicht, Wochenmittel schon.90, 91 Ähnlich die Pulserholung, also wie schnell der Puls nach einer Belastung fällt: Bei kurzfristig überlasteten Triathleten fiel er schneller, um rund acht Schläge, während ihre Leistung sank.91, 93 Ein „guter“ Wert kann also gerade in einer Überlastung auftauchen. Mein Rat: Vergleich Deine HRV nur mit Deinen eigenen Werten, über mehrere Tage gemittelt, und immer zusammen mit Leistung, Schlaf und Befinden. Mehr zur Pulserholung auf meiner Seite „Cardio-Erholung: Was Dein Puls danach verrät“.

Lebensstress bremst den Fortschritt

Mit Lebensstress meinen die Studien dazu meist belastende Lebensereignisse, per Fragebogen erfasst. Ob dauernder Druck im Job genauso wirkt, hat keine dieser Studien getrennt untersucht.6 Studenten mit vielen belastenden Lebensereignissen legten in zwölf Wochen Krafttraining bei Bankdrücken und Kniebeugen weniger zu.37 Bei mehr Lebensstress erholte sich die Maximalkraft nach harter Beinpresse langsamer, in der ersten Stunde und über vier Tage; in beiden Studien galt das auch für den empfundenen Stress – vermutlich an denselben Studenten, also keine doppelte Bestätigung.5, 6 Untrainierte, die sich stark belastet fühlten, gewannen in zwei Wochen Ausdauertraining kaum Fitness.94 Das sind Zusammenhänge an kleinen Gruppen, meist Studenten. Meine Einordnung: Trainingsstress und Lebensstress addieren sich – ein Plan, der in einer ruhigen Phase passt, kann in einer belastenden zu viel sein.

Mein Rat für eine stressige Phase Bleib bei Deinen Trainingstagen, aber nimm Umfang raus: pro Übung ein Satz weniger, und hör jeden Satz auf, wenn noch ein, zwei saubere Wiederholungen gehen. Plan zwischen zwei harten Einheiten einen Tag mehr Pause ein. Meine Einordnung: Weniger Sätze sparen Erholung, und die gewohnten Gewichte halten Dich in Übung – deshalb Umfang runter statt Gewicht. Eine Einheit kannst Du in so einer Phase auch durch einen Spaziergang oder lockeres Radfahren ersetzen. Ob es passt, zeigt Dein Trainingsprotokoll (Kapitel 02): Sinken die Gewichte über mehrere Einheiten, nimm Umfang raus. Geh Schritt für Schritt zu Deinem gewohnten Umfang zurück, wenn Du wieder gut schläfst und Deine Gewichte stabil bleiben. Eine Studie, die diese Anpassung mit anderen vergleicht, habe ich nicht gefunden – das ist mein Rat als Trainer, keine Studienregel.

Training am Abend

Eine Meta-Analyse mit Gesunden fand: Nach einer Einheit am Abend war der Schlaf im Mittel nicht schlechter, der Anteil an Tiefschlaf sogar etwas höher. Nur sehr hartes Training, das weniger als eine Stunde vor dem Zubettgehen endete, könnte Einschlafen, Schlafdauer und Schlafqualität beeinträchtigen – so formulieren es die Autoren vorsichtig. Alle Einflüsse, die sie fanden, etwa wie hart die Einheit im Vergleich zur gewohnten Bewegung war, verschwanden, wenn man eine einzige Studie herausnahm.43 Mein Rat: Prüf es bei Dir – brauchst Du nach einer späten Einheit länger zum Einschlafen, leg sie früher oder lass den letzten schweren Satz weg.

Der Stresswert Deiner Uhr

Viele Uhren zeigen einen Stresswert. Wie er genau entsteht, legen die Hersteller nicht offen; er wird vor allem aus Puls und HRV berechnet.23 Geprüft haben ihn zwei Studien, beide mit demselben Garmin-Modell. In einer vorab angemeldeten Laborstudie stieg er bei Rechenaufgaben unter Druck und passte zu Puls und HRV aus einem Brustgurt. Mit dem eigenen Stressempfinden hing er aber nur schwach und nicht gesichert zusammen; der Puls allein sagte es besser voraus. In Bewegung berechnet die Uhr den Wert gar nicht.23 Bei Pflegekräften lag er über drei Monate an Tagen mit mehr Schritten höher und in Nachtschichten niedriger.24 Der Wert zeigt, dass Dein Körper anspringt – durch Druck im Kopf ebenso wie durch Bewegung. Wie gestresst Du Dich fühlst, gibt er kaum wieder. Mein Rat: Vergleich zwei Wochen lang Tage mit und ohne Training. Liegt der Wert nur an Trainingstagen hoch, misst die Uhr vor allem Deine Einheit; liegt er auch an freien Tagen hoch, achte auf Schlaf und Erschöpfung.

06Faktencheck

Was Du über Stress hören wirst – und was davon stimmt

Rund um Stress, Cortisol und Erholung kursieren feste Überzeugungen – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmt eine, vier stimmen halb, fünf stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht. Wie sicher die Datenlage jeweils ist, steht in Kapitel 08.

~„Cortisol macht dick.“ Stimmt halb – sicher nur bei einer Krankheit. Krankhaft viel Cortisol, beim Cushing-Syndrom, macht Bauchfett.14, 15 Bei allen anderen hängen Cortisol und Körperfett nur schwach zusammen, und was Ursache ist, ist offen (Kapitel 03).16, 17
✕„Deine Erschöpfung ist eine Nebennierenschwäche.“ Stimmt so nicht. Eine „Nebennierenschwäche“ ist keine anerkannte Diagnose, und kein Test kann sie nachweisen.10, 34 Wenn Du seit Wochen erschöpft bist, schlecht schläfst oder dauernd angespannt bist, lass es ärztlich abklären (Kapitel 01).
~„Mit Ashwagandha senkst Du Deinen Stress.“ Stimmt halb. Eine Auswertung fand im Fragebogen weniger Stress, mit geringer Sicherheit, eine andere nur niedrigere Cortisolwerte – in kleinen Studien, mindestens eine vom Hersteller bezahlt.25, 79, 81 Dazu kommen Berichte über Leberschäden (Kapitel 04).26
✕„Ein Speicheltest zeigt Deinen Stresspegel.“ Stimmt so nicht. Speichel spiegelt freies Cortisol, die Hormonachse dahinter aber nur indirekt, und Cortisol schwankt stark mit der Tageszeit.15, 51 Cortisol im Haar hing nicht durchgehend mit dem erlebten Stress zusammen.52
~„Sport baut Stress ab.“ Stimmt halb. Über Wochen sinken seelische Anspannung und Angst im Mittel, aus Übersichten oft niedriger Qualität.7 Beim empfundenen Stress sind die Auswertungen uneinheitlich, und Stress selbst macht oft inaktiver.22, 49, 75
~„Mit langem Ausatmen beruhigst Du Dich.“ Stimmt halb. Wer langsames Atmen über Wochen übte, hatte im Mittel etwas weniger Stress, und eine lange Ausatmung entspannte in einer Laborsitzung mehr als eine kurze.8, 18 Dass ein paar Atemzüge Dich im akuten Moment beruhigen, ist aber nicht gesichert: In einer anderen Laborsitzung änderte keine Atemform die Stimmung nennenswert.19
✕„Wer gestresst ist, sollte sich im Training richtig auspowern.“ Stimmt so nicht. Dass Auspowern Stress besser abbaut als moderates Training, hat keine Studie gezeigt, die ich gefunden habe. Über Wochen gingen fordernde Einheiten zwar mit etwas stärkerer Besserung von Angst und gedrückter Stimmung einher7, 75 – aber sehr harte Belastung fühlt sich währenddessen für fast alle unangenehm an, und mit viel Lebensstress erholt sich die Kraft langsamer.5, 44 Steigern ja, quälen nein.
✕„Cortisol nach dem Training baut Muskeln ab.“ Stimmt so nicht. Ein höherer Cortisolanstieg nach dem Krafttraining ging in einer Studie mit jungen Männern nicht mit weniger, sondern leicht mit mehr Muskelzuwachs einher – ein Zusammenhang, kein Beweis.95
✓„Schlafmangel schlägt Dir aufs Gemüt.“ Stimmt – gemessen an Gesunden im Versuch. Eine große Auswertung vieler Versuche mit durchwachten Nächten, verkürztem oder unterbrochenem Schlaf fand weniger gute Gefühle und mehr Angst – laut den Autoren ein starker Beleg, dass Schlafverlust der Gefühlslage schadet; bei schlechter Laune war das Bild uneinheitlich.9
✕„Training am Abend ruiniert Deinen Schlaf.“ Stimmt so nicht. Im Mittel störte eine Einheit am Abend den Schlaf nicht; nur sehr hartes Training kurz vor dem Zubettgehen könnte das Einschlafen verzögern – eine vorsichtige Einschränkung der Autoren, erste Hinweise.43
Kurz gesagt Ganz stimmt nur die Aussage über den Schlafmangel; keine der vier Abkürzungen – Test, Kapsel, Diagnose, hartes Training – hält, was sie verspricht.
07Grenzen

Was Atmen, Training und Kapseln nicht leisten – und was die Daten offenlassen

Zur Ehrlichkeit gehört auch das: was Atmen, Training und Kapseln nicht leisten – und wo die Daten dünn sind.

✕Nicht ohne Arzt, wenn Du erkrankt bist. Bei Depression empfiehlt die deutsche Leitlinie, zu Bewegung zu motivieren. Ob sie allein reicht oder zu Medikament oder Psychotherapie dazukommt, klärt Dein Arzt mit Dir; ob hinter Burnout-Beschwerden eine Depression oder eine körperliche Ursache steckt, ebenfalls.11, 45 Wo Du Hilfe findest: Kapitel 01.
✕Kein Schalter. Atmen, Umdeuten, Achtsamkeit und Bewegung wirken im Mittel klein bis mittel – bei dem einen mehr, beim anderen kaum.7, 8, 20, 70
✕Keine Lösung für die Ursache. Steckt der Stress in Deiner Lage, etwa in einem Dauerkonflikt mit Menschen, lässt sich ihm nach einem Denkmodell aus der Tierforschung nur durch Lernen und veränderte Umstände entgegenwirken, manchmal mit professioneller Hilfe.14, 96
✕Kein Blick in Deinen Kopf per Test oder Uhr. Ein Speicheltest zeigt keinen Stresspegel, und der Stresswert der Uhr hing mit dem eigenen Empfinden kaum zusammen.23, 51
✕Keine Behandlung. Diese Seite erklärt Stress und was dagegen hilft – sie stellt keine Diagnose und ersetzt keine Therapie.

Wo die Daten dünn sind

Vieles zur Stressreaktion stammt aus dem Labor oder aus Tierversuchen; eine Rede vor Fremden ist nicht Dein Arbeitsalltag.3, 97 Was im Alltag schadet, zeigen Beobachtungsstudien – Zusammenhänge, keine Beweise.13, 65 Viele Ergebnisse beruhen auf Selbstauskunft, etwa beim Umdeuten.68 Die Studien zu Lebensstress und Training sind klein und liefen meist mit Studenten.5, 37 Studien zu Präparaten sind klein und teils vom Hersteller bezahlt.27, 81

Cortisol steigt unter Stress

Heißt nicht: weniger Cortisol ist besser

Oft heißt es, man müsse sein Cortisol senken. Cortisol stellt Energie bereit und bremst Entzündungen; fällt die Antwort zu schwach aus, können andere Botenstoffe überschießen.2, 14 Und wer Nebennierenhormone ohne Bedarf nimmt, riskiert, dass die eigenen Nebennieren die Arbeit einstellen.10

Medizinische Vorgeschichte

Gemessen an Gesunden

Die Auswertung zum Abendtraining umfasste nur Studien mit Gesunden, eine Studie zu Lebensstress und Ausdauertraining nur gesunde Untrainierte.43, 94 Erkrankungen von Herz, Kreislauf oder Stoffwechsel haben diese Studien nicht untersucht. Wie hart Du dann trainieren darfst, klärst Du mit Deinem Arzt.

08Wie sicher

Wie sicher ist das alles?

Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.

So lesen sich die Stufen: gut belegt – viele Studien oder eine große Auswertung, alle in dieselbe Richtung; belegt – gute Daten, aber mit Grenzen; erste Hinweise – wenige oder kleine Studien; uneinheitlich – Studien widersprechen sich; nicht belegt – Studien fanden keinen Effekt, oder ich habe keine gefunden.

AussageEinordnung
Cortisol ist etwa 20 bis 40 Minuten nach Beginn einer akuten psychischen Belastung am höchstenbelegt – große Auswertung von Laborstudien mit psychischer Belastung
Im Labor steigt Cortisol am stärksten, wenn man eine Aufgabe nicht im Griff hat und bewertet wirdbelegt – große Auswertung; vorher gegen nachher, Labor, nicht Alltag
Cortisol ist um Mitternacht im Schlaf am niedrigsten, steigt ab etwa 3 bis 4 Uhr und ist zwischen 7 und 9 Uhr am höchstenbelegt – Leitlinie einer Fachgesellschaft; gilt für Menschen mit regelmäßigem Schlaf
Nach dem Aufwachen steigt Cortisol 30 bis 45 Minuten lang deutlich anbelegt – Konsens von Fachleuten
Krankhaft viel Cortisol (Cushing-Syndrom) macht Bauchfettgut belegt – Leitlinie und Übersicht
Bei Menschen ohne Cushing-Syndrom macht Cortisol dickuneinheitlich – schwache Zusammenhänge ohne klare Richtung; kleine Effekte
„Nebennierenschwäche“ ist eine Erkrankung, die ein Test nachweistnicht belegt – systematische Übersicht über 58 Studien, Fachgesellschaft
Stress schadet in vier Mustern: zu oft, kein Abschalten, keine Gewöhnung, zu schwacherste Hinweise – Erklärungsmodell, gestützt auf Einzelbefunde; als Ganzes nicht gemessen
Dauerstress im Job geht mit einem um rund ein Viertel höheren Risiko für Herzinfarkt oder Herztod einherbelegt – große Beobachtungsstudien über Jahre; Zusammenhang
Dauerstress im Job geht mit mehr Depressionen einhererste Hinweise – Zusammenhang in Beobachtungsstudien; nach Berücksichtigung früherer Beschwerden nicht mehr gesichert
Wer über einen Monat stark belastet ist, wird nach Kontakt mit Erkältungsviren häufiger krankerste Hinweise – zwei Versuche mit Viren; Belastung erfragt, nicht zugeteilt, also Zusammenhang
Langsames Atmen, über Wochen geübt, senkt empfundenen Stress ein wenigbelegt – Auswertung von 12 ausgelosten Studien, mäßige Qualität; zu schnellem Atmen nur zwei Studien, zu wenige für ein Urteil
Langsames Atmen beruhigt im akuten Momentuneinheitlich – zwei Laborstudien mit unterschiedlichem Ergebnis
Fünf Minuten zyklisches Seufzen täglich heben die Laune direkt danach etwas mehr als eine kurze Meditationerste Hinweise – eine kleine Studie, nicht vorab angemeldet; allgemeine Ängstlichkeit unverändert
Herzklopfen als Bereitschaft zu deuten verbessert die Leistungbelegt, aber klein – Auswertung von 35 ausgelosten Studien; möglicherweise durch unveröffentlichte Studien überschätzt; die Autoren halten mehr Daten für nötig
Achtsamkeitskurse senken die seelische Anspannungbelegt – große Auswertungen; klein bis mittel, kein Vorteil gegenüber anderen aktiven Angeboten
Bewegung über Wochen senkt seelische Anspannung, Angst und gedrückte Stimmungbelegt – viele Studien, mittlere Effekte; Übersichten oft von niedriger Qualität
Bewegung senkt den empfundenen Stressuneinheitlich – Auswertungen je nach Gruppe mit und ohne Effekt
Schlafverlust drückt die guten Gefühle und erhöht die Angstgut belegt – große Auswertung von 154 Versuchen mit Gesunden
Schlafmangel treibt das Cortisol hochuneinheitlich – am nächsten Abend höher in einer kleinen Studie; Auswertung insgesamt ohne gesicherten Unterschied
Ashwagandha senkt den erlebten Stressuneinheitlich – Auswertungen mit und ohne Effekt, geringe Sicherheit
Ashwagandha kann die Leber schädigenbelegt als Risiko – Fallserien, Warnung einer Bundesbehörde; wie häufig, ist unbekannt
Magnesium hilft gegen Stressnicht belegt – eine Übersicht fand keine Studie mit geprüftem Stressfragebogen; eine spätere Studie hatte keine Gruppe mit Scheinmittel
Kurzfristige Überlastung und Übertraining unterscheiden sich vor allem in der Dauer, ohne scharfe Grenzenerste Hinweise – Einteilung von Fachleuten; eine systematische Übersicht fand keine Studie, die den Weg ins Übertrainingssyndrom sauber belegt
Bei gewollter kurzfristiger Überlastung steigen das Wochenmittel der HRV und die Pulserholung eher anbelegt – Auswertung von Studien mit Ausdauersportlern; einzelne HRV-Messungen zeigten keinen gesicherten Unterschied
Der Cortisolanstieg nach dem Krafttraining bremst den Muskelaufbaunicht belegt – eine Studie mit jungen Männern: eher leicht mehr Zuwachs; Zusammenhang
Viel Lebensstress bremst Erholung und Fortschritt im Trainingerste Hinweise – kleine Studien, meist mit Studenten; Zusammenhänge
In stressigen Phasen Umfang senken, statt das Training zu streichennicht belegt – keine Studie gefunden; mein Rat als Trainer
Training am Abend stört den Schlafnicht belegt – Auswertung von 23 Studien: im Mittel nicht; zu sehr hartem Training kurz vor dem Schlafen nur eine vorsichtige Einschränkung der Autoren
Der Stresswert der Uhr zeigt Dein Stressempfindennicht belegt – in einer Studie kein gesicherter Zusammenhang; gegen Cortisol nicht geprüft
Burnout ist laut WHO keine Krankheitbelegt – Einstufung der Weltgesundheitsorganisation
Burnout kann in eine Erkrankung mündenerste Hinweise – Einschätzung einer deutschen Fachgesellschaft, keine eigenen Daten

