Eine Erkältung – oft auch grippaler Infekt genannt – ist eine Infektion der oberen Atemwege durch Viren, am häufigsten durch Rhinoviren, die typischen Schnupfenviren.1 Sie beginnt eher schleichend und ist in der Regel nach ein bis zwei Wochen von selbst vorbei.2 Ein Mittel, das eine beginnende Erkältung nachweislich aufhält, gibt es nicht. Manches macht sie etwas kürzer oder erträglicher, vieles im Regal bringt wenig.
Und das Training? Mit Schnupfen ohne Fieber ist lockeres Training meist in Ordnung – mit Fieber, Gliederschmerzen oder Husten auf der Brust nicht.3, 4 Was Du in den ersten 48 Stunden tun kannst, welche Mittel etwas taugen und wie Du seltener krank wirst, steht unten.
Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost
Neun Fragen, kurz beantwortet
Wenn Du nur zwei Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.
Die Studien auf dieser Seite haben vor allem Erwachsene mit einer gewöhnlichen Erkältung untersucht. Finde Dich in einer der Karten wieder, dann weißt Du, wie gut die Ergebnisse zu Dir passen.
Die meisten Studien hier haben Erwachsene mit einer Erkältung begleitet, wie sie jeder kennt: Schnupfen, Halskratzen, Husten.5 Was Du in den ersten 48 Stunden tun kannst, steht in Kapitel 02.
Bei Marathonläufern, Skifahrern und Soldaten bei Übungen in subarktischer Kälte halbierte regelmäßig genommenes Vitamin C ungefähr das Risiko, sich zu erkälten.7 Wann Du mit einem Infekt trainieren kannst und wann nicht, steht in Kapitel 05.
Die echte Grippe – Fachleute sagen Influenza – beginnt meist plötzlich, mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Gliederschmerzen; eine Erkältung kommt schleichender und verläuft milder.2 Für die Grippe gilt diese Seite nicht. Bei hohem Fieber holst Du Dir ärztlichen Rat.
Für Schwangerschaft und Stillzeit fehlen bei mehreren Mitteln die Daten; Echinacea etwa, der Sonnenhut, wird dann ohne ärztlichen Rat nicht empfohlen.22 Zink und manche Antibiotika behindern sich gegenseitig.23 Frag in der Apotheke oder bei Deinem Arzt nach, bevor Du etwas dazunimmst.
Mit einer chronischen Atemwegserkrankung wie COPD – der chronisch verengten Lunge – holst Du Dir bei Warnzeichen – sie stehen in Kapitel 03 – früher ärztlichen Rat.2 Echinacea wird bei Autoimmunerkrankungen – wenn die Abwehr den eigenen Körper angreift – und bei geschwächter Abwehr nicht empfohlen; wer zu Allergien neigt – etwa mit Heuschnupfen, allergischem Asthma oder Neurodermitis –, fragt vorher seinen Arzt, denn schwere allergische Reaktionen sind möglich.22
Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Gelenken oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, welche Mittel und Mengen für Dich passen – und wie hart Du mit einem Infekt trainieren darfst.
Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Kein Mittel stoppt die Erkältung – aber Du kannst sie Dir leichter machen und verhindern, dass sie Dich länger als nötig aus dem Training wirft.
Wofür: seltener erkältet in Phasen harter Belastung. Bei Marathonläufern, Skifahrern und Soldaten in subarktischer Kälte halbierte regelmäßig genommenes Vitamin C ungefähr das Risiko, sich zu erkälten.7
Wann unnötig: in normalen Trainingswochen – im Alltag senkte Vitamin C das Erkältungsrisiko kaum.7 Und als Notbremse bei den ersten Beschwerden.
