Rund um die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kursieren viele Regeln: morgens oder abends, nüchtern oder zum Essen, zusammen oder getrennt. Viele davon stammen aus Studien, die nur eine einzige Mahlzeit messen. Über eine ganze Kost oder über Wochen fiel ein Teil dieser Unterschiede kleiner aus oder verschwand.1, 2
Anders bei Medikamenten. Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Eisen und Zink können im Darm bestimmte Arzneimittel binden, etwa Schilddrüsenhormon, einige Antibiotika und Mittel gegen Osteoporose. Der nötige Abstand reicht je nach Mittel von 30 Minuten bis 6 Stunden; er steht in der Fachinformation, der ausführlichen Packungsbeilage für Ärzte und Apotheker.3, 4, 5 Ich bin Personal Trainer, kein Arzt und kein Apotheker – was für Dein Mittel gilt, sagt Dir die Apotheke.
Auf einen Blick · Einordnung von Stefan Trost
Neun Fragen, kurz beantwortet
Wenn Du nur zwei Minuten hast, reicht dieser Kasten. Alles Weitere steht darunter.
Die Studien auf dieser Seite stammen aus sehr verschiedenen Gruppen – von jungen Frauen mit leeren Eisenspeichern bis zu Erwachsenen, die Schilddrüsenhormon nehmen. Die Angaben zu Medikamenten stammen aus den Fachinformationen, den ausführlichen Packungsbeilagen für Ärzte und Apotheker. Lies die Karten, die auf Dich passen, dann weißt Du, was für Dich gilt.
Für Magnesium, Vitamin D, Omega-3 oder B-Vitamine ist keine Tageszeit belegt, die besser wirkt; für Omega-3 gibt es einen ersten Hinweis auf den Morgen.9, 10 Bei Medikamenten sinkt die Einnahmetreue im Mittel, je öfter am Tag man sie nehmen muss;33, 34 dass es bei Präparaten genauso ist, nehme ich an. Nimm sie zu einer festen Mahlzeit, dann vergisst Du sie nicht – das ist meine Einschätzung.
Levothyroxin morgens nüchtern, mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück; Eisen, Calcium als Carbonat und säurebindende Magenmittel mit Aluminium laut deutscher Fachinformation frühestens zwei Stunden danach.3 In kleinen Studien stieg der Wert, der eine Unterfunktion anzeigt, wenn Calcium oder Eisen gleichzeitig mit der Tablette kamen.35, 36 Zum Kaffee eine halbe bis eine Stunde Abstand.3
Doxycyclin und andere Tetrazykline sowie Ciprofloxacin und andere Fluorchinolone werden schlechter aufgenommen, wenn Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen oder Zink gleichzeitig im Darm sind, Doxycyclin und Ciprofloxacin auch mit Calcium; bei Moxifloxacin spielt Calcium laut Fachinformation keine Rolle.4, 8, 27, 28 Der Abstand reicht laut deutschen Fachinformationen von 1 bis 6 Stunden – welcher für Dein Mittel gilt, steht in der Packungsbeilage.4, 29
Bisphosphonate wie Alendronat nimmt der Darm ohnehin kaum auf; mit Kaffee oder Orangensaft sank die Aufnahme in Studien um rund 60 Prozent.5, 37 Laut Fachinformation nimmst Du Alendronat morgens nüchtern mit normalem Wasser, nicht mit Mineralwasser, und wartest mindestens 30 Minuten bis zu Essen, Getränken und anderen Mitteln; bei Ibandronat sind es 60 Minuten.5, 38 Calcium und Magnesium also später am Tag.
Bei Marcumar und ähnlichen Mitteln geht es nicht um Stunden, sondern um eine gleichbleibende Zufuhr: Vitamin-K-haltige Präparate können die Wirkung abschwächen; die Fachinformation rät dann zu häufigeren Gerinnungskontrollen.30 Fang Vitamin K2 nicht ohne Rücksprache mit Deinem Arzt an, und setz es nicht eigenmächtig ab.
Säureblocker wie Pantoprazol oder Omeprazol, oft „Magenschutz“ genannt, können über Monate den Magnesiumwert im Blut senken; die Fachinformation nennt selten schwere Fälle ab drei Monaten, meist nach einem Jahr.26 In einer großen Beobachtungsstudie hatten Menschen nach zwei Jahren damit häufiger einen Eisenmangel.39 Nimmst Du auch Schilddrüsenhormon, können sie dessen Aufnahme senken; laut Fachinformation werden die Schilddrüsenwerte dann regelmäßig kontrolliert.3 Sprich die Blutwerte bei Deinem Arzt an, statt auf Verdacht zu ergänzen.
Bei Eisen machen Kaffee und Frühstück einen messbaren Unterschied, die Tageszeit vielleicht auch; und jeden zweiten Tag genommen, füllte dieselbe Menge die Speicher so gut wie täglich, nur langsamer.7, 19 Wie viel Eisen Du nimmst, legt Dein Arzt fest. Kapitel 04 zeigt, wie Du das Beste aus der Tablette holst.
Phytat, ein Stoff aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen, bindet Zink; laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) kann die Aufnahme bei sehr viel Phytat um bis zu 45 Prozent sinken.40 Ein Zinkpräparat nimmst Du deshalb besser nicht zum Vollkornfrühstück – das ist meine Einschätzung.
Bei Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Nieren, Magen, Darm oder Stoffwechsel klärst Du vorher mit Deinem Arzt, ob und wie viel davon für Dich passt.
Wenn Du nur ein Kapitel liest, dann dieses. Wenige Regeln, die tragen – statt eines Stundenplans für jede Kapsel.
„Für Sportler“ gilt, wenn Du regelmäßig trainierst und Präparate rund ums Training nimmst. „Für alle anderen“ gilt, wenn es Dir um Alltag, Alter und Medikamente geht. Nimmst Du als Sportler Medikamente, gilt der Teil zu Medikamenten aus „Für alle anderen“ auch für Dich – das ist meine Einschätzung.
Wofür: Omega-3, Magnesium, Vitamin D, Zink oder Eisen so nehmen, dass sie ankommen – und sich nicht gegenseitig im Weg stehen.