Sechs Zahlen zum Mitnehmen

Das Kurze · Fazit in Zahlen

Jede Zahl mit Quelle und Haken

Die sechs Zahlen stammen aus zwei Auswertungen vieler Studien, einer gemeinsamen Auswertung großer Beobachtungsstudien, drei Einzelstudien sowie einem Konsenspapier und einer Leitlinie von Fachleuten, Stand Oktober 2026. Zu jeder steht, wer untersucht wurde, was herauskam und wo der Haken liegt.

20–40 Min
nach Beginn einer akuten psychischen
Belastung ist Cortisol am höchsten

Die Alarmreaktion läuft in Sekunden, Cortisol braucht Dutzende Minuten. Am stärksten stieg es, wenn die Teilnehmer eine Aufgabe nicht im Griff hatten und bewertet wurden.

Haken

Laborversuche mit psychischer Belastung, vorher gegen nachher verglichen; wie es im Alltag verläuft, zeigt diese Zahl nicht.

Quelle: Dickerson und Kemeny 2004, Meta-Analyse · 208 Laborstudien, 6.153 Teilnehmer3
5 Minuten
täglich zyklisch seufzen,
einen Monat lang

Direkt nach jeder Übung ging es allen Gruppen besser; nach dem zyklischen Seufzen stieg die gute Laune etwas stärker als nach einer kurzen Meditation, umso mehr, je länger die Teilnehmer dabei waren.

Haken

Eine kleine Studie, nicht vorab angemeldet, überwiegend Studenten; allgemeine Ängstlichkeit, Puls und HRV in der Nacht unverändert. Der leitende Autor wurde Berater des Herstellers, der die Armbänder gestellt hatte, während die Zeitschrift die Arbeit begutachtete.

Quelle: Balban und Kollegen 2023 · 108 Teilnehmer, ausgelost auf vier Übungen12
rund ein Viertel
höheres Risiko für Herzinfarkt oder
Herztod bei Dauerstress im Job

Hohe Anforderungen bei wenig Mitsprache, über Jahre beobachtet. Selbst wenn der Arbeitsstress die Ursache wäre, gingen nach der Rechnung der Autoren nur gut 3 von 100 Fällen auf ihn zurück; das Rauchen anzugehen brächte viel mehr.

Haken

Ein Zusammenhang, keine Ursache; der Arbeitsstress wurde einmal per Fragebogen erfasst, und in den unveröffentlichten Daten fiel der Wert kleiner aus.

Quelle: Kivimäki und Kollegen 2012 · 13 europäische Kohorten, 197.473 Erwerbstätige13
1 Stunde
zwischen sehr hartem Training und dem
Zubettgehen – keine feste Grenze

Im Mittel störte eine Einheit am Abend den Schlaf nicht. Nur sehr hartes Training, das weniger als eine Stunde vor dem Schlafen endete, könnte das Einschlafen verzögern.

Haken

Einzelne Einheiten mit Gesunden; die Aussage zur letzten Stunde ist eine vorsichtige Einschränkung der Autoren – erste Hinweise, keine feste Grenze.

Quelle: Stutz und Kollegen 2019, Meta-Analyse · 23 Studien mit Gesunden43
30–45 Min
nach dem Aufwachen steigt
Cortisol deutlich an

Das ist die normale Aufwachreaktion. Über den Tag fällt Cortisol; um Mitternacht im Schlaf ist es am niedrigsten.

Haken

Konsens von Fachleuten zur Messung, keine einzelne Studie; zu Hause gemessen, hängt der Wert an der genauen Probenzeit.

Quelle: Stalder und Kollegen 2016, Konsenspapier; Nieman und Kollegen 2008, Leitlinie der Endocrine Society15, 48
12 Wochen
Krafttraining unter viel
Lebensstress

Wer viele belastende Lebensereignisse hatte, legte bei Bankdrücken und Kniebeugen weniger zu. In einer weiteren Studie erholte sich die Kraft langsamer.

Haken

Zusammenhänge an Studenten; die Gruppen wurden nur am mittleren Wert in zwei Hälften geteilt, und wie viel weniger sie zulegten, konnte ich nicht prüfen.

Quelle: Bartholomew und Kollegen 2008 · 135 Studenten; Stults-Kolehmainen und Kollegen 2014 · 31 Studenten5, 37

Jede der sechs Zahlen habe ich in der Studie oder ihrer Kurzfassung nachgelesen, Stand 28.10.2026. Was ich dabei nicht prüfen konnte, steht im Kapitel „Belegt“.

Der eine Satz, wenn Du Dir nur einen merkst Stress ist ein Alarm, der wieder abschalten muss – beweg Dich über Wochen, schütze Deinen Schlaf, übe langsames Atmen, nimm in belastenden Phasen im Training Umfang raus, statt es zu streichen, und lass anhaltende Erschöpfung, schlechten Schlaf oder Dauerspannung ärztlich abklären, statt sie mit Kapseln zu behandeln.
09Belegt

Worauf sich diese Seite stützt

Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Teilnehmer, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Alle Studien habe ich über PubMed geprüft, Webseiten an der Quelle selbst. Gelesen habe ich bei jeder Studie mindestens die Kurzfassung, den Überblick am Anfang; wo ich den Volltext gelesen habe, steht das dabei. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.

97 Quellen · hier aufklappenzuklappenGeldgeber und Interessenkonflikte

Ein paar Begriffe, die in den Belegen vorkommen: Die HPA-Achse ist die Hormonachse vom Gehirn zur Nebenniere, CRH und ACTH sind ihre Signalhormone, Glucocorticoide die Hormongruppe, zu der Cortisol gehört. Der Trier-Sozialstresstest, kurz TSST, ist ein genormter Stresstest im Labor mit Rede und Rechenaufgabe vor einem prüfenden Gremium. „Job strain“ heißt Arbeitsstress aus hohen Anforderungen und wenig Spielraum. Allostatische Last, kurz AL, ist die Abnutzung durch wiederholte Anpassung an Stress. HRV ist die Herzfrequenzvariabilität, HRR die Pulserholung. FOR, NFOR und OTS stehen für die gewollte und die zu lange kurzfristige Überlastung, englisch Overreaching, und für das Übertrainingssyndrom. VO2max ist die maximale Sauerstoffaufnahme, 1RM das Maximalgewicht für eine Wiederholung. Eine Kohorte ist eine Gruppe, die über Jahre beobachtet wird. Randomisiert heißt: Das Los entschied über die Gruppe; doppelt verblindet: Weder Teilnehmer noch Untersucher wussten, wer was bekam; ein Scheinpräparat, auch Placebo, enthält keinen Wirkstoff. Eine Meta-Analyse wertet viele Studien gemeinsam aus. d, g und SMD geben an, wie groß ein Unterschied ist – um 0,2 gilt als klein, um 0,5 als mittel, ab 0,8 als groß; r misst einen Zusammenhang zwischen −1 und 1. HR, RR und OR geben an, um welchen Faktor ein Risiko oder eine Chance höher liegt: 1,23 heißt 23 Prozent höher. CI oder KI ist der Vertrauensbereich, in dem der wahre Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt. P ist ein Maß dafür, wie gut ein Befund gegen Zufall abgesichert ist; unter 0,05 gilt er als gesichert. Die Kurzfassung ist der Überblick am Anfang einer Studie. Ein Querschnitt misst alles zu einem einzigen Zeitpunkt. Vorab angemeldet heißt: Die Forscher legten vor Beginn öffentlich fest, was sie auswerten.