Menge: In einer großen Auswertung von Vitamin-C-Studien waren es mindestens 200 Milligramm am Tag, in einer Studie mit Ultramarathonläufern 600 Milligramm.7, 28 Zum Vergleich: Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzung höchstens 250 Milligramm am Tag, die Obergrenze der US-Gesundheitsbehörden liegt für Erwachsene bei 2.000 Milligramm.25, 29 Wenn Du in einer harten Phase mehr als die 250 Milligramm nimmst, bleib im Bereich dieser Studien und sprich es mit einer Vorerkrankung vorher mit Deinem Arzt ab – das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
Zeitpunkt: regelmäßig über die harte Phase hinweg – nicht erst, wenn es kratzt.
Training und Wettkampf: Mit Fieber oder Beschwerden unterhalb des Halses startest Du nicht. Läufer, die mit Allgemeinbeschwerden wie Fieber oder Gliederschmerzen an den Start gingen, kamen zwei- bis dreimal seltener ins Ziel.12
Risiken und Wechselwirkungen: Viel Vitamin C kann Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfe machen und – vor allem bei Nierenerkrankungen – Nierensteine begünstigen; bei der Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose ist Vorsicht geboten. Wer eine Chemo- oder Strahlentherapie bekommt oder Cholesterinsenker nimmt, spricht hohe Mengen vorher mit seinem Arzt ab.29 Wer bei Wettkämpfen mit Dopingkontrollen startet, nimmt nur geprüfte Produkte, etwa aus der Kölner Liste, in der auf verbotene Substanzen getestete Nahrungsergänzungsmittel stehen – das ist mein Rat, keine Studienregel.
Wofür: eine Erkältung, die gerade anfängt, etwas abzukürzen. Am ehesten gelingt das mit Zink-Lutschtabletten – bei unsicherer Studienlage.5
Wann unnötig: Zink, Vitamin C oder Vitamin D als Dauerschutz. Vorbeugend genommen, senkten sie das Erkältungsrisiko im Alltag kaum oder nicht gesichert.5, 7, 15
Menge: In Studien mit Wirkung über 75 Milligramm Zink am Tag, mehr als 100 Milligramm brachten nicht mehr.24 Das liegt weit über der Empfehlung des BfR für Nahrungsergänzung – deshalb nur nach Rücksprache mit Deinem Arzt.9
Zeitpunkt: so früh wie möglich, am besten binnen 24 Stunden nach den ersten Beschwerden, über den Tag verteilt langsam lutschen – solange die Beschwerden anhalten, in den Studien ein bis zwei Wochen, aber nicht als Dauereinnahme.8 Damit Du dann gleich beginnen kannst, sprichst Du die Menge am besten schon vor der Erkältungszeit mit Deinem Arzt ab – das ist mein Rat, keine Studienregel.
Risiken und Wechselwirkungen: In einer Studie hatte gut die Hälfte mit Zink Geschmacksprobleme, mit Scheintablette 7 Prozent.10 Bestimmte Antibiotika – Chinolone wie Ciprofloxacin und Tetrazykline – nimmst Du mindestens zwei Stunden vor oder vier bis sechs Stunden nach dem Zink.23 Zu viel Zink macht Übelkeit, auf Dauer stört es die Aufnahme von Kupfer und Eisen.9
Entscheidungs-Check
Fünf Fragen, bevor Du zur Packung greifst
Erkältungen lösen viele verschiedene Viren aus, am häufigsten Rhinoviren; bei etwa einem Viertel bleibt der Erreger unbekannt.1 Viele Beschwerden macht dabei nicht das Virus selbst, sondern Deine Abwehr.
