Meist ab Mitte vierzig stellt sich der Hormonhaushalt um. Diese Seite erklärt, was dabei mit Östrogen, Progesteron und Testosteron geschieht, woran Du erkennst, wo Du stehst, und was laut Studien hilft – und was nicht. Sie ist für Frauen geschrieben, die wissen wollen, woran sie sind, bevor sie entscheiden.
Ein Satz vorweg, weil er den Ton dieser Seite setzt: Die Wechseljahre lassen sich nicht aufhalten. Was sich beeinflussen lässt, ist, in welcher Verfassung Du durch sie hindurchgehst – und dafür sind Muskeln, Knochen und Schlaf in diesen Jahren Deine wichtigsten Verbündeten.
Auf einen Blick · Einordnung von Alex Binelli
Acht Fragen, kurz beantwortet
Wenn Du nur zwei Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter. Vorweg, damit Du weißt, wen Du liest: Ich bin Personal Trainerin, keine Ärztin – diese Seite erklärt, was Studien zeigen, und bereitet das Gespräch mit Deinem Frauenarzt vor, statt es zu ersetzen.
Die Begriffe werden durcheinandergeworfen, deshalb zuerst die Einteilung. Die Menopause ist ein Tag: die letzte Regelblutung. Die Jahre davor heißen Perimenopause, die Zeit danach Postmenopause. „Wechseljahre" meint hier die ganze Strecke. Die Karten unten helfen beim Sortieren, sie ersetzen aber keine Einordnung durch Deinen Frauenarzt – dafür sind die Übergänge zu fließend.
Der Abstand zwischen zwei Regelblutungen schwankt um sieben Tage oder mehr. Östrogen schwankt in dieser Zeit oft besonders stark.7
Zwischen zwei Blutungen liegen mehr als 60 Tage. Die Einteilung stammt aus einem internationalen Stufenmodell und setzt voraus, dass Dein Zyklus vorher regelmäßig war.7
Erst wenn zwölf Monate lang keine Blutung mehr kam, steht die Menopause rückblickend fest.4 Jede Blutung danach gehört abgeklärt – meist steckt Harmloses dahinter, geprüft wird trotzdem.20
Etwa eine von hundert Frauen erreicht die Menopause vor 40, eine von tausend vor 30.4 Bleibt die Regel vor 40 aus, gehört das zum Frauenarzt – hier sieht die britische Leitlinie ausdrücklich Bluttests vor.7
Ohne Zyklus fehlt die wichtigste Orientierung. Dann können Bluttests auf FSH oder AMH helfen.7 Unter einer kombinierten Pille taugt der FSH-Wert nicht zur Einordnung.7
Bei Brustkrebs in der Vorgeschichte, einer Lebererkrankung, Thrombosen oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung besprichst Du jedes Mittel von dieser Seite vorher ärztlich – auch die pflanzlichen.
Hier steht, was sich aus den Studien dieser Seite ableiten lässt. Der Hebel, den Du selbst in der Hand hast, heißt Gebrauch: Muskeln und Knochen bleiben durch Belastung erhalten, und das gilt unabhängig davon, wie Du Dich bei der Hormonfrage entscheidest.
Viele stellen sich vor, die Hormone sinken langsam wie auf einer Rampe. In den Übergangsjahren stimmt dieses Bild nicht. Es ist eher eine Achterbahn – und daraus folgt fast alles, was auf dieser Seite noch kommt.
Das wichtigste Östrogen heißt Estradiol und entsteht in den Eibläschen der Eierstöcke. Schon bei jungen Frauen schwankt es gewaltig: von rund 20 während der Regel bis zu 400 um den Eisprung, gemessen in Pikogramm je Milliliter Blut – innerhalb eines Monats bis zum Zwanzigfachen.4 Sind die Eibläschen aufgebraucht, endet die Östrogenbildung im Eierstock.
Östrogen wirkt weit über die Gebärmutter hinaus. Im Temperaturzentrum des Gehirns bremst es bestimmte Nervenzellen; fällt diese Bremse weg, können Hitzewallungen und Nachtschweiß entstehen.4 Auch Knochen, Gefäße und Muskeln reagieren darauf – das ist Kapitel 05.