Wann unnötig: Einen Zeitplan rund ums Training brauchst Du nicht. Ob Omega-3 vor oder nach dem Training anders wirkt, hat keine Studie untersucht, die ich gefunden habe.49
Menge: Wie viel Du brauchst, steht auf den Seiten zu den einzelnen Stoffen. Für Magnesium schlägt das BfR höchstens 250 Milligramm am Tag je Präparat vor, auf zwei oder mehr Portionen verteilt.9
Zeitpunkt: Omega-3 zu einer Mahlzeit mit Fett;12 Zink nicht zum Vollkornfrühstück;40, 50 Eisen, falls ärztlich verordnet, morgens nüchtern – und jeden zweiten Tag, wenn Dein Arzt einverstanden ist.7, 19
Risiken und Wechselwirkungen: Zink über lange Zeit in hohen Mengen kann Kupfer verdrängen; ein Expertengremium der EU hält bis 25 Milligramm am Tag aus allen Quellen für unbedenklich.51 Eisen und Zink als Präparate nicht gleichzeitig.45
Wofür: Präparate so nehmen, dass sie Medikamente nicht stören – und andersherum.
Wann unnötig: Milch und eisenreiches Essen musst Du nicht trennen – selbst Calcium als Präparat senkte den roten Blutfarbstoff über Wochen nicht; das ist meine Einschätzung.22 Und Vitamin C zum Eisen änderte bei Erwachsenen über Wochen kaum etwas.52, 53
Menge: Wie viel Du brauchst, steht auf den Seiten zu den einzelnen Stoffen; Calcium nimmst Du in Portionen bis 500 Milligramm.14
Zeitpunkt: Medikamente nach Packungsbeilage zuerst, Mineralstoffe mit Abstand – bei Schilddrüsenhormon laut deutscher Fachinformation mindestens zwei Stunden.3 Präparate zu festen Mahlzeiten, damit Du sie nicht vergisst – meine Einschätzung.
Risiken und Wechselwirkungen: Mineralstoffe binden Schilddrüsenhormon, einige Antibiotika und Mittel gegen Osteoporose;3, 5, 28 Vitamin K schwächt Gerinnungshemmer wie Marcumar;30 Biotin verfälscht Laborwerte.47
Entscheidungs-Check
Fünf Fragen für Deinen Einnahmeplan
Ob es eine Rolle spielt, wann und womit Du etwas nimmst, entscheidet sich im Darm. Vier Dinge passieren dort. Auf die Uhr schauen lohnt sich vor allem bei zweien: wenn sich ein Mineralstoff an ein Medikament bindet, und bei Eisen, weil der Körper dort nachregelt.
Vitamin D, Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren lösen sich in Fett, nicht in Wasser. Der Darm nimmt sie zusammen mit dem Fett aus der Nahrung auf; laut NIH kommt Vitamin D aber auch ohne Fett zum Teil an.55, 56 Wie stark das Fett zählt, hängt von der Form ab: Omega-3 als Ethylester, eine verbreitete Form in Kapseln, nahm der Körper zu einer fettreichen Mahlzeit dreimal so gut auf wie in früheren Messungen zu einer fettarmen.12
Eisen und Zink gelangen zum Teil über dieselben Transporter – eine Art Pforte in der Darmwand – ins Blut. Gibt man beide nüchtern in Wasser gelöst, hemmen sie sich gegenseitig; in einer Mahlzeit, mit den Mengen aus dem Essen, war davon kaum etwas zu sehen.57, 58 In den Mengen, die im Essen stecken, nutzt der Darm laut einer Übersicht meist eigene Wege für jeden Mineralstoff; ins Gehege kommen sie sich vor allem bei höheren Mengen.59
Calcium, Magnesium, Eisen, Zink und Aluminium können im Darm mit bestimmten Arzneistoffen eine feste Verbindung eingehen, die der Körper nicht aufnimmt – Fachleute sprechen von Chelat-Bildung.29, 60 Ähnlich bindet Phytat, ein Stoff aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen, Zink und Magnesium.40, 61 Und Kaffee und Tee hemmen mit ihren Polyphenolen, bestimmten Pflanzenstoffen, die Aufnahme von Eisen aus Pflanzen und Präparaten.7, 62 Hier zählt der Abstand – bei Medikamenten, weil an diesem Tag genug Wirkstoff ankommen muss.
Bei manchen Stoffen steuert der Körper selbst, wie viel er aufnimmt. Nach einer Eisendosis steigt im Blut das Hormon Hepcidin, das die Eisenaufnahme bremst; am Tag darauf nimmt der Darm deshalb weniger auf.63, 64 Dazu kommt, dass sich Effekte aus einer einzelnen Mahlzeit über eine ganze Kost verdünnen: Vitamin C, das Eisen aus einer einzelnen Mahlzeit deutlich besser verfügbar macht, wirkte über mehrere Tage mit gemischter Kost viel schwächer.1
Die meisten Regeln zur Einnahme stammen aus Studien mit einer einzelnen Mahlzeit oder Dosis: Sie messen über Stunden, wie viel im Blut ankommt. Solche Studien zeigen, ob sich zwei Dinge hemmen. Ob das über Wochen am Blutwert etwas ändert, zeigen erst Studien über Wochen und Monate – und davon gibt es weniger.2, 22 Auf dieser Seite steht deshalb bei den wichtigsten Befunden, ob sie aus einer einzelnen Mahlzeit stammen oder über Wochen gemessen wurden.
Bei Medikamenten ist der Befund aus einer einzelnen Dosis wichtig: Nahmen gesunde Männer das Antibiotikum Ciprofloxacin zusammen mit einer Eisentablette, lagen die Spitzenwerte im Blut unter der Menge, die viele empfindliche Erreger hemmt.8 Die Angaben zu Medikamenten auf dieser Seite stammen deshalb aus den Fachinformationen, den ausführlichen Packungsbeilagen für Ärzte und Apotheker; die Studien dahinter zeigen nur die Größenordnung.
Für die meisten Präparate gibt es keine Tageszeit, die nachweislich besser wirkt. Bei Eisen und bei Omega-3 als Ethylester zählt es dagegen messbar, was gleichzeitig im Magen ist.