Botenstoffe des Immunsystems – Fachleute sagen Zytokine – erklären nach heutigem Wissen Fieber, Frösteln, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen. Für Halsschmerzen, Schnupfen, Niesen und Husten gibt es weitere Mechanismen in Nase und Rachen.31
Eine Erkältung beginnt meist schleichend, anders als die echte Grippe.2 Wenn Du Zink probieren willst, ist jetzt der Zeitpunkt – Forscher raten, binnen 24 Stunden nach den ersten Beschwerden zu beginnen; hohe Mengen nur nach Rücksprache mit Deinem Arzt.8 Training geht kürzer und lockerer, solange alles oberhalb des Halses bleibt.3
Fieber, Gliederschmerzen oder Husten auf der Brust heißen: Trainingspause.3 Hohes Fieber, Atemnot, Brustschmerzen oder Beschwerden, die schlimmer statt besser werden, gehören in ärztliche Hände.2
Halsschmerzen und Schnupfen klingen oft schon nach wenigen Tagen ab; insgesamt ist eine Erkältung in der Regel nach ein bis zwei Wochen ausgestanden.2
Sobald es Dir besser geht, steigst Du schrittweise wieder ein.3 Bei Sportlern kann die Leistung noch zwei bis vier Tage nach der Genesung gemindert sein.12 Wie Du wieder einsteigst, steht in Kapitel 05.
Bis ein Husten ganz weg ist, dauert es bei Erwachsenen im Schnitt 18 Tage.2 Ein Husten, der nachklingt, ist also häufig – solange es insgesamt besser wird. Was das fürs Training heißt, steht in Kapitel 05.
Neun Mittel, die Dir in Apotheke, Drogerie oder im Netz begegnen. Keines bricht eine begonnene Erkältung ab. Einige machten sie in Studien kürzer oder milder, drei machten Atemwegserkrankungen unter bestimmten Bedingungen seltener: Vitamin C bei harter Belastung, Probiotika und der Schleimlöser NAC über Monate.
Unter jedem Mittel steht, wie sicher die Studienlage ist; was die Stufen bedeuten, erklärt Kapitel 09.
In einer großen Auswertung war eine Erkältung mit Zink zur Behandlung im Mittel 2,4 Tage kürzer; die Ergebnisse der einzelnen Studien gingen aber weit auseinander.5 Mit Lutschtabletten aus Zinkacetat, früh genommen, waren in drei Studien am fünften Tag 70 Prozent wieder gesund, mit Scheintablette 27 Prozent – ausgewertet zum Teil von den Leitern dieser Studien selbst.8 Eine Studie mit einer handelsüblichen Tablette fand keinen Nutzen.10 Vorbeugend genommen, senkte Zink das Risiko kaum.5
uneinheitlich
Regelmäßig genommen, halbierte Vitamin C unter harter körperlicher Belastung ungefähr das Risiko, sich zu erkälten; im Alltag senkte es dieses Risiko kaum. Die Dauer verkürzte es bei Erwachsenen um 8 Prozent, die Beschwerden waren etwas milder.7 Erst bei Beginn genommen, zeigte es keine einheitliche Wirkung.7 Zwei Studien deuten an, dass sechs bis acht Gramm am Tag mehr bewirken als drei bis vier – erste Hinweise.32 Die Autoren einer großen Auswertung von Vitamin-C-Studien halten es trotzdem für vertretbar, Vitamin C bei Beginn auszuprobieren, weil es billig und meist gut verträglich ist; in einer neueren Übersicht nennen sie dafür sechs bis acht Gramm am Tag.7, 32 Ich bin vorsichtiger: Über 2 Gramm am Tag drohen Durchfall und Bauchkrämpfe,29 und verlassen kannst Du Dich auf einen solchen Versuch nicht – das ist meine Einschätzung.
