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die fittermacher
Testosteron
Wissen · Stefan Trost
Hormone · Testosteron · Ersatztherapie · Ester

Testosteron: Was Dein Körper selbst macht – und was von außen dazukommt

Ein Hormon, drei völlig verschiedene Welten: die eigene Produktion, die ärztliche Ersatztherapie und das, was im Kraftsport kursiert.

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon – und Frauen brauchen es ebenfalls, nur in einem Bruchteil der Menge. Dein Körper stellt es selbst her und steuert die Menge über einen Regelkreis zwischen Gehirn und Hoden. Bei gesunden jungen Männern liegen 95 von 100 Werten zwischen 264 und 916 Nanogramm pro Deziliter – das sind 9,2 bis 31,8 Nanomol pro Liter, wenn Dein Laborzettel diese Einheit benutzt.1 Die Spanne stammt aus einer Untersuchungsreihe mit insgesamt über neuntausend Männern; gebildet wurde sie an den 1.185 Gesunden ohne Übergewicht zwischen 19 und 39 Jahren.

Ich bin Personal Trainer, kein Arzt – was hier steht, ist nachgeschlagen und belegt, nicht aus der Erfahrung erzählt. Von außen kommt Testosteron als Gel, als Kapsel, als Spritze – und in der Spritze steckt es fast nie pur, sondern als Ester: ein angehängtes Molekülstück, das nur eines bestimmt, nämlich wann der Wirkstoff frei wird.2 Diese Seite erklärt beides: den Regelkreis und die Pharmakologie dahinter.

264–916
Nanogramm pro Deziliter – der mittlere Bereich, gebildet an 1.185 gesunden Männern zwischen 19 und 391
2,1 %
der Männer zwischen 40 und 79 haben wirklich beides: zu niedrige Werte und passende Beschwerden3
72 %
des Gewichts auf der Ampulle sind beim Enantat tatsächlich Testosteron – der Rest ist Transportgewicht4

Testosteron in Fragen und Antworten

Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost

Acht Fragen, kurz beantwortet

Wenn Du nur ein paar Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.

„Ich bin über 40 und ständig platt. Liegt das an meinem Testosteron?“
Meistens nicht. In einer großen europäischen Untersuchung erfüllten nur 2,1 Prozent der Männer zwischen 40 und 79 beide Bedingungen gleichzeitig: niedrige Werte und passende Beschwerden.3 Müdigkeit ist ein Beschwerdebild mit sehr vielen möglichen Ursachen.
„Wie finde ich raus, ob ich wirklich zu wenig habe?“
Mit zwei Messungen, beide morgens und nüchtern. Der Wert schwankt über den Tag stark: In einer Untersuchung mit Blutentnahmen rund um die Uhr fiel er bei allen 18 Teilnehmern vom Höchststand am frühen Morgen bis zum Tiefpunkt um mindestens 43 Prozent.5 Für den engeren Vergleich zwischen acht und sechzehn Uhr fand eine andere Untersuchung bei Männern um die vierzig 20 bis 25 Prozent weniger.6 Deshalb verlangen die Leitlinien eine zweite Messung – rund 30 von 100 Männern mit einem auffälligen ersten Wert haben beim zweiten Mal einen normalen.7
„Warum gibt es das als Gel, als Kapsel und als Spritze?“
Weil Testosteron geschluckt fast nicht ankommt. Es wird in der Leber sofort abgebaut. Jede Darreichungsform löst dieses eine Problem anders: Das Gel geht über die Haut am Darm vorbei, die moderne Kapsel nimmt den Umweg über die Lymphe, und die Spritze legt ein Öldepot in den Muskel. Mehr dazu in Kapitel 04.
„Was ist überhaupt ein Ester, und warum gibt es so viele?“
Ein angehängtes Molekülstück, das als Zeitschalter wirkt. Je länger die angehängte Fettsäurekette, desto fettlöslicher das Ganze und desto länger bleibt es im Öldepot im Muskel liegen. Im Blut wird der Ester abgespalten – und übrig bleibt in jedem Fall dasselbe Molekül Testosteron.2 Der Ester bestimmt wann, nicht was.
„Brauchen Frauen auch Testosteron?“
Ja, aber in winzigen Mengen. Der weibliche Bereich liegt bei bis zu 1,7 Nanomol pro Liter, der männliche bei 7,7 bis 29,4 – die beiden Verteilungen überschneiden sich kaum.8 Als Therapie ist bei Frauen nur ein einziges Anwendungsgebiet anerkannt, und auch da ist der Effekt klein. Kapitel 03 und 04.
„Was passiert, wenn jemand viel mehr nimmt, als der Körper je hätte?“
Muskeln wachsen – auch ohne Training. Das ist der am besten belegte Befund des ganzen Themas.9 Die kontrollierte Forschung endet allerdings bei 600 Milligramm pro Woche über höchstens 20 Wochen.10 Was darüber hinaus passiert, weiß niemand aus Studien. Kapitel 06.
„Kommt meine eigene Produktion zurück, wenn ich wieder aufhöre?“
Oft ja, aber nicht immer und nicht schnell. In kontrollierten Studien mit begrenzter Dauer hatten nach einem Jahr 90 von 100 Männern wieder normale Spermienwerte.11 Bei ehemaligen Anwendern aus dem Kraftsport sah es anders aus: Dort lagen im Schnitt zweieinhalb Jahre nach dem Absetzen noch 27 Prozent unter der unteren Normgrenze.12
„Ist das legal?“
Testosteron ist verschreibungspflichtig. Darüber hinaus stellt das Anti-Doping-Gesetz den Erwerb und Besitz in „nicht geringer Menge“ zu Dopingzwecken unter Strafe – bei Testosteron sind das 1.500 Milligramm für die Anwendung über Haut oder Mund und 632 Milligramm für alle übrigen Darreichungsformen.13 Das gilt unabhängig davon, ob jemand Wettkampfsport betreibt. Kapitel 06.
01Gilt das für Dich?

Wer auf dieser Seite was findet

Testosteron ist ein Thema, bei dem sehr verschiedene Fragen durcheinandergeraten. Finde Dich in einer der Karten wieder, dann weißt Du, welche Kapitel für Dich zählen.

Du fühlst Dich schlapp und fragst Dich, ob es das Hormon ist

Erst messen, dann reden

Entscheidend sind zwei Morgenwerte und passende Beschwerden – nicht ein einzelner Wert.7 Und bevor Du an Hormone denkst: Starkes Übergewicht geht mit deutlich niedrigerem Gesamttestosteron einher – und wer abnimmt, bei dem steigt der Wert wieder.14, 15 Kapitel 03 und 04.

Du bist eine Frau

Eigenes Kapitel, eigene Zahlen

Dein Körper stellt Testosteron her und braucht es auch. Die Werte sind aber so niedrig, dass gängige Labormethoden an ihre Grenzen kommen.8 Als Therapie ist nur ein einziges Anwendungsgebiet anerkannt. Alles, was im Netz darüber hinaus versprochen wird, ist nicht belegt.16

Du trainierst und hörst im Studio davon

Kapitel 05 und 06

Dort steht, warum sich die Ester pharmakologisch unterscheiden – und wo die kontrollierte Forschung aufhört. Dosierungen, Kuren oder Bezugswege findest Du hier nicht, und zwar bewusst nicht. Was Du findest, ist die Logik dahinter und die belegte Risikolage.

Du bist Trainer oder Coach

Die drei häufigsten Verwechslungen

Drei Stellen, an denen beim Thema Testosteron am häufigsten etwas durcheinandergerät: der Unterschied zwischen Laborwert und Diagnose, der Unterschied zwischen Tabletten und Spritzen bei der Leber, und die Frage, was nach dem Absetzen zurückkommt. Alle drei sind hier belegt.

Du nimmst bereits etwas

Was die Seite leisten kann

Sie kann Dir sagen, was gemessen wurde und was nicht. Sie kann Dir keine Dosis beurteilen und keine Blutwerte interpretieren – das gehört zu einem Arzt, der die Werte vor sich hat. Die belegten Risiken stehen in Kapitel 06.

Medizinische Vorgeschichte

Erst die Freigabe

Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Gelenken oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, ob und wie viel davon für Dich passt.

Nicht Thema dieser Seite Wie Du Dein Training aufbaust und wie Du auf natürlichem Weg etwas für Deinen Hormonhaushalt tust, steht nicht hier – dazu gehören Schlaf, Körpergewicht und Krafttraining. Diese Seite erklärt das Hormon selbst: was der Körper macht, was Medikamente machen und was hohe Dosen anrichten.
02Was Du damit anfängst

Sieben Dinge, die Du über Testosteron wissen solltest

Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Die meisten Fehler beim Thema Testosteron passieren nicht bei der Behandlung, sondern lange davor – beim Messen und beim Deuten.

✓Lass morgens messen, nüchtern, und zweimal. Über den Tag fällt der Wert deutlich: in einer Untersuchung mit Messungen rund um die Uhr bei allen 18 Teilnehmern um mindestens 43 Prozent vom Höchst- zum Tiefstand, im engeren Vergleich von acht auf sechzehn Uhr um 20 bis 25 Prozent.5, 6 In einer Untersuchung rutschten 17 von 66 Männern nachmittags mindestens einmal unter 300 Nanogramm pro Deziliter – und hatten bei allen drei Vormittagsmessungen normale Werte.6
✓Nimm Beschwerden und Laborwert zusammen, nie einzeln. Nach reinen Laborkriterien wären 20 bis 50 Prozent der älteren Männer auffällig.17 Verlangt man Beschwerden und niedrige Werte, bleiben 2,1 Prozent übrig.3 Derselbe Mensch, dieselbe Biologie – ein Unterschied um das Zehn- bis gut Zwanzigfache, nur durch die Definition.
✓Schau zuerst aufs Körpergewicht. Starkes Übergewicht ging mit einem um 5,09 Nanomol pro Liter niedrigeren Gesamttestosteron einher – deutlich mehr, als das Alter über viele Jahre ausmacht.14 Das ist zunächst nur ein Zusammenhang. Dass er in beide Richtungen läuft, zeigt die Nachuntersuchung: Wer abnahm, bei dem stiegen die Werte, wer zunahm, bei dem fielen sie.15
✓Merk Dir einen Satz zur Leber: Das Problem sind bestimmte Tabletten, nicht die Spritzen. Gemeint sind nicht Testosteron-Kapseln, sondern andere Wirkstoffe, die chemisch umgebaut wurden, damit sie den Lebergang überstehen – genau dieser Umbau belastet das Organ. Testosteron selbst wird nicht so umgebaut, weder in der Spritze noch in der Kapsel.18, 19 Daraus folgt nicht, dass Spritzen harmlos sind – beim Herz gilt dieser Unterschied nämlich nicht.20
✕Deute Müdigkeit nicht als Hormonmangel. In einer Studie an 790 Männern über 65 verfehlte Testosteron das Hauptziel – also genau das Ergebnis, an dem sich die Studie vorher messen lassen wollte – ausgerechnet beim Thema Antrieb und Müdigkeit.21 Die Autoren schreiben selbst, dass die gefundenen Unterschiede durchweg sehr klein waren.
✕Verwechsle nicht, was im Studio gehandelt wird, mit Apothekenware. In einer Auswertung von über fünftausend Schwarzmarktproben enthielten im Mittel 36 Prozent nicht das, was draufstand.22 Bei öligen Injektionslösungen lag der Anteil am höchsten.
✕Trag Gel nicht auf und kuschle dann mit Kind oder Partnerin. Testosteron geht über Hautkontakt auf andere über. Die US-Arzneimittelbehörde hat deswegen eine Warnung höchster Stufe verfügt, nachdem Fälle bei Kindern zwischen neun Monaten und fünf Jahren gemeldet wurden.23
Wenn Du nur einen Absatz mitnimmst Ein einzelner Testosteronwert ist keine Diagnose. Er hängt davon ab, wann am Tag gemessen wurde, mit welchem Verfahren und wie viel Du wiegst. Bevor jemand über eine Behandlung nachdenkt, gehören drei Dinge auf den Tisch: zwei Morgenwerte, passende Beschwerden und ein Blick auf Gewicht und Begleiterkrankungen.
03Eigenproduktion

Was Dein Körper selbst herstellt – und wie er die Menge regelt

Testosteron entsteht beim Mann ganz überwiegend in bestimmten Zellen des Hodens – Fachleute nennen sie Leydig-Zellen –, bei der Frau im Eierstock und in der Nebennierenrinde. Ein Teil des Testosterons im Blut wird außerdem nicht ausgeschüttet, sondern erst im Gewebe aus Vorstufen umgewandelt. Wie groß dieser Anteil beim Gesunden ist, kann ich nicht belegen: Die Arbeit, die dazu üblicherweise mit rund 15 Prozent zitiert wird, untersuchte eine Lebererkrankung – und nach ihrer eigenen Kurzfassung gilt dieser Wert für die Erkrankten, nicht für die Gesunden.24

Wie viel pro Tag? Die Zahl, die überall steht, hält nicht

In fast jedem Artikel über Testosteron steht eine Spanne wie „vier bis zehn Milligramm pro Tag“. Auf eine Originalmessung konnte ich sie nicht zurückführen – und das liegt nicht an der Spanne, sondern an der Datenlage dahinter. Die Messungen, auf die sich alle berufen, stammen aus den sechziger Jahren und wurden an einer Handvoll Menschen durchgeführt: zwei Arbeiten von 1965 und 1966, zusammen acht Männer und drei Frauen.25, 26 Beide sind nicht frei zugänglich, und in der Studiendatenbank liegt zu keiner der beiden auch nur eine Kurzfassung. Ich kann Dir also sagen, dass es diese Messungen gibt – ihre Einzelwerte habe ich nicht selbst gelesen und nenne sie deshalb hier nicht.

Was sich prüfen lässt, ist die Zusammenfassung in einer neueren Übersichtsarbeit. Sie nennt für den erwachsenen Mann drei bis zehn Milligramm am Tag, im Mittel sieben – ausdrücklich als Zusammenfassung jener alten Arbeiten, nicht als eigene Messung.8 Die Größenordnung stimmt also. Was ihr fehlt, ist das Fundament, das eine so oft wiederholte Zahl vermuten lässt.

Warum das für Dich zählt Die belastbaren Zahlen zu Testosteron sind nicht die Produktionsraten, sondern die Konzentrationen im Blut – die werden heute an Tausenden Menschen mit Massenspektrometrie gemessen, dem genauesten verfügbaren Verfahren.1 Wenn Dir jemand eine exakte Milligrammzahl pro Tag nennt, stammt sie aus einer Handvoll Messungen aus den sechziger Jahren.

Der Regelkreis: warum Testosteron von außen die eigene Produktion abschaltet

Die Menge wird über eine Kette aus drei Stationen geregelt: Der Hypothalamus im Gehirn gibt stoßweise ein Signal ab, die Hirnanhangdrüse antwortet mit zwei Steuerhormonen, und diese bringen den Hoden dazu, Testosteron herzustellen und Spermien reifen zu lassen. Messen lässt sich davon die mittlere Station: Bei jungen Männern schüttet die Hirnanhangdrüse ihr Steuerhormon in rund 15 Stößen pro 24 Stunden aus, im Mittel alle 94 Minuten einen.27

Entscheidend ist die Rückmeldung: Steigt das Testosteron im Blut, drosselt das Gehirn die Steuerhormone. Genau das passiert auch, wenn das Testosteron von außen kommt – der Körper kann nicht unterscheiden, woher es stammt. In einer Studie mit vier Dosisstufen wurden beide Steuerhormone gleich empfindlich und mit steigender Dosis stärker unterdrückt, und die Spermienbildung ging parallel zurück.28 Das ist der Mechanismus hinter Hodenschrumpfung und Unfruchtbarkeit unter äußerer Zufuhr – keine Nebenwirkung im eigentlichen Sinn, sondern die Regel selbst.

Frauen: dieselbe Substanz, ein Fünfzehntel der Menge

Der weibliche Körper stellt Testosteron im Eierstock, in der Nebennierenrinde und durch Umwandlung von Vorstufen im Gewebe her. Oft liest man, je ein Viertel komme aus Eierstock und Nebenniere und die Hälfte aus der Umwandlung. Diese Aufteilung konnte ich an keiner Originalarbeit prüfen – belastbar belegt ist nur, dass alle drei Wege beitragen.

Androgene, also die männlich wirkenden Hormone, hat jeder Körper. Androgene, also die männlich wirkenden Hormone, hat jeder Körper. Belegt ist die Größenordnung im Blut: Bei gesunden Frauen unter 40 liegen 95 von 100 Werten zwischen 0 und 1,7 Nanomol pro Liter, bei Männern zwischen 18 und 40 zwischen 7,7 und 29,4. Die beiden Verteilungen überschneiden sich kaum.8 Der Abfall bei Frauen passiert übrigens nicht an der Menopause, sondern vorher: In einer Untersuchung an über 1.400 Frauen fielen die Androgenwerte steil mit dem Alter, und in der Gruppe der 45- bis 54-Jährigen machte es keinen eigenen Unterschied, ob die Menopause schon eingetreten war.29

Ein Messproblem, das selten erwähnt wird Die üblichen Antikörper-Testverfahren sind auf männliche Konzentrationen zugeschnitten und werden ungenauer, je niedriger der Wert liegt – und bei Frauen liegt der gesamte Messbereich eine Zehnerpotenz tiefer.8 Schon bei gesunden jungen Männern verschiebt allein die Wahl des Testverfahrens die untere Normgrenze zwischen 7,3 und 12,6 Nanomol pro Liter. Bei Frauen ist der relative Fehler entsprechend größer. Entscheidungen sollten auf Massenspektrometrie beruhen – das ist die Position der zuständigen Fachgesellschaft.30

Das Alter – und was mehr wiegt als das Alter

Dass Testosteron mit den Jahren sinkt, ist gut belegt. In einer Langzeituntersuchung an 890 Männern fiel das Gesamttestosteron um 0,124 Nanomol pro Liter je Lebensjahr.17 In einer europäischen Untersuchung über rund viereinhalb Jahre betrug die mittlere jährliche Änderung −0,1 Nanomol pro Liter – bei einer Streuung von 0,95, also fast dem Zehnfachen des Mittelwerts.15 Der durchschnittliche Abfall ist klein gegenüber dem, was sich zwischen einzelnen Menschen unterscheidet.