Das Gelbkörperhormon bildet der Körper in größeren Mengen nur nach einem Eisprung. Eisprünge werden in den Jahren vor der Menopause aber immer seltener. Deshalb sinkt Progesteron meist als Erstes – und daher stammt der wahre Kern der Erzählung von der „Östrogendominanz", die in Kapitel 07 auf den Prüfstand kommt.4
Oft heißt es, Testosteron breche mit der Menopause ein. Eine australische Untersuchung mit 1.423 Frauen zwischen 18 und 75 Jahren zeigt ein anderes Bild: Es sinkt vor allem in den frühen Erwachsenenjahren. Zwischen 45 und 54 hatte die natürliche Menopause keinen eigenen Einfluss auf den Spiegel.26 Auch nach der Menopause bildet der Eierstock weiter kleine Mengen männlicher Hormone. Deutlich niedriger lag Testosteron bei Frauen über 55, denen beide Eierstöcke entfernt worden waren.26
Die Hirnanhangdrüse steuert die Eierstöcke mit zwei Botenstoffen: FSH und LH. Antworten die Eierstöcke schwächer, ruft der Kopf lauter, und beide Werte steigen. Die Eierstöcke reagieren darauf anfangs teils mit sehr hohen Östrogenspiegeln – das kann sich zum Beispiel als Brustspannen bemerkbar machen.4
Eine kleine Untersuchung mit täglichen Urinproben passt dazu: Bei Frauen ab 43 fand sie im Schnitt sogar mehr Abbauprodukte von Östrogen als bei jüngeren Frauen, dazu weniger Abbauprodukte von Progesteron in der zweiten Zyklushälfte und kürzere Zyklen.6 Das ist der Grund, warum ein einzelner Bluttest in dieser Phase so wenig aussagt.
Acht von zehn Frauen haben in den Wechseljahren Beschwerden, etwa ein Drittel so stark, dass Alltag und Beruf darunter leiden.4 Umgekehrt heißt das: Zwei von zehn haben keine – und auch das ist normal.
| Beschwerde | Was die Studien zeigen |
|---|---|
| Hitzewallungen und Nachtschweiß | Im Median 7,4 Jahre (kein Mittelwert). Begannen sie vor oder am Anfang der Zyklusveränderungen: über 11,8 Jahre. Begannen sie erst nach der Menopause: 3,4 Jahre1 |
| Schlaf | Viele schlafen schlechter – laut einer Übersichtsarbeit nicht nur wegen der Wechseljahre, sondern auch wegen des Älterwerdens27 |
| Stimmung | Das Risiko für eine echte depressive Episode war in den Übergangsjahren zwei- bis viermal so hoch wie davor, unabhängig von Wallungen und Hormonwerten19 |
| Gedächtnis | In den Übergangsjahren lernten 2.362 Frauen bei wiederholten Tests weniger dazu als vorher. Nach der Menopause kam der Lerneffekt zurück28 |
| Gelenke und Muskeln | Eine Übersichtsarbeit aus 16 Studien mit rund 5.800 Frauen kommt in den Übergangsjahren auf 71 Prozent mit Schmerzen im Bewegungsapparat29 |
| Schleimhäute | Trockenheit und Schmerzen beim Sex betreffen in den späteren Übergangsjahren etwa jede dritte Frau. Anders als Wallungen geht das ohne Behandlung nicht von allein weg – was es dagegen gibt, steht in Kapitel 064 |
| Blutungen | Mindestens dreimal in dieser Zeit hatten drei von vier Frauen eine Regel von zehn Tagen oder länger, zwei von drei Schmierblutungen über sechs Tage, jede dritte starke Blutungen über drei Tage20 |
gemessen Werte aus den Quellen, nicht umgerechnet. Die Daten zu Dauer, Stimmung, Gedächtnis und Blutungen stammen aus derselben US-Langzeitstudie. Dauer, Stimmung und Blutungen beruhen auf eigenen Angaben der Frauen, die Gedächtnisleistung dagegen auf Tests. Beim ersten Blutungswert ist die Unsicherheit groß – die Spanne reicht von 57 bis 93 Prozent.20
Diese Beschwerden stehen nicht nebeneinander, sie schaukeln sich gegenseitig hoch: Wallungen stören den Schlaf, schlechter Schlaf drückt die Stimmung, und gedrückte Stimmung ging in den Daten mit stärkeren Wallungen einher.1, 27 Deshalb lohnt es sich, an einer Stelle anzusetzen, auch wenn mehrere gleichzeitig drücken.