belegt unter harter Belastung · nicht belegt als Notbremse
NAC, kurz für N-Acetylcystein, ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen, um zähen Schleim zu lösen und das Abhusten zu erleichtern.33 In einer älteren Studie über einen Grippewinter nahmen vor allem über 65-Jährige, viele davon chronisch krank, ein halbes Jahr lang zweimal täglich 600 Milligramm; sie hatten seltener grippeähnliche Beschwerden und lagen weniger Tage im Bett.34 Für eine Erkältung, die gerade anfängt, sagt die Studie nichts – gezählt wurden grippeähnliche Beschwerden über Monate. Ob NAC bei einer Erkältung den Husten lindert, prüft diese Seite nicht – Hustenmittel sind nicht ihr Thema. Mit Asthma sprichst Du NAC vorher mit Deinem Arzt oder Apotheker ab. Mit einem Hustenstiller nimmst Du es nur nach ärztlichem Rat: NAC löst Schleim, den Du abhusten sollst, ein Hustenstiller unterdrückt genau das, und der Schleim kann sich gefährlich stauen. Wechselwirkungen gibt es außerdem mit Nitro-Mitteln fürs Herz, dem Epilepsiemittel Carbamazepin, Aktivkohle und manchen Antibiotika wie Penicillinen, die Du mit zwei Stunden Abstand nimmst.33
erste Hinweise gegen grippeähnliche Beschwerden über Monate · nicht belegt bei beginnender Erkältung
Die Europäische Arzneimittel-Agentur stuft Presssaft aus dem frischen Kraut des Roten Sonnenhuts als Arzneimittel mit anerkannter Wirksamkeit ein – zur kurzzeitigen Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen, für höchstens zehn Tage.22 Eine große Auswertung fand dagegen in keiner einzelnen Vorbeugungsstudie einen gesicherten Unterschied; erst als die Autoren die Studien nachträglich zusammenrechneten – nicht von vornherein geplant und deshalb weniger verlässlich –, ergab sich ein Hinweis auf 10 bis 20 Prozent weniger Erkältungen. Bei der Behandlung half es in einer von sieben Studien.30 Die Produkte unterscheiden sich stark – was für eines gilt, gilt nicht für alle. Nicht bei Allergie gegen Korbblütler wie Kamille oder Arnika; wer zu Allergien neigt, fragt vorher seinen Arzt.22, 30
uneinheitlich
In einer Auswertung weniger Studien senkte Holunder das Risiko einer Erkältung wohl nicht; Dauer und Stärke verringerte er vielleicht, die Daten dazu sind aber unsicher.35
erste Hinweise
In einer Auswertung mehrerer Studien linderte Honig Husten und andere Beschwerden besser als die übliche Behandlung – etwa gängige Hustenmittel oder gar keine Behandlung; gegen ein Scheinmittel war der Vorteil nicht gesichert – ein Teil der Wirkung kann also Erwartung sein. Die Daten zum Husten stammen überwiegend von Kindern, für Erwachsene ist die Lage dünner.11 Kinder unter einem Jahr bekommen keinen Honig: Er kann Sporen eines Bakteriums enthalten, die bei Säuglingen eine gefährliche Vergiftung auslösen – Fachleute sagen Säuglingsbotulismus.27
erste Hinweise
In einer großen Studie sprühten Erwachsene mit Vorerkrankungen oder häufigen Infekten Kochsalzlösung in die Nase, sobald sich ein Infekt ankündigte oder nachdem sie Kontakt mit Erkrankten hatten. Sie hatten in sechs Monaten im Mittel 6,4 statt 8,2 Krankheitstage durch Atemwegsinfekte – neben Erkältungen auch Grippe und Corona – und nahmen seltener Antibiotika.6 Die Teilnehmer wussten, dass sie sprühten – ein Teil des Effekts kann Erwartung sein.
erste Hinweise
Eine große Auswertung fand einen kleinen Schutz vor Atemwegsinfekten; in ihrer aktualisierten Fassung mit neueren Studien war er nicht mehr gesichert, auch nicht bei Menschen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel. Die Autoren halten es für möglich, dass der frühere Befund vor allem auf kleinen Studien beruhte, die günstiger ausfielen als die großen.15, 36 An beiden arbeitete ein Forscher eines japanischen Herstellers von Kosmetik und Nahrungsergänzung mit – ein möglicher Interessenkonflikt. Ob Du aus anderen Gründen Vitamin D brauchst, steht auf meiner Seite zu Vitamin D.