Viel deutlicher ist ein anderer Zusammenhang. In einer Untersuchung an 3.200 Männern ging starkes Übergewicht mit einem um 5,09 Nanomol pro Liter niedrigeren Gesamttestosteron einher, leichtes Übergewicht mit 2,32 weniger.14 Dasselbe Alter schlug dort mit 3,12 Picomol pro Liter und Lebensjahr zu Buche – allerdings beim freien Testosteron, also dem kleinen, sofort wirksamen Teil, während die 5,09 den gesamten Wert im Blut beschreiben. Direkt vergleichbar sind die beiden Zahlen deshalb nicht; der Rechenkasten unten vergleicht zwei Gesamtwerte. Beide wirken zudem über verschiedene Wege – das Alter über den Hoden, das Übergewicht über die Steuerzentren im Gehirn. In derselben Untersuchungsreihe war starkes Übergewicht der stärkste Risikofaktor für die Form des Hormonmangels, die ihre Ursache im Gehirn hat: Das Risiko war dort 8,74-fach erhöht, während das Alter mit 3,04 zu Buche schlug – und für die Form mit Ursache im Hoden war es umgekehrt.31

Was das nebeneinandergestellt heißt Alterseffekt Gesamttestosteron: 0,124 nmol/l pro Jahr → in zehn Jahren rund 1,2 nmol/l Starkes Übergewicht gegenüber Normalgewicht: 5,09 nmol/l 5,09 ÷ 0,124 = 41 Der Unterschied durch starkes Übergewicht entspricht rechnerisch rund vier Jahrzehnten Alterung

gerechnet Von mir aus den Werten der beiden Untersuchungen gerechnet. Der Vergleich hinkt bewusst an einer Stelle, und das gehört dazugesagt: Die beiden Zahlen stammen aus verschiedenen Untersuchungen mit verschiedenen Menschen, und die eine beschreibt eine Veränderung über die Zeit, die andere einen Unterschied zwischen Gruppen zu einem Zeitpunkt. Die Rechnung zeigt eine Größenordnung, keine Gleichung. Was sie belastbar macht: Der Zusammenhang ist umkehrbar. In der Nachuntersuchung derselben Reihe ging Gewichtsabnahme mit steigenden, Gewichtszunahme mit fallenden Werten einher.15

Ein Befund, der mir als Trainer nicht gefällt In derselben Nachuntersuchung gingen Änderungen der körperlichen Aktivität nicht mit messbaren Änderungen der Hormonachse einher – gewirkt hat die Gewichtsveränderung, nicht das Bewegungsverhalten als solches.15 Das ist für eine Fitnessseite unbequem und steht genau deshalb hier. Einschränkend: Die Aktivität wurde per Fragebogen grob erfasst, und wo kein Effekt gemessen wird, ist das kein Beweis, dass keiner existiert. Mein Schluss daraus: Training wirkt auf vieles, aber wer seinen Hormonwert über den Lebensstil heben will, kommt am Körpergewicht nicht vorbei. Das ist meine Einschätzung, keine Studienregel.

Noch eine Zahl, die jede Aussage der Form „mit sechzig hat man normalerweise X“ relativiert: In einer Untersuchung über drei Erhebungswellen zwischen 1987 und 2004 sanken die Werte über die Kalenderjahre hinweg, unabhängig vom Alter der Untersuchten – und stärker, als der Altersabfall erklärt.32 Rauchen, Übergewicht und die übrigen erfassten Faktoren erklärten den Rückgang nicht. Die Ursache ist bis heute offen.

04Ersatztherapie

Wenn der Arzt Testosteron verschreibt: Diagnose, Formen, Nutzen

Die Testosteron-Ersatztherapie ersetzt, was der Körper nicht mehr selbst herstellt. Der schwierigste Teil ist nicht die Behandlung, sondern die Frage, wer sie überhaupt braucht.

Die Diagnose: zwei Werte, zwei Morgen, plus Beschwerden

Die maßgebliche Leitlinie verlangt beides: Beschwerden und eindeutig und wiederholt niedrige Werte. Gemessen wird morgens und nüchtern, und ein auffälliger Wert muss durch eine zweite Morgenmessung bestätigt werden – weil rund 30 von 100 Männern mit einem ersten auffälligen Wert beim zweiten Mal einen normalen haben.7

Wo genau die Grenze liegt, ist zwischen den Fachgesellschaften nicht einheitlich, und das ist ein echter Unterschied, kein Detail. Die US-amerikanische Leitlinie nennt keinen festen Grenzwert, sondern führt 264 Nanogramm pro Deziliter – 9,2 Nanomol pro Liter – als untere Grenze des Referenzbereichs gesunder junger Männer.7 Die europäische urologische Leitlinie nennt dagegen einen klaren Grenzwert von 12 Nanomol pro Liter, also rund 350 Nanogramm pro Deziliter.33 Zwischen diesen beiden Grenzen – 9,2 und 12 – liegt eine ganze Gruppe von Männern, die nach der einen Leitlinie behandlungsbedürftig wäre und nach der anderen nicht.

Woher der Referenzbereich kommt – und was dazugehört Die Zahlen 264 bis 916 stammen aus einer Zusammenführung von vier großen Untersuchungen mit insgesamt 9.054 Männern. Zwei Einschränkungen gehören dazu, und beide stehen so in der Arbeit: Die Spanne wurde nicht an allen gebildet, sondern an der Referenzgruppe von 1.185 Männern zwischen 19 und 39 ohne Übergewicht und ohne wesentliche Begleiterkrankungen. Und mit dem Referenzverfahren der US-Gesundheitsbehörde wurden je Untersuchung 100 Teilnehmer nachgemessen, zusammen 400 – alle übrigen Werte wurden über Umrechnungsgleichungen daran angeglichen, nicht selbst damit gemessen.1 Drei der Autoren geben Forschungsmittel und Beraterverträge von Herstellern von Testosteronpräparaten an. Bei einer Arbeit, die den unteren Normwert festlegt – und damit mitbestimmt, wer als behandlungsbedürftig gilt –, gehört dieser Interessenkonflikt genannt. Das macht die Zahlen nicht falsch; es ist der beste verfügbare Datensatz. Aber man sollte wissen, wer ihn bezahlt hat.

Die Darreichungsformen und das Problem, das sie alle lösen

Testosteron als Tablette zu schlucken funktioniert nicht: Es wird in der Leber sofort abgebaut, bevor es wirken kann. Jede zugelassene Form löst genau dieses eine Problem auf einem anderen Weg.

FormWie sie das Leberproblem umgehtWas dabei auffällt
Gel auf die HautAufnahme über die Haut, am Darm vorbei9 bis 14 Prozent der aufgetragenen Menge kommen an; gleichmäßiger Spiegel ab dem zweiten Tag34
Pflaster
kaum noch gebräuchlich
wie Gel12 Prozent brandähnliche Blasenreaktionen, 5 Prozent Abbruch wegen Hautreizung35
Kapsel (Undecanoat)Umweg über die Lymphbahn statt über die LeberAufnahme hängt stark vom Fett im Essen ab – in einer Untersuchung rund fünffacher Unterschied zwischen fettarmer und fetthaltiger Mahlzeit36
NasengelAufnahme über die Nasenschleimhauteinzige Form mit Daten zum Erhalt der Spermienbildung – aber ohne Vergleichsgruppe erhoben37
Spritze, kurz wirksamÖldepot im Muskel, Freisetzung über TageSpitze nach 1,5 bis 3 Tagen, bis zu 10 bis 12 Tage über dem Normbereich, nach zwei Wochen zurück am Ausgangswert4
Spritze, lang wirksamÖldepot, Freisetzung über MonateAbstand 10 bis 14 Wochen; Öltröpfchen in der Lungenstrombahn sind als seltene Nebenwirkung gelistet2. In einer Auswertung von Meldungen nach der Zulassung kamen 28 Fälle auf gut 90.000 Dosen; die Autoren arbeiteten überwiegend beim Hersteller38

gemessen Werte aus Fachinformationen und Studien, keine eigenen Rechnungen. Die Milligramm-Angaben der Fachinformationen habe ich weggelassen – welche Menge zu wem passt, entscheidet der behandelnde Arzt am Blutwert. Die Abstände zwischen zwei Spritzen stehen hier, weil sie zeigen, wie unterschiedlich lange die Formen wirken; sie sind keine Anwendungsanleitung.

Das Gel und die Menschen um Dich herum Testosteron aus Gel geht über Hautkontakt auf andere über. Die US-Arzneimittelbehörde hat dafür eine Warnung der höchsten Stufe verfügt, nachdem Fälle bei Kindern zwischen neun Monaten und fünf Jahren gemeldet wurden – mit vergrößerten Genitalien, vorzeitiger Schambehaarung und vorangeschrittenem Knochenalter. In den meisten Fällen bildete sich das nach Ende des Kontakts zurück; mindestens ein Kind musste operiert werden.23 Die europäische Fachinformation verlangt deshalb: Auftragsstelle abdecken, vor Hautkontakt mit Wasser und Seife waschen, und Schwangere müssen jeden Kontakt meiden.34

Was die Ersatztherapie leistet – und was nicht

Die bislang größte koordinierte Untersuchung dazu lief an 790 Männern über 65 mit niedrigen Werten, ein Jahr lang, gegen ein Scheinpräparat.21 Schon die Suche nach Teilnehmern ist aufschlussreich: 51.085 Männer wurden vorab geprüft, 790 blieben übrig. Das Beschwerdebild mit passendem Laborwert ist selten – und was dabei herauskam, gilt nur für diese schmale Gruppe. Die einzelnen Befunde fallen sehr unterschiedlich aus, und die Unterschiede werden in der öffentlichen Darstellung regelmäßig eingeebnet:

✓Sexualfunktion: klar verbessert. Das war der einzige Hauptendpunkt, der deutlich erreicht wurde – bei sexuellem Verlangen, Aktivität und Erektionsfähigkeit.21 Die Autoren schreiben selbst, dass der Effekt auf die Erektionsfähigkeit kleiner ausfiel als unter den dafür üblichen Medikamenten, und dass die Wirkung nach zwölf Monaten nachließ.
✓Knochendichte: deutlich gestiegen. An der Wirbelsäule nahm die Dichte des schwammartigen Knochens um 7,5 Prozent zu, die errechnete Festigkeit um 10,8.39 Einschränkung, die die Autoren selbst nennen: Ob dadurch weniger Knochen brechen, hat die Studie nicht untersucht.
~Blutarmut: gebessert, aber unscharf gemessen. Bei unerklärter Blutarmut stieg der Blutfarbstoff bei 54 gegenüber 15 Prozent deutlich an.40 Das Vertrauensintervall reicht allerdings von 3,7 bis 277,8 – von 788 Teilnehmern waren nur 62 betroffen. Die Richtung stimmt, die Größe ist kaum belastbar.
✕Gehstrecke: Hauptziel verfehlt. In der Gruppe, für die das vorab als Hauptziel festgelegt war, gab es keinen gesicherten Unterschied. Über alle Teilnehmer zusammengelegt wurden es 6,69 Meter mehr – ein Wert, den im Alltag niemand bemerkt.21
✕Antrieb und Müdigkeit: Hauptziel verfehlt. Das vorab festgelegte Ziel wurde nicht erreicht. Einige nachrangige Messgrößen zu Stimmung und Antrieb fielen knapp gesichert aus – die Autoren schreiben dazu, dass die Unterschiede durchweg sehr klein waren.21
✕Denkleistung: kein Effekt. Bei 493 Männern mit altersbedingter Gedächtnisminderung änderte sich nichts – weder beim Erinnern noch beim bildhaften Gedächtnis, der Planungsfähigkeit oder dem räumlichen Denken.41

Herz und Kreislauf: zwei Befunde, die nebeneinandergehören

Die größte Sicherheitsstudie schloss 5.246 Männer mit Herz-Kreislauf-Vorbelastung ein und lief im Mittel knapp drei Jahre. Beim Hauptendpunkt – Herztod, Herzinfarkt oder Schlaganfall – war Testosteron dem Scheinpräparat nicht unterlegen, mit 7,0 gegenüber 7,3 Prozent.42 Auffällig häufiger traten in der Testosterongruppe Vorhofflimmern, Lungenembolien und akutes Nierenversagen auf. Und: Die Studie wurde von einem Konsortium der Hersteller finanziert. Das macht das Ergebnis nicht wertlos – es ist der größte und sauberste Datensatz, den es gibt –, aber es gehört in denselben Absatz wie der Befund. Dasselbe gilt in der anderen Richtung: Auch an der älteren Untersuchungsreihe war ein Hersteller als Mitfinanzier beteiligt und lieferte Gel und Scheingel. Ein Gegensatz „unabhängig gegen bezahlt“ lässt sich hier also nicht aufmachen – beteiligt war die Industrie an beidem.

Dagegen steht ein Nebenbefund aus der älteren Untersuchungsreihe, die überwiegend von der US-Gesundheitsbehörde finanziert wurde: Dort wuchs bei 138 untersuchten Männern unter Testosteron das Volumen der nicht verkalkten Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen deutlich stärker als unter Scheinpräparat.43 Schwere Herzereignisse traten in keiner der beiden Gruppen auf, und die Gruppen unterschieden sich schon zu Beginn erheblich. Die Autoren schreiben selbst, dass größere Studien nötig sind, um das einzuordnen. Ich stelle beide Befunde nebeneinander, weil beide aus guten Untersuchungen stammen und sie sich nicht auflösen lassen.

Und bei Frauen?

Dazu gibt es ein weltweites Konsenspapier, das elf Fachgesellschaften gemeinsam tragen. Sein Ergebnis ist schmal: Anerkannt ist ein einziges Anwendungsgebiet – nachlassendes sexuelles Verlangen mit Leidensdruck nach der Menopause.16 Die zugrundeliegende Auswertung von 36 Studien mit 8.480 Teilnehmerinnen fand dafür einen realen, aber kleinen Effekt: im Mittel knapp ein zusätzliches befriedigendes sexuelles Erlebnis je Messzeitraum.44

Für alles andere reicht die Evidenz nicht: nicht für Wohlbefinden, nicht für Stimmung, nicht für Denkleistung, nicht für Knochendichte, und bei körpereigenen Dosen auch nicht für Muskelmasse oder Kraft.16 Das ist weit entfernt von dem, was unter dem Stichwort „Testosteron für Frauen“ im Netz versprochen wird. Bemerkenswert dabei: Fast alle Autoren des Konsenspapiers geben Verbindungen zu Herstellern an – und das Ergebnis fällt trotzdem restriktiv aus, mit einer ausdrücklichen Warnung vor Präparaten, die zu hohe Spiegel erzeugen.

In Deutschland gibt es derzeit kein zugelassenes Testosteronpräparat für Frauen. Das einzige, das es in der EU je gab, wurde 2012 vom Markt genommen – nach Angabe der europäischen Arzneimittelbehörde aus wirtschaftlichen Gründen, nicht aus Sicherheitsgründen.45 Männerpräparate sind in Portionen abgefüllt, die auf männliche Spiegel zielen; wer sie bruchteilig dosiert, teilt ohne verlässliche Messmöglichkeit.

05Die Ester

Die Ester: ein Zeitschalter, kein zweiter Wirkstoff

In einer Ampulle steckt fast nie reines Testosteron, sondern ein Ester: An das Testosteronmolekül ist eine Fettsäure angehängt. Das verändert nicht, was der Wirkstoff tut – nur, wann er verfügbar wird.

Der Grund ist einfache Chemie. Reines Testosteron hat im Blut eine Halbwertszeit von etwa einer Stunde – Halbwertszeit heißt: die Zeit, bis die Hälfte wieder verschwunden ist.2 Hängt man eine Fettsäurekette an, wird das Molekül fettlöslicher und bleibt länger im Öldepot im Muskel liegen. Nicht die Ausscheidung bestimmt die Wirkdauer, sondern die Freisetzung aus diesem Depot. Man erkennt das daran, dass eine Fachinformation für Aufnahme und Abfall dieselbe Halbwertszeit angibt – 4,5 Tage.4 Im Blut spalten Enzyme den Ester ab, und übrig bleibt dasselbe Molekül, das der Körper selbst herstellt.46

0 h

Die Injektion: ein Öltropfen im Muskel

Der Ester ist in Öl gelöst – je nach Präparat Erdnussöl, Rizinusöl, Baumwollsaat- oder Sesamöl – und braucht zusätzlich einen Lösungsvermittler. Beim längsten Ester enthält jeder Milliliter 500 Milligramm Lösungsvermittler – ein erheblicher Teil der Flüssigkeit, weil sich die stark fettlöslichen Moleküle sonst gar nicht in spritzbarer Menge lösen lassen.2

Nicht nur die Chemie entscheidet über den Verlauf: In einer Untersuchung an einem verwandten Wirkstoff hingen Verfügbarkeit und Spitzenwerte auch davon ab, wie das Depot gesetzt wurde.47 Das war allerdings nicht Testosteron – die Übertragung ist ein Schluss aus der Ähnlichkeit der Moleküle, keine Messung. Für Dich als Leser heißt das vor allem eines: Selbst bei identischem Präparat und identischer Menge ist der Spiegel keine feste Größe.

2–30 d

Die Freisetzung: hier entscheidet die Kettenlänge

Aus dem Depot wandert der Ester langsam ins Blut. Je länger die Fettsäurekette, desto fettlöslicher das Molekül und desto langsamer dieser Übergang. Das ist das ganze Prinzip – und es erklärt die Rangfolge, aber nicht die genauen Zeiten.

Wie stark das Öl selbst mitredet, zeigt ein Vergleich am selben Molekül: Testosteronundecanoat hatte in Teesamenöl eine Halbwertszeit von 20,9 Tagen, in Rizinusöl 33,9 Tage.48 Ein Unterschied um den Faktor 1,6 bei gleichem Wirkstoff. Woran genau es lag, lässt sich nicht trennen – die beiden Untersuchungen unterschieden sich nicht nur im Öl, sondern auch in Konzentration und Spritzenmenge. Sicher ist nur: Wer Wirkdauer allein aus der Kettenlänge ableitet, rechnet zu grob.