Viele dieser Beschwerden sind unspezifisch. Drei andere Ursachen solltest Du kennen, weil alle drei behandelbar sind.
Schilddrüsenerkrankungen nehmen ab der Lebensmitte zu, vor allem bei Frauen. Müdigkeit, Schwitzen, Haarausfall und Schlaflosigkeit werden dann vorschnell den Wechseljahren zugeschrieben. Eine Blutuntersuchung schützt vor dieser Verwechslung.18
Starke Regelblutungen können blutarm machen, und Blutarmut macht müde. Die britische Leitlinie empfiehlt bei starken Blutungen für jede Frau ein Blutbild.7
Dieses Kapitel liefert die Begründung für Kapitel 02 – dort stehen die Schlüsse fürs Training, hier steht, warum sie gelten. Die Hormone stellen in diesen Jahren die Weichen für Muskeln, Fett, Knochen, Herz und Beckenboden – aber diese Gewebe reagieren weiter auf das, was Du mit ihnen machst.
Eine US-Langzeitstudie hat Fett und fettfreie Masse über die Wechseljahre verfolgt, gemessen mit einem Röntgen-Messverfahren. Mit Beginn der Übergangsjahre verdoppelte sich das Tempo der Fettzunahme, gleichzeitig sank die fettfreie Masse – die größtenteils aus Muskel besteht. Das ging so bis etwa zwei Jahre nach der letzten Regel, danach flachten beide Kurven ab. Das Gewicht stieg dabei nicht schneller als vorher.8
Östrogen wirkt auch im Muskel: Eine Übersichtsarbeit aus 23 Studien fand bei Frauen mit Hormontherapie im Schnitt etwa fünf Prozent mehr Kraft – ein kleiner Effekt.30 Die britische Leitlinie nennt die Belege dafür begrenzt und hält zugleich fest: Muskeln und Kraft bleiben durch Gebrauch erhalten.7 Genau dort liegt der Hebel, den Du selbst bedienst.
Eine US-Studie hat 156 Frauen vier Jahre lang jährlich vermessen. Fett unter der Haut legten alle mit dem Alter zu. Das Fett zwischen den Organen nahm aber nur bei den Frauen deutlich zu, die in dieser Zeit in die Menopause kamen. Bei ihnen sank auch der Energieverbrauch im Schlaf stärker, um 7,9 statt um 5,3 Prozent, und ihr Körper nutzte 32 Prozent weniger Fett als Brennstoff. Dazu kommt: Die Bewegung im Alltag sank schon zwei Jahre vor der Menopause deutlich und blieb niedrig.9
Für Dich heißt das: Der Körper spart in diesen Jahren Energie, und gleichzeitig bewegen sich viele Frauen weniger. Das Zweite kannst Du ändern.
Östrogenmangel nach der Menopause gilt als eine Hauptursache der Osteoporose.31 Wann der Abbau passiert, zeigt eine Auswertung bei 862 Frauen: Er beginnt etwa ein Jahr vor der letzten Regel und ist bis zwei Jahre danach am schnellsten. Dann bremst er ab, hört aber nicht auf.2
| Über zehn Jahre verloren | davon in den drei Jahren um die letzte Regel |
|---|---|
| Lendenwirbelsäule: 10,6 % | 7,4 % – gut zwei Drittel2 |
| Schenkelhals: 9,1 % | 5,8 % – knapp zwei Drittel2 |
gemessen Werte aus der Quelle. Frauen mit höherem Körpergewicht verloren langsamer.2 Die gute Nachricht steht in Kapitel 02: Knochen reagieren auf Belastung – und das Zeitfenster, in dem das am meisten zählt, ist genau dieses.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind laut einer Stellungnahme der American Heart Association die häufigste Todesursache bei Frauen; das Risiko steigt nach der Menopause deutlich.32 Was genau um die letzte Regel passiert, zeigt eine Auswertung bei 1.054 Frauen: Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und ein Maß für die Fett-Transporter im Blut stiegen im Jahr vor und nach der letzten Regel sprunghaft, während Blutdruck, Blutzucker und Entzündungswerte gleichmäßig mit dem Alter zunahmen.24 Die Forscher empfehlen, die Blutfette in diesen Jahren zu kontrollieren.