Nach einer einzelnen hohen Dosis kam Vitamin D zu einer Mahlzeit mit Fett besser an als zu einer fettfreien: Der Vitamin-D-Wert im Blut lag nach zwölf Stunden um rund ein Drittel höher – gemessen wurde allerdings das eingenommene Vitamin D selbst, nicht der Speicherwert, den der Arzt im Labor bestimmt.16 In einer anderen Studie stieg dieser Speicherwert zwei Wochen nach einer einzelnen Dosis stärker, wenn sie zu einer Mahlzeit mit mindestens 15 Gramm Fett kam.17 Eine Übersicht fasst zusammen: Mit Fett wird Vitamin D besser aufgenommen, ohne Fett aber auch.65
Über Wochen sieht es anders aus. In der einzigen ausgelosten Studie über drei Monate, die ich gefunden habe, bekamen ältere Menschen einmal im Monat eine hohe Dosis – nüchtern, zu einer fettarmen oder zu einer fettreichen Mahlzeit. Nach 30 und nach 90 Tagen war der Speicherwert in allen drei Gruppen ähnlich gestiegen, ohne gesicherten Unterschied; nach der ersten Dosis hatte sogar die fettarme Mahlzeit am meisten gebracht.2 Für die übliche Einnahme über Monate gibt es nur eine kleine Beobachtung aus einer Klinik: Menschen, deren Wert trotz Vitamin D nicht ausreichend stieg, nahmen es zur größten Mahlzeit des Tages, und nach zwei bis drei Monaten lag der Speicherwert um gut die Hälfte höher. Eine Vergleichsgruppe gab es nicht; der Anstieg kann also auch andere Gründe haben.18 Meine Einordnung: Vitamin D zu einer Mahlzeit, wie Du sie ohnehin isst – eine besonders fettreiche muss es nicht sein.
Omega-3 aus Fischöl gibt es in mehreren Formen; auf vielen Packungen steht Ethylester, Triglycerid – die natürliche Form der Fette im Fischöl – oder „rTG“, eine wieder zu Triglyceriden umgebaute Form. Ethylester nahm der Körper zu einer fettarmen Mahlzeit schlecht auf, zu einer fettreichen etwa dreimal so gut – verglichen mit einer früheren Messung derselben Forscher.12, 66 In einer Studie mit einem Omega-3-Arzneimittel erreichten unter fettarmer Kost nur wenige Teilnehmer wenigstens die Hälfte der Menge, die sie unter fettreicher Kost aufnahmen.13 Die Erstautoren beider Arbeiten arbeiteten bei Pharmafirmen, in einem Fall beim Hersteller des geprüften Mittels.
Über sechs Monate stieg der Anteil von Omega-3 in den roten Blutkörperchen mit wieder zu Triglyceriden umgebauten Fettsäuren etwas stärker als mit Ethylestern – deutlich stieg er mit beiden.67 Laut NIH heben alle Formen die Werte im Blut deutlich.68 In einer kleinen Studie stieg der Omega-3-Wert im Blut gleich, ob die Teilnehmer Würstchen mit Fischöl morgens oder abends aßen; die Blutfette sanken nur bei der Einnahme am Morgen. Es war ein kleiner Vorversuch, und die meisten Autoren arbeiteten bei einer Lebensmittelfirma; ob der Unterschied bei den Blutfetten zwischen den Gruppen gesichert war, steht nicht in der Kurzfassung.10 Ob es einen Unterschied macht, Omega-3 vor oder nach dem Training zu nehmen, hat keine Studie untersucht, die ich gefunden habe.49 Meine Einordnung: Omega-3 zu einer Mahlzeit mit etwas Fett, egal um welche Uhrzeit. Geht es Dir um die Blutfette, spricht ein erster kleiner Vorversuch für das Frühstück.
Das BfR schlägt für Magnesium höchstens 250 Milligramm am Tag je Präparat vor und rät, die Menge auf zwei oder mehr Portionen zu verteilen – weil Du sie vermutlich besser verträgst und weil die Studien, auf denen die Grenze beruht, so dosiert haben.9 Eine Tageszeit nennt das BfR nicht. Dass Magnesium beim Einschlafen hilft, ist nur schwach belegt; eine aktuelle Übersicht hält es nicht für eine Behandlung von Schlafstörungen.69 Mehr dazu steht auf der Seite zu Magnesium.
Von kleinen Mengen Calcium nimmt der Körper anteilig mehr auf als von großen; laut NIH am besten von Portionen bis 500 Milligramm.14, 43 Calciumcarbonat ist stärker auf Magensäure angewiesen als Calciumcitrat, das Du laut NIH auch ohne Essen nehmen kannst; insgesamt kommt Calcium aus Präparaten zum Essen besser an – auch bei wenig Magensäure.14 Calcium kann Eisen und Zink hemmen – mehr dazu in Kapitel 05 – und bindet Schilddrüsenhormon und manche Antibiotika, mehr dazu in Kapitel 06.
Für Eisen gibt es die genauesten Daten. In einer Studie mit Frauen, deren Eisenspeicher leer waren, nahm der Darm aus einer Eisentablette mit Kaffee gut die Hälfte weniger auf als mit Wasser, zu einem Frühstück mit Kaffee und Orangensaft zwei Drittel weniger – obwohl im Saft rund 90 Milligramm Vitamin C steckten. Ohne Frühstück und Kaffee half Vitamin C dagegen: Mit 80 Milligramm nahm der Darm knapp ein Drittel mehr auf; gut die sechsfache Menge brachte nicht mehr. Nachmittags kam rund ein Drittel weniger an als morgens – ein Hinweis, nicht gesichert.7
Auch jeden Tag ist nicht unbedingt besser. Nach einer Eisendosis bremst der Körper die Aufnahme für rund 24 Stunden; jeden zweiten Tag genommen, kam deshalb von jeder Dosis mehr an.63, 64 In einer Studie mit Frauen mit knappem Eisen bekamen alle dieselbe Gesamtmenge: täglich über drei Monate oder jeden zweiten Tag über sechs. Am Ende waren die Eisenspeicher in beiden Gruppen gleich gefüllt, und jeden zweiten Tag gab es an den Einnahmetagen weniger Magen-Darm-Beschwerden. Täglich ging es schneller: Nach gut sechs Wochen und nach gut drei Monaten lagen die Speicher mit täglicher Einnahme höher.19 Die Autoren schränken ein: Wer wegen einer Blutarmut schnell auffüllen muss, ist mit täglicher Einnahme womöglich besser bedient.19 Eine Auswertung kleinerer Studien fand beim roten Blutfarbstoff keinen gesicherten Unterschied zwischen beiden Wegen, mit einem knappen Vorteil für täglich, und insgesamt ähnlich viele Nebenwirkungen; nur Metallgeschmack kam bei täglicher Einnahme häufiger vor.54 Wie viel Eisen Du nimmst und wie oft, legt Dein Arzt fest.