1,5–3 d

Die Spitze – und warum sie ein Problem ist

Bei einem mittellangen Ester liegt der höchste Wert 1,5 bis 3 Tage nach der Injektion, und einzelne Werte bleiben 10 bis 12 Tage über dem Normbereich, bevor der Spiegel nach rund zwei Wochen wieder am Ausgangswert ankommt.4

Dieses Sägezahnmuster ist der Grund, warum die europäische urologische Leitlinie Gele und das Langzeitdepot als Formen mit dem günstigsten Sicherheitsprofil führt: Kurzwirksame Spritzen schwanken stärker und gehen häufiger mit einer Verdickung des Blutes einher.33

90 d

Das Langzeitdepot: Monate statt Tage

Beim längsten zugelassenen Ester gibt die Fachinformation eine Freisetzungs-Halbwertszeit von 90 Tagen an – bei einer Streuung von 40 Tagen.2 Diese Streuung von fast der Hälfte des Werts gehört dazugesagt: Die Zahl beschreibt einen Mittelwert über Menschen, die sich stark unterscheiden.

Der Preis für die Bequemlichkeit: Eine einmal gesetzte Depotspritze lässt sich nicht zurückholen. Tritt eine Unverträglichkeit auf, wirkt die Dosis über Monate weiter. Das ist der pharmakologische Grund, warum vor dem Langzeitdepot oft erst eine kürzer wirksame Form getestet wird.

Milligramm sind nicht Milligramm

Ein Punkt, der leicht untergeht: Auf der Ampulle steht das Gewicht des Esters, nicht des Testosterons. Der angehängte Ester wird im Körper abgespalten und verworfen – er zählt beim Gewicht mit, aber nicht bei der Wirkung. Je länger die Kette, desto größer der Anteil, der nur Transportgewicht ist.

Wie viel Testosteron in einem Milligramm Ester steckt Molmasse Testosteron (C19H28O2): 288,43 g/mol Molmasse Testosteronenantat (C26H40O3): 400,60 g/mol 288,43 ÷ 400,60 = 0,720 250 mg Enantat × 0,720 = 180 mg Testosteron Von 250 mg auf der Ampulle sind 180 mg Wirkstoff – die Fachinformation nennt genau diese 180 mg

gerechnet Von mir aus den Summenformeln gerechnet, mit den Atomgewichten nach internationalem Standard. Die Summenformeln habe ich nicht abgeschrieben, sondern aus der Reaktion hergeleitet, bei der ein Ester entsteht: Testosteron plus Fettsäure minus Wasser. Vier Gegenproben gegen drei Fachinformationen stimmen exakt – bei 250 und 1000 Milligramm des langkettigen Esters, bei 250 Milligramm Enantat und beim Vierfachgemisch.2, 4, 49

EsterAnteil TestosteronVeröffentlichte Halbwertszeit
Acetat87,3 %nicht belegt keine Humanmessung gefunden
Propionat83,7 %nicht belegt keine Humanmessung gefunden
Isocaproat74,6 %nicht belegt keine Humanmessung gefunden
Enantat72,0 %belegt 4,5 Tage, in Fachliteratur und Fachinformation4, 50
Cypionat69,9 %teils belegt rund 8 Tage, nur aus einer Fachinformation ohne nachvollziehbare Messung51
Phenylpropionat68,6 %nicht belegt keine Humanmessung gefunden
Decanoat65,2 %nicht belegt nur die Angabe „länger als Enantat“
Undecanoat63,2 %belegt 20,9 bzw. 33,9 Tage je nach Öl; 90 Tage als Depotfreisetzung2, 48

gerechnet Die Anteile sind gerechnet, Rechenweg oben. gemessen Die Halbwertszeiten stammen aus Fachliteratur und Fachinformationen. Die dritte Spalte ist der eigentliche Befund dieses Kapitels: Für fünf der acht Ester gibt es keine veröffentlichte Halbwertszeit am Menschen. Die Zahlen, die dazu im Netz kursieren, konnte ich auf keine Originalmessung zurückführen – bei einem Ester nennt sogar ein und dieselbe Nachschlageseite zwei verschiedene Werte an zwei Stellen.

Warum dann verschiedene Ester? Die Logik, soweit sie trägt

Pharmakologisch lässt sich sauber begründen, wofür ein kurzer und wofür ein langer Ester taugt: Ein kurzer Ester flutet schnell an und ist schnell wieder draußen – deshalb wird in der Behandlung oft erst eine kürzer wirksame Form verordnet, bevor etwas gesetzt wird, das über Monate wirkt. Ein langer Ester liefert über Wochen gleichmäßiger und braucht weniger Injektionen. Dass die Kettenlänge dieses Verhalten bestimmt, ist experimentell belegt, allerdings an einem verwandten Wirkstoff.47

Darüber hinaus wird es dünn. Drei verbreitete Begründungen halten der Prüfung nicht stand:

✕„Der kurze Ester tut mehr weh.“ Dafür gibt es keine Daten. Die einzige saubere Erhebung zu örtlichen Beschwerden umfasste 551 Injektionen und fand, dass 70,6 Prozent davon beschwerdefrei verliefen – sie hat aber nur einen Ester untersucht und gar keinen Vergleich angestellt.52 Alle Erklärungen dazu sind plausible Vermutungen ohne Prüfung.
✕„Mit dem kurzen Ester ist man schneller wieder sauber.“ Die Halbwertszeit des Esters sagt nichts über die Nachweisbarkeit. In einer Untersuchung waren die Ester eines Vierfachgemisches bei allen Teilnehmern tagelang nachweisbar, bei drei der vier Ester über zwei Wochen.46 Unabhängig davon greifen zwei weitere Nachweiswege, die den Ester gar nicht brauchen: das Hormonprofil und die Messung des Kohlenstoff-Isotopenverhältnisses, mit der sich pflanzlich hergestelltes von körpereigenem Testosteron unterscheiden lässt – geprüft wurde das allerdings nach Einnahme über den Mund, nicht nach einer Spritze.53 In einer verblindeten Untersuchung mit Scheinpräparat schlug das Hormonprofil bei allen Behandelten an.54
✕„Ester X lagert weniger Wasser ein.“ Nach der Abspaltung zirkuliert in jedem Fall dasselbe Molekül. Ein esterspezifischer Effekt auf die Wassereinlagerung ist pharmakologisch nicht erklärbar – außer über den zeitlichen Verlauf des Spiegels. Belege dafür habe ich keine gefunden.
Das Mischpräparat und sein Versprechen Ein bekanntes Präparat kombiniert vier Ester in einer Ampulle – 30, 60, 60 und 100 Milligramm, zusammen 250 Milligramm Ester und damit 176 Milligramm Testosteron.49 Die Begründung lautet, der kurze Ester überbrücke, bis der lange trägt, und so entstehe ein gleichmäßiger Spiegel. Zu diesem Präparat existiert keine veröffentlichte Untersuchung des Blutverlaufs beim Menschen. Und die Fachinformation selbst beschreibt etwas anderes als einen gleichmäßigen Spiegel: Höchstwert nach ein bis zwei Tagen, Rückkehr an die untere Normgrenze nach rund drei Wochen. Halbwertszeiten nennt sie für keinen der vier Ester. Die Mischungslogik ist chemisch nachvollziehbar – nachgewiesen ist sie nicht.

Die Kernaussage dieses Kapitels in einem Satz: Der Ester bestimmt, wann und wie gleichmäßig Testosteron freigesetzt wird – nicht, was es im Körper tut. Jede Behauptung, ein bestimmter Ester wirke anders, stärker oder sauberer, müsste erklären, wie das möglich sein soll, wenn am Ende dasselbe Molekül im Blut ankommt.

06Hohe Dosen

Wenn viel mehr genommen wird, als der Körper je hätte

Hier verlässt das Thema die Medizin. Und hier endet auch das gesicherte Wissen – deutlich früher, als die meisten annehmen.

Was belegt ist: Es wirkt, auch ohne Training

Der am besten belegte Befund des ganzen Themas stammt aus einer Untersuchung mit vier Gruppen: mit und ohne Training, mit Testosteron und mit Scheinpräparat. Die Gruppe, die zehn Wochen lang Testosteron bekam und nicht trainierte, legte an Muskelquerschnitt und Kraft messbar zu – mehr als die Gruppe mit Scheinpräparat ohne Training.9 Die Gruppe mit Testosteron und Training legte am deutlichsten zu, mit 6,1 Kilogramm mehr fettfreier Masse.

Eine spätere Untersuchung mit fünf Dosisstufen zeigte, dass der Zusammenhang mit der Dosis steigt: plus 3,4, plus 5,2 und plus 7,9 Kilogramm fettfreie Masse bei den drei höchsten Stufen über 20 Wochen.10 Entscheidend ist dabei, bei welchen Stufen das passierte: Diese Zuwächse gab es bei den hohen Dosen. Bei den beiden niedrigsten – jenen, die eine Ersatztherapie nachbilden – wurde kein gesicherter Zuwachs berichtet.

Die wichtigste Grenze dieser Seite Die höchste Dosis, die je in einer kontrollierten Studie geprüft wurde, liegt bei 600 Milligramm pro Woche über höchstens 20 Wochen.9, 10, 55 Zur Einordnung: Das ist selbst schon rund das Zwölffache dessen, was ein Körper in einer Woche herstellt. Und was im Kraftsport kursiert, beginnt dort erst – nach einer Übersichtsarbeit beim Zehn- bis Hundertfachen der körpereigenen Menge, meist über Monate und in Kombination mehrerer Substanzen.22 Für diesen Bereich gibt es keine kontrollierte Studie – und es wird keine geben, weil man Menschen das nicht zumuten darf. Die zuständige Fachgesellschaft schreibt das ausdrücklich so.56 Daraus folgt nicht, dass hohe Dosen harmlos wären. Es folgt, dass die Risiken schlechter vermessen sind als die Wirkung. Das ist das Gegenteil einer Entwarnung.

Was aus Beobachtung bekannt ist

Weil kontrollierte Studien ausfallen, stammt alles Weitere aus Beobachtung von Menschen, die es ohnehin tun. Das ist methodisch schwächer – wer solche Mittel nimmt, unterscheidet sich möglicherweise auch sonst –, aber es ist das, was es gibt. Und es ist deutlich.

Herz, Bildgebung

Schwächere Pumpleistung

Bei 140 erfahrenen Kraftsportlern lag die Auswurfleistung der linken Herzkammer bei den Anwendern bei 52 Prozent, bei den Nichtanwendern bei 63.57 Wer zum Zeitpunkt der Untersuchung pausierte, lag dazwischen – ein Hinweis auf zumindest teilweise Erholung. Querschnittsbild, kein Ursachennachweis.

Herz, Registerdaten

Die drastischste Zahl

In Dänemark gibt es Dopingkontrollen in Fitnessstudios. 1.189 Männer, die dabei aufgefallen und gesperrt worden waren, wurden über im Mittel elf Jahre mit 59.450 Männern aus der Allgemeinbevölkerung verglichen. Das Risiko für eine Herzmuskelerkrankung war 8,9-fach erhöht, für Herzinfarkt 3,0-fach, für Blutgerinnsel in den Venen 2,4-fach.20

Sterblichkeit

Verdreifacht

In einer weiteren dänischen Auswertung lag die Sterblichkeit bei 545 Männern mit positivem Kontrollergebnis dreifach höher als bei den Vergleichspersonen.58 Das Vertrauensintervall reicht von 1,3 bis 7,0 – der Befund ist gesichert, aber unscharf geschätzt. Krankenhauskontakte waren mehr als doppelt so häufig.

Die eigene Produktion danach

Nicht bei allen zurück

Bei ehemaligen Anwendern lagen im Schnitt zweieinhalb Jahre nach dem Absetzen noch 27,2 Prozent unter der unteren Normgrenze – in der Vergleichsgruppe niemand.12 Ein Marker der Hodenfunktion war auch dann noch erniedrigt, wenn der Testosteronwert selbst schon normal aussah.59

Zwei Datenquellen, die nicht vermischt werden dürfen Es gibt gute Erholungszahlen: Nach einem Jahr hatten 90 von 100 Männern wieder normale Spermienwerte.11 Die stammen allerdings aus kontrollierten Verhütungsstudien: gesunde Männer, eine einzelne Substanz in bekannter Dosis, begrenzte Dauer, monatliche Kontrolle. Dort dauerte es im Mittel 120 Tage bis zum Ausbleiben der Spermien.60 Diese Zahlen zeigen den besten Fall – gesunde Männer, ein einziges Mittel, bekannte Menge, begrenzte Zeit. Sie sagen nichts darüber, was nach Jahren mit mehreren Substanzen übrig bleibt. Wie das aussieht, steht in der Karte oben rechts.

Die Leber: der Unterschied, der ständig verwechselt wird

Hier wird am häufigsten etwas falsch erzählt – und zwar in beide Richtungen. Lebertoxisch sind bestimmte orale Wirkstoffe, bei denen ein kleiner Molekülbaustein eingebaut wurde – Fachleute sprechen von einer Methylgruppe –, damit die Substanz den Abbau in der Leber übersteht. Genau dieser Umbau belastet das Organ: Gallestau, blutgefüllte Hohlräume im Lebergewebe, gutartige und bösartige Tumoren sind dokumentiert.18, 19

Testosteron selbst trägt diesen Umbau nicht – weder in der Spritze noch in der Kapsel aus Kapitel 04, die den Umweg über die Lymphbahn nimmt. Ihnen fehlt dieser Schädigungsweg; für die veresterten Formen ist ein Gallestau nur selten beschrieben.19 Daraus folgt aber gerade nicht, dass Spritzen die harmlose Variante wären – die schwersten belegten Schäden betreffen das Herz, und dort gilt der Unterschied nicht.20 Der Satz, den ich mir dafür gemerkt habe: Die Leber trifft es bei den Tabletten. Das Herz trifft es bei beidem.

Stimmung: zwei gute Studien, zwei verschiedene Antworten

Zur Frage, ob hohe Dosen aggressiv machen, gibt es eine randomisierte Untersuchung mit Scheinpräparat und wöchentlicher Fremdbeurteilung durch eine nahestehende Person. Sie fand gesicherte Anstiege bei Manie-Werten und Aggression – aber die Verteilung ist der eigentliche Befund: Von 50 Teilnehmern zeigten 42 praktisch keine Veränderung, sechs eine leichte und zwei eine deutliche.55 Die acht Betroffenen unterschieden sich vorher in keinem erfassten Merkmal von den übrigen.

In der oben genannten Vier-Gruppen-Untersuchung fand sich bei ebenfalls 600 Milligramm pro Woche dagegen gar keine Veränderung von Stimmung oder Verhalten.9 Zwei zufällig zugeteilte Studien, dieselbe Milligrammzahl, verschiedene Ergebnisse. Streng genommen ist nicht einmal die Wirkstoffmenge identisch: Die eine nutzte Enantat, die andere Cypionat – nach der Rechnung aus Kapitel 05 sind das 432 gegenüber 419 Milligramm Testosteron. Den Unterschied erklärt das nicht, aber beides gehört nebeneinander. Die tragfähige Aussage lautet: Der Effekt ist real und trifft eine Minderheit – und man kann vorher nicht sagen, wen.

Für die Frage, ob man einfach wieder aufhören kann, ist eine andere Zahl relevant: Rund 30 Prozent der Anwender entwickeln nach einer Übersichtsarbeit ein Abhängigkeitsbild, also fortgesetzten Gebrauch trotz erkennbarer Nachteile.61 Die Besonderheit gegenüber klassischen Suchtmitteln: Es gibt keinen unmittelbaren Rausch, sondern eine verzögerte Belohnung über das Aussehen.

Wie verbreitet ist das überhaupt?

Eine Zusammenführung von 187 Untersuchungen kommt auf einen weltweiten Anteil von 6,4 Prozent bei Männern und 1,6 Prozent bei Frauen, die mindestens einmal im Leben anabole Steroide angewendet haben.62 Die Streuung zwischen den Einzeluntersuchungen ist allerdings extrem hoch – der Mittelwert ist ein Mittel über sehr ungleiche Gruppen. In der Gruppe der Freizeitsportler liegen die berichteten Werte deutlich höher, und über drei Viertel der Anwender sind keine Wettkampfsportler, sondern trainieren aus Gründen des Aussehens.22

Für Deutschland gibt es keine belastbare Zahl. Ein vom Bundesgesundheitsministerium gefördertes Präventionsprojekt zu Medikamentenmissbrauch in Fitnessstudios hält ausdrücklich fest, dass genaue Häufigkeiten für Deutschland nicht bekannt sind; die gelegentlich zitierte Größenordnung von mehreren Hunderttausend beruht auf einer angenommenen Quote von fünf Prozent der Studiobesucher.63 Sie ist geschätzt, nicht gemessen – deshalb nenne ich sie als Schätzung und rechne nicht weiter mit ihr.

Was in den Ampullen auf dem Schwarzmarkt ist

Eine Zusammenführung von 19 Untersuchungen mit 5.413 Proben aus neun Ländern kam auf folgendes Bild: Im Mittel 36 Prozent gefälscht – also nicht der Wirkstoff, der draufsteht – und 37 Prozent minderwertig, also falsche Konzentration.22 Von den Fälschungen enthielten 24 Prozent gar keinen Wirkstoff und 44 Prozent einen anderen als angegeben. Bei öligen Injektionslösungen lag der Fälschungsanteil mit 43 bis 65 Prozent am höchsten, bei Tabletten niedriger.

Eine Einzeluntersuchung an 345 beschlagnahmten brasilianischen Proben zeigt, was das konkret heißt: Unterdosierungen bis herunter auf 16 Prozent des angegebenen Werts, Überdosierungen bis 221 Prozent.64 Wer glaubt, seine Dosis zu kennen, kann das Doppelte im Körper haben – oder ein Sechstel. Ob man Fälschungen ansieht, ist strittig: In einer der ausgewerteten Arbeiten ließen sich Original und Fälschung mit bloßem Auge nicht unterscheiden, in einer anderen half die Sichtprüfung sehr wohl weiter. Verlassen würde ich mich darauf nicht.

Die Rechtslage in Deutschland

Hier gebe ich nur die Gesetzestexte wieder. Ich bin kein Jurist, und eine Bewertung einzelner Fälle gehört nicht auf diese Seite.