So liest Du die Angaben zu den Geldgebern PubMed, die Studiendatenbank der US-Nationalbibliothek für Medizin, ordnet Studien nach ihren Geldgebern ein: Stellen der US-Regierung, etwa die Gesundheitsinstitute NIH oder der US-Gesundheitsdienst – und „außerhalb der US-Regierung“ für alles andere. „Außerhalb der US-Regierung“ heißt also: Das Geld kam von Hochschulen, Stiftungen, anderen Staaten oder Firmen – wer genau, steht nur in der vollständigen Arbeit. Steht bei einer Studie kein Geldgeber, „nicht geprüft“ oder „nicht prüfbar“, habe ich die Finanzierung nicht selbst gelesen. Dasselbe gilt für Interessenkonflikte: Steht dazu nichts, habe ich sie nicht geprüft.
1Ulrich-Lai YM, Herman JP (2009). Neural regulation of endocrine and autonomic stress responses. Nature Reviews Neuroscience 10(6):397–409. DOI 10.1038/nrn2647 · PMID 19469025 · PMC4240627 Übersicht, überwiegend Tierforschung, einzelne Befunde am Menschen. „the sympatho-adrenomedullary arm can rapidly increase heart rate and blood pressure (in seconds) … excitation of the ANS wanes quickly — due to reflex parasympathetic activation“. „Peak plasma glucocorticoid levels occur tens of minutes after initiation of stress.“ „The HPA axis is subject to feedback inhibition by its principal product, glucocorticoids“. „these two physiological systems also work together“. „‚positive‘ stimuli (such as novel rewards) can cause comparable physiological stress responses“. Einschränkung: Mechanismen überwiegend aus Tierversuchen; Zeitangaben nur als „seconds“ und „tens of minutes“. Volltext gelesen. Geldgeber laut PubMed die US-Gesundheitsinstitute NIH.
2Sapolsky RM, Romero LM, Munck AU (2000). How do glucocorticoids influence stress responses? Integrating permissive, suppressive, stimulatory, and preparative actions. Endocrine Reviews 21(1):55–89. DOI 10.1210/edrv.21.1.0389 · PMID 10696570 Übersicht. Glucocorticoide „help mediate the ongoing or pending stress response“ oder „suppress the stress response, preventing it from being pathologically overactivated“; sie wirken auf „cardiovascular function, fluid volume and hemorrhage, immunity and inflammation, metabolism, neurobiology, and reproductive physiology“. Einschränkung: Übersicht. Geldgeber laut PubMed der US-Gesundheitsdienst.
3Dickerson SS, Kemeny ME (2004). Acute stressors and cortisol responses: a theoretical integration and synthesis of laboratory research. Psychological Bulletin 130(3):355–391. DOI 10.1037/0033-2909.130.3.355 · PMID 15122924 Meta-Analyse, 208 Laborstudien mit akuter psychischer Belastung, 599 Effektstärken, 6.153 Teilnehmer. „the peak cortisol response occurs 21–40 min from onset of acute psychological stressors“ (S. 368). Die Effektstärke d ist „the magnitude of the difference between pre- and poststressor cortisol values in standard deviation units“ (S. 360) – vorher gegen nachher in derselben Gruppe, ohne Kontrollgruppe. Aufgaben, die unkontrollierbar waren und eine soziale Bewertung enthielten, „had the largest effect size of 0.92 (CI 0.70, 1.14)“ (S. 370); nur unkontrollierbar 0,32, nur soziale Bewertung 0,35; Aufgaben ohne beides „did not elicit significant cortisol responses“; Denkaufgaben d = 0,20, „task performance alone is not sufficient to trigger this system“. Kurzfassung: „largest cortisol and adrenocorticotropin hormone changes and the longest times to recovery“; die Ergebnisse „contradict the belief that cortisol is responsive to all types of stressors“. Mittleres Alter und Anteil der Geschlechter sagten die Effektstärke nicht voraus. Einschränkung: nur Labor, akute Belastung, gesunde Gruppen. Gelesen als Kopie des Volltexts auf einem Hochschulserver; im gelesenen Text gingen Minuszeichen verloren, deshalb ist das Vorzeichen der Zelle „weder noch“ (0,08 oder −0,08) nicht sicher; Erholungszeiten im Einzelnen habe ich darin nicht gefunden. Geldgeber laut PubMed Stellen der US-Regierung, darunter der US-Gesundheitsdienst.
4Meeusen R, Duclos M, Foster C, Fry A, Gleeson M, Nieman D, Raglin J, Rietjens G, Steinacker J, Urhausen A (2013). Prevention, diagnosis, and treatment of the overtraining syndrome: joint consensus statement of the European College of Sport Science and the American College of Sports Medicine. Medicine and Science in Sports and Exercise 45(1):186–205. DOI 10.1249/MSS.0b013e318279a10a · PMID 23247672 Konsens zweier Fachgesellschaften. „Successful training not only must involve overload but also must avoid the combination of excessive overload plus inadequate recovery.“ „This functional overreaching will eventually lead to an improvement in performance after recovery.“ „The distinction between NFOR and OTS is very difficult and will depend on the clinical outcome and exclusion diagnosis.“ Als Zeichen nennt der Konsens „fatigue, performance decline, and mood disturbances“; auszuschließen sind unter anderem „organic diseases or infections … dietary caloric restriction (negative energy balance) … iron deficiency, magnesium deficiency“. Zu Markern: „none of them meet all the criteria to make their use generally accepted.“ Einschränkung: Volltext bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar; die Zeitspannen der Stufen deshalb aus einer weiteren Übersicht 86. Mitautor Fry ist Erstautor zweier Krafttrainingsstudien auf dieser Seite. Geldgeber in PubMed nicht angegeben.
5Stults-Kolehmainen MA, Bartholomew JB, Sinha R (2014). Chronic psychological stress impairs recovery of muscular function and somatic sensations over a 96-hour period. Journal of Strength and Conditioning Research 28(7):2007–2017. DOI 10.1519/JSC.0000000000000335 · PMID 24343323 31 Studenten, im Mittel 20 Jahre; harte Beinpresse, Erholung der Maximalkraft über 96 Stunden. „Life event stress significantly moderated linear (p = 0.027) and squared (p = 0.031) recovery of MIF“ – MIF ist die Maximalkraft in einem statischen Test. „Mean perceived stress modulated linear and squared recovery of MIF (p < 0.001)“ – also auch der empfundene Stress. „In all analyses, higher stress was associated with worse recovery.“ Rat der Autoren: „individuals may need to be more mindful about observing an appropriate length of recovery“. Einschränkung: klein, Zusammenhang; dieselbe Beschreibung der Teilnehmer wie in einer früheren Studie 6, vermutlich dieselbe Gruppe – keine unabhängige Bestätigung.
6Stults-Kolehmainen MA, Bartholomew JB (2012). Psychological stress impairs short-term muscular recovery from resistance exercise. Medicine and Science in Sports and Exercise 44(11):2220–2227. DOI 10.1249/MSS.0b013e31825f67a0 · PMID 22688829 31 Studenten, im Mittel 20 Jahre; harte Beinpresse, Maximalkraft bis 60 Minuten danach. Lebensstress „significantly moderated linear (P = 0.013) and squared (P = 0.05) recovery of MIF“, empfundener Stress ebenso (P = 0,023); kein Einfluss auf Energie, Müdigkeit oder Muskelkater. Einschränkung: klein, Zusammenhang.
7Singh B, Olds T, Curtis R und 10 weitere (2023). Effectiveness of physical activity interventions for improving depression, anxiety and distress: an overview of systematic reviews. British Journal of Sports Medicine 57(18):1203–1209. DOI 10.1136/bjsports-2022-106195 · PMID 36796860 · PMC10579187 Übersicht über 97 Übersichtsarbeiten mit 1.039 Studien und 128.119 Erwachsenen, gesund und krank. „Physical activity had medium effects on depression (median effect size=-0.43, IQR=-0.66 to -0.27), anxiety (median effect size=-0.42 …) and psychological distress (effect size=-0.60 …)“ – „distress“ ist die seelische Anspannung. „Populations included healthy adults, people with mental health disorders and people with various chronic diseases.“ „Higher intensity physical activity was associated with greater improvements in symptoms.“ Einschränkung: „most (n=77) of the included reviews were rated as ‚critically low‘“; Schwerpunkt leichte bis mittlere Beschwerden. Volltext gelesen. Geldgeber in PubMed nicht angegeben.
8Fincham GW, Strauss C, Montero-Marin J, Cavanagh K (2023). Effect of breathwork on stress and mental health: A meta-analysis of randomised-controlled trials. Scientific Reports 13(1):432. DOI 10.1038/s41598-022-27247-y · PMID 36624160 · PMC9828383 Vorab angemeldete Meta-Analyse ausgeloster Studien, Suche bis Februar 2022. Hauptergebnis: 12 Studien, 785 Erwachsene – 6 Studien mit körperlich Kranken, 5 ohne Erkrankung, 1 mit psychisch Kranken; 10 zu langsamem, 2 zu schnellem Atmen. Selbst berichteter Stress „g = − 0.35 [95% CI − 0.55, − 0.14]“; Angst g = −0,32, depressive Beschwerden −0,40. „significant effects were yielded when breathwork was primarily focused on slow-paced breathing (but not for fast-paced breathing)“; „a significant effect of breathwork on stress in nonclinical samples, but not in mental (only one study) or physical health populations“; zugleich „There were no significant differential effects between subgroups.“ Einschränkung: 3 Studien mit hohem Verzerrungsrisiko, 9 mit „some concerns“; Nebenwirkungen nur in 4 Studien erfasst, bei schnellem Atmen in einer Studie Hitzewallungen, Atemnot und Schwitzen; die Autoren warnen vor einer „miscalibration between hype and evidence“. Volltext gelesen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
9Palmer CA, Bower JL, Cho KW, Clementi MA, Lau S, Oosterhoff B, Alfano CA (online 2023). Sleep loss and emotion: A systematic review and meta-analysis of over 50 years of experimental research. Psychological Bulletin 150(4):440–463. DOI 10.1037/bul0000410 · PMID 38127505 Vorab angemeldete Meta-Analyse von Versuchen mit Gesunden: 154 Studien, 5.717 Teilnehmer zwischen 7 und 79 Jahren, durchwachte Nacht, verkürzter oder unterbrochener Schlaf. „all forms of sleep loss resulted in reduced positive affect (SMD = -0.27 to -1.14), increased anxiety symptoms (SMD = 0.57-0.63)“; „Findings for negative affect, reports of emotional valence in response to emotional stimuli, and depressive symptoms were mixed“; die Erregung auf Gefühlsreize war gedämpft („blunted arousal in response to emotional stimuli“). Fazit der Autoren: „strong evidence that periods of extended wakefulness, shortened sleep duration, and/or nighttime awakenings adversely influence human emotional functioning“. Einschränkung: nur Versuche mit Schlafverlust – ob mehr Schlaf die Stimmung hebt, prüft die Auswertung nicht; Ergebnisse je nach Art des Schlafverlusts verschieden. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft. In PubMed nur das Online-Datum, Heftjahr nicht geprüft.
10Endocrine Society. Adrenal Fatigue. Endocrine Library, Informationsseite für Betroffene, zuletzt aktualisiert am 25.01.2022. endocrine.org · Adrenal Fatigue · abgerufen am 28.10.2026 „No scientific proof exists to support adrenal fatigue as a true medical condition.“ „There is no test that can detect adrenal fatigue.“ Solche Tests „are not based on scientific facts or supported by good scientific studies“. „If you take adrenal hormone supplements when you don't need them, your adrenal glands may stop working.“ Laut Seite können die Drüsen danach monatelang untätig bleiben, mit dem Risiko einer lebensbedrohlichen „adrenal crisis“; abzuklären seien Ursachen wie eine Nebenniereninsuffizienz, Depression oder Schlafapnoe. Informationsseite einer Fachgesellschaft für Hormonmedizin, keine Studie; Redaktion Bancos I, Schorr Haines M, Wexler J. Der Zitierblock der Seite nennt ein anderes Datum (18.01.2022).
11Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). Positionspapier zum Thema Burnout, 07.03.2012; Berger M, Linden M, Schramm E, Hillert A, Voderholzer U, Maier W. Kopie bei der Psychotherapeutenkammer Berlin · abgerufen am 28.10.2026 Burnout-Beschwerden ohne Erkrankung „bedeuten noch nicht das Vorliegen einer Krankheit nach der ICD-10“; „Dabei kann Burnout einen Risikozustand für eine spätere psychische oder körperliche Erkrankung darstellen“. Das Papier warnt vor einer „Gleichstellung des schweren und oft lebensbedrohliche Krankheitsbildes der Depression mit Burnout“; nur eine gründliche medizinische Untersuchung könne körperliche Ursachen erfassen, als Beispiele nennt es unter anderem Schilddrüsenerkrankungen, Multiple Sklerose und Krebs. Einschränkung: von 2012, bezogen auf die ältere Klassifikation ICD-10; auf der Seite der Fachgesellschaft nicht gefunden, gelesen als Kopie; Wortlaut nur in gekürzten Ausschnitten gelesen.
12Balban MY, Neri E, Kogon MM, Weed L, Nouriani B, Jo B, Holl G, Zeitzer JM, Spiegel D, Huberman AD (2023). Brief structured respiration practices enhance mood and reduce physiological arousal. Cell Reports Medicine 4(1):100895. DOI 10.1016/j.xcrm.2022.100895 · PMID 36630953 · PMC9873947 Ausgeloste Studie, vollständig aus der Ferne, Rekrutierung ab 02.06.2020, Datenerhebung bis 17.09.2020; 108 Teilnehmer ab 18 Jahren, „Most of the participants were recruited from an undergraduate psychology class at Stanford University“. Gruppen: 24 Achtsamkeit, 30 zyklisches Seufzen, 21 Box-Atmung, 33 zyklische Hyperventilation mit Atempause; 5 Minuten täglich über 28 Tage, absolviert im Mittel 17,7 (Achtsamkeit) und 19,6 Tage (Atmen). Anleitung zum Seufzen: „inhale slowly, and that once their lungs were expanded, to inhale again once more to maximally fill their lungs … and then to slowly and fully exhale all their breath“; die Achtsamkeitsübung lenkte die Aufmerksamkeit „on their forehead region between their two eyes“, üblich seien „20-min (or more) sessions“. „the cyclic sighing group had a significantly higher increase in positive affect than those in the mindfulness meditation group“; „There were no differences between the two groups in state anxiety and negative affect changes“; „No significant changes were found in heart rate variability or resting heart rate over the course of the study in either of the groups“; Schlaf unverändert; „10% reported negative experiences related to the exercises“. Einleitung: „Inhales increase heart rate and exhales decrease heart rate via respiratory sinus arrhythmia“. Einschränkung: „not pre-registered as a clinical trial“, erst nachträglich registriert; „sample size in each group was relatively small“; die Übungen liefen unkontrolliert aus der Ferne; die Anleitungsvideos sprach der Letztautor. Interessenkonflikt laut Erklärung: „A.D.H. became an advisor to WHOOP in June of 2022“ – nach der Datenerhebung; eingereicht war die Arbeit am 02.04.2022, angenommen am 15.12.2022, die Beratung begann also während der Begutachtung; „We also thank WHOOP for generously donating the wrist straps used in the study“; die Teilnehmer erhielten Armband (rund 350 Dollar) und sechs Monate Abo (180 Dollar) als Vergütung; „WHOOP was not involved in the design or analysis of this study“; Puls und HRV in der Nacht berechnete das Armband selbst: „WHOOP calculates resting heart rate and heart rate variability during deep sleep through their proprietary algorithms“. Geldgeber laut Arbeit „Victor and Winnie Koo and Tianren Culture“, also zwei Privatpersonen und offenbar eine Organisation, und ein Förderpreis der Medizinfakultät der Hochschule für den Letztautor; laut PubMed außerhalb der US-Regierung. Volltext gelesen; Erklärung und Förderung nur in gekürzten Ausschnitten.