Kaffee und Tee etwas später helfen nur zum Teil: Bei Eisen aus einer Mahlzeit hemmte Kaffee eine Stunde danach so stark wie Kaffee zum Essen; nur Kaffee eine Stunde vorher hemmte nicht.44 Tee eine Stunde nach dem Essen halbierte die Hemmung etwa.70 Für Eisentabletten ist das nicht untersucht, soweit ich gefunden habe. Bei gefüllten Eisenspeichern hing Tee laut einer Übersicht nicht mit dem Eisenstatus zusammen; bei knappem Eisen gab es Hinweise auf einen Zusammenhang – aus Beobachtungsstudien, kein Beweis.71 Bekommst Du von Eisen nüchtern Magenbeschwerden, kannst Du es laut NIH zum Essen nehmen.15
Phytat aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen senkt die Zinkaufnahme; die DGE staffelt ihre Empfehlung danach, wie viel Phytat jemand isst, und nennt bis zu 45 Prozent weniger Aufnahme bei sehr viel Phytat.40 In einer Studie über einen Tag nahmen Frauen aus einer phytatreichen Kost ein Viertel weniger Zink auf, rund 1 Milligramm am Tag.50 Tierisches Eiweiß zur Mahlzeit verbessert die Zinkaufnahme.40 Einweichen, Keimen und Sauerteig bauen Phytat ab.40 Meine Einordnung: Ein Zinkpräparat nicht zum Vollkornmüsli, sondern zu einer anderen Mahlzeit.
Einen besten Zeitpunkt für B-Vitamine belegt keine Studie, die ich gefunden habe. Eine kleine Studie gibt einen Hinweis auf den Abend: Teilnehmer, die fünf Tage lang vor dem Schlafen einen B-Komplex nahmen, schliefen nach eigenen Angaben schlechter und waren beim Aufwachen müder. Der B-Komplex lief dort nur nebenher; der Hauptteil, hoch dosiertes Vitamin B6 allein, änderte die Schlafqualität nicht, nur die Erinnerung an Träume.11 In einer anderen kleinen Studie schliefen Gesunde mit hoch dosiertem Methylcobalamin, einer Form von Vitamin B12, kürzer; wann am Tag sie es nahmen, steht nicht in der Kurzfassung, und die Autoren nennen ihre Studie selbst vorläufig.72 Meine Einordnung: Wenn Du einen B-Komplex nimmst, dann morgens oder mittags. Dass der Urin danach gelb wird, liegt am Riboflavin, auch Vitamin B2 genannt, das der Körper ausscheidet – mehr dazu auf der Seite zum Vitamin-B-Komplex.73
Vitamin E braucht laut NIH Fett, um aufgenommen zu werden, und Vitamin K aus Gemüse kommt mit etwas Fett besser an.56 Eine Empfehlung, Präparate deshalb zum Essen zu nehmen, steht bei der NIH für A, E und K nicht. Meine Einordnung: Nimm sie trotzdem zu einer Mahlzeit, wie Vitamin D und Omega-3 – das ist leicht zu merken. Vitamin K und Gerinnungshemmer stehen in Kapitel 06.
Viele Warnungen vor Kombinationen stammen aus Studien mit einer einzelnen Mahlzeit. Die Tabelle stellt daneben, was über Wochen davon übrig blieb.
| Was trifft aufeinander | Zu einer Mahlzeit oder an einem Tag | Über Wochen |
|---|---|---|
| Calcium und Eisen | 300 bis 600 mg Calcium: 50 bis 60 % weniger Eisen | Roter Blutfarbstoff nicht gesunken, Eisenspeicher etwas niedriger, je mehr Calcium |
| Eisen und Zink als Präparate | Nüchtern in Wasser: gegenseitige Hemmung; in einer Mahlzeit kaum | Zink mit Eisen: Eisenwerte besserten sich weniger; Eisen änderte den Zinkstatus meist nicht |
| Calcium und Zink | Calcium-Präparat zur Mahlzeit: halb so viel Zink; Calcium im Essen eines Tages: kein Unterschied | Rund 470 mg mehr Calcium am Tag, in Phasen einer 36-Tage-Studie: rund 2 mg Zink am Tag weniger aufgenommen |
| Zink und Kupfer | – | 50 mg Zink über Wochen: laut NIH kann weniger Kupfer aufgenommen werden, laut EU-Gremium Kupferstatus unverändert; Mangel mit Beschwerden bei mehr als 150 mg über lange Zeit |
| Zink und Magnesium | – | 142 mg Zink senkten die Magnesiumaufnahme; in üblichen Mengen nicht untersucht |
| Phytat und Zink | Phytatreiche Kost eines Tages: ein Viertel weniger Zink | Vegetarisch über 8 Wochen: ein Drittel weniger Zink aufgenommen; der Zinkhaushalt blieb ausgeglichen |
| Phytat und Magnesium | 60 % weniger Magnesium aus Brot mit zugesetztem Phytat | nicht untersucht |
| Vitamin C und Eisen | 80 mg Vitamin C: knapp ein Drittel mehr aus einer Eisentablette | Bei Erwachsenen kaum Unterschied im Eisenstatus |
| Kaffee, Tee und Eisen | Kaffee zur Eisentablette: gut die Hälfte weniger; Tee zur Mahlzeit: knapp zwei Drittel weniger | Bei gefüllten Speichern kein Zusammenhang mit dem Eisenstatus, bei knappen Hinweise darauf |
gemessen So steht es in den Studien und Angaben der Behörden: Calcium und Eisen;21, 22 Eisen und Zink;23, 57, 58 Calcium und Zink;46, 50 Zink und Kupfer;45, 51 Zink und Magnesium;20 Phytat;50, 61, 74 Vitamin C;7, 52, 53 Kaffee und Tee.7, 44, 71 Die 60 Prozent bei Magnesium habe ich aus den Werten der Studie umgerechnet.