Ungewollter Urinverlust ist verbreitet – die meisten Bevölkerungsstudien kommen je nach Definition auf 25 bis 45 Prozent, ab 70 auf mehr als 40 Prozent.33 Geburten spielen eine große Rolle: In einer norwegischen Studie mit über 15.000 Frauen unter 65 lag der Anteil mit Urinverlust bei 10 Prozent ohne Geburt, 16 Prozent nach Kaiserschnitt und 21 Prozent nach vaginaler Geburt.34
Ob und wie Du behandelt wirst, entscheidest Du mit Deinem Frauenarzt. Dieses Kapitel hat nur ein Ziel: dass Du mit Wissen in dieses Gespräch gehst statt mit Angst oder Hype. Ich verordne nichts, und ich rate weder zu noch ab.
Den Kern bildet Östrogen gegen die Beschwerden. Östrogen allein bekommen nur Frauen ohne Gebärmutter – wer eine Gebärmutter hat, braucht zusätzlich ein Gestagen als Ersatz für das Gelbkörperhormon, weil Östrogen allein das Risiko für Krebs der Gebärmutterschleimhaut erhöht.25 Es gibt die Hormone als Tablette, als Pflaster, Gel oder Spray über die Haut und als lokale Behandlung in der Scheide; bei der lokalen Form gelangt nur sehr wenig Hormon ins Blut.7
Eine Übersichtsarbeit aus 24 Studien mit 3.329 Frauen fand: Hormontabletten senkten die Zahl der Hitzewallungen um 75 Prozent gegenüber Scheinpräparat, und die Wallungen wurden deutlich schwächer.12 Aufschlussreich ist die Vergleichsgruppe: Dort gingen die Wallungen vom Studienbeginn bis zum Ende um 57,7 Prozent zurück.12 Wallungen schwanken eben – das erklärt, warum so viele Mittel scheinbar helfen.
2002 brach eine große US-Studie ihren Arm mit Östrogen plus Gestagen ab. 16.608 Frauen zwischen 50 und 79 Jahren hatten im Schnitt 5,2 Jahre lang Hormone oder ein Scheinpräparat genommen. Je Jahr und 10.000 Frauen zeigte die Hormongruppe 7 Herzerkrankungen, 8 Schlaganfälle, 8 Lungenembolien und 8 Brustkrebsfälle mehr – sowie 6 Darmkrebsfälle und 5 Hüftbrüche weniger. Die Gesamtsterblichkeit blieb unverändert.35
Zwei Dinge gehören zur Einordnung: Die Frauen waren im Schnitt 63 Jahre alt, also meist viele Jahre nach der Menopause, und das damals geprüfte Präparat wird heute kaum noch verwendet.35 18 Jahre später kam die Nachbeobachtung: Gestorben waren in der Hormongruppe 27,1 Prozent, in der Vergleichsgruppe 27,6 Prozent – auch bei Herz-Kreislauf- und Krebstodesfällen kein Unterschied.36
Die US-Fachgesellschaft zieht daraus den Schluss: Für Frauen unter 60 oder bis zehn Jahre nach der Menopause ohne Gegenanzeigen fällt die Abwägung bei belastenden Wallungen und zum Schutz der Knochen günstig aus. Wer später beginnt, hat ein höheres absolutes Risiko für Herzerkrankungen, Schlaganfall, Thrombosen und Demenz.37
Brustkrebs. Eine Auswertung von über 100.000 Brustkrebsfällen weltweit fand ein erhöhtes Risiko bei jeder Form der Hormontherapie außer bei Östrogen in der Scheide. Es steigt mit der Dauer und ist mit Gestagen höher als mit Östrogen allein; nach dem Absetzen bleibt ein Teil über zehn Jahre bestehen.13 In Zahlen: Fünf Jahre Hormone ab 50 bedeuten bis zum Alter von 69 etwa einen zusätzlichen Brustkrebsfall je 50 Frauen bei Östrogen plus täglichem Gestagen, einen je 70 bei Gestagen nur an manchen Tagen, einen je 200 bei Östrogen allein. Zehn Jahre Einnahme verdoppeln diese Zahlen ungefähr.13
Thrombose und Schlaganfall. Laut britischer Leitlinie erhöhen Hormontabletten das Thromboserisiko; Pflaster und Gel in üblicher Dosis liegen nicht über dem normalen Risiko der Bevölkerung. Auch ein kleiner Anstieg des Schlaganfallrisikos ist nur für Tabletten beschrieben.7 Nicht in Frage kommen Hormone meist bei hormonabhängigem Krebs oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.