13Kivimäki M, Nyberg ST, Batty GD und 43 weitere (2012). Job strain as a risk factor for coronary heart disease: a collaborative meta-analysis of individual participant data. Lancet 380(9852):1491–1497. DOI 10.1016/S0140-6736(12)60994-5 · PMID 22981903 · PMC3486012 Gemeinsame Auswertung der Einzeldaten aus 13 europäischen Kohorten: 197.473 Erwerbstätige ohne Herzerkrankung, im Mittel 7,5 Jahre beobachtet, 2.358 Herzinfarkte oder Herztode. „the hazard ratio for job strain versus no job strain was 1·23 (95% CI 1·10-1·37)“ – rund ein Viertel höher; in veröffentlichten Studien 1,43, in unveröffentlichten Daten 1,16. „The population attributable risk for job strain was 3·4%.“ Gezählt wurden „the first non-fatal myocardial infarction or coronary death“. Vorbeugung „would have a much smaller effect than would tackling of standard risk factors, such as smoking“; Volltext: „the PAR is substantially less than that for standard risk factors, such as smoking (36% in INTERHEART), abdominal obesity (20%), and physical inactivity (12%)“ – PAR ist der Anteil der Fälle, der rechnerisch auf den Arbeitsstress entfällt. Nach Berücksichtigung der sozialen Lage „attenuated to 1·17 (1·05–1·31)“. Einschränkung: Beobachtung; Arbeitsstress einmal per Fragebogen erfasst; wie groß der Effekt wirklich ist, wird in der Fachwelt diskutiert. Geldgeber laut Kurzfassung Forschungs- und Arbeitsschutzförderer aus Finnland, Schweden, Dänemark, den Niederlanden und Großbritannien, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, die BUPA-Stiftung, der Wellcome Trust und die US-Gesundheitsinstitute NIH.
14McEwen BS (2006). Protective and damaging effects of stress mediators: central role of the brain. Dialogues in Clinical Neuroscience 8(4):367–381. DOI 10.31887/DCNS.2006.8.4/bmcewen · PMID 17290796 · PMC3181832 Übersicht. Abbildung 1, nachgedruckt aus der Arbeit von 1998 62: „Four types of allostatic load“ – „repeated ‚hits‘ from multiple stressors“, „lack of adaptation“, „prolonged response due to delayed shut down“ und „inadequate response that leads to compensatory hyperactivity of other mediators (eg, inadequate secretion of glucocorticoid, resulting in increased levels of cytokines that are normally counter-regulated by glucocorticoids)“. Zur Gewöhnung: „poor self-esteem has been shown to cause recurrent increases in Cortisol levels during a repetition of a public speaking challenge in which those individuals with good self-esteem are able to habituate“. Katecholamine, also Adrenalin und Noradrenalin: „chronically increased heart rate and blood pressure – produce chronic wear and tear on the cardiovascular system“. Glucocorticoide hemmen die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe, mit Ausnahmen. „Both major depression and Cushing's disease are associated with chronic elevation of Cortisol that results in gradual loss of minerals from bone and abdominal obesity.“ „three or more regular social contacts … associated with lower allostatic load scores“. Empfehlungen: Schlaf, soziale Unterstützung, positive Haltung, Ernährung, nicht rauchen, „regular moderate physical activity“; Probleme zu lösen „may require professional help on the personal level, or even a change of job or profession“. Einschränkung: Übersicht; die vier Muster sind ein Modell, gestützt auf Einzelbefunde, teils aus Tierversuchen. Volltext gelesen. Geldgeber in PubMed nicht angegeben.
15Nieman LK, Biller BMK, Findling JW, Newell-Price J, Savage MO, Stewart PM, Montori VM (2008). The diagnosis of Cushing's syndrome: an Endocrine Society Clinical Practice Guideline. Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 93(5):1526–1540. DOI 10.1210/jc.2008-0125 · PMID 18334580 · PMC2386281 Leitlinie der Endocrine Society. Tagesrhythmus: „the level of serum cortisol begins to rise at 0300–0400 h, reaches a peak at 0700–0900 h“ und fällt über den Tag „to very low levels when the person is unstressed and asleep at midnight“; „the test assumes a nadir of cortisol in the late evening“. „Circulating cortisol concentrations are usually normal (or slightly reduced) in obesity, but severe obesity can raise UFC“ – UFC ist das freie Cortisol im Urin. Tabelle „Features that best discriminate Cushing's syndrome; most do not have a high sensitivity“: rötlich-violette Dehnungsstreifen, Gesichtsröte, Muskelschwäche nahe am Rumpf, Blutergüsse ohne Anlass; Übergewicht, Depression, Diabetes und Bluthochdruck können Folgen von zu viel Cortisol sein, sind aber „also common in the general population“. Einschränkung: Leitlinie von 2008; die Uhrzeiten gelten für Menschen mit regelmäßigem Schlaf. Volltext auf der Verlagsseite gelesen. Geldgeber: „The Task Force received no corporate funding or remuneration.“ Interessenkonflikte laut Leitlinie: Mehrere Autoren berieten Arzneimittelhersteller, darunter Novartis, HRA Pharma und Corcept; für die Aussagen auf dieser Seite, Tagesrhythmus und Übergewicht, spielt das kaum eine Rolle.
16van der Valk E, Abawi O, Mohseni M und 10 weitere (2022, online 2021). Cross-sectional relation of long-term glucocorticoids in hair with anthropometric measurements and their possible determinants: A systematic review and meta-analysis. Obesity Reviews 23(3):e13376. DOI 10.1111/obr.13376 · PMID 34811866 · PMC9285618 Systematische Übersicht und Meta-Analyse, 146 Kohorten mit 34.342 Menschen. Haarcortisol und BMI „pooled correlation … 0.10 (95%CI 0.08-0.13; k = 122; n = 26,527)“; Haarcortison, das Abbauprodukt, und Taillenumfang 0,18 (0,11 bis 0,24). Die Autoren: „causality cannot be proven by our study because of its limitation to cross‐sectional associations“; höhere Werte „may contribute to or reflect the state of specifically central adiposity“. Einschränkung: Querschnitt, kleine Zusammenhänge. Volltext gezielt gelesen. Geldgeber: die Elisabeth Foundation, eine gemeinnützige Stiftung für Adipositasforschung, und die niederländische Forschungsförderung (NWO ZonMW Vidi); „The authors declare that there are no conflicts of interest for all authors.“
17Chao AM, Jastreboff AM, White MA, Grilo CM, Sinha R (2017). Stress, cortisol, and other appetite-related hormones: Prospective prediction of 6-month changes in food cravings and weight. Obesity 25(4):713–720. DOI 10.1002/oby.21790 · PMID 28349668 · PMC5373497 Beobachtung über 6 Monate, 339 Erwachsene, im Mittel 29 Jahre, 57 Prozent Frauen; Morgencortisol nüchtern. Zu Beginn hing der BMI umgekehrt mit dem Morgencortisol zusammen (−0,29). „Individuals with higher baseline cortisol gained an average of 1.12±0.33 kgs whereas those with lower baseline cortisol gained 0.53±0.37 kgs“; „While the effect sizes of the findings were small“. Aus der Einleitung, als Stand der Forschung: „During acute stress, appetite is typically suppressed. Chronic stress generally promotes wanting, seeking, and intake of palatable high-fat and energy-dense foods.“ Einschränkung: kurz, Zusammenhang, wenige Messungen. Volltext gelesen.
18Van Diest I, Verstappen K, Aubert AE, Widjaja D, Vansteenwegen D, Vlemincx E (2014). Inhalation/Exhalation ratio modulates the effect of slow breathing on heart rate variability and relaxation. Applied Psychophysiology and Biofeedback 39(3-4):171–180. DOI 10.1007/s10484-014-9253-x · PMID 25156003 30 Teilnehmer, vier Atemmuster: 6 oder 12 Atemzüge pro Minute, Verhältnis von Ein- zu Ausatmung 0,42 (lange Ausatmung) oder 2,33. „Participants reported increased relaxation, stress reduction, mindfulness and positive energy when breathing with the low compared to the high i/e ratio.“ „A low i/e ratio was also associated with more power in the high frequency component of heart rate variability, but only for the slow breathing pattern.“ Einschränkung: kleine Laborstudie, eine Sitzung; Alter und Geschlecht nicht in der Kurzfassung. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
19Marchant J, Khazan I, Cressman M, Steffen P (2025). Comparing the Effects of Square, 4-7-8, and 6 Breaths-per-Minute Breathing Conditions on Heart Rate Variability, CO2 Levels, and Mood. Applied Psychophysiology and Biofeedback 50(2):261–276. DOI 10.1007/s10484-025-09688-z · PMID 39864026 84 Studenten, 60 Prozent Frauen; jeder durchlief alle Bedingungen: Box-Atmung („square“), 4-7-8, 6 Atemzüge pro Minute mit 4 zu 6 und mit 5 zu 5 Sekunden. „Square and 4-7-8 breathing are popularly promoted by psychotherapists but have little empirical support.“ „Breathing at 6 bpm increased HRV measures more than square or 4-7-8 breathing with small to medium effects. None of the breathing conditions resulted in meaningful changes in blood pressure or mood.“ „Unexpectedly, breathing at 6 bpm led to mild over-breathing.“ Einschränkung: eine Sitzung, junge Gesunde, Labor. Geldgeber in PubMed nicht angegeben.
20Bosshard M, Gomez P (2024). Effectiveness of stress arousal reappraisal and stress-is-enhancing mindset interventions on task performance outcomes: a meta-analysis of randomized controlled trials. Scientific Reports 14(1):7923. DOI 10.1038/s41598-024-58408-w · PMID 38575696 · PMC10994935 Vorab angemeldete Meta-Analyse, 35 ausgeloste Studien aus 33 Artikeln, 44 Effektgrößen, 5.638 Teilnehmer, 65 Prozent Frauen, im Mittel 22,6 Jahre, keine Erkrankten. Leistung „d = 0.23, 95% CI [0.14, 0.33]“, Vorhersagebereich −0,18 bis 0,65; nur Umdeuten der Erregung 0,22; nur positive Sicht auf Stress 0,18, nicht gesichert; Auftritte vor Publikum 0,34, schriftliche Aufgaben 0,20. Nach einer Korrektur für vermutlich fehlende Studien „decreased to … 0.14 (95% CI [0.04, 0.24])“; Egger-Test, ein Test auf fehlende Studien, p = 0,042. Schluss: „not ‚silver bullets‘“. Einschränkung: meist kurzfristige Wirkung, oft ohne Ausgangsmessung, sehr unterschiedliche Aufgaben. Volltext gelesen.
21Liu JJW, Ein N, Gervasio J, Vickers K (2019). The efficacy of stress reappraisal interventions on stress responsivity: A meta-analysis and systematic review of existing evidence. PLoS One 14(2):e0212854. DOI 10.1371/journal.pone.0212854 · PMID 30811484 · PMC6392321 Meta-Analyse über 14 Artikel mit 36 Stichproben, Suche bis Mai 2018. Empfundene Stressreaktion „0.429 (SE = 0.185, 95% CI = 0.067 to 0.791 …)“, körperliche „-0.084 (… 95% CI = -0.349 to 0.180 …)“, also kein gesicherter Effekt; „Moderator analysis revealed heterogeneous effects“. Einschränkung: nur drei Datenbanken durchsucht, starke Streuung.
22Nigdelis MP, Martínez-Domínguez SJ, Goulis DG, Pérez-López FR (2018). Effect of programmed exercise on perceived stress in middle-aged and old women: A meta-analysis of randomized trials. Maturitas 114:1–8. DOI 10.1016/j.maturitas.2018.05.004 · PMID 29907240 5 ausgeloste Studien, Frauen mit einem mittleren Alter zwischen 47 und 72 Jahren, Training von mindestens 6 Wochen. „There was no significant effect of PE on PS score (SMD: -0.16; 95% CI: -0.43 to 0.11).“ „PE of low to moderate intensity does not improve PS in midlife and older women.“ PE ist das Training, PS der empfundene Stress. Einschränkung: nur 5 Studien.
23Rosenbach H, Itzkovitch A, Gidron Y, Schonberg T (2025). Assessing Stress Level Scores Against Wearables-Driven Physiological Measurements. Stress and Health 41(6):e70125. DOI 10.1002/smi.70125 · PMID 41292097 · PMC12647429 Vorab angemeldete Hauptstudie mit 60 Studenten (40 Frauen, 20 Männer, im Mittel 27,5 Jahre) nach einer Vorstudie mit 29; Garmin Vivosmart 4 gegen den Brustgurt Polar H10; Ruhe, Rechenaufgabe unter Druck, Erholung. Der Stresswert lag während der Aufgabe höher als in Ruhe. Mit dem eigenen Stressempfinden hing nur der Puls gesichert zusammen (p = 0,039), der Stresswert knapp nicht (p = 0,053): „Heart rate emerged as the only parameter significantly associated with reported stress … while GSS showed a marginal effect“ – GSS ist der Stresswert von Garmin. „GSS is not calculated continuously (e.g., during movement).“ Die Verbundwerte der Hersteller beruhen auf „unpublished algorithms“. Einschränkung: Labor, junge Gesunde, ein Gerät, kein Cortisol. Volltext gelesen. „The authors declare no conflicts of interest.“ Geldgeber im gelesenen Text nicht gefunden, nicht geprüft.
24Hsu WY, Tsai LY, Lai CY, Chen JP, Chen IC, Chen DR, Chen YM (2026). Factors Associated with Wearable-Derived Physiological Stress Indicators Among Clinical Nurses: A Longitudinal Observational Study Using Continuous Monitoring. Healthcare (Basel) 14(15):2282. DOI 10.3390/healthcare14152282 · PMID 42588250 · PMC13465576 52 Pflegekräfte in Taiwan, 90 Tage mit Garmin Vivosmart 4, Tagesmittel des Stresswerts. Mehr Schritte gingen mit einem höheren Stresswert einher (β = 1,06 je 1.000 Schritte am Tag, p < 0,001), Nachtschicht mit einem niedrigeren (β = −11,97). „Our findings require confirmation against validated self-report measures“. Einschränkung: Beobachtung, kein Abgleich mit Fragebogen oder Cortisol. Artikelnummer laut DOI.
25Albalawi AA (2025). Dual impact of Ashwagandha: Significant cortisol reduction but no effects on perceived stress – A systematic review and meta-analysis. Nutrition and Health 31(4):1395–1408. DOI 10.1177/02601060251363647 · PMID 40746175 Meta-Analyse, 7 Studien zu Cortisol und 6 zum empfundenen Stress, zusammen 488 Teilnehmer. Cortisol „-1.16 µg/dL, 95% CI: -1.64 to -0.69“; „No significant impact was observed on perceived stress (SMD = -0.355, 95% CI: -1.188 to 0.47 …)“. Einschränkung: wenige kleine Studien, ein einzelner Autor.
26Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Ashwagandha: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen Gesundheitsrisiken. Mitteilung 039/2024 vom 10.09.2024. bfr.bund.de · Mitteilung 039/2024 · abgerufen am 28.10.2026 „Insbesondere Berichte zu Leberschäden, darunter auch Fälle von akutem Leberversagen, geben Anlass zur Vorsicht.“ Die versprochenen positiven Wirkungen seien „wissenschaftlich nicht belegt“. Kinder, Schwangere, Stillende und Menschen mit bestehender oder früherer Lebererkrankung sollen verzichten; „Aufgrund mangelnder Daten und Kenntnislücken rät das BfR auch anderen Teilen der Allgemeinbevölkerung zur Zurückhaltung“. Sinngemäß außerdem: mögliche Einflüsse auf Schilddrüse und Sexualhormone; Wechselwirkungen mit Mitteln gegen Diabetes, Blutdrucksenkern und Mitteln, die das Immunsystem dämpfen; Nebenwirkungen in Studien nicht systematisch erfasst; keine sichere Aufnahmemenge ableitbar. Behördenmitteilung, keine Studie. Wortlaut nur in gekürzten Ausschnitten gelesen, die übrigen Angaben sinngemäß. Ein Verbot nennt die Mitteilung nicht.