Calcium und Eisen sind das bekannteste Beispiel: Zu einer einzelnen Mahlzeit senkten schon Milch und Käse mit rund 165 Milligramm Calcium die Eisenaufnahme um die Hälfte und mehr.21 Über Wochen sank der rote Blutfarbstoff in einer Auswertung von Studien nicht; der Eisenspeicher im Blut, das Ferritin, lag aber umso niedriger, je mehr Calcium die Teilnehmer bekamen. Die Autoren halten die Daten für zu dünn für feste Empfehlungen und erwarten nicht, dass getrennte Einnahme bei Schwangeren die Blutarmut seltener macht.22 Laut NIH ist die Wirkung von Calcium auf die Eisenaufnahme nicht endgültig gesichert; trotzdem raten Fachleute dort, Calcium- und Eisenpräparate zu verschiedenen Tageszeiten zu nehmen.15
Bei Eisen und Zink hängt es von der Menge ab. Ab etwa 25 Milligramm Eisen gleichzeitig mit einem Zinkpräparat kann die Zinkaufnahme laut NIH sinken; die Zahl geht auf eine ältere Vermutung zurück, nicht auf eine Messung.45, 58 In einer Mahlzeit, mit den Mengen aus dem Essen, fiel die Hemmung kaum ins Gewicht; ob das auch für Präparate ab 25 Milligramm Eisen gilt, ist offen – eine Übersicht hält eine Wirkung dann für möglich und nennt den Rat, Eisenpräparate zwischen den Mahlzeiten zu nehmen.57, 58 In Studien über Wochen besserten sich die Eisenwerte weniger, wenn Zink dazukam; einen starken Grund, von gemeinsamer Einnahme abzuraten, sehen die Autoren aber nicht.23
Calcium und Zink: Ein Calciumpräparat zur Mahlzeit halbierte in einer Studie die Zinkaufnahme, und in Phasen mit mehr Calcium aus Milch oder einem Präparat sank sie um rund 2 Milligramm am Tag.46 In einer anderen Studie änderte Calcium aus dem Essen die Zinkaufnahme nicht.50
Zink und Kupfer betrifft vor allem hohe Mengen über lange Zeit, und hier sind sich zwei Behörden nicht ganz einig. Das EU-Expertengremium sah bei 50 Milligramm Zink am Tag über rund drei Monate keine Veränderung des Kupferstatus und hält zur Vorsorge die Hälfte, 25 Milligramm am Tag aus allen Quellen, für unbedenklich.51 Laut NIH können 50 Milligramm und mehr über Wochen die Kupferaufnahme hemmen; die US-Obergrenze liegt bei 40 Milligramm.45 Weniger aufgenommen heißt noch nicht Mangel: Einen Kupfermangel mit Beschwerden beschreibt das EU-Gremium erst bei mehr als 150 Milligramm Zink als Präparat über lange Zeit.51 Fälle mit Blutarmut und Nervenbeschwerden, wie sie für Kupfermangel typisch sind, traten bei verordneten hohen Zinkmengen auf.75
Ob Magnesium und Zink sich in den Mengen üblicher Präparate stören, hat keine Studie geprüft, die ich gefunden habe; gemessen ist nur, dass sehr viel Zink – fast das Sechsfache der EU-Grenze – die Magnesiumaufnahme senkte.20 Und Vitamin C zum Eisen: Zu einer einzelnen Dosis kommt damit mehr an,7 über Wochen änderte es bei Erwachsenen den Eisenstatus aber kaum – auch nicht, wenn sie Eisentabletten nahmen.52, 53
Hier geht es nicht um ein paar Prozent mehr oder weniger, sondern darum, ob ein Arzneimittel wirkt. Welcher Abstand gilt, steht in der Packungsbeilage Deines Mittels – und er unterscheidet sich von Wirkstoff zu Wirkstoff.
Die Tabelle zeigt für einige verbreitete Wirkstoffe, was die deutsche oder europäische Fachinformation zum Abstand zu Mineralstoffen sagt – und daneben das US-Label, die Fachinformation in den USA. Die beiden weichen zum Teil deutlich voneinander ab. Für Dein Präparat gilt seine eigene Packungsbeilage; sie muss laut Arzneimittelgesetz Wechselwirkungen nennen und, wo nötig, den genauen Zeitpunkt der Einnahme.41
| Wirkstoff, wofür | Deutschland, EU | USA |
|---|---|---|
| Levothyroxin, Schilddrüsenhormon | Nüchtern, mind. ½ Std. vor dem Frühstück; Eisen, Calciumcarbonat, Magenmittel mit Aluminium frühestens 2 Std. danach; Kaffee ½ bis 1 Std. Abstand | ½ bis 1 Std. vor dem Frühstück; 4 Std. Abstand zu Eisen, Calcium, Magenmitteln, davor oder danach |
| Ciprofloxacin, Antibiotikum | 1 bis 2 Std. vor oder mind. 4 Std. nach Mineralstoffen | 2 Std. vor oder 6 Std. nach |
| Levofloxacin, Antibiotikum | 2 Std. davor bis 2 Std. danach kein Eisen, Zink oder Magnesium | gleich |
| Moxifloxacin, Antibiotikum | etwa 6 Std. Abstand zu Magnesium, Eisen, Zink; Calcium ohne Wechselwirkung | 4 Std. vor oder 8 Std. nach |
| Doxycyclin, Antibiotikum | 2 bis 3 Std. Abstand zu Mineralstoffen und Milch | keine Stundenangabe |
| Minocyclin, Antibiotikum | 2 bis 3 Std. vor oder nach | nicht geprüft |
| Alendronat, gegen Osteoporose | Nüchtern, nur mit normalem Wasser, nicht Mineralwasser; mind. 30 Min. bis zu Essen, Getränken, anderen Mitteln | gleich |
| Ibandronat, gegen Osteoporose | 6 Std. vorher und 1 Std. danach keine anderen Mittel zum Einnehmen | nicht geprüft |
| Dolutegravir, gegen HIV | Nüchtern: Präparate mind. 2 Std. danach oder 6 Std. davor; zu einer Mahlzeit auch zusammen | nicht geprüft |
gemessen So steht es in den Fachinformationen und US-Labels, Stand jeweils in den Belegen: Levothyroxin;3, 6 Ciprofloxacin;28, 76 Levofloxacin;29 Moxifloxacin;4, 77 Doxycyclin;27, 78 Minocyclin;79 Alendronat;5 Ibandronat;38 Dolutegravir.80 „Nicht geprüft“ heißt: Das US-Label habe ich nicht abgerufen.