Elf internationale Fachgesellschaften haben sich auf eine gemeinsame Position geeinigt: Belegt ist Testosteron für Frauen nur bei einer einzigen Diagnose – anhaltend fehlender sexueller Lust nach der Menopause, festgestellt nach gründlicher Abklärung. Für jedes andere Ziel reichen die Daten nicht, auch nicht für Muskeln, Energie oder Vorbeugung.38 Testosteron als Muskel-Mittel für Frauen ist damit nicht belegt.
Die neuen Wirkstoffe setzen im Temperaturzentrum des Gehirns an und blockieren dort die Signale, die ohne Östrogen-Bremse überhandnehmen. Fezolinetant ist seit Dezember 2023 in der EU zugelassen; häufige Nebenwirkungen sind Durchfall und – was auf dieser Seite dazugehört – Schlaflosigkeit. Seit Januar 2025 gilt die Auflage, die Leberwerte vor Beginn und in den ersten drei Monaten monatlich zu kontrollieren, danach nach ärztlichem Ermessen.39 Elinzanetant ist seit November 2025 zugelassen und hilft auch bei Wallungen, die durch eine Antihormontherapie nach Brustkrebs entstehen.39
Dazu kommt ein Weg, der ohne jedes Präparat auskommt: die Verhaltenstherapie. Sie stützt sich bei den Schlafproblemen auf eine einzelne Studie und eine Leitlinienempfehlung – belegt, aber nicht überwältigend belegt. In einer US-Studie bekam die Hälfte von 106 Frauen zwischen 40 und 65 mit Schlafproblemen und Wallungen sechs telefonische Sitzungen – dabei wird die Bettzeit begrenzt, das Bett nur zum Schlafen genutzt und belastendes Gedankenkreisen bearbeitet. Nach acht Wochen hatten 70 Prozent keine Schlafstörung mehr gegenüber 24 Prozent in der Vergleichsgruppe, nach 24 Wochen 84 gegen 43 Prozent.23 Bei der Zahl der Wallungen unterschieden sich die beiden Gruppen nicht – die Beeinträchtigung durch sie ging in der Therapiegruppe aber deutlich stärker zurück. Für die Belastung durch Wallungen selbst zeigt eine britische Studie denselben Weg.23 Die britische Leitlinie nennt Verhaltenstherapie seit 2024 ausdrücklich auch für Schlafprobleme in den Wechseljahren.7
Hier gehen die Fachgesellschaften auseinander, und das gehört gesagt: Die US-Gesellschaft stuft einige Antidepressiva und Gabapentin als gut belegt ein, ebenso Verhaltenstherapie und klinische Hypnose.14 Die deutsche Leitlinie sieht das in ihrer Entwurfsfassung anders: Gabapentin solle Frauen nach der Menopause gegen Wallungen nicht angeboten werden, und SSRI und SNRI sind in Deutschland für Wechseljahresbeschwerden nicht zugelassen.15
Zwei Sätze vorweg: Kein Präparat ersetzt Training, Schlaf und Essen. Und pflanzlich heißt nicht harmlos.