27Boyle NB, Lawton C, Dye L (2017). The Effects of Magnesium Supplementation on Subjective Anxiety and Stress – A Systematic Review. Nutrients 9(5):429. DOI 10.3390/nu9050429 · PMID 28445426 · PMC5452159 Systematische Übersicht, 18 Studien mit leicht ängstlichen Menschen, Frauen mit Beschwerden vor der Periode oder nach der Geburt und Menschen mit Bluthochdruck. „No study administered a validated measure of subjective stress as an outcome.“ In den Studien mit leicht ängstlichen Menschen: „Those studies which reported positive effects all administered Mg in combination with additional ingredients (e.g., vitamin B, extract of Hawthorn and California poppy)“; bei Beschwerden vor der Periode laut Übersicht auch allein wirksam, „both in isolation and when combined with vitamin B“; „All of the studies which included a placebo demonstrated significant placebo effects.“; „none of the reported studies specifically recruited samples depleted in Mg“; „suggestive but inconclusive evidence … in mild anxiety“; „The quality of studies was generally poor.“ „Three internal studies conducted by Sanofi S.A were included“, die vollständigen Daten stellte Sanofi, ein Arzneimittelhersteller. Einschränkung: keine Meta-Analyse. Volltext gelesen.
28Weltgesundheitsorganisation (WHO). Burn-out an „occupational phenomenon“. Classifications – Frequently asked questions; dazu die Meldung vom 28.05.2019. who.int · Burn-out an occupational phenomenon · abgerufen am 28.10.2026 „Burn-out is a syndrome conceptualized as resulting from chronic workplace stress that has not been successfully managed.“ Drei Dimensionen: „feelings of energy depletion or exhaustion“; „increased mental distance from one's job, or feelings of negativism or cynicism related to one's job“; „reduced professional efficacy“. „Burn-out refers specifically to phenomena in the occupational context“. Eingeordnet im Kapitel „Factors influencing health status or contact with health services“; „It is not classified as a medical condition.“ Angaben einer internationalen Organisation, keine Studie; die Seite trägt kein Datum. Den Code in der Klassifikation habe ich nicht an der Quelle der WHO geprüft.
29Deutsche Herzstiftung. Herzinfarkt: Anzeichen. Informationsseite. herzstiftung.de · Herzinfarkt: Anzeichen · abgerufen am 28.10.2026 Schmerzen, „die überwiegend im Brustkorb oder häufig auch ausschließlich hinter dem Brustbein auftreten“; dazu „einen heftigen Druck oder ein sehr starkes Einschnürungsgefühl im Brustkorb“. „Halten die Schmerzen länger als fünf Minuten an, sollten Sie sofort handeln.“ „sollten die Beschwerden auch in Ruhe bestehen, muss die 112 gerufen werden, es droht Lebensgefahr.“ „Brustschmerzen oder Atemnot bei kleinsten Belastungen oder in Ruhe sind besonders alarmierend.“ Notruf auch, wenn die Beschwerden „in einem noch nie zuvor erlebten Ausmaß auftreten“. „Die Anzeichen für einen Herzinfarkt können zudem recht unspezifisch sein – vor allem bei Frauen.“ Weitere Zeichen: „Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch“, „Angstschweiß mit kalter, fahler Haut“; Betroffene „spüren häufig starke Angst“. „Fahren Sie auf keinen Fall selbst!“ Informationsseite einer gemeinnützigen Organisation für Herzgesundheit, keine Studie; die Seite trägt kein Datum.
30Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Erste Hilfe und Notruf. bbk.bund.de · Erste Hilfe und Notruf · abgerufen am 28.10.2026 „In Deutschland und in ganz Europa erreichen Sie die Feuerwehr und den Rettungsdienst kostenfrei über die Rufnummer 112.“ Behördenseite ohne Stand.
31Åkerstedt T, Orsini N, Petersen H, Axelsson J, Lekander M, Kecklund G (2012). Predicting sleep quality from stress and prior sleep – a study of day-to-day covariation across six weeks. Sleep Medicine 13(6):674–679. DOI 10.1016/j.sleep.2011.12.013 · PMID 22621983 50 Teilnehmer, 42 Tage Schlaf- und Stresstagebuch. „bedtime stress and worries were the main predictors of sleep quality“; „Stress during the day predicts subsequent sleep quality on a day-to-day basis across 42 days.“ Einschränkung: Selbstauskunft, Zusammenhang; die Schwankung des Stresses war laut Autoren „modest“.
32Bosma H, Marmot MG, Hemingway H, Nicholson AC, Brunner E, Stansfeld SA (1997). Low job control and risk of coronary heart disease in Whitehall II (prospective cohort) study. BMJ 314(7080):558–565. DOI 10.1136/bmj.314.7080.558 · PMID 9055714 · PMC2126031 Kohorte, 10.308 Londoner Beamte von 35 bis 55 Jahren (6.895 Männer, 3.413 Frauen), im Mittel 5,3 Jahre beobachtet. „Subjects with low job control on both occasions had an odds ratio for any subsequent coronary event of 1.93 (95% confidence interval 1.34 to 2.77)“. „Job demands and social support at work were not related to the risk of coronary heart disease.“ Einschränkung: Beobachtung, Büroangestellte im Staatsdienst; Endpunkte teils per Fragebogen erhoben. Geldgeber laut PubMed Stellen außerhalb der US-Regierung und der US-Gesundheitsdienst.
33Kivimäki M, Jokela M, Nyberg ST und 41 weitere (2015). Long working hours and risk of coronary heart disease and stroke: a systematic review and meta-analysis of published and unpublished data for 603,838 individuals. Lancet 386(10005):1739–1746. DOI 10.1016/S0140-6736(15)60295-1 · PMID 26298822 Systematische Übersicht und Meta-Analyse veröffentlichter und unveröffentlichter Kohorten. 55 Stunden und mehr gegen 35 bis 40 Stunden pro Woche: Herzerkrankung „RR 1·13, 95% CI 1·02-1·26“, Schlaganfall „1·33, 1·11-1·61“ – rund ein Drittel höher. Beim Schlaganfall mit Dosis-Wirkung: 41 bis 48 Stunden 1,10 (nicht gesichert), 49 bis 54 Stunden 1,27, 55 und mehr 1,33. „the association with coronary heart disease is weaker.“ Einschränkung: Beobachtung, Zusammenhang. Geldgeber laut PubMed die US-Gesundheitsinstitute NIH und Stellen außerhalb der US-Regierung, laut Kurzfassung unter anderem britische Forschungsräte, die EU, Förderer aus Finnland, Schweden, Dänemark und den Niederlanden, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung und die British Heart Foundation.
34Cadegiani FA, Kater CE (2016). Adrenal fatigue does not exist: a systematic review. BMC Endocrine Disorders 16(1):48. DOI 10.1186/s12902-016-0128-4 · PMID 27557747 · PMC4997656 Systematische Übersicht ohne Meta-Analyse: 3.470 Treffer, 58 Studien. „We found an almost systematic finding of conflicting results“; „no substantiation that ‚adrenal fatigue‘ is an actual medical condition. Therefore, adrenal fatigue is still a myth.“ Die Aufwachreaktion war in 27 Studien 14-mal normal, 9-mal vermindert und 4-mal erhöht. „cortisol tests should not yet be used in clinical practice for examining any condition, except if adrenal impairment is suspected. Moreover, glucocorticoid therapy should be avoided“; „HPA axis tests should not be used as markers for burnout syndrome“. Als mögliche Ursachen der Beschwerden nennen die Autoren unter anderem Schlafapnoe, Nebenniereninsuffizienz, psychische Erkrankungen, Überarbeitung und Nachtschicht. Einschränkung: keine Meta-Analyse; Auswahl durch einen Autor, nur englischsprachige Arbeiten. Im Original sind bei der Aufwachreaktion Prozentwerte falsch gerechnet (9 von 27 sind 33,3, nicht 23,3 Prozent). Volltext gelesen.
35TelefonSeelsorge Deutschland. Startseite. telefonseelsorge.de · abgerufen am 28.10.2026 Nummern 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123; „Ihr Anruf ist kostenfrei“, Kontakt „Tag und Nacht“; dazu Chat und Mail-Seelsorge. Angaben der Seite selbst; letzte Änderung laut Seitendaten 10.10.2025, jüngste Meldung vom 02.10.2026.
36Weltgesundheitsorganisation (WHO). Depressive disorder (depression). Faktenblatt, Stand 11.09.2026. who.int · Depressive disorder (depression) · abgerufen am 28.10.2026 „If you think you are in immediate danger of harming yourself, contact any available emergency services or a crisis line.“ „Depression results from a complex interaction of social, psychological, and biological factors.“ Faktenblatt einer internationalen Organisation, keine Studie; eine Rufnummer nennt es nicht.
37Bartholomew JB, Stults-Kolehmainen MA, Elrod CC, Todd JS (2008). Strength gains after resistance training: the effect of stressful, negative life events. Journal of Strength and Conditioning Research 22(4):1215–1221. DOI 10.1519/JSC.0b013e318173d0bf · PMID 18545186 135 Studenten in Krafttrainingskursen, 12 Wochen, zweimal pro Woche 1,5 Stunden; belastende Lebensereignisse per Fragebogen, Gruppen am mittleren Wert (Median) geteilt. „the low stress participants experienced a significantly greater increase in bench press and squat than their high stress counterparts“. Soziale Unterstützung spielte keine Rolle. Einschränkung: Zusammenhang; Effektgrößen nicht in der Kurzfassung.
38Gerolymos C, Saddier E, Boyer L, Fond G (2026). Cognitive and affective effects of L-Theanine: a systematic review and meta-analysis of 31 randomized trials. Molecular Psychiatry 31(11):6592–6602. DOI 10.1038/s41380-026-03727-9 · PMID 42410082 31 ausgeloste Studien, 1.168 Teilnehmer. „The reduction in acute stress was modest (SMD = 0.31) and largely influenced by studies with a high risk of bias.“ „Anxiety effects were inconsistent and non-significant except for one study“; 200 mg verbesserten die Reaktionszeit bei Wahlaufgaben; „No serious adverse events“. Einschränkung: sehr neu; Einzelheiten der Studien nicht geprüft.
39Ishaque S, Shamseer L, Bukutu C, Vohra S (2012). Rhodiola rosea for physical and mental fatigue: a systematic review. BMC Complementary and Alternative Medicine 12:70. DOI 10.1186/1472-6882-12-70 · PMID 22643043 · PMC3541197 11 Studien. „Two of six trials examining physical fatigue … report R. rosea to be effective as did three of five RCTs evaluating R. rosea for mental fatigue. All of the included studies exhibit either a high risk of bias or have reporting flaws“; „Research regarding R. rosea efficacy is contradictory.“ Einschränkung: Übersicht von 2012. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
40Tomiyama AJ, Mann T, Vinas D, Hunger JM, Dejager J, Taylor SE (2010). Low calorie dieting increases cortisol. Psychosomatic Medicine 72(4):357–364. DOI 10.1097/PSY.0b013e3181d9523c · PMID 20368473 · PMC2895000 Ausgeloster Versuch über 3 Wochen mit vier Gruppen: Kalorien zählen ja oder nein, auf 1.200 kcal kürzen ja oder nein. Frauen aus zwei US-Hochschulgemeinden, die ohnehin eine Diät beginnen wollten; laut Text 115 ausgelost, 99 vollständig ausgewertet (die Kurzfassung nennt 121). Speichelcortisol an je zwei Tagen vorher und nachher. „restricting increased the total output of cortisol“ (d = 0,63), „driven by the evening cortisol level“; „participants who monitored their caloric intake reported increased perceived stress“ (d = 0,38). Die Aufwachreaktion änderte sich nicht. Einschränkung: Wer abbrach, war gestresster; die Autoren nennen die Probennahme selbst „suboptimal“; die Gruppen aßen auch unterschiedlich zusammengesetzt; ob das Cortisol später zu Gewichtszunahme führt, wurde nicht geprüft. Volltext gelesen. Geldgeber laut PubMed die US-Gesundheitsinstitute NIH und Stellen der US-Regierung außerhalb des Gesundheitsdienstes.
41Brooks AW (2014, online 2013). Get excited: reappraising pre-performance anxiety as excitement. Journal of Experimental Psychology: General 143(3):1144–1158. DOI 10.1037/a0035325 · PMID 24364682 Mehrere Experimente mit Karaoke, öffentlicher Rede und Mathematik. „an overwhelming majority of people believe trying to calm down is the best way to cope with pre-performance anxiety“. „Compared with those who attempt to calm down, individuals who reappraise their anxious arousal as excitement feel more excited and perform better.“ Einschränkung: Teilnehmerzahlen, Effektgrößen und spätere Wiederholungen nicht geprüft. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft. In PubMed nur das Online-Datum, Heftjahr nicht geprüft.
42Saw AE, Main LC, Gastin PB (2016, online 2015). Monitoring the athlete training response: subjective self-reported measures trump commonly used objective measures: a systematic review. British Journal of Sports Medicine 50(5):281–291. DOI 10.1136/bjsports-2015-094758 · PMID 26423706 · PMC4789708 Systematische Übersicht, 56 Studien. „Subjective and objective measures of athlete well-being generally did not correlate. Subjective measures reflected acute and chronic training loads with superior sensitivity and consistency than objective measures.“ Einschränkung: Sportler, unterschiedliche Fragebögen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft. In PubMed nur das Online-Datum, Heftjahr laut Band.
43Stutz J, Eiholzer R, Spengler CM (2019). Effects of Evening Exercise on Sleep in Healthy Participants: A Systematic Review and Meta-Analysis. Sports Medicine 49(2):269–287. DOI 10.1007/s40279-018-1015-0 · PMID 30374942 Meta-Analyse, 23 Studien: eine Einheit am Abend gegen keine Bewegung bei Gesunden. REM-Latenz +7,7 Minuten, Tiefschlaf +1,3 Prozentpunkte. „the studies reviewed here do not support the hypothesis that evening exercise negatively affects sleep, in fact rather the opposite. However, sleep-onset latency, total sleep time, and SE might be impaired after vigorous exercise ending ≤ 1 h before bedtime.“ – SE ist die Schlafeffizienz. „All significant moderating effects disappeared after removal of one study.“ – das bezieht sich auf die vorher genannten Einflussgrößen wie Körpertemperatur und relative Belastung; die Aussage zur letzten Stunde steht getrennt als vorsichtiges „might be impaired“. Einschränkung: einzelne Einheiten, nur Gesunde; Zahl der Teilnehmer nicht in der Kurzfassung. Laut Verlagsseite „No sources of funding were used to assist in the preparation of this article“; die Autoren „declare that they have no conflicts of interest relevant to the content of this review“.
44Ekkekakis P, Parfitt G, Petruzzello SJ (2011). The pleasure and displeasure people feel when they exercise at different intensities: decennial update and progress towards a tripartite rationale for exercise intensity prescription. Sports Medicine 41(8):641–671. DOI 10.2165/11590680-000000000-00000 · PMID 21780850 Übersicht über 33 Arbeiten. „Pleasure is reduced mainly above the ventilatory or lactate threshold … There are pleasant changes at sub-threshold intensities for most individuals, large inter-individual variability close to the ventilatory or lactate threshold and homogeneously negative changes at supra-threshold intensities. When the intensity is self-selected, rather than imposed, it appears to foster greater tolerance to higher intensity levels.“ Die Ventilationsschwelle ist die Belastung, ab der die Atmung deutlich zulegt. Einschränkung: erzählende Übersicht, keine Meta-Analyse; der Erstautor ist Urheber des Modells.
45Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien. Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.2, 2022; Kapitel 9.6 Bewegungs- und Sporttherapien. leitlinien.de · Unipolare Depression, Kapitel 9 · abgerufen am 28.10.2026 Empfehlung 9-7, starke Empfehlung („soll“), konsensbasiert: Erkrankte „ohne Kontraindikation für körperliche Belastungen“, bei denen also nichts gegen Belastung spricht, „sollen zu sportlichen Aktivitäten motiviert werden, idealerweise innerhalb einer Gruppe“. 9-8, starke Empfehlung: Sie „sollen zur Teilnahme an einem strukturierten und supervidierten körperlichen Training motiviert … und bei der Umsetzung unterstützt werden“. Aus der Begründung: „Dennoch ist von einem kleinen bis moderaten, wenn auch eher kurzfristigen Effekt auszugehen, sowohl als alleinige Behandlungsoption bei leichterer Symptomatik als auch als zusätzliche Intervention bei gleichzeitiger medikamentöser Behandlung oder Psychotherapie.“ Dabei „schätzt die Leitliniengruppe die Aussagekraft der Evidenz als niedrig bis moderat ein“. Einschränkung: Wortlaut und Empfehlungsgrade über einen Auszug der Kapitelseite gelesen, nicht über die vollständige Leitlinie; die Langfassung als PDF war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht lesbar abrufbar. Die Leitlinie gilt für Depression, nicht für Burnout. Interessenkonflikte der Leitliniengruppe nicht geprüft.
