Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon – und Frauen brauchen es ebenfalls, nur in einem Bruchteil der Menge. Dein Körper stellt es selbst her und steuert die Menge über einen Regelkreis zwischen Gehirn und Hoden. Bei gesunden jungen Männern liegen 95 von 100 Werten zwischen 264 und 916 Nanogramm pro Deziliter – das sind 9,2 bis 31,8 Nanomol pro Liter, wenn Dein Laborzettel diese Einheit benutzt.1 Die Spanne stammt aus einer Untersuchungsreihe mit insgesamt über neuntausend Männern; gebildet wurde sie an den 1.185 Gesunden ohne Übergewicht zwischen 19 und 39 Jahren.
Ich bin Personal Trainer, kein Arzt – was hier steht, ist nachgeschlagen und belegt, nicht aus der Erfahrung erzählt. Von außen kommt Testosteron als Gel, als Kapsel, als Spritze – und in der Spritze steckt es fast nie pur, sondern als Ester: ein angehängtes Molekülstück, das nur eines bestimmt, nämlich wann der Wirkstoff frei wird.2 Diese Seite erklärt beides: den Regelkreis und die Pharmakologie dahinter.
Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost
Acht Fragen, kurz beantwortet
Wenn Du nur ein paar Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.
Testosteron ist ein Thema, bei dem sehr verschiedene Fragen durcheinandergeraten. Finde Dich in einer der Karten wieder, dann weißt Du, welche Kapitel für Dich zählen.
Entscheidend sind zwei Morgenwerte und passende Beschwerden – nicht ein einzelner Wert.7 Und bevor Du an Hormone denkst: Starkes Übergewicht geht mit deutlich niedrigerem Gesamttestosteron einher – und wer abnimmt, bei dem steigt der Wert wieder.14, 15 Kapitel 03 und 04.
Dein Körper stellt Testosteron her und braucht es auch. Die Werte sind aber so niedrig, dass gängige Labormethoden an ihre Grenzen kommen.8 Als Therapie ist nur ein einziges Anwendungsgebiet anerkannt. Alles, was im Netz darüber hinaus versprochen wird, ist nicht belegt.16
Dort steht, warum sich die Ester pharmakologisch unterscheiden – und wo die kontrollierte Forschung aufhört. Dosierungen, Kuren oder Bezugswege findest Du hier nicht, und zwar bewusst nicht. Was Du findest, ist die Logik dahinter und die belegte Risikolage.
Drei Stellen, an denen beim Thema Testosteron am häufigsten etwas durcheinandergerät: der Unterschied zwischen Laborwert und Diagnose, der Unterschied zwischen Tabletten und Spritzen bei der Leber, und die Frage, was nach dem Absetzen zurückkommt. Alle drei sind hier belegt.
Sie kann Dir sagen, was gemessen wurde und was nicht. Sie kann Dir keine Dosis beurteilen und keine Blutwerte interpretieren – das gehört zu einem Arzt, der die Werte vor sich hat. Die belegten Risiken stehen in Kapitel 06.
Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Gelenken oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, ob und wie viel davon für Dich passt.
Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Die meisten Fehler beim Thema Testosteron passieren nicht bei der Behandlung, sondern lange davor – beim Messen und beim Deuten.
Testosteron entsteht beim Mann ganz überwiegend in bestimmten Zellen des Hodens – Fachleute nennen sie Leydig-Zellen –, bei der Frau im Eierstock und in der Nebennierenrinde. Ein Teil des Testosterons im Blut wird außerdem nicht ausgeschüttet, sondern erst im Gewebe aus Vorstufen umgewandelt. Wie groß dieser Anteil beim Gesunden ist, kann ich nicht belegen: Die Arbeit, die dazu üblicherweise mit rund 15 Prozent zitiert wird, untersuchte eine Lebererkrankung – und nach ihrer eigenen Kurzfassung gilt dieser Wert für die Erkrankten, nicht für die Gesunden.24
In fast jedem Artikel über Testosteron steht eine Spanne wie „vier bis zehn Milligramm pro Tag“. Auf eine Originalmessung konnte ich sie nicht zurückführen – und das liegt nicht an der Spanne, sondern an der Datenlage dahinter. Die Messungen, auf die sich alle berufen, stammen aus den sechziger Jahren und wurden an einer Handvoll Menschen durchgeführt: zwei Arbeiten von 1965 und 1966, zusammen acht Männer und drei Frauen.25, 26 Beide sind nicht frei zugänglich, und in der Studiendatenbank liegt zu keiner der beiden auch nur eine Kurzfassung. Ich kann Dir also sagen, dass es diese Messungen gibt – ihre Einzelwerte habe ich nicht selbst gelesen und nenne sie deshalb hier nicht.
Was sich prüfen lässt, ist die Zusammenfassung in einer neueren Übersichtsarbeit. Sie nennt für den erwachsenen Mann drei bis zehn Milligramm am Tag, im Mittel sieben – ausdrücklich als Zusammenfassung jener alten Arbeiten, nicht als eigene Messung.8 Die Größenordnung stimmt also. Was ihr fehlt, ist das Fundament, das eine so oft wiederholte Zahl vermuten lässt.