| Mittel | Was die Quellen sagen |
|---|---|
| Kalzium und Vitamin D | gut belegt als Basis für die Knochen. Die deutsche Osteoporose-Leitlinie will täglich 1.000 mg Kalzium sichergestellt sehen, möglichst über das Essen, und mindestens 800 IE Vitamin D und nennt 800 bis 1.000 IE als Bereich, der ohne weitere Laborkontrolle auskommt; über 2.000 bis 4.000 IE soll es nicht gehen. Welche Menge für Dich passt, klärst Du ärztlich40 |
| Soja-Isoflavone | uneinheitlich Eine Übersichtsarbeit aus 17 Studien fand 20,6 Prozent weniger und 26,2 Prozent schwächere Wallungen, eine andere aus 43 Studien keinen schlüssigen Beleg. Die deutsche Leitlinie ist in ihrer Entwurfsfassung positiv, die US-Gesellschaft empfiehlt Soja nicht17, 15, 14 |
| Traubensilberkerze | uneinheitlich Der Pflanzenausschuss der europäischen Arzneimittelbehörde hält die Anwendung für etabliert, eine Übersichtsarbeit fand bei der Häufigkeit der Wallungen keinen Unterschied zum Scheinpräparat (3 Studien, 393 Frauen). Leberschäden sind beschrieben: Bei Müdigkeit, Appetitlosigkeit, gelber Haut oder gelben Augen, dunklem Urin oder starken Oberbauchschmerzen sofort absetzen und zum Arzt16 |
| Kreatin | uneinheitlich In einer kanadischen Studie trainierten 237 Frauen nach der Menopause zwei Jahre lang alle – Kraft an drei Tagen, Gehen an sechs –, die eine Hälfte zusätzlich mit Kreatin. Die Knochendichte veränderte sich dadurch nicht, die Form des Schenkelhalses blieb stabiler, und die Frauen gingen schneller. Auf die Kraft wirkte es nicht. Geprüft wurde Kreatin zusätzlich zum Training, nicht statt dessen41 |
| Rotklee | nicht belegt In fünf Studien kein Unterschied zum Scheinpräparat17 |
| Eiweißpulver | meist unnötig Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sieht keinen körperlichen Grund für Eiweiß-Ergänzungen; praktisch ist es nur, wenn Du Deine Menge über das Essen nicht schaffst22 |
gemessen Angaben aus den Quellen. Bei Brustkrebs in der Vorgeschichte oder unter Antihormontherapie: keine Isoflavone und keine Pflanzenmittel ohne Rücksprache – Frauen mit Brustkrebs waren aus diesen Studien ausgeschlossen.17 Bei einer Lebererkrankung oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme gilt dasselbe für die Traubensilberkerze.16
Rund um die Wechseljahre ist ein großer Markt entstanden, und mit ihm eine Menge Sätze, die sich hartnäckig halten. Von diesen acht Aussagen stimmt keine ganz, vier stimmen halb, vier stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht.
Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie nicht zeigen.
Bei der Studie mit dem größten Knochengewinn betreibt die leitende Forscherin eine Firma, die dieses Training anbietet.10 Das macht den Befund nicht falsch, es gehört aber danebengeschrieben – ebenso bei der Soja-Übersichtsarbeit und bei der deutschen Leitlinie.17, 15
Die Angaben zu Zulassungen, Warnhinweisen und Leitlinien sind auf dem Stand des Prüfdatums. Gerade bei den neuen Wirkstoffen ändert sich das schnell – im Zweifel gilt die Packungsbeilage und das, was Dein Arzt sagt.39
Die Studien zeigen, was im Mittel für eine Gruppe gilt. Mit einer Vorerkrankung zählt Dein eigener Fall – den klärst Du mit Deinem Arzt.
Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.
Die Stufen richten sich danach, wie die Befunde zustande kamen – Studienart und Einigkeit zählen mehr als die Zahl der Beteiligten. gut belegt – mehrere kontrollierte Studien zusammengefasst oder eine Leitlinie, Richtung klar · belegt – tragfähig, aber nur eine Untersuchung oder deutliche Streuung zwischen den Studien · erste Hinweise – eine kleine Studie oder aus zweiter Hand übernommen · uneinheitlich – die Quellen widersprechen sich · nicht belegt – die geprüften Quellen finden keinen Effekt oder verneinen die Aussage ausdrücklich.