nicht belegt
Probiotika sind lebende Bakterien, etwa in Milchprodukten oder als Pulver. In einer großen Auswertung hatten Menschen, die sie meist über mehr als drei Monate nahmen, seltener Infekte der oberen Atemwege und brauchten seltener Antibiotika; die Studienlage ist eher schwach, untersucht waren bestimmte Bakterienstämme.37 Für eine Erkältung, die schon da ist, sagt die Auswertung nichts.
belegt über Monate, methodisch schwach
gerechnet Von mir aus den Werten der großen Vitamin-C-Auswertung gerechnet: Die 8 Prozent gelten für Erwachsene, die regelmäßig mindestens 200 Milligramm Vitamin C am Tag nahmen; bei Kindern waren es 14 Prozent. Die sieben Tage sind angenommen.7
In der Sportmedizin gibt es dafür eine Faustregel, die Hals-Regel – auf Englisch „neck check“.4 Sie stammt aus der Praxis, geprüft ist sie nur in Teilen.
Gestützt wird die Regel von einer kleinen Studie: Junge Freiwillige wurden absichtlich mit einem Erkältungsvirus angesteckt; ein Teil trainierte danach zehn Tage lang jeden zweiten Tag 40 Minuten Ausdauer in mittlerer Intensität. Beschwerden und die Menge an Nasensekret unterschieden sich nicht von denen einer Gruppe ohne Training.13 Training machte die Erkältung also weder schlimmer noch kürzer – untersucht waren allerdings nur junge Menschen und ein bestimmtes Virus.
Fieber stört die Wärmeregulation, Du verlierst mehr Flüssigkeit, und die maximale Sauerstoffaufnahme – das Maß für Deine Ausdauer – sinkt. Läufer, die mit Allgemeinbeschwerden wie Fieber oder Gliederschmerzen an den Start gingen, erreichten zwei- bis dreimal seltener das Ziel. Ein akuter Infekt kann bei harter Belastung das Risiko ernster Komplikationen erhöhen, bis hin zum plötzlichen Tod.12
Sobald es Dir besser geht, kehrst Du schrittweise zu Deinem gewohnten Training zurück; ein paar Tage Pause schaden Deiner Leistung nicht.3 Bei Sportlern kann die Leistung noch zwei bis vier Tage nach der Genesung gemindert sein.12 Fang mit der Hälfte an – halbe Dauer, halbe Intensität – und steigere über einige Tage. Das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
Und der Husten? Bis ein Husten ganz weg ist, dauert es bei Erwachsenen im Schnitt 18 Tage.2 Eine Studie dazu, wie Du mit einem nachklingenden Husten trainierst, habe ich nicht gefunden. Meine Einschätzung: Ist nur noch ein leichter, trockener Husten übrig – kein Fieber, kein Schleim auf der Brust, und Du fühlst Dich wieder fit –, musst Du nicht warten, bis er ganz weg ist. Steig locker ein. Wird der Husten beim Training stärker, bekommst Du schlecht Luft oder Schmerzen in der Brust, hörst Du auf und holst Dir ärztlichen Rat.2
Und wenn Du mit Schnupfen trainierst: Hände waschen, eigenes Handtuch, Griffe abwischen. Mit regelmäßigem Händewaschen hatten in Studien weniger Menschen einen Atemwegsinfekt.20
Die Grundlagen kosten nichts: Schlaf, Bewegung, saubere Hände. Ergänzungsmittel helfen beim Vorbeugen nur in bestimmten Fällen.
In einer Studie wurde der Schlaf Gesunder eine Woche lang am Handgelenk gemessen, dann bekamen sie Erkältungsviren in die Nase getropft. Wer weniger als sechs Stunden schlief, erkrankte häufiger als bei mehr als sieben Stunden; bei sechs bis sieben Stunden war der Unterschied nicht gesichert.17 Eine frühere Studie derselben Forschergruppe fand mit selbst berichtetem Schlaf Ähnliches schon unter sieben Stunden; dort zählte am Ende vor allem, wie viel der Zeit im Bett jemand tatsächlich schlief.18 Ein Zusammenhang, kein Beweis – aber ein guter Grund, in der Erkältungszeit auf genug Schlaf zu achten. Das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.