Testosteron ist verschreibungspflichtig. Darüber hinaus gilt seit Dezember 2015 das Anti-Doping-Gesetz; die früheren Dopingvorschriften im Arzneimittelgesetz wurden dabei aufgehoben.65 Dessen Paragraf 2 verbietet unter anderem, Dopingmittel in nicht geringer Menge zu Dopingzwecken zu erwerben oder zu besitzen; der Strafrahmen nach Paragraf 4 reicht bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, in besonders schweren Fällen von einem bis zehn Jahren.

Was „nicht geringe Menge“ bedeutet, legt eine eigene Verordnung fest. Für Testosteron steht dort: 1.500 Milligramm für Darreichungsformen über Haut oder Mund, 632 Milligramm für alle übrigen, also insbesondere Spritzen.13 Die Verordnung stellt dabei auf den Testosterongehalt ab, nicht auf das Gewicht, das auf einer Ampulle steht.

Die Stelle, an der am häufigsten etwas verwechselt wird Die Strafbarkeit des Selbstdopings setzt nach Paragraf 4 voraus, dass der Betreffende Spitzensportler ist oder aus dem Sport erhebliche Einnahmen erzielt.65 Wer im Fitnessstudio trainiert, fällt darunter in aller Regel nicht. Das Verbot des Erwerbs und Besitzes in nicht geringer Menge gilt dagegen unabhängig vom sportlichen Status. Diese beiden Dinge werden regelmäßig miteinander verwechselt – meist in der beruhigenden Richtung.
07Faktencheck

Was Du über Testosteron hören wirst – und was davon stimmt

Rund um Testosteron kursieren viele Aussagen – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmt eine, vier stimmen halb, fünf stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht.

✕„Wenn Du ständig müde und lustlos bist, ist wahrscheinlich Dein Testosteron zu niedrig.“ In einer großen europäischen Untersuchung erfüllten nur 2,1 Prozent der Männer zwischen 40 und 79 beide Bedingungen zugleich.3 Und in der Therapiestudie an 790 älteren Männern verfehlte Testosteron ausgerechnet beim Thema Müdigkeit sein Hauptziel.21
~„Ab einem gewissen Alter fällt Dein Testosteron – da kannst Du nichts machen.“ Der Abfall ist belegt.17 Der zweite Teil nicht: Starkes Übergewicht geht mit einem Minus einher, das ein Vielfaches dessen beträgt, was das Alter in einem Jahrzehnt ausmacht – und bei Gewichtsabnahme steigen die Werte wieder.14, 15
✕„Einmal Blut abnehmen reicht, dann weißt Du Bescheid.“ Der Wert fällt im Tagesverlauf deutlich – vom Höchst- zum Tiefstand um mindestens 43 Prozent.5 Deshalb verlangen die Leitlinien zwei Morgenmessungen – rund 30 von 100 Männern mit auffälligem Erstwert haben beim zweiten Mal einen normalen.7
✓„Mit genug Testosteron baust Du auch ohne Training Muskeln auf.“ Stimmt, und es ist der am besten belegte Befund des Themas: In einer Untersuchung mit vier Gruppen legte die Gruppe mit Testosteron und ohne Training an Muskelquerschnitt und Kraft zu.9 Mit Training war der Zuwachs allerdings deutlich größer.
✕„Spritzen gehen auf die Leber.“ Umgekehrt: Lebertoxisch sind bestimmte orale Wirkstoffe, die chemisch umgebaut wurden, um den Lebergang zu überstehen.18 Testosteron selbst trägt diesen Umbau nicht. Das macht Spritzen nicht harmlos – beim Herzen gilt der Unterschied nämlich nicht.20
~„Testosteron macht aggressiv.“ Bei einer Minderheit ja. In der Untersuchung mit wöchentlicher Fremdbeurteilung durch eine nahestehende Person zeigten von 50 Teilnehmern 42 praktisch keine Veränderung, sechs eine leichte, zwei eine deutliche.55 Eine zweite zufällig zugeteilte Untersuchung mit derselben Milligrammzahl fand gar keinen Effekt.9
~„Wenn Du absetzt, kommt alles von selbst wieder.“ In kontrollierten Studien mit begrenzter Dauer meistens ja.11 Bei ehemaligen Anwendern aus dem Kraftsport lagen im Schnitt zweieinhalb Jahre nach dem Absetzen noch 27,2 Prozent unter der unteren Normgrenze.12
✕„Testosteron ist körpereigen, das kann also nicht schaden.“ Körpereigen heißt nur: Der Körper kennt den Stoff. Er kennt auch die Menge – und die Steuerung schaltet ab, sobald von außen etwas dazukommt.28 Dass Gel über Hautkontakt auf andere übergeht, zeigt die Warnung höchster Stufe, die die US-Arzneimittelbehörde nach Fällen bei Kleinkindern verfügt hat.23
~„Enantat und Cypionat sind praktisch dasselbe.“ Im Wirkstoff ja – nach der Abspaltung zirkuliert dasselbe Molekül. In der Dauer unterscheiden sie sich laut den Herstellerangaben, mit 4,5 gegenüber rund acht Tagen.4, 51 Eine direkte Vergleichsmessung der beiden gibt es öffentlich nicht.
✕„Was im Studio gehandelt wird, ist Pharmaware.“ In einer Auswertung von über fünftausend Proben enthielten im Mittel 36 Prozent nicht den angegebenen Wirkstoff.22 Bei öligen Injektionslösungen war der Anteil am höchsten. Ob sich eine Fälschung ansehen lässt, ist in den ausgewerteten Arbeiten strittig.
Kurz gesagt Bei diesen Aussagen entsteht der Fehler fast nie beim Hormon selbst, sondern beim Sprung von der Beobachtung zur Schlussfolgerung: vom Laborwert zur Diagnose, von der Studie zum Alltag, von der Ampulle zu dem, was wirklich drin ist.
08Grenzen

Was Testosteron nicht leistet – und was diese Seite nicht leisten kann

Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie ausdrücklich nicht zeigen.

✕Kein Mittel gegen Müdigkeit. Das vorab festgelegte Hauptziel wurde verfehlt, und die Autoren nennen die gefundenen Unterschiede selbst sehr klein.21
✕Kein Mittel für den Kopf. Bei Männern mit altersbedingter Gedächtnisminderung änderte sich in keinem der vier geprüften Bereiche etwas.41
✕Bei Frauen in körpereigener Dosis kein belegter Nutzen für Stimmung, Knochen oder Muskeln. Belegt ist ein einziges Anwendungsgebiet, und der Effekt dort ist klein.16, 44 Die Autoren schränken selbst ein, dass zu diesen Punkten nur wenige Frauen Daten beigesteuert haben – das ist fehlende Evidenz, nicht nachgewiesene Wirkungslosigkeit.
✕Keine Mengenangaben für den Einzelfall. Welche Menge zu wem passt, entscheidet sich an Blutwerten, Vorerkrankungen und Verlauf – das kann eine Seite nicht leisten, die den Leser nicht kennt.
✕Keine Behandlung. Diese Seite erklärt Testosteron – sie stellt keine Diagnose und ersetzt keine Therapie.
Fünf von acht Estern

Ohne belegte Halbwertszeit

Für Acetat, Propionat, Phenylpropionat, Isocaproat und Decanoat habe ich keine veröffentlichte Messung am Menschen gefunden. Die Zahlen, die dazu kursieren, ließen sich auf keine Primärquelle zurückführen.

Die großen Zahlen zur Eigenproduktion

Acht Männer, drei Frauen

Die Milligrammangaben pro Tag beruhen auf Messungen an sehr wenigen Menschen aus den sechziger Jahren.25, 26 Beide Arbeiten waren nicht einsehbar – ihre Einzelwerte stehen deshalb nicht auf dieser Seite, nur die Größenordnung aus einer Übersichtsarbeit.

Deutsche Zahlen zur Verbreitung

Gibt es nicht

Das geförderte Präventionsprojekt dazu hält selbst fest, dass genaue Häufigkeiten für Deutschland nicht bekannt sind.63 Die kursierende Zahl von mehreren Hunderttausend beruht auf einer angenommenen Quote von fünf Prozent der Studiobesucher – eine Schätzung, mit der sich nicht weiterrechnen lässt.

Herz und Kreislauf

Zwei Befunde, die sich nicht auflösen

Die große Sicherheitsstudie fand keine Unterlegenheit beim Hauptziel.42 Die kleinere Untersuchung fand stärker wachsende Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen.43 Beide stehen so nebeneinander – und an beiden war die Industrie finanziell beteiligt.

Was im Studio kursiert

Nie kontrolliert untersucht

Die kontrollierte Forschung endet bei 600 Milligramm pro Woche über 20 Wochen.10 Darüber hinaus gibt es nur Beobachtung an Menschen, die es ohnehin tun – mit allen Schwächen, die das mit sich bringt.56

Medizinische Vorgeschichte

Nicht untersucht

Die große Therapiestudie schloss Männer mit bestimmten Vorerkrankungen aus, und die Untersuchungen zu hohen Dosen liefen an gesunden jungen Männern.10 Was in Deinem Fall gilt, klärst Du mit Deinem Arzt.

09Wie sicher

Wie sicher ist das alles?

Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.

So lesen sich die Stufen: gut belegt – große Studien, alle in dieselbe Richtung · belegt – mehrere Studien oder behördlich geprüfte Angaben, gleiche Richtung · erste Hinweise – eine Studie, ein Datensatz oder nur indirekt erschlossen · uneinheitlich – Studien widersprechen sich · nicht belegt – kursiert, ließ sich aber nicht auf eine Quelle zurückführen.

AussageEinordnung
Referenzbereich gesunder junger Männergut belegt – Reihe mit über neuntausend Männern, Spanne gebildet an 1.185 Gesunden, 400 davon mit dem Referenzverfahren gemessen, der Rest daran angeglichen; Interessenkonflikte der Autoren benannt
Der Wert fällt im Tagesverlauf deutlichgut belegt – mehrere Untersuchungen, gleiche Richtung
Übergewicht geht mit niedrigerem Testosteron einher, stärker als das Altergut belegt – mehrere tausend Männer; die Höhe aus einer Momentaufnahme, die Umkehrbarkeit aus der Nachuntersuchung
Testosteron von außen unterdrückt die eigene Produktiongut belegt – randomisierte Dosisstufen, große Verhütungsstudien
Hohe Dosen bauen Muskeln auf, auch ohne Traininggut belegt – randomisiert, verblindet, Dosis-Wirkungs-Beziehung gezeigt
Symptomatischer Mangel ist seltenbelegt – eine sehr große Untersuchungsreihe, Kriterien aus derselben Reihe
Ersatztherapie verbessert Sexualfunktion und Knochendichtebelegt – koordinierte Studien gegen Scheinpräparat; Wirkung ließ über die Zeit nach
Ersatztherapie hilft nicht bei Müdigkeit und Denkleistungbelegt – vorab festgelegte Endpunkte verfehlt
Längere Esterkette heißt längere Wirkdauerbelegt – Prinzip experimentell gezeigt, allerdings an einem verwandten Wirkstoff
Das Trägeröl beeinflusst die Dauer erheblicherste Hinweise – zwei kleine Studien am selben Molekül, ohne Vergleichsgruppe
Schwere Herzschäden bei Langzeitanwendernerste Hinweise – Registerdaten über elf Jahre, aber selektierte Gruppe, kein Ursachennachweis
Hohe Dosen verändern bei einer Minderheit die Stimmunguneinheitlich – zwei randomisierte Studien mit derselben Dosis, verschiedene Ergebnisse
Herz-Kreislauf-Sicherheit der Ersatztherapieuneinheitlich – große Studie beim Hauptziel unauffällig, kleinere mit Warnsignal an den Herzkranzgefäßen; Hersteller waren an beiden beteiligt
Halbwertszeiten von fünf der acht Esternicht belegt – keine veröffentlichte Humanmessung auffindbar
Der gleichmäßige Spiegel beim Vierfachgemischnicht belegt – keine Untersuchung des Blutverlaufs beim Menschen; die Fachinformation beschreibt das Gegenteil
Kurzkettige Ester schmerzen beim Spritzen mehrnicht belegt – kein Estervergleich je durchgeführt

Sechs Zahlen zum Mitnehmen

Das Kurze · Fazit in Zahlen

Jede Zahl mit Quelle und Haken

Die sechs Zahlen stammen aus Studien und Fachinformationen, Stand Oktober 2026; wo ich eine davon selbst gerechnet habe, steht es dabei. Zu jeder steht, wer untersucht wurde, was herauskam und wo der Haken liegt.

264–916
Nanogramm pro Deziliter –
der mittlere Bereich

Angeglichen an das genaueste verfügbare Verfahren: Ein einzelner Wert außerhalb heißt noch nichts.

Haken

Die Spanne stammt nicht aus allen 9.054, sondern aus der Referenzgruppe von 1.185 Gesunden; mit dem Referenzverfahren selbst gemessen wurden 400. Nur Männer europäischer und US-amerikanischer Herkunft, Momentaufnahme. Drei Autoren geben Verbindungen zu Herstellern von Testosteronpräparaten an – bei einer Arbeit, die den unteren Normwert festlegt.

Quelle: Travison und Kollegen 2017 · 9.054 Männer, Spanne aus 1.1851
2,1 %
haben beides: niedrige Werte
und passende Beschwerden

Nach reinen Laborkriterien wären es 20 bis 50 Prozent: Die Definition entscheidet, nicht die Biologie.

Haken

Querschnitt; die Kriterien stammen aus derselben Untersuchungsreihe, sind also nicht unabhängig geprüft. Die Vergleichszahl 20 bis 50 Prozent stammt aus einer anderen Untersuchung mit anderem Verfahren.

Quelle: Tajar und Kollegen 2012 · 2.966 Männer von 40 bis 79; Vergleichszahl aus Harman 2001 · 890 Männer3, 17
5,09
Nanomol pro Liter weniger
bei starkem Übergewicht

Mehr, als das Alter in Jahrzehnten ausmacht – und umkehrbar: Erst das Gewicht, dann das Hormon.

Haken

Querschnitt – ein Zusammenhang, keine bewiesene Ursache. In der Nachuntersuchung derselben Reihe zeigte ausgerechnet die körperliche Aktivität keinen messbaren Effekt auf die Hormonachse.

Quelle: Wu und Kollegen 2008 · 3.200 Männer; Camacho 201314, 15
72 %
Testosteronanteil im
Enantat

250 Milligramm auf der Ampulle sind 180 Milligramm Wirkstoff: Milligramm sind nicht Milligramm.

Haken

Von mir aus den Summenformeln gerechnet. Vier Gegenproben gegen drei Fachinformationen stimmen exakt – aber die Zahl beschreibt nur die Menge, nicht die Wirkung.

Quelle: gerechnet; geprüft gegen die Fachinformationen2, 4, 49
600 mg
pro Woche – da endet die
kontrollierte Forschung

Was im Kraftsport kursiert, liegt weit darüber: Die Risiken sind schlechter vermessen als die Wirkung.

Haken

Gesunde junge Männer, höchstens 20 Wochen, rund zwölf je Dosisgruppe. Diese Lücke wird nie geschlossen werden, weil die Studie ethisch unzulässig wäre.

Quelle: Bhasin und Kollegen 1996 und 2001 · 43 bzw. 61 Männer9, 10
36 %
der Schwarzmarktproben
enthielten nicht das Angegebene

Bei öligen Injektionslösungen am häufigsten: Wer glaubt, seine Dosis zu kennen, weiß sie nicht.

Haken

Überwiegend beschlagnahmte und damit vorsortierte Proben; die Streuung zwischen den Einzeluntersuchungen ist sehr hoch. Nur zwei Weltregionen erfasst.

Quelle: Magnolini und Kollegen 2022 · 5.413 Proben aus 9 Ländern22

Jede Zahl ist an der Quelle selbst geprüft, Stand Oktober 2026 – die Studien überwiegend an ihrer Kurzfassung in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, die Dosierungen und Halbwertszeiten an den Fachinformationen der Zulassungsbehörden, die Mengenangaben am Verordnungstext. Die vollständigen Angaben mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten folgen im Kapitel „Belegt“.

Der eine Satz, wenn Du Dir nur einen merkst Testosteron ist ein Hormon mit einem schmalen, gut belegten medizinischen Nutzen und einer breiten, schlecht vermessenen Grauzone – und der häufigste Fehler passiert nicht bei der Dosis, sondern schon beim Laborwert.
10Belegt

Worauf sich diese Seite stützt

Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Untersuchte, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Studien habe ich über PubMed geprüft, Dosierungen und Halbwertszeiten an den Fachinformationen der Zulassungsbehörden, die Mengenangaben am Verordnungstext. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.