Nahmen gesunde Männer Ciprofloxacin zusammen mit einer Eisentablette, kamen knapp zwei Drittel weniger im Blut an, mit einem Multivitamin mit Zink gut ein Fünftel weniger – von mir aus den Werten der Studie umgerechnet.8 Calcium als Teil einer Mahlzeit beeinflusst Ciprofloxacin laut Fachinformation nur unwesentlich, Milchprodukte allein dagegen schon.28 Bei Tetrazyklinen nennt eine ältere Übersicht 50 bis 90 Prozent weniger, wenn Milch, säurebindende Magenmittel oder Eisen gleichzeitig kamen; drei Stunden Abstand verhinderten das.60 Bei Alendronat senkten Kaffee oder Orangensaft die ohnehin winzige Aufnahme um rund 60 Prozent, ein Frühstück zur selben Zeit um mehr als 85 Prozent.37 Beim HIV-Mittel Dolutegravir senkte Eisen auf nüchternen Magen die Menge im Blut um gut die Hälfte; nahmen die Teilnehmer Dolutegravir zwei Stunden vor dem Präparat oder beides zu einer Mahlzeit, war der Effekt aufgehoben.81
Bei Schilddrüsenhormon zeigt sich der Verlust am Blutwert: In zwei kleinen Studien stieg der TSH-Wert – das Hormon, das eine Unterfunktion anzeigt –, wenn Calcium oder Eisen über Wochen gleichzeitig mit der Tablette kamen; bei einem Teil der Teilnehmer nahmen Beschwerden einer Unterfunktion zu.35, 36 Kaffee zur Tablette senkte die Aufnahme deutlich, Kaffee eine Stunde später nicht mehr.82 Ob zwei oder vier Stunden Abstand zu Mineralstoffen genügen, hat keine Studie verglichen, die ich gefunden habe. Die deutsche Fachinformation nennt Eisen, Calciumcarbonat und Magenmittel mit Aluminium, das US-Label allgemein Eisen- und Calciumpräparate und säurebindende Magenmittel.3, 6 Eine Übersicht zählt auch Calciumcitrat zu den gesicherten Störern, und in einer kleinen Studie senkte Magnesium die Aufnahme etwas.24, 25
Bei Gerinnungshemmern wie Phenprocoumon, bekannt als Marcumar, geht es nicht um Stunden. Vitamin K wirkt ihnen entgegen: Laut Fachinformation können Vitamin-K-haltige Präparate und eine plötzlich geänderte Ernährung die Wirkung verändern; dann sind häufigere Gerinnungskontrollen nötig.30 In einer kleinen Studie mit Gesunden, die einen ähnlichen Gerinnungshemmer bekamen, senkten schon 10 Mikrogramm Vitamin K2 am Tag die Wirkung bei einem Teil der Teilnehmer spürbar – weniger als die Menge, die laut den Autoren in Präparaten üblich ist. Die Autoren raten, solche Präparate unter diesen Mitteln zu meiden.31 Auch Glucosamin, Gojibeeren und Johanniskraut nennt die Fachinformation.30 Fang ein Präparat mit Vitamin K nicht an und setz es nicht ab, ohne mit Deinem Arzt zu sprechen.
Omega-3-Fettsäuren können die Blutungszeit etwas verlängern. Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA sah für Erwachsene bis 5 Gramm der beiden wichtigsten Omega-3-Fettsäuren, EPA und DHA, am Tag kein erhöhtes Blutungsrisiko; zu Gerinnungshemmern äußert sie sich in ihrer Zusammenfassung nicht.83 Für ein Omega-3-Arzneimittel mit bis zu 4 Gramm am Tag verlangt die Fachinformation, dass Menschen mit Gerinnungshemmern überwacht werden.32 In einer Auswertung großer Herzstudien gab es mit Omega-3 insgesamt nicht mehr Blutungen, mit hoch dosiertem reinem EPA aber etwas mehr; die Arbeit bezahlte der Hersteller eines solchen Präparats. Eigens ausgewertet hat sie nur Begleitmittel wie ASS (Acetylsalicylsäure), die die Blutplättchen hemmen, nicht Marcumar.84 Für frei verkäufliche Fischölkapseln gibt es keine Fachinformation. Nimmst Du einen Gerinnungshemmer, sprich jedes Omega-3-Präparat bei Deinem Arzt an.