| Frage | Einordnung |
|---|---|
| Beginnt der schnellste Knochenverlust rund um die letzte Regel? | belegt – eine Langzeitbeobachtung, Richtung eindeutig, aber nur diese eine Quelle; US-Daten |
| Verschiebt sich die Körperzusammensetzung in den Übergangsjahren? | belegt – zwei Studien, gleiche Richtung beim Umbau, gegenläufig beim Gewicht |
| Steigert schweres Krafttraining die Knochendichte? | belegt – eine ausgeloste Studie mit klarem Ergebnis, dazu eine 16-Jahres-Beobachtung ohne Auslosung; bei der ersten ein offengelegter Interessenkonflikt |
| Wirkt Beckenbodentraining bei Urinverlust durch Belastung? | gut belegt – Übersichtsarbeit über 31 Studien, gleiche Richtung; die Kernzahlen aus 4 Studien mit 165 Frauen |
| Hilft Verhaltenstherapie bei Schlafproblemen in den Wechseljahren? | belegt – eine ausgeloste Studie mit gut 100 Frauen an einem Ort, dazu eine Leitlinienempfehlung |
| Ist die Hormontherapie das wirksamste Mittel gegen Wallungen? | gut belegt – Übersichtsarbeit über 24 Studien mit 3.329 Frauen, dazu zwei Fachgesellschaften |
| Steigt das Brustkrebsrisiko unter Hormontherapie? | belegt – sehr große Auswertung, aber Beobachtungsdaten; die Forscher rechnen unter der Annahme eines ursächlichen Zusammenhangs |
| Hilft Training gegen Hitzewallungen? | uneinheitlich – eine Übersichtsarbeit findet nichts, eine Einzelstudie viel, nach zwei Jahren nichts mehr |
| Helfen Soja-Isoflavone gegen Wallungen? | uneinheitlich – zwei Übersichtsarbeiten mit gegenläufigem Ergebnis, Fachgesellschaften uneins, starker Scheinpräparat-Effekt |
| Nützt Kreatin den Knochen nach der Menopause? | uneinheitlich – eine Studie über zwei Jahre: beim Knochen und bei der Kraft ohne Effekt, bei Nebenzielen kleine |
| Sagen Hormonwerte im Speichel etwas aus? | nicht belegt – zwei Fachgesellschaften verneinen es ausdrücklich |
Das Kurze · Fazit in Zahlen
Jede Zahl mit Quelle und Haken
Die sechs Zahlen stammen aus den Studien und Leitlinien dieser Seite, Stand Oktober 2026. Zu jeder steht, wer untersucht wurde, was herauskam und wo der Haken liegt.
Gemeint ist der Tag der letzten Regel, erkennbar erst nach zwölf blutungsfreien Monaten: Die Menopause ist ein Datum, kein Zeitraum.
Ein Durchschnitt. Etwa eine von hundert Frauen ist jünger als 40, eine von tausend jünger als 30 – und vor 40 gehört das abgeklärt.
Häufig heißt: an mindestens sechs von 14 Tagen. Das ist kein kurzes Kapitel, auf das man warten kann.
Begannen die Wallungen vor oder am Anfang der Zyklusveränderungen, waren es über 11,8 Jahre; begannen sie erst nach der Menopause, 3,4 Jahre. Es ist ein Median, kein Mittelwert. US-Daten aus eigenen Angaben.
Von 10,6 Prozent Verlust an der Lendenwirbelsäule über zehn Jahre entfielen 7,4 Prozent auf die drei Jahre um die letzte Regel: Das Zeitfenster ist eng.
US-Daten. Frauen mit höherem Körpergewicht verloren langsamer; der Abbau bremst danach ab, hört aber nicht auf.
Unter schwerem, angeleitetem Training in acht Monaten – während sie in der Vergleichsgruppe um 1,2 Prozent sank: Knochen reagieren auf Belastung.
101 Frauen um die 65, vorher ärztlich untersucht und eng betreut. Die leitende Forscherin betreibt eine Firma, die dieses Training anbietet. Ohne Anleitung ist das kein Programm zum Nachmachen.
Gegenüber Scheinpräparat, und die verbleibenden Wallungen wurden deutlich schwächer: Es ist die wirksamste Behandlung gegen Wallungen.
Auch mit Scheinpräparat gingen die Wallungen um 57,7 Prozent zurück. Und das Brustkrebsrisiko steigt mit der Dauer: Fünf Jahre Östrogen plus täglichem Gestagen ab 50 bedeuten etwa einen zusätzlichen Fall je 50 Frauen.
Gegenüber einer Vergleichsgruppe, die ebenso viele Telefonsitzungen bekam, aber mit reiner Aufklärung; nach 24 Wochen 84 gegen 43 Prozent: Schlafprobleme sind behandelbar, auch ohne Hormone.
Eine Studie an einem einzigen Ort mit gut 100 Frauen. Bei der Zahl der Wallungen unterschieden sich die Gruppen nicht – die Beeinträchtigung durch sie sank in der Therapiegruppe aber deutlich stärker.
Jede Zahl ist an ihrer Quelle geprüft, Stand 14.10.2026 – die Studien an ihrer Kurzfassung in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, die Leitlinien an der jeweiligen Originalfassung. Eine Einschränkung steht offen: Die deutsche S3-Leitlinie lag am Prüfdatum nur als Entwurfsfassung vor. Die vollständigen Angaben, mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, folgen im Kapitel „Belegt".
Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Teilnehmer, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.