65 Quellen · hier aufklappenzuklappenGeldgeber und Interessenkonflikte
So liest Du die Angaben zu den Geldgebern PubMed, die Studiendatenbank der US-Nationalbibliothek für Medizin, ordnet Studien nach ihren Geldgebern ein: Stellen der US-Regierung – und „außerhalb der US-Regierung“ für alles andere. „Außerhalb der US-Regierung“ heißt also: Das Geld kam von Hochschulen, Stiftungen, anderen Staaten oder Firmen – wer genau, steht nur in der vollständigen Arbeit. Steht bei einer Studie kein Geldgeber, „nicht geprüft“ oder „nicht prüfbar“, habe ich die Finanzierung nicht selbst gelesen.
Warum bei diesem Thema besonders oft ein Interessenkonflikt dabeisteht Testosteron ist ein Markt. Die Arbeit, die den unteren Normwert definiert, die große Sicherheitsstudie und das Positionspapier zur Anwendung bei Frauen sind alle von Autoren mit Herstellerverbindungen verfasst oder von Herstellern finanziert. Das macht sie nicht falsch – es sind durchweg die besten verfügbaren Daten. Aber wer festlegt, ab welchem Wert jemand als behandlungsbedürftig gilt, bestimmt die Größe des Marktes mit. Deshalb steht es bei jeder dieser Quellen dabei.
1Travison TG, Vesper HW, Orwoll E et al. (2017). Harmonized Reference Ranges for Circulating Testosterone Levels in Men of Four Cohort Studies in the United States and Europe. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 102(4):1161–1173. DOI 10.1210/jc.2016-2935 · PMID 28324103 · PMC5460736 9.054 Männer aus vier Untersuchungsreihen in den USA und Europa. Je Reihe wurden 100 Teilnehmer – zusammen 400 – mit dem Referenzverfahren der US-Gesundheitsbehörde CDC nachgemessen (Massenspektrometrie); alle übrigen Werte wurden über Umrechnungsgleichungen daran angeglichen. Referenzgruppe der 19- bis 39-Jährigen ohne Übergewicht und ohne wesentliche Begleiterkrankungen: 1.185 Männer. Aus dieser Gruppe stammt die Spanne: mittlere 95 Prozent der Werte 264 bis 916 ng/dl, Mittelwert 531 ng/dl. Blutentnahme morgens nüchtern. Einschränkung: Querschnitt, nur Männer europäischer und US-amerikanischer Herkunft. Die Arbeit nennt nur ng/dl; die Werte in nmol/l habe ich selbst umgerechnet. Geldgeber: US-Gesundheitsbehörde NIH, Endocrine Society, EU-Forschungsrahmenprogramm, belgischer Forschungsfonds. Interessenkonflikte: Drei Autoren geben Forschungsmittel und Beraterverträge von Herstellern von Testosteronpräparaten an (unter anderem AbbVie, Eli Lilly, Takeda, Besins Healthcare). Bei einer Arbeit, die den unteren Normwert festlegt, gehört das genannt.
2Fachinformation Nebido 1000 mg/4 ml Injektionslösung. Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, britische Arzneimittelbehörde MHRA, Produkt 14631, Abschnitt 5.2. abgerufen über electronic Medicines Compendium, geprüft im Oktober 2026 1000 mg Testosteronundecanoat entsprechen 631,5 mg Testosteron. Wirkstoffträger ist Rizinusöl mit 500 mg Benzylbenzoat je Milliliter als Lösungsvermittler. Das Präparat wird langsam aus dem Depot freigesetzt, Halbwertszeit 90 Tage bei einer Streuung von 40 Tagen, und von Enzymen im Blut nahezu vollständig in Testosteron und Undecansäure gespalten. Freies Testosteron selbst hat nach Gabe in die Vene eine Halbwertszeit von etwa einer Stunde. Einschränkung: Fachinformation, keine Studie mit nachvollziehbarer Teilnehmerzahl. Die Streuung von 40 Tagen auf 90 Tage ist erheblich – die Zahl beschreibt einen Mittelwert über Menschen, die sich stark unterscheiden.
3Tajar A, Huhtaniemi IT, O'Neill TW et al. (2012). Characteristics of androgen deficiency in late-onset hypogonadism: results from the European Male Aging Study (EMAS). Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 97(5):1508–1516. DOI 10.1210/jc.2011-2513 · PMID 22419720 2.966 Männer zwischen 40 und 79 Jahren. Nach den Kriterien drei sexuelle Beschwerden plus Gesamttestosteron unter 11 nmol/l plus freies Testosteron unter 220 pmol/l erfüllten 63 Männer, also 2,1 Prozent, die Bedingungen. Schluss der Autoren: Das Beschwerdebild gibt es nur bei einer Minderheit älterer Männer. Einschränkung: Querschnitt; die Kriterien stammen aus derselben Untersuchungsreihe, sind also nicht unabhängig geprüft. Geldgeber: Europäische Kommission. Interessenkonflikte nicht geprüft.
4Fachinformation Testoviron-Depot-250. fachinfo.de, Dokument 002743, Abschnitt 5.2. geprüft im Oktober 2026 250 mg Testosteronenantat entsprechen 180 mg Testosteron. Wirkstoffträger Rizinusöl mit Benzylbenzoat. Die Freisetzung aus dem Depot erfolgt mit einer Halbwertszeit von etwa 4,5 Tagen; für den Abfall im Blut nennt die Fachinformation denselben Wert. Das heißt: Was wie die Ausscheidung aussieht, ist in Wirklichkeit die Freisetzung aus dem Öldepot. Einschränkung: Fachinformation ohne Angabe der zugrundeliegenden Messung.
5Diver MJ, Imtiaz KE, Ahmad AM, Vora JP, Fraser WD (2003). Diurnal rhythms of serum total, free and bioavailable testosterone and of SHBG in middle-aged men compared with those in young men. Clinical Endocrinology 58(6):710–717. DOI 10.1046/j.1365-2265.2003.01772.x · PMID 12780747 10 junge und 8 Männer mittleren Alters, Blutentnahme alle 30 Minuten über 24 Stunden. Bei allen Untersuchten fiel der Wert vom Höchst- zum Tiefstand um mindestens 43 Prozent. Höchststand zwischen 7 und 7:30 Uhr. Einschränkung: 18 Untersuchte insgesamt. Ob der Tagesrhythmus im Alter flacher wird, ist uneinheitlich: Diese Arbeit fand keinen Altersunterschied, zwei andere schon. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht hinterlegt – nicht geprüft.
6Brambilla DJ, Matsumoto AM, Araujo AB, McKinlay JB (2009). The effect of diurnal variation on clinical measurement of serum testosterone and other sex hormone levels in men. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 94(3):907–913. DOI 10.1210/jc.2008-1902 · PMID 19088162 · PMC2681273 66 Männer zwischen 30 und 80 Jahren, je sechs Blutentnahmen an verschiedenen Tagen, vormittags und nachmittags. Bei Männern um die 30 bis 40 lag der Wert um 16 Uhr 20 bis 25 Prozent niedriger als um 8 Uhr, bei 70-Jährigen noch rund 10 Prozent. 17 Männer hatten mindestens einen Nachmittagswert unter 300 ng/dl, aber bei allen drei Vormittagsmessungen normale Werte. Einschränkung: 66 Männer aus einer Region, Messung mit Antikörperverfahren statt Massenspektrometrie. Geldgeber: US-Gesundheitsbehörde NIH. Interessenkonflikte nicht geprüft.
7Bhasin S, Brito JP, Cunningham GR et al. (2018). Testosterone Therapy in Men With Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 103(5):1715–1744. DOI 10.1210/jc.2018-00229 · PMID 29562364 Leitlinie, erstellt nach einem anerkannten Bewertungsverfahren von zehn Fachleuten und einem Methodiker, gestützt auf zwei eigens beauftragte systematische Übersichten. Diagnose nur bei Beschwerden und eindeutig und wiederholt niedrigen Werten. Erste Messung morgens und nüchtern, Bestätigung durch eine zweite Morgenmessung – Begründung der Leitlinie: Rund 30 Prozent der Männer mit auffälligem Erstwert haben bei der Wiederholung einen normalen Wert. Als untere Grenze des Referenzbereichs gesunder, nicht übergewichtiger Männer zwischen 19 und 39 nennt sie 264 Nanogramm pro Deziliter. Einschränkung: Leitlinie, keine eigenen Messdaten. Sie nennt ausdrücklich keinen festen Grenzwert für die Diagnose, sondern nur die untere Grenze des Referenzbereichs. Mehrere Autoren haben dieselben Verbindungen zu Herstellern, die beim Referenzbereich genannt sind.
8Handelsman DJ, Hirschberg AL, Bermon S (2018). Circulating Testosterone as the Hormonal Basis of Sex Differences in Athletic Performance. Endocrine Reviews 39(5):803–829. DOI 10.1210/er.2018-00020 · PMID 30010735 · PMC6391653 Übersichtsarbeit. Zusammengefasste Werte aus acht Messreihen per Massenspektrometrie: Männer 18 bis 40 Jahre 7,7 bis 29,4 nmol/l; aus neun Messreihen für Frauen unter 40 Jahren 0 bis 1,7 nmol/l. Die Verteilung zwischen den Geschlechtern überschneidet sich kaum. Produktionsrate beim erwachsenen Mann mit rund 7 mg pro Tag angegeben, vor der Pubertät rund 0,3 mg. Zur Messgenauigkeit: Allein die Wahl des Antikörper-Testverfahrens verschiebt die untere Normgrenze bei gesunden jungen Männern zwischen 7,3 und 12,6 nmol/l. Einschränkung: Übersichtsarbeit ohne eigene Messung; die 7 mg pro Tag sind eine gerundete Zusammenfassung der alten Kleinststudien. Die Referenzgrenzen berücksichtigen weder Pille noch Zyklusphase, Gewicht oder Nüchternheit. Interessenkonflikte des Erstautors: in anderen Arbeiten Verbindungen zu Herstellern angegeben; die Erklärung dieser Arbeit habe ich nicht geprüft.
9Bhasin S, Storer TW, Berman N et al. (1996). The effects of supraphysiologic doses of testosterone on muscle size and strength in normal men. New England Journal of Medicine 335(1):1–7. DOI 10.1056/NEJM199607043350101 · PMID 8637535 43 normale Männer, zufällig zugeteilt, doppelt verblindet, vier Gruppen: mit und ohne Training, je mit Testosteron oder Scheinpräparat. 600 mg Testosteronenantat wöchentlich über zehn Wochen. In der Gruppe mit Testosteron und ohne Training nahmen Trizeps- und Oberschenkelquerschnitt zu und die Kraft im Bankdrücken und in der Kniebeuge stieg – jeweils gesichert gegenüber Scheinpräparat ohne Training. Die Gruppe mit Testosteron und Training legte 6,1 Kilogramm fettfreie Masse zu und steigerte sich im Bankdrücken um 22 und in der Kniebeuge um 38 Kilogramm. Wörtlich heißt es, dass sich weder Stimmung noch Verhalten in irgendeiner Gruppe änderten. Einschränkung: 43 Männer auf vier Gruppen, zehn Wochen, gesunde junge Männer. Eine Dosis, kein Dosisvergleich. Geldgeber: US-Gesundheitsdienst, also öffentlich. Interessenkonflikte in den Metadaten nicht enthalten – nicht geprüft.
10Bhasin S, Woodhouse L, Casaburi R et al. (2001). Testosterone dose-response relationships in healthy young men. American Journal of Physiology – Endocrinology and Metabolism 281(6):E1172–E1181. DOI 10.1152/ajpendo.2001.281.6.E1172 · PMID 11701431 61 gesunde Männer zwischen 18 und 35 Jahren, zufällig auf fünf Dosisstufen verteilt, doppelt verblindet, 20 Wochen. Die eigene Produktion wurde medikamentös unterdrückt, dann wöchentlich 25, 50, 125, 300 oder 600 mg Testosteronenantat gegeben. Fettfreie Masse bei den drei höchsten Stufen: plus 3,4, plus 5,2 und plus 7,9 Kilogramm. Mit dem Blutspiegel stiegen auch Beinkraft, Oberschenkelvolumen und Blutfarbstoff; Fettmasse und das günstige Cholesterin sanken. Sexualfunktion, räumliches Denken, Stimmung und der Prostatawert änderten sich bei keiner Dosis gesichert. Einschränkung, die den häufigsten Zitierfehler betrifft: Die genannten Zuwächse traten bei den hohen Dosisstufen auf; bei den beiden niedrigen, die eine Ersatztherapie nachbilden, wird kein gesicherter Zuwachs berichtet. Gesunde junge Männer mit künstlich unterdrückter Eigenproduktion sind kein Modell für Männer mit echtem Hormonmangel. Rund zwölf Männer je Gruppe, 20 Wochen. Geldgeber: US-Gesundheitsdienst, öffentlich.
11Liu PY, Swerdloff RS, Christenson PD, Handelsman DJ, Wang C (2006). Rate, extent, and modifiers of spermatogenic recovery after hormonal male contraception: an integrated analysis. Lancet 367(9520):1412–1420. DOI 10.1016/S0140-6736(06)68614-5 · PMID 16650651 Zusammenführung der Einzeldaten aus 30 Studien, 1.549 gesunde Männer zwischen 18 und 51 Jahren, 705 Personenjahre Nachbeobachtung. Nach dem Absetzen erreichten 67 Prozent binnen sechs Monaten wieder 20 Millionen Spermien je Milliliter, 90 Prozent binnen zwölf, 96 Prozent binnen sechzehn und alle binnen 24 Monaten. Mittlere Zeit bis zu diesem Wert: 3,4 Monate. Einschränkung, und sie ist wesentlich: Untersucht wurden ausschließlich gesunde, zeugungsfähige Freiwillige in kontrollierten Studien mit monatlicher Kontrolle, die ein einzelnes Mittel in bekannter Dosis bekamen. Auf eine Anwendung mit mehreren Substanzen, höheren Mengen und über längere Zeit lassen sich diese Zahlen nicht übertragen. Zusammengeführte veröffentlichte Studien – Fälle ohne Erholung könnten seltener veröffentlicht worden sein. Geldgeber: US-Gesundheitsbehörde NIH und Stellen außerhalb der US-Regierung. Interessenkonflikte in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft.
12Rasmussen JJ, Selmer C, Østergren PB et al. (2016). Former Abusers of Anabolic Androgenic Steroids Exhibit Decreased Testosterone Levels and Hypogonadal Symptoms Years after Cessation: A Case-Control Study. PLoS One 11(8):e0161208. DOI 10.1371/journal.pone.0161208 · PMID 27532478 37 aktuelle Anwender, 33 ehemalige und 30 Vergleichspersonen aus dem Freizeit-Krafttraining, Blutproben morgens. Bei den ehemaligen Anwendern lag das Gesamttestosteron im Mittel niedriger als in der Vergleichsgruppe; 27,2 Prozent lagen unter der unteren Normgrenze, in der Vergleichsgruppe niemand. Mittlere Zeit seit dem Absetzen: zweieinhalb Jahre. Depressive Beschwerden, Erektionsstörungen und vermindertes Verlangen waren bei den ehemaligen Anwendern häufiger als in beiden anderen Gruppen. Einschränkung: Querschnitt, keine Ursachenaussage; Angaben zum früheren Gebrauch beruhen auf Selbstauskunft; rund 30 bis 37 Personen je Gruppe; Teilnehmer haben sich selbst gemeldet. Eine schon vorher bestehende Störung kann sich hinter einer ausbleibenden Erholung verbergen. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
13Dopingmittel-Mengen-Verordnung (DmMV) vom 10. März 2023, BGBl. 2023 I Nr. 67 vom 15. März 2023; erlassen als Artikel 2 der Fünften Verordnung zur Bestimmung von Dopingmitteln und zur Festlegung der nicht geringen Menge, Bundesrats-Drucksache 11/23. geprüft im Oktober 2026 Die Anlage legt für Testosteron zwei Werte fest, getrennt nach Darreichungsform: 1.500 Milligramm für Anwendung über die Haut oder über den Mund und 632 Milligramm für die übrigen Darreichungsformen. Nach Paragraf 1 beziehen sich die Mengen auf die freie Verbindung, nicht auf das Estergewicht. Zum Vergleich einige weitere Stoffe derselben Anlage: Metandienon, Oxandrolon und Stanozolol je 100 Milligramm, Nandrolon und Trenbolon je 150, Boldenon 1.000. Einschränkung: Die Begründung der Verordnung erklärt nicht, warum bei Testosteron nach Darreichungsform unterschieden wird. Die Zuordnung der beiden Werte – welcher für welche Darreichungsform gilt – habe ich an der Bundesrats-Drucksache und an einer zweiten, davon unabhängigen Wiedergabe des Verordnungstextes gegengeprüft.
14Wu FCW, Tajar A, Pye SR et al. (2008). Hypothalamic-pituitary-testicular axis disruptions in older men are differentially linked to age and modifiable risk factors: the European Male Aging Study. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 93(7):2737–2745. DOI 10.1210/jc.2007-1972 · PMID 18270261 3.200 Männer zwischen 40 und 79 Jahren aus acht europäischen Ländern. Starkes Übergewicht ging mit einem um 5,09 nmol/l niedrigeren Gesamttestosteron einher, leichtes Übergewicht mit 2,32 nmol/l weniger. Der reine Alterseffekt auf das freie Testosteron betrug 3,12 pmol/l pro Lebensjahr. Übergewicht und Alter wirkten über verschiedene Wege: Übergewicht über Steuerzentren im Gehirn, das Alter über den Hoden. Rauchen ging mit höherem Gesamttestosteron einher, bei gleichzeitig erhöhtem Bindungseiweiß. Einschränkung: Querschnitt – zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen. Geldgeber: Europäische Kommission, 5. Forschungsrahmenprogramm. Interessenkonflikte nicht hinterlegt, nicht geprüft; der Erstautor gibt in anderen Arbeiten Verbindungen zu Herstellern an.
15Camacho EM, Huhtaniemi IT, O'Neill TW et al. (2013). Age-associated changes in hypothalamic-pituitary-testicular function in middle-aged and older men are modified by weight change and lifestyle factors: longitudinal results from the European Male Ageing Study. European Journal of Endocrinology 168(3):445–455. DOI 10.1530/EJE-12-0890 · PMID 23425925 2.736 Männer, nach durchschnittlich 4,4 Jahren erneut untersucht, 2.395 mit Werten zu beiden Zeitpunkten. Gewichtsabnahme ging mit einem Anstieg, Gewichtszunahme mit einem Abfall des Testosterons einher. Beim freien Testosteron zeigte sich ein deutlicher Unterschied erst ab einer Gewichtsänderung von 15 Prozent. Mittlere jährliche Änderung des Gesamttestosterons: −0,1 nmol/l bei einer Streuung von 0,95 nmol/l. Änderungen der körperlichen Aktivität gingen nicht mit messbaren Änderungen der Hormonachse einher. Einschränkung: Beobachtungsstudie. Die körperliche Aktivität wurde per Fragebogen grob erfasst – dass sich kein Effekt zeigte, ist kein Beweis für Wirkungslosigkeit. Geldgeber: Europäische Kommission. Interessenkonflikte nicht geprüft.