Säureblocker aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer, etwa Pantoprazol, oft „Magenschutz“ genannt, senken die Bildung von Magensäure. Sie sind etwas anderes als säurebindende Magenmittel, die vorhandene Säure binden; nur diese nennt zum Beispiel die Fachinformation der Schilddrüsentablette beim Abstand.3 Über Monate können Säureblocker den Magnesiumwert im Blut senken. Die Fachinformation nennt selten schwere Fälle nach mindestens drei Monaten, meist nach einem Jahr, und rät Ärzten, bei langer Einnahme eine Kontrolle des Werts zu erwägen.26, 85 Eine Auswertung von Beobachtungsstudien fand bei Menschen, die solche Mittel nahmen, häufiger einen niedrigen Magnesiumwert.86 In einer großen Beobachtungsstudie hatten Menschen nach zwei Jahren mit Säureblockern häufiger einen Eisenmangel.39 Beides zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis. Laut NIH hängt eine Behandlung über bis zu zehn Jahre bei gefüllten Eisenspeichern nicht mit Eisenmangel zusammen; wer schon einen Eisenmangel hat, spricht unter Säureblockern aber womöglich schlechter auf Eisentabletten an.15 Einen Zeitabstand zu Magnesium- oder Eisenpräparaten nennt die Fachinformation nicht.26 Calcium kommt auch bei wenig Magensäure zum Essen besser an.14 Bei langer Einnahme können Säureblocker auch die Aufnahme von Vitamin B12 verringern; die Fachinformation nennt das vor allem für Menschen mit knappen B12-Reserven oder anderen Risiken. Mehr dazu steht auf der Seite zum Vitamin-B-Komplex.26 Nimmst Du zugleich Schilddrüsenhormon: Säureblocker können dessen Aufnahme senken; die Fachinformation empfiehlt dann, die Schilddrüsenwerte regelmäßig zu kontrollieren; Vorsicht gilt laut Fachinformation auch beim Absetzen.3, 24 Wann Du den Säureblocker selbst nimmst, steht in seiner Packungsbeilage.
Biotin, ein B-Vitamin, kann viele Labortests stören: Es kann Schilddrüsenwerte und den Troponin-Test bei Verdacht auf Herzinfarkt verfälschen. Ein erhöhtes Risiko sieht das BfR ab 150 Mikrogramm am Tag, auch in einem B-Komplex, und rät, Arzt oder Labor die Einnahme zu nennen; eine Frist zum Absetzen nennt es nicht.47, 48 Die deutsche Fachinformation für Levothyroxin rät, das Labor zu informieren; das US-Label für Levothyroxin nennt mindestens zwei Tage Pause vor der Messung der Schilddrüsenwerte.3, 6 Sag es vor jeder Blutabnahme – und frag, ob Du vorher pausieren sollst.
Rund um die Einnahme von Präparaten kursieren viele Regeln – Du hörst sie im Studio, von Freunden, im Netz. Von diesen zehn Aussagen stimmen zwei, drei stimmen halb, fünf stimmen so nicht. In dieser Liste heißt ✓ stimmt, ~ stimmt halb, ✕ stimmt so nicht. Wie sicher die Studienlage jeweils ist, steht in Kapitel 09.
Zur Ehrlichkeit gehört beides: was die Studien zeigen, und was sie nicht zeigen.
Daraus könnte man schließen, Milchprodukte und eisenreiches Essen nie zusammen zu essen. Über Wochen sank der rote Blutfarbstoff aber nicht; trennen lohnt sich vor allem bei Präparaten.15, 22
Daraus könnte man schließen, Eisen müsse immer auf leeren Magen. Bekommst Du davon Beschwerden, kannst Du es laut NIH zum Essen nehmen – und jeden zweiten Tag gab es weniger Beschwerden.15, 19
Die Studien auf dieser Seite zeigen, was im Mittel für eine Gruppe gilt. Mit einer Vorerkrankung zählt Dein eigener Fall – den klärst Du mit Deinem Arzt.
Nicht jede Aussage auf dieser Seite steht gleich fest. Damit Du weißt, worauf Du Dich verlassen kannst, hier die Einordnung in Alltagssprache.
So lesen sich die Stufen: gut belegt – große Auswertungen oder übereinstimmende Bewertungen, alle in dieselbe Richtung; belegt – gute Studien oder Bewertungen, aber mit Grenzen; erste Hinweise – wenige oder kleine Studien; uneinheitlich – Studien oder Fachleute widersprechen sich; nicht belegt – Studien fanden keinen Nutzen, oder es gibt keine.
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Mineralstoffe senken die Aufnahme bestimmter Antibiotika, von Schilddrüsenhormon und Osteoporose-Mitteln | gut belegt – Fachinformationen in Deutschland und den USA, Studien zur Aufnahme; wie viel Abstand nötig ist, unterscheidet sich je Mittel |
| Calcium oder Eisen zur Schilddrüsentablette lassen den TSH-Wert steigen | erste Hinweise – zwei kleine Studien ohne Vergleichsgruppe, dazu die Fachinformationen |
| Säureblocker senken die Aufnahme von Schilddrüsenhormon | belegt – Fachinformationen in Deutschland und den USA, eine Übersicht über Studien |
| Vitamin K schwächt Gerinnungshemmer wie Marcumar | gut belegt – Fachinformationen in Deutschland und den USA; dass schon kleine Mengen K2 wirken, zeigt eine kleine Studie mit Gesunden |
| Eisen kommt nüchtern und ohne Kaffee oder Tee besser an | belegt – mehrere Studien mit markiertem Eisen und einzelnen Dosen oder Mahlzeiten |
| Eisen kommt morgens besser an als nachmittags | erste Hinweise – eine kleine Studie, der Unterschied ist nicht gesichert |
| Eisen jeden zweiten Tag füllt die Speicher so gut wie täglich, bei gleicher Gesamtmenge | belegt – eine ausgeloste, doppelt verblindete Studie mit jungen Frauen, täglich ging es schneller; eine Auswertung kleinerer Studien fand beim roten Blutfarbstoff keinen gesicherten Unterschied |
| Vitamin C verbessert über Wochen den Eisenstatus | nicht belegt – bei Erwachsenen kaum Unterschied, auch mit Eisentabletten |
| Calcium senkt über Wochen den Eisenstatus | uneinheitlich – roter Blutfarbstoff nicht gesunken, Eisenspeicher etwas; die Autoren halten die Daten für zu dünn |
| Omega-3 als Ethylester braucht eine Mahlzeit mit Fett | erste Hinweise – Studien mit einzelnen Dosen, mit Firmenbezug |
| Vitamin D wirkt nur mit einer fettreichen Mahlzeit | uneinheitlich – einzelne Dosis mit Fett meist besser, über drei Monate kein gesicherter Unterschied; eine kleine Beobachtung ohne Vergleichsgruppe spricht für die größte Mahlzeit |
| Magnesium wirkt zu einer bestimmten Tageszeit besser | nicht belegt – keine Vergleichsstudie gefunden; das BfR nennt keine Tageszeit |
| Phytat senkt die Zinkaufnahme | gut belegt – Studien und Referenzwerte der DGE, die nach Phytat gestaffelt sind |
| Zink in hohen Mengen verdrängt Kupfer | belegt – für hohe Mengen; ab welcher Menge, beurteilen das EU-Expertengremium und die NIH verschieden; dazu Fallberichte bei verordnetem Zink |
| Eisen und Zink als Präparate hemmen sich gegenseitig | belegt – nüchtern in Lösung gemessen, in Mahlzeiten mit Mengen aus dem Essen kaum; über Wochen besserten sich die Eisenwerte mit Zink weniger |
| B-Vitamine am Abend stören den Schlaf | erste Hinweise – eine kleine, kurze Studie mit Einnahme am Abend; eine zweite mit sehr viel B12 ohne Angabe der Tageszeit |
| Omega-3 nach dem Training wirkt schlechter | nicht belegt – keine Studie gefunden |
| Je mehr Einnahmen am Tag, desto häufiger wird eine vergessen | belegt – für Medikamente; dass es bei Präparaten genauso ist, nehme ich an |
Das Kurze · Fazit in Zahlen
Jede Zahl mit Quelle und Haken
Die sechs Zahlen stammen aus drei Fachinformationen und drei Studien, Stand Oktober 2026; wo ich eine davon selbst gerechnet habe, steht es dabei. Zu jeder steht, was herauskam und wo der Haken liegt.