46Hill EE, Zack E, Battaglini C, Viru M, Viru A, Hackney AC (2008). Exercise and circulating cortisol levels: the intensity threshold effect. Journal of Endocrinological Investigation 31(7):587–591. DOI 10.1007/BF03345606 · PMID 18787373 12 aktive, mäßig trainierte Männer; je 30 Minuten bei 40, 60 und 80 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme und eine Ruhesitzung, Tageszeit kontrolliert. Änderung des Cortisols: Ruhe −6,6, 40 Prozent +5,7, 60 Prozent +39,9, 80 Prozent +83,1 Prozent. „moderate to high intensity exercise provokes increases in circulating cortisol levels. These increases seem due to a combination of hemoconcentration and HPA axis stimulus (ACTH).“ Bei 40 Prozent sank Cortisol nach Korrektur für Plasmavolumen und Tageszeit. Einschränkung: 12 Männer, Ausdauerbelastung, eine Einheit; ein Teil des Anstiegs geht auf eine Eindickung des Bluts zurück. Geldgeber in PubMed nicht angegeben.
47Bienertova-Vasku J, Lenart P, Scheringer M (2020). Eustress and Distress: Neither Good Nor Bad, but Rather the Same? BioEssays 42(7):e1900238. DOI 10.1002/bies.201900238 · PMID 32302008 Essay ohne eigene Daten. „it is believed there is no such thing as eustress or distress. The adaptation reaction of an organism under stress is not intrinsically good or bad“; „The vagueness of the terms … has historically led to vast differences in the perception and application“; die Autoren schlagen vor, nur noch „stress“ zu verwenden. Einschränkung: Meinungsbeitrag. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
48Stalder T, Kirschbaum C, Kudielka BM und 11 weitere (2016, online 2015). Assessment of the cortisol awakening response: Expert consensus guidelines. Psychoneuroendocrinology 63:414–432. DOI 10.1016/j.psyneuen.2015.10.010 · PMID 26563991 Konsenspapier eines Gremiums der International Society of Psychoneuroendocrinology: „The cortisol awakening response (CAR), the marked increase in cortisol secretion over the first 30-45 min after morning awakening“; sie „has been related to a wide range of psychosocial, physical and mental health parameters“. Zur Messung zu Hause: „validity of CAR measurement critically relies on participants closely following a timed sampling schedule, beginning with the moment of awakening.“ Einschränkung: Konsens von Fachleuten zur Messung, keine Studie.
49Stults-Kolehmainen MA, Sinha R (2014). The effects of stress on physical activity and exercise. Sports Medicine 44(1):81–121. DOI 10.1007/s40279-013-0090-5 · PMID 24030837 · PMC3894304 Systematische Übersicht, 168 Studien, davon 55 Längsschnittstudien. Die Mehrheit zeigte, „that psychological stress predicts less PA“ (76,4 Prozent) – PA ist körperliche Aktivität; „85.7 % of higher-quality prospective research … showed the same trend“; 18,2 Prozent fanden das Gegenteil. „Habitually active individuals exercise more in the face of stress, and those in beginning stages exercise less.“ Einschränkung: sehr unterschiedliche Stressmaße; gezählt wurden Studien, keine Effektgrößen. Geldgeber laut PubMed die US-Gesundheitsinstitute NIH.
50Kirschbaum C, Hellhammer DH (1994). Salivary cortisol in psychoneuroendocrine research: recent developments and applications. Psychoneuroendocrinology 19(4):313–333. DOI 10.1016/0306-4530(94)90013-2 · PMID 8047637 Übersicht. „The assessment of cortisol in saliva has proven a valid and reliable reflection of the respective unbound hormone in blood.“ Vorteile: „stress-free sampling, laboratory independence, lower costs“. Einschränkung: ältere Übersicht.
51Hellhammer DH, Wüst S, Kudielka BM (2009, online 2008). Salivary cortisol as a biomarker in stress research. Psychoneuroendocrinology 34(2):163–171. DOI 10.1016/j.psyneuen.2008.10.026 · PMID 19095358 Übersicht. Die Abläufe der Hormonachse „can only indirectly be assessed by salivary cortisol measures“; „a linear relationship with measures of plasma ACTH and cortisol in blood or urine does not necessarily exist. This is particularly true under response conditions.“ Einschränkung: Übersicht.
52Stalder T, Steudte-Schmiedgen S, Alexander N, Klucken T, Vater A, Wichmann S, Kirschbaum C, Miller R (2017). Stress-related and basic determinants of hair cortisol in humans: A meta-analysis. Psychoneuroendocrinology 77:261–274. DOI 10.1016/j.psyneuen.2016.12.017 · PMID 28135674 Meta-Analyse, 66 Studien, 10.289 Teilnehmer. Haar spiegelt „long-term cumulative cortisol levels“; Einflüsse: „age, sex, hair washing frequency, hair treatment, oral contraceptive use“. Bei anhaltendem Stress im Mittel +43 Prozent, bei vergangenem −9 Prozent (nicht gesichert); „no consistent associations with mood disorders and self-reports of perceived stress, depressiveness or social support“; positive Zusammenhänge mit BMI, Taille-Hüft-Verhältnis und oberem Blutdruck. Einschränkung: Querschnitt, zusammengefasste Daten. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
53Kamin HS, Kertes DA (2017, online 2016). Cortisol and DHEA in development and psychopathology. Hormones and Behavior 89:69–85. DOI 10.1016/j.yhbeh.2016.11.018 · PMID 27979632 Übersicht mit Schwerpunkt Kinder und Jugendliche. „Evidence for actions of DHEA that offset or oppose those of cortisol has stimulated interest in examining their levels as a ratio, as an alternate index of adrenocortical activity“; „we identify several major knowledge gaps in the role of DHEA in modulating cortisol“. Einschränkung: Schwerpunkt Entwicklung.
54Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Einstufung von Dehydroepiandrosteron. Fachmeldung zur Stellungnahme 01/2025 der Gemeinsamen Expertenkommission von BVL und BfArM, Seitendatum 10.02.2025. bvl.bund.de · Einstufung von Dehydroepiandrosteron · abgerufen am 28.10.2026 Die Kommission stuft „DHEA-haltige Erzeugnisse ab 10 Milligramm DHEA Tagesdosis als Arzneimittel ein“; „Bislang wurde DHEA nicht als neuartiges Lebensmittel zugelassen.“ Sie rät von isolierten Steroidhormonen wie DHEA in Lebensmitteln auch unterhalb dieser Menge ab. Behördenmeldung; die Stellungnahme selbst war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht lesbar abrufbar. Ob Präparate unter 10 Milligramm rechtlich verkauft werden dürften, ist offen.
55Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1. gesetze-im-internet.de · AMVV Anlage 1 · abgerufen am 28.10.2026 Eintrag „Prasteron und seine Ester“ ohne Einschränkung – Prasteron ist der Wirkstoffname von DHEA; damit ist es verschreibungspflichtig. Gesetzestext; die Seite nennt keinen Stand.
56Nationale Anti Doping Agentur Deutschland (NADA). Welt-Anti-Doping-Code, Internationaler Standard Verbotsliste 2026, informatorische Übersetzung, gültig ab 01.01.2026. nada.de · Verbotsliste 2026 · abgerufen am 28.10.2026 Klasse S1.1, anabol-androgene Steroide: „Prasteron (Dehydroepiandrosteron, DHEA, 3beta-Hydroxyandrost-5-en-17-on)“; die Klasse S1 ist „ZU ALLEN ZEITEN VERBOTEN (INNERHALB UND AUSSERHALB DES WETTKAMPFS)“. Übersetzung; maßgeblich ist der englische Text der Welt-Anti-Doping-Agentur, den ich nicht gesondert geprüft habe.
57Taylor SE, Klein LC, Lewis BP, Gruenewald TL, Gurung RA, Updegraff JA (2000). Biobehavioral responses to stress in females: tend-and-befriend, not fight-or-flight. Psychological Review 107(3):411–429. DOI 10.1037/0033-295x.107.3.411 · PMID 10941275 Theorie und Übersicht. „Although fight-or-flight may characterize the primary physiological responses to stress for both males and females, we propose that, behaviorally, females' responses are more marked by a pattern of ‚tend-and-befriend.‘“ Oxytocin, „in conjunction with female reproductive hormones and endogenous opioid peptide mechanisms, may be at its core.“ Einschränkung: Hypothese, gestützt auf Tier- und Menschenbefunde. Geldgeber laut PubMed Stellen der US-Regierung, darunter der US-Gesundheitsdienst, und Stellen außerhalb der US-Regierung.
58Engert V, Koester AM, Riepenhausen A, Singer T (2016). Boosting recovery rather than buffering reactivity: Higher stress-induced oxytocin secretion is associated with increased cortisol reactivity and faster vagal recovery after acute psychosocial stress. Psychoneuroendocrinology 74:111–120. DOI 10.1016/j.psyneuen.2016.08.029 · PMID 27608360 114 Teilnehmer, Trier-Sozialstresstest. „On average, oxytocin levels increased by 51% following psychosocial stress.“ „higher oxytocin secretion was associated with greater cortisol reactivity“ und später mit „faster vagal recovery“ – einer schnelleren Erholung des Ruhenervs, gemessen am Herzschlag. Einschränkung: Oxytocin im Blutplasma, das Messverfahren habe ich nicht geprüft; Zusammenhang. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
59von Dawans B, Fischbacher U, Kirschbaum C, Fehr E, Heinrichs M (2012). The social dimension of stress reactivity: acute stress increases prosocial behavior in humans. Psychological Science 23(6):651–660. DOI 10.1177/0956797611431576 · PMID 22593119 Laborversuch mit Männern: Stresstest in der Gruppe gegen eine Kontrollbedingung, danach Spiele zu Vertrauen und Teilen. Gestresste „engaged in substantially more prosocial behavior (trust, trustworthiness, and sharing)“; feindseliges Verhalten unverändert. Einschränkung: nur Männer, Labor; Oxytocin laut Kurzfassung nicht gemessen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
60von Dawans B, Ditzen B, Trueg A, Fischbacher U, Heinrichs M (2019, online 2018). Effects of acute stress on social behavior in women. Psychoneuroendocrinology 99:137–144. DOI 10.1016/j.psyneuen.2018.08.031 · PMID 30240980 94 Frauen. „Acute stress exposure elevated prosocial trustworthiness and sharing“; die Autoren sehen darin eine Stütze für „the tend-and-befriend pattern as one possible behavioral response“. Einschränkung: Labor. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
61von Dawans B, Trueg A, Kirschbaum C, Fischbacher U, Heinrichs M (2018). Acute social and physical stress interact to influence social behavior: The role of social anxiety. PLoS One 13(10):e0204665. DOI 10.1371/journal.pone.0204665 · PMID 30359369 · PMC6201881 Junge Männer. „While social stress and physical stress alone reduced prosocial behavior, a combination of the two stressor modalities could restore prosociality.“ Aus der Einleitung: „some studies report prosocial effects, others report increases in antisocial behavior, still others report no effect.“ Einschränkung: Labor, nur Männer. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
62McEwen BS (1998). Protective and damaging effects of stress mediators. New England Journal of Medicine 338(3):171–179. DOI 10.1056/NEJM199801153380307 · PMID 9428819 Übersicht, in der die vier Muster der allostatischen Last als Abbildung erschienen. In PubMed ohne Kurzfassung, Volltext nicht frei zugänglich; die Abbildung mit den vier Mustern habe ich im Nachdruck gelesen 14.
63Johnson SC, Cavallaro FL, Leon DA (2017). A systematic review of allostatic load in relation to socioeconomic position: Poor fidelity and major inconsistencies in biomarkers employed. Social Science & Medicine 192:66–73. DOI 10.1016/j.socscimed.2017.09.025 · PMID 28963986 26 Studien. „There was no consistent method of operationalizing AL across studies.“ „only half of studies included at least one hypothalamic-pituitary-adrenal (HPA) axis biomarker“; „Many studies lacked fidelity to the original concept“. Einschränkung: nur Studien zur sozialen Lage.
64Madsen IEH, Nyberg ST, Magnusson Hanson LL und 38 weitere (2017). Job strain as a risk factor for clinical depression: systematic review and meta-analysis with additional individual participant data. Psychological Medicine 47(8):1342–1356. DOI 10.1017/S003329171600355X · PMID 28122650 · PMC5471831 Veröffentlichte Studien mit 27.461 Teilnehmern und 914 Fällen sowie unveröffentlichte Einzeldaten von 120.221 Teilnehmern mit 982 Ersterkrankungen. „RR = 1.77, 95% CI 1.47-2.13“ (veröffentlicht), „RR = 1.27, 95% CI 1.04-1.55“ (unveröffentlicht); ohne Teilnehmer mit Beschwerden zu Beginn „RR = 1.25, 95% CI 0.94-1.65“ – Schätzwert praktisch unverändert, aber nicht gesichert; nach Verrechnung mit einem fortlaufenden Beschwerdewert „RR = 1.03, 95% CI 0.81-1.32“. Die Autoren: „Job strain may precipitate clinical depression“. Einschränkung: Beobachtung; das Ergebnis hängt stark davon ab, ob frühere Beschwerden berücksichtigt werden.
65Cohen S, Tyrrell DA, Smith AP (1991). Psychological stress and susceptibility to the common cold. New England Journal of Medicine 325(9):606–612. DOI 10.1056/NEJM199108293250903 · PMID 1713648 394 Gesunde bekamen Erkältungsviren in die Nase, 26 eine Kochsalzlösung; Quarantäne; Stress vorher per Fragebogen. Ansteckung und Erkältung „increased in a dose-response manner with increases in the degree of psychological stress“: Ansteckung „approximately 74 percent to approximately 90 percent“, Erkältungen „approximately 27 percent to 47 percent“. Rauchen, Alkohol, Bewegung, Ernährung und Schlaf erklärten den Zusammenhang nicht. Einschränkung: Der Stress wurde nicht zugeteilt, also ein Zusammenhang. Geldgeber laut PubMed Stellen der US-Regierung, darunter der US-Gesundheitsdienst, und Stellen außerhalb der US-Regierung.
66Cohen S, Frank E, Doyle WJ, Skoner DP, Rabin BS, Gwaltney JM (1998). Types of stressors that increase susceptibility to the common cold in healthy adults. Health Psychology 17(3):214–223. DOI 10.1037//0278-6133.17.3.214 · PMID 9619470 276 gesunde Freiwillige bekamen Erkältungsviren; Belastungen per Interview erfasst („completed a life stressor interview“). „severe acute stressful life events (less than 1 month long) were not associated with developing colds, severe chronic stressors (1 month or longer) were associated with a substantial increase in risk“; vor allem „under- or unemployment and … enduring interpersonal difficulties“. Einschränkung: Zusammenhang; Risikozahlen nicht in der Kurzfassung. Geldgeber laut PubMed der US-Gesundheitsdienst und Stellen außerhalb der US-Regierung.
67Laborde S, Allen MS, Borges U, Dosseville F, Hosang TJ, Iskra M, Mosley E, Salvotti C, Spolverato L, Zammit N, Javelle F (2022). Effects of voluntary slow breathing on heart rate and heart rate variability: A systematic review and a meta-analysis. Neuroscience and Biobehavioral Reviews 138:104711. DOI 10.1016/j.neubiorev.2022.104711 · PMID 35623448 Systematische Übersicht mit Meta-Analyse, 223 Studien; gemessen während des Atmens, direkt nach einer Sitzung und nach mehrwöchigen Programmen. „Results indicate increases in vmHRV with VSB, DURING, IM-AFTER1, and AFTER-INT.“ – vmHRV ist der Anteil der HRV, den der Ruhenerv steuert, VSB das willentlich langsame Atmen. „with few adverse effects expected“. Einschränkung: gemessen wurde die HRV, kein Stress; Effektgrößen nicht in der Kurzfassung.