16Davis SR, Baber R, Panay N et al. (2019). Global Consensus Position Statement on the Use of Testosterone Therapy for Women. Journal of Sexual Medicine 16(9):1331–1337. DOI 10.1016/j.jsxm.2019.07.012 · PMID 31488288 Gemeinsames Positionspapier von elf internationalen Fachgesellschaften. Einzige anerkannte Anwendung: nachlassendes sexuelles Verlangen mit Leidensdruck nach der Menopause. Ausdrücklich nicht belegt: Wirkung auf allgemeines Wohlbefinden, auf depressive Stimmung, auf Denkleistung, auf Knochendichte sowie – bei körpereigenen Dosen – auf Magermasse, Körperfett und Muskelkraft. Empfohlen werden nur Dosen, die körpereigene weibliche Spiegel nachbilden; ausdrücklich nicht empfohlen werden Präparate, die höhere Spiegel erzeugen, namentlich Implantate und Spritzen. Bei körpereigener Dosis traten vermehrt Akne und Haarwuchs auf; Haarausfall, Vergrößerung der Klitoris und Stimmveränderungen wurden nicht beobachtet. Einschränkung, von den Autoren selbst genannt: Sicherheitsdaten liegen für höchstens 24 Monate vor. Frauen mit Brustkrebs in der Vorgeschichte waren ausgeschlossen. Interessenkonflikte: Fast alle Autoren geben Honorare, Beratungsverträge oder Forschungsmittel von Herstellern an. Bemerkenswert ist, dass das Ergebnis trotzdem einschränkend ausfällt – eine einzige anerkannte Anwendung und eine ausdrückliche Warnung vor zu hohen Dosen.
17Harman SM, Metter EJ, Tobin JD, Pearson J, Blackman MR (2001). Longitudinal effects of aging on serum total and free testosterone levels in healthy men. Baltimore Longitudinal Study of Aging. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 86(2):724–731. DOI 10.1210/jcem.86.2.7219 · PMID 11158037 890 Männer, über Jahre wiederholt gemessen. Gesamttestosteron sank um 0,124 nmol/l pro Lebensjahr. Nach reinen Laborkriterien hatten rund 20 Prozent der über 60-Jährigen, 30 Prozent der über 70-Jährigen und 50 Prozent der über 80-Jährigen Werte im hypogonadalen Bereich. Einschränkung: nur weiße Männer; Antikörperverfahren statt Massenspektrometrie. Entscheidend: Diese Häufigkeiten beruhen allein auf dem Laborwert ohne Beschwerden – das ist etwas anderes als eine Diagnose. Geldgeber: Forschungsprogramm der US-Gesundheitsbehörde. Interessenkonflikte nicht hinterlegt, nicht geprüft.
18Nieschlag E, Vorona E (2015). Doping with anabolic androgenic steroids (AAS): Adverse effects on non-reproductive organs and functions. Reviews in Endocrine and Metabolic Disorders 16(3):199–211. DOI 10.1007/s11154-015-9320-5 · PMID 26373946 Übersichtsarbeit. Wörtlich heißt es, dass die chemisch am 17. Kohlenstoffatom veränderten Wirkstoffe lebertoxisch sind und zu Gallestau, blutgefüllten Hohlräumen im Lebergewebe sowie gutartigen und bösartigen Tumoren führen. Als besonders auffällige Nebenwirkungen nennt die Arbeit außerdem die Verdickung des Blutes mit nachfolgenden Gerinnseln. Dieselben Autoren bezeichnen in einer zweiten Übersichtsarbeit die Stimmvertiefung bei Frauen unter hohen Dosen ausdrücklich als nicht rückbildungsfähig – anders als Akne und Haarwuchs, die sich zurückbilden. Einschränkung: Übersichtsarbeit, keine eigene Erhebung. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass kontrollierte Studien zu diesen Nebenwirkungen fehlen, weil es nicht zulässig wäre, Freiwillige solchen Mengen auszusetzen – deshalb stammen die Befunde aus Fallserien und Querschnittsbeobachtungen. Bei Frauen lassen sich die Wirkungen des Trainings und der Substanzen zudem schwer trennen. Interessenkonflikte nicht geprüft.
19LiverTox: Clinical and Research Information on Drug-Induced Liver Injury. Kapitel Androgenic Steroids. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Bethesda. NCBI Bookshelf NBK548931, geprüft im Oktober 2026 Datenbank der US-Gesundheitsbehörde zu arzneimittelbedingten Leberschäden. Unter den chemisch veränderten oralen Wirkstoffen tritt ein Gallestau bei etwa einem Prozent auf, dosisabhängig, meist ein bis vier Monate nach Beginn. Lebertumoren treten typischerweise nach fünf bis fünfzehn Jahren auf. Für die am 17. Kohlenstoffatom veresterten Testosterone – also die injizierbaren – ist ein Gallestau nur selten beschrieben, und das Tumorrisiko liegt bei Langzeitgebrauch dem Eintrag zufolge deutlich niedriger. Einschränkung: Datenbankeintrag, der Primärliteratur zusammenfasst. Zum längsten Ester trifft der Eintrag keine Aussage. Die chemisch umgebauten oralen Wirkstoffe sind dort weiterhin mit Handelsnamen gelistet, sind also nach wie vor erhältlich.
20Windfeld-Mathiasen J, Heerfordt IM, Dalhoff KP et al. (2025). Cardiovascular Disease in Anabolic Androgenic Steroid Users. Circulation 151(12):828–834. DOI 10.1161/CIRCULATIONAHA.124.071117 · PMID 39945117 Dänische Registerauswertung: 1.189 Männer, die zwischen 2006 und 2018 in Fitnessstudios im Antidoping-Programm sanktioniert wurden, verglichen mit 59.450 Männern aus der Allgemeinbevölkerung, Nachbeobachtung im Mittel elf Jahre. Erhöhte Risiken: Herzmuskelerkrankung 8,90-fach, Herzschwäche 3,63-fach, Herzinfarkt 3,00-fach, Gefäßeingriffe 2,95-fach, Blutgerinnsel in den Venen 2,42-fach, Herzrhythmusstörungen 2,26-fach. Einschränkung: Die untersuchte Gruppe besteht aus positiv Getesteten und Sanktionierten – das ist eine ausgewählte Gruppe, die intensiver oder sorgloser angewendet haben könnte als der Durchschnitt. Schlaganfall und Herzstillstand waren wegen zu weniger Fälle nicht auswertbar; das gehört mitgenannt. Beobachtungsdaten, kein Ursachennachweis. Interessenkonflikte nicht geprüft.
21Snyder PJ, Bhasin S, Cunningham GR et al. (2016). Effects of Testosterone Treatment in Older Men. New England Journal of Medicine 374(7):611–624. DOI 10.1056/NEJMoa1506119 · PMID 26886521 · PMC5209754 Sieben abgestimmte Untersuchungen gegen Scheinpräparat an zwölf US-Zentren. 790 Männer ab 65 Jahren mit niedrigen Werten, ein Jahr lang Gel oder Scheingel. Für die Teilnahme wurden 51.085 Männer vorab geprüft. Sexualfunktion deutlich verbessert, mit nachlassender Wirkung bis Monat zwölf. Der vorab festgelegte Hauptendpunkt zur Gehstrecke wurde in der dafür vorgesehenen Gruppe verfehlt; über alle Teilnehmer zusammengelegt ergaben sich 6,69 Meter. Der Hauptendpunkt zur Vitalität wurde ebenfalls verfehlt. Einschränkung: nur Männer ab 65 mit niedrigen Werten; Ergebnisse nicht auf jüngere übertragbar. Die Autoren schreiben selbst, dass alle Effektstärken im Bereich Vitalität und Stimmung unter 0,20 lagen. Blutfarbstoffwerte über der oberen Grenze traten bei sieben Männern der Testosterongruppe auf, bei keinem unter Scheinpräparat. Geldgeber: US-Gesundheitsbehörde NIH und AbbVie. Die Veröffentlichung bezeichnet AbbVie ausdrücklich als einen der Geldgeber der Studie; das Unternehmen lieferte zusätzlich Gel und Scheingel und war laut Angabe der Autoren nicht an Planung, Durchführung und Auswertung beteiligt. Diese Studienreihe ist damit nicht rein öffentlich finanziert – das ist wichtig, weil sie auf dieser Seite der herstellerfinanzierten Sicherheitsstudie gegenübersteht. Interessenkonflikte der Einzelautoren nicht geprüft.
22Magnolini R, Falcato L, Cremonesi A, Schori D, Bruggmann P (2022). Fake anabolic androgenic steroids on the black market – a systematic review and meta-analysis on qualitative and quantitative analytical results found within the literature. BMC Public Health 22(1):1371. DOI 10.1186/s12889-022-13734-4 · PMID 35842594 · PMC9288681 Zusammenführung von 19 Untersuchungen mit 5.413 Proben aus neun Ländern, davon 74 Prozent von Polizei, Zoll oder Justiz beschlagnahmt. Im Mittel 36 Prozent gefälscht, also nicht der angegebene Wirkstoff, und 37 Prozent mit abweichender Konzentration. Von den Fälschungen enthielten 24 Prozent gar keinen Wirkstoff und 44 Prozent einen anderen. Bei öligen Injektionslösungen lag der Fälschungsanteil zwischen 43 und 65 Prozent, bei Tabletten zwischen 29 und 37. In einer der einbezogenen Arbeiten ließen sich Original und Fälschung mit bloßem Auge nicht unterscheiden. Dieselbe Arbeit führt an, dass im Kraftsport übliche Mengen das Zehn- bis Hundertfache der körpereigenen Menge erreichen und über 75 Prozent der Anwender keine Wettkampfsportler sind. Einschränkung: Die Streuung zwischen den Einzeluntersuchungen ist sehr hoch, und die Toleranzbereiche für „abweichende Konzentration“ waren uneinheitlich definiert – das macht besonders diese zweite Zahl schlecht vergleichbar. Überwiegend beschlagnahmte und damit vorsortierte Proben; nur zwei Weltregionen erfasst. Kein Hinweis auf eine Verzerrung durch selektive Veröffentlichung. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
23US-Arzneimittelbehörde FDA (2009). Sicherheitsmitteilung zur unbeabsichtigten Übertragung von Testosteron aus Gelpräparaten auf Kinder; Fachinformation AndroGel 1 % mit Warnhinweis höchster Stufe („Boxed Warning“) zur sekundären Exposition. geprüft im Oktober 2026 Bis Dezember 2008 waren acht Fälle bei Kindern zwischen neun Monaten und fünf Jahren gemeldet: vergrößerte Genitalien, vorzeitige Schambehaarung, vorangeschrittenes Knochenalter, gesteigertes sexuelles Verhalten. In den meisten Fällen bildeten sich die Veränderungen nach Ende des Kontakts zurück; in einigen blieben die Genitalien vergrößert und das Knochenalter leicht erhöht, und mindestens ein Kind musste operiert werden. Die Behörde verfügte daraufhin einen Warnhinweis höchster Stufe und ein Begleitprogramm mit Patienteninformation. Einschränkung: Die Fallzahl acht stammt aus der Berichterstattung über die Behördenmitteilung von 2009; die heutige Fachinformation trägt den Warnhinweis, nennt aber selbst keine Zahl. Meldesysteme erfassen nur einen Teil der tatsächlichen Fälle – die wahre Zahl liegt höher.
24Gordon GG, Olivo J, Rafil F, Southren AL (1975). Conversion of androgens to estrogens in cirrhosis of the liver. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 40(6):1018–1026. DOI 10.1210/jcem-40-6-1018 · PMID 1133151 Untersuchung bei Leberzirrhose mit gesunder Vergleichsgruppe. Die Kurzfassung nennt zwei Sätze nacheinander: Der Beitrag der Vorstufe Androstendion zum Testosteron im Blut sei bei Zirrhose siebenfach erhöht – und 15 Prozent des Testosterons im Blut stammten nicht aus der Ausschüttung, sondern aus der Umwandlung im Gewebe. Einschränkung, und sie ist der Grund, warum auf der Seite keine Prozentzahl steht: Nach der Satzfolge der Kurzfassung beziehen sich die 15 Prozent auf die Erkrankten, nicht auf die gesunde Vergleichsgruppe – bei siebenfacher Erhöhung läge der Wert Gesunder bei einem Bruchteil davon. Der Volltext war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar, deshalb konnte ich die Zuordnung nicht endgültig klären. Diese Zahl wird in Sekundärquellen regelmäßig als Normalwert weitergegeben. Teilnehmerzahl in der Kurzfassung nicht beziffert. Geldgeber: US-Gesundheitsdienst. Interessenkonflikte nicht hinterlegt.
25Southren AL, Tochimoto S, Carmody NC, Isurugi K (1965). Plasma production rates of testosterone in normal adult men and women and in patients with the syndrome of feminizing testes. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 25(11):1441–1450. DOI 10.1210/jcem-25-11-1441 · PMID 5843701 Eine der beiden Arbeiten, aus denen die bis heute zitierten Produktionsraten stammen. Gemessen wurde mit radioaktiv markiertem Testosteron an vier Männern und drei Frauen. Einschränkung, und sie ist der Grund, warum auf der Seite keine Einzelwerte stehen: Weder Volltext noch Kurzfassung waren bei der Prüfung im Oktober 2026 zugänglich – die Studiendatenbank führt zu dieser Arbeit keine Kurzfassung. Belegt ist damit, dass die Arbeit existiert, ihr Titel und die Größenordnung der Teilnehmerzahl; die Zahlenwerte selbst habe ich nicht gelesen und gebe sie deshalb nicht wieder. Geldgeber und Interessenkonflikte sind in PubMed für Arbeiten aus dieser Zeit nicht hinterlegt – nicht geprüft.
26Wilson H, Lipsett MB (1966). Metabolism of epitestosterone in man. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 26(8):902–914. DOI 10.1210/jcem-26-8-902 · PMID 4288387 Die zweite der beiden Altarbeiten. Vier normale Männer; die Testosteron-Produktionsrate ist dort ein Nebenbefund einer Untersuchung zu einer verwandten Substanz. Einschränkung wie bei der Arbeit von 1965: Auch hier führt die Studiendatenbank keine Kurzfassung, und der Volltext war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar. Die Seite gibt deshalb keinen Zahlenwert aus dieser Arbeit wieder. Keine Werte für Frauen. Geldgeber und Interessenkonflikte für Arbeiten aus dieser Zeit in PubMed nicht hinterlegt – nicht geprüft.
27Bergendahl M, Aloi JA, Iranmanesh A, Mulligan TM, Veldhuis JD (1998). Fasting suppresses pulsatile luteinizing hormone secretion and enhances orderliness of LH release in young but not older men. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 83(6):1967–1975. DOI 10.1210/jcem.83.6.4856 · PMID 9626127 8 junge und 8 ältere gesunde Männer, Blutentnahme alle 10 Minuten über 27 Stunden. Bei den jungen Männern 15 Ausschüttungsstöße des Steuerhormons je 24 Stunden, im Mittel alle 94 Minuten einer. Unter mehrtägigem Fasten sank die Zahl auf 11 und die Tagesmenge auf weniger als die Hälfte; bei den älteren Männern waren die Werte von vornherein niedriger und änderten sich durch Fasten nicht. Einschränkung: 16 Untersuchte insgesamt. Geldgeber: Stellen außerhalb der US-Regierung sowie US-Regierungsstellen. Interessenkonflikte nicht hinterlegt.
28Matsumoto AM (1990). Effects of chronic testosterone administration in normal men: safety and efficacy of high dosage testosterone and parallel dose-dependent suppression of luteinizing hormone, follicle-stimulating hormone, and sperm production. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 70(1):282–287. DOI 10.1210/jcem-70-1-282 · PMID 2104626 51 normale Männer, zufällig verteilt auf Scheinbehandlung oder 25, 50, 100 oder 300 mg Testosteronenantat wöchentlich über sechs Monate. Beide Steuerhormone der Hirnanhangdrüse wurden gleich empfindlich und dosisabhängig unterdrückt, die Spermienbildung ging parallel zurück. Auch 300 mg wöchentlich – weit über der körpereigenen Menge – führte nicht zuverlässig zu fehlenden Spermien und wirkte nicht stärker als 100 mg. Beobachtete Nebenwirkungen: Akne am Rumpf, Gewichtszunahme, Anstieg des Anteils roter Blutkörperchen. Einschränkung: rund zehn Männer je Gruppe, sechs Monate Dauer, Antikörperverfahren. Geldgeber: US-Regierungsstellen. Interessenkonflikte nicht hinterlegt – nicht geprüft.
29Davison SL, Bell R, Donath S, Montalto JG, Davis SR (2005). Androgen levels in adult females: changes with age, menopause, and oophorectomy. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 90(7):3847–3853. DOI 10.1210/jc.2005-0212 · PMID 15827095 1.423 Frauen zwischen 18 und 75 Jahren, zufällig über das Wählerverzeichnis angesprochen; engere Vergleichsgruppe 595 Frauen. Die Androgenwerte fielen steil mit dem Alter, und zwar stärker in den früheren Lebensjahrzehnten. Bei den 45- bis 54-Jährigen machte es keinen eigenen Unterschied, ob die Menopause eingetreten war. Einschränkung: Querschnitt. Die Werte je Lebensjahrzehnt stehen nur im Volltext, der bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar war – belegt ist die Richtung, nicht eine Prozentzahl je Jahrzehnt. Geldgeber und Interessenkonflikte in PubMed nicht hinterlegt.
30Rosner W, Auchus RJ, Azziz R, Sluss PM, Raff H (2007). Position statement: utility, limitations, and pitfalls in measuring testosterone: an Endocrine Society position statement. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 92(2):405–413. DOI 10.1210/jc.2006-1864 · PMID 17090633 Positionspapier der endokrinologischen Fachgesellschaft zur Messgenauigkeit. Kernforderung: Vergleichsversuche zwischen Laboren müssen daran gemessen werden, ob Proben mit bekanntem Gehalt richtig gemessen werden – nicht daran, ob mehrere Labore mit demselben Verfahren zum selben Ergebnis kommen. Erst danach seien Normwerte für beide Geschlechter und für Kinder festzulegen. Einschränkung: Expertenmeinung eines fünfköpfigen Gremiums, keine systematische Übersicht. Interessenkonflikte nicht geprüft.