Osteoporose-Mittel morgens allein: nüchtern, nur mit normalem Wasser.
Andere Wirkstoffe, andere Regeln: Bei Ibandronat 60 Minuten danach und sechs Stunden davor nichts.
Die Tablette zuerst, die Mineralstoffe später.
Das US-Label nennt vier Stunden; ob zwei oder vier genügen, hat keine Studie verglichen, die ich gefunden habe.
Zwei Stunden reichen nicht bei jedem Antibiotikum.
Das US-Label nennt 4 Stunden davor oder 8 danach; bei anderen Antibiotika reicht die Spanne laut deutscher Fachinformation von 1 bis 4 Stunden, je nach Wirkstoff und Reihenfolge.
Ohne Abstand kann ein Antibiotikum zu schwach ankommen.
Gesunde Männer, eine einzelne Dosis zusammen mit Eisen; Abstände wurden nicht geprüft. Prozentwert von mir aus den Werten der Studie gerechnet.
Eisen morgens, ohne Kaffee und Frühstück.
Einzelne Dosen bei jungen Frauen mit leeren Speichern; gemessen wurde die Aufnahme, nicht der Blutwert über Wochen.
Jeden zweiten Tag reicht – wenn Du dafür doppelt so lange nimmst.
Täglich füllten sich die Speicher schneller; dieselbe Gesamtmenge jeden zweiten Tag brauchte sechs statt drei Monate. Junge Frauen mit knappem Eisen, kaum mit Blutarmut; wer schnell auffüllen muss, ist laut den Autoren womöglich mit täglicher Einnahme besser bedient. Prozentwert von mir aus dem Verhältnis 1,56 gerechnet.
Jede dieser sechs Zahlen ist an der Quelle selbst geprüft, Stand 27.10.2026 – Studien an ihrer Kurzfassung, dem Überblick am Anfang jeder Studie, in PubMed, der großen Datenbank für medizinische Studien, und, wo frei zugänglich, an der vollständigen Arbeit; die Fachinformationen an ihrem Wortlaut bei fachinfo.de, der EMA und der US-Arzneimittelbehörde FDA. Die ausführlichen Angaben, mit Teilnehmern, Geldgebern und Interessenkonflikten, soweit ich sie prüfen konnte, folgen im Kapitel „Belegt“.
Zu jeder hochgestellten Zahl im Text: Quelle, Teilnehmer, Ergebnis, Einschränkung, Geldgeber und Interessenkonflikte. Studien habe ich über PubMed geprüft, Fachinformationen und Angaben von Behörden an ihren eigenen Dokumenten. Wo sich etwas nicht prüfen ließ, steht das dabei.
Ein paar Begriffe, die in den Belegen vorkommen: Eine Fachinformation ist die ausführliche Packungsbeilage eines Arzneimittels für Ärzte und Apotheker; das US-Label ist ihr Gegenstück in den USA. Eine Auswertung – Fachleute sagen Meta-Analyse – rechnet die Ergebnisse vieler Studien zusammen; eine Übersichtsarbeit fasst den Stand der Forschung zusammen, eine systematische Übersicht sucht und bewertet die Studien dabei nach festen Regeln. Ausgelost – Fachleute sagen randomisiert – heißt: Das Los entscheidet, wer das Mittel bekommt und wer in die Vergleichsgruppe kommt; ein Scheinmittel, auch Placebo genannt, sieht aus wie das Präparat, enthält aber keinen Wirkstoff. Bei einer Überkreuz-Studie bekommt jeder Teilnehmer nacheinander alle Varianten. Verblindet heißt: Die Teilnehmer wissen nicht, was sie bekommen; doppelt verblindet: auch die Forscher nicht. Eine Beobachtungsstudie greift nicht ein, sondern beobachtet nur; sie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen. Eine Fall-Kontroll-Studie vergleicht Menschen mit einer Erkrankung mit Menschen ohne. Markiertes Eisen enthält seltene, ungefährliche Formen des Eisens, sogenannte Isotope, die sich im Blut wiederfinden lassen; so lässt sich messen, wie viel aus einer Dosis ankommt. Gesichert heißt: so deutlich, dass Zufall als Erklärung unwahrscheinlich ist. Ferritin ist der Wert im Blut, der den Eisenspeicher anzeigt, Hämoglobin der rote Blutfarbstoff. TSH ist das Hormon, das die Schilddrüse antreibt; steigt es, deutet das auf zu wenig Schilddrüsenhormon. 25-OH-D ist der Vitamin-D-Wert, den das Labor als Speicherwert bestimmt. Der INR-Wert zeigt, wie stark ein Gerinnungshemmer wirkt. Mikrogramm (µg) ist ein Tausendstel Milligramm; µg/l und ng/ml sind Einheiten für Blutwerte.