Die Menge wird über eine Kette aus drei Stationen geregelt: Der Hypothalamus im Gehirn gibt stoßweise ein Signal ab, die Hirnanhangdrüse antwortet mit zwei Steuerhormonen, und diese bringen den Hoden dazu, Testosteron herzustellen und Spermien reifen zu lassen. Messen lässt sich davon die mittlere Station: Bei jungen Männern schüttet die Hirnanhangdrüse ihr Steuerhormon in rund 15 Stößen pro 24 Stunden aus, im Mittel alle 94 Minuten einen.27
Entscheidend ist die Rückmeldung: Steigt das Testosteron im Blut, drosselt das Gehirn die Steuerhormone. Genau das passiert auch, wenn das Testosteron von außen kommt – der Körper kann nicht unterscheiden, woher es stammt. In einer Studie mit vier Dosisstufen wurden beide Steuerhormone gleich empfindlich und mit steigender Dosis stärker unterdrückt, und die Spermienbildung ging parallel zurück.28 Das ist der Mechanismus hinter Hodenschrumpfung und Unfruchtbarkeit unter äußerer Zufuhr – keine Nebenwirkung im eigentlichen Sinn, sondern die Regel selbst.
Der weibliche Körper stellt Testosteron im Eierstock, in der Nebennierenrinde und durch Umwandlung von Vorstufen im Gewebe her. Oft liest man, je ein Viertel komme aus Eierstock und Nebenniere und die Hälfte aus der Umwandlung. Diese Aufteilung konnte ich an keiner Originalarbeit prüfen – belastbar belegt ist nur, dass alle drei Wege beitragen.
Androgene, also die männlich wirkenden Hormone, hat jeder Körper. Androgene, also die männlich wirkenden Hormone, hat jeder Körper. Belegt ist die Größenordnung im Blut: Bei gesunden Frauen unter 40 liegen 95 von 100 Werten zwischen 0 und 1,7 Nanomol pro Liter, bei Männern zwischen 18 und 40 zwischen 7,7 und 29,4. Die beiden Verteilungen überschneiden sich kaum.8 Der Abfall bei Frauen passiert übrigens nicht an der Menopause, sondern vorher: In einer Untersuchung an über 1.400 Frauen fielen die Androgenwerte steil mit dem Alter, und in der Gruppe der 45- bis 54-Jährigen machte es keinen eigenen Unterschied, ob die Menopause schon eingetreten war.29
Dass Testosteron mit den Jahren sinkt, ist gut belegt. In einer Langzeituntersuchung an 890 Männern fiel das Gesamttestosteron um 0,124 Nanomol pro Liter je Lebensjahr.17 In einer europäischen Untersuchung über rund viereinhalb Jahre betrug die mittlere jährliche Änderung −0,1 Nanomol pro Liter – bei einer Streuung von 0,95, also fast dem Zehnfachen des Mittelwerts.15 Der durchschnittliche Abfall ist klein gegenüber dem, was sich zwischen einzelnen Menschen unterscheidet.
Viel deutlicher ist ein anderer Zusammenhang. In einer Untersuchung an 3.200 Männern ging starkes Übergewicht mit einem um 5,09 Nanomol pro Liter niedrigeren Gesamttestosteron einher, leichtes Übergewicht mit 2,32 weniger.14 Dasselbe Alter schlug dort mit 3,12 Picomol pro Liter und Lebensjahr zu Buche – allerdings beim freien Testosteron, also dem kleinen, sofort wirksamen Teil, während die 5,09 den gesamten Wert im Blut beschreiben. Direkt vergleichbar sind die beiden Zahlen deshalb nicht; der Rechenkasten unten vergleicht zwei Gesamtwerte. Beide wirken zudem über verschiedene Wege – das Alter über den Hoden, das Übergewicht über die Steuerzentren im Gehirn. In derselben Untersuchungsreihe war starkes Übergewicht der stärkste Risikofaktor für die Form des Hormonmangels, die ihre Ursache im Gehirn hat: Das Risiko war dort 8,74-fach erhöht, während das Alter mit 3,04 zu Buche schlug – und für die Form mit Ursache im Hoden war es umgekehrt.31
gerechnet Von mir aus den Werten der beiden Untersuchungen gerechnet. Der Vergleich hinkt bewusst an einer Stelle, und das gehört dazugesagt: Die beiden Zahlen stammen aus verschiedenen Untersuchungen mit verschiedenen Menschen, und die eine beschreibt eine Veränderung über die Zeit, die andere einen Unterschied zwischen Gruppen zu einem Zeitpunkt. Die Rechnung zeigt eine Größenordnung, keine Gleichung. Was sie belastbar macht: Der Zusammenhang ist umkehrbar. In der Nachuntersuchung derselben Reihe ging Gewichtsabnahme mit steigenden, Gewichtszunahme mit fallenden Werten einher.15
Noch eine Zahl, die jede Aussage der Form „mit sechzig hat man normalerweise X“ relativiert: In einer Untersuchung über drei Erhebungswellen zwischen 1987 und 2004 sanken die Werte über die Kalenderjahre hinweg, unabhängig vom Alter der Untersuchten – und stärker, als der Altersabfall erklärt.32 Rauchen, Übergewicht und die übrigen erfassten Faktoren erklärten den Rückgang nicht. Die Ursache ist bis heute offen.
Die Testosteron-Ersatztherapie ersetzt, was der Körper nicht mehr selbst herstellt. Der schwierigste Teil ist nicht die Behandlung, sondern die Frage, wer sie überhaupt braucht.