31Tajar A, Forti G, O'Neill TW et al. (2010). Characteristics of secondary, primary, and compensated hypogonadism in aging men: evidence from the European Male Ageing Study. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 95(4):1810–1818. DOI 10.1210/jc.2009-1796 · PMID 20173018 3.369 Männer zwischen 40 und 79 Jahren. Niedriges Testosteron bei normalem oder niedrigem Steuerhormon (also mit Ursache im Gehirn) fand sich bei 11,8 Prozent, niedriges Testosteron bei erhöhtem Steuerhormon (Ursache im Hoden) bei 2,0 Prozent. Für die Form mit Ursache im Gehirn war starkes Übergewicht der stärkste Risikofaktor (relatives Risikoverhältnis 8,74), für die Form mit Ursache im Hoden das Alter (3,04). Einschränkung: Querschnitt. Geldgeber: Europäische Kommission. Interessenkonflikte nicht geprüft.
32Travison TG, Araujo AB, O'Donnell AB, Kupelian V, McKinlay JB (2007). A population-level decline in serum testosterone levels in American men. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 92(1):196–202. DOI 10.1210/jc.2006-1375 · PMID 17062768 2.769 Messungen an 1.532 Männern zwischen 45 und 79 Jahren in drei Erhebungswellen zwischen 1987 und 2004. Die Werte sanken über die Kalenderjahre hinweg unabhängig vom Alter der Untersuchten, und stärker, als es der Altersabfall erklärt. Rauchen, Übergewicht und andere erfasste Lebensstilfaktoren erklärten den Rückgang nicht. Einschränkung: eine Region, Antikörperverfahren; die Ursache bleibt ausdrücklich ungeklärt. Geldgeber: US-Gesundheitsbehörde NIH. Interessenkonflikte nicht hinterlegt.
33European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Kapitel zum männlichen Hypogonadismus. uroweb.org, geprüft im Oktober 2026 Leitlinie der europäischen urologischen Fachgesellschaft. Nennt im Unterschied zur US-amerikanischen Leitlinie einen festen Grenzwert von 12 Nanomol pro Liter, Messung morgens zwischen 7 und 10 Uhr nüchtern, bei auffälligem Wert Wiederholung an mindestens zwei getrennten Tagen. Zu den Darreichungsformen: Gele und das Langzeitdepot haben das günstigste Sicherheitsprofil; kurzwirksame Spritzen schwanken stärker und gehen häufiger mit einer Verdickung des Blutes einher. Bei Kinderwunsch ist eine Testosterontherapie kontraindiziert. Einschränkung: Leitlinie, keine eigenen Messdaten. Abgerufen über die Internetseite der Fachgesellschaft; die zugehörige Zeitschriftenveröffentlichung habe ich nicht gegengeprüft. Interessenkonflikte nicht geprüft.
34Fachinformation Testogel 50 mg Gel. Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, britische Arzneimittelbehörde MHRA, Produkt 6808. abgerufen über electronic Medicines Compendium, geprüft im Oktober 2026 Durch die Haut werden 9 bis 14 Prozent der aufgetragenen Menge aufgenommen. Gleichbleibende Spiegel etwa ab dem zweiten Behandlungstag; nach der letzten Anwendung Rückkehr zum Ausgangswert binnen 72 bis 96 Stunden. Die Fachinformation beschreibt die Übertragung auf andere Personen durch Hautkontakt und verlangt, die Auftragsstelle abzudecken und vor Hautkontakt mit Wasser und Seife zu waschen; Schwangere müssen jeden Kontakt meiden. Einschränkung: Fachinformation, keine Studie mit nachvollziehbarer Teilnehmerzahl.
35Fachinformation Androderm transdermales Pflaster. Produktinformation, australische Fassung. geprüft im Oktober 2026 Hautreaktionen unter dem Pflaster: brandähnliche Blasenreaktion bei 12 Prozent, allergische Hautentzündung bei 4 Prozent, Abbruch wegen anhaltender Hautreizung bei 5 Prozent. Einschränkung, und sie ist wesentlich: Das Dokument nennt die Prozentsätze, aber nicht die Zahl der Behandelten, auf die sie sich beziehen – die Werte lassen sich daher nicht gegen eine Teilnehmerzahl prüfen. Warum das Pflaster heute kaum noch verordnet wird, kann ich nicht belegen – naheliegend sind diese Hautreaktionen, ein Nachweis dafür liegt mir nicht vor. Belegt ist nur, dass die europäische urologische Leitlinie Gele und Langzeitdepot als Formen mit dem günstigsten Sicherheitsprofil führt, das Pflaster aber nicht.
36Schnabel PG, Bagchus W, Lass H, Thomsen T, Geurts TBP (2007). The effect of food composition on serum testosterone levels after oral administration of Andriol Testocaps. Clinical Endocrinology 66(4):579–585. DOI 10.1111/j.1365-2265.2007.02781.x · PMID 17371478 24 Teilnehmerinnen nach den Wechseljahren, Vergleich von vier Mahlzeiten mit steigendem Fettgehalt bei gleicher Kapseldosis. Die aufgenommene Gesamtmenge lag bei der fetthaltigsten Mahlzeit rund fünfmal höher als bei der fettärmsten. Einschränkung: Untersucht wurden Frauen, nicht Männer mit Hormonmangel – die Übertragung ist eingeschränkt. Die in der Datenbank hinterlegte Zugehörigkeit weist auf den Hersteller des untersuchten Präparats; es handelt sich um eine Herstellerstudie. Ob das für alle Autoren gilt, konnte ich aus dieser Quelle nicht prüfen. Geldgeber nicht gesondert ausgewiesen.
37Ramasamy R, Masterson TA, Best JC et al. (2020). Effect of Natesto on Reproductive Hormones, Semen Parameters and Hypogonadal Symptoms. Journal of Urology 204(3):557–563. DOI 10.1097/JU.0000000000001078 · PMID 32294396 60 Männer begonnen, 33 nach sechs Monaten auswertbar, Nasengel dreimal täglich. Die Gesamtzahl beweglicher Spermien blieb bei 93,9 Prozent der Auswertbaren oberhalb der gesetzten Schwelle; die Steuerhormone lagen bei der Mehrheit im Normbereich. Einschränkung, und sie ist erheblich: eine einzige Einrichtung, keine Vergleichsgruppe, keine Verblindung, starker Teilnehmerschwund von 60 auf 33, nur sechs Monate. Die Autoren schreiben selbst, dass Langzeitdaten nötig sind, bevor das Präparat bei Kinderwunsch verschrieben werden kann. Geldgeber: Stellen außerhalb der US-Regierung. Interessenkonflikte nicht geprüft.
38Pastuszak AW, Hu Y, Freid JD (2020). Occurrence of Pulmonary Oil Microembolism After Testosterone Undecanoate Injection: A Postmarketing Safety Analysis. Sexual Medicine 8(2):237–242. DOI 10.1016/j.esxm.2020.01.009 · PMID 32184081 Auswertung von Meldungen nach der Zulassung: 90.092 ausgelieferte Dosen über 4,3 Jahre, 28 bestätigte Fälle von Öltropfen in der Lungenstrombahn, also unter 0,1 Prozent. 21 von 22 Ereignissen bildeten sich zurück, 13 von 17 binnen 30 Minuten. In drei von vier Fällen, die in eine Notaufnahme führten, spielte eine fehlerhafte Injektionstechnik mit. Einschränkung: Meldesystem auf freiwilliger Basis – eine Untererfassung ist dabei die Regel, die wahre Häufigkeit liegt also höher. Interessenkonflikt: Zwei der drei Autoren waren beim Hersteller des untersuchten Präparats angestellt. Dass der Befund „selten“ zugunsten des eigenen Produkts ausfällt, gehört dazugesagt.
39Snyder PJ, Kopperdahl DL, Stephens-Shields AJ et al. (2017). Effect of Testosterone Treatment on Volumetric Bone Density and Strength in Older Men With Low Testosterone. JAMA Internal Medicine 177(4):471–479. DOI 10.1001/jamainternmed.2016.9539 · PMID 28241231 · PMC5433755 211 Männer, Computertomografie der Wirbelsäule und Hüfte über zwölf Monate. Die Dichte des schwammartigen Knochens an der Wirbelsäule stieg um 7,5 Prozent gegenüber 0,8 unter Scheinpräparat, die errechnete Festigkeit um 10,8 gegenüber 2,4. Einschränkung: Ersatzmaß. Die Autoren schreiben ausdrücklich, dass eine größere und längere Studie nötig wäre, um zu klären, ob dadurch weniger Knochen brechen. Teil derselben Untersuchungsreihe wie die Hauptveröffentlichung von Snyder und Kollegen 2016, mit demselben Geldgeber.
40Roy CN, Snyder PJ, Stephens-Shields AJ et al. (2017). Association of Testosterone Levels With Anemia in Older Men. JAMA Internal Medicine 177(4):480–490. DOI 10.1001/jamainternmed.2016.9540 · PMID 28241237 · PMC5433757 Von 788 Teilnehmern waren 126 blutarm, davon 62 ohne erkennbare Ursache. Bei diesen stieg der Blutfarbstoff bei 54 Prozent deutlich an, unter Scheinpräparat bei 15 Prozent. Einschränkung, und sie entwertet die Größe des Effekts: Das Vertrauensintervall des Risikoverhältnisses reicht von 3,7 bis 277,8 – die Untergruppe ist dafür zu klein. Gegenbefund in derselben Arbeit: Bei sechs Männern, die vorher nicht blutarm waren, stieg der Blutfarbstoff über den oberen Grenzwert. Die Autoren schreiben, dass der gesundheitliche Nutzen insgesamt noch offen ist.
41Resnick SM, Matsumoto AM, Stephens-Shields AJ et al. (2017). Testosterone Treatment and Cognitive Function in Older Men With Low Testosterone and Age-Associated Memory Impairment. JAMA 317(7):717–727. DOI 10.1001/jama.2016.21044 · PMID 28241356 · PMC5433758 493 Männer mit altersbedingter Gedächtnisminderung, mittleres Alter 72 Jahre, zwölf Monate. Keine Änderung beim verzögerten Erinnern, beim bildhaften Gedächtnis, bei der Planungsfähigkeit oder beim räumlichen Denken. Einschränkung: zwölf Monate; längere Zeiträume wurden nicht untersucht. Teil derselben Untersuchungsreihe wie die Hauptveröffentlichung von Snyder und Kollegen 2016, mit demselben Geldgeber.
42Lincoff AM, Bhasin S, Flevaris P et al. (2023). Cardiovascular Safety of Testosterone-Replacement Therapy. New England Journal of Medicine 389(2):107–117. DOI 10.1056/NEJMoa2215025 · PMID 37326322 5.246 Männer zwischen 45 und 80 Jahren mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung oder hohem Risiko, zufällig zugeteilt, doppelt verblindet, Gel gegen Scheingel, mittlere Beobachtung 33 Monate. Beim Hauptendpunkt aus Herztod, Herzinfarkt und Schlaganfall: 7,0 gegenüber 7,3 Prozent; Testosteron war dem Scheinpräparat nicht unterlegen. Häufiger in der Testosterongruppe: Vorhofflimmern, Lungenembolie und akutes Nierenversagen. Einschränkung: Die Studie war darauf angelegt zu zeigen, dass Testosteron nicht schlechter ist – das ist kein Nachweis von Gleichwertigkeit und schließt kleinere Risiken nicht aus. Gilt nur für Gel, nicht für Spritzen. Interessenkonflikt von erheblicher Tragweite: Geldgeber war ein Konsortium von Herstellern von Testosteronpräparaten, und mehrere Mitautoren sind dort angestellt. Die Studie, die die Sicherheit belegen sollte, wurde von denen bezahlt, die das Mittel verkaufen. Dass diese drei Ereignisse häufiger auftraten, steht in der Kurzfassung der Arbeit. Die genauen Häufigkeiten dazu konnte ich nicht prüfen – der Volltext war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar. Deshalb nennt die Seite dazu keine Zahlen.
43Budoff MJ, Ellenberg SS, Lewis CE et al. (2017). Testosterone Treatment and Coronary Artery Plaque Volume in Older Men With Low Testosterone. JAMA 317(7):708–716. DOI 10.1001/jama.2016.21043 · PMID 28241355 · PMC5465430 170 Männer eingeschlossen, 138 auswertbar, Computertomografie der Herzkranzgefäße über zwölf Monate. Das Volumen der nicht verkalkten Ablagerungen stieg unter Testosteron deutlich stärker als unter Scheinpräparat; der Unterschied betrug 41 Kubikmillimeter. Der Verkalkungswert unterschied sich nicht. Einschränkung: 138 Auswertbare, zwölf Monate; schwere Herzereignisse traten in keiner Gruppe auf. Die Gruppen unterschieden sich schon zu Beginn erheblich im Ausgangsvolumen – bei dieser Teilnehmerzahl ist das ein ernsthaftes Problem. Die Autoren schreiben selbst, dass größere Studien nötig sind, um die Bedeutung einzuordnen. Geldgeber: US-Gesundheitsbehörde NIH, dazu AbbVie als Mitfinanzier der Studienreihe, zu der diese Arbeit gehört. Dass dieser Befund und die Sicherheitsstudie in verschiedene Richtungen weisen, lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht auflösen.
44Islam RM, Bell RJ, Green S, Page MJ, Davis SR (2019). Safety and efficacy of testosterone for women: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trial data. Lancet Diabetes & Endocrinology 7(10):754–766. DOI 10.1016/S2213-8587(19)30189-5 · PMID 31353194 Zusammenführung von 36 verblindeten Studien mit 8.480 Teilnehmerinnen. Zusätzlich wurden Zulassungsunterlagen der europäischen und US-amerikanischen Behörde durchsucht, um unveröffentlichte Daten zu erfassen. Bei Frauen nach der Menopause stieg die Zahl befriedigender sexueller Erlebnisse im Mittel um 0,85 je Messzeitraum. Bei Einnahme über den Mund stiegen die ungünstigen Blutfettwerte, bei Anwendung über die Haut nicht – deshalb empfehlen die Autoren die nicht-orale Form. Häufiger traten Akne und Haarwuchs auf. Einschränkung: Zu Körperzusammensetzung, Muskulatur und Denkleistung steuerten nur wenige Frauen Daten bei. Die genauen Risikoverhältnisse für Akne und Haarwuchs stehen nur im Volltext, der bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar war – belegt ist die Richtung, nicht die Größe. Geldgeber: australischer öffentlicher Forschungsrat. Die Letztautorin ist zugleich Erstautorin des Positionspapiers oben und teilt dessen Interessenkonflikte.
45Europäische Arzneimittelagentur (2012). Public statement on Intrinsa (testosterone): Withdrawal of the marketing authorisation in the European Union. EMA/360944/2012. geprüft im Oktober 2026 Das einzige in der EU je für Frauen zugelassene Testosteronpräparat war seit 2006 für nachlassendes sexuelles Verlangen nach operativ ausgelöster Menopause zugelassen. Der Zulassungsinhaber zeigte die Rücknahme im März 2012 an, die Europäische Kommission beschloss sie im Mai 2012. Die Behörde nennt als Grund ausdrücklich wirtschaftliche Erwägungen, nicht Sicherheitsbedenken. Einschränkung: Behördendokument, keine Studie. Seither gibt es in Deutschland kein zugelassenes Testosteronpräparat für Frauen.
46Solheim SA, Levernæs MCS, Mørkeberg J et al. (2022). Stability and detectability of testosterone esters in dried blood spots after intramuscular injections. Drug Testing and Analysis 14(11–12):1926–1937. DOI 10.1002/dta.3030 · PMID 33733610 9 Männer erhielten zwei Injektionen eines Vierfach-Estergemisches, 10 ein Scheinpräparat; Nachweis in getrockneten Blutstropfen. Bei allen Teilnehmern waren die Ester mindestens fünf Tage nachweisbar, bei drei der vier Ester bis zu 14 Tage. In gefrorenen Proben bleiben die Ester über 18 Monate stabil. Im flüssigen Blut werden sie von Enzymen rasch gespalten – deshalb gelingt der Nachweis dort nur begrenzte Zeit. Einschränkung: kleine Zahl von Untersuchten. Welche drei der vier Ester die 14 Tage erreichten, nennt die Kurzfassung nicht. Träger sind Antidoping-Organisationen, die ein Interesse an nachweisstarken Verfahren haben. Geldgeber im Einzelnen nicht geprüft.
47Minto CF, Howe C, Wishart S, Conway AJ, Handelsman DJ (1997). Pharmacokinetics and pharmacodynamics of nandrolone esters in oil vehicle: effects of ester, injection site and injection volume. Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics 281(1):93–102. PMID 9103484 · DOI bei PubMed nicht hinterlegt 23 gesunde Männer, zufällige Zuteilung, je 100 mg eines Nandrolonesters in Erdnussöl. Der kurzkettige Ester flutete höher und früher an als der langkettige. Dieselbe Menge in 1 Milliliter ergab eine höhere Verfügbarkeit und höhere Spitzenwerte als in 4 Millilitern. Spritzen in den Gesäßmuskel ergab höhere Werte als in den Schultermuskel. Einschränkung, und sie ist wesentlich: Untersucht wurde Nandrolon, nicht Testosteron. Die Übertragung auf Testosteronester ist eine Schlussfolgerung aus der Ähnlichkeit der Moleküle, keine Messung. Fünf bis sieben Männer je Gruppe, Einzelgabe. Geldgeber: Stellen außerhalb der US-Regierung. Interessenkonflikte nicht geprüft.
48Behre HM, Abshagen K, Oettel M, Hübler D, Nieschlag E (1999). Intramuscular injection of testosterone undecanoate for the treatment of male hypogonadism: phase I studies. European Journal of Endocrinology 140(5):414–419. DOI 10.1530/eje.0.1400414 · PMID 10229906 Zwei offene Studien mit 7 beziehungsweise 14 Männern, je 1000 mg Testosteronundecanoat in den Muskel. Dasselbe Molekül hatte eine Halbwertszeit von 20,9 Tagen in Teesamenöl und 33,9 Tagen in Rizinusöl. Einschränkung: sehr kleine Zahl von Untersuchten, keine Vergleichsgruppe, keine zufällige Zuteilung. Öl, Konzentration und Spritzenvolumen unterschieden sich gleichzeitig – welcher Faktor wirkte, lässt sich nicht trennen. Interessenkonflikt: Zwei der fünf Autoren waren beim Hersteller angestellt. Geldgeber nicht geprüft.