68Crum AJ, Salovey P, Achor S (2013). Rethinking stress: the role of mindsets in determining the stress response. Journal of Personality and Social Psychology 104(4):716–733. DOI 10.1037/a0031201 · PMID 23437923 Drei Studien. Studien 1 und 2: 388 Angestellte eines Finanzinstituts; in Studie 2 drei Videos von je etwa 3 Minuten über eine Woche (163 mit positiver Sicht auf Stress, 164 mit negativer, 61 Kontrolle). Beschwerden sanken in der positiven Gruppe, „the control and debilitating condition showed no significant change“; kleine Effekte (η² = 0,02 für Beschwerden, 0,04 für Arbeitsleistung). Studie 3: Studenten, abgewandelter Trier-Sozialstresstest, 63 von 109 ausgewertet. Kurzfassung: „associated with moderate cortisol reactivity and high desire for feedback under stress“; im Volltext: „there is no main effect of stress mindset on the amount of cortisol secreted under acute stress“, nur eine knapp nicht gesicherte Wechselwirkung (p = 0,07). In Studie 3 wurde die Haltung zu Stress per Fragebogen erhoben, nicht verändert („participants completed the SMM as part of a battery of personality assessments“) – ein Zusammenhang, kein Test des Umdeutens. Einschränkung: Studien 1 und 2 nur mit Selbstauskunft; die Teilnehmer hatten sich selbst für ein Stressprogramm gemeldet; Wirkung nicht über zwei Wochen hinaus gemessen; Studie 3 mit hohem Ausfall, die Leistung nicht gemessen. Mitautor Achor ist mit der Firma „Good Think“ angegeben, deren Tätigkeit ich nicht geprüft habe. Volltext nur in gekürzten Auszügen gelesen. Geldgeber in PubMed nicht angegeben; eine Erklärung zu Geldgebern und Interessenkonflikten habe ich nicht gefunden.
69Jamieson JP, Black AE, Pelaia LE, Gravelding H, Gordils J, Reis HT (2022, online 2021). Reappraising stress arousal improves affective, neuroendocrine, and academic performance outcomes in community college classrooms. Journal of Experimental Psychology: General 151(1):197–212. DOI 10.1037/xge0000893 · PMID 34292050 Feldversuch, 339 Studenten eines Community College, ausgelost auf Umdeuten oder eine aktive Kontrolle vor einer Klausur. „less math evaluation anxiety, lower threat appraisals, more adaptive neuroendocrine responses (lower cortisol and higher testosterone levels on testing days relative to baseline), and higher scores on Exam 2 and on a subsequent Exam 3“. Einschränkung: eine Studie; Effektgrößen nicht in der Kurzfassung. In PubMed nur das Online-Datum, Heftjahr laut Band.
70Galante J, Friedrich C, Dawson AF, Modrego-Alarcón M, Gebbing P, Delgado-Suárez I, Gupta R, Dean L, Dalgleish T, White IR, Jones PB (2021). Mindfulness-based programmes for mental health promotion in adults in nonclinical settings: A systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. PLoS Medicine 18(1):e1003481. DOI 10.1371/journal.pmed.1003481 · PMID 33428616 · PMC7799763 Vorab angemeldete Meta-Analyse, 136 ausgeloste Studien, 11.605 Teilnehmer aus 29 Ländern, 77 Prozent Frauen, 18 bis 73 Jahre; Gruppenkurse vor Ort mit Lehrer. Gegen keinen Kurs: seelische Anspannung (distress) −0,45 (−0,58 bis −0,31), Vorhersagebereich −1,04 bis 0,14; Angst −0,56, Depression −0,53, Wohlbefinden 0,33. „Compared with specific active control conditions, there is no statistically significant evidence of MBPs' superiority.“ – MBP sind achtsamkeitsbasierte Programme. „Most studies (121, 89%) do not mention having measured adverse events or effects.“ In 73 Prozent der Studien waren Menschen mit schweren psychischen Problemen oder frischen belastenden Ereignissen ausgeschlossen. Einschränkung: Vertrauen in die Ergebnisse „moderate to very low, mainly due to inconsistency and high risk of bias“; in mehr als 5 Prozent der Studienbedingungen könnte ein Kurs nicht helfen. Volltext gelesen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung; die Erklärung zu Geldgebern und Interessenkonflikten war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar.
71Galante J, Friedrich C, Dalgleish T, Jones PB, White IR und eine Kollaborationsgruppe (2023). Individual participant data systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials assessing adult mindfulness-based programmes for mental health promotion in non-clinical settings. Nature Mental Health 1(7):462–476. DOI 10.1038/s44220-023-00081-5 · PMID 37867573 · PMC7615230 Auswertung der Einzeldaten aus 13 Studien, 2.371 Freiwillige aus 8 Ländern, Median 34 Jahre, 71 Prozent Frauen; Vergleich mit keinem Kurs. Seelische Anspannung (distress) „SMD -0.32; 95% confidence interval (CI) -0.41 to -0.24“; „Confidence in the primary outcome result is high.“ „We found no clear indication that this effect is modified by baseline psychological distress, gender, age, education level, or dispositional mindfulness.“ Das gilt für Erwachsene, „who volunteer to receive this type of intervention“. Einschränkung: nur Vergleich mit keinem Kurs; 20 Prozent fehlende Werte. In PubMed fehlen einzelne Autorennamen.
72Goyal M, Singh S, Sibinga EMS und 12 weitere (2014). Meditation programs for psychological stress and well-being: a systematic review and meta-analysis. JAMA Internal Medicine 174(3):357–368. DOI 10.1001/jamainternmed.2013.13018 · PMID 24395196 · PMC4142584 Ausgeloste Studien mit einer aktiven Vergleichsgruppe gleicher Zuwendung, Erwachsene mit einer Erkrankung, auch gestresste Gruppen; laut Kurzfassung 47 Studien mit 3.515 Teilnehmern. Achtsamkeit: „moderate evidence of improved anxiety … depression … and pain … and low evidence of improved stress/distress and mental health-related quality of life“. „We found no evidence that meditation programs were better than any active treatment (ie, drugs, exercise, and other behavioral therapies).“ Einschränkung: kurze Programme; die Autorenfassung nennt 3.320 statt 3.515 Teilnehmer. Volltext der Autorenfassung gelesen. Geldgeber laut PubMed der US-Gesundheitsdienst.
73Farias M, Maraldi E, Wallenkampf KC, Lucchetti G (2020). Adverse events in meditation practices and meditation-based therapies: a systematic review. Acta Psychiatrica Scandinavica 142(5):374–393. DOI 10.1111/acps.13225 · PMID 32820538 83 Studien mit 6.703 Meditierenden. „Of the 83 studies analysed, 55 (65%) included reports of at least one type of MAE. The total prevalence of adverse events was 8.3% … 3.7% … for experimental and 33.2% … for observational studies.“ MAE sind unerwünschte Ereignisse beim Meditieren; am häufigsten Angst, Depression und Auffälligkeiten im Denken; sie „may occur in individuals with no previous history of mental health problems“. Einschränkung: gemischte Studientypen; die Häufigkeit hängt stark davon ab, wie erfasst wurde. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
74Weinstein AA, van Aert RCM, Donovan K, Muskens L, Kop WJ (2024). Affective Responses to Acute Exercise: A Meta-Analysis of the Potential Beneficial Effects of a Single Bout of Exercise on General Mood, Anxiety, and Depressive Symptoms. Psychosomatic Medicine 86(6):486–497. DOI 10.1097/PSY.0000000000001321 · PMID 38787545 Meta-Analyse, 103 Studien, 4.671 Teilnehmer; Stimmung vorher und bis 30 Minuten nach einer Einheit. „General mood state improved from preexercise to postexercise (g = 0.336, 95% CI = 0.234-0.439). Anxiety (g = 0.497 …) and depressive symptoms (g = 0.407 …) also improved“. Einschränkung: Vorher-nachher-Vergleiche ohne Kontrollgruppe; starke Streuung. Geldgeber in PubMed nicht angegeben.
75Zhao Z, Li T, Lai H, Yang R (2026). Comparative effects of exercise modalities on depression, anxiety, and stress in university students: a systematic review and network meta-analysis of randomized controlled trials. Frontiers in Public Health 14:1795525. DOI 10.3389/fpubh.2026.1795525 · PMID 42293647 · PMC13259812 Netzwerk-Meta-Analyse, 25 ausgeloste Studien, 2.127 Studenten, Training mindestens 4 Wochen. Stress „SMD -0.45, 95% CI -0.73 to -0.16“, Streuung zwischen den Studien (I²) 75,2 Prozent; „These effects should be interpreted cautiously due to substantial heterogeneity“. Beim Stress war „aerobic exercise … linked to the strongest comparative effect“; Krafttraining nennt die Kurzfassung nur bei Angst: „team sports and resistance-based approaches appeared favorable but were supported by limited evidence“. „Moderate to vigorous intensity and higher weekly frequency were associated with more favorable anxiety and stress outcomes, although these findings should be considered exploratory rather than definitive.“ Einschränkung: sehr unterschiedliche Studien.
76Leproult R, Copinschi G, Buxton O, Van Cauter E (1997). Sleep loss results in an elevation of cortisol levels the next evening. Sleep 20(10):865–870. PMID 9415946 · DOI in PubMed nicht hinterlegt Junge, gesunde Männer; normaler Schlaf, verkürzter Schlaf von 4 bis 8 Uhr oder eine durchwachte Nacht; Cortisol im Blut über 32 Stunden. „After partial and total sleep deprivation, plasma cortisol levels over the 1800-2300-hour period were higher on day 2 than on day 1 (37 and 45% increases …)“. Einschränkung: kleine Laborstudie, Zahl der Teilnehmer nicht in der Kurzfassung, nur Männer, eine Nacht; Ruhewerte, keine Stressreaktion. Geldgeber laut PubMed Stellen außerhalb der US-Regierung und Stellen der US-Regierung, darunter der US-Gesundheitsdienst.
77Chen Y, Xu W, Chen Y, Gong J, Wu Y, Chen S, He Y, Yu H, Xie L (2024). The effect of acute sleep deprivation on cortisol level: a systematic review and meta-analysis. Endocrine Journal 71(8):753–765. DOI 10.1507/endocrj.EJ23-0714 · PMID 38777757 Meta-Analyse, 24 Studien: 21 Überkreuzversuche, 3 ausgeloste Studien. „There was no significant difference in cortisol levels between participants with acute sleep deprivation and normal sleep in 21 crossover-designed studies (SMD = 0.18; 95% CI: -0.11, 0.45; p = 0.208)“; nur in Proben aus Blutserum höher (0,46); morgens, nachmittags und abends je ohne gesicherten Unterschied. Einschränkung: gemischte Messmedien; Zahl der Teilnehmer nicht in der Kurzfassung.
78Egan M, Bambra C, Thomas S, Petticrew M, Whitehead M, Thomson H (2007). The psychosocial and health effects of workplace reorganisation. 1. A systematic review of organisational-level interventions that aim to increase employee control. Journal of Epidemiology and Community Health 61(11):945–954. DOI 10.1136/jech.2006.054965 · PMID 17933951 · PMC2465601 Systematische Übersicht, 18 Studien, 12 mit Vergleichsgruppe, keine ausgelost. „Eight controlled and three uncontrolled studies found some evidence of health benefits (especially beneficial effects on mental health, including reduction in anxiety and depression) when employee control improved“; „Two studies of participatory interventions occurring alongside redundancies reported worsening employee health.“ Einschränkung: keine ausgelosten Studien, teils nur kurzfristige Wirkung, gleichzeitige andere Maßnahmen. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
79Akhgarjand C, Asoudeh F, Bagheri A, Kalantar Z, Vahabi Z, Shab-Bidar S, Rezvani H, Djafarian K (2022). Does Ashwagandha supplementation have a beneficial effect on the management of anxiety and stress? A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Phytotherapy Research 36(11):4115–4124. DOI 10.1002/ptr.7598 · PMID 36017529 Meta-Analyse ausgeloster Studien, 12 Studien, 1.002 Teilnehmer zwischen 25 und 48 Jahren. Angst „SMD: -1.55, 95% CI: -2.37, -0.74“, Stress „SMD: -1.75; 95% CI: -2.29, -1.22“; „the certainty of the evidence was low for both outcomes.“ Einschränkung: sehr starke Streuung zwischen den Studien (I² 93,8 und 83,1 Prozent), kleine Einzelstudien.
80Della Porta M, Maier JA, Cazzola R (2023). Effects of Withania somnifera on Cortisol Levels in Stressed Human Subjects: A Systematic Review. Nutrients 15(24):5015. DOI 10.3390/nu15245015 · PMID 38140274 · PMC10745833 Systematische Übersicht, 9 Studien, 8 davon doppelt verblindet und ausgelost, 30 bis 112 Tage. „WS can lower the plasma cortisol level in stressed healthy individuals by 11% to 32.63%“ – WS ist Withania somnifera, also Ashwagandha; die zwei Speichelstudien „led to contradictory results“; „in eight of the nine selected studies, the observed changes in cortisol levels could be due not only to WS supplementation, but also to fluctuations related to the circadian rhythm“; „none of the studies … have evaluated the potential impact of this reduction in cortisol on adrenal function“; ein Fallbericht beschreibt „adrenal hypofunction associated with ten weeks of WS supplementation“, nach dem Absetzen normal. Leberschäden sind beim Menschen beschrieben; Einnahme „only under the guidance of a medical professional“. Einschränkung: drei Studien mit demselben Extrakt; Geldgeber der Einzelstudien nicht geprüft. Volltext gelesen.
81Lopresti AL, Smith SJ, Malvi H, Kodgule R (2019). An investigation into the stress-relieving and pharmacological actions of an ashwagandha (Withania somnifera) extract: A randomized, double-blind, placebo-controlled study. Medicine 98(37):e17186. DOI 10.1097/MD.0000000000017186 · PMID 31517876 · PMC6750292 Ausgelost und doppelt verblindet, 60 Tage, 60 gestresste gesunde Erwachsene (37 Männer, 23 Frauen) in Indien, 240 mg Extrakt. Angstwert im Fachinterview −41 gegen −24 Prozent; ein Fragebogen zu Depression, Angst und Stress ohne gesicherten Unterschied; Morgencortisol −23 gegen +0,5 Prozent. Einschränkung: klein; „retrospectively registered“; die Liste, wer was bekam, lag beim Geldgeber: „The master randomization list … was kept … with the study sponsor“. Geldgeber: „The authors gratefully acknowledge Arjuna Natural Ltd for funding the project and supplying Shoden for use in this study“ – der Hersteller des Extrakts. Eine Erklärung zu Interessenkonflikten habe ich nicht gefunden. Volltext gelesen.
82Björnsson HK, Björnsson ES, Avula B, Khan IA, Jonasson JG, Ghabril M, Hayashi PH, Navarro V (2020). Ashwagandha-induced liver injury: A case series from Iceland and the US Drug-Induced Liver Injury Network. Liver International 40(4):825–829. DOI 10.1111/liv.14393 · PMID 31991029 · PMC8041491 Fallserie, 5 Erkrankte zwischen 21 und 62 Jahren. „All patients developed jaundice and symptoms such as nausea, lethargy, pruritus and abdominal discomfort after a latency of 2-12 weeks.“ – also Gelbsucht, Übelkeit, Abgeschlagenheit, Juckreiz und Bauchbeschwerden; „No patient developed hepatic failure. Liver tests normalized within 1-5 months in four patients.“ Vier nahmen weitere Präparate; bei einem kam Rhodiola als Mitursache infrage. Einschränkung: Fallserie, keine Angabe zur Häufigkeit. Geldgeber laut PubMed die US-Gesundheitsinstitute NIH.
83Philips CA, Valsan A, Theruvath AH, Ravindran R, Oommen TT, Rajesh S, Bishnu S, Augustine P (2023). Ashwagandha-induced liver injury – A case series from India and literature review. Hepatology Communications 7(10). DOI 10.1097/HC9.0000000000000270 · PMID 37756041 · PMC10531359 Rückblickende Fallserie, 23 Erkrankte aus den Jahren 2019 bis 2022, davon 8 mit einem reinen Ashwagandha-Präparat. „Five patients had underlying chronic liver disease; 3 presented with acute-on-chronic liver failure, and all 3 died on follow-up.“ „Chemical analysis revealed only natural phytochemicals without adulteration or contamination.“ Einschränkung: Fallserie, rückblickend.