Die maßgebliche Leitlinie verlangt beides: Beschwerden und eindeutig und wiederholt niedrige Werte. Gemessen wird morgens und nüchtern, und ein auffälliger Wert muss durch eine zweite Morgenmessung bestätigt werden – weil rund 30 von 100 Männern mit einem ersten auffälligen Wert beim zweiten Mal einen normalen haben.7
Wo genau die Grenze liegt, ist zwischen den Fachgesellschaften nicht einheitlich, und das ist ein echter Unterschied, kein Detail. Die US-amerikanische Leitlinie nennt keinen festen Grenzwert, sondern führt 264 Nanogramm pro Deziliter – 9,2 Nanomol pro Liter – als untere Grenze des Referenzbereichs gesunder junger Männer.7 Die europäische urologische Leitlinie nennt dagegen einen klaren Grenzwert von 12 Nanomol pro Liter, also rund 350 Nanogramm pro Deziliter.33 Zwischen diesen beiden Grenzen – 9,2 und 12 – liegt eine ganze Gruppe von Männern, die nach der einen Leitlinie behandlungsbedürftig wäre und nach der anderen nicht.
Testosteron als Tablette zu schlucken funktioniert nicht: Es wird in der Leber sofort abgebaut, bevor es wirken kann. Jede zugelassene Form löst genau dieses eine Problem auf einem anderen Weg.
| Form | Wie sie das Leberproblem umgeht | Was dabei auffällt |
|---|---|---|
| Gel auf die Haut | Aufnahme über die Haut, am Darm vorbei | 9 bis 14 Prozent der aufgetragenen Menge kommen an; gleichmäßiger Spiegel ab dem zweiten Tag34 |
| Pflaster kaum noch gebräuchlich | wie Gel | 12 Prozent brandähnliche Blasenreaktionen, 5 Prozent Abbruch wegen Hautreizung35 |
| Kapsel (Undecanoat) | Umweg über die Lymphbahn statt über die Leber | Aufnahme hängt stark vom Fett im Essen ab – in einer Untersuchung rund fünffacher Unterschied zwischen fettarmer und fetthaltiger Mahlzeit36 |
| Nasengel | Aufnahme über die Nasenschleimhaut | einzige Form mit Daten zum Erhalt der Spermienbildung – aber ohne Vergleichsgruppe erhoben37 |
| Spritze, kurz wirksam | Öldepot im Muskel, Freisetzung über Tage | Spitze nach 1,5 bis 3 Tagen, bis zu 10 bis 12 Tage über dem Normbereich, nach zwei Wochen zurück am Ausgangswert4 |
| Spritze, lang wirksam | Öldepot, Freisetzung über Monate | Abstand 10 bis 14 Wochen; Öltröpfchen in der Lungenstrombahn sind als seltene Nebenwirkung gelistet2. In einer Auswertung von Meldungen nach der Zulassung kamen 28 Fälle auf gut 90.000 Dosen; die Autoren arbeiteten überwiegend beim Hersteller38 |
gemessen Werte aus Fachinformationen und Studien, keine eigenen Rechnungen. Die Milligramm-Angaben der Fachinformationen habe ich weggelassen – welche Menge zu wem passt, entscheidet der behandelnde Arzt am Blutwert. Die Abstände zwischen zwei Spritzen stehen hier, weil sie zeigen, wie unterschiedlich lange die Formen wirken; sie sind keine Anwendungsanleitung.
Die bislang größte koordinierte Untersuchung dazu lief an 790 Männern über 65 mit niedrigen Werten, ein Jahr lang, gegen ein Scheinpräparat.21 Schon die Suche nach Teilnehmern ist aufschlussreich: 51.085 Männer wurden vorab geprüft, 790 blieben übrig. Das Beschwerdebild mit passendem Laborwert ist selten – und was dabei herauskam, gilt nur für diese schmale Gruppe. Die einzelnen Befunde fallen sehr unterschiedlich aus, und die Unterschiede werden in der öffentlichen Darstellung regelmäßig eingeebnet:
Die größte Sicherheitsstudie schloss 5.246 Männer mit Herz-Kreislauf-Vorbelastung ein und lief im Mittel knapp drei Jahre. Beim Hauptendpunkt – Herztod, Herzinfarkt oder Schlaganfall – war Testosteron dem Scheinpräparat nicht unterlegen, mit 7,0 gegenüber 7,3 Prozent.42 Auffällig häufiger traten in der Testosterongruppe Vorhofflimmern, Lungenembolien und akutes Nierenversagen auf. Und: Die Studie wurde von einem Konsortium der Hersteller finanziert. Das macht das Ergebnis nicht wertlos – es ist der größte und sauberste Datensatz, den es gibt –, aber es gehört in denselben Absatz wie der Befund. Dasselbe gilt in der anderen Richtung: Auch an der älteren Untersuchungsreihe war ein Hersteller als Mitfinanzier beteiligt und lieferte Gel und Scheingel. Ein Gegensatz „unabhängig gegen bezahlt“ lässt sich hier also nicht aufmachen – beteiligt war die Industrie an beidem.
Dagegen steht ein Nebenbefund aus der älteren Untersuchungsreihe, die überwiegend von der US-Gesundheitsbehörde finanziert wurde: Dort wuchs bei 138 untersuchten Männern unter Testosteron das Volumen der nicht verkalkten Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen deutlich stärker als unter Scheinpräparat.43 Schwere Herzereignisse traten in keiner der beiden Gruppen auf, und die Gruppen unterschieden sich schon zu Beginn erheblich. Die Autoren schreiben selbst, dass größere Studien nötig sind, um das einzuordnen. Ich stelle beide Befunde nebeneinander, weil beide aus guten Untersuchungen stammen und sie sich nicht auflösen lassen.
Dazu gibt es ein weltweites Konsenspapier, das elf Fachgesellschaften gemeinsam tragen. Sein Ergebnis ist schmal: Anerkannt ist ein einziges Anwendungsgebiet – nachlassendes sexuelles Verlangen mit Leidensdruck nach der Menopause.16 Die zugrundeliegende Auswertung von 36 Studien mit 8.480 Teilnehmerinnen fand dafür einen realen, aber kleinen Effekt: im Mittel knapp ein zusätzliches befriedigendes sexuelles Erlebnis je Messzeitraum.44
Für alles andere reicht die Evidenz nicht: nicht für Wohlbefinden, nicht für Stimmung, nicht für Denkleistung, nicht für Knochendichte, und bei körpereigenen Dosen auch nicht für Muskelmasse oder Kraft.16 Das ist weit entfernt von dem, was unter dem Stichwort „Testosteron für Frauen“ im Netz versprochen wird. Bemerkenswert dabei: Fast alle Autoren des Konsenspapiers geben Verbindungen zu Herstellern an – und das Ergebnis fällt trotzdem restriktiv aus, mit einer ausdrücklichen Warnung vor Präparaten, die zu hohe Spiegel erzeugen.
In Deutschland gibt es derzeit kein zugelassenes Testosteronpräparat für Frauen. Das einzige, das es in der EU je gab, wurde 2012 vom Markt genommen – nach Angabe der europäischen Arzneimittelbehörde aus wirtschaftlichen Gründen, nicht aus Sicherheitsgründen.45 Männerpräparate sind in Portionen abgefüllt, die auf männliche Spiegel zielen; wer sie bruchteilig dosiert, teilt ohne verlässliche Messmöglichkeit.
In einer Ampulle steckt fast nie reines Testosteron, sondern ein Ester: An das Testosteronmolekül ist eine Fettsäure angehängt. Das verändert nicht, was der Wirkstoff tut – nur, wann er verfügbar wird.
Der Grund ist einfache Chemie. Reines Testosteron hat im Blut eine Halbwertszeit von etwa einer Stunde – Halbwertszeit heißt: die Zeit, bis die Hälfte wieder verschwunden ist.2 Hängt man eine Fettsäurekette an, wird das Molekül fettlöslicher und bleibt länger im Öldepot im Muskel liegen. Nicht die Ausscheidung bestimmt die Wirkdauer, sondern die Freisetzung aus diesem Depot. Man erkennt das daran, dass eine Fachinformation für Aufnahme und Abfall dieselbe Halbwertszeit angibt – 4,5 Tage.4 Im Blut spalten Enzyme den Ester ab, und übrig bleibt dasselbe Molekül, das der Körper selbst herstellt.46
Der Ester ist in Öl gelöst – je nach Präparat Erdnussöl, Rizinusöl, Baumwollsaat- oder Sesamöl – und braucht zusätzlich einen Lösungsvermittler. Beim längsten Ester enthält jeder Milliliter 500 Milligramm Lösungsvermittler – ein erheblicher Teil der Flüssigkeit, weil sich die stark fettlöslichen Moleküle sonst gar nicht in spritzbarer Menge lösen lassen.2
Nicht nur die Chemie entscheidet über den Verlauf: In einer Untersuchung an einem verwandten Wirkstoff hingen Verfügbarkeit und Spitzenwerte auch davon ab, wie das Depot gesetzt wurde.47 Das war allerdings nicht Testosteron – die Übertragung ist ein Schluss aus der Ähnlichkeit der Moleküle, keine Messung. Für Dich als Leser heißt das vor allem eines: Selbst bei identischem Präparat und identischer Menge ist der Spiegel keine feste Größe.
Aus dem Depot wandert der Ester langsam ins Blut. Je länger die Fettsäurekette, desto fettlöslicher das Molekül und desto langsamer dieser Übergang. Das ist das ganze Prinzip – und es erklärt die Rangfolge, aber nicht die genauen Zeiten.
Wie stark das Öl selbst mitredet, zeigt ein Vergleich am selben Molekül: Testosteronundecanoat hatte in Teesamenöl eine Halbwertszeit von 20,9 Tagen, in Rizinusöl 33,9 Tage.48 Ein Unterschied um den Faktor 1,6 bei gleichem Wirkstoff. Woran genau es lag, lässt sich nicht trennen – die beiden Untersuchungen unterschieden sich nicht nur im Öl, sondern auch in Konzentration und Spritzenmenge. Sicher ist nur: Wer Wirkdauer allein aus der Kettenlänge ableitet, rechnet zu grob.
Bei einem mittellangen Ester liegt der höchste Wert 1,5 bis 3 Tage nach der Injektion, und einzelne Werte bleiben 10 bis 12 Tage über dem Normbereich, bevor der Spiegel nach rund zwei Wochen wieder am Ausgangswert ankommt.4
Dieses Sägezahnmuster ist der Grund, warum die europäische urologische Leitlinie Gele und das Langzeitdepot als Formen mit dem günstigsten Sicherheitsprofil führt: Kurzwirksame Spritzen schwanken stärker und gehen häufiger mit einer Verdickung des Blutes einher.33
Beim längsten zugelassenen Ester gibt die Fachinformation eine Freisetzungs-Halbwertszeit von 90 Tagen an – bei einer Streuung von 40 Tagen.2 Diese Streuung von fast der Hälfte des Werts gehört dazugesagt: Die Zahl beschreibt einen Mittelwert über Menschen, die sich stark unterscheiden.
Der Preis für die Bequemlichkeit: Eine einmal gesetzte Depotspritze lässt sich nicht zurückholen. Tritt eine Unverträglichkeit auf, wirkt die Dosis über Monate weiter. Das ist der pharmakologische Grund, warum vor dem Langzeitdepot oft erst eine kürzer wirksame Form getestet wird.
Ein Punkt, der leicht untergeht: Auf der Ampulle steht das Gewicht des Esters, nicht des Testosterons. Der angehängte Ester wird im Körper abgespalten und verworfen – er zählt beim Gewicht mit, aber nicht bei der Wirkung. Je länger die Kette, desto größer der Anteil, der nur Transportgewicht ist.
gerechnet Von mir aus den Summenformeln gerechnet, mit den Atomgewichten nach internationalem Standard. Die Summenformeln habe ich nicht abgeschrieben, sondern aus der Reaktion hergeleitet, bei der ein Ester entsteht: Testosteron plus Fettsäure minus Wasser. Vier Gegenproben gegen drei Fachinformationen stimmen exakt – bei 250 und 1000 Milligramm des langkettigen Esters, bei 250 Milligramm Enantat und beim Vierfachgemisch.2, 4, 49
| Ester | Anteil Testosteron | Veröffentlichte Halbwertszeit |
|---|---|---|
| Acetat | 87,3 % | nicht belegt keine Humanmessung gefunden |
| Propionat | 83,7 % | nicht belegt keine Humanmessung gefunden |
| Isocaproat | 74,6 % | nicht belegt keine Humanmessung gefunden |
| Enantat | 72,0 % | belegt 4,5 Tage, in Fachliteratur und Fachinformation4, 50 |
| Cypionat | 69,9 % | teils belegt rund 8 Tage, nur aus einer Fachinformation ohne nachvollziehbare Messung51 |
| Phenylpropionat | 68,6 % | nicht belegt keine Humanmessung gefunden |
| Decanoat | 65,2 % | nicht belegt nur die Angabe „länger als Enantat“ |
| Undecanoat | 63,2 % | belegt 20,9 bzw. 33,9 Tage je nach Öl; 90 Tage als Depotfreisetzung2, 48 |
gerechnet Die Anteile sind gerechnet, Rechenweg oben. gemessen Die Halbwertszeiten stammen aus Fachliteratur und Fachinformationen. Die dritte Spalte ist der eigentliche Befund dieses Kapitels: Für fünf der acht Ester gibt es keine veröffentlichte Halbwertszeit am Menschen. Die Zahlen, die dazu im Netz kursieren, konnte ich auf keine Originalmessung zurückführen – bei einem Ester nennt sogar ein und dieselbe Nachschlageseite zwei verschiedene Werte an zwei Stellen.
Pharmakologisch lässt sich sauber begründen, wofür ein kurzer und wofür ein langer Ester taugt: Ein kurzer Ester flutet schnell an und ist schnell wieder draußen – deshalb wird in der Behandlung oft erst eine kürzer wirksame Form verordnet, bevor etwas gesetzt wird, das über Monate wirkt. Ein langer Ester liefert über Wochen gleichmäßiger und braucht weniger Injektionen. Dass die Kettenlänge dieses Verhalten bestimmt, ist experimentell belegt, allerdings an einem verwandten Wirkstoff.47
Darüber hinaus wird es dünn. Drei verbreitete Begründungen halten der Prüfung nicht stand:
Die Kernaussage dieses Kapitels in einem Satz: Der Ester bestimmt, wann und wie gleichmäßig Testosteron freigesetzt wird – nicht, was es im Körper tut. Jede Behauptung, ein bestimmter Ester wirke anders, stärker oder sauberer, müsste erklären, wie das möglich sein soll, wenn am Ende dasselbe Molekül im Blut ankommt.
Hier verlässt das Thema die Medizin. Und hier endet auch das gesicherte Wissen – deutlich früher, als die meisten annehmen.
Der am besten belegte Befund des ganzen Themas stammt aus einer Untersuchung mit vier Gruppen: mit und ohne Training, mit Testosteron und mit Scheinpräparat. Die Gruppe, die zehn Wochen lang Testosteron bekam und nicht trainierte, legte an Muskelquerschnitt und Kraft messbar zu – mehr als die Gruppe mit Scheinpräparat ohne Training.9 Die Gruppe mit Testosteron und Training legte am deutlichsten zu, mit 6,1 Kilogramm mehr fettfreier Masse.
Eine spätere Untersuchung mit fünf Dosisstufen zeigte, dass der Zusammenhang mit der Dosis steigt: plus 3,4, plus 5,2 und plus 7,9 Kilogramm fettfreie Masse bei den drei höchsten Stufen über 20 Wochen.10 Entscheidend ist dabei, bei welchen Stufen das passierte: Diese Zuwächse gab es bei den hohen Dosen. Bei den beiden niedrigsten – jenen, die eine Ersatztherapie nachbilden – wurde kein gesicherter Zuwachs berichtet.
Weil kontrollierte Studien ausfallen, stammt alles Weitere aus Beobachtung von Menschen, die es ohnehin tun. Das ist methodisch schwächer – wer solche Mittel nimmt, unterscheidet sich möglicherweise auch sonst –, aber es ist das, was es gibt. Und es ist deutlich.
Bei 140 erfahrenen Kraftsportlern lag die Auswurfleistung der linken Herzkammer bei den Anwendern bei 52 Prozent, bei den Nichtanwendern bei 63.57 Wer zum Zeitpunkt der Untersuchung pausierte, lag dazwischen – ein Hinweis auf zumindest teilweise Erholung. Querschnittsbild, kein Ursachennachweis.
In Dänemark gibt es Dopingkontrollen in Fitnessstudios. 1.189 Männer, die dabei aufgefallen und gesperrt worden waren, wurden über im Mittel elf Jahre mit 59.450 Männern aus der Allgemeinbevölkerung verglichen. Das Risiko für eine Herzmuskelerkrankung war 8,9-fach erhöht, für Herzinfarkt 3,0-fach, für Blutgerinnsel in den Venen 2,4-fach.20
In einer weiteren dänischen Auswertung lag die Sterblichkeit bei 545 Männern mit positivem Kontrollergebnis dreifach höher als bei den Vergleichspersonen.58 Das Vertrauensintervall reicht von 1,3 bis 7,0 – der Befund ist gesichert, aber unscharf geschätzt. Krankenhauskontakte waren mehr als doppelt so häufig.
Bei ehemaligen Anwendern lagen im Schnitt zweieinhalb Jahre nach dem Absetzen noch 27,2 Prozent unter der unteren Normgrenze – in der Vergleichsgruppe niemand.12 Ein Marker der Hodenfunktion war auch dann noch erniedrigt, wenn der Testosteronwert selbst schon normal aussah.59
Hier wird am häufigsten etwas falsch erzählt – und zwar in beide Richtungen. Lebertoxisch sind bestimmte orale Wirkstoffe, bei denen ein kleiner Molekülbaustein eingebaut wurde – Fachleute sprechen von einer Methylgruppe –, damit die Substanz den Abbau in der Leber übersteht. Genau dieser Umbau belastet das Organ: Gallestau, blutgefüllte Hohlräume im Lebergewebe, gutartige und bösartige Tumoren sind dokumentiert.18, 19
Testosteron selbst trägt diesen Umbau nicht – weder in der Spritze noch in der Kapsel aus Kapitel 04, die den Umweg über die Lymphbahn nimmt. Ihnen fehlt dieser Schädigungsweg; für die veresterten Formen ist ein Gallestau nur selten beschrieben.19 Daraus folgt aber gerade nicht, dass Spritzen die harmlose Variante wären – die schwersten belegten Schäden betreffen das Herz, und dort gilt der Unterschied nicht.20 Der Satz, den ich mir dafür gemerkt habe: Die Leber trifft es bei den Tabletten. Das Herz trifft es bei beidem.
Zur Frage, ob hohe Dosen aggressiv machen, gibt es eine randomisierte Untersuchung mit Scheinpräparat und wöchentlicher Fremdbeurteilung durch eine nahestehende Person. Sie fand gesicherte Anstiege bei Manie-Werten und Aggression – aber die Verteilung ist der eigentliche Befund: Von 50 Teilnehmern zeigten 42 praktisch keine Veränderung, sechs eine leichte und zwei eine deutliche.55 Die acht Betroffenen unterschieden sich vorher in keinem erfassten Merkmal von den übrigen.
In der oben genannten Vier-Gruppen-Untersuchung fand sich bei ebenfalls 600 Milligramm pro Woche dagegen gar keine Veränderung von Stimmung oder Verhalten.9 Zwei zufällig zugeteilte Studien, dieselbe Milligrammzahl, verschiedene Ergebnisse. Streng genommen ist nicht einmal die Wirkstoffmenge identisch: Die eine nutzte Enantat, die andere Cypionat – nach der Rechnung aus Kapitel 05 sind das 432 gegenüber 419 Milligramm Testosteron. Den Unterschied erklärt das nicht, aber beides gehört nebeneinander. Die tragfähige Aussage lautet: Der Effekt ist real und trifft eine Minderheit – und man kann vorher nicht sagen, wen.
Für die Frage, ob man einfach wieder aufhören kann, ist eine andere Zahl relevant: Rund 30 Prozent der Anwender entwickeln nach einer Übersichtsarbeit ein Abhängigkeitsbild, also fortgesetzten Gebrauch trotz erkennbarer Nachteile.61 Die Besonderheit gegenüber klassischen Suchtmitteln: Es gibt keinen unmittelbaren Rausch, sondern eine verzögerte Belohnung über das Aussehen.
Eine Zusammenführung von 187 Untersuchungen kommt auf einen weltweiten Anteil von 6,4 Prozent bei Männern und 1,6 Prozent bei Frauen, die mindestens einmal im Leben anabole Steroide angewendet haben.62 Die Streuung zwischen den Einzeluntersuchungen ist allerdings extrem hoch – der Mittelwert ist ein Mittel über sehr ungleiche Gruppen. In der Gruppe der Freizeitsportler liegen die berichteten Werte deutlich höher, und über drei Viertel der Anwender sind keine Wettkampfsportler, sondern trainieren aus Gründen des Aussehens.22
Für Deutschland gibt es keine belastbare Zahl. Ein vom Bundesgesundheitsministerium gefördertes Präventionsprojekt zu Medikamentenmissbrauch in Fitnessstudios hält ausdrücklich fest, dass genaue Häufigkeiten für Deutschland nicht bekannt sind; die gelegentlich zitierte Größenordnung von mehreren Hunderttausend beruht auf einer angenommenen Quote von fünf Prozent der Studiobesucher.63 Sie ist geschätzt, nicht gemessen – deshalb nenne ich sie als Schätzung und rechne nicht weiter mit ihr.