In einer Studie über einen Herbst und Winter hatten Erwachsene, die an fünf oder mehr Tagen pro Woche Ausdauersport machten, 43 Prozent weniger Tage mit Erkältungsbeschwerden als die, die sich kaum bewegten.19 Auch das ist ein Zusammenhang: Wer viel trainiert, lebt vielleicht auch sonst gesünder.
Bei Freizeit- und ambitionierten Sportlern steigt das Infektrisiko mit sehr hohen Trainingsumfängen wieder an – so sehen es Fachleute, etwa des Internationalen Olympischen Komitees. Sie sprechen von einer J-Kurve: Wer sich kaum bewegt, ist anfälliger als wer mäßig trainiert, wer sehr viel trainiert, am anfälligsten.4, 12 Ob die harte Belastung selbst krank macht, ist allerdings umstritten – mehr dazu in Kapitel 07.38 Auch plötzliche Steigerungen, Wettkämpfe, Reisen über mehrere Zeitzonen, Schlafmangel und Stress erhöhen das Risiko.12 Steigere Dein Training schrittweise und plane nach großen Belastungen Erholung ein.
Vitamin C senkte das Erkältungsrisiko nur unter harter körperlicher Belastung, im Alltag kaum.7 Probiotika machten Infekte über Monate etwas seltener, bei eher schwacher Studienlage.37 Zink und Vitamin D schützten kaum oder nicht gesichert.5, 15
In Studien in Schulen, Kitas und Haushalten hatten mit regelmäßigem Händewaschen 14 Prozent weniger Menschen einen Atemwegsinfekt – von 1.000 Menschen 327 statt 380. Bei der echten Grippe allein war der Unterschied nicht gesichert.20
Die Ständige Impfkommission empfiehlt sie allen ab 60, Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Bewohnern von Pflegeheimen und medizinischem Personal – am besten zwischen Oktober und Mitte Dezember.21 Ob sie für Dich sinnvoll ist, besprichst Du mit Deinem Arzt.
Rund um Erkältungen kursieren viele Ratschläge – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmen zwei, vier stimmen halb, vier stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht. Wie sicher die Studienlage jeweils ist, steht in Kapitel 09.
Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie nicht zeigen.
Wenn Zink eine Erkältung kürzer macht, könnte man es gleich den ganzen Winter nehmen. Das zeigen die Studien nicht: Vorbeugend genommen, senkte Zink das Risiko kaum,5 und auf Dauer stört viel Zink die Aufnahme von Kupfer und Eisen.9
Die J-Kurve aus Kapitel 06 gilt für Freizeit- und ambitionierte Sportler. Bei Sportlern auf internationalem Spitzenniveau ging hohe Belastung in mehreren Studien nicht mit mehr Infekten einher – womöglich, weil nur an die Spitze kommt, wer besonders robust ist.12 Was für Profis gilt, gilt nicht automatisch für Dich.
Die Studien auf dieser Seite zeigen, was im Mittel für eine Gruppe gilt. Mit einer Vorerkrankung zählt Dein eigener Fall – den klärst Du mit Deinem Arzt.
Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.
So lesen sich die Stufen: gut belegt – große Studien, alle in dieselbe Richtung · belegt – mehrere Studien, gleiche Richtung · erste Hinweise – eine Studie, wenige kleine oder nur indirekt erschlossen · uneinheitlich – Studien widersprechen sich · nicht belegt – kein Effekt gezeigt oder keine passende Studie gefunden.
Die Zeichen im Faktencheck sagen, ob eine Aussage stimmt; die Stufen hier sagen, wie sicher das ist. Eine Faustregel kann stimmen und trotzdem nur auf ersten Hinweisen beruhen.
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Regelmäßig Vitamin C senkt im Alltag das Erkältungsrisiko kaum | gut belegt – viele Studien mit über 10.000 Menschen |
| Antibiotika helfen bei einer Erkältung nicht | belegt – mehrere Studien, gleiche Richtung; bei Erwachsenen mehr Nebenwirkungen |
| Vitamin C macht Erkältungen unter harter Belastung seltener | belegt – fünf kleinere Studien, gleiche Richtung |
| Regelmäßig Vitamin C verkürzt Erkältungen etwas | belegt – viele Studien; der Effekt ist klein |
| Regelmäßiges Händewaschen senkt das Risiko für Atemwegsinfekte | belegt – mehrere große Studien; bei Grippe allein nicht gesichert |
| Probiotika machen Atemwegsinfekte seltener | belegt – viele Studien, gleiche Richtung, aber methodisch schwach |
| Wer wenig schläft, erkrankt häufiger | erste Hinweise – zwei Studien mit Erkältungsviren aus einer Forschergruppe; Zusammenhänge, kein Beweis |
| Honig lindert Husten | erste Hinweise – besser als die übliche Behandlung, gegen Scheinmittel nicht gesichert; die Daten stammen überwiegend von Kindern |
| Kochsalz-Nasenspray senkt die Krankheitstage | erste Hinweise – eine große Studie mit vorerkrankten oder oft kranken Erwachsenen; die Teilnehmer wussten von der Behandlung |
| Holunder verkürzt Erkältungen | erste Hinweise – wenige Studien, unsichere Daten |
| Training mit Schnupfen ohne Fieber schadet nicht | erste Hinweise – Faustregel der Sportmedizin, eine kleine Studie |
| Regelmäßige Bewegung geht mit weniger Krankheitstagen einher | erste Hinweise – eine Beobachtungsstudie, also ein Zusammenhang ohne Beweis für die Ursache |
| Ausgekühlte Füße lösen bei manchen Erkältungsbeschwerden aus | erste Hinweise – eine kleine Studie, Beschwerden selbst berichtet, ein Infekt nicht nachgewiesen |
| NAC senkt über Monate grippeähnliche Beschwerden | erste Hinweise – eine Studie mit vor allem älteren Menschen in einer Grippesaison |
| Zink in der Nase kann den Geruchssinn kosten | erste Hinweise – Fallberichte, also beschriebene Einzelfälle; die untersuchenden Ärzte halten Zink für die Ursache |
| Zink verkürzt eine Erkältung | uneinheitlich – im Mittel kürzer, die Studien widersprechen sich stark |
| Echinacea beugt vor oder verkürzt | uneinheitlich – die Arzneimittelbehörde erkennt einen Presssaft an, eine große Auswertung fand keinen gesicherten Nutzen |
| Sehr viel Training macht anfälliger (J-Kurve) | uneinheitlich – vor allem Beobachtungsstudien und Einschätzungen von Fachleuten; ob die Belastung selbst die Ursache ist, ist umstritten |
| Nach hartem Training ist die Abwehr geschwächt | uneinheitlich – Fachleute streiten darüber |
| Vitamin C erst bei Beginn hilft | nicht belegt – in einer großen Auswertung keine einheitliche Wirkung; zwei Studien deuten auf sehr hohe Mengen |
| Vitamin D schützt vor Atemwegsinfekten | nicht belegt – in der aktualisierten großen Auswertung kein gesicherter Schutz |
| Zink beugt Erkältungen vor | nicht belegt – kaum Unterschied zu Scheinmitteln |
Das Kurze · Fazit in Zahlen
Jede Zahl mit Quelle und Haken
Die sechs Zahlen stammen aus Studien und Übersichtsarbeiten, Stand Oktober 2026; wo ich eine davon selbst gerechnet habe, steht es dabei. Zu jeder steht, wer untersucht wurde, was herauskam und wo der Haken liegt.
Im Mittel aus acht Studien – mit weit auseinanderliegenden Ergebnissen: Zink kann helfen, verlassen kannst Du Dich nicht darauf.
Unsichere Studienlage, Mengen und Formen sehr verschieden; mit Zink häufiger leichte Nebenwirkungen. Eine Studie mit einer handelsüblichen Lutschtablette fand keinen Nutzen; mit Tabletten aus der Drogerie kommt man nach Einschätzung ihrer Autoren nicht leicht an den Nutzen heran.
Gesprüht bei den ersten Anzeichen oder nach Kontakt mit Erkrankten, dazu seltener Antibiotika: billig, einfach, einen Versuch wert.
Eine Studie; die Teilnehmer wussten, dass sie sprühten. Mitgemacht hatten Erwachsene mit Vorerkrankungen oder häufigen Infekten; gezählt wurden alle Atemwegsinfekte, auch Grippe und Corona.
Bei Marathonläufern, Skifahrern und Soldaten in subarktischer Kälte; im Alltag kaum ein Unterschied: Vitamin C ist etwas für harte Phasen.
Fünf kleinere Studien mit verschiedenen Mengen und Bedingungen. Den Prozentwert habe ich aus dem Risikoverhältnis 0,48 gerechnet: Mit Vitamin C erkälteten sich knapp halb so viele wie mit Scheinmittel.
Bei sieben Tagen Erkältung rund ein halber Tag; erst bei Beginn genommen, keine einheitliche Wirkung: Vitamin C ist keine Notbremse.
Mengen und Studien sehr verschieden; bei Kindern waren es 14 Prozent. Der halbe Tag ist von mir gerechnet, mit angenommenen sieben Tagen.
Gegenüber mehr als sieben Stunden; bei sechs bis sieben war der Unterschied nicht gesichert: Genug Schlaf ist die billigste Wette gegen eine Erkältung.
Eine kleine Studie mit großer Unsicherheit; eine frühere derselben Forschergruppe fand Ähnliches schon unter sieben Stunden. Zusammenhänge, kein Beweis – und die Viren wurden in die Nase getropft, im Alltag steckst Du Dich anders an.
Von 1.000 Menschen 327 statt 380: unspektakulär, aber messbar.
Studien vor allem in Schulen, Kitas und Haushalten, oft mit methodischen Schwächen; bei Grippe allein kein gesicherter Unterschied.
Jede Zahl ist an der Quelle selbst geprüft, Stand 26.10.2026 – meist an der Kurzfassung in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, bei sechs Arbeiten an der vollständigen Fassung. Die vollständigen Angaben, mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, folgen im Kapitel „Belegt“.
Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Teilnehmer, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Alle Studien habe ich über PubMed geprüft. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.
Ein paar Begriffe, die in den Belegen vorkommen: Eine Übersichtsarbeit fasst viele Studien zusammen. Das Risikoverhältnis vergleicht zwei Gruppen – 0,48 heißt: halb so oft wie mit Scheinmittel. Das Chancenverhältnis – Fachleute sagen Odds Ratio – ist ein verwandtes Maß, das bei häufigen Ereignissen weiter von 1 entfernt liegt als das Risikoverhältnis und einen Unterschied so in beide Richtungen größer erscheinen lässt. Ein Ratenverhältnis vergleicht, wie schnell sich zwei Gruppen erholen – über 1 heißt: mit dem Mittel schneller. Die Zahlen in Klammern sind der Vertrauensbereich, in dem der wahre Wert vermutlich liegt. Die Vertrauenswürdigkeit (niedrig, mittel, hoch) ist die Bewertung der Autoren, wie belastbar ein Ergebnis ist. Das Verzerrungsrisiko beschreibt, wie leicht Schwächen im Aufbau einer Studie ihr Ergebnis verfälschen können. Verblindet heißt: Die Teilnehmer – oder auch die Untersucher – wissen nicht, wer das echte Mittel bekommt. Eine Beobachtungsstudie verfolgt Menschen nur und zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen. I² gibt an, wie stark die Ergebnisse der einzelnen Studien voneinander abweichen – je näher an 100 Prozent, desto stärker. Der Median ist der mittlere Wert: Die eine Hälfte liegt darunter, die andere darüber.