84McIntyre D, Nguyen P, Kim Y, Meyer B, Salloum M (2026). Ashwagandha (Withania somnifera)-Associated Liver Injury: A Scoping Review of Clinical Characteristics and Safety Considerations. Cureus 18(5):e109764. DOI 10.7759/cureus.109764 · PMID 42367407 · PMC13309169 Übersicht über 13 Veröffentlichungen mit 25 Erkrankten. „Most patients recovered following discontinuation“; „one case of acute liver failure requiring transplantation and three deaths among patients with pre-existing cirrhosis“; Menschen mit fortgeschrittener Lebererkrankung „should be counseled to avoid ashwagandha“. Einschränkung: Fallberichte, keine Angabe zur Häufigkeit; ob die Todesfälle dieselben sind wie in der Fallserie aus Indien 83, habe ich nicht geprüft.
85Pouteau E, Kabir-Ahmadi M, Noah L, Mazur A, Dye L, Hellhammer J, Pickering G, Dubray C (2018). Superiority of magnesium and vitamin B6 over magnesium alone on severe stress in healthy adults with low magnesemia: A randomized, single-blind clinical trial. PLoS One 13(12):e0208454. DOI 10.1371/journal.pone.0208454 · PMID 30562392 · PMC6298677 Ausgeloste Studie über 8 Wochen an vier Studienzentren in Frankreich, nur die Untersucher verblindet; 264 gestresste, sonst gesunde Erwachsene von 18 bis 50 Jahren (im Mittel 32 Jahre, 74 Prozent Frauen) mit Magnesium im Blut zwischen 0,45 und 0,85 mmol/l. Täglich rund 300 mg Magnesium als Laktat, mit oder ohne 30 mg Vitamin B6 („Magne B6“, „Magnespasmyl“). Gemessen mit dem Stressteil des geprüften Fragebogens DASS-42. „This is the first randomized trial evaluating the effects of combined magnesium and vitamin B6 supplementation on stress in a stressed population with low magnesemia using a validated measure of perceived stress.“ „both treatment arms substantially reduced DASS-42 stress subscale score from baseline to Week 8 (Mg-vitamin B6, 44.9%; Mg 42.4%); no statistical difference between arms was observed“. Die Überlegenheit im Titel gilt nur für eine Untergruppe mit sehr starkem Stress; diese Auswertung kam laut Volltext erst nach dem Schließen der Datenbank in den Auswertungsplan. Einschränkung: keine Gruppe mit Scheinmittel – wie viel der Besserung am Magnesium lag, bleibt offen; die Autoren selbst: „a placebo-controlled trial would be required to determine the true extent of benefits, especially given the large placebo effects observed in previous studies“. Erstautor und zwei weitere Autoren laut PubMed beim Arzneimittelhersteller Sanofi; die Auslosungsliste erstellte laut Volltext dessen Studienabteilung. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung. Volltext gelesen.
86Cadegiani FA, Kater CE (2017). Hormonal aspects of overtraining syndrome: a systematic review. BMC Sports Science, Medicine and Rehabilitation 9:14. DOI 10.1186/s13102-017-0079-8 · PMID 28785411 · PMC5541747 Systematische Übersicht ohne Meta-Analyse, 38 Studien, im Median 14 Sportler je Studie; 35 Studien mit Ausdauer-, 3 mit Kraftsportlern. „Basal hormone levels are not good predictor but blunted ACTH and GH responses to stimulation tests may be good predictors“ – GH ist das Wachstumshormon; „cortisol and plasma catecholamines showed conflicting findings“. Das Testosteron-Cortisol-Verhältnis war in 10 Studien zu 50 Prozent verändert; „five studies improperly diagnosed OTS/NFOR/FOR based on hormones alterations, such as reductions of 30% or more of T/C ratio, regardless of the performance status“. Selbstkritik: „it may be too early to claim that GH, ACTH and prolactin responses are undoubtedly blunted“. Stufen: FOR „days to few weeks“, NFOR „weeks to months“ mit „a full recovery (although not always the previous performance capacity is reestablished)“, OTS „usually several months but can be indefinitely“; „it is unfeasible to set an unquestionable definition and precise limits between OTS, NFOR and FOR“. Einschränkung: Auswahl durch einen Autor, kleine Gruppen, nicht überprüfte Testverfahren. Volltext gelesen. Geldgeber in PubMed nicht angegeben.
87Weakley J, Halson SL, Mujika I (2022). Overtraining Syndrome Symptoms and Diagnosis in Athletes: Where Is the Research? A Systematic Review. International Journal of Sports Physiology and Performance 17(5):675–681. DOI 10.1123/ijspp.2021-0448 · PMID 35320774 Systematische Übersicht mit strengen Kriterien: objektive Leistung vor dem Beginn, Leistung länger als 4 Wochen unterdrückt, objektive psychische Zeichen. „Zero studies provided objective evidence of detailed changes in performance from prior to the onset of OTS diagnosis and demonstrated suppressed performance for more than 4 weeks accompanied by changes in psychological symptoms.“ „it must be concluded that an evidence base of sufficient scientific quality for understanding OTS in athletes is lacking.“ Einschränkung: Dass ein Übertrainingssyndrom nur im Rückblick zu erkennen sei, steht in der Kurzfassung nicht.
88Fry AC, Kraemer WJ, van Borselen F, Lynch JM, Marsit JL, Roy EP, Triplett NT, Knuttgen HG (1994). Performance decrements with high-intensity resistance exercise overtraining. Medicine and Science in Sports and Exercise 26(9):1165–1173. PMID 7808252 · DOI in PubMed nicht hinterlegt 11 Männer in der Übertrainingsgruppe, täglich mit 100 Prozent des Maximalgewichts an der Kniebeugemaschine; 6 Kontrollen. „One RM performance significantly decreased from test 1 to test 3 (P < 0.05) for the OT group (mean = -12.2 +/- 3.8 kg), but not the CON group (mean = -1.1 +/- 0.8 kg).“ Einschränkung: klein; Ausgangswerte nicht in der Kurzfassung. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
89Fry AC, Kraemer WJ, Ramsey LT (1998). Pituitary-adrenal-gonadal responses to high-intensity resistance exercise overtraining. Journal of Applied Physiology 85(6):2352–2359. DOI 10.1152/jappl.1998.85.6.2352 · PMID 9843563 Dieselbe Gruppe: 11 kraftgeübte Männer, im Mittel 22 Jahre, zwei Wochen täglich mit 100 Prozent des Maximalgewichts; Kontrolle: 6 Männer einmal pro Woche mit 50 Prozent. „the OT group exhibited slightly increased exercise-induced testosterone (preexercise = 26.5 +/- 1.3 nmol/l, postexercise = 29.1 +/- 5.9 nmol/l) and testosterone-to-cortisol ratio … and decreased exercise-induced cortisol (preexercise = 656.1 +/- 98.1 nmol/l, postexercise = 503.1 +/- 39.7 nmol/l)“. „altered resting concentrations of pituitary, adrenal, or gonadal hormones were not evident“; Schluss: „high-relative-intensity resistance exercise overtraining may not be successfully monitered via circulating testosterone and cortisol“. Einschränkung: sehr kleine Gruppen, ungewöhnliches Programm; ob „preexercise“ und „postexercise“ vor und nach der Einheit oder vor und nach den zwei Wochen meint, ist in der Kurzfassung nicht eindeutig – den Volltext habe ich nicht gelesen.
90Le Meur Y, Pichon A, Schaal K, Schmitt L, Louis J, Gueneron J, Vidal PP, Hausswirth C (2013). Evidence of parasympathetic hyperactivity in functionally overreached athletes. Medicine and Science in Sports and Exercise 45(11):2061–2071. DOI 10.1249/MSS.0b013e3182980125 · PMID 24136138 21 trainierte männliche Triathleten, ausgelost auf verschärftes (13) oder normales Training (8): eine Woche Grundlage, drei Wochen Überlastung, eine Woche Entlastung; HRV täglich. Leistung am Ende der Überlastung −9 Prozent, danach Superkompensation. „When considering the values obtained once per week, no clear effect of F-OR on HRV parameters was found. In contrast, the weekly mean of each HRV parameter showed a larger change in indices of parasympathetic tone in the F-OR group“; „isolated, once per week HRV recordings may not detect training-induced autonomic modulations“. Einschränkung: nur Männer, klein. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
91Manresa-Rocamora A, Flatt AA, Casanova-Lizón A, Ballester-Ferrer JA, Sarabia JM, Vera-Garcia FJ, Moya-Ramón M (2021). Heart rate-based indices to detect parasympathetic hyperactivity in functionally overreached athletes. A meta-analysis. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports 31(6):1164–1182. DOI 10.1111/sms.13932 · PMID 33533045 Meta-Analyse, Ausdauersportler, Suche bis Mai 2020. HRV in Ruhe insgesamt „SMD= -0.01“; im Wochenmittel „SMD= 0.81; 95% CI = 0.35, 1.26“, Einzelwerte „SMD= -0.45; 95% CI = -0.96, 0.06“. Pulserholung „SMD= 0.65; 95% CI = 0.44, 0.87“, bei nicht kurzfristig Überlasteten 0,10. Einschränkung: Sportler; Zahl der Studien je Wert nicht in der Kurzfassung; Volltext nicht frei.
92Plews DJ, Laursen PB, Stanley J, Kilding AE, Buchheit M (2013). Training adaptation and heart rate variability in elite endurance athletes: opening the door to effective monitoring. Sports Medicine 43(9):773–781. DOI 10.1007/s40279-013-0071-8 · PMID 23852425 Übersicht mit Fallbeispielen. „in elite athletes, studies have revealed both increases and decreases in HRV to be associated with negative adaptation“; „practical ways by which HRV can be used to monitor training status in elites are yet to be established“; empfohlen werden „appropriate averaging techniques“. Einschränkung: erzählende Übersicht, Spitzensport.
93Aubry A, Hausswirth C, Louis J, Coutts AJ, Buchheit M, Le Meur Y (2015). The Development of Functional Overreaching Is Associated with a Faster Heart Rate Recovery in Endurance Athletes. PLoS One 10(10):e0139754. DOI 10.1371/journal.pone.0139754 · PMID 26488766 · PMC4619310 31 erfahrene männliche Triathleten: 10 Kontrollen, 21 mit Überlastung, davon 10 mit gewollter kurzfristiger Überlastung. „only the f-OR group demonstrated a 99% chance of increase in HRR during the overload period (+8 ± 5 bpm, large effect size)“; Leistung −2,1 Prozent; „a faster HRR is not systematically associated with improved physical performance“. Einschränkung: nur Männer, Einteilung nachträglich. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
94Ruuska PS, Hautala AJ, Kiviniemi AM, Mäkikallio TH, Tulppo MP (2012). Self-rated mental stress and exercise training response in healthy subjects. Frontiers in Physiology 3:51. DOI 10.3389/fphys.2012.00051 · PMID 22416235 · PMC3298959 44 gesunde Untrainierte, 22 davon Frauen, im Mittel 41 Jahre („Age years 41 ± 5“), und 14 Kontrollen; zwei Wochen, fünfmal 40 Minuten bei 75 Prozent der Höchstfrequenz. Stressskala von 1 („low psychological resources and a lot of stressors“) bis 10. Zusammenhang von Ausgangsstress und Zuwachs „r = 0.45, p = 0.002, W/kg“; „The changes in fitness were very low or absent in the subjects who experience their psychological resources low and a lot of stressors“. Einschränkung: eine einzelne Frage zum Stress, sehr kurzes Training, Zusammenhang. Volltext gelesen. Laut Arbeit keine Interessenkonflikte („conducted in the absence of any commercial or financial relationships“); Geldgeber dort nicht genannt.
95West DWD, Phillips SM (2012, online 2011). Associations of exercise-induced hormone profiles and gains in strength and hypertrophy in a large cohort after weight training. European Journal of Applied Physiology 112(7):2693–2702. DOI 10.1007/s00421-011-2246-z · PMID 22105707 · PMC3371329 56 junge Männer, 12 Wochen Krafttraining. Cortisol, „usually assumed to be a hormone indicative of catabolic drive“, hing mit dem Zuwachs an fettfreier Masse (r = 0,29) und an der Fläche der schnellen Muskelfasern (r = 0,35) leicht positiv zusammen; „No correlations with strength were observed.“ Einschränkung: Zusammenhang, schwach, nur Männer. Geldgeber laut PubMed außerhalb der US-Regierung, Einzelheiten nicht geprüft.
96McEwen BS, Wingfield JC (2003). The concept of allostasis in biology and biomedicine. Hormones and Behavior 43(1):2–15. DOI 10.1016/s0018-506x(02)00024-7 · PMID 12614627 Konzeptpapier mit Schwerpunkt Tierökologie, etwa Brut, Zug und Überwinterung. „Type 1 allostatic overload occurs when energy demand exceeds supply, resulting in activation of the emergency life history stage. … The normal life cycle can be resumed when the perturbation passes. Type 2 allostatic overload begins when there is sufficient or even excess energy consumption accompanied by social conflict and other types of social dysfunction. The latter is the case in human society and certain situations affecting animals in captivity.“ „Type 2 allostatic overload does not trigger an escape response, and can only be counteracted through learning and changes in the social structure.“ Einschränkung: Theorie, keine Messung am Menschen; „escape response“ meint im Tierreich das Verlassen des Lebensraums, „counteracted“ heißt entgegenwirken, nicht auflösen. Geldgeber laut PubMed der US-Gesundheitsdienst.
97Arnsten AFT (2009). Stress signalling pathways that impair prefrontal cortex structure and function. Nature Reviews Neuroscience 10(6):410–422. DOI 10.1038/nrn2648 · PMID 19455173 · PMC2907136 Übersicht; Versuche zum Arbeitsgedächtnis vor allem an Affen und Ratten, einzelne Studien am Menschen. „Noradrenaline and dopamine each have an ‚inverted U‘-shaped influence on working memory whereby either too little or too much noradrenaline and/or dopamine impairs PFC function“ – PFC ist der präfrontale Kortex hinter der Stirn. Unter Stress wechselt die Steuerung der Aufmerksamkeit von „thoughtful ‚top-down‘ control“ zu „‚bottom-up‘ control“. Frühe Studien am Menschen: Stress „impaired the performance of tasks that required complex, flexible thinking, but … could actually improve the performance of simpler and/or well-rehearsed tasks“; „Subjects who felt in control of the situation (even if this was an illusion) were often not impaired“. Einschränkung: Mechanismen überwiegend aus Tierversuchen. Volltext gelesen. Geldgeber laut PubMed die US-Gesundheitsinstitute NIH und Stellen außerhalb der US-Regierung.
Was auf dieser Seite fehlt – und warum Wie häufig Leberschäden durch Ashwagandha sind, ist unbekannt – es gibt nur Fallberichte. Ab welcher Menge Stress im Alltag schadet, lässt sich nicht beziffern: Die großen Studien zeigen Zusammenhänge, keine Grenzwerte. Eine Studie, die prüft, wie man Training in einer stressigen Phase am besten anpasst, habe ich nicht gefunden; der Rat in Kapitel 05 ist meine Einschätzung. Ob die Stresswerte der Uhren mit Cortisol übereinstimmen, hat nach meiner Suche niemand geprüft. Ob Krafttraining das Stressgefühl genauso senkt wie Ausdauertraining, zeigen die Auswertungen auf dieser Seite nicht. Andere Mittel gegen Stress oder schlechten Schlaf, etwa Baldrian, Melatonin oder Lavendel, prüft diese Seite nicht. Lieber eine ehrliche Lücke als eine Angabe, für die niemand geradesteht.
Zum Schluss, in eigener Sache Ich bin Personal Trainer, kein Arzt. Ich behandle nichts – ich trainiere um Beschwerden herum und Schritt für Schritt in mehr Belastbarkeit hinein. Wo ärztliche Freigabe nötig ist, fange ich ohne sie nicht an. Diese Seite erklärt, was Studien zeigen, und ersetzt keine ärztliche Beratung.