Eine Zusammenführung von 19 Untersuchungen mit 5.413 Proben aus neun Ländern kam auf folgendes Bild: Im Mittel 36 Prozent gefälscht – also nicht der Wirkstoff, der draufsteht – und 37 Prozent minderwertig, also falsche Konzentration.22 Von den Fälschungen enthielten 24 Prozent gar keinen Wirkstoff und 44 Prozent einen anderen als angegeben. Bei öligen Injektionslösungen lag der Fälschungsanteil mit 43 bis 65 Prozent am höchsten, bei Tabletten niedriger.
Eine Einzeluntersuchung an 345 beschlagnahmten brasilianischen Proben zeigt, was das konkret heißt: Unterdosierungen bis herunter auf 16 Prozent des angegebenen Werts, Überdosierungen bis 221 Prozent.64 Wer glaubt, seine Dosis zu kennen, kann das Doppelte im Körper haben – oder ein Sechstel. Ob man Fälschungen ansieht, ist strittig: In einer der ausgewerteten Arbeiten ließen sich Original und Fälschung mit bloßem Auge nicht unterscheiden, in einer anderen half die Sichtprüfung sehr wohl weiter. Verlassen würde ich mich darauf nicht.
Hier gebe ich nur die Gesetzestexte wieder. Ich bin kein Jurist, und eine Bewertung einzelner Fälle gehört nicht auf diese Seite.
Testosteron ist verschreibungspflichtig. Darüber hinaus gilt seit Dezember 2015 das Anti-Doping-Gesetz; die früheren Dopingvorschriften im Arzneimittelgesetz wurden dabei aufgehoben.65 Dessen Paragraf 2 verbietet unter anderem, Dopingmittel in nicht geringer Menge zu Dopingzwecken zu erwerben oder zu besitzen; der Strafrahmen nach Paragraf 4 reicht bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, in besonders schweren Fällen von einem bis zehn Jahren.
Was „nicht geringe Menge“ bedeutet, legt eine eigene Verordnung fest. Für Testosteron steht dort: 1.500 Milligramm für Darreichungsformen über Haut oder Mund, 632 Milligramm für alle übrigen, also insbesondere Spritzen.13 Die Verordnung stellt dabei auf den Testosterongehalt ab, nicht auf das Gewicht, das auf einer Ampulle steht.
Rund um Testosteron kursieren viele Aussagen – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmt eine, vier stimmen halb, fünf stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht.
Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie ausdrücklich nicht zeigen.
Für Acetat, Propionat, Phenylpropionat, Isocaproat und Decanoat habe ich keine veröffentlichte Messung am Menschen gefunden. Die Zahlen, die dazu kursieren, ließen sich auf keine Primärquelle zurückführen.
Die Milligrammangaben pro Tag beruhen auf Messungen an sehr wenigen Menschen aus den sechziger Jahren.25, 26 Beide Arbeiten waren nicht einsehbar – ihre Einzelwerte stehen deshalb nicht auf dieser Seite, nur die Größenordnung aus einer Übersichtsarbeit.
Das geförderte Präventionsprojekt dazu hält selbst fest, dass genaue Häufigkeiten für Deutschland nicht bekannt sind.63 Die kursierende Zahl von mehreren Hunderttausend beruht auf einer angenommenen Quote von fünf Prozent der Studiobesucher – eine Schätzung, mit der sich nicht weiterrechnen lässt.
Die große Sicherheitsstudie fand keine Unterlegenheit beim Hauptziel.42 Die kleinere Untersuchung fand stärker wachsende Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen.43 Beide stehen so nebeneinander – und an beiden war die Industrie finanziell beteiligt.
Die kontrollierte Forschung endet bei 600 Milligramm pro Woche über 20 Wochen.10 Darüber hinaus gibt es nur Beobachtung an Menschen, die es ohnehin tun – mit allen Schwächen, die das mit sich bringt.56
Die große Therapiestudie schloss Männer mit bestimmten Vorerkrankungen aus, und die Untersuchungen zu hohen Dosen liefen an gesunden jungen Männern.10 Was in Deinem Fall gilt, klärst Du mit Deinem Arzt.
Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.
So lesen sich die Stufen: gut belegt – große Studien, alle in dieselbe Richtung · belegt – mehrere Studien oder behördlich geprüfte Angaben, gleiche Richtung · erste Hinweise – eine Studie, ein Datensatz oder nur indirekt erschlossen · uneinheitlich – Studien widersprechen sich · nicht belegt – kursiert, ließ sich aber nicht auf eine Quelle zurückführen.
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Referenzbereich gesunder junger Männer | gut belegt – Reihe mit über neuntausend Männern, Spanne gebildet an 1.185 Gesunden, 400 davon mit dem Referenzverfahren gemessen, der Rest daran angeglichen; Interessenkonflikte der Autoren benannt |
| Der Wert fällt im Tagesverlauf deutlich | gut belegt – mehrere Untersuchungen, gleiche Richtung |
| Übergewicht geht mit niedrigerem Testosteron einher, stärker als das Alter | gut belegt – mehrere tausend Männer; die Höhe aus einer Momentaufnahme, die Umkehrbarkeit aus der Nachuntersuchung |
| Testosteron von außen unterdrückt die eigene Produktion | gut belegt – randomisierte Dosisstufen, große Verhütungsstudien |
| Hohe Dosen bauen Muskeln auf, auch ohne Training | gut belegt – randomisiert, verblindet, Dosis-Wirkungs-Beziehung gezeigt |
| Symptomatischer Mangel ist selten | belegt – eine sehr große Untersuchungsreihe, Kriterien aus derselben Reihe |
| Ersatztherapie verbessert Sexualfunktion und Knochendichte | belegt – koordinierte Studien gegen Scheinpräparat; Wirkung ließ über die Zeit nach |
| Ersatztherapie hilft nicht bei Müdigkeit und Denkleistung | belegt – vorab festgelegte Endpunkte verfehlt |
| Längere Esterkette heißt längere Wirkdauer | belegt – Prinzip experimentell gezeigt, allerdings an einem verwandten Wirkstoff |
| Das Trägeröl beeinflusst die Dauer erheblich | erste Hinweise – zwei kleine Studien am selben Molekül, ohne Vergleichsgruppe |
| Schwere Herzschäden bei Langzeitanwendern | erste Hinweise – Registerdaten über elf Jahre, aber selektierte Gruppe, kein Ursachennachweis |
| Hohe Dosen verändern bei einer Minderheit die Stimmung | uneinheitlich – zwei randomisierte Studien mit derselben Dosis, verschiedene Ergebnisse |
| Herz-Kreislauf-Sicherheit der Ersatztherapie | uneinheitlich – große Studie beim Hauptziel unauffällig, kleinere mit Warnsignal an den Herzkranzgefäßen; Hersteller waren an beiden beteiligt |
| Halbwertszeiten von fünf der acht Ester | nicht belegt – keine veröffentlichte Humanmessung auffindbar |
| Der gleichmäßige Spiegel beim Vierfachgemisch | nicht belegt – keine Untersuchung des Blutverlaufs beim Menschen; die Fachinformation beschreibt das Gegenteil |
| Kurzkettige Ester schmerzen beim Spritzen mehr | nicht belegt – kein Estervergleich je durchgeführt |
Das Kurze · Fazit in Zahlen
Jede Zahl mit Quelle und Haken
Die sechs Zahlen stammen aus Studien und Fachinformationen, Stand Oktober 2026; wo ich eine davon selbst gerechnet habe, steht es dabei. Zu jeder steht, wer untersucht wurde, was herauskam und wo der Haken liegt.
Angeglichen an das genaueste verfügbare Verfahren: Ein einzelner Wert außerhalb heißt noch nichts.
Die Spanne stammt nicht aus allen 9.054, sondern aus der Referenzgruppe von 1.185 Gesunden; mit dem Referenzverfahren selbst gemessen wurden 400. Nur Männer europäischer und US-amerikanischer Herkunft, Momentaufnahme. Drei Autoren geben Verbindungen zu Herstellern von Testosteronpräparaten an – bei einer Arbeit, die den unteren Normwert festlegt.
Nach reinen Laborkriterien wären es 20 bis 50 Prozent: Die Definition entscheidet, nicht die Biologie.
Querschnitt; die Kriterien stammen aus derselben Untersuchungsreihe, sind also nicht unabhängig geprüft. Die Vergleichszahl 20 bis 50 Prozent stammt aus einer anderen Untersuchung mit anderem Verfahren.
Mehr, als das Alter in Jahrzehnten ausmacht – und umkehrbar: Erst das Gewicht, dann das Hormon.
Querschnitt – ein Zusammenhang, keine bewiesene Ursache. In der Nachuntersuchung derselben Reihe zeigte ausgerechnet die körperliche Aktivität keinen messbaren Effekt auf die Hormonachse.
250 Milligramm auf der Ampulle sind 180 Milligramm Wirkstoff: Milligramm sind nicht Milligramm.
Von mir aus den Summenformeln gerechnet. Vier Gegenproben gegen drei Fachinformationen stimmen exakt – aber die Zahl beschreibt nur die Menge, nicht die Wirkung.
Was im Kraftsport kursiert, liegt weit darüber: Die Risiken sind schlechter vermessen als die Wirkung.
Gesunde junge Männer, höchstens 20 Wochen, rund zwölf je Dosisgruppe. Diese Lücke wird nie geschlossen werden, weil die Studie ethisch unzulässig wäre.
Bei öligen Injektionslösungen am häufigsten: Wer glaubt, seine Dosis zu kennen, weiß sie nicht.
Überwiegend beschlagnahmte und damit vorsortierte Proben; die Streuung zwischen den Einzeluntersuchungen ist sehr hoch. Nur zwei Weltregionen erfasst.
Jede Zahl ist an der Quelle selbst geprüft, Stand Oktober 2026 – die Studien überwiegend an ihrer Kurzfassung in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, die Dosierungen und Halbwertszeiten an den Fachinformationen der Zulassungsbehörden, die Mengenangaben am Verordnungstext. Die vollständigen Angaben mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten folgen im Kapitel „Belegt“.
Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Untersuchte, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Studien habe ich über PubMed geprüft, Dosierungen und Halbwertszeiten an den Fachinformationen der Zulassungsbehörden, die Mengenangaben am Verordnungstext. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.