49Fachinformation Sustanon 250 Injektionslösung. Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, britische Arzneimittelbehörde MHRA, Produkt 5373; gleichlautend das Datenblatt der neuseeländischen Behörde Medsafe. geprüft im Oktober 2026 Je Milliliter 30 mg Testosteronpropionat, 60 mg Testosteronphenylpropionat, 60 mg Testosteronisocaproat und 100 mg Testosterondecanoat, zusammen 250 mg Ester entsprechend 176 mg Testosteron. Wirkstoffträger Erdnussöl mit 100 mg Benzylalkohol je Milliliter. Zum Verlauf im Blut nennt die Fachinformation: Höchstwert von rund 70 nmol/l nach 24 bis 48 Stunden, Rückkehr an die untere Normgrenze nach etwa 21 Tagen. Für keinen der vier Ester nennt sie eine Halbwertszeit. Einschränkung: Zum Verlauf im Blut beim Menschen gibt es zu diesem Präparat keine veröffentlichte Untersuchung – eine Suche in PubMed nach dem Präparatenamen im Titel ergab keine einzige Arbeit zur Aufnahme und Verteilung beim Menschen. Zwei Zulassungsbehörden nennen dieselbe Zusammensetzung, das ist gesichert; der gleichmäßige Spiegel, mit dem die Mischung begründet wird, ist es nicht.
50Behre HM, Baus S, Kliesch S, Keck C, Simoni M, Nieschlag E (1995). Potential of testosterone buciclate for male contraception: endocrine differences between responders and nonresponders. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 80(8):2394–2403. DOI 10.1210/jcem.80.8.7543113 · PMID 7543113 Untersuchung zu einem anderen Ester; die Halbwertszeit von 4,5 Tagen für Testosteronenantat wird darin als etablierter Vergleichswert geführt. Einschränkung, und sie ist wichtig: Für Enantat ist das eine Angabe innerhalb einer Arbeit zu einem anderen Stoff, nicht deren eigenes Messergebnis – die Originalmessung liegt weiter zurück. Dass eine Fachinformation denselben Wert führt, macht 4,5 Tage dennoch zum bestbelegten Einzelwert der Estertabelle. Geldgeber: Stellen außerhalb der US-Regierung. Interessenkonflikte nicht geprüft.
51Fachinformation Depo-Testosterone (Testosteroncypionat-Injektion), Hospira. US-Arzneimittelbehörde FDA, über DailyMed. geprüft im Oktober 2026 Halbwertszeit nach Gabe in den Muskel etwa acht Tage. Wirkstoffträger Baumwollsaatöl mit Benzylbenzoat und Benzylalkohol. Einschränkung: Das Dokument nennt keine zugrundeliegende Studie, keine Teilnehmerzahl und keine Streuung. Der Wert ist behördlich geprüft, aber nicht nachvollziehbar. Eine direkte Vergleichsarbeit zu Enantat gegen Cypionat von 1980 existiert, hat in PubMed aber keine Kurzfassung – ihre Messwerte konnte ich nicht einsehen.
52Mackey MA, Conway AJ, Handelsman DJ (1995). Tolerability of intramuscular injections of testosterone ester in oil vehicle. Human Reproduction 10(4):862–865. DOI 10.1093/oxfordjournals.humrep.a136051 · PMID 7650133 26 Männer, 551 wöchentliche Injektionen über acht Monate, erfasst von derselben Pflegekraft mit einheitlichem Fragebogen. 70,6 Prozent der Injektionen verliefen ohne Beschwerden, 29,4 Prozent mit leichten örtlichen Beschwerden, überwiegend Schmerz und Blutung. Keine schweren örtlichen Nebenwirkungen. Bei acht Injektionen, also 1,5 Prozent, trat plötzlicher Reizhusten mit Schwächegefühl auf – von den Autoren als möglicher Öltropfen in der Lungenstrombahn gedeutet. Einschränkung: nur Testosteronenantat in Rizinusöl, kein Vergleich zwischen Estern, keine Vergleichsgruppe, keine Schmerzskala, eine einzige Einrichtung. Geldgeber: Stellen außerhalb der US-Regierung. Interessenkonflikte nicht geprüft.
53Langer T, Nicoli R, Schweizer-Grundisch C, Grabherr S, Kuuranne T, Musenga A (2024). Comparison of analytical approaches for the detection of oral testosterone undecanoate administration in men. Drug Testing and Analysis 16(10):1155–1166. DOI 10.1002/dta.3638 · PMID 38205661 Vergleich der Nachweiswege nach Einnahme über den Mund. Die Messung des Kohlenstoff-Isotopenverhältnisses, mit der sich pflanzlich hergestelltes Testosteron von körpereigenem unterscheiden lässt, lieferte etwas längere Nachweisfenster als der direkte Nachweis des Esters, war aber deutlich aufwendiger. Einschränkung: Gabe über den Mund, nicht als Spritze; die Teilnehmerzahl nennt die Kurzfassung nicht. Durchgeführt in einem Dopingkontrolllabor. Geldgeber nicht geprüft.
54Solheim SA, Mørkeberg J, Dehnes Y et al. (2020). Changes in blood parameters after intramuscular testosterone ester injections – Implications for anti-doping. Drug Testing and Analysis 12(8):1019–1030. DOI 10.1002/dta.2803 · PMID 32307878 19 Männer mit normaler Hormonlage, zufällig zugeteilt, doppelt verblindet: 250 mg eines Vierfach-Estergemisches oder Scheinpräparat an Tag 0 und 21. Das Hormonprofil schlug bei allen Behandelten an, das Blutbildprofil nur bei 6 von 9. Der beste Einzelmarker im Blutbild war der Anteil junger roter Blutkörperchen. Einschränkung: 9 Behandelte, Gesunde statt Wettkampfsportler, kurzer Beobachtungszeitraum. Von den Untersuchungen zu diesem Estergemisch ist dies die einzige mit zufälliger Zuteilung, Verblindung und Scheinpräparat. Träger sind Antidoping-Organisationen. Geldgeber im Einzelnen nicht geprüft.
55Pope HG, Kouri EM, Hudson JI (2000). Effects of supraphysiologic doses of testosterone on mood and aggression in normal men: a randomized controlled trial. Archives of General Psychiatry 57(2):133–140. DOI 10.1001/archpsyc.57.2.133 · PMID 10665615 56 Männer zwischen 20 und 50 Jahren, zufällig zugeteilt, gegen Scheinpräparat, im Wechselverfahren: sechs Wochen ansteigend bis 600 mg wöchentlich, sechs Wochen Scheinpräparat, dazwischen sechs Wochen Pause. Gemessen wurde mit mehreren Verfahren, zusätzlich beurteilte wöchentlich eine nahestehende Person. Gesicherte Anstiege bei Manie-Werten und bei der gemessenen Aggression. Von 50 Teilnehmern unter der höchsten Dosis zeigten 42 praktisch keine Veränderung, sechs eine leichte und zwei eine deutliche. Die acht Betroffenen unterschieden sich vorher in keinem erfassten Merkmal von den übrigen. Einschränkung: 56 Männer; die Mittelwerte verdecken die Verteilung, auf die es ankommt. Dass eine zweite zufällig zugeteilte Untersuchung mit derselben Dosis gar keine Veränderung fand, lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht auflösen. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
56Pope HG, Wood RI, Rogol A, Nyberg F, Bowers L, Bhasin S (2014). Adverse health consequences of performance-enhancing drugs: an Endocrine Society scientific statement. Endocrine Reviews 35(3):341–375. DOI 10.1210/er.2013-1058 · PMID 24423981 Wissenschaftliche Stellungnahme der endokrinologischen Fachgesellschaft. Kernaussage für diese Seite, sinngemäß: Weil zufällig zugeteilte Studien die hohen Mengen und die vielen Begleitumstände des tatsächlichen Gebrauchs aus ethischen Gründen nicht nachstellen können, ist man für belastbare Aussagen zu den Gesundheitsrisiken auf Beobachtungsstudien angewiesen. Einschränkung: Stellungnahme, keine eigenen Messdaten. Der Volltext war bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht abrufbar; verwendet wurden nur Aussagen aus der Kurzfassung. Interessenkonflikte nicht geprüft.
57Baggish AL, Weiner RB, Kanayama G et al. (2017). Cardiovascular Toxicity of Illicit Anabolic-Androgenic Steroid Use. Circulation 135(21):1991–2002. DOI 10.1161/CIRCULATIONAHA.116.026945 · PMID 28533317 140 erfahrene männliche Kraftsportler zwischen 34 und 54 Jahren: 86 mit mindestens zwei Jahren Anwendung, 54 ohne. Herzultraschall und Computertomografie der Herzkranzgefäße. Auswurfleistung der linken Herzkammer 52 Prozent bei den Anwendern gegenüber 63 Prozent bei den Nichtanwendern; auch die Entspannungsfähigkeit war schlechter. Das Volumen der Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen war höher und nahm mit der Anwendungsdauer zu. Wer zum Untersuchungszeitpunkt pausierte, lag bei der Auswurfleistung zwischen den beiden Gruppen. Einschränkung: Querschnitt – zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Die Teilnehmer haben sich selbst für ihre Gruppe entschieden und können sich auch in Training, Ernährung und weiteren Substanzen unterscheiden. Die Autoren formulieren selbst vorsichtig. Interessenkonflikte in den Metadaten nicht enthalten – nicht geprüft.
58Horwitz H, Andersen JT, Dalhoff KP (2019). Health consequences of androgenic anabolic steroid use. Journal of Internal Medicine 285(3):333–340. DOI 10.1111/joim.12850 · PMID 30460728 545 Männer mit positivem Test in dänischen Fitnessstudios, verglichen mit 5.450 zugeordneten Vergleichspersonen; zusätzlich eine zweite Gruppe von 644 Männern, die den Test verweigerten. Die Sterblichkeit war dreifach erhöht, die jährlichen Krankenhauskontakte mehr als doppelt so häufig. Akne, Brustdrüsenvergrößerung und Erektionsstörungen betrafen jeweils über zehn Prozent der Anwender. Einschränkung: Der Bereich, in dem der wahre Wert mit 95-prozentiger Sicherheit liegt, reicht von 1,3 bis 7,0 – die Verdreifachung ist gesichert, aber unscharf geschätzt. Rückblickende Auswertung; untersucht wurden wie in der Registerstudie von Windfeld-Mathiasen und Kollegen Männer, die bei Kontrollen aufgefallen sind. Interessenkonflikte nicht geprüft.
59Rasmussen JJ, Albrethsen J, Frandsen MN, Jørgensen N, Juul A, Kistorp C (2021). Serum Insulin-like Factor 3 Levels Are Reduced in Former Androgen Users, Suggesting Impaired Leydig Cell Capacity. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 106(7):e2664–e2672. DOI 10.1210/clinem/dgab129 · PMID 33693710 44 Vergleichspersonen, 46 aktuelle und 42 ehemalige Anwender; mittlere Zeit seit dem Absetzen 32 Monate. Ein Marker für die Leistungsfähigkeit der hormonbildenden Zellen im Hoden war bei ehemaligen Anwendern niedriger als in der Vergleichsgruppe – und blieb es auch dann, wenn für den Testosteronwert gerechnet wurde. Je länger insgesamt angewendet worden war, desto niedriger lag der Marker. Einschränkung: Querschnitt, Selbstauskunft zur Vorgeschichte, rund 40 bis 46 je Gruppe. Die Pointe gehört dazugesagt: Ein normaler Testosteronwert nach dem Absetzen bedeutet nicht zwingend, dass die hormonbildenden Zellen wieder normal arbeiten. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
60World Health Organization Task Force on Methods for the Regulation of Male Fertility (1990). Contraceptive efficacy of testosterone-induced azoospermia in normal men. Lancet 336(8721):955–959. PMID 1977002 · DOI bei PubMed nicht hinterlegt 271 gesunde, zeugungsfähige Männer in zehn Zentren in sieben Ländern, 200 mg Testosteronenantat wöchentlich. Bis keine Spermien mehr nachweisbar waren, dauerte es im Mittel 120 Tage. Nach sechs Monaten hatten 65 Prozent diesen Punkt erreicht. Einschränkung: einarmige Studie ohne Vergleichsgruppe. Geldgeber: US-Regierungsstelle. Interessenkonflikte nicht hinterlegt.
61Kanayama G, Brower KJ, Wood RI, Hudson JI, Pope HG (2009). Anabolic-androgenic steroid dependence: an emerging disorder. Addiction 104(12):1966–1978. DOI 10.1111/j.1360-0443.2009.02734.x · PMID 19922565 Übersichtsarbeit. Rund 30 Prozent der Anwender entwickeln demnach ein Abhängigkeitsbild, also fortgesetzten Gebrauch trotz erkennbarer körperlicher, sozialer oder beruflicher Nachteile. Ein Entzugssyndrom ist beim Menschen und im Tierversuch dokumentiert. Besonderheit gegenüber klassischen Suchtmitteln: kein unmittelbarer Rausch, sondern eine verzögerte Belohnung über den Muskelzuwachs – weshalb die üblichen Abhängigkeitskriterien angepasst werden müssen. Einschränkung: Übersichtsarbeit, keine eigene Erhebung; die 30 Prozent sind eine Zusammenfassung über Studien mit sehr unterschiedlichen Gruppen. Eine neuere Übersicht nennt die Spanne 25 bis 40 Prozent. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
62Sagoe D, Molde H, Andreassen CS, Torsheim T, Pallesen S (2014). The global epidemiology of anabolic-androgenic steroid use: a meta-analysis and meta-regression analysis. Annals of Epidemiology 24(5):383–398. DOI 10.1016/j.annepidem.2014.01.009 · PMID 24582699 Zusammenführung von 187 Untersuchungen mit 271 Häufigkeitsangaben. Anteil der Menschen, die mindestens einmal im Leben anwendeten: weltweit 3,3 Prozent, Männer 6,4 Prozent, Frauen 1,6 Prozent. Einschränkung, von den Autoren selbst genannt: Die Streuung zwischen den Einzeluntersuchungen ist extrem hoch. Der Mittelwert von 3,3 Prozent ist ein Mittel über sehr ungleiche Gruppen und sollte nicht als „die“ Zahl gelesen werden. Für Deutschland gibt es keine belastbare eigene Erhebung. Kein Hinweis auf eine Verzerrung durch selektive Veröffentlichung. Interessenkonflikte nicht geprüft.
63Bundesministerium für Gesundheit (2015). Projekt „No Roids Inside – Prävention des Medikamentenmissbrauchs in Fitnessstudios“, durchgeführt von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Paderborn; Laufzeit Februar 2013 bis März 2015, 15 beteiligte Fitnessstudios. geprüft im Oktober 2026 Vom Bundesgesundheitsministerium gefördertes Präventionsprojekt. Es hält ausdrücklich fest, dass genaue Häufigkeiten des Medikamentenmissbrauchs für Deutschland nicht bekannt sind. Die gelegentlich zitierte Größenordnung von mehreren Hunderttausend Anwendern beruht auf der Annahme, fünf Prozent der Studiobesucher würden konsumieren. Einschränkung, und sie ist der Grund, warum die Zahl hier nicht in einer Tabelle steht: Es handelt sich um eine angenommene Quote, nicht um eine Messung. Das Projekt selbst erhebt keine Häufigkeit für Deutschland. Wer mit dieser Zahl weiterrechnet, rechnet mit einer Schätzung.
64Neves DBJ, Caldas ED (2017). GC–MS quantitative analysis of black market pharmaceutical products containing anabolic androgenic steroids seized by the Brazilian Federal Police. Forensic Science International 275:272–281. DOI 10.1016/j.forsciint.2017.03.016 345 beschlagnahmte Proben aus den Jahren 2011 bis 2016. 42,1 Prozent der Arzneimittel waren gefälscht, bei öligen Lösungen 65,2 Prozent. Zusammen mit den minderwertigen waren 53 Prozent zu beanstanden. 72 Proben enthielten keinen der angegebenen Wirkstoffe, 28 einen falschen. Die Unterdosierungen reichten bis auf 16,4 Prozent des angegebenen Werts herunter, die Überdosierungen bis 221 Prozent. Einschränkung: beschlagnahmte Proben aus einem Land, also nicht auf den hiesigen Markt übertragbar. Rückblickende Analyse ohne Vergleichsgruppe. Geldgeber und Interessenkonflikte nicht geprüft.
65Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG) vom 10. Dezember 2015 (BGBl. I S. 2210), zuletzt geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 10. März 2023 (BGBl. 2023 I Nr. 67); in Kraft seit 18. Dezember 2015. gesetze-im-internet.de/antidopg, geprüft im Oktober 2026 Paragraf 2 verbietet unter anderem, Dopingmittel zu Dopingzwecken herzustellen, damit Handel zu treiben, sie in Verkehr zu bringen oder zu verschreiben, sie bei anderen anzuwenden sowie sie in nicht geringer Menge zu erwerben oder zu besitzen. Paragraf 3 betrifft das Selbstdoping im organisierten Wettbewerb. Paragraf 4 sieht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor, in besonders schweren Fällen ein bis zehn Jahre. Für die Selbstdoping-Tatbestände setzt Paragraf 4 voraus, dass der Betreffende dem Spitzensport angehört oder aus dem Sport erhebliche Einnahmen erzielt. Mit demselben Gesetz wurden die früheren Dopingvorschriften im Arzneimittelgesetz aufgehoben. Einschränkung: Wiedergabe des Normtextes, überwiegend sinngemäß. Ob eine bestimmte Handlung „zu Dopingzwecken“ erfolgt, ist eine Frage der Rechtsanwendung und wird hier nicht bewertet. Vor rechtlich bedeutsamen Entscheidungen gehört der Wortlaut am amtlichen Text geprüft.
Was auf dieser Seite fehlt – und warum Dosierungen stehen hier nicht, weder für die Ersatztherapie noch für irgendetwas anderes – das gehört in die Hand dessen, der die Blutwerte vor sich hat. Zwei Arbeiten hätten die Seite schärfer gemacht und waren bei der Prüfung im Oktober 2026 nicht einsehbar: der einzige direkte Vergleich von Enantat und Cypionat (Schulte-Beerbühl und Nieschlag 1980, in der Datenbank ohne Kurzfassung) und die Nachweisfenster je Ester (Forsdahl und Kollegen 2015, nur kostenpflichtig). Bei mehreren älteren Arbeiten sind Geldgeber und Interessenkonflikte in der Datenbank gar nicht hinterlegt; dort steht „nicht geprüft“. Und für fünf der acht Ester gibt es schlicht keine veröffentlichte Halbwertszeit am Menschen – die Tabelle in Kapitel 05 zeigt diese Lücke, statt sie mit kursierenden Zahlen zu füllen. Lieber eine ehrliche Lücke als eine Angabe, für die niemand geradesteht.
Zum Schluss, in eigener Sache Ich bin Personal Trainer, kein Arzt. Ich behandle nichts – ich trainiere um Beschwerden herum und Schritt für Schritt in mehr Belastbarkeit hinein. Wo ärztliche Freigabe nötig ist, fange ich ohne sie nicht an. Diese Seite erklärt, was Studien zeigen, und ersetzt keine ärztliche